- vor 2 Tagen
Manchmal braucht es keine großen Worte, damit ein stilles Herz wieder Wärme spürt. Manchmal genügt eine einfache Frage:
„Wie war dein Tag?“
„German Songs wenn wieder jemand fragt, wie unser Tag gewesen ist“ erzählt in sieben zusammenhängenden Liedern die Geschichte von Friedrich und Clara – zwei älteren Menschen, die beide einen geliebten Partner verloren haben und langsam lernen, dass Nähe im Leben noch einmal auf eine neue, stille Weise entstehen darf.
Friedrich ist 72 Jahre alt und lebt seit dem Tod seiner Frau Ruth allein in der gemeinsamen Wohnung. Früher fragte Ruth jeden Abend, wie sein Tag gewesen war. Seit sie nicht mehr da ist, bleiben selbst die kleinen Erlebnisse oft ungesagt: ein freundlicher Busfahrer, ein Mohnbrötchen vom Bäcker, ein Vogel im Park oder ein kurzer Gedanke, den niemand mehr hört.
Dann zieht Clara in die Wohnung gegenüber.
Sie bittet Friedrich zunächst nur um einen Schraubenzieher. Am nächsten Tag bringt sie ihn mit zwei Stücken Apfelkuchen zurück und fragt ganz selbstverständlich:
„Und wie war Ihr Tag?“
Diese kleine Frage verändert etwas. Friedrich erzählt zum ersten Mal seit langer Zeit wieder von den unscheinbaren Momenten seines Alltags. Als er Clara dieselbe Frage stellt, erfährt er, dass auch sie verwitwet ist. Ihr Mann Paul ist vor einigen Jahren gestorben, und die neue Wohnung fühlt sich noch nicht wie ein Zuhause an.
Aus einer kurzen Begegnung im Hausflur werden gemeinsame Abende, Kartoffelsuppe, zwei Tassen auf dem Tisch und vorsichtige Geschichten über Ruth und Paul. Die Erinnerungen an ihre verstorbenen Partner müssen dabei nicht verschwinden. Sie dürfen am Tisch bleiben – in einer hellen Tasse, einem alten Tischtuch, zu viel Muskat und einer kleinen Gewohnheit, über die man wieder lachen kann.
Bald entsteht zwischen den beiden Wohnungstüren ein stilles Ritual: Wenn abends das Flurlicht brennt, fragen Friedrich und Clara einander, wie der Tag gewesen ist.
Doch eines Abends bleibt das Licht dunkel.
Clara ist in ihrer Wohnung gestürzt und kann das Telefon nicht erreichen. Friedrich merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Zum ersten Mal versteht er, dass echte Nähe nicht nur bedeutet, einer Geschichte zuzuhören. Sie bedeutet auch, die Stille eines Menschen zu bemerken.
Nach ihrer Rückkehr gibt Clara ihm einen Ersatzschlüssel. Friedrich bringt ihr Suppe, Post und Tee, doch Clara erinnert ihn daran, sie nicht nur nach Schmerzen und Tabletten zu fragen:
„Fragen Sie mich wieder, wie mein Tag war.“
Von da an schieben sie kleine handgeschriebene Zettel unter ihren Türen hindurch. Darauf stehen Fragen nach dem schönsten Moment des Tages, nach einer Erinnerung, einem Lächeln oder einem Augenblick, in dem sich die Wohnung weniger fremd angefühlt hat.
Als Claras Tochter Anne ihr eine sichere Wohnung in der Nähe der Familie anbietet, muss Friedrich lernen, seine Angst vor neuer Einsamkeit nicht zu Claras Verpflichtung zu machen. Er möchte, dass sie bleibt – aber nur, wenn es ihre eigene Entscheidung ist.
„Wie war dein Tag?“
„German Songs wenn wieder jemand fragt, wie unser Tag gewesen ist“ erzählt in sieben zusammenhängenden Liedern die Geschichte von Friedrich und Clara – zwei älteren Menschen, die beide einen geliebten Partner verloren haben und langsam lernen, dass Nähe im Leben noch einmal auf eine neue, stille Weise entstehen darf.
