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In the 1930s Mallorca became a refuge for emigrants leaving Germany. On the beautiful Mediterranean island, they tried to build new lives. But when in July 1936 General Franco staged a coup against the Spanish Republic, Mallorca became a dangerous place to be.
Transcrição
00:06Mallorca.
00:07Seit über 100 Jahren der Sehnsuchtsort vieler Reisender und Auswanderer.
00:15Meine Eltern sind schon im August 1933 nach Mallorca gegangen.
00:20Sie hatten in Deutschland nichts mehr zu verlieren.
00:24Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland vertrieben,
00:27finden auf der Mittelmeerinsel ein neues Zuhause.
00:35Der Friede hält nicht lange.
00:38Schon bald ziehen düstere Wolken über die Insel
00:40und sie wird über Nacht zu einer mörderischen Falle.
00:56Zwölf Tage nach Beginn des Spanischen Bürgerkrieges ereilte mich das Schicksal.
01:01Bald nach 2 Uhr erschien bei mir die Guardia Civil und forderte mich auf mitzukommen.
01:07Nur zu einer kurzen Vernehmung, sagten die Beamten.
01:10Das sagen sie immer.
01:35Mallorca, Anfang der 30er Jahre.
01:37Vor allem für Engländer, Amerikaner und Franzosen ist die Baleareninsel bereits ein beliebtes Reiseziel.
01:45Die weite Reise wird belohnt mit der malerischen mediterranen Landschaft und dem warmen Klima.
01:56Die Insel empfängt die Touristen mit offenen Armen.
02:00In den größeren Städten und am Kapformentor stehen moderne Hotels und an den Stränden herrscht Hochbetrieb.
02:14In der mallorquinischen Hauptstadt Palma gibt es Anfang der 1930er Jahre bereits ein florierendes Wirtschaftsleben.
02:22Mit elektrischen Straßenbahnen und moderner Industrie.
02:26Die Restaurants, Bars und Kaffeehäuser können es mühelos mit Barcelona, Paris oder Berlin aufnehmen.
02:37Im Hafen von Palma legen regelmäßig Schiffe aus Barcelona an, die Urlauber, Geschäftsleute und Einwanderer auf die Insel bringen.
02:49Und in der Hauptstadt gibt es sogar eine deutsche Gemeinde.
02:53Mit einer eigenen Schule, mit kleinen Läden und sogar einer deutschsprachigen Zeitung.
03:06Aus Deutschland kommen auch der Schriftsteller Albert Vigolais Thelen und seine Frau Beatrice.
03:12Sie sind keine Urlauber, schon gar keine Geschäftsleute. Sie sind Immigranten.
03:19Ich hatte 1927 ein Pogrom auf der Hohen Straße in Köln miterlebt.
03:24Diese ganze nationale Bewegung, die aufkam, ich sag, da ist nichts mehr zu machen.
03:29Und da habe ich Ostern 1931, habe ich Deutschland für immer verlassen.
03:40Zunächst zeigt Palma dem Ehepaar sein hartes Gesicht.
03:43Armut und Hunger setzen den beiden oft so sehr zu, dass sie an Selbstmord denken.
03:49Erst als Beatrice Arbeit als Sprachlehrerin findet, verbessert sich ihre Situation.
03:58Nun sitzen wir in einem Hause maurischen Stils hinter wohlverhangenen Fenstern, essen Feigen, Paprika und Melonen.
04:05Unten in der Gasse lärmen die halbnackten Kinder. Die Sonne brennt steil und hart.
04:10Flöhe hat es eine Unmenge. Das Wasser ist beinahe nicht zu trinken und dann…
04:15Es stinkt in Palma ganz entsetzlich.
04:18Die Innenhöfe werden als Mülleimer benutzt. Tausende fliegen, stechen und beißen.
04:25Das sind so die kleinen und großen Unannehmlichkeiten dieses Landes.
04:30Und was steht dem entgegen? Das tiefblaue Meer, das einen weißen, rauschenden Schaum gegen die Felsen spült.
04:38Tausend um tausend Herrlichkeiten der Landschaft.
04:51Thelen und seine Frau sind nicht die einzigen Deutschen, die bereits vor 1933 aus politischen Gründen nach Mallorca emigrieren.
05:01Meine Großeltern hatten vier Kinder, drei Söhne und meine Mutter.
05:09Der zweite Sohn Jürgen war kränklich, weshalb ihm empfohlen wurde oder der Familie empfohlen wurde, er müsste an die See.
05:20Nun wäre es ja eigentlich naheliegend gewesen, da sie in Norddeutschland gelebt haben, an die Nordsee zu gehen.
05:26Aber meine Großmutter kam auf die Idee, nach Mallorca zu gehen.
05:34Im Herbst 1931 zieht Luise Kraschutzky mit den Kindern nach Calaratiada an der Ostküste Mallorcas.
05:42Damals noch ein kleines Fischerdorf, in dem nur wenige hundert Menschen leben.
05:49Luises Ehemann Heinz Kraschutzky ist in Berlin zurückgeblieben.
05:53Es fällt ihm nicht leicht, getrennt von seiner Familie zu sein.
05:57Der ehemalige Marineoffizier arbeitet bei der radikal-pazifistischen Zeitschrift Das Andere Deutschland.
06:05Mein Großvater wurde 1891 in Danzig geboren, daher vielleicht auch seine Liebe zum Meer und zur Seefahrt.
06:14Erstaunlicherweise war er in seiner Jugend eher geprägt von einer gewissen Begeisterung für das Militär.
06:21Das hat sich dann natürlich im Verlaufe des Krieges fundamental geändert, weil er also im Krieg einfach die Schrecken des
06:29Krieges erlebt hat
06:30und wie im Namen des Vaterlandes junge Leute einfach verfeuert wurden. Völlig sinnlos.
