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  • vor 3 Tagen
Scientific Behaviour Profiler Patricia Staniek über Macht, Doppelleben und die Frage, warum niemand etwas merkt.

Zwei Fälle sind bekannt geworden, in denen Männer ihre Ehefrau betäubt und anderen Männern verfügbar gemacht haben sollen. Im Klartext-Studio erklärt Staniek, warum es dabei nicht um Sexualität geht, sondern um Macht und Entwürdigung — und warum das Umfeld fast nie etwas bemerkt.

Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555, kostenlos, rund um die Uhr.

Eine Produktion von TV21 — tv21.at

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Transkript
00:05Herzlich Willkommen, ich begrüße unsere Zuschauer wiederum bei Gladext. Heute sprechen
00:10wir Gladext mit Patricia Stanjek, Profilerin und das machst du seit gut 27 Jahren. Ja, 1999,
00:18ja. Beachtlich. Analysiere ich Menschen. Es freut mich, dass wir dich hier im Studio haben,
00:23wenngleich der Anlass ein sehr, sagen wir mal trauriger, fast widerwärtiger eigentlich ist,
00:29wieder einmal so sagen. Wir haben, die Medien waren voll davon, da gibt es diese Geschichte
00:34oder den Tatbestand oder wieder momentan ermittelt, wo ein Mann seine Frau bedeutet hat und auch angeblich
00:46vermietet hat an bekannte Freunde und so weiter. Jetzt wollen wir in diesem Fall nur allgemein
00:53heranziehen, sondern allgemein überhaupt über die Problematik darüber sprechen, was treibt
00:58Menschen dazu, vor allem hauptsächlich Männer und wie liegt der Fall da? Also grundsätzlich
01:07haben wir ja sehr viel mit Täterverhalten beschäftigt. Irgendwann im Leben eines Mannes gibt es eine
01:14Fantasie. Natürlich dürfen wir die patriarchalischen Strukturen auch nicht auslassen, aber es gibt
01:19eine Fantasie und in dieser Fantasiewelt spielt sich einiges ab. Es geht in unterschiedlichste
01:25Richtungen. Und was kann eine Fantasie noch fördern, indem wir aufs Internet zugreifen? Heute gibt es
01:31ja noch Möglichkeiten, wo man sich gewisse Dinge im Internet anschauen kann oder wo man im Internet
01:36dann bestimmte Gruppen andocken kann. Und dann wird das Ganze schon ernster. Oder es ist umgekehrt. Man
01:42sieht zuerst irgendwo eine pornografische Darstellung, kommt dann in tiefe Fantasien hinein und irgendwann mal
01:49gibt es einen Zugang. Und der einfachste Zugang in dem Fall Perleco oder in dem Fall, den wir hier haben,
01:57ist dann die eigene Partnerin, die eigene Ehefrau, weil die ist verfügbar. Und dann wird aus der Fantasie irgendwann einmal
02:08die beinharte, traurige Realität. Jetzt wollen wir nicht direkt auf den gegenständigen Fall eingehen, weil da so die
02:15Polizei in Ruhe arbeiten können, damit das wirklich alles geklärt wird und wir da nicht irgendwelche Behauptungen
02:20aufstellen. Aber generell, es handelt sich um Sexualität, es handelt sich um Macht. Ist die Sexualität ein Mittel der
02:28Macht oder ergibt sich die aus der Macht? Es ist ein Mittel der Macht. Sagen wir, die Sexualität ist das
02:34Tatfeld. Also grundsätzlich geht es
02:36um Macht. Es geht um Kontrolle. Es geht aber auch in solchen Fällen auch um Entwürdigung, weil aus dem, aus
02:46der
02:46Person oder aus der Frau wird plötzlich, also aus dem Subjekt, sagen wir es mal so, wird irgendwann ein Objekt.
02:53Es gibt eine
02:53totale Objektivierung und eine komplette Entmenschlichung dieser Person. Und jetzt ist die natürlich verfügbar. Und jetzt
03:01werde ich dann natürlich oft gefragt, wie geht das, warum hat das keiner gemerkt? Das ist tatsächlich so, dass solche
03:08Menschen auch ein psychologisches Doppelleben führen können. Das heißt, er kann untertags der nette Ehemann sein, die
03:16Person kann der beste Freund sein, der nette Nachbar sein. Dieses Verhalten, Ehemannverhalten ist mit bestimmten Werten, mit
03:25Regeln und so weiter verbunden. Und dann schlüpft er in diese andere Rolle oder geht in dieses Doppelleben
03:31hinein. Und das ist jetzt mit ganz anderen seinen Regeln belegt. Und der Zugang macht es ihm relativ leicht.
