- vor 3 Stunden
Manchmal passt ein ganzes Leben in Dinge, die auf den ersten Blick kaum von Bedeutung sind: einen alten Knopf, zwei Tassen mit kleinen Sprüngen, ein verblasstes Schlüsselband, einen handgeschriebenen Einkaufszettel oder ein Werkzeug voller Gebrauchsspuren.
„German Songs wenn ein ganzes Leben in kleine Dinge passt | Gefühlvolle Schlager voller Erinnerung“ vereint sieben eigenständige Geschichten über unscheinbare Gegenstände, die viele Jahre später plötzlich wieder eine Tür zur Vergangenheit öffnen.
Jedes Lied erzählt von anderen Menschen und einem eigenen Lebensweg. Gemeinsam zeigen diese gefühlvollen Schlager, dass unsere wichtigsten Erinnerungen nicht immer in großen Geschenken oder besonderen Ereignissen liegen. Oft leben sie in Dingen weiter, die täglich durch vertraute Hände gingen und still an unserer Seite blieben.
Im ersten Lied öffnet ein Witwer gemeinsam mit seiner Tochter die alte Blechdose seiner verstorbenen Frau. Zwischen verschiedenfarbigen Knöpfen finden sie Spuren einer Hochzeit, eines ersten Arbeitermantels, roter Kinderjacken und vieler gemeinsamer Jahre. Als ein alter Knopf an den Pullover der Enkelin genäht wird, beginnt eine Erinnerung weiterzuleben.
Ein roter Anhänger mit den verblassten Worten „Fahr vorsichtig, Papa“ begleitet einen Vater durch mehr als fünfzig Jahre und viele verschiedene Autos. Als er das Fahren aufgibt und seine Tochter ihn nach Hause bringt, erkennt er, dass kein neuer Lebensabschnitt die gemeinsam gefahrenen Wege auslöschen kann.
Ein älteres Ehepaar verlässt nach vierzig Jahren sein großes Haus. Von all dem schönen Porzellan entscheiden sie sich für zwei alte, leicht beschädigte Tassen. Im noch leeren neuen Zuhause stehen diese beiden Tassen am ersten Morgen wieder nebeneinander – und machen aus einem fremden Raum langsam einen vertrauten Ort.
In einem kleinen roten Adressbuch findet ein Sohn die Namen und Nummern all jener Menschen, die zum Leben seiner Mutter gehörten. Manche Nummern stimmen längst nicht mehr, doch die Namen durften bleiben. Ein Anruf bei einer alten Freundin zeigt, dass eine vertraute Stimme selbst nach vielen Jahren noch einen Weg zurückfinden kann.
Ein vergilbter Rezeptzettel mit Butterflecken trägt nur wenige genaue Angaben. Am Ende steht: „Nach Gefühl.“ Ein Großvater und seine Enkelin kochen nach diesem alten Familienrezept und entdecken, dass zwischen Kartoffeln, Majoran und einer handgeschriebenen Zeile die Erinnerungen von drei Generationen weitergegeben werden.
Ein Sohn erhält das alte Taschenmesser seines 91-jährigen Vaters. Jede Kerbe erinnert an einen Apfel auf einem Wanderweg, ein repariertes Fahrrad, einen gespitzten Bleistift oder eine kleine Hilfe im richtigen Augenblick. Die Liebe des Vaters brauchte kaum große Worte – sie lebte in allem, was seine Hände für andere wieder heil machten.
Zum Abschluss leert ein Witwer die Taschen des Wintermantels seiner verstorbenen Frau. Darin liegen ein alter Fahrschein, ein Stein vom Meer, ein Papierstern und ein kleiner
„German Songs wenn ein ganzes Leben in kleine Dinge passt | Gefühlvolle Schlager voller Erinnerung“ vereint sieben eigenständige Geschichten über unscheinbare Gegenstände, die viele Jahre später plötzlich wieder eine Tür zur Vergangenheit öffnen.
Jedes Lied erzählt von anderen Menschen und einem eigenen Lebensweg. Gemeinsam zeigen diese gefühlvollen Schlager, dass unsere wichtigsten Erinnerungen nicht immer in großen Geschenken oder besonderen Ereignissen liegen. Oft leben sie in Dingen weiter, die täglich durch vertraute Hände gingen und still an unserer Seite blieben.