06:40Im Frühling 1932 droht Kraschutzky die Verhaftung wegen Landesverrats.
06:47Der Grund? Er und seine Kollegen vom anderen Deutschland haben aufgedeckt, dass Deutschland mit Hilfe der Sowjets illegal die Aufrüstung
06:55der Wehrmacht betreibt.
06:57Die Polizei dicht auf den Fersen gelingt Kraschutzky die Flucht zu seiner Familie nach Kalaratiada.
07:11Was war das wieder für ein schöner Tag, als ich in Kalaratiada eintraf?
07:17Wie sahen sie alle gesund und glücklich aus? Die Natur war einzigartig schön, damals noch.
07:25Keine Lautsprecher waren bestrebt, die Stimme des Meeres zu übertönen.
07:36Kalaratiada wird das neue Zuhause der Familie Kraschutzky.
07:40Und weil Sonne, Strand und Meer allein nicht satt machen, ist Luise bereits unternehmerisch tätig geworden.
07:49Luise hat in unserem Häuschen am Meer einen kleinen Laden eröffnet.
07:53Wir hatten Schreibpapier, Bleistifte und dergleichen.
07:57Das kauften wir mit etwas Rabatt ein, sodass ein winziger Gewinn verblieb.
08:04Meine Großeltern hatten ja mindestens zwei Probleme. Sie mussten einmal für das Einkommen sorgen.
08:09Und dann hatten sie ja noch vier Kinder, die ja auch irgendwie nicht nur erzogen werden mussten,
08:14sondern so schön das Spielen am Strand war und Muscheln suchen, die mussten ja irgendwie mal lesen, schreiben, rechnen, lernen.
08:21Nun gab es hier natürlich weder Schule noch Gymnasium. Es gab aber ein befreundetes Paar von Geldern, die quasi die
08:30Rolle der Lehrer übernommen haben.
08:34Die kleine Privatschule wächst, denn der Ullstein-Journalist Konrad Liesegang folgt dem Beispiel der Kraschutzkis und emigriert mit Frau und
08:43Kindern nach Kaleratiada.
08:46Während in Berlin die braune Flut ansteigt, wird das Fischerdorf am Blauen Meer unter Künstlern und Intellektuellen zum Geheimtipp.
08:59Lieber Laurin, ich verlasse dieses von allen Göttern heiß geliebte Deutschland hoffentlich forever.
09:05Ich hoffe nie mehr zurückzukehren in dieses Land, das nicht das meiner Träume, sondern meiner Albträume ist.
09:12Im Juni 1932 zieht auch der österreichische Schriftsteller Franz Blei von Berlin nach Kaleratiada.
09:22Franz Blei war eine der geistreichsten und der vielfältigsten Persönlichkeiten des Literatur- und Kulturbetriebes.
09:30Er war ein wichtiger Übersetzer, ein Vermittler und war für Verlage tätig.
09:37Er stand praktisch an der Wiege wichtiger Verlage wie Fischer Verlag oder Rowold Verlag.
09:431932 war es für Franz Blei in Deutschland recht eng geworden.
09:49Die Stimmung wurde immer unangenehmer und er war natürlich politisch sensibel.
09:55In Kaleratiada bezieht Franz Blei ein kleines Fischerhaus am Meer.
10:01Franz Blei kam als 61-Jähriger nach Mallorca und das erste halbe, dreiviertel Jahr hat er wohl eher seinen Ruhestand
10:12genossen.
10:12Das muss man wirklich sagen, es kamen noch die Tantiemen, er war ja noch nicht verboten in Deutschland.
10:19Ich weiß nur, dass Juli ist. Nicht der wievielte und nicht welcher Tag der Woche.
10:24Auch die Uhr liegt längst unaufgezogen. Man trägt die landesüblichen Leinenschuhe mit Bastsohlen.
10:31Weder Strümpfe noch Hemd und Hut.
10:34Man sollte nicht glauben, was man entbehren, worauf man alles verzichten kann ohne jedes Bedauern.
10:44Als die Nazis an die Macht kommen, verlassen immer mehr Menschen Deutschland.
10:50Die junge spanische Demokratie der Zweiten Republik wird zu einem Fluchtpunkt für die Immigranten.
10:56Insbesondere Mallorca übt eine große Anziehungskraft aus.
11:00Hunderte Immigranten kommen ab 1933 auf die Insel.
11:12Viele von ihnen lassen sich vor den Toren Palmas in El Terreno nieder.
11:17So auch das jüdische Ehepaar Ernst und Irene Heinemann aus Magdeburg.
11:28Mein Vater war entlassen worden und sie hatten in Deutschland nichts mehr zu verlieren.
11:34Da sind sie nach Spanien gegangen und nach Mallorca.
11:38Das war damals eine sehr entfernt liegende Insel, wo kaum Deutsche waren.
11:47Während sich ihre Eltern und die jüngere Schwester auf Mallorca einrichten, zieht Lore Krüger nach Barcelona und macht dort eine
11:54Ausbildung zur Fotografin.
11:57Ihre Familie auf Mallorca besucht sie so oft sie kann.
12:01Mallorca war eine wunderschöne Insel mit sehr viel arabischem Geschmack noch in den kleinen Häusern.
12:08Es gab nicht wie heute lauter Autos überall und überall abgeschlossen.
12:12Nein, es war alles frei, man konnte überall reingehen.
12:15Aber die beherrschende Macht war die Kirche.
12:18Aber wie? Die beherrschte alles.
12:31Es war damals noch nicht üblich, dass Frauen in Hosen rumliefen.
12:35Aber meine Schwester hat die gut getragen und es sah sehr gut aus.