Friedrich ist 72 Jahre alt und lebt seit dem Tod seiner Frau Ruth allein in der gemeinsamen Wohnung. Früher fragte Ruth jeden Abend, wie sein Tag gewesen war. Seit sie nicht mehr da ist, bleiben selbst die kleinen Erlebnisse oft ungesagt: ein freundlicher Busfahrer, ein Mohnbrötchen vom Bäcker, ein Vogel im Park oder ein kurzer Gedanke, den niemand mehr hört.
Dann zieht Clara in die Wohnung gegenüber.
Sie bittet Friedrich zunächst nur um einen Schraubenzieher. Am nächsten Tag bringt sie ihn mit zwei Stücken Apfelkuchen zurück und fragt ganz selbstverständlich:
„Und wie war Ihr Tag?“
Diese kleine Frage verändert etwas. Friedrich erzählt zum ersten Mal seit langer Zeit wieder von den unscheinbaren Momenten seines Alltags. Als er Clara dieselbe Frage stellt, erfährt er, dass auch sie verwitwet ist. Ihr Mann Paul ist vor einigen Jahren gestorben, und die neue Wohnung fühlt sich noch nicht wie ein Zuhause an.
Aus einer kurzen Begegnung im Hausflur werden gemeinsame Abende, Kartoffelsuppe, zwei Tassen auf dem Tisch und vorsichtige Geschichten über Ruth und Paul. Die Erinnerungen an ihre verstorbenen Partner müssen dabei nicht verschwinden. Sie dürfen am Tisch bleiben – in einer hellen Tasse, einem alten Tischtuch, zu viel Muskat und einer kleinen Gewohnheit, über die man wieder lachen kann.
Bald entsteht zwischen den beiden Wohnungstüren ein stilles Ritual: Wenn abends das Flurlicht brennt, fragen Friedrich und Clara einander, wie der Tag gewesen ist.
Doch eines Abends bleibt das Licht dunkel.
Clara ist in ihrer Wohnung gestürzt und kann das Telefon nicht erreichen. Friedrich merkt sofort, dass etwas nicht stimmt. Zum ersten Mal versteht er, dass echte Nähe nicht nur bedeutet, einer Geschichte zuzuhören. Sie bedeutet auch, die Stille eines Menschen zu bemerken.
Nach ihrer Rückkehr gibt Clara ihm einen Ersatzschlüssel. Friedrich bringt ihr Suppe, Post und Tee, doch Clara erinnert ihn daran, sie nicht nur nach Schmerzen und Tabletten zu fragen:
„Fragen Sie mich wieder, wie mein Tag war.“
Von da an schieben sie kleine handgeschriebene Zettel unter ihren Türen hindurch. Darauf stehen Fragen nach dem schönsten Moment des Tages, nach einer Erinnerung, einem Lächeln oder einem Augenblick, in dem sich die Wohnung weniger fremd angefühlt hat.
Als Claras Tochter Anne ihr eine sichere Wohnung in der Nähe der Familie anbietet, muss Friedrich lernen, seine Angst vor neuer Einsamkeit nicht zu Claras Verpflichtung zu machen. Er möchte, dass sie bleibt – aber nur, wenn es ihre eigene Entscheidung ist.
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MusikTranskript
00:28Der Busfahrer
00:30Im Park warf ein kleiner Junge den Spatzenbrot ins nasse Laub
00:36Es war kein besonderer Tag, doch früher hätte ich dir alles davon erzählt
00:42Du hättest in der Küche gestanden, den Wasserkessel in der Hand
00:48Und noch bevor ich meinen Mantel auszog, hättest du gefragt
00:53Na, wie war dein Tag?