03:39Das ist ja nicht der einzige Fall. Es gibt ja mehrere. Aber der ist jetzt natürlich ganz
03:43brandaktuell. Jetzt geht es aber da auch, dass er ja nicht nur seine Frau unter Kontrolle
03:48hat, weil es gibt ja, sagen wir mal so, nach derzeitigem Stand Mittäter, weil es sind ja Mittäter.
03:55Die Macht spielt sich also nicht nur auf einer Ebene ab. Die Macht spielt sich auf
03:59mehreren Ebenen ab. Zum einen die Macht über die eigene Frau, nicht nur die Macht, sondern auch ein
04:04Geheimnis. Ja, es ist ja auch dieses Geheimnis haben, auch ein Aspekt, den man nicht außer Acht
04:11lassen darf. Weil untertags, wenn die Frau vielleicht, wenn eine Frau vielleicht mal meckert oder
04:16käppelt oder irgendetwas möchte, dann denkt er, naja, warte mal. Ja, das retourniere ich dir
04:23vielleicht wieder in einer anderen Situation. Also er hat auch ein Geheimnis. Natürlich hat es
04:28mit Vertrauen zu tun. Das heißt, auf der einen Sache, also auf der einen Seite ist die Macht
04:33in Bezug auf der Frau und auf der anderen Seite auch eine bestimmte Form von Macht den
04:40anderen Männern, die ja die Frau verfügbar macht, nicht? Weil da gibt er auch vor, wann
04:45darf er, wie darf er, was darf er, wie viel zahlt er und so weiter. Also es spielt sich die
04:49Macht auf vielen Ebenen ab. Und nicht nur Macht, sondern auch Organisation. Das muss ja auch
04:55organisiert werden. Das heißt, es steht da jetzt nicht, weil man hat keine angeblich
04:59so Geld verlangt worden sein, da steht nicht das Geld im Haupt, im Vordergrund?
05:03Ich glaube nicht. Ja, also ich glaube nicht, dass das Geld im Vordergrund steht. Ich glaube,
05:07dass das ein netter Nebenaspekt ist, der dadurch entsteht. Ja, weil in solchen Fällen hört man
05:13immer wieder, dass der Partner oder Ehemann dann beim Missbrauch dieser fast leblos wirkenden
05:21oder bewusstlosen Person dann auch noch zuschaut. Also das hat auch noch mit Voyeurismus zu tun.
05:27Also es muss nicht unbedingt nur ums Geld gehen, sondern auch das Sehen, wie die eigene
05:31Frau missbraucht oder misshandelt wird. Das ist ja wirklich abgrundtief dieser Mensch
05:36oder diese Menschen. Und die erkennt man nicht wirklich.
05:41Nein, weil es unterschiedlichste Rollen sind, die diese Menschen einnehmen. Das heißt,
05:47das war das, was ich vorher mit psychologischem Doppelleben gemeint habe. Und eine der häufigen
05:54Fragen, die mir in den letzten Tagen immer wieder gestellt wurde, ist, sind das jetzt alle
05:59Psychopathen? Sind das alle Narzissen? Sind das alle Soziopathen? Nein. Es kann ein Psychopath sein,
06:05kann ein Narzisst sein, kann ein Soziopath sein. Es kann aber auch ein Sadist sein. Ich
06:10weiß nicht, der muss nicht unbedingt eine Persönlichkeitsstörung haben. Er kann eine
06:14parafile Neigung haben. Er kann eine parafile Störung haben. Also es gibt viele Möglichkeiten,
06:20die da zusammenhängen. Darüber möchte ich aber keine Mundmaßungen in diesen beiden Fällen
06:25anstehen. Das steht mir auch nicht zu. Das ist etwas, was eben ein Kriminalpsychologe,
06:32Gesundheitsklinischer Psychologe, der Sexualpsychologe diagnostizieren muss.
06:37Jetzt hört man dann oft immer wieder Leute, die sagen, da muss man ja was machen können
06:41dagegen. Im Vorfeld kann man gar nichts machen, weil man es ja gar nicht erkennt, oder?
