00:00Mit Wollen und Müssen ist das so eine Sache.
00:27In Nobody Wants to Die will, wie es der Name erahnen lässt, niemand sterben.
00:32Weil das Leben aber auch in der dystopischen Zukunft des Jahres 2329 kein Wunschkonzert
00:37ist, müssen eben doch ein paar Leute dran glauben.
00:40Eine grausame Mordserie nimmt die gesellschaftliche Elite New York Citys ins Visier.
00:44Und das ruft uns auf den Plan.
00:46Wir schlüpfen in die Rolle des Polizisten James Carrah und versuchen in einer gut 6
00:51Stunden dauernden linearen Kampagne die erschreckenden Hintergründe der Taten aufzudecken.
00:55Unterstützung erhalten wir dabei von der jungen Kollegin Sarah Kay, mit der wir uns
00:59per Funk austauschen.
01:25Die Polizistenrolle in Nobody Wants to Die füllen wir eher wie Sherlock Holmes und weniger
01:34wie John McClane aus Stirb langsam aus.
01:37Wir sind also ein akribischer Detektiv, der an Tatorten ermittelt, Spuren sichert und
01:40Schlussfolgerungen zieht.
01:42Dazu suchen wir, wie in einem klassischen First-Person-Adventure, die Tatorte nach Spuren
01:47ab, kombinieren später die Hinweise zu einem großen Ganzen und setzen diverse Gadgets
01:51ein, mit denen wir die Verbrechen sogar als begehbare Zeitkapsel rekonstruieren.
01:55Das alles passiert dank Unreal Engine 5 in einer bis auf wenige Ausnahmen atemberaubenden
01:59Grafik, die uns von Anfang bis Ende ins Spiel hineinzieht.
02:06Doch Nobody Wants to Die ist keinesfalls ein Blender.
02:09Grafik und Atmosphäre füttern uns zwar an, doch am Ende sind es die Story, die Figuren
02:13und die launigen Dialoge, die uns schließlich packen und nicht mehr loslassen.
02:17Eher wie uns versehen stecken wir in einem Sumpf aus Gier, Macht und Korruption und das
02:21alles in bester Film-Noir-Tradition.
02:24Deshalb stellen wir uns auch grundlegende Fragen über Ethik und Moral, die wir als
02:28einfacher Polizist gar nicht so leicht beantworten können.
02:31Statt uns jetzt aber zu lange den Kopf zu zerbrechen, widmen wir uns lieber erstmal
02:36leichteren Fragen.
02:37Zum Beispiel, was taugt denn Nobody Wants to Die eigentlich?
02:40Die Antwort gibt's jetzt im Testvideo.
02:55James Carra ist ein Noir-Charakter, wie er im Buche steht.
03:03Nach einem schweren Schicksalsschlag und tragischem Verlust ist er Alkohol- und Drogenabhängig.
03:07In seiner Arbeit als Polizist sind Vorschriften für ihn eher eine Empfehlung statt verpflichtende
03:12Verhaltensgrundlagen, was ihn natürlich nicht gerade zum Liebling seines Vorgesetzten macht.
03:16Außerdem ist James ein wahrer Zyniker vor dem Herrn.
03:19Und trotzdem, wenn es hart auf hart kommt, oftmals der einzig moralische, rechtschaffende
03:24Fels in der Brandung konsumgeleiteter Unmenschlichkeit.
03:26Weil er auch im 24.
03:29Jahrhundert noch ein Fable für alte Filme, Baseball-Spiele, laute Motoren und echten
03:33statt synthetischen Whisky hat, wirkt unser Protagonist wie ein aus der Zeit gefallener
03:37Außenseiter.
03:38Auch das hakt natürlich jede Menge Noir-Klischees ab.
03:42Aus der Zeit gefallen ist dabei übrigens das große Thema von Nobody Wants to Die.
03:47In der Zukunft speichern Menschen nämlich ihr Bewusstsein mit einer Technologie namens
03:51Ichorite.
