00:00Vier Tage, vier Nächte und ein Stapel Pizzakartons. Dann war das Wahlprogramm des
00:05links-grünen Bündnisses Neue Volksfront, kurz NFP, in Frankreich fertig. Dass sich
00:10Linkspopulisten, Sozialisten, Kommunisten und Grüne vor der Neuwahl so schnell einigen konnten,
00:16hatte viele überrascht. Dass das Bündnis nun auch noch die Parlamentswahl gewonnen hat,
00:21hatte kaum jemand vorausgesehen. Es gilt als eine Neuauflage des Wahlbündnisses
00:26von 2022, das wegen inhaltlicher Differenzen der Beteiligten in die Brüche ging. Der Name
00:33erinnert indes an die linke Volksfront unter Léon Blum, die in den 30er-Jahren in Frankreich kurz
00:38regierte. Die NFP ist ein Zusammenschluss mehrerer linker Parteien. Die meisten Sitze
00:44im Parlament erhält die linkspopulistische France Insoumise LFI, rund um den früheren
00:49Parteichef Jean-Luc Mélenchon. Der auch intern umstrittene Mélenchon hatte sich
00:54vor der Wahl zwar selbst als Kandidaten für den Posten des Premierministers ins Spiel gebracht,
00:58er stößt aber bei den anderen Parteien des Bündnisses auf Ablehnung, vor allem bei den
01:04Sozialisten. Diese gehen widererstarkt aus der Parlamentswahl hervor, sie stellen nur knapp
01:10weniger Abgeordnete als LFI. Ein Erfolg, die Partei hatte seit der Wahl Macrons 2017 ums
01:16Überleben gekämpft. Dazu kommen die Kommunistische Partei und die Grünen. Das Bündnis hat im
01:23Wahlkampf zahlreiche Versprechen gemacht. Eine Erhöhung des Mindestlohns, die automatische
01:27Anpassung der Löhne an die Inflation, das Einfrieren der Preise für Energie, Treibstoff
01:32und Grundnahrungsmittel. Finanziert werden soll dies unter anderem durch eine wieder eingeführte
01:38Reichensteuer. Zudem soll Macrons unpopuläre Rentenreform zurückgenommen werden. Ob das
01:44Bündnis hält, ist offen. Allzu fest ist der Zusammenhalt nicht. Am Wahlabend feierte jede
01:49Partei in einer anderen Kneipe. Das Vorgängerbündnis Nüppes war auseinandergebrochen,
01:54weil die linkspopulistische Partei LFI die radikal-islamische Palästinenser-Organisation
02:00Hamas nicht als terroristisch einstufen wollte. Im Wahlprogramm haben die Beteiligten sich geeinigt,
02:06zumindest den Hamas-Angriff vom 7. Oktober terroristisch zu nennen.
02:10Die neue Volksfront will umgehend den Staat Palästina anerkennen.
Kommentare