Im ersten Lied öffnet ein Witwer gemeinsam mit seiner Tochter die alte Blechdose seiner verstorbenen Frau. Zwischen verschiedenfarbigen Knöpfen finden sie Spuren einer Hochzeit, eines ersten Arbeitermantels, roter Kinderjacken und vieler gemeinsamer Jahre. Als ein alter Knopf an den Pullover der Enkelin genäht wird, beginnt eine Erinnerung weiterzuleben.
Ein roter Anhänger mit den verblassten Worten „Fahr vorsichtig, Papa“ begleitet einen Vater durch mehr als fünfzig Jahre und viele verschiedene Autos. Als er das Fahren aufgibt und seine Tochter ihn nach Hause bringt, erkennt er, dass kein neuer Lebensabschnitt die gemeinsam gefahrenen Wege auslöschen kann.
Ein älteres Ehepaar verlässt nach vierzig Jahren sein großes Haus. Von all dem schönen Porzellan entscheiden sie sich für zwei alte, leicht beschädigte Tassen. Im noch leeren neuen Zuhause stehen diese beiden Tassen am ersten Morgen wieder nebeneinander – und machen aus einem fremden Raum langsam einen vertrauten Ort.
In einem kleinen roten Adressbuch findet ein Sohn die Namen und Nummern all jener Menschen, die zum Leben seiner Mutter gehörten. Manche Nummern stimmen längst nicht mehr, doch die Namen durften bleiben. Ein Anruf bei einer alten Freundin zeigt, dass eine vertraute Stimme selbst nach vielen Jahren noch einen Weg zurückfinden kann.
Ein vergilbter Rezeptzettel mit Butterflecken trägt nur wenige genaue Angaben. Am Ende steht: „Nach Gefühl.“ Ein Großvater und seine Enkelin kochen nach diesem alten Familienrezept und entdecken, dass zwischen Kartoffeln, Majoran und einer handgeschriebenen Zeile die Erinnerungen von drei Generationen weitergegeben werden.
Ein Sohn erhält das alte Taschenmesser seines 91-jährigen Vaters. Jede Kerbe erinnert an einen Apfel auf einem Wanderweg, ein repariertes Fahrrad, einen gespitzten Bleistift oder eine kleine Hilfe im richtigen Augenblick. Die Liebe des Vaters brauchte kaum große Worte – sie lebte in allem, was seine Hände für andere wieder heil machten.
Zum Abschluss leert ein Witwer die Taschen des Wintermantels seiner verstorbenen Frau. Darin liegen ein alter Fahrschein, ein Stein vom Meer, ein Papierstern und ein kleiner
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MusikTranskript
00:15Fast zwei Jahre
00:30Deine Brille, Nebennadel, dein Maßband an der Schublade
00:37Als wärst du nur für einen Augenblick aus diesem Raum gegangen
00:45Wir sortierten Stoff und Fäden bis im letzten kleinen Fach
00:53Eine alte Blechdose zwischen deinen Händen auf uns wartete
01:02In der alten Blechdose lag unser ganzes Leben
01:11Knopf für Knopf und Jahr für Jahr ein Stück von deinem Hochzeitskleid
01:19Mein erster guter Mantel, rote Kinderjacken und ein grünes Gartenschürzenband
01:31In der alten Blechdose lag kein Gold und nichts von großem Wert
01:40Doch jedes kleine Ding darin erzählte still
01:46Wie reich unser Leben war
01:51Meine Tochter nahm den Deckel und fragte
01:56Kann das alles weg?
