Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 12 Stunden
In London dient eines der teuersten Häuser einem Obdachlosen als Zuhause. Anders Fernstedt hat sich dort mit Spenden einen einzigartigen Wohnraum geschaffen.

Kategorie

🗞
News
Transkript
00:00Knightsbridge zählt zu den exklusivsten Gegenden Londons.
00:04Zwischen Spitzenhotels, Luxus-Shopping und Wohlstand
00:07lebt der Obdachlose Anders Fernstedt.
00:13Doch wie ist er hier gelandet?
00:15Warum darf er bleiben? Und wie sieht sein Alltag aus?
00:22Erst wollte ich nur einen Schlafplatz für eine Nacht.
00:26Ich kämpfe gern und mag Pflanzen.
00:28Ich habe keine Angst vor der Natur.
00:32Jetzt ist es wie bei einem Eichhörnchen.
00:34Ich habe so viel Zeug, ich würde gar nicht merken, wenn etwas weg ist.
00:41Hier schlafe ich auf sieben Lagen ungarischer Daunen.
00:45Ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal schlecht geschlafen habe.
00:53Zu jeder Jahreszeit.
00:54Auch im Winter friere ich nicht, obwohl ich keine Wände habe.
00:57Die Luft zirkuliert ständig.
01:00Die Villa am Rutland Gate wurde 2020 an einen chinesischen Geschäftsmann verkauft.
01:06Für 210 Millionen Pfund.
01:08Umgerechnet fast 250 Millionen Euro.
01:11Doch sein Immobilienunternehmen brach zusammen.
01:13Er zog nie ein.
01:14Seitdem steht das Anwesen leer.
01:1645 Zimmer, Marmorbäder, Blick auf den Hyde Park.
01:20116 Fenster und ein Hallenbad.
01:23Ein Luxus-Palast, den niemand nutzt.
01:30Das hier ist eine sehr privilegierte Nachbarschaft.
01:34Nach ein paar Wochen wusste ich, dass alle gemerkt haben, dass ich hier lebe.
01:38Also fragte ich mich, wie kann ich hier sein, ohne ständig aufzufallen.
01:44Ich dachte, die Kinder und Enkel der Nachbarn sind meine wichtigsten Verbündeten.
01:49Wenn sie sich zu Hause für mich einsetzen, steigen meine Chancen, hier zu bleiben.
01:59Manchmal kommen Leute und fragen, was ich brauche.
02:03Meine Standardantwort, eigentlich genau das, was sie mir gerade gegeben haben.
02:07Ein bisschen Normalität, ein ganz normales Gespräch unter Nachbarn.
02:12Manchmal bringt mir jemand etwas zu essen oder Kleidung, sogar schon mal ein elegantes italienisches Dinnerjacket.
02:20Ein ziemlicher Kontrast zu dem, wo ich dusche und wie ich an alltägliche Dinge komme.
02:26Unter der Woche gibt es in der Nähe von Victoria Station eine Hilfsorganisation mit Duschen, Kantine und kostenloser Kleiderausgabe.
02:34Dort bekomme ich immer das Nötigste.
02:36Socken, Kleidung und manchmal sogar kleine Weihnachtsgeschenke.
02:40Da bin ich oft und gerne.
02:49Das hier ist ein wichtiger Teil meines Alltags.
02:54Fünf, sechs, sieben, acht Powerbanks.
02:59Damit kann ich unbegrenzt Bücher herunterladen.
03:02Tagebücher von Tarkowski, Geschichtsbücher, das sind nur die Titel, die ich auf meinem Handy gespeichert habe.
03:10Ein Alltag zwischen Powerbanks, provisorischen Unterkünften und Blumenarrangements.
03:16Doch sein Leben sah auch mal anders aus.
03:19Aufgewachsen ist Anders bei seiner Mutter in Schweden.
03:22Später arbeitete er in unterschiedlichen Berufen in Schweden und den USA und machte sich in der Tech-Branche einen Namen.
03:292016 zog er nach England und arbeitete dort bis zur Corona-Pandemie als Journalist.
03:35Anteile an einem Tech-Unternehmen verschafften ihm ein finanzielles Polster.
03:39Doch irgendwann war das Geld aufgebraucht.
03:42Dann war ich Freiberufler und wartete auf Aufträge.
03:46Während ich wartete, verging die Zeit.
03:48Es gab keine bestimmte Begründung, keine plötzliche Absage.
03:52Die Umstände haben sich einfach immer weiter gegen mich gewendet.
03:56Eine Weile hatte ich genug Geld zum Leben, weil ich sparsam war und zum Teil im Zelt übernachtet habe.
04:03Ich war wie ein Frosch im Wasser, der langsam anfängt zu kochen.
04:07Ich hatte mich so an das einfache Leben gewöhnt, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie mir das Geld ausging.
04:17Vielleicht ist in der heutigen Zeit das Interessanteste an meinem Lebensstil, dass ich völlig ohne Geld auskomme.
04:24Tatsächlich habe ich kaum Ausgaben. Eigentlich kaufe ich nur Filterkaffee.
04:31In seinem selbst geschaffenen Zuhause fühlt sich Anders inzwischen sicher.
04:36Nach schwierigen Erfahrungen in der Vergangenheit keine Selbstverständlichkeit.
04:41Ich habe keine Angst mehr zurückzukommen und alles ist verschwunden.
04:45Ich mache mir keine Sorgen mehr.
04:46Wenn wir uns zu viel sorgen, können wir nicht glücklich sein.
04:51Wie viel braucht ihr, um glücklich zu sein?
04:58Yu-Fanai-T

Empfohlen