00:00Kein Podracer, kein Kauf war der Top-Kommentar unter meinem letzten Video zu Star Wars Galactic
00:05Racer auf YouTube. Über 230 Daumen nach oben und Dutzende andere Userinnen und User blasen
00:10ins gleiche Horn. Viele wünschen sich so sehr ein Revival des legendären Episode-One-Racer von
00:161999. Aber das neue Star Wars Galactic Racer geht bzw. fährt nun mal einen anderen Weg. Die
00:23berühmten Podrennen spielen bloß eine kleine Rolle. Stattdessen flitzt ihr mit Speederbikes,
00:27Gleitern und sogenannten Skim-Speedern über die galaktischen Pisten. Für den Test bin ich die
00:33Karriereleiter raufgedüst, habe Widersacher gegen die Bande gedrückt, bin durch Lava, Schnee,
00:38sengende Hitze und Säurebecken gebrettert und muss leider, leider attestieren. Galactic Racer hat
00:44deutlich größere Probleme als nur fehlende Podrennen. Galactic Racer geht in puncto Story die
00:49Extrameile und serviert euch eine richtige Kampagne mit Zwischensequenzen und Dialogen
00:54und ihr könnt auf zig Planeten kleine Hubareale erkunden. Kurz nach Episode 6 ist das böse
01:00Imperium gestürzt, der Rennsport kann endlich wieder florieren, der Unternehmer Darius Pex ruft die
01:06sogenannte Galaktische Liga aus und als Fahrerin oder Fahrer Shade macht ihr euch einen Namen. In
01:12eurem Herzen brodelt noch eine zusätzliche Motivation, denn mit dem arroganten Rennstar
01:16Kesta Buhl hat Shade eine ganz persönliche Rechnung zu begleichen. Und ich sag hier Extrameile,
01:22als sei die automatisch was Gutes, das ist sie hier aber nicht. Galactic Racer hätte sich einen
01:27großen Gefallen getan, mir einfach wie damals Episode 1 Racer zehn coole Charaktere an die Hand
01:32zu geben, samt atmosphärischem Arcade-Modus und Abfahrt. Manchmal ist weniger, dann doch mehr.
01:38Stattdessen gibt's eine derart schlecht geschriebene Kampagne, dass manche Dialoge fast schon in
01:42eine dadaistische Ausstellung gehört. Denn hier habe ich selbst nach dreimaligem Hören inhaltlich
01:46nicht verstanden, deshalb mal als Zitat in voller Länge und mit allem Kontext, den euch das Spiel gibt.
02:18Die Habumgebungen von Galactic Racer fühlen sich allesamt an wie WG-Partys um drei Uhr nachts und ihr
02:23seid die einzig nüchterne Person im Raum. Alle brabbeln irgendwas, halten sich für cooler als sie sind und
02:29nichts ergibt wirklich Sinn. Jede Figur ist das Abziehbild eines Abziehbilds, denn natürlich redet
02:35eure flippige Mechanikerin schrill, geeky und sozial deplatziert daher, als stamme sie direkt aus
02:40einem Millennial-Kreativ-Schreibkurs. Und natürlich ist Kester Buhl böser als böse. Und Shade selbst hat
02:47die Ausstrahlung einer leeren Cola-Dose, da versprüht selbst Ben Cordineros mehr Charisma.
02:57Ach, Ben Cordineros.
03:00Aber auch unabhängig von der grausigen Dialogregie passt die Story vorn und hinten nicht zusammen. Shade wird
03:06vom Chef der Galaktischen Liga rekrutiert, um den Rivalen Kester Buhl auszuboten, weil dessen Erfolg
03:11irgendwie die Galaktische Liga als Ganzes bedroht. Also eigentlich startet ihr mit gezinkten Karten.
03:17Der Liga-Chef kann Kester Buhl nicht selbst disqualifizieren. Ach, keine Ahnung. Reden wir einfach
03:22übers Gameplay.
03:24Herzstück von Galactic Racer bildet die Rogue-Light-Kampagne. Shade bekommt ein Eintrittstoken
03:29und absolviert damit so viele Rennen so erfolgreich wie möglich, um irgendwann Kester Buhl im großen
03:35Finale zu schlagen. Also ihr schlagt Kester Buhl auch vorher schon in nahezu jedem Rennen, weil er
03:39überall mitfährt. Aber aus irgendeinem Grund zählt nur dieses letzte große Rennen wirklich und das auch
03:45nicht wirklich. Aber ich spoiler jetzt hier nix. Sämtliche Siege davor bescheren euch aber immerhin Geld
03:50und Upgrades, um das Kurvenverhalten, den Ramm-Sporn, die Boosts, den Verteidigungswert und andere
03:55Kleinigkeiten in eurem Gefährt zu verbessern. Einige Perk-Karten verändern auch die Eigenschaften
04:00eurer Boliden. Beispielsweise gibt's doppelten Schaden, wenn ihr euren Motor dafür bis in den
04:04roten Bereich überhitzt. Zerschält euer Flitzer zu oft an der Wand, heißt es allerdings Game
04:09Over und ihr startet ganz von vorn. Erspielte Währung und Erfahrung investiert ihr dann in
04:14dauerhafte Upgrades, die beim nächsten Spielstart eure Chancen leicht erhöhen. Außerdem rotiert
04:19die Reihenfolge an Schauplätzen. Jeder Run unterscheidet sich also leicht vom vorherigen.