01:59Ich wollte sagen, es sind nur Knöpfe
02:03Die schon lange niemand braucht
02:07Dann nahm ich einen weißen kleinen Knopf aus Perlmutt
02:14Und plötzlich sah ich dich
02:18Vor dem alten Standesamt im hellen Kleid
02:24Der braune kam von meinem Mantel
02:27Die roten waren von der Schule
02:31Und der grüne lag einst dort
02:35Wo du im Garten Rosen schnittest
02:42In der alten Blechdose
02:45Lag unser ganzes Leben
02:49Knopf für Knopf und Jahr für Jahr
02:53Ein Stück von deinem Hochzeitskleid
02:57Mein erster guter Mantel
03:01Rote Kinderjacken
03:04Und ein grünes Gartenschürzenband
03:09In der alten Blechdose lag kein Gold
03:14Und nichts von großem Wert
03:18Doch jedes kleine Ding darin
03:22Erzählte still
03:23Wie reich unser Leben war
03:29Manche konnten wir noch zuordnen
03:33Manche kannte keiner mehr
03:37Doch auch diese Unbekannten
03:41Hatte deine Hand einmal bewahrt
03:44Wir legten alle auf den Tisch
03:48Und teilten unsere Erinnerungen
03:52Manche waren meine
03:54Manche ihre
03:55Manche gehörten uns gemeinsam
04:00Dann kam eine kleine Stimme
04:05An meinem Pullover fehlt ein Knopf
04:09Eine Kinderhand griff nach dem Blauen
04:13Mit dem alten Stückchen Faden
04:16Ich hielt ihn fest
04:18Und dachte kurz
04:20Wenn er die Dose heute verlässt
04:24Geht dann auch ein Teil von früher fort
04:30Doch die alte Blechdose
04:34War nicht da
04:35Um still zu warten
04:37Du hattest jeden kleinen Knopf
04:42Für einen neuen Tag bewahrt
04:46Also nähten wir den Blauen
04:49An den Pullover deiner Enkelin
04:52Meine Stiche waren schief
04:56Doch ihre Mutter half
04:59Beim letzten Knoten
05:02Und die alte Blechdose
05:06Hielt unser Leben nicht mehr fest
05:10Sie gab ein kleines Stück davon
05:14An eine neue Zeit zurück
05:18Denn Erinnerungen bleiben nicht nur
05:22Wenn man sie verschließt
05:26Sie bleiben auch
05:28Wenn jemand sie weiter trägt
05:33Am Abend stellte ich die Dose
05:36Nicht zurück
05:38Stille Zimmer
05:40Sie kam in unserem Wohnzimmerschrank
05:43Dorthin
05:44Wo wir sie wieder öffnen können
05:47Auf den Deckel klebte ich
05:50Ein kleines Stück Papier
05:54Knopf für Knopf
05:56Jahr für Jahr
05:57Unser ganzes Leben
06:25Ich räumte aus dem Handschuhfach
06:27Die alte Karte und das Kleingeld
06:31Eine Brille, einen Parkschein
06:35Und den Lappen für das Glas
06:40Dann nahm ich meinen Autoschlüssel
06:44Zum letzten Mal vom Brett
06:47Am Ring hing noch der rote Anhänger
06:52Den du mir als Kind
06:55Einmal gemacht hast
07:00Die Buchstaben sind fast verschwunden
07:04Doch ich kann sie immer noch lesen
07:08Fahr vorsichtig, Papa
07:12So stand es all die Jahre dort
07:15Der rote Anhänger blieb bei mir
07:19Als jedes alte Auto längst verschwunden war
07:23Er fuhr mit uns durch Sommer und durch Winter
07:27Durch volle Straßen und durch manches Schwere
07:31Ja der rote Anhänger blieb bei mir
07:35Ein kleines Stück aus deiner Kinderhand
07:39Und plötzlich passte unser ganzes Leben
07:43In drei verblasste Worte
07:45An einem Schlüsselband
07:51Ich fuhr zur Arbeit vor dem Morgen
07:55Brachte euch zur Schule hin
07:59Wir hielten an den Raststätten
08:03Mit Brot und warmem Kaffee
08:07Deine Mutter las die Karten
08:11Und zeigte meistens falsch
08:15Dann lachten wir und fanden irgendwann
08:19Doch wieder auf den richtigen Weg
08:23Auf der Rückbank schliefen Kinder
08:27Neben mir schlief manchmal sie
08:30Und der rote Anhänger
08:35Schlug leise gegen meinen Schlüssel
08:38Der rote Anhänger blieb bei mir
