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Der Kick (2006) [Full Movie] [Vertical Drama]Full EP - Full
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Short filmTranscript
00:08:17I have to take the third class three times back to the third class.
00:08:21After eight years, they left me here from school.
00:08:23The ones who were smart, they came back to Warnitz.
00:08:26And I have from my dear Lehrerin, also from my Geschichts-Lehrer,
00:08:29I have a book as a gift as a gift.
00:08:32Also, what they did once so.
00:08:34From the first time of the Stein-Zeit.
00:08:36So Fallen stellen, so Vogelfallen stellen.
00:08:41And then so Bogen bauen.
00:08:42And then so, ja, mit Binsen, also alles so aus Binsen, ja, so Boote bauen.
00:08:46Ja, das wollte ich den Kindern zeigen.
00:08:49Dann sind wir zur Musselstelle gefahren.
00:08:51Weißt du, wer am schlauesten war?
00:08:52Herr Marinus.
00:08:53Nennt sich gleich alles abgekickt.
00:08:55Und die anderen dann so hinterher.
00:08:56Und dann haben wir das so von unten so zusammengetüdelt, so Binse an Binse.
00:08:59Und dann hat man richtig so einen Indianerkan.
00:09:01Ey, ich hab fast 20 Dinger mit den Kindern gebaut die Woche, ja.
00:09:03Die haben gepaddelt, die Dinger, ja.
00:09:04Die haben gepaddelt, die sind nicht untergegangen.
00:09:06Und die haben sich gefreut, die Kinder.
00:09:07Ja, das war richtig so eine Kanuflotte war das bei uns da unten, ja.
00:09:12Also, der Marinus und der Nancy haben fast alle zusammen gemacht, ja.
00:09:15Da waren die dann auch so 15, 16.
00:09:17Da sind sie dann öfters auch mal zu mir gekommen.
00:09:19Und wenn ich wusste, dass die kommen, dann hab ich einfach mein Ehebett an die Wand geschoben,
00:09:23hab ich eine Deckerin geschmissen und dann, ja, dann konnten sie da drin machen, was sie wollten.
00:09:29Und ich hab dann mit meiner Seglinde, bin ich dann in die Wohnstube, haben wir Fernsehen gekickt.
00:09:33Ja, was willst du machen als Arbeitsloser?
00:09:37Also, den Marinus, den hat die Nancy noch nie überlebt.
00:09:40Die hat zwar einen Freund jetzt ja aus Berlin, aber die hört sich jeden Abend, ja.
00:09:44Jeden Abend hört sie sich die Gespräche an, wo sie vom Marinus bekommen hat, ja.
00:09:48Also hat sie alles gespeichert auf dem Handy, ja.
00:09:51Und dann der Bruder, der Patrick, der hat das Zimmer nebenan, der sagt dann immer,
00:09:55oh, Papa, kann ich bitte bei Oliver ins Zimmer schlafen, ja.
00:09:58Die Nancy heult schon wieder wie eine Sau.
00:10:01Sind ja so dünne Wände.
00:10:06Also, wenn die zwei Brüder, ja, wenn die jetzt, wenn die mir jetzt hier da in die Pfoten laufen würden,
00:10:11ja.
00:10:11Ich würde mit dem Kopf einen Balken einschlagen, ja, wenn die zwei jetzt hier da vor mir stehen würden.
00:10:14Das kannst du glauben, ja.
00:10:17In der Nacht da, wo sie den Marinus tot gemacht haben, ja, da waren wir unten in der alten Brennerei,
00:10:23haben wir so gequatscht und am Schleppdach.
00:10:25Ja, das waren so Nachbarn von nebenan, ja.
00:10:29Da haben wir eben gezwitschert.
00:10:30Und dann kam dann irgendwann der Marco und der Marcel und der Sebastian Fink, den kannte ich nicht.
00:10:36Und dann irgendwann kam auch der Marinus, ja.
00:10:38Und dann haben wir da so bei mir so Karten gespielt.
00:10:40Fängt auf einmal der Marco an zu stänkern, ja.
00:10:42Dann hab ich gesagt, so, hier bei mir wird Karten gespielt, hier wird Mensch ehrlich gespielt.