00:57Seit niemand mehr fragte, wie mein Tag war
01:02Wurden selbst die kleinen Dinge still
01:09Ein freundlicher Blick, ein letzter Herbstbaum
01:15Etwas, das ich dir erzählen will
01:22Seit niemand mehr fragte, wie mein Tag war
01:28Nahm mich jeden Abend mit ins leere Zimmer
01:33Ein Tag verschwindet viel zu leise
01:38Wenn kein Herz wissen möchte
01:43Wie er gewesen ist
01:48Ich hängte meinen Mantel an den Haken
01:51Stellte das Brot auf unseren Tisch
01:54Im Schrank standen noch zwei Tassen
01:57Doch ich nahm wie immer nur noch eine
02:01Ich schaltete den Fernseher ein
02:03Damit irgendeine Stimme sprach
02:07Doch niemand dort konnte hören
02:10Warum ich plötzlich über einen kleinen Spatz nachdachte
02:14Manchmal begann ich laut zu sagen
02:18Heute ist etwas passiert
02:21Dann sah ich auf den leeren Stuhl und ließ den Satz im halben Zimmer liegen
02:27Seit niemand mehr fragte, wie mein Tag war
02:33Wurden selbst die kleinen Dinge still
02:40Ein freundlicher Blick, ein letzter Herbstbaum
02:46Etwas, das ich dir erzählen will
02:52Seit niemand mehr fragte, wie mein Tag war
02:59Nahm mich jeden Abend mit ins leere Zimmer
03:04Ein Tag verschwindet viel zu leise
03:10Wenn kein Herz wissen möchte
03:14Wie er gewesen ist
03:19Ich dachte früher, deine Frage wäre nur Gewohnheit
03:23Etwas Kleines zwischen Abendbrot und Tee
03:26Heute weiß ich, du hast meinen ganzen Tag
03:29Einen Platz bei dir gegeben
03:33Nicht, weil er wichtig war
03:36Nur weil er meiner war
03:40Und du mich liebtest
03:43Seit niemand mehr fragte
03:45Wie mein Tag war
03:48Glaubte ich, ich hätte nichts mehr zu erzählen
03:54Doch vielleicht warten kleine Geschichten nur darauf
03:58Wieder bei jemandem anzukommen
04:01Da hörte ich im Flur ein paar Kartons
04:06Und eine fremde Stimme gegenüber
04:09Dann klingelte es an meiner Tür
04:15Und der lange Abend war für einen Augenblick
04:21Nicht mehr ganz so still
04:24Eine Frau stand vor mir
04:26Mit einer kleinen Lampe in der Hand
04:30Sie sagte, ich bin Clara
04:33Die neue Nachbarin
04:36Hätten sie vielleicht
04:37Ein Schraubenzieher
04:39Ich holte meinen Werkzeugkasten
04:44Zum ersten Mal seit langer Zeit
04:48Blieb meine Tür
04:50Noch einen Moment offen
05:36Am nächsten Abend
05:37Wollte ich die Tür schon schließen
05:42Doch ihr Blick fiel auf die Bäckertüte
05:45Die noch auf meinem Tische lag
05:48Sie hielt den leeren Teller fest
05:51Und fragte
05:52Und wie war ihr Tag
05:59Als Clara fragte
06:27Wie mein Tag war
06:58Blieb sie stehen
06:59Vom Flurlicht
07:00Das schon wieder flackerte
07:05Ich erzählte viel zu lang
07:08Von Dingen ohne großes Gewicht
07:11Clara hörte einfach weiter zu
07:14Und sah dabei nicht auf die Uhr
07:17Für einen Moment dachte ich an Ruth
07:21Und an ihrem Platz
07:22Und an ihrem Platz in meiner Küche
07:23Doch ein neues offenes Ohr
07:27Nahm meiner alten Liebe nichts
07:30Als Clara fragte
07:33Wie mein Tag war
07:36Fanden kleine Dinge
07:39Wieder einen Ort
07:42Der Hund vor dem Laden
07:45Der Regen am Morgen
07:48Ein freundliches Wort
07:51An der Apothekentür
07:55Als Clara fragte
07:58Wie mein Tag war
08:01Blieb sie stehen