12:38Die ist dann in Hosen rumgelaufen.
12:40Neben ein paar Häusern weiter war ein Kloster, wo die ausgebildet wurden oder was.
12:46Jedes Mal, wenn sie da vorbeiging, war eine Schwester, die kam bis zur Straße und spuckte Feuer aus.
12:52Das war damals Mallorca.
12:56Auch die Nazis entdecken die Insel für sich.
13:00Bereits 1932 gründet sich in El Terreno eine Ortsgruppe der NSDAP, die immer mehr Zulauf hat.
13:081936 organisiert sie auf einem Schiff vor der mallorquinischen Küste sogar die Teilnahme an der Reichstagswahl für Auslandsdeutsche.
13:26Mittlerweile bringen Kraft durch Freude Schiffe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeitsfront Touristen nach Mallorca.
13:36Genau jene Deutsche, vor denen Albert Vigolais Thäl nach Mallorca geflohen ist.
13:41Doch nun arbeitet er, um sein tägliches Brot zu verdienen, gelegentlich als Fremdenführer für die früheren Landsleute.
13:53Im Städtchen lärmte das Herrenvolk. Man war angeschwipst, teils stark betrunken.
13:58Ich verhüllte mein Antlitz. Das benahm sich wie zu Hause und man war ja auch nur in Spanien.
14:04Herr Führer! Und dann ging's wieder los.
14:08Kommen Sie mal her. Man will uns hier beschwindeln für dieses Ding, da sollen wir drei Peseten bezahlen.
14:14Das macht man bei uns für 50 Pfennige.
14:17Ihr Arschlöcher, dachte ich. Eben weil es made in Germany ist, kostet es je drei Peseten.
14:36Kalaratiada bleibt vorerst von Kraft durch Freude Deutschen verschont.
14:40Immer mehr Immigranten lassen sich in dem Dorf nieder.
14:43So auch der Maler Rudolf Levi, ein Schüler von Henri Matisse.
14:50Der expressionistische Dichter Karl Otten.
14:54Und der sozialistische Journalist Arthur Seehof.
14:59Früher waren sie sich ab und an im Romanischen Café in Berlin begegnet.
15:04Heute sehen sie sich, ob sie wollen oder nicht, täglich in Kalaratiada.
15:10Ich denke, das war eine ganz, ganz kleine Kolonie, wo jeder jeden kannte.
15:14Das war auch so, dass Benjamin, der auf Ibiza war, einmal auf Besuch kam und eben auch schrieb,
15:22dass Blei unter den Emigranten beliebt war, weil er seine Bibliothek dabei hatte.
15:27Franz Blei freut sich sehr, als auch seine Tochter, die Schauspielerin Billie Blei,
15:32mit ihrem Ehemann Ernst von Lieben nach Kalaratiada kommt.
15:38Billie Blei war eine ganz außergewöhnlich junge Frau.
15:43Wir haben diese Eltern, den Schriftsteller, den Sozialisten, den Humanisten,
15:49Franz Blei als Vater.
15:51Von der Mutter kam dieser feministische Zugang.
15:56Billie war eine wunderschöne junge Frau, in die alle verliebt waren.
16:05Ein so beliebter wie berüchtigter Triffpunkt am Abend ist die Wikiki-Bar.
16:11Sie gehört dem Berliner Bildhauer, Maler und Anarchisten Captain Jack Bilbo.
16:17Selbstbewusst nennt er seine Bar den Mittelpunkt der Welt.
16:20Tatsächlich bringt sie einen Hauch von Weltstadt-Flair nach Kalaratiada.
16:25Jazzmusik und freizügige, rauschende Feste locken an den Wochenenden sogar Besucher aus Palma an.
16:35Und wenn man genug getrunken hat, springt man auch gerne mal vom Trampolin nackt ins Meer.
16:40Für die Einwohner von Kalaratiada ist so ein Verhalten äußerst exotisch.
17:12Für alle Emigranten fängt in Kalaratiada ein neues Leben an.
17:16Mit manchmal überraschenden Konsequenzen.
17:19So verliebt sich Billie Bly in eine junge Emigrantin aus Polen, mit der sie den Rest ihres Lebens zusammenbleibt.
17:29Die moralischen Anschauungen der Fremdenkolonie von Kalaratiada waren nicht engherzig.
17:35Man ließ da jeden nach seiner eigenen Fasson leben und selig sein.
17:39Es gab keine sozialen Tabus, auf die man Rücksicht zu nehmen gezwungen war.
17:42Alles lebte eher im Abstieg, als im Aufstieg auf der Leiter des Vorwärts- und Hinaufkommens.
17:48Von einer Rente, die nicht zu steigern war, oder von der gönnerischen Hand eines Bekannten.
17:58Eine Ausnahme sind die Kraschutzkis.
18:01Inzwischen kann sich die Familie finanziell über Wasser halten.
18:05Aus dem Laden ist eine kleine Manufaktur geworden.
18:13Da meine Großmutter sehr geschickt war, fing sie eben an, aus Stoffresten, Wollresten, Bast etwas zu gestalten, zu knüttern.
18:22Und das fing an mit ganz einfachen Dingen wie Schlipse, Tücher, ging aber dann hin bis zu Sandalen, die man
18:30verziert hat.
18:31Das war sogar so schön, dass irgendein Geschäft in Palma die entdeckt hatte und hat dann eine größere Bestellung aufgegeben.
18:37Was dazu führte, dass meine Großmutter dann erstmal überhaupt Leute brauchte, die das fertigen konnten.
18:46Es erschien das erste Mallorquiner Mädchen bei uns und lernte, Bast-Sandalen zu machen.