08:42Als jedes alte Auto längst verschwunden war
08:46Er fuhr mit uns durch Sommer und durch Winter
08:51Durch volle Straßen und durch manches Schwere
08:55Ja der rote Anhänger blieb bei mir
08:58Ein kleines Stück aus deiner Kinderhand
09:02Und plötzlich passte unser ganzes Leben
09:07In drei verblasste Worte
09:09An einem Schlüsselband
09:15Bevor ich heut den Wagen abgab
09:18Nahm ich ihn vom Schlüssel ab
09:22Der neue Fahrer bekam das Auto
09:26Doch dieses kleine Ding blieb hier
09:30Dann kamst du um mich abzuholen
09:34Und erkanntest es sofort
09:38Du lachtest
09:40Den hast du noch immer
09:42Ich sagte
09:45Länger als jedes Auto
09:50Du nahmst ihn vorsichtig
09:53Zwischen deine Hände
09:54Er gehörte nie zum Wagen
09:57Sagtest du
09:58Er gehörte immer zu dir
10:02Dann saß ich auf dem Beifahrersitz
10:07Während du uns nach Hause fuhrst
10:10Früher brachte ich dich sicher heim
10:14Heute tatest du
10:16Dasselbe für mich
10:21Der rote Anhänger bleibt bei mir
10:26Auch ohne einen Autoschlüssel dran
10:29Er trägt noch all die Wege
10:32All die Menschen
10:34Und jeden Ort
10:36An dem mein Leben einmal war
10:38Der rote Anhänger bleibt bei mir
10:41Und was sich ändert
10:44Nimmt mir nichts davon
10:45Denn jede Straße
10:48Die ich nicht mehr selber fahre
10:50Löscht nicht deinen Weg
10:53Den ich mit euch gefahren bin
10:57Zu Hause hing ich ihn
10:59An den alten Haken
11:01Neben der Tür
11:02Dort
11:03Wo früher immer meine Schlüssel lagen
11:06Er öffnet heut
11:08Kein Wagen mehr
11:10Doch wenn ich ihn berühre
11:14Sehe ich uns wieder fahren
11:17Und höre eine kleine Stimme sagen
11:22Fahr vorsichtig Papa
11:25Komm gut nach Hause
11:5040 Jahre in denselben Räumen
11:54Nun standen Kisten vor der Tür
11:57Die Treppe wurde immer steiler
12:02Der Garten langsam groß für uns
12:06Wir gaben Bücher an die Bücherei
12:09Den großen Tisch an unser Enkelkind
12:13Und jedes Stück bekam die Frage
12:17Was brauchen wir im neuen Zuhause noch?
12:25Im Küchenschrank stand feines Porzellan
12:30Fast unberührt seit unserem Hochzeitstag
12:33Daneben zwei vertraute Tassen
12:37Mit einem kleinen Sprung am Rand
12:41Zwei Tassen für ein ganzes Leben
12:45Eine hell und eine blau
12:49Tausend Morgen standen sie zusammen
12:52So wie ich seit all den Jahren neben dir
12:56Zwei Tassen für ein ganzes Leben
13:00Nicht vollkommen, doch uns längst vertraut
13:04Manchmal passt ein ganzes gemeinsames Zuhause
13:09In zwei alte Tassen auf der Fensterbank
13:16Aus der Hellen trank ich meinen Kaffee
13:20Weil sie ihn etwas länger warm hielt
13:24Die blaue lag besser in deinen Händen
13:28Darum war sie immer deine
13:31Sie standen da, als Kinder Fieber hatten
13:35Als wir nach einem Streit kaum sprachen
13:39Und auch an jenen stillen Morgen
13:43Und auch an jenen stillen Morgen, als die Kinder aus dem Hause gingen
13:47Das gute Porzellan sah Feiertage
13:52Die alten Tassen sahen unser Leben
13:57Zwei Tassen für ein ganzes Leben
14:01Zwei Tassen für ein ganzes Leben
14:02Eine hell und eine blau
14:05Tausend Morgen standen sie zusammen
14:08So wie ich seit all den Jahren neben dir
14:12Zwei Tassen für ein ganzes Leben
14:16Nicht vollkommen, doch uns längst vertraut
14:20Manchmal passt ein ganzes gemeinsames Zuhause
14:25In zwei alte Tassen auf der Fensterbank
14:32Unsere Tochter fragte, welche soll mit
14:36Du saßt zum feinen Hochzeitsporzellan
14:39Ich zeigte auf die beiden Alten
14:44Und sagte, diese hier
14:46Du wickeltest sie ein