08:04Bis ich wirklich etwas sagte
08:07Und ein Tag
08:10Der sonst im stillen Zimmer endete
08:14Kam zum ersten Mal
08:16Wieder bei einem Menschen an
08:20Dann fragte ich
08:22Und wie war ihre
08:25Sie lächelte
08:26Doch nicht ganz leicht
08:28Sechs Kartons sind endlich offen
08:31Doch mein Zuhause ist noch nicht hier
08:33Ich weiß noch nicht
08:35Wo Pauls alter Sessel stehen soll
08:38Seit er nicht mehr bei mir ist
08:41Koche ich noch immer viel zu viel
08:44Für einen Menschen allein
08:48Als wir einander fragten
08:51Wie der Tag war
08:54Standen zwei vergangene Leben
08:58Mit im Flur
09:00Ruth blieb meine ganze Geschichte
09:03Paul blieb ihrer
09:05Keiner nahm dem Anderen
09:07Etwas fort
09:11Wir erzählten nur vom Heute
09:14Vom Kartons
09:16Vom Tee
09:17Und einem flackernden Licht
09:20Und für ein paar Minuten
09:23War in beiden Wohnungen
09:28Die Stille nicht mehr ganz so dicht
09:34Klara sagte
09:35Morgen gibt es Kartoffelsuppe
09:38Ich habe wieder viel zu viel gekocht
09:42Würden sie mir vielleicht helfen
09:46Dass nichts davon übrig bleibt
09:50Ich sagte
09:51Ja
09:52Gern
09:53Später stellte ich zwei Tassen
09:57Auf meinen Küchentisch
10:27Am nächsten Abend stand Klara vor mir
10:29Mit einem Topf in beiden Händen
10:33Sie sagte
10:34Mein Tisch steht noch voll Kartons
10:36Könnten wir vielleicht bei Ihnen essen
10:39Ich ließ sie in die Küche
10:41Und sah die beiden Tassen dort
10:45Eine war meine
10:47Die Helle hatte früher
10:49Immer Ruth gehört
10:52Ich wollte sie schon wieder
10:55In den oberen Schrank zurückstellen
10:58Doch Klara sagte leise
11:02Wenn sie zu Ruth gehört
11:05Darf sie ruhig bei uns bleiben
11:08Als wieder zwei Tassen auf dem Tisch standen
11:12Wurde aus dem stillen Abend
11:15Langsam ein Zuhause
11:17Nicht wie früher
11:18Nicht als Ersatz
11:20Nur ein wenig wärmer
11:23Als am Tag zuvor
11:26Als wieder zwei Tassen auf dem Tisch standen
11:31Hatten kleine Geschichten wieder einen Platz
11:35Und zwischen Suppe, Tee und alten Namen
11:42Saß die Einsamkeit
11:44Saß die Einsamkeit
11:45Nicht mehr allein
11:46Bei uns
11:49Wir sprachen erst vom Treppenhaus
11:52Vom Bäcker und der Heizung
11:56Von ihren sieben Umzugskisten
11:59Und meinem Brot
12:00Und meinem Brot für viel zu viele Tage
12:29Gleichzeitig
12:30Dann wurde ich
12:31Dann wurde ich
12:32Auf einmal still
12:33Als wieder zwei Tassen auf dem Tisch standen
12:37Wurde aus dem stillen Abend
12:40Langsam ein Zuhause
12:41Nicht wie früher
12:43Nicht als Ersatz
12:44Nur ein wenig wärmer
12:48Als am Tag zuvor
12:50Als wieder zwei Tassen auf dem Tisch standen
12:56Hatten kleine Geschichten wieder einen Platz
13:01Und zwischen Suppe, Tee und alten Namen
13:06Saß die Einsamkeit
13:09Nicht mehr allein
13:11Bei uns
13:12Ich dachte, darf ich wieder lachen
13:16Wenn Rot nicht mehr mit mir lacht
13:19Clara sah mich an und sagte
13:22Wir vergessen sie doch nicht
13:25Wir lachen
13:27Weil sie noch immer
13:28Zu unseren Geschichten gehören
13:31Da blieb Rot nicht nur in meinem leeren Stuhl
13:35Sie war wieder in der Küche
13:37In Muskat
13:40Tee
13:41Und einem Lächeln
13:44Bevor Clara wieder ging, fragte ich
13:47Wie war ihr Tag?