18:52Katalina Nadal. Wir nannten unsere Firma Las Estrellas und unsere Waren trugen ein entsprechendes Warenzeichen, das in Madrid amtlich eingetragen
19:02war.
19:05Natürlich blieb es nicht bei den Sandalen. Es entstanden Gürtel, Handtaschen, Halsketten, Sonnenschützer, alle aus dem gleichen Bast und zueinander
19:13passend.
19:14Dazu kamen dann immer mehr andere Dinge aus dem so schön gemaserten Olivenholz.
19:19Es entstand eine immer vielseitiger werdende Kollektion von kleinen und großen Schalen, Kästchen, Tellern und so weiter.
19:26Immer mehr Frauen aus dem Dorf arbeiten jetzt für die Kraschutzkis.
19:32Und diese Frauen bekamen ein Gehalt, was deutlich über dem war, was hier im Prinzip bezahlt wurde.
19:41Meine Großeltern haben einfach mehr bezahlt und gut bezahlt für gute Arbeit, was dazu führte, dass diese Frauen auf einmal,
19:49vielleicht unter Umständen sogar mal mehr Geld nach Hause gebracht haben als der Mann, wenn er halt mal gerade einen
19:54schlechten Fischfang hatte.
19:55Auch wenn ich mit dieser Familie spreche, war ich immer kurz.
20:01Und die Leute, die mit ihnen arbeite, noch seit 20 oder 30 Jahren, habe ich mit den kleinen Schalen gearbeitet.
20:13Als schon sieben Frauen aus dem Dorf bei uns arbeiteten, machten wir einen Betriebsausflug nach Palma übers Wochenende.
20:20Das war für die meisten das größte Ereignis in ihrem Leben.
20:24Waren doch viele noch nie in der Hauptstadt gewesen.
20:27Wochenlang wurde vorher beraten, was man alles unternehmen wollte.
20:31Bedingung war, einmal ins Kino gehen und einmal in einem Hotel übernachten.
20:36Was noch keine erlebt hatte.
20:38Nur, als wir dann in Palma waren, bekam Catalina schon wieder Heimweh nach Calaradiada.
20:47Diese fast familiären Arbeitsverhältnisse sind auf der Insel sehr selten.
20:52Der Journalist Arthur Seehof berichtet in der deutschen Exilpresse über die gesellschaftlichen Verhältnisse auf Mallorca.
21:01Die Bevölkerung ist bettelarm. Sie lebt entweder vom Fischfang, der sehr schlecht bezahlt wird,
21:06oder von der Korbflechterei, die hier eine der aller brutalsten Formen der Ausbeutung darstellt.
21:12Die Korbflechter, wie die Korbflechterinnen, sind verpflichtet, das Rohmaterial, den Bast, von dem Unternehmer zu beziehen,
21:20der ihnen nachher die fertigen Körbe zu willkürlichen Preisen, die er festsetzt, abnimmt.
21:25Aber nicht etwa gegen Geld, sondern gegen Gutscheine, die lediglich zum Einkauf in den Geschäften des gleichen Unternehmers berechtigen.
21:39Auf dem Land, in Orten wie Poreres, herrschen zu dieser Zeit, praktisch immer noch feudale Verhältnisse.
21:47D'una manera general, hem de pensar que el sector primari, l'agricultura,
21:52és allà on hi havia la major part dels empleats de Mallorca.
21:57Mallorca era molt rural.
21:59Qui eren els propietaris d'aquestes terres, els grans terratinents?
22:03I molts d'ells formaven part de les agrupacions polítiques conservadores i monàrquiques,
22:09que des de sempre havien governat su nostre Illa, en nuestro caso Poreres.
22:22Eine Änderung der Verhältnisse scheint in Sicht, als im April 1931, nach acht Jahren Diktatur,
22:30die Zweite Spanische Republik ausgerufen wird.
22:33Auch wenn die Inselbewohner traditionell eher konservativ eingestellt sind,
22:38so hat die Junge Demokratie auch auf Mallorca viele Anhänger.
22:42Es ist wichtig zu sagen, dass,
22:44mit der Proclamation der Zweite Republik
22:48und mit der größten Teil des municipals de Mallorca,
22:52die wichtigste Assoziationismus ist.
22:54Es gibt viele Assoziations, von verschiedenen Teilen.
22:57Poreres ist die Unió Sportiva Poreres,
23:00an ein center instructiv, ein center de cultura,
23:03aber auch die Sindicaten.
23:05Nun, die Avanzen waren sehr wenig wichtig.
23:15Viele Mallorquiner wählen rechts.
23:17Doch in Palma wird 1933 ein kandidat der sozialdemokratischen
23:23Esquerra Republicana Balear zum Bürgermeister gewählt.
23:27Emilie Darder.
23:29Der Arzt hat sich als unbestechlicher vorkämpfer
23:32für soziale Reformen bereits einen Namen gemacht.
23:36Er ist die Medizin.
23:39Er ist eine Medizin sehr viel avanzende,
23:42weil es eine Medizin preventive,
23:45soziale und didaktische.
23:48Von den ersten Momenten
23:49er war zu machen,
23:51mit einem sehr plensten,
23:53für die Menschen des Poble,
23:54um zu evitieren,
23:57infekziosen Krankheiten,
23:58die Necessität der Verkaufung,
24:00die Necessität der Gewalt,
24:01die dann sehen,
24:03dass das Ajuntament impulsiert wird.
24:06Darder ist kein Karrierist,
24:08kein Berufspolitiker.
24:10Er ist ein Mann mit einer Mission.
24:12Als Bürgermeister von Palma
24:14will er eine Sozial- und Bildungspolitik durchsetzen,
24:17die auch den bislang sozial Benachteiligten zugutekommt.