14:49In mehrere Lagen Zeitung
14:54Doch ich stellte ihren kleinen Karton
14:57Nicht zu den anderen
15:01In den großen Wagen
15:06Ich hielt ihn auf den Knien
15:08Bis wir vor der neuen Wohnung standen
15:11Dort gab es noch keine Gardinen
15:15Keinen Tisch
15:16Und kaum ein vertrautes Bild
15:19Wir saßen zwischen vollen Kisten
15:23Auf zwei Stühlen an der Wand
15:26Du sagtest, noch fühlt sich dieser Ort
15:30Nicht wie ein Zuhause an
15:34Zwei Tassen für ein ganzes Leben
15:38Standen auf einem Karton
15:42Ich goss dir deinen Kaffee ein
15:46Wie jeden Morgen
15:47Seit so vielen Jahren schon
15:50Zwei Tassen für ein ganzes Leben
15:54Machten aus dem fremden Raum
15:58Noch nicht sofort die alte Wohnung
16:01Doch schon einen Ort
16:03An dem wir beide wieder waren
16:05Denn zu Hause sind nicht nur
16:09Dieselben Fenster oder Wände
16:12Zu Hause ist, wenn ich noch weiß
16:17Welche Tasse dir gehört
16:23Am nächsten Morgen
16:25Fiel die Sonne
16:27Durch das neue Fenster
16:31Draußen hielt ein Bus
16:34Und jemand brachte frisches Brot
16:38Du sagtest, der Kaffee ist wieder viel zu stark
16:44Doch du trankst ihn trotzdem aus
16:47Die beiden Tassen standen nebeneinander
16:51Und langsam kamen auch wir
16:55Im neuen Zuhause noch
17:22Ich brachte dir ein neues Telefon
17:29Mit großen Tasten und hellem Licht
17:33Du sagtest, hol aus der zweiten Schublade
17:38Das kleine rote Buch für mich
17:43Der Gummi war schon ausgeleiert
17:47Die Ecken weich
17:49Die Seiten gelb
17:52Doch zwischen all den alten Zahlen
17:56Lag viel mehr
17:57Als nur die halbe Welt
18:01Bei manchen Namen stand
18:04Nur abends bei manchen
18:07Noch einmal nach ihr Fragen
18:09Und manche Nummer war gestrichen
18:12Doch der Name durfte bleiben
18:16In deinem kleinen Adressbuch
18:20Stand ein ganzes Leben
18:23Zwischen Namen, Zahlen
18:28Und vergilbtem Papier
18:31Menschen, die du angerufen hast
18:36Wenn etwas Schönes geschah
18:40Oder wenn du
18:42Nicht mehr weiter wusstest
18:46In deinem kleinen Adressbuch
18:50War niemand
18:52Nur ein Eintrag
18:54Jede Zeile führte
18:57Zu einer vertrauten Tür
19:01Und selbst die Nummern
19:05Die längst nicht mehr stimmten
19:10Ließen einen Menschen
19:14Noch bei dir
19:18Ich fand dort meine erste Wohnung
19:22Mein Zimmer aus der Lehrlingszeit
19:25Die Nummer von der alten Arbeit
19:29Und unser Haus nach meiner Hochzeit
19:33Neben einer längst vergangenen Adresse
19:36Stand in deiner kleinen Schrift
19:40Er ruft am Sonntagabend an
19:44Du hattest jeden meiner Wege
19:47In diesem Buch
19:49Für dich behalten
19:52Dann kam die Seite meines Vaters
19:56Seine Nummer stand noch da
20:00Daneben, falls er wieder
20:03Seinen Schlüssel vergessen hat
20:06In deinem kleinen Adressbuch
20:11Stand ein ganzes Leben
20:15Zwischen Namen, Zahlen
20:18Und vergilbt im Papier
20:22Menschen, die du angerufen hast
20:27Wenn etwas Schönes geschah
20:31Oder wenn du
20:33Nicht mehr weiter wusstest
20:37In deinem kleinen Adressbuch
20:41War niemand nur ein Eintrag
20:44Jede Zeile führte
20:48Zu einer vertrauten Tür
20:53Und selbst die Nummer
20:56Die längst nicht mehr stimmten
21:00Ließen einen Menschen
21:04Noch bei dir
21:08Du zeigtest auf den Namen
21:10Einer Freundin von ganz früher
21:14Ihr saßt viele Jahre
21:17Nebeneinander
21:19In derselben großen Halle
21:23Ich weiß nicht, ob die Nummer noch stimmt
21:26Sagtest du
21:27Und sahst mich fragend an
21:30Also wählte ich die Ziffern
21:34Und gab dir langsam