03:52Im Fall des Todes kann die Persönlichkeit in einen neuen Körper geladen werden, was
03:56praktisch Unsterblichkeit bedeutet.
03:57Wird das Ichorite hingegen zerstört, fällt der Respawn im neuen Körper für immer aus.
04:04James selbst gewöhnt sich nach einem schrecklichen Unfall auch gerade erst an seinen neuen Körper,
04:09als er seinen Dienst bei der New Yorker Polizei wieder antritt.
04:12Während wir noch mit uns selbst hadern, stellt unser Chef uns Sarah vor und schickt uns für
04:16einen vermeintlichen Routineauftrag ins Penthouse des reichen Wohltäters Edward Greene.
04:21Hier finden wir nicht nur ein luxuriöses Ambiente, sondern vor allem einen Tatort vor.
04:25Edward Greene ist tot.
04:27Vermutlich wurde er ermordet.
04:29Weil auch dessen Ichorite zerstört ist, muss ein Profi am Werk sein.
04:33James und Sarah nehmen die Ermittlungen auf und geraten in einen verzwickten Sumpf aus
04:37Lügen und Gewalt.
04:40Mehr wollen wir zur Story auch gar nicht verraten, denn die ist neben den oft eindrucksvollen
04:45Kulissen und der packenden Noir-Atmosphäre die große Stärke des Spiels.
04:50Wir wollen im Test immer wissen, wie es weitergeht, welche Geheimnisse die Figuren mit sich herumtragen
04:54und wem wir überhaupt vertrauen können.
04:56Das Zusammenspiel aus James und Sarah erweist sich dabei als der Kit, der die guten Einzelideen
05:01in Sachen Gameplay, Level-Architektur und Grafik zu einem stimmigen Gesamtwerk verdichtet.
05:10Die anfangs distanzierten Kollegen lernen sich im Laufe des Spiels sehr gut kennen und
05:13entwickeln sich in vielen erstklassigen Gesprächen zu ebenbürtigen Kommunikationspartnern.
05:21Außerdem bauen James und Sarah mit der Zeit mehr Vertrauen zueinander auf... oder vielleicht
05:39auch nicht?
05:40Nobody Wants to Die wartet nämlich mit zwei Enden auf, deren Auslösen auch von unseren
05:45Entscheidungen in Gesprächen abhängt.
05:47Wir müssen Sarah beispielsweise nicht immer alles verraten, was wir an den Tatorten entdecken.
05:51Abhängig von unseren Entscheidungen sind dann auch manchmal Antwortmöglichkeiten
05:56in den Dialogen verschlossen, also wortwörtlich.
05:59An diesem kleinen Schloss-Symbol sehen wir, dass es hier noch eine andere Option gegeben
06:03hätte.
06:04Vielleicht haben wir einen Hinweis übersehen oder eine Entscheidung getroffen, die uns
06:07jetzt eine Antwortmöglichkeit versperrt.
06:09Ob das gut oder schlecht ist, wird fast nie sofort klar.
06:12Doch während des Spielverlaufs stellen wir die Weichen fürs Ende.
06:15Es gibt also nicht die eine Situation, in der wir uns für den einen und gegen den anderen
06:20Weg entscheiden.
06:21Allerdings erweisen sich manche Entscheidungen in Dialogen auch als aufgesetzt, weil die
06:25Antwort von Sarah zu jeder Variante passt.
06:27Doch genug von den Charakteren, lasst uns über das Gameplay sprechen.
06:32Zunächst aber eine kleine Entwarnung.
06:34Wir zeigen hier im Video nur Material aus James' Apartment und von den ersten beiden
06:38Tatorten, nämlich dem erwähnten Penthouse von Edward Greene und einem Zeppelin.
06:45Weil an Tatorten die Verbrechen längst stattgefunden haben und Tote normalerweise äußerst Wortkack
06:54erscheinen, greifen wir tief in die Detektiv-Drehkiste.
06:58Taschen und UV-Lampe helfen uns beim Sichten von Spuren, ein Röntgengerät macht hinter
07:03Wänden verlaufende Kabel, Generatoren und manchmal sogar Flugbahnen von Kugeln sichtbar.