24:21Besonders liegen ihm,
24:23dem begeisterten Anhänger Maria Montessoris,
24:26die Schulen Mallorcas am Herzen.
24:28Die Schulen waren gebaut
24:31unter dem Bewegung higienisten,
24:34die waren,
24:35mit einem großen Finestralen
24:37und haben,
24:38insbesondere,
24:39die Kinder spielen
24:41für die Kinder spielen.
24:43Das war eine Innovative,
24:45weil die Schulen existieren,
24:47die Kinder spielen waren,
24:48die Kinder spielen waren,
24:48die Kinder spielen waren.
24:56The elites of the country, which Spaniel has been over the centuries,
25:01have seen by the Republic their privileges.
25:04This is not only a large-ground owners and monarchists,
25:08but also the powerful Catholic Church.
25:12One of the great objectives of this program of transformation
25:14and reform that involved the Second Republic
25:17was to reach a strict separation between the Church and the State.
25:22This was reflected in the Constitution of 1931,
25:26which established the separation between the Church and the State,
25:29which established the no-financement of any confession by the State,
25:34the dissolution of the company of Jesus,
25:38the prohibition of the practice of the teaching of religious orders, etc.
25:42This set of actions were perceived as often as hostile actions
25:47by the Republic.
25:54Im Oktober 1933 gründet José Antonio Primo de Rivera
26:00nach dem Vorbild der italienischen Faschisten und deutschen Nazis
26:04eine Partei, die ganz offen die Zerstörung der Demokratie anstrebt.
26:08Die Falange Española.
26:15Bereits wenige Monate später entsteht auf Mallorca
26:18ein Ableger der faschistischen Partei.
26:21Ihr Anführer ist Alfonso Marques de Sayers,
26:24ein hochrangiger Offizier.
26:26De Sayers und dessen französische Frau
26:28sind eng mit dem katholischen französischen Schriftsteller
26:31Georges Benanos befreundet,
26:33der 1934 mit seiner Familie nach Mallorca zieht.
26:40Undersen französische
26:42Undersen französische
27:04Undersen französische
27:09Im Februar 1936 kommt die Volksfront,
27:14eine Koalition linker Parteien,
27:16in Madrid an die Regierung.
27:20Der Sieg beflügelt den Hass der Republikfeinde.
27:23Die spanischen Faschisten erhalten immer mehr Zulauf.
27:28Auch auf Mallorca.
27:30Hier arbeitet der Falange Führer Marques de Sayers
27:33eng mit den Nazis zusammen.
27:40Das geheime Netz der deutschen Hitleranhänger
27:42auf der Insel reicht inzwischen bis nach Calaratiada.
27:47Einer der Treffpunkte ist das Hotel Castellet,
27:51das von Deutschen geführt wird.
28:00Währenddessen wird das Unternehmen der Kraschutzkis
28:03zu einer internationalen Erfolgsgeschichte.
28:08Wir exportierten bis nach Australien und Honolulu,
28:12hatten feste Vertreter in Barcelona, Paris, London, New York
28:16und Rio de Janeiro.
28:18Der Schriftsteller Karl Otten und seine Frau Ellen Kroner
28:22wollen sich an Kraschutzkis Firma beteiligen.
28:25Frau Otten fuhr nach Deutschland.
28:27Die Ottens sollten fünf Webstühle einbringen.
28:30Bald berichtete sie, dass sie sieben Webstühle gekauft habe.
28:33Auch die Ausfuhrerlaubnis hatte sie bereits.
28:36Aber wir haben die Webstühle nie zu sehen bekommen.
28:39Bevor sie kamen, brach der Spanische Bürgerkrieg über uns herein.
28:4618. Juli 1936.
28:49Es dauert zwar ein wenig, aber dann erreichen die ersten Gerüchte
28:53über den Putsch der Faschisten auch Kala Ratjada.
28:59Die Generäle Franco, Mula und Godet haben eine bewaffnete Rebellion
29:03gegen die Republik gestartet.
29:09Die demokratischen Kräfte auf Mallorca stehen Militär und Verlanche wehrlos gegenüber.
29:15Schon 24 Stunden nach Ausbruch des Putschs fällt die Insel in die Hände der Franco-Faschisten.
29:23Tatsächlich hat General Franco auf Mallorca viele einflussreiche Freunde.
29:33Das einst so friedliche Palma verwandelt sich nach dem Putsch in ein faschistisches Wespennest.
29:43Die Avenida starrte von Waffen und deren meist blutjungen Trägern.
29:47Der Heilige Krieg hatte sich zu einem Stahlbad der Pubertät entwickelt.
29:51Immer wieder wurde ich angehalten und um meine Papiere gefragt.
29:55Ausländer, fragten die mich. Ja, ein katholischer Deutscher.
30:00Heil Hitler, riefen sie dann und ließen mich ziehen.
30:08Sofort nach dem Putsch erfolgt die erste Verhaftungswelle auf Mallorca.
30:15Emilie Darder, der Bürgermeister von Palma, wird in seinem Wohnhaus verhaftet.
30:20Wie andere prominente Politiker wird er in das Castillo Belver verschleppt.
30:25Aus dem berühmten Wahrzeichen der Stadt Palma ist ein Gefängnis geworden.
30:39Die Bundeskazette war in deratique Zeiton West.
30:42Die Zustände waren sehr ho flee.
30:43Die riesige Flüge von der Stadt Palma ist, und der Stadt Palma.
30:53Die ganze Zeitung waren zerstört,
30:58There were some at the noble plant of the castle, but there was also a third
31:03place of recluse, which was the torres. The torres of the homenage, known as Soya,
31:08which was the most famous prison in Mallorca, was a place where the prisoners were to
31:13train them.
31:20From all that we noticed in Cala Ratiada very little.
