00:01Es sieht aus wie ein Hochsicherheitsbereich.
00:05Dabei sind wir hier in einer Kleinstadt in den rumänischen Karpaten.
00:10Fast jeder hat einen elektrischen Zaun.
00:13Wovor schützen sich die Menschen her?
00:20Abends schalten sie sich automatisch ein, bis zum Morgen.
00:24Wir gehen nicht raus.
00:27Tatsächlich schützen sie sich in Beile-Tuschnath vor Bären.
00:31Es kam nicht nur einmal vor,
00:33dass nach der Pause Bären direkt auf den Schulhof kamen.
00:39Bis vor ein paar Jahren
00:40war das ein alltägliches Bild in den Straßen der Kleinstadt.
00:44Zwischen 10 und 15 Bären liefen Tag und Nacht im Ort herum,
00:48erzählt der Bürgermeister.
00:54Insgesamt haben wir über 500 Nächte auf den Straßen der Stadt verbracht.
01:01Und 238 Einsätze.
01:05Als der Alarm losging, waren, glaube ich, über 300 Menschen draußen.
01:11Die Bären hatten es dabei nicht auf Menschen abgesehen,
01:15sondern auf Nahrung.
01:16Und sie wussten, wo sie sie finden konnten.
01:19Im Abfall.
01:23Die Situation war angespannt.
01:25Die Bewohner von Beile-Tuschnath hatten Angst.
01:28Abends traute sich kaum einer mehr auf die Straße.
01:31Zuerst kamen die Bären nur nachts, dann auch tagsüber.
01:34Besonders beliebt waren die süßen Früchte auf den Obstbäumen.
01:42Auch Hühner waren nicht vor ihnen sicher.
01:44Rentner Robert Janoschi zeigt uns Bärenspuren in seinem Gartenhaus.
01:49Der Bär kam in meine Küche.
01:51Er hat die Tür eingebrochen, ist auch in den Keller gegangen.
01:55Wir hatten einige Hühner, und er hat sie alle getötet.
02:02Bei Beile-Tuschnath ist ein anerkannter Kurort und Touristenmagnet.
02:07Jedes Jahr kommen über 100.000 Besucher, bei gerade einmal 1.370 Einwohnern.
02:14Doch die Hotels wurden immer leerer, je mehr Bären kamen.
02:22Es gab sehr, sehr viele Bären, sogar bei Tageslicht.
02:30Selbst die Touristen dort trauten sich nicht her.
02:32Sie schrieben in den sozialen Medien, wir kommen nicht hierher, weil wir Angst haben.
02:40Aber warum kamen die Waldbewohner überhaupt in die Stadt?
02:46Die Gebirgsregion der Karpaten erstreckt sich über knapp zwei Drittel von Rumänien.
02:51Hier lebt die größte Anzahl an Braunbären in Europa, rund 12.000, nach offiziellen Angaben.
02:59Über Jahrhunderte lebten sie in den großen Waldgebieten Europas.
03:03Doch der Mensch hat die Bären immer weiter verdrängt und durch Abholzung seinen Lebensraum verkleinert.
03:09Normalerweise scheuen wilde Bären den Menschen.
03:13Der kleine Ort Beile-Tuschnath liegt in einem Tal zwischen zwei bewaldeten Bergen.
03:19Um von einem Wald zum anderen zu kommen, müssen die Bären durch dieses Tal.
03:24Es ist Teil ihrer Wanderroute auf der Suche nach Nahrung.
03:28Und die besteht zu rund 80 Prozent aus Pflanzen.
03:3570 Kilometer nördlich von Beile-Tuschnath, tief im Wald, gibt es ein Waisenhaus für Jungbären.
03:43Leonardo Bereczki kümmert sich darum.
03:49Im Wald gibt es für sie alles zu fressen.
03:52Die Leute glauben, dass Bären hierher kommen, weil sie in ihren natürlichen Lebensräumen nicht zu fressen finden.
