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Transkript
00:02Islam und Muslime aus der Sicht Martin Luthers, fünfter Teil und Ende.
00:08Luther und Mission? Hat Luther nie an eine Islam-Mission gedacht?
00:15Der Missionsgedanke ist Luther fremd, es bleibt für ihn nur die Abwehr,
00:20heißt es in einer akademischen Schrift zur Islam-Mission.
00:24Ein anderer Forscher spricht es noch deutlicher aus.
00:27An eine Mission unter Muhammedanen hat Luther nie gedacht.
00:33Sicher dachte Luther nie an eine geordnete Mission unter Muslimen,
00:37deren zaghafte Anfänge wir erst im 19. Jahrhundert beobachten.
00:42Der Gedanke der Mission unter den Muslimen war ihm jedoch niemals fremd.
00:47Obwohl die Hälfte Europas unter der Türkenherrschaft stand
00:51und der Fall Wiens gerade abgewehrt werden konnte,
00:54hielt Luther die Mission unter den Türken für möglich.
00:57Ich wollte gerne erleben, sagte er, dass das Evangelium unter den Türken käme.
01:03Es kann Gott wohl ein Wunderwerk tun, dass sie noch das Evangelium hören.
01:09Auch Türken können selige Abtrünnige werden.
01:12Trotz aller widrigen Bedingungen seiner Zeit,
01:15traute Luther Gott eine Bekehrung der Türken zu.
01:18Wer weiß, was Gott tun wird, er kann es wohl tun.
01:22Seine Vorherbestimmung ist uns zu hoch.
01:25Er ist ein wunderlicher Gott.
01:28Der Reformator ist zuversichtlich,
01:30dass auch die Türken von ihrem falschen Glauben abfallen können.
01:34Dass dies möglich ist, dafür gibt er sich selbst als Beispiel und sagt,
01:39auch Türken können selige Apostaten werden.
01:42Der zweite Artikel des Glaubensbekenntnisses,
01:47Ich glaube an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn,
01:51ist bei Luther das Fundament des Christentums,
01:54in dem sein Wesen und sein Unterschied zu allen anderen Religionen beschlossen liegt.
01:59Luther fordert die Christen auf,
02:01sich dieses Hauptstück ihres Glaubens anzueignen.
02:06Durch solche Katechismuskenntnis könnten auch Muslime bekehrt werden.
02:10Selbst das Studium des Islam soll nach Luther einen missionarischen Nutzen haben.
02:16Er hofft, dass durch Christen, die den Koran lesen
02:19und über die falschen Lehren des Islam Bescheid wissen,
02:23etliche Türken selbst bekehrt werden können.
02:27Pflicht der Kriegsgefangenen in der Türkei
02:31Damals gab es weder Muslime in Deutschland,
02:34denen man das Evangelium hätte verkündigen können,
02:37noch war es denkbar, in die Türkei Missionare zu entsenden.
02:42Wenn Luther dennoch von Mission unter den Muslimen sprach,
02:45dachte er an die zahlreichen christlichen Kriegsgefangenen in der Türkei.
02:50An diese richtete er Worte des Trostes und der Ermutigung.
02:54Sie sollen ihren Herrn treu und fromm sein,
02:58statt zu klagen und zu heulen,
03:00denn auch Daniel und seine Gesellen lebten in der Gefangenschaft.
03:03Selbst Herr Jesus war gefangen und ließ Pilatus mit ihm machen, was er wollte.
03:09Auch Apostel Paulus lebte in der Gefangenschaft.
03:12Sind wir besser als Jesus und seine Apostel?
03:16Ein recht christliches Benehmen erwartet der Reformator von den Gefangenen des Sultans.
03:22Sie sollen ihren Herrn treu dienen und nicht entlaufen.
03:25Wenn der Gefangene treulich und fleißig dient,
03:29dann schmückt er damit den Namen Christi und preist ihn.
03:32Durch ihr vorbildliches christliches Benehmen
03:35würden sie den Islam, den Türken glauben,
03:38zu Schanden machen und etliche bekehren.
03:41Viele waren damals verzweifelt.
03:44Schließlich war das Türkenreich auf der Höhe seiner Macht.
03:47Luther dagegen bezeichnet den ganzen Vorstoß des Türken,
03:51vor dem die Völker zittern, als einen Schlaftrunk,
03:54welchen Gott dem rasenden Tyrannen einflößt,
03:57um ihn endgültig zum Schweigen zu bringen.
04:01Keine Anbiederung Luthers an die vorrückenden Türken
04:06Luthers Urteil über den Islam ergab sich nicht aus einer seelischen Krise,
04:11sondern ist das Ergebnis eines gründlichen Studiums dieser Religion.
04:15Ein anderer hätte leicht den Mund gehalten
04:18oder sich sogar bei den vorrückenden Türken angebiedert.
04:21Luther dachte nicht einmal daran,
04:24die Macht des Türken als einen unfreiwilligen Bundesgenossen
04:29im Kampf gegen Kaiser und Papst zu begrüßen
04:32und als höchst willkommenes Druckmittel
04:35für die Förderung der eigenen Sache auszunützen.