31:23It was a lot of young people in dark blue clothes. We didn't know that they had a
31:29political meaning. What we noticed was that the island was isolated from the
31:34outside world. The ships to Barcelona were not able to travel and we couldn't
31:39our goods not send. The general opinion, especially in the
31:44foreign countries, was that it takes about a few weeks. The Republic is strong.
31:54Krashutsky ahnt nicht, dass er sich bereits seit geraumer Zeit im Visier der
32:28Kisten befindet.
32:28Derft ihn in den Graben, dann können wir alle gleich nach Hause.
32:32Naja, er ist ein Ausländer. Womöglich ein wichtiger Fall. Wir wollen ihn lieber abliefern.
32:39Jetzt kam es drauf an. Fuhr das Auto nach links. Dann ging's an den Hafen, auf ein deutsches
32:46Schiff und ich war verloren. Ging's nach rechts, dann war das Ziel unbekannt. Es ging nach rechts.
32:54Man lieferte mich im Castillo Belver ab. Ich war der Gefangenennummer 175 und der erste Ausländer.
33:03Die Verhaftung Krashutskis erfolgt auf deutschem Befehl. Vielleicht ist der erfolgreiche Unternehmer
33:09aber auch der Konkurrenz ein Dorn im Auge.
33:13Ich kann nicht in den Details geben, aber ich erinnere mich, dass ich mich im Gegenteil habe.
33:20Weil sie gewonnen haben, als sie die Päume bezahlen waren.
33:25Und ich war das nicht mehr.
33:28Diese Sachen laufen ja nie offen und direkt. Sie laufen ja einmal hinten rum.
33:34Wenn man geht zu einem guten alten Freund und sagt, weißt du, findest du nicht auch,
33:38die machen hier alles durcheinander, die machen unsere Frauen verrückt, die haben auf einmal
33:42Geld, kommen auf dumme Gedanken. Kannst du nicht mal, dann weiß der schon, was der zu tun hat.
33:49Mitte August sticht in Barcelona eine Armada der Republikaner in See.
33:53Ihr Ziel? Die Befreiung Mallorcas aus der Hand der Faschisten.
33:58Die Flotte steht unter dem Kommando des Marineoffiziers Alberto Bayo.
34:03Er ist überzeugt, verlieren wir Mallorca, verlieren wir den Krieg.
34:08Am 16. August landen 8000 Männer und Frauen in der Nähe von Porto Cristo an der Ostküste Mallorcas.
34:20Ära una força molt abigarrada. Vull dir, hi havia, hi havia, per una banda, milicians professionals,
34:29però també hi havia una gran part de voluntariat.
34:33Hi havia pràcticament tot l'arc polític dels partits republicans catalans.
34:41To all this people, there were a lot of strangers,
34:47Czechs, Austrians, Russians, French, Alemanns.
34:52The republican troops come only slowly forward.
34:56Fierce fights with the fascist troops
34:59for many enemies on both sides.
35:02The hate of the Republic's enemies is empty.
35:06Hundreds of useless prisoners are killed.
35:09They were killed by them.
35:10They were brought to Manacor.
35:13There were so many victims who could not enter them.
35:16There was no place for the dead.
35:17They were making three piles
35:19and with gasoline they were going to go to the hospital.
35:22They were going to go to the hospital.
35:24One of them were going to go to San Bernanos.
35:27He was going to go to his motorcycle in front of the cemetery.
35:31He was going to go to the hospital.
35:35From that moment,
35:36he was going to go to the hospital.
35:44He was going to go to the hospital.
35:45Even if the defenders of the Republic
35:47have many losses,
35:48the entrance of the battle of Mallorca is now open.
35:52This is changing.
35:53He was going to go to the hospital.
35:57He was going to go to the hospital
35:58and gave him the hospital
35:59to the hospital.
36:01So,
36:09I think the Nazi army had some
36:13probably never been paid for the hospital.
36:17I'd not be paid for you.
36:18But as soon as you all,
36:19the Nazi army disappeared,
36:21because of the Czech Republic
36:21was going to go to San Bernanos,
36:23what they were willing to get.
36:26Angesichts der hoffnungslosen militärischen Lage erhält Kapitän Barrio aus Barcelona den Befehl, seine Truppen aus Mallorca abzuziehen.
36:38Unmittelbar nach den Kämpfen gelingt es Lore Krüger, Zugang zum verlassenen Schlachtfeld um Porto Cristo zu erhalten.
36:46Das war für mich furchtbar. Ich habe da also zum ersten Mal in meinem Leben Tote gesehen.
36:52Und zwar waren die von den Mallorquinern mit Benzin übergossen und verbrannt worden.
36:58Aber der obere Teil des Körpers war verbrannt und der untere Teil nicht.
37:03Und unten konnte man sehen, sie trugen damals so Rollsocken, junge Leute trugen damals Rollsocken.
37:08Ältere nicht, war überall so in Frankreich, in Spanien überall.
37:12Ich konnte sehen, das waren junge Leute und der obere Teil war skelettiert, also es war flüsterlich.
37:22Über 240 Angehörige der republikanischen Truppen erreichen die rettenden Schiffe Bayos nicht mehr.
37:30Darunter auch fünf Krankenschwestern des Roten Kreuzes.
37:34Sie werden gefangen genommen und nach Manakor gebracht.
38:07They were here, where they were going to pass the night, where they were interrogated.
38:13Previously, they were exposed to this building in front of this building so that the people could insult them and
38:22call them.
38:23And after that they were going to pass the night here, where they were tortured and violated.
38:31The next morning, the sick sisters were murdered.
38:37Persönlich verantwortlich für ihr grausames Schicksal ist der italienische Faschist Arconovaldo Bonacorsi, genannt Condorossi.