06:44Man erkennt es ja nicht. Man erkennt es meistens nicht. Und es ist ja auch so, dass wenn ein
06:51Mann so etwas mit seiner Frau macht und vorhat, diese Frau auch zu teilen, braucht er ja auch zu
06:56anderen Personen wieder ein bestimmtes Vertrauensverhältnis. Entweder es entsteht
07:00eine Gruppierung. Es gibt Gruppierungen vermutlich im Internet, wo sie sich vertraulich
07:06zusammenschließen, wo sie sich austauschen. Oder es ist ein Nachbar oder es ist ein
07:10Freund, wo man mal über das Thema redet und sagt, wow, wäre das nicht toll.
07:14Also vorher ausloten. Ja, ausloten zuerst, also sich langsam herantasten, um dann vielleicht
07:20einen gemeinsamen Plan zu schmieden. Also die Wege sind vielfältig, wie es zu so etwas
07:26kommen kann. Jetzt, wenn ich mir so eine Situation vorstelle, der Mann lebt mit der
07:30Frau zusammen, bekommt die das mit? Die Frage habe ich mir oft gestellt, wie viel
07:36kann man mitbekommen? Oft ist es so, dass manche Paare haben ja tatsächlich, ich bezeichne es
07:45jetzt mal harten Sex. Und die haben Projekt A harten Sex vereinbart. Das machen wir. Und
07:53auch dieser harte Sex kann zu körperlichen Schmerzen führen. Aber über Projekt B haben
08:00wir nicht gesprochen. Das ist dann der Teil, wo die Person vielleicht unter Alkohol gesetzt
08:04wird oder wo sie vielleicht zitiert wird. Von diesem Teil weiß sie nichts. Jetzt kann es
08:09aber sein, dass die Frau so viel Vertrauen hat und auch gar nicht glaubt, glauben kann,
08:14dass ihr Mann ihr so etwas antun würde, die Schmerzen, die sie vielleicht empfindet, auf
08:20den harten Sex von Projekt A zurückführt. Also es ist sehr schwierig, das zu sagen, weil
08:27ich kann mir diese Situation selber, es ist wirklich unvorstellbar. Es ist unvorstellbar
08:34für mich so etwas, wie es dazu kommen kann. Das heißt, jetzt ganz, das ist jetzt eine
08:40Mutmaßung, aber es kann eine total normale, unter Anführungszeichen, normale Beziehung
08:44sein und der Tag ist eine harmonische Beziehung und dann plötzlich switcht man um. Es kann
08:50sein, es kann aber auch total anders sein. Es kann sein, dass es eine harmonische, nette,
08:54freundliche, sehr gute, partnerschaftliche Beziehung ist. Es kann aber auch sein, dass es
08:58schon eine gewaltbesetzte Beziehung ist. Es gibt halt immer wieder Menschen, die sich
09:05damit abfinden, dass sie in einer Gewaltbeziehung sind. Ja, in solchen Fällen wie diese beiden
09:13Fälle ist tatsächlich eine Sedierung notwendig. Das hört ein normaler Mensch nicht aus. Also
09:19jetzt nicht falsch verstehen, aber das begreift sogar ein Täter, dass das unter normalen Umständen
09:24nicht möglich wäre. Und dann greift er zu solchen Methoden. Jetzt sind zwei bekannte Fälle bis
09:30jetzt, aber ich glaube, dass die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Das lässt sich so vermuten,
09:34ja. Jetzt als, ich denke mir immer, wenn mein Nachbar, die Nachbarn gehen ein und aus und
09:42so weiter, die sehe ich, mit denen plaudig, das erkenne ich aber nicht, oder? Habe ich da irgendeine
09:46Chance, so etwas zu erkennen? Naja, es kann sein, wenn du ein Vertrauensverhältnis hast oder dich
09:51gut verstehst oder mit dem Nachbarn mal auf dem Bier bist, dass der mal irgendetwas fallen lässt,
09:56so ein kleines Antasten. Und dann ist die Frage der Aufmerksamkeit, die ich habe, die Frage der
10:03Wahrnehmung, kriege ich das jetzt überhaupt mit? Denke ich da weiter nach darüber? Regt sich
10:08da bei mir ein Verdacht oder nicht? Ja, weil die meisten sagen dann, ja, war nur ein Spaß, ja.
10:13Also so etwas würde ich nie machen und dann ist der Fall schon, dann ist es schon gelaufen
10:17und man hakt es innerlich im Kopf ab. Natürlich ist Aufmerksamkeit sehr wichtig, ja. Und wichtig
10:25ist auch Prävention. Prävention, das bedeutet Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung mit Menschen
10:32darüber sprechen, dass es so etwas gibt. Auch die Täter auf die Konsequenzen, die es haben wird, auf die
10:40Auswirkungen aufmerksam machen. Also man kann die Täter ja, die wissen wir ja nicht, wo sie überall sind, ja.