03:59Das ist Unsinn. Bären fressen Gras, Blätter, Blumen, einfach alles.
04:05Das Problem ist, dass sie sich an uns gewöhnen. Wir sind in ihre Lebensräume eingedrungen.
04:14Früher haben die Bewohner ihren Müll am Waldrand entsorgt.
04:17Für die Bären sozusagen ein gefundenes Fressen.
04:21Mit dem EU-Beitritt Rumäniens 2007 hat sich das geändert.
04:25Offene Deponien wurden verboten.
04:27Mülltonnen mussten im Ort aufgestellt werden.
04:29Und so kamen die Bären in die Stadt.
04:33Um die Bären wieder aus Beile-Tuschnath zu bekommen, haben sie sich zusammengetan.
04:37Bürgermeister Solt Butika, Biologe Istvan Imec und Naturschützer Christian Papp.
04:43Sie wollen keine bärenfreie, aber eine bärensichere Region.
04:51Wir haben in der Stadt zahlreiche Kameras installiert, vor allem an den Brennpunkten.
04:57Der Anfang war am schwierigsten, denn zu Beginn hatten wir nichts.
05:01Wir gingen quasi mit leeren Händen los, hatten nur das Licht unserer Handys.
05:07An den öffentlichen Plätzen wurden Obstbäume entfernt, wie hier an Müllsammelstellen.
05:12Die Container stehen jetzt hinter Elektrozäun.
05:15Mithilfe der Kameras konnten sie die Bewegungen der Bären genau verfolgen.
05:21Wir begannen zu begreifen, dass nicht jedes Tier ein Problem darstellt.
05:25Es sind nur einige wenige, die den Großteil der Probleme verursachen.
05:30Und dann im Juli 2021 haben wir ein Einsatzteam gegründet.
05:39Mit Unterstützung des World Wildlife Fund Rumänien hatten sie einigen umtriebigen Bären GPS-Sender angebracht, um ihre Bewegungen zu verfolgen.
05:48In manchen Fällen mussten sie problematische Bären auch töten.
05:52Aber meist half es, sie zu betäuben und tief in den Wald zu bringen.
05:58Das alles, um die Bären wieder an ihre natürliche Umgebung zu gewöhnen.
06:07Aus ökologischer Sicht spielt der Bär eine entscheidende Rolle.
06:12So sind sie es beispielsweise, die den Bestand großer Pflanzenfresser regulieren.
06:18Ohne diese großen Raubtiere käme es daher möglicherweise zu größeren Schäden an Feldfrüchten und Wäldern,
06:24sowie zu mehr Verkehrsunfällen mit Wildtieren.
06:30Die Naturschutzorganisation hat auch bärensichere Mülleimer finanziert.
06:36All diese Maßnahmen haben sich ausgezahlt, weil die Tushna ist heute eine bärenfreie Zone.
06:43Mittlerweile geht es der Gemeinde vor allem um Prävention.
06:47Istvan Imic hat mit seinem Verein ein kleines Informationszentrum über Bären aufgebaut.
06:52Mit den verschiedenen Aktionen hofft er, dass sie so nicht nur die lokale Bevölkerung,
06:56sondern auch Touristen erreichen, um über Bären und ihr Verhalten aufzuklären.
07:02Das Wichtigste ist, das Bewusstsein zu schärfen.
07:05Wir haben das Themenfestival für Kinder und eine wissenschaftliche Konferenz ins Leben gerufen.
07:10Und all diese Elemente haben uns dabei geholfen, unsere Botschaft zu vermitteln.
07:17Die Kinder in der Kleinstadt lernen schon früh, wie sie sich Bären gegenüber verhalten sollen.
07:23Und in der Grundschule sprechen sie darüber, wie die Tiere aufwachsen und zusammenleben.
07:30Sie haben gelernt, dass der Bär ein Tier ist, das man respektieren muss.
07:33Und der Bär respektiert uns im Falle einer möglichen Begegnung.
07:37Jeder kümmert sich um seine Angelegenheiten und geht seiner Wege.