13:48Außer Suppe und Kartons
13:50Sie sagte
13:51Ich fand Pauls alte Tischdecke
13:54Ich weiß noch nicht, ob ich sie benutzen darf
13:57Ich antwortete
13:59Vielleicht braucht etwas Altes keinen Platz im Schrank
14:02Vielleicht braucht es nur
14:06Einen neuen Platz im Heute
14:10Als wieder zwei Tassen auf dem Tisch standen
14:14Musste niemand seine Vergangenheit verstecken
14:19Ruth blieb bei mir
14:21Paul blieb bei ihr
14:23Und trotzdem durfte dieser Abend
14:26Uns beiden gehören
14:29Als wieder zwei Tassen auf dem Tisch standen
14:33Wurde Herzenswärme wieder ganz gewöhnlich
14:36Nur eine Frage, eine schale Suppe
14:40Und ein Mensch, der bis zum Ende zuhört
14:46Am nächsten Morgen wechselte ich die Lampe im Flur
14:52Klara sah
14:54Klara sah das warme Licht und sagte
14:57Wenn es abends brennt
14:59Fragen wir einander
15:02Wie der Tag gewesen ist
15:07Ich nickte
15:08Von da an blieb das Flurlicht
15:12Jeden Abend an
15:39Jeden Abend an
15:42In unserem Flur
15:43Dann öffnete sich eine von zwei Türen
15:47Und eine Stimme fragte
15:49Wie war ihr Tag?
15:53Manchmal blieben wir nur kurz dort stehen
15:56Manchmal wurde aus Minuten eine Stunde
15:59Doch dieses kleine Licht bedeutete
16:04Auf der anderen Seite
16:06Ist jemand gut nach Hause gekommen?
16:13An einem kalten Abend kam ich spät
16:16Der Regen hing noch schwer in meinem Mantel
16:19Ich stieg die letzten Stufen hoch
16:23Und sah
16:25Der ganze Flur blieb dunkel
16:28Als das Licht im Flur dunkel blieb
16:32Wusste ich, dass etwas anders war
16:38Ich klopfte erst ganz leise
16:41Dann ein zweites Mal viel stärker
16:44Doch hinter ihrer Tür blieb jede Antwort aus
16:51Als das Licht im Flur dunkel blieb
16:56Merkte ich
16:57Wie sehr mir dieser Mensch schon fehlte
17:01Nicht erst seit Jahren
17:04Nicht seit einem großen Abschied
17:07Sondern seit wenigen Minuten
17:10In einem stillen Treppenhaus
17:14Ich rief ihr Telefon an
17:17Hinter der Tür hörte ich es klingen
17:20Doch Clara nahm den Hörer nicht
17:23Und plötzlich wurde jede Sekunde lang
17:27Ich holte den Verwalter
17:30Während wir auf seinen Schlüssel warteten
17:34Ich sagte durch das Holz
17:36Clara, ich bin hier
17:39Ich gehe nicht fort
17:43Wir fanden sie am Boden bei der Küche
17:46Der Fuß tat weh, die Hände waren kalt
17:50Sie sagte, ich kam nicht an mein Telefon
17:53Ich legte meinen Mantel um ihre Schultern
17:57Als das Licht im Flur dunkel blieb
18:02Wusste ich, dass etwas anders war
18:08Ich klopfte erst ganz leise
18:11Dann ein zweites Mal viel stärker
18:14Doch hinter ihrer Tür
18:17Blieb jede Antwort aus
18:20Als das Licht im Flur dunkel blieb
18:25Merkte ich, wie sehr mir dieser Mensch schon fehlte
18:30Nicht erst seit Jahren
18:33Nicht seit einem großen Abschied
18:37Sondern seit wenigen Minuten
18:40In einem stillen Treppenhaus
18:46Später lag sie in einem weißen Zimmer
18:49Der Arzt sagte, nur der Knöchel und der Kreislauf
18:54Sie kann morgen wieder heim
18:58Clara sah zum dunklen Fenster und sagte
19:02Ich hatte Angst, dass niemand merken würde
19:05Wenn mein Tag einfach nicht weiter geht
19:11Ich nahm ihre Hand und sagte
