00:04Massenschlachten im Mittelalter? Da kommen Spielekennern vermutlich sofort zwei Namen
00:09in den Sinn. Total War und Mount & Blade. Zumindest geht es uns so. Und damit sind
00:15wir nicht allein. Nehmt jetzt noch Stronghold und Crusader Kings dazu und ihr habt alles
00:21beisammen, was dem dänischen Entwicklerstudio Raw Power Games im Kopf herumspukte, als dort die
00:28Idee für Chronicles Medieval entstand. Ein Mix aus Elementen dieser Spiele klingt im ersten Moment
00:35natürlich sehr spannend, auch wenn man nicht Maurice Weber heißt. Die entscheidende Frage
00:40ist aber doch, ob sich das alles zu einem gut spielbaren Ganzen zusammenfügt. Genau
00:45das könnt ihr noch 2026 nachprüfen, denn gegen Ende des Jahres soll Chronicles Medieval auch
00:52schon erscheinen. Kleines aber, es wird nur die Early Access Version sein. Aber die hat
00:59mit Weltkarte, Echtzeitschlachten und Koop-Modus schon eine ganze Menge zu bieten. Wir bekamen
01:05kürzlich von den Entwicklern gezeigt, wie packend ihr Debüt-Spiel das echte Mittelalter inszenieren
01:10soll. Und wir haben natürlich dutzende Fragen gestellt, bis der Moderator irgendwann meinte,
01:15jetzt seien auch mal die anderen Magazine und Influencer dran. Sorry, not sorry. So können wir
01:22euch jetzt schließlich haarklein erklären, was Chronicles Medieval anders macht als Mountain Blade
01:28und wieso es unseren Traum von einem Total War Rollenspiel erfüllen könnte. Bis zu 2000 realistisch
01:36animierte Ritter und Soldaten soll Chronicles Medieval darstellen können. Dafür kommt eine Mischung aus
01:42Unreal Engine 5 und einer von War Power selbst entwickelten Technologie namens Asgard zum
01:47Einsatz. Auf Basis dieser Truppenmassen soll euch das Spiel in wahrhaft chaotische Schlachten werfen,
01:54die ihr als General ordnen müsst, um zu siegen. Ihr agiert dabei hauptsächlich aus der Third-Person-Ansicht,
02:00euer General ist eure Spielfigur, auch abseits der Gefechte. Aber ihr habt einen Vorteil gegenüber den
02:07ganzen Soldaten um euch herum. Auf Knopfdruck aktiviert ihr eine taktische Zeitlupe und plötzlich
02:13müsst ihr nicht mehr jeden Schwertstreich selbst ausführen. Ihr gebt jetzt die Befehle für die
02:18gesamte Armee. In diesem Modus wächst euer Sichtfeld. Ihr könnt die Kamera weiter bewegen und mit Maus oder
02:25Controller ein Kommando-Banner verschieben, um die in Kompanien zusammengefassten Einheiten eurer Armee
02:31auszuwählen. Das scheint dem ersten Eindruck nach sehr gut zu funktionieren. Der Cursor wirkt präzise,
02:37die Steuerung angenehm. Mit diesem Hilfsmittel erteilt ihr spezifische Einheitenbefehle wie Stellung
02:43halten oder Angriffe. Auch globale Anweisungen wie Vormarsch oder Rückzug werden so gegeben.