04:23So weit, so motivierend. Der klassischen Rogue-Light-Karotte à la komm, dieses eine Mal
04:28läuft's besser, kann man sich halt nur schwer entziehen. Aber die Entwickler kaschieren
04:31hier ein Problem, das deutlich tiefer schürft und der Erfahrung letztlich das Genick bricht.
04:36Galactic Racer ist einfach kein sonderlich spannendes Spiel.
04:40Die ersten Rennen von Galactic Racer sind noch ein Riesenspaß. Ihr fetzt mit 500 Sachen
04:44auf dem Tacho über den Wüstensand Jakus. Optisch bietet das Spiel dank Unreal Engine 5 ein
04:49richtiges Spektakel. Auf Jakku flimmert die Hitze am Horizont, auf Endo Prime donnert ihr
04:55durchs Schneegestöber, in den tödlichen Schluchten von Sentinel weiche ich Säurepfützen aus und auf
05:00der Dschungelwelt Lantana düse ich gezielt über Flussläufe, damit meine Nachbrenner nicht
05:05so schnell überhitzen. Wenn dann neben mir ein Kontrahent an der Mauer zerschellt, dann
05:09fliegen die Funken, das macht richtig was her. Und richtig gehört, fast jeder der insgesamt
05:15sieben Planeten bietet irgendein Gameplay-Gimmig. Auf Endo Prime friert mir zum Beispiel die
05:19Karosserie ein, wenn ich nicht gezielt durch Hitzeöfen fahre. Dafür kann ich dann aber in
05:23der Kälte nahezu unendlich Nachbrenner-Boosts zünden, weil nichts überhitzt. Ich muss also
05:28taktisch überlegen, wie viel Hitzeöfen ich wann wie riskiere und mitnehme. Auf Jakku wiederholt
05:33sich das Spiel dann umgekehrt, diesmal mit Überhitzung und schattigen Höhlen. Auf Sentinel wiederum
05:38packe ich einen Schildgenerator ein, um unversehrt durch Säureflüsse abzukürzen. Doch nach ein paar
05:43Rennen bröckelt die Fassade dieses Potemkinschen Dorfs. Ich muss zum Beispiel jeden Schauplatz
05:48mehrfach befahren, bevor es zum nächsten Planeten geht. Und hier zeigt sich schnell, dass die Welten
05:53halt nur ihr eines Gimmick haben. Nach vier Rennen auf Sentinel habe ich mich an den Säurepfützen
05:58sattgefahren, zumal die Kurse selbst immer eine sehr ähnliche Abfolge aus offenen Arealen
06:03und kurvigen Höhlen- bzw. Schluchtsystemen bieten. Hier bot Episode 1 Racer vor 27 Jahren mehr
06:10Vielfalt. Ich erinnere mich an die schwindelerregenden Höhen der Tibana Gasstation auf Ort Ibarna,
06:15wo schon eine schlechte Kurve mich in den Kilometertiefen Abgrund schleudert. Oder die
06:19Serpentinen an den Küsten von Barunda, wo ich meinen pfeilschnellen Potracer plötzlich durch
06:24ein Nadelöhr nach dem anderen buxieren muss. Immerhin, die Suche nach cleveren Abkürzungen macht
06:29auch in Galactic Racer noch genauso viel Spaß wie damals. Allerdings wiederholen sich die paar Planeten
06:34halt so oft, dass es nach einer Weile einfach langweilig wird. Und doppelt blöd, dass ihr mit
06:39insgesamt drei Fahrzeugen auch in eurem Fuhrpark kaum Vielfalt findet. Ja, das Speederbike fährt sich
06:45spürbar anders als ein bulliger Landspeeder, aber die dritte Fahrzeugklasse, der Skimspeeder, ähnelt
06:51dem wiederum zu sehr. Landspeeder können driften, Skimspeeder stellen sich hochkant. Einen großen
06:56Unterschied im eigentlichen Fahrverhalten macht das aber nicht. Um das auszugleichen, bietet Galactic Racer
07:01eine Palette an aktiven Skills, beispielsweise Schilde oder Minen oder Ionenimpulse. Aber auch
07:06das läuft sich alles recht schnell aus. Das größte Problem von Galactic Racer seid aber nicht ihr,
07:12sondern eure Kontrahenten. Galactic Racer hat eine Gummiband-KI aus der Hölle. Oder anders,
07:18die Rennen folgen keinerlei nachvollziehbaren Regeln oder Naturgesetzen. An einer Stelle pfeifen eure
07:23Gegner meilenweit an euch vorbei, nur um dann auf einer hindernisfreien Graden plötzlich abzubremsen.