00:10:46Und da draußen, da bellt mein Hund, der da achtet, weil das ist mein Baby.
00:10:50Aber gestänkert und geschlagen wird hier nicht, ja.
00:10:52Und dann hab ich gesagt, so, nun will ich noch ein bisschen Fernsehen gucken, muss ritze.
00:10:55Dann haben wir das Bier noch so ausgesoffen.
00:10:58Und dann kam der Marinus und sagte so, Achim, hast du ne Zigarette?
00:11:04Dann hat er gesagt, du, das ist meine letzte.
00:11:08Dann hat er gesagt, die rauchen wir jetzt zusammen.
00:11:12Ja, und dann sind wir so raus auf Treppe, haben wir die Kippe geraucht, so ein paar Züge.
00:11:18Ja, das war dann so, kann man so sagen, seine Henkers-Zigarette.
00:11:22Herr Staatsanwalt, also wenn man sich anhört, was diese Jugendlichen da für ein Umfeld haben.
00:11:34Die sitzen mit diesem alkoholkranken Menschen unter dem sogenannten Schleppdach und saufen.
00:11:41Es wird darum gestritten, wer von welchem Schnaps was abgebissen hat und wer wie viel abbekommen hat.
00:11:45Da kann man natürlich fragen, wo waren die Eltern?
00:11:50Warum lassen die ihre Kinder da sitzen?
00:11:52Und wenn man dann diese traurigen Gestalten gesehen hat, dort vor Gericht, ein Zeuge nach dem anderen,
00:11:59frühere Rinder und Schweinezüchter, dann arbeitslos alle, dem Alkohol verfallen.
00:12:05Die dann da sitzen, allen Ernstes erklären, sie können sich an nichts erinnern, weil sie so alkoholgeschädigt sind.
00:12:12Dann da irgendwas erzählen, womöglich noch Lügen oder Mauern.
00:12:16Hast du nichts gesehen, musst du auch nichts sagen.
00:12:18Obwohl einige von ihnen bei den Quälereien von Marinus anwesend waren und nichts getan haben.
00:12:27Die konnten uns nicht sagen, es tut uns leid oder wir haben ein schlechtes Gewissen.
00:12:32Da kam nichts.
00:12:34Dem Dorf fehlt der zivilisatorische Standard.
00:12:37Man kümmert sich nicht umeinander.
00:12:39Es hat niemanden belastet, den Rucksack, das Fahrrad oder das Ladegerät von Marinus zu finden.
00:12:46Keiner hat etwas getan.
00:13:01Matthias Mucho, Freund von Marinus.
00:13:04Ich frage mich immer noch, warum ist der nicht einfach abgehauen?
00:13:10Ich denke mal, die haben den echt so lange abgefüllt, bis sie den schleifen mussten.
00:13:13Denn ansonsten, ich weiß es nicht.
00:13:16Ich habe den Marinus ja kurz vorher noch gesehen.
00:13:18Zusammen mit den Schönfeldbrüdern.
00:13:20Ja, kurz bevor sie zum Viehbrand sein gegangen sind.
00:13:23An seinem letzten Abend da.
00:13:25Ey, zwei Minuten vorher, Mann, da beim Club, da ist eine Kastanie.
00:13:27Da sind wir uns gerade so entgegengekommen.
00:13:29Ich meine, da denkst du dir nichts bei.
00:13:33Nachdem der Marinus weg war, da wurde sein Rucksack gefunden mit dem Ladegerät vom Handy.
00:13:39Ich habe die Hoffnung irgendwie nie aufgegeben.
00:13:42Ey, ich habe immer gedacht, ich sehe den wieder.
00:13:44Naja, hab den gern gehabt, den Bengel.
00:13:48Er war zwar auf die eine Art und Weise immer ein Arschloch.
00:13:52Klar, aber so bin ich auch.
00:13:53Ich meine, ich bin auch mal ein Arschloch.
00:13:55Aber man kommt doch immer wieder zu sich.
00:13:58Und ich hätte auch zu Marinus wieder gefunden.