02:49Darauf reagiert die komplette Armee. Ein Steinschere-Papier-Prinzip bei den Formationen
02:54erfordert es, dass ihr eure Truppen wortwörtlich in Form bringt. Man kennt das ja, Kegelformationen für
03:01die Kavalerie, Bogenschützen in einer Linie, die Infanterie etwas weiter auseinander, damit Feile
03:06keine zu großen Lücken in die Reihen schlagen. Doch euer taktisches Geschick ist bereits gefragt,
03:11bevor überhaupt zum ersten Speerstoß ausgeholt wird. Ihr sollt spürbar mehr Zeit in die Vorbereitung
03:18eines Gefechts investieren, als bei Konkurrent Mountain Blade 2, Bannerlord. Dabei legt ihr
03:23anfängliche Befehle und dauerhafte Verhaltensregeln für eure Truppenverbände fest. Die künstliche Intelligenz
03:29soll sich anschließend dynamisch an das Geschehen anpassen, Formationen eigenständig einhalten
03:34und klug auf Bedrohung reagieren. Die Soldaten sollen sich zudem gemäß ihrer jeweiligen Kultur
03:40und ihrer Waffengattung verhalten. Langbogenschützen, berittene Ritter oder Fußsoldaten verstehen
03:47laut Entwickler ihr Handwerk. Sie sollen historisch akkurat und in einem gewissen Rahmen eigenständig
03:53agieren, statt zwangsweise Händchen halten und Mikromanagement zu benötigen. Wer mit Soldaten-KI
03:58in Strategiespielen einigermaßen vertraut ist, wird an dieser Stelle vielleicht fragen,
04:03ist das überhaupt realistisch? Warten wir es ab. Schlachtfelder werden von den Entwicklern
04:09prozedural generiert und dann per Hand ausgearbeitet. Welche Landschaft auf eurem Monitor erscheint,
04:15hängt davon ab, wo ihr euch auf der Europakarte zum Kampf stellt. Apropos, auf der Karte seid
04:21ihr aus der isometrischen Perspektive unterwegs, eure Spielfigur repräsentiert dabei die ganze Armee.
04:27Zeigen können wir euch die Map aktuell aber nur anhand eines Screenshots. Stellt euch ab
04:33jetzt einfach vor, dass ihr sie seht.
04:38Auf der gerade unsichtbaren Karte reitet ihr von Stadt zu Stadt, treibt Handel,
04:44schmiedet Allianzen und gründet schließlich euer eigenes Königreich. Abseits der großen Strategiekarte
04:51könnt ihr Städte und Festungen in der Third-Person-Perspektive erkunden und etwa über belebte Marktplätze.
04:57schlendern. Raw Power Games verspricht, dass alle Quests in der Spielwelt komplett von Hand gebaut
05:03und nicht prozedural generiert werden. Dabei werden die Kirche und der christliche Glaube eine
05:08gewichtige Rolle im mittelalterlichen Alltag spielen, obwohl das Einschlagen einer rein geistlichen
05:13Laufbahn als Priester nicht vorgesehen ist. Das große Vorbild Mountain Blade setzt bekanntermaßen
05:19auf eine fiktive Spielwelt. Chronicles Medieval entfesselt eure Ritterträume dagegen im echten,
05:25historischen Europa zur Zeit des 100-jährigen Krieges im 14. und 15. Jahrhundert. Auch historische
05:31Persönlichkeiten sollen auftreten. Das Heilige Römische Reich, England und Frankreich stellen die
05:38drei Hauptfraktionen dar. Für die könnt ihr mit eurem zu Spielbeginn erstellten Charakter Aufträge erfüllen und in
05:44deren Gunst aufsteigen oder fallen. Wer lieber finstere Pfade beschreitet, nutzt Täuschung,
05:50Spionage, Meuchelmord oder Verrat. Auf eine starre, lineare Geschichte verzichten die Entwickler
05:56komplett. Es gibt keinen roten Pfaden im Sinne einer klassischen Abfolge von Missionen, sondern
06:02nur die riesige Sandbox, in der ihr eure eigenen Ziele verfolgt. Ein zentraler Pfeiler der Massenschlachten
06:09ist das Moralsystem, das sich eng an historischen Gegebenheiten orientieren soll. Denn tatsächlich
06:14ergriffen Armeen früher deutlich öfter die Flucht, als komplett vernichtet zu werden. Jede Truppe wechselt
06:21je nach Schlachtglück zwischen verschiedenen psychologischen Zuständen, die von inspiriert
06:26über zuversichtlich und schwankend bis hin zu komplett gebrochen reichen. Der aktuelle Zustand wird
06:32zusammen mit einem klassischen Lebensbalken direkt über den Soldaten eingeblendet. Hier kommt eure Rolle als
06:38aktiver Anführer ins Spiel. Ihr seid nämlich nicht einfach nur ein Beobachter im Hintergrund,
06:43sondern beeinflusst den Kampfgeist eurer Männer maßgeblich durch eure bloße Präsenz an vorderster
06:50Front. Den höchsten Status der Inspiration können Einheiten überhaupt nur dann erreichen, wenn ihr euch
06:57in ihrer unmittelbaren Nähe aufhaltet. Um den Feind im Gegenzug zu demoralisieren und eure eigenen Reihen
07:04anzuspornen, könnt ihr brutale, aber schick animierte Hinrichtungen auf dem Schlachtfeld
07:09ausführen. Voraussetzung dafür ist, dass der Gegner im Vorfeld ins Taumeln gerät, was ihr durch gezielte
07:16Treffer oder perfekt getimte Paraden im direkten Nahkampf erreicht. Das macht Chronicles Medieval in
07:23dieser Phase schon fast zum Action-Rollenspiel. Aber Vorsicht, euer Held wird keine ganzen Kompanien im
07:29Alleingang niederwerfen können. Größere Gegnergruppen sollen ihn rasch überwältigen.