10:46Aber tatsächlich geht es darum, auch aufzuzeigen, was kann denn überhaupt passieren?
10:52Also die Achtsamkeit auch bei den Frauen zu schärfen, dass Frauen oft leiden unter narzisstischen,
10:58psychopatischen, soziopathischen oder sonstigen anderen vergifteten Beziehungen. Das wissen wir eh.
11:04Und auch Männer leiden unter Beziehungen, ja. Aber ich spreche jetzt mal von diesen Themen.
11:08Vermutlich die größere Gruppe.
11:10Ja, definitiv die größere Gruppe.
11:13Ja, wir haben schon öfters auch über Femizide gesprochen. Wir haben auch zwei Serien schon darüber,
11:18also Sendungen darüber gemacht. Da war eigentlich der Denor, aufpassen und lieber einmal mehr,
11:25zum Beispiel die Polizei informieren, wie einmal zu wenig. Ich weiß, dass das nicht sehr einfach ist,
11:31wenn man sich dann immer wiederum vorkommt, oh, habe ich jetzt dann Blödsinn gesagt und so weiter,
11:34habe ich jetzt jemanden Probleme bereitet. Aber auch in diesem Fall, wenn solche Fälle auftauchen,
11:39ich habe den Verdacht.
11:40Wenn ich den Verdacht habe, wenn ich mit einem Mann gesprochen habe und da sickert etwas durch,
11:45dann würde ich das schon verfolgen. Dann würde ich mir einen Ratschlag zumindest aus dem Bereich
11:50der öffentlichen Sicherheit oder aus einem psychologischen Bereich auf jeden Fall mal holen.
11:55Wenn es um eine Frau geht, wenn ich den Verdacht habe, dass der Frau etwas passiert,
11:59dass unerklärliche Schmerzen auftreten, auch die Frau darauf anzusprechen und sagen,
12:04bitte lass die mal untersuchen, schau mal, was da los ist. Man kann einen kleinen Menschen wild herumverdächtigen,
12:12dass da irgendetwas passiert, aber auf jeden Fall an Regenschmerzen, die da sind, von denen man nicht weiß,
12:17wo sie herkommen oder auch blaue Flecken oder sonst irgendwelche Male am Körper,
12:21sich genauer anschauen zu lassen. Aufmerksamkeit ist ja sowas, die gibt es ja.
12:26Das muss ja nur die Polizei sein. Es gibt ja genug Anlaufstellen.
12:29Es gibt genug Anlaufstellen, es gibt genug Beratungsstellen, wo man anfragen kann.
12:36Kann man aus solchen Vorfällen Lehren ziehen?
12:41Man kann aus solchen Vorfällen viele Lehren ziehen. Die Frage ist jetzt, auf welcher Ebene?
12:48Was zieht die Politik für Lehren daraus? Was zieht die Justiz für Lehren daraus?
12:54Was zieht die Polizei für Lehren daraus? Und was zieht jeder Einzelne, der das hört, sieht oder liest,
13:02für Lehren daraus? Lernen kann man aus solchen Fällen auf jeden Fall.
13:07Und zwar, dass man wieder mehr in die Beobachtung, in die Aufmerksamkeit geht und Dinge, wo man sagt,
13:12naja, wird wahrscheinlich nur ein Spaß gewesen sein oder irgendein Blödsinn, einfach mal ein Stückchen ernster zu nehmen,
13:19nochmal genau hinzuschauen, bevor man einen Verdacht wieder fallen lässt.
13:23Wir haben wirklich ein fürchterliches Thema wieder einmal angesprochen.
13:26Es ist egal, ob es jetzt der Femizid oder solche Vorfälle sind.
13:30Wir haben darüber gesprochen, welche Lehren man eventuell ziehen kann.
13:33Aber auf jeden Fall eines, man soll aufmerksam bleiben.
13:35Und das ist ganz wichtig, würde ich mal sagen.
13:37Ja, und ich hoffe, dass wir nicht oft solche Themen haben, auch wenn ich mit dir gerne plaudere,
13:44aber vielleicht haben wir einmal etwas Erfreulicheres auch.
13:45Genau, wir werden etwas Erfreulicheres erfinden.
13:47Absolut, wunderbar.
13:49Dankeschön.
13:49Danke auch und danke unseren Zuschauern.
13:51Ja, und aufpassen, Augen auf.
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