00:14:00Der Marinus-Mann, der war genauso wie ich.
00:14:02Das nimmt sich nicht viel, echt im Ernst.
00:14:05Der hat auch gern mal einen gekifft wie ich.
00:14:07Der hat gern mal einen gesoffen wie ich.
00:14:09Klar, der ging ja auch zur Schule wie ich.
00:14:11Der hat genauso viel Scheiße gebaut insgesamt wie ich.
00:14:13Das war so ein Jugendlicher wie ich, sag ich mal.
00:14:18Ich habe auch Träume gehabt so.
00:14:21Ja, Marinus kommt an mein Fenster.
00:14:23Ich gehe ran, mach das Fenster auf, sag so.
00:14:27Ey, Alter, wie siehst denn du aus?
00:14:28Komm erst mal rein.
00:14:30Boah, und geh mal duschen, ey.
00:14:31Du stinkst.
00:14:33Und dann iss mal was.
00:14:34Iss mal was.
00:14:36Iss mal was, Mann.
00:14:36Und dann wirst du wieder groß und stark.
00:14:38Und wenn du willst, fahren wir dich übermorgen.
00:14:40Oder egal wann.
00:14:41Irgendwann fahren wir dich wieder nach Hause.
00:14:46Am November war dann das Fest beim Club.
00:14:50Und da hat Marcel gesagt, ich weiß, wo Marinus ist.
00:14:54Keine Ahnung, war wohl der Suff oder so.
00:14:57Jedenfalls habe ich das da gepeilt.
00:15:02Tagsdrauf dann habe ich zum Danni gesagt, du Danni, hier.
00:15:07Ich glaube, der Marinus, der war wirklich nicht weg gewesen.
00:15:09Der war die ganze Zeit hier.
00:15:11Und der, hä, wo denn?
00:15:13Ich sag, oben beim Schweinestall.
00:15:17Und der, wo denn da genau?
00:15:19Da bei der Jauregrube.
00:15:22Was ist?
00:15:23Kommst du mitgucken, ob das stimmt?
00:15:26Dann sind wir hochgegangen zu dritt.
00:15:30Ich habe angefangen zu buddeln.
00:15:32Der Marinus, der hat so eine Hose angehabt.
00:15:34So eine, wie ich jetzt an habe, nur in grün.
00:15:36Die hat er da auch angehabt im Grab.
00:15:39In der Grube.
00:15:43In meinem T-Shirt, da habe ich dann...
00:15:50Der Kopf, der war als erstes frei schon.
00:15:55Ich habe die Arme rausgebuddelt.
00:15:59Brustkorb dann.
00:16:03Und da merke ich irgendwie mit der Schippe, dass da sowas elastisch ist.
00:16:07Kann keine Haut sein.
00:16:09Habe ich nachgeguckt?
00:16:12War das ein Shirt mit Knochen?
00:16:15Hast du nicht gesehen?
00:16:19Ja, und da habe ich gedacht, das kann er sein.
00:16:27Jutta und Jürgen Schönfeld, Eltern von Marco und Marcel.
00:16:45Ja, als wir gehört haben, was die beiden da oben gemacht haben im Stall da.
00:16:52Abends um Elfe, da waren die hier.
00:16:54Hat es geklingelt an der Tür.
00:16:56Ich zur Tür hin, stehen da mehrere Polizisten.
00:16:59Wo ist der Marcel, haben sie gefragt.
00:17:02Ich sagte, er ist nicht da.
00:17:03Den habe ich nach Buko ins Internat gefahren.
00:17:04Was wollen sie denn?
00:17:07Das können wir ihnen nicht sagen.
00:17:08Pufftür zu und weg waren sie.
00:17:10Der Marcel wusste, dass sie ihn abholen.
00:17:12Der war da in Buko und hat sein Bett noch nicht bezogen.
00:17:15Saß da auf seinem Bett und hat gewartet.
00:17:19Als wir abends losgefahren waren von Potslow, der Marcel und ich,
00:17:23da sind wir oben am Stall vorbei.
00:17:24Das ist die normale Route nach Buko.
00:17:27Die Polizei war da.
00:17:29Alles hell beleuchtet.