07:28Umgekehrt lasse ich eine Runde lang das komplette Feld hinter mir, bevor mich dann plötzlich drei
07:32Boliden mit lächerlich hoher Geschwindigkeit Staub fressen lassen. Das tilgt jedes reale Gefühl
07:37von Geschwindigkeit, weil sich das Verhältnis zwischen mir und den Gegnern innerhalb eines Matches
07:42permanent ändert, ohne dass ich verstehe, warum. Und das setzt sich auch zwischen den Rennen fort. In
07:47einem Rennen bin ich nach 100 Metern die ungeschlagene Nummer eins, im nächsten sehe ich nicht mal mehr den
07:52Auspuff der anderen. Und hier wird das Roguelite-System zum Riesenproblem. Meine Karosse wähle ich
07:58ausschließlich zu Beginn eines Runs. Ich bekomme vor meinem Rennen auch keine alle Infos über den
08:03Streckenverlauf oder das Setup einer Widersacher. Und selbst wenn, mit den Upgrade-Punkten lässt sich
08:07eh größtenteils Firlefanz verbessern, beispielsweise die Größe meiner Batterie. Aber essentielle Werte wie
08:12Beschleunigung oder Maximalgeschwindigkeit bleiben unangetastet. Diese Maximalgeschwindigkeit erhöht sich
08:18wiederum nur passiv durch die Gesamtheit aller investierten Skillpunkte. Dabei wäre es gerade
08:23in einem Mechaniker-Universum wie Star Wars doch so cool, einfach in der Werkstatt an meiner Leistung
08:28rumzuschrauben. Lange Rede, kurzer Sinn. Ob ich in Galactic Racer gewinne, liegt gerade im späteren
08:33Spielverlauf kaum noch in meiner Macht. In meinem allerersten Run schaffe ich es zum Beispiel recht
08:38Problemmuss bis ins allerletzte Rennen, aber dann zieht die Konkurrenz im Finale chancenlos an mir
08:43vorüber. Ich sehe nicht mal das Rücklicht, weil das Spiel mich zwingen will, über mehrere Runs
08:47Skillpunkte zu farmen, damit mein Racer schneller wird. Der grundlegende Gameplay-Loop von Galactic
08:52Racer passt also nicht zusammen. Und ich spekuliere, dass die Devs das früh in der Entwicklung gemerkt
08:57haben. Denn drumherum wurde zusätzlich zu allem bisher erwähnten so viel Kladderadatsch dran
09:01gepflanscht, der diesen maroden Kern weiter kaschiert. Ich liste jetzt hier nicht alles auf im
09:06Detail, nur ein paar Schlaglichter. Ihr schreibt euch zum Beispiel bei Sponsoren ein und levelt euren Ruf
09:11dort mit Challenges. Ihr levelt außerdem zwischen den Runs euer Racer-Profil, levelt dazu noch
09:16bestimmte Stratagems und dann noch Level über Level über Level. Neben den normalen Rennen gibt's auch
09:21noch Elimination-Matches, in denen die Letztplatzierten peu à peu aus dem Rennen fliegen. Und jenseits der
09:27Rowclad-Kampagne findet ihr dann noch alle möglichen Challenge-Variationen, Zeitrennen und so weiter.
09:32Die sind aber natürlich dann auch wieder auf den gleichen Planeten, die ihr schon hundertmal in der
09:37Kampagne gefahren habt. Außerdem gibt es dann doch tatsächlich Pottrennen, zumindest ein bisschen.
09:44Sowohl innerhalb der Kampagne, durch Sebulbas spielbare Erinnerungen, als auch jenseits davon
09:48über Challenge-Kurse schlüpft ihr ins Cockpit der berühmten Monster-Maschinen. Definitiv eine coole
09:54Ergänzung, aber da wir hier von recht belanglosen Nebenmissionen sprechen, fehlt den Paar-Pottrennen
09:59natürlich die Raffinesse von Episode 1 Racer oder Racer Revenge. Trotzdem cool, dass es die Klassiker
10:04überhaupt ins Spiel geschafft haben. Also, Galactic Racer. Ich weiß, ich klinge hier
10:09sehr negativ, weil das Spiel leider an wirklich vielen Stellen einen Boxenstop benötigt. Unterm
10:15Strich könnt ihr aber trotzdem Spaß damit haben. Ein paar launige Runden für den Feierabend
10:19gehen immer, falls ihr einfach nur ein bisschen Star-Wars-Berieselung sucht und die Idee von
10:24High-Speed-Rennen mögt. Vielleicht entfaltet das Spiel auch mittelfristig im Multiplayer
10:28eine coole kleine Community. Da gibt's zumindest auch dedizierte Pottrennen und Liga-Modi und so weiter
10:33und so fort. Aber leider ändert das nichts am ernüchternden Fazit. Selbst 27 Jahre später
10:39bleibt Episode 1 Racer das bessere Star-Wars-Rennspiel. Aber hey, immerhin ist es cooler als Super Bombit Racing.