38:47Mussolini hat den als sadistischen Psychopathen berüchtigten angeblichen Grafen auf die Insel gesandt, um Terror gegen Oppositionelle zu organisieren.
38:57Der selbsternannte Gotteskrieger Condorossi stellt Todesschwadronen zusammen, mit denen er Jagd auf seine wehrlosen Opfer macht.
39:11Condorossi ist stets in Begleitung des katholischen Priesters Julia Adrover-Yaniris.
39:17Seine Teilnahme an den Verbrechen wird später mit einer hohen Stellung beim Vatikan belohnt.
39:42Der kleine Toni muss an Zeremonien von Faschisten und katholischer Kirche teilnehmen.
39:48Der Jura salió in el portal de la Iglesia, hizo un Sermón y cuando terminó el Sermón, como yo estaba
39:59delante, con el trurururum, yo oí.
40:04Hay que matar a dos rojos porque son hijos del diablo.
40:16Als man sah, dass durch die Hilfe Hitlers, Mussolinis und des Vatikans der Bürgerkrieg nicht so schnell zu Ende gehen
40:23würde, wie die Idealisten glaubten,
40:26da organisierten die Konsulate der verschiedenen Länder die Flucht.
40:31Der ganze Hafen lag voll von Schiffen, vor allen Dingen deutsche Schiffe, sofort, überall.
40:38Und dann kamen Engländer und dann bin ich mit dem englischen Schiff, das nach Marseille fahren wird.
40:45Hat uns und viele, viele andere mitgenommen.
40:49Und da bekamen die Engländer so einen Flottenbesuch von den Deutschen, ja.
40:55Und das war für uns natürlich nicht sehr angenehm.
40:57Aber die Engländer, mit denen wir vielleicht Freund waren, der stellte uns dann irgendeinem deutschen Leutnant vor.
41:06Ich sagte, es ist doch was Schreckliches um Krieg, es ist doch nicht entsetzlich.
41:10Da sagte der, wieso denn, Krieg ist doch was Wunderschönes.
41:13Da habe ich ihm den Rücken gekehrt und habe gedacht, du wirst noch alles erleben, was ein Krieg bedeutet.
41:21Und vielleicht wirst du irgendwo auf dem Grund des Meeres liegen.
41:31Auch Albert, Vigolais Thelen und Beatrice werden von einem englischen Kriegsschiff an Bord genommen.
41:42Wir suchten uns einen Platz auf den Taurollen.
41:45Ein Herr sah schon dort, mit Bärtchen und blauer Baskenmütze,
41:49in dem ich Franz Blei erkannte, den österreichischen Schriftsteller, den ich immer mit Genuss gelesen hatte.
41:55Ein Offizier kam an Deck.
41:58Dispositionsänderungen.
41:59Man fahre nicht wie vorgesehen nach Marseille, sondern halte direkt auf Genua zu.
42:04Italien. Aus dem Regen in die Traufe.
42:08Franz Blei erhob sich und es soll um der Erhabenheit des historischen Augenblicks auch noch vermeldet werden,
42:14dass sich der Schriftsteller auf eine Taurolle stellte.
42:17Er wandte sich an den Offizier.
42:19Er spreche nicht in eigener Sache als Österreicher, sei er noch ein freier Mensch.
42:23Doch seien Verfolgte an Bord, Deutsche, auch Ausgebürgerte, Juden vieler Länder.
42:29Da gehe es nicht an, diese Menschen in Italien an Land zu setzen.
42:32Es bedeute für sie alle, Drittes Reich, Konzentrationslager, Tod.
42:39Franz Bleis Protest ist erfolgreich.
42:43Das Schiff macht Zwischenstation in Barcelona, wo die Immigranten auf andere Schiffe umsteigen können.
42:54Auch Luise Kraschutzky und ihre Kinder müssen Mallorca verlassen.
42:58Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als ausgerechnet nach Deutschland zurückzukehren.
43:04An ihren inhaftierten Mann schreibt Luise,
43:08Heinz, wir müssen uns scheiden lassen.
43:10Ich hoffe, du verstehst warum und leistest keinen Widerstand.
43:14Natürlich verstand ich.
43:16Als Frau eines Roten, so wurden wir genannt, war sie im Deutschland Hitlers selbst in Gefahr.
43:23Die größte Gefahr war, dass man ihr die Kinder wegnehmen würde,
43:27um ihnen eine nationalsozialistische Erziehung zu geben.
43:31Nur durch die Scheidung konnte sie das abwenden.
43:35Die Freude, meine Kinder aufwachsen zu sehen, war mir nicht vergönnt.
43:42Inzwischen ist Kraschutzky vom Castillo Belver in das improvisierte Gefängnis von Camir verlegt worden.
43:49Eine große, düstere Lagerhalle, in der bis zu 1000 Gefangene zur selben Zeit eingepfercht sind.
43:57Jeder, der da drin saß, musste damit rechnen, dass er am nächsten Morgen derjenige ist,
44:04der aufgerufen wird und erschossen wird.
44:08Nun, mein Großvater kannte ja keine Angst, wollte auch keine zeigen.
44:13Ich denke, er hat das sehr nüchtern auch verarbeitet und sich darauf vorbereitet,
44:17du kannst der Nächste sein.
44:21Fast jede Nacht werden Häftlinge aus dem Camir offiziell entlassen.
44:26Aber wenn sie vor das Gefängnistor treten, wartet schon ein Auto auf sie.
44:34Noch ein Augenblick der Hoffnung.
44:36Solange der Wagen die große Straße noch nicht verlassen hat.
44:40Aber schon verlangsamt er die Geschwindigkeit und biegt in einen einsamen Feldweg ein.
44:46Absteigen!