07:43Auch die Touristen sind wiedergekommen.
07:45Beile-Tuschnath wirbt mit Ekotourismus.
07:48Besonders beliebt ist der nahegelegene Vulkansee St. Anna.
07:52Hier war früher ein Bären-Hotspot. Es wurde viel gegrillt.
07:56Das hat die Bären mit ihrem exzellenten Geruchssinn angelockt.
08:00Heute ist hier reines Erholungsgebiet und Grillen verboten.
08:05Ein Unternehmen bietet Touren um den See an und kümmert sich auch um die Sicherheit.
08:10Es gibt keine offenen Mülleimer mehr, nur Container mit Elektrozaun.
08:14Und es gibt Schließzeiten. Das ist neu in rumänischen Naturparks.
08:20Wir haben morgens ab 9 Uhr geöffnet und schließen abends um 19 Uhr.
08:26Wir achten darauf, dass sich am Abend niemand mehr auf dem Gelände befindet.
08:30So können wir das Gelände freigeben.
08:34Auf diese Weise können wir das Risiko einer Begegnung mit einem Bären auf ein Minimum reduzieren.
08:45Wer wirklich Bären von Namen sehen möchte, kann eine Tour in der Umgebung buchen, zur Bärenbeobachtung in einem sicheren Unterstand.
08:53Dort werden die Tiere allerdings mit Futter angelockt, was von den Tierschützern nicht gern gesehen wird.
08:59Denn es gewöhnt die Bären an Menschen.
09:02Doch solange sie dort regelmäßig Futter finden, hält es die Bären aus dem Ort raus.
09:08Bei Letuschnat ist allerdings eine Ausnahme. Umliegende Dörfer haben keine Schutzmaßnahmen.
09:13Und so gibt es immer wieder Bären, die sich Menschen nähern.
09:17In einigen Gegenden in den Karpaten füttern Touristen sogar Bären am Straßenrand.
09:21Obwohl das in Rumänien streng verboten ist.
09:25Zwischen 2020 und 2025 sind 19 Menschen von Bären getötet worden.
09:31Im Verhältnis mehr als in den Jahren davor.
09:34Deshalb gab es in den letzten Jahren Ausnahmeregelungen für den Abschuss von Bären.
09:40Wenn wir so weitermachen wie bisher, also Bären schießen, auf Trophäenjagd gehen und große Säugetiere jagen,
09:49die sich nicht den Siedlungen nähern, sondern im Wald leben, würde das das Problem nicht lösen.
09:58Diese Erfahrung hat man auch in Deutschland gemacht.
10:01Vor rund 20 Jahren haben sich hier wieder Grauwölfe angesiedelt.
10:05In den letzten Jahren haben sie vermehrt Schafsherden angegriffen.
10:08Mittlerweile dürfen deshalb wieder mehr Wölfe geschossen werden.
10:12Doch Studien belegen, dass dadurch kaum weniger Tiere gerissen werden.
10:16Wie also umgehen mit wilden Tieren?
10:19Tierschützer plädieren für Grenzen setzen und die Tiere auf Distanz halten.
10:25So wie in Rumänien. Im Gehege des Waisenhauses nördlich von Beile-Tuschnath wachsen die jungen Bären ohne menschlichen Kontakt auf.
10:33Futter wird, von den Tieren unbemerkt, mit Drohnen im Gehege verteilt.
10:38Von allen Jungtieren, die wir bisher mit GPS-Sendern ausgestattet haben, gab es in 20 Jahren nur einen einzigen Fall,
10:45der sich von Müll ernährt hat.
10:49Noch gibt es in den Karpaten genug Platz für Menschen und Bären.
10:56Beile-Tuschnath ist ein gutes Beispiel, wie eine Koexistenz gelingen kann.
11:07Jane Emb dobratete.
11:08Wie und Lä什么?
11:09T Bella!
11:09You're going to have to understand why my doivent in Sit?
11:09Kuiken und Bären然后?
11:09Vielen Dank.
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