21:36Den Hörer in die Hand
21:39Es klingelte sehr lang
21:42Dann meldete sich eine müde alte Stimme
21:47Du sagtest deinen Namen
21:50Einen Augenblick war alles still
21:54Dann kam ein Lachen durch die Leitung
21:57Als wären all die Jahre nur ein kurzer Weg gewesen
22:03Als wären all die Jahre nur ein kurzer Weg gewesen
22:27Mit verstrichenen Zahlen
22:28Kleinen Kreisen und Verblaster
22:31Blauer Tinte
22:33War noch Platz
22:35Für einen nächsten Anruf
22:39In deinem kleinen Adressbuch
22:42Blieben Menschen nicht nur Nummern
22:46Denn ein Mensch verschwindet nicht
22:50Nur weil kein Anschluss mehr besteht
22:53Was wir einmal füreinander waren
22:57Bleibt auf manchen kleinen Seiten
23:01Auch wenn keine Leitung mehr dorthin führt
23:06Ich speicherte die neuen Nummern
23:10In das Telefon
23:13Doch das rote Buch
23:16Blieb auf dem Tisch daneben
23:20Auf die letzte freie Zeile
23:23Schrieb ich meine Nummer noch einmal
23:27Du sagtest
23:29Die brauche ich nicht nachzuschlagen
23:32Und hast sie trotzdem
23:34Zweimal eingekreist
23:50Du kamst mit einem Schulheft
23:54Zu mir in die alte Küche
23:56Wir sollen etwas kochen
23:59Das zu unserer Familie gehört
24:02Ich dachte an die großen Feste
24:05An Kuchen und an Feiertage
24:08Doch dann fiel mir die Suppe ein
24:10Die früher jeden kalten Tag
24:13Ein wenig Wärme machte
24:17Zwischen zwei vergilbten Seiten
24:21Fand ich einen kleinen Zettel
24:24Kariertes Papier
24:25Ein Fleck von Butter
24:30Und die Handschrift meiner Mutter
24:34Auf dem Rezept stand nur
24:37Nachgefühl
24:40Keine Grammzahl
24:43Keine genaue Zeit
24:45Nur Kartoffeln
24:48Etwas Butter
24:49Maggioran
24:51Und ein wenig Wärme
24:55Und ein wenig Wärme für den Tisch
24:56Auf dem Rezept stand nur
25:00Nachgefühl
25:02Doch zwischen jeder alten Zeile
25:07Lag ein Stück von uns
25:09Manchmal passt ein ganzes Leben
25:12Auf ein kleines Blatt Papier
25:16Mit Flecken an den Rändern
25:20Du fragtest
25:22Wie viel sind genug Kartoffeln
25:25Und wie groß ist ein Stück Butter
25:28Ich musste lachen
25:31Denn dieselben Fragen
25:33Stellte ich vor vielen Jahren auch
25:38Meine Mutter
25:39Meine Mutter nahm nie eine Waage
25:41Sie kannte nur den alten Topf
25:44Sie wusste wie viele Menschen kamen
25:47Und machte einfach etwas mehr
25:51Salz erst ganz am Ende
25:54Majoran nicht vergessen
25:56Und darunter leicht verwischt
25:59Die beiden Worte
26:01Nachgefühl
26:02Auf dem Rezept stand nur
26:06Nachgefühl
26:08Keine Grammzahl
26:11Keine genaue Zeit
26:14Nur Kartoffeln
26:17Etwas Butter
26:18Maggioran
26:19Und ein wenig Wärme
26:24Für den Tisch
26:25Auf dem Rezept stand nur
26:29Nachgefühl
26:31Doch zwischen jeder alten Zeile
26:35Lag ein Stück von uns
26:37Manchmal passt ein ganzes Leben
26:41Auf ein kleines Blatt Papier
26:45Mit Flecken an den Rändern
26:49Während du die Möhren schnittest
26:52Erzählte ich von früher
26:55Vom Brot
26:56Vom Brot
26:57Das mein Vater immer
27:00In viel zu große Stücke brach
27:04Von den Kindern an dem Küchentisch
27:07Von meinem Gast
27:08Der unangemeldet kam
27:11Dann goss meine Mutter
27:14Wasser nach
27:15Wasser nach
27:15Und stellte still
27:16Noch einen Teller hin
27:21Du wolltest
27:22Du wolltest jede Menge wissen
27:23Jede Minute aufschreiben
27:25Doch ich konnte dir nur sagen
27:28Rühr bis die Kartoffeln weich sind
27:31Warte bis die Küche wieder wie ein Sonntag riecht
27:38Wir probierten beide
27:40Etwas fehlte
27:42Du gabst Butter
27:43Ich Magioran dazu