19:15Ich habe es gemerkt
19:18Als unser Licht nicht brannte
19:21Als das Licht im Flur dunkel blieb
19:25War die Dunkelheit nicht stärker
19:29Als die Tür zwischen uns
19:32Denn ein Mensch, der wirklich nach dem Andern fragt
19:37Hört manchmal auch
19:38Wenn keine Antwort kommt
19:42Als das Licht im Flur dunkel blieb
19:45Blieb Clara trotzdem nicht allein
19:48Und ich verstand
19:50Herzenswärme heißt nicht nur
19:53Sich von einem Tag erzählen zu lassen
19:56Sie heißt auch, jemanden zu vermissen
20:00Bevor er lange fort gewesen ist
20:05Am nächsten Morgen brachte ich sie heim
20:08Vor ihrer Tür legte Clara
20:12Einen kleinen Schlüssel in meine Hand
20:15Sie sagte, nur für den Fall
20:18Dass unser Licht noch einmal dunkel bleibt
20:22Ich hing ihn neben meine Tür
20:25Und schrieb darunter
20:28Clara gegenüber
20:35Clara gegenüber
20:54Der kleine Schlüssel hing neben meiner Tür
20:58Unter dem Zettel
21:00Clara gegenüber
21:03Ich klopfte immer erst
21:06Und wartete auf ihre Stimme
21:08Kommen sie ruhig herein
21:11Dann brachte ich die Post
21:14Stellte Wasser
21:15Neben ihren Sessel
21:17Trug den Müll die Treppe hinunter
21:21Und legte das Telefon
21:23In ihre Reichweite
21:25Ich fragte
21:27Ich fragte
21:28Haben sie die Tabletten genommen
21:30Tut der Knöchel heute weniger weh
21:33Brauchen sie noch eine Decke
21:35Soll ich lieber länger bleiben
21:37Doch Clara sagte
21:40Fragen sie nicht nur
21:42Was mir heute weh getan hat
21:45Fragen sie mich wieder
21:48Wie mein Tag gewesen ist
21:51Da verstand ich
21:54Für Sorge heißt nicht nur
21:56Einen Sturz zu verhindern
21:59Sie heißt auch den Menschen
22:02Hinter seiner Sorge
22:04Noch immer ganz zu sehen
22:09Von da an schrieb ich kleine Zettel
22:12Und schob sie unter ihrer Tür hindurch
22:14Was war heute
22:16Der schönste kleine Augenblick
22:19Sie schrieb
22:21Ich konnte selbst den Tee aufgießen
22:24Die Sonne lag auf Pauls alter Decke
22:27Ein Kind hat draußen laut gelacht
22:30Und diese Wohnung fühlte sich
22:33Eine Stunde lang
22:35Nicht fremd an
22:38Dann kam der Zettel wieder zu mir
22:41Und was war heute bei ihm
22:44Ich schrieb
22:45Der Bäcker kannte meinen Namen
22:48Und ich habe zum ersten Mal
22:51Die Suppe nicht verbrannt
22:54Die kleinen Zettel unter deiner Tür
22:58Sagten mir
22:59Auch heute ist dein Leben
23:02Bei jemandem angekommen
23:05Nicht jeder Tag braucht große Worte
23:08Nicht jede Freude einen langen Tisch
23:11Manchmal reicht ein Blatt Papier
23:14Auf dem ein Mensch
23:16Nach deinem kleinen Häute fragt
23:21Eines Abends brachte ich ihre Briefe
23:24Zwischen Rechnungen und Werbung
23:27Lag ein Umschlag von ihrer Tochter Anne
23:33Darin war ein Haus mit hellen Zimmern
23:37Hilfe in der Nähe
23:40Und ein Platz nicht weit von ihrer Familie
23:46Klara schob das Bild unter die Zeitung
23:51Doch ich hatte es gesehen
23:54Ich dachte an das dunkle Flurlicht
23:57An zwei Tassen
23:58An die Zettel zwischen unseren Türen
24:01Ich wollte sagen
24:02Bleiben sie
24:03Doch ich durfte meine Angst nicht
24:07Zu ihrer Pflicht machen
24:08Also fragte ich nur
24:11Was möchten sie denn?