07:34Jedes Feature im Spiel greift laut Entwickler ineinander und führt unweigerlich zurück zur persönlichen
07:40Progression eures Avatars. Das Charaktersystem setzt auf eine Mischung aus dem Learning-by-Doing-Prinzip
07:46von Mountain Blade und klassischer Talentpunktvergabe in mehreren Skillbäumen.
07:51Natürlich spielt auch die Ausrüstung eine Rolle. Die Auswahl an authentischen Waffen soll laut den Entwicklern
07:57schier grenzenlos sein. Es gibt einhändige und zweihändige Schwerter, Streitkolben, Hellebarten,
08:03Äxte und Armbrüste, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auch das Aussehen der eigenen Truppen
08:09darf verändert werden. Für die Zukunft des ambitionierten Projekts hat das Entwicklerstudio
08:14einen klaren Fahrplan ausgearbeitet. Der offizielle Start im Early Access auf dem PC via Steam ist für
08:20das Jahr 2026 geplant. Eine Konsolenfassung könnte, wenn überhaupt, erst später folgen. Die erste
08:26spielbare Version wird bereits die vollständige Sandbox-Welt zum Bereisen und Erkunden sowie
08:31einen kooperativen Modus für die Taktikschlachten enthalten. Komplexe Belagerungen mit Katapulten
08:37folgen jedoch erst im Laufe der weiteren Early Access-Phase und sind zum Start noch nicht
08:42verfügbar. Wer die gesamte Kampagne kooperativ mit Freunden bestreiten möchte, muss sich ebenfalls
08:47noch gedulden. Die Koop-Kampagne wird erst mit der Version 1.0 integriert, die frühestens für
08:54das Jahr 2027 angedacht ist. Ein echtes Highlight für die langfristige Motivation der Community
09:00dürften derweil die angekündigten Modding-Werkzeuge werden. Die Entwickler betonen, dass sie beim
09:05Design aller Systeme konstant an die Modding-Szene denken. Zum offiziellen Release der Version
09:111.0 werden exakt dieselben Werkzeuge veröffentlicht, die auch das dänische Team selbst für die Entwicklung
09:17nutzt. Bei den Mods befindet sich Chronicles Medieval also mutmaßlich auf einer Stufe mit dem
09:23großen Konkurrenten Mount & Blade. Im Vergleich hat es aber drei große Asse im Ärmel. Zum ersten
09:29wäre da die deutlich modernere Technik. Zum zweiten löst das echte Mittelalter einfach nochmal
09:35eine andere Faszination aus als das Fantasy-Universum von Mount & Blade. Und zum dritten könnte eine
09:42fortschrittlichere KI und mehr Komplexität in der Schlachtenberechnung das Zünglein an der Waage
09:47sein. Wir hoffen, dass die Entwickler die ambitionierten Versprechungen rund um das
09:51komplexe Moralsystem, die handgemachten Quests und die lebendige Sandbox bereits zum Early-Access-Start
09:57sauber erfüllen. Wenn sie dieses Fundament dann bis zum Release immer schön weiterentwickeln,
10:03dürfte so mancher Mount & Blade Spieler mit einem Wechsel die beugeln.
10:07bis zum nächsten Mal.
10:10Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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