07:07Die tatsächliche Ermittlungsarbeit erledigen wir aber mit dem sogenannten Reconstructor.
07:12Haben wir wie in einem klassischen Adventure den Tatort abgesucht und ausreichend Hinweise
07:16gefunden, können wir den Ablauf des Verbrechens rekonstruieren.
07:20Dazu drehen wir tatsächlich an der Zeit.
07:23Das erinnert dann ein bisschen an die Verbrechensaufklärung im Film Minority Report, nur dass wir im Gegensatz
07:28zu Tom Cruise in die Vergangenheit schauen.
07:30Auf dem Zeppelin finden wir beispielsweise schnell heraus, dass es eine Schießerei gab.
07:35Mittels Reconstructor bauen wir die entscheidenden Momente nach.
07:38Wir heben Gegenstände auf und drehen sie, wie etwa in Resident Evil 7, um auf Rückseiten
07:43versteckte Hinweise zu finden.
07:45Außerdem lesen wir Dokumente, betrachten Bilder, analysieren DNS-Proben, folgen Blutspuren
07:50und puzzeln uns so nach und nach die Geschehnisse am Tatort zusammen.
08:01Weil unser Arsenal an Möglichkeiten sich nicht verändert, bleiben auch unsere Methoden
08:05und somit die Abläufe an den fünf großen Tatorten gleich.
08:08Abwechslung kommt durch die Schauplätze, die Story und die auf unseren Protagonisten
08:12wirkenden Einflüsse ins Spiel, nicht durch die Gameplay-Mechanik.
08:15Die Rätsel erweisen sich dabei nämlich nicht gerade als Kopfnüsse, stellen uns also kaum
08:19vor Herausforderungen.
08:24Wer aber doch mal komplett auf dem Schlauch steht, nutzt die Hilfsanzeige und blendet
08:28den nächsten Zielpunkt einfach ein.
08:32Unser an den Tatorten gesammeltes Wissen ordnen wir zwischen den Missionen in James'
08:36Wohnung auf einer projizierten Ermittlungstafel an.
08:39In dem zunächst etwas verwirrend präsentierten Minispiel bekommen wir nicht nur mehr Hintergrundinfos
08:44von James und Sarah, sondern verknüpfen auch Beweise, stellen Hypothesen auf und finden
08:49den Weg zum nächsten Einsatzort.
09:06Unterlegt werden die Gespräche, Ermittlungen und kleinen Nebenszenen dabei übrigens von
09:14einem fantastischen Soundtrack.
09:16In Sachen Atmosphäre punktet Nobody Wants To Die wirklich auf ganzer Linie.
09:32Wenn wir hier aus James' Apartment in die tiefen Häuserschluchten New Yorks schauen,
09:35erzeugt das Treiben ähnlich starke Bilder wie im Film Das fünfte Element oder natürlich
09:40Blade Runner.
09:41Das Treppenhaus hier könnte sogar eins zu eins aus dem Harrison Ford Klassiker stammen.
09:45In Sachen grafische Atmosphäre und Immersion stören wir uns nur an der manchmal spürbaren
09:50Unruhe bei der Beleuchtung.
09:51Das kommt durch die geringe Abtastrate und der Lumen-Technologie und tritt derzeit noch
09:55in vielen Spielen mit der Unreal Engine 5 auf, wenn es um Licht und Schatten und Spiegelungen
09:59geht.
10:05Neben allen ernsten Themen zeigt das polnische Entwicklerteam der Critical Hit Studios noch
10:14oft einen Sinn für Details und manchmal sogar richtigen Humor, wie etwa in dieser Situation,
10:19als sich James mit seinem Nachbarn ein Duell um die Kontaminierungsdusche liefert.
10:35Unseren Helden steuern wir am PC übrigens entweder mit Controller oder per Maus und
10:48Tastatur.
10:49Beide Eingabearten funktionieren sehr gut, aber in seltenen Fällen wird die Steuerung
10:53unnötig hakelig.