04:38Zitat Ende
04:39Als ihm eines Tages mitgeteilt wurde,
04:42dass der türkische Kaiser sich für ihn interessiere
04:45und sich ihm als einen gnädigen Herrn empfehle,
04:48sagte Luther,
04:49behüt mich Gott vor diesem gnädigen Herrn.
04:52Der haltlose Vorwurf,
04:54die islamische Gefahr habe Luthers seelisch durcheinander gebracht,
04:58so dass er nicht wusste, was er schrieb,
05:00gilt wahrscheinlich eher für den Geisteszustand heutiger Forscher
05:04als für die Psychologie Luthers.
05:08Absurde Behauptung,
05:10Luther hatte keine Ahnung vom Islam.
05:13Immer wieder wird dem Reformator in der heutigen Fachliteratur
05:18jedes Wissen über den Islam und Mohammed abgesprochen.
05:22Manche Experten behaupten,
05:25dass Luther die großen Philosophen,
05:27Mathematiker und Mystiker des Islam nicht gekannt hätte.
05:31Eine deutsche Kirchenhistorikerin
05:34darf sogar in einem öffentlichen Vortrag behaupten,
05:37Luther habe über kaum Islamkenntnisse verfügt
05:41und der Islam sei ihm vom Hörensagen
05:44und nicht durch ein eigenes Studium des Koran bekannt gewesen.
05:48Die Schriften und zahlreichen Aussagen Luthers zu Islam,
05:52die sich verstreut in seinem umfassenden Schrifttum befinden,
05:56strafen solche absurden Behauptungen Lügen?
05:58Luther wusste über den Islam mehr
06:00und verstand diese Religion viel besser
06:03als sogenannte Luther-Experten im 21. Jahrhundert.
06:07Davon zeugen seine Schlussfolgerungen
06:09hinsichtlich des antibiblischen
06:11und antichristlichen Wesen des Islam,
06:14die bis heute nichts von ihrer Aktualität
06:16und Richtigkeit eingebüßt haben.
06:19Die wichtigste Quelle des Reformators war der Koran,
06:23den er sehr aufmerksam und intensiv studiert hat.
06:26Luther wusste auch Bescheid über den Alltag in der islamischen Welt
06:30dank zweier Schriften, deren Verfasser Jahre im Orient verbracht hatten.
06:36Durch das Werk »Die Sichtung des Koran« des deutschen Nikolaus von Kuhs
06:41war Luther bestens informiert über merkwürdige,
06:44naive Gedanken mancher Theologen über den Islam.
06:48Die Namen großer islamischer Theologen und Philosophen
06:51waren ihm durchaus geläufig.
06:53Er wusste sogar, dass viele dieser vernünftigen und gelehrten Muslime
06:58gar nicht an den Koran glaubten
07:01und bei ihren Religionsgenossen als Ungläubige verachtet wurden.
07:06Auch die islamische Lehre,
07:08Allah habe Mohammed mit einer einfacheren Botschaft
07:11als das Christentum beauftragt,
07:14oder Jesus habe seinen Schülern von Mohammed erzählt,
07:17war ihm bekannt.
07:18Luther war nicht nur über die Grundlehren des Islam informiert,
07:22er kannte sogar die subtilsten Diskussionen islamischer Theologen.
07:28Von Luther lernen
07:30Mit seinen Schriften über den Islam
07:32hat Luther als erster das gemeine Volk
07:35in einer verständlichen Sprache über die Muslime
07:38und ihren Glauben aufgeklärt.
07:40Seine scharfsinnigen Urteile über das Wesen des Islam
07:43sind gerade heute wertvoll.
07:46Die geistige Verwirrung über den Islam,
07:48die Luther beunruhigte, setzt sich heute fort.
07:51Selbst Kirchen und Theologen,
07:54die sich Lutherisch oder Lutheraner nennen,
07:57scheinen von dieser Verwirrung angesteckt worden zu sein.
08:00Das 500-jährige Jubiläum der Reformation
08:03möge dazu dienen,
08:05uns erneut auf die Grundpfeiler unseres Glaubens zu besinnen.
08:09Sola Grazia, allein durch die Gnade,
08:12Solus Christus, allein Christus,
08:15Sola Fide, allein durch den Glauben,
08:17und Sola Scriptura, allein durch die Schrift.
08:21Eine feste Burg ist unser Gott.
08:25Luther erlebte hautnah die größte und massivste Bedrohung durch den Islam,
08:30die Europa jemals gekannt hat.
08:33Als die erste Belagerung Wiens durch die Osmanische Armee
08:37erfolgreich abgeschlagen werden konnte,
08:39schrieb er das bekannteste Glaubenslied der evangelischen Christenheit,
08:43Eine feste Burg ist unser Gott.
08:45Hier heißt es in der zweiten Strophe,
08:48Mit unserer Macht ist nichts getan,
08:50wir sind gar bald verloren.
08:52Es streit für uns der rechte Mann,
08:54den Gott hat selbst erkoren.
08:56Fragst du, wer der ist?
08:58Er heißt Jesus Christ,
09:00der Herr Zeberort,
09:01und ist kein anderer Gott.
09:03Das Feld muss er behalten.
09:05Das Feld muss er behalten.

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