44:46Sie steigen ab, stellen sich in Linie auf, küssen eine Medaille oder auch nur den Nagel des Daums.
44:55Man wird auch nicht verlassen.
45:15Man hat nicht verlassen.
45:16From the beginning of September 1936 to the first March of 1937,
45:24many people were assassinated in that place.
45:27We still have different materials, such as forage of the gun impact.
45:34Many hundred people are murdered and in mass graves.
45:40The most men are men.
45:42But also women are concerned about the victims,
45:45such as the young communist Aurora Picornel,
45:48one of the first feminists in Mallorca.
45:54She will be the first organizer of the Day of the Women in Mallorca.
46:00The day 8th of March of 1934 will be celebrated for the first time
46:03by initiative of Aurora Picornel.
46:06She was a person who was explained
46:08that she had a great sympathy,
46:10a great empathy,
46:12a great empathy,
46:13a great relationship.
46:14She was a good orator.
46:15She was a very activist.
46:16And soon she will become the most famous militant comunist
46:20in Mallorca.
46:23The sterblichen Überreste von Aurora Picornel
46:27werden erst im Herbst 2022 in einem Massengrab
46:32auf dem Friedhof von Manacor entdeckt.
46:35Die Aufarbeitung der Franco-Verbrechen auf Mallorca
46:38hat erst um die Jahrtausendwende
46:41auf Initiative einer großen Bürgerbewegung begonnen
46:44und dauert bis heute an.
46:52Prominente Politiker wie Emily Darder werden nicht heimlich,
46:56sondern öffentlich ermordet.
46:58Am frühen Morgen des 24. Februar 1937 wird er gemeinsam
47:03mit drei weiteren führenden Oppositionellen
47:06auf den Friedhof von Palma gefahren.
47:09Darder ist sehr krank, leidet unter schweren Herzproblemen.
47:13Ein Gnadenersuch der katholischen Darder-Familie beim Bischof von Palma
47:18stößt auf taube Ohren.
47:20Unter den Augen triumphierender Falange-Anhänger
47:24werden die demokratischen Politiker hingerichtet.
47:50Darder hat Franco von Anfang an militärisch unterstützt, vor allem mit Flugzeugen und Piloten
47:57der Legion Condor.
47:58In Spanien üben sie für den Zweiten Weltkrieg.
48:01Auch auf Mallorca.
48:03Von Puerto de Poienza aus starten Hitlers Piloten,
48:06um katalanische Städte wie Valencia und Barcelona zu bombardieren.
48:12Zwischen ihren Einsätzen entspannen sich die Condor-Piloten in Luxushotels.
48:18Ein deutsches Ballermann-Leben der mörderischen Art.
48:34Im Oktober 1938 findet in Palma der Prozess gegen den Pazifisten Heinz Kraschutski statt.
48:42Der Staatsanwalt fordert die Todesstrafe, der Verteidiger den Freispruch.
48:48Der Freispruch würde jedoch Kraschutskis Auslieferung nach Deutschland
48:53und damit ebenfalls seinen Tod bedeuten.
49:00Als ich mittags auf den Gefängnishof zurückkam, rannten meine Freunde herbei und fragten,
49:06was hat es gegeben?
49:07Vergnügt antwortete ich, alles in bester Ordnung, lebenslänglich.
49:12Schon unterschrieben.
49:13Ich glaube, ich habe an keinem Tag meines Lebens so viele warme Glückwünsche bekommen,
49:18wie an dem, als ich zu lebenslänglich verurteilt wurde.
49:25Im Juni 1940 verfügt der Katholik Franco die Abschiebung aller nach Spanien
49:31emigrierten Juden in den deutschen Herrschaftsbereich.
49:34Das betrifft auch Ernst und Irene Heinemann, die auf Mallorca geblieben sind.
49:39Da haben meine Eltern eines Tages von der spanischen Polizei die Aufforderung bekommen,
49:48Mallorca innerhalb von zehn Tagen zu verlassen.
49:51Also nach Amerika durften sie nicht, haben sie niemanden reingelassen,
49:56haben sie überall versucht, nirgends durften sie.
49:59Und da haben sie also beschlossen, sie nehmen sich das Leben.
50:05Ja, so war es.
50:20Lore Krüger und ihrer Schwester gelingt es, 1941 in die USA zu fliehen.
50:28Albert Vigoleis Thelen und Beatrice gehen zunächst in die Schweiz und von dort aus nach Portugal.
50:37Franz Blei kommt über viele Umwege zu seiner Tochter Billie nach Portugal und von dort aus in die USA,
50:45wo er 1942 in Armut stirbt.
50:48Georges Bernanos, der frühere Sympathisant der Phalanche, kehrt 1937 nach Frankreich zurück
50:56und veröffentlicht ein Jahr später mit
50:59»Die großen Friedhöfe unter dem Mond« einen international aufsehenerregenden Augenzeugenbericht
51:06über den Terror der Faschisten auf Mallorca.
51:10Und Heinz Kraszewski? Nach neun Jahren Gefängnis wird er im Oktober 1945 auf britischen Druck aus der Haft entlassen.
51:19Kraszewski kehrt nach Berlin zurück und heiratet Luise zum zweiten Mal.
51:23Arbeit findet er als Lehrer in der Justizvollzugsanstalt Tegel.
51:28Er kämpft gegen Justizirrtümer und setzt sich für eine Reform des Strafvollzugs ein.
51:36In den 50er Jahren kehren Heinz und Luise Kraszewski wieder dorthin zurück, wo sie sich zu Hause fühlen.
51:44Trotz Franco und allem, was geschehen ist. Nach Calaratiada.
51:49Stoffachewski
51:52Stoffachewski
51:57Stoffachewski
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