00:17:31Ich habe mich schon gewundert, was da oben los ist.
00:17:34Der Marcel saß neben mir, haben wir Musik gehört.
00:17:38Der war ganz ruhig.
00:17:40Schon am Nachmittag, da war der ganz anders.
00:17:43Ich habe ihn gefragt, Marcel, wie sieht es aus?
00:17:45Wollen wir los nach Buko?
00:17:47Wann wollen wir los?
00:17:48Und er, ist egal, Papa.
00:17:52Wir können jetzt fahren, wir können auch später fahren.
00:17:56Richtig so wie früher war der, ganz entspannt.
00:17:59Also wir konnten uns das erst gar nicht erklären.
00:18:01Na, der Druck war weg.
00:18:03Der Druck war raus, dieser Druck, den er in sich hatte.
00:18:07Als wir in Buko ankamen, habe ich gesagt, es ist Freitag.
00:18:09Habe ich mich verabschiedet.
00:18:12Er wusste das.
00:18:14Er wusste die Jugendlichen, mit denen er da gebuddelt hat, nach der Leiche.
00:18:17Der wusste, die sind nach der Polizei gegangen.
00:18:19Der Marcel hat gesagt, dass er uns damit nicht belasten wollte.
00:18:23Ich hätte damit auch gar nicht leben können.
00:18:26Anzeigen hätte ihn auch nicht können.
00:18:32Ich kann das nicht glauben.
00:18:35Bis zum heutigen Tag, ich kann das nicht glauben.
00:18:37Ich wollte das nicht glauben.
00:18:39Ich weiß überhaupt nicht, was er noch glauben soll.
00:18:41Erst habe ich immer gedacht, dass ich den Marco...
00:18:45Aber der Marco, der hat von Anfang an gesagt, ich habe damit nichts zu tun.
00:18:50Ich habe nichts gemacht.
00:18:53Am Anfang, da habe ich gedacht, ich werde verrückt.
00:18:57Wie sie den Marcel da geholt haben.
00:19:00Wenn ich allein im Haus war, dann habe ich Stimmen gehört.
00:19:02Von meinem Vater.
00:19:04Der ist lange tot.
00:19:06Und von Marcel.
00:19:10Ich kämpfe.
00:19:13Ich will, dass die beiden irgendwann wiederkommen.
00:19:16Der Marco und der Marcel.
00:19:19An den Marcel, an den klammere ich mich.
00:19:21Das ist ja jetzt, wie wenn du einem nach der Entbindung das Kind wegnimmst.
00:19:26Den Marco, den Heik schon früher verloren.
00:19:28Der hat sich seine eigene Welt aufgebaut.
00:19:30Die gibt es gar nicht.
00:19:32Das fing mit 13 an.
00:19:34Wir haben dich falsch gemacht.
00:19:37Wir haben unsere Kinder gut erzogen.
00:19:40Die Kinder stehen an erster Stelle.
00:19:41Erst dann kommt der Partner.
00:19:44Es bleiben unsere Kinder.
00:19:46Natürlich haben sie Mist gemacht.
00:19:48Aber es bleiben unsere Kinder.
00:19:50Wir haben sie ja nicht hochgeschickt in den Stall.
00:20:20Aus Sicht der Staatsanwaltschaft kann ich feststellen, die Täter Marco und Marcel Schönfeld sowie Sebastian Fink hatten ein dumpfes rechtsextremistisches
00:20:30Gedankengut.
00:20:31Und den unbedingten Willen, das in Gewaltform auszuleben.
00:20:36Am Tatabend war weder ein Jude noch ein Asylbewerber noch sonst irgendjemand, auf den das Feindbild zutraf vorhanden.
00:20:44Und daher musste hier ein Kumpel als Notopfer herhalten, weil ihnen kein besserer begegnete.
00:20:51Aus unserer Sicht hat das Opfer Schöberl sein eigenes Todesurteil unterschrieben, indem es gesagt hat, ich bin Jude.
00:20:59Hätte er zu diesem Zeitpunkt gesagt, spinnt ihr nicht rum, ich bin's doch, euer Kumpel Marinus, ich glaube nicht, dass
00:21:07der Tötungsakt dann über die Bühne gegangen wäre.