27:45Dann sahen wir uns an
27:48Und wussten
27:50Jetzt erinnert sie sich
27:52Richtig an
27:54Auf dem Rezept stand nur
27:59Nachgefühl
28:00Doch heute kam
28:02Eine neue Handschrift dazu
28:05Du schriebst Grammzahl, Zeit und Temperatur
28:11Auf eine frische kleine Karte
28:14Und ganz unten stand
28:18Am Ende noch ein wenig nach Gefühl
28:22Denn ein Familienrezept bleibt nicht lebendig
28:27Weil es immer gleich gelingt
28:30Es lebt, wenn eine neue Hand
28:33Den alten Zettel nimmt
28:35Und wieder einen Topf
28:40Für alle auf den Tisch stellt
28:43Wir legen beide Karten nebeneinander auf den Tisch
28:49Die alte Schrift, die neue Schrift
28:53Und all die Jahre dazwischen
28:57Du nahmst die Suppe
28:59Für die anderen mit
29:01Den kleinen Zettel
29:03Legte ich zurück ins Buch
29:06Nicht um ihn dort zu verstecken
29:10Sondern damit wir ihn
29:12Beim nächsten Mal
29:16Wiederfinden
29:43Wiederfinden
29:44Zwei Pullover
29:46Zwei Pullover
30:12Zwei Pullover
30:14Alte Bilder
30:14Und das Radio vom Fenster
30:14Die Feder war zu schwer
30:16Dann legtest du es langsam zu mir
30:20Und sagtest
30:21Nimm es mit
30:22Ich brauche es nicht mehr
30:54In den Kerben
30:55In den Kerben
30:56Deines alten Taschenmessers
31:00Stand kein großer Satz
31:03Von Liebe oder Dank
31:06Doch fast jede Spur entstand
31:09Weil irgendwo ein Mensch
31:14Nach deinen Händen fragte
31:17Mit der kleinen Klinge
31:20Teiltest du das Brot
31:22Bei unserer Rast
31:23Mit dem Schraubendreher
31:27Hieltest du mein altes Fahrrad fest
31:31Du öffnetest die Weihnachtspakete
31:35Schnittest Bindfaden im Garten
31:38Und entferntest mir den Splitter
31:41Während ich behauptete
31:43Es täte gar nicht weh
31:46Du sagtest selten
31:48Ich hab dich lieb
31:49Du sagtest eher
31:51Gib einmal her
31:52Das lässt sich sicher
31:54Noch reparieren
31:59In den Kerben
32:01Deines alten Taschenmessers
32:05Lag ein ganzes Leben
32:08Das nie viele Worte brauchte
32:13Äpfel auf den Wanderwegen
32:16Bleistifte für meinen ersten Schultag
32:20Schnüre, Schrauben, kleine Dinge
32:24Die du immer wieder heil gemacht hast
32:27Fast in den Kerben
32:29Deines alten Taschenmessers
32:32Stand kein großer Satz
32:36Von Liebe oder Dank
32:39Doch fast jede Spur entstand
32:42Weil irgendwo
32:45Ein Mensch nach deinen Händen fragte
32:49Ich zeigte auf die tiefe Delle
32:53An der alten roten Schale
32:57Du erinnerst es dich sofort
33:00Das war bei deinem ersten Rat
33:03Die dunkle Stelle kam vom Feuer
33:07Auf dem Zeltplatz hinterm Wald
33:10Und der Schraubendreher wurde kleiner
33:14Weil die Küchentür
33:15Weil die Küchentür
33:16So oft nicht schließen wollte
33:19Ich sagte
33:20Ich sagte
33:21Ich werde es bewahren
33:23Und in eine Vitrine legen
33:26Doch du schütteltest den Kopf
33:29Ein Werkzeug ist nicht da
33:30Damit man es nur ansieht
33:33Steck es ein
33:34Und wenn einmal jemand deine Hände braucht
33:38Dann hilf ihm damit weiter
33:41In den Kerben
33:44Deines alten Taschenmessers
33:48Lag nicht nur dein Leben
33:51Sondern auch ein Teil von meinem
33:55Heute schnippt ich einen Apfel
33:58Für das Kind an meiner Seite
34:01So wie du ihn früher auf den langen Wegen
34:06Für mich geteilt hast
34:08In den Kerben
34:10Deines alten Taschenmessers
34:14Lebt die Art
34:15Wie du uns deine Liebe gabst
34:19Nicht in großen Worten
34:20Sondern in den kleinen Dingen
34:24Die durch deine Hände
34:26Wieder brauchbar wurden
34:29Das Kind fragte
34:31Warum ist das Messer überall zerkratzt?