24:15Sie sagte
24:15Ich weiß es noch nicht
24:18Anne hat Angst um mich
24:21Und ich habe Angst
24:23Jemandem zur Last zu fallen
24:26Die kleinen Zettel unter deiner Tür
24:31Hatten uns einander näher gebracht
24:34Doch näher heißt nicht
24:36Einen Menschen festzuhalten
24:39Nur weil sein Fortgehen
24:42Unsere Wohnung stiller macht
24:44Ich wollte
24:46Dass Clara sicher war
24:48Doch ebenso wollte ich
24:50Dass ihre eigene Stimme
24:52In dieser Entscheidung zählt
24:56Denn ein Herz
24:58Das wirklich nach den Andern fragt
25:01Muss auch die Antwort hören
25:04Vor der es sich am meisten fürchtet
25:10Spät am Abend
25:12Lag ein neuer Zettel vor meiner Tür
25:15Darauf stand
25:16Glauben sie
25:17Dass man in unserer Malte
25:20Noch einmal irgendwo
25:22Wirklich zu Hause sein kann
25:26Ich setzte mich
25:28An den Tisch
25:30Mit den zwei Tassen
25:33Und wusste noch nicht
25:35Was ich schreiben sollte
25:59Am Morgen lag noch Klaras Zettel
26:03Vor den beiden Tassen
26:05Vor den beiden Tassen auf dem Tisch
26:06Kann man in unserem Alter
26:09Irgendwo noch einmal
26:36Irgendwo noch einmal
26:39Ich seite
26:39Vielleicht ist es zu Hause dort
26:42Wo ihre eigene Stimme
26:45Mit entscheiden darf
26:48Ich wollte dich nicht festhalten
26:52Nur weil meine Wohnung
26:55Ohne dich wieder Stimme
27:23Ohne dich wieder stiller wäre
27:25Die ihn traurig machen kann
27:30Anne kam am Nachmittag
27:33Wir fuhren
27:35Wir fuhren zu den hellen Wohnungen
28:03Ich wollte dich nicht festhalten
28:21Doch ich durfte ihre Zukunft
28:33Doch ich durfte ihre Zukunft
28:33Und nicht bleiben
28:36Und nicht bleiben muss
28:37Ich wollte dich nicht festhalten
28:40Auch wenn jeder Abschied
28:43Mir den Atem nahm
28:48Denn wer wirklich nach dir fragt
28:51Muss auch eine Antwort hören
28:54Die ihn traurig machen kann
29:00Auf dem Heimweg sagte Klara
29:02Ich will nicht bleiben
29:03Nur damit sie nicht allein sind
29:06Doch ich will auch nicht gehen
29:08Nur weil alle Angst um mich haben
29:11Ich sagte
29:13Wenn sie fortgehen
29:14Werde ich trotzdem fragen
29:16Wie ihr Tag gewesen ist
29:18Ich kann anrufen
29:21Briefe schreiben
29:22Und den Zug zu ihnen nehmen
29:25Unsere Nähe hängt nicht nur
29:28An zwei Türen in einem Flur
29:34Am Abend sagte Klara
29:36Ich möchte noch bleiben
29:37Aber nicht so tun
29:39Als könnte nichts mehr geschehen
29:41Wir schrieben
29:43Angesnummer auf
29:45Stellten das Telefon
29:46Neben den Sessel
29:49Und bestellten
29:50Einen kleinen Notrufknopf
29:52In sechs Monaten
29:54Sagte Klara
29:55Will sie noch einmal entscheiden
29:58Nicht für immer
29:59Nur für jetzt
30:01Ich wollte dich nicht festhalten
30:05Ich wollte dich nicht festhalten
30:05Und gerade darum
30:07Konntest du aus freiem Herzen bleiben
30:12Nicht aus Mitleid
30:14Nicht aus Pflicht
30:15Nicht weil meine Tage dich verlangen
30:20Wir versprachen
30:22Wir versprachen keine Ewigkeit
30:23Wir versprachen nur
30:25Aufeinander zu achten
30:27Denn ein Zuhause wird nicht sicher
30:30Wenn man jede Tür verschließt
30:33Es wird warm
30:35Wenn hinter einer Tür