10:54Etwa wenn wir mit unserer Kamera Fotos der Opfer machen, dann bewegen wir mit der Maus
10:58plötzlich den Bildausschnitt vor und zurück, statt wie bisher im Shooter-Stil zu navigieren.
11:03In unserer Testversion stolperten wir zudem über eine Stelle, an der wir den Text eines
11:08Dokumentes mit dem Mausrad nicht runterscrollen konnten.
11:11Mit dem Gamepad funktionierte es.
11:12Und an zwei anderen Stellen zu Spielbeginn blieb die Taschenlampe ausgeschaltet, wenn
11:16wir bereits ein anderes Gadget in der Hand hielten.
11:19Außerdem ging es mal an einer Stelle nicht weiter, bis wir den Spielstand neu geladen
11:22hatten.
11:23Nobody Wants to Die kann also durchaus noch einen Patch für die kleinen Kinderkrankheiten
11:27der Release-Version gebrauchen.
11:29Im Großen und Ganzen läuft das Spiel aber rund und bietet auch viele Einstellmöglichkeiten
11:33an, bis hin zum Field of View Slider.
11:35Sprachausgabe gibt es jedoch nur auf Englisch, ihr könnt aber deutsche Untertitel dazuschalten.
11:39Doch wie lautet denn jetzt unser Fazit?
11:43Nobody Wants to Die ist ein weiterer Beweis dafür, was auch kleine Teams mit der Unreal
11:47Engine 5 auf die Beine stellen können.
11:49Das Spiel sieht fantastisch aus und erzeugt so eine dichte Atmosphäre einer dystopischen
11:53Zukunft, dass wir beim Spielen den Smog schon fast riechen können.
11:57Für uns ist die Länge der Kampagne von 6 Stunden kein Negativpunkt, denn die Geschichte
12:03endet, wenn sie auserzählt ist.
12:05Das schaffen nicht viele Spiele und auch Konkurrenten wie etwa Ford Solace oder das
12:09jüngst erschienene Still Wakes the Deep sind mit einer kompakten Spielzeit durchaus erfolgreich.
12:15Außerdem ist so die Hürde für weitere Durchläufe kleiner.
12:18Die haben dann zwar nicht mehr diesen Wow-Effekt wie beim ersten Mal, allerdings sind da noch
12:22sehr viele Details, die wir bisher nicht entdeckt haben.
12:25Was bei uns fürs Narrativ gilt, können wir beim Gameplay jedoch nicht komplett unterschreiben.
12:29Hier hätten ein paar mehr Mechaniken um die Gadgets herum für ein bisschen mehr Abwechslung
12:33gesorgt.
12:34Vielfalt gibt es zwar durch die Schauplätze und vor allem durch die Story sowie die Figuren-Konstellationen,
12:39spielerisch wäre hier aber mehr drin gewesen, zumal das Sci-Fi Setting ja noch mehr Detektiv-Tools
12:44ermöglicht hätte.
12:46Dennoch empfehlen wir Nobody Wants to Die jedem, der sich für das Setting begeistern
12:50kann.
12:51Mit einem Mix aus Blade Runner-Kulisse, Max Payne-Monologen und Film-Noah-Ermittlung kann
12:55Genre-Fans für ein, zwei Abende wirklich gut unterhalten und ist ein Erlebnis, das
13:00man dank der teils eindrucksvollen Szenen so schnell nicht vergisst.
13:03Da kann man dann auch mal ein Auge zudrücken, wenn die eine oder andere kleine Inkonsistenz
13:17beim Worldbuilding und Storytelling in den Dialogen auftaucht.
13:21Denn das ist streng genommen bei den offensichtlichen Vorlagen, an denen sich Nobody Wants to Die
13:25orientiert, ja eigentlich auch nicht anders.
13:28Film-Noah und Co. leben nun mal auch von ihren Klischees, denn die sorgen für Wiedererkennung
13:33und deshalb passt Nobody Wants to Die hier wirklich perfekt rein.
13:50Untertitel der Amara.org-Community
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