34:36Ich sagte
34:37Weil es lange für die Menschen da gewesen ist
34:42Am Abend wischte ich es sauber
34:46Faltete es vorsichtig zusammen
34:49Und steckte es
34:51In meine eigene Jackentasche
34:55Es war nicht schwer
34:59Nur vertraut
35:21Seit drei Wintern hing dein Mantel
35:25An dem Haken neben unsere Tür
35:32Dunkelblau
35:33Am Ärmel
35:34Etwas heller
35:35Und noch immer
35:37Sah er aus
35:38Wie du
35:42Vieles hatte ich
35:44Schon fortgegeben
35:46Doch an ihn
35:47Kam meine Hand
35:48Nie heran
35:51Heute nahm ich ihn
35:53Zum ersten Mal herunter
35:56Und legte ihn behutsam
35:58Auf den Tisch
36:28Meine Tochter
36:30Mit alten Händen
36:31Und groß genug
36:33Für unser ganzes Leben
36:37Ein alter Fahrschein
36:40Ein Stein vom Meer
36:41Ein Stern aus dünnem Papier
36:47Was in deinen Manteltaschen blieb
36:51Hatte keinen großen Wert
36:55Hatte keinen großen Wert
36:56Doch jedes kleine Ding
36:58Öffnete eine Tür
37:01Und für einen Augenblick
37:05Warst du wieder hier
37:09Der Fahrschein
37:11Der Fahrschein kam
37:38Aus wie Brot
37:39Dann stecktest du ihn lachend ein
37:44Als wäre er
37:45Ein kostbarer Fund
37:51Der Papierstern kam von unserem Enkelkind
37:55Damit du immer einen Stern bei dir hast
38:00Du trugst ihn viele Winter lang
38:04In deiner rechten Tasche
38:09Was in deinen Manteltaschen blieb
38:14War klein genug
38:18Für meine alten Hände
38:21Und groß genug
38:23Für unser ganzes Leben
38:27Ein alter Fahrschein
38:30Ein Stein vom Meer
38:31Ein Stern aus dünnem Papier
38:37Was in deinen Manteltaschen blieb
38:41Hatte keinen großen Wert
38:44Doch jedes kleine Ding
38:48Öffnete eine Tür
38:51Und für einen Augenblick
38:55Warst du wieder hier
38:59Ganz unten lag ein Einkaufszettel
39:03Mehrmals klein gefaltet
39:06Brot und Milch
39:08Ein paar Äpfel
39:09Und noch Futter
39:11Für die Vögel
39:12Nur die Liste
39:14Eines ganz gewöhnlichen Tages
39:19Doch ich sah die Küche
39:21Deinen Korb
39:22Und hörte dich noch sagen
39:26Die Spatzen warten schon
39:31Ich dachte lange
39:32Wenn der Mantel nicht mehr hier hängt
39:35Geht noch etwas von dir fort
39:37Doch du warst nie
39:39Nur dieser Stoff
39:41Nie nur der Duft
39:42In einem alten Flur
39:44Du warst in all den kleinen Dingen
39:47Die wir heute weiter tun
39:51In jedem Stern
39:53In jedem geteilten Apfel
39:56In dem Futter
39:58Vor dem Fenster
40:01Was in deinen Manteltaschen blieb
40:06Legte ich in einen kleinen Umschlag
40:09Doch den Mantel hielt ich nicht mehr fest
40:12Er hatte dich
40:14Durch viele Winter warm gehalten
40:17Nun darf er jemand anderem
40:21Dieselbe Wärme geben
40:26Was in deinen Manteltaschen blieb
40:30Ging mit mir zurück nach Haus
40:33Und ich verstand
40:35Erinnerung bleibt nicht nur
40:37Wenn man alles aufbewahrt
40:40Sie bleibt auch
40:42Wenn Liebe weitergegeben wird
40:46Am nächsten Morgen
40:49War der Haken
40:50Neben unserer Tür leer
40:53Ich nahm den alten Einkaufszettel
40:57Und ging noch einmal in den Laden
41:00Brot und Milch
41:03Ein paar Äpfel
41:04Und noch Futter
41:05Für die Vögel
41:07Dann füllte ich
41:09Den kleinen Platz am Fenster
41:11Die Spatzen kamen sofort
41:13Und ich sagte
41:16Ja
41:16Ihr habt schon gewartet
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