30:38Ein Mensch die andere öffnen darf
30:43Klara gab mir ihren Schlüssel
30:45Dann legte ich meinen
30:48In ihre Hand
30:49Neben ihre Tür stand
30:55Friedrich gegenüber
30:57Neben meiner
30:59Klara gegenüber
31:01Am Abend brannte wieder
31:04Das Licht im Flur
31:21Ein paar Monate waren vergangen
31:27Die letzten Kisten standen
31:30Nicht mehr
31:31Im Flur
31:34Pauls alter Sessel
31:35Fand seinen Platz
31:37Bei Klara neben dem Fenster
31:40Ihr Fuß war wieder sicher
31:44An ihrem Handgelenk
31:46Blieb der kleine Notrufknopf
31:48Und neben beiden Wohnungstüren
31:51Hing noch immer
31:53Der Schlüssel des Anderen
31:57Es war kein besonderer Dienstag
32:00Nur kurz nach sechs
32:02Ging unser Flurlicht an
32:04Fast im selben Augenblick
32:07Öffneten sich
32:09Zwei Türen
32:12Wenn wieder jemand fragt
32:15Wie unser Tag gewesen ist
32:18Bleibt selbst das Kleine
32:21Nicht mehr namenlos zurück
32:24Ein Weg zum Bäcker
32:27Ein Anruf
32:28Ein Vogel auf dem Fensterbrett
32:30Ein stiller Augenblick
32:34Bei einem alten Grab
32:38Wenn wieder jemand fragt
32:41Wenn wieder jemand fragt
32:41Wie unser Tag gewesen ist
32:43Wird aus zwei stillen Leben
32:47Langsam ein gemeinsames Heute
32:50Nicht weil wir alles teilen müssen
32:54Sondern weil ein Herz noch wissen möchte
32:59Was das andere erlebt hat
33:03Ich fragte
33:05Ich fragte
33:33Die Treppe
33:34Die Treppe
34:02Die Treppe hinauf getragen hatten
34:03Ein Anruf
34:04Ein Anruf
34:04Ein Vogel auf dem Fensterbrett
34:06Ein stiller Augenblick
34:10Bei einem Tag
34:11Bei einem alten Grab
34:14Wenn wieder jemand fragt
34:17Wie unser Tag gewesen ist
34:20Wird aus zwei stillen Leben
34:23Langsam ein gemeinsames Heute
34:26Ich fragte
34:27Nicht weil wir alles teilen müssen
34:30Sondern weil ein Herz noch wissen möchte
34:35Was das andere erlebt hat
34:41Ruth blieb in meiner hellen Tasse
34:43In Muskat, Fotos
34:46Und vierzig gemeinsamen Jahren
34:50Paul blieb in klarer salter Decke
34:53In seiner Art
34:54Das Essen vor dem Probieren zu salzen
34:59Wir nahmen niemandem den Platz
35:02Wir stellten nur zwei Erinnerungen
35:05Und zwei neue Tassen
35:08An denselben warmen Tisch
35:13Ich hob meinen Tee
35:15Und sagte auf Ruth und Paul
35:17Klara hob ihren und antwortete
35:20Und auf die Tage
35:22Die noch vor uns liegen
35:25Wir versprachen keine Ewigkeit
35:28Wir sagten nicht
35:29Dass nie wieder jemand einsam wird
35:31Wir versprachen nur
35:34Wenn abends unser Flurlicht brennt
35:36Fragen wir wieder nach dem Heute
36:01Wenn wieder jemand fragt
36:04Wie unser Tag gewesen ist
36:07Wird aus zwei Wohnungstüren eine kleine Brücke durch den Flur
36:13Und aus ihr Tag und aus ihr Tag
36:15Und meinen Tag wird manchmal ganz von selbst
36:19Ein Stück von unserem Leben
36:22Später brachte Klara
36:25Pauls alte Tischdecke hinüber
36:28Ich stellte Ruths helle Tasse darauf
36:32Im Flur brannte noch das warme Licht
36:36Bevor Klara ihre Tür schloss
36:39Fragte sie
36:40Morgen wieder
36:42Ich sagte
36:45Morgen wieder
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