00:21:12Das ist kein Vorwurf, sondern einfach eine Feststellung.
00:21:17Bevor er sich als Jude bekannte, da geilte man sich, ein unschöner Ausdruck, aber vielleicht passt er hier, an seinen
00:21:24blond gefärbten Haaren und seinen Hip-Hop-Hosen auf.
00:21:28Der Tötungsakt wurde erleichtert, da das Opfer Schöberl aus Sicht der Täter auf einer geringeren geistigen Stufe stand.
00:21:37Man kann in die Reihe potenzieller Opfer neben Asylbewerbern auch behinderte Menschen einreihen.
00:21:44Und das traf auf Marinus Schöberl zu. Er stotterte. Besonders, wenn er aufgeregt war.
00:22:03Der Marcel, der war mit dem Marinus ja sogar befreundet. Der war ja auch bei uns gewesen.
00:22:10Der Marinus, der hatte so einen Sprachfehler. Aber sonst war das eigentlich ein ganz ruhiger Junge.
00:22:18Um den Jungen tut es mir auch leid. Aber die Eltern, die haben sich nie um ihr Kind gekümmert.
00:22:25Ja, das Schlimmste ist ja, dass er geklaut hat immer, überall.
00:22:28Ja, aber jetzt ist es so. Ich würde sagen, die Leute können seinen Schuppen wieder offen stehen lassen.
00:22:31Vorher, wo der Marinus unterwegs war, da ging das nicht, war immer alles weg gewesen.
00:22:35Opfer hat es rausgeholt und so eine Sachen. Die Schwalbe von Marcel.
00:22:38Ja, jetzt vermuten wir langsam, dass der Marinus das war.
00:22:42Ja, weil er als Einziger auf einmal ankam und gezeigt hat, wo die Schwalbe ist.
00:22:46Das wusste ja sonst kein Mensch. Wir haben vorher alles abgesucht.
00:23:06Warum haben Sie auf Marinus Schöball eingeschlagen?
00:23:09Weiß ich nicht.
00:23:12Getan hat er mir an dem Abend nichts.
00:23:15Ich habe ihn nur geschlagen, weil es alle gemacht haben.
00:23:18Hatten Sie persönlich etwas gegen Marinus Schöball?
00:23:22Nein.
00:23:25Der Marinus, der hat mir mal vor fünf Monaten mein Moped geklaut.
00:23:29Das hat mir mein Papa geschenkt. Ich habe das selber aufgebaut.
00:23:33Das hat er mir gegenüber zugegeben.
00:23:36Deswegen habe ich ihm da in der Nacht auf die Fresse gehauen.
00:23:44Birgit Schöball.
00:23:48Meine Tochter, die hat den Rucksack nach Haus gebracht.
00:23:50Zwei Wochen danach war aber nur das Ladegerät drin.
00:23:55Also keine Badehose oder Handtücher oder Wechselsachen.
00:24:00Die Polizei war da.
00:24:03Die haben den Rucksack bloß angeguckt.
00:24:05Haben drin geguckt, dann haben sie ihn da gelassen.
00:24:10Und weil ja jetzt die Schule bald wieder losging, da habe ich den Rucksack gewaschen und dem Marinus seine Schulsachen
00:24:14reingelegt.
00:24:17Und dann immer dieses Angeruf auf der Wache.
00:24:21Warum hat denn da keiner reagiert, als da jemand aus Potsdam gesagt hat, da ist frisch aufgebundet oben am Stall.
00:24:27Gesucht haben die nicht.
00:24:29Mein Junge, der ist kein Ausreißer.
00:24:34Ich mache mir auch Vorwürfe manchmal, ja.
00:24:38Wenn ich ihn nach Bayern gelassen hätte, dann wäre das nicht passiert.
00:24:43Der Marinus hatte Schwierigkeiten in der Schule und da habe ich gesagt,
00:24:47Freundchen, wenn du dich jetzt nicht am Riemen reißt, dann fährst du nicht runter zur Benke nach Bayern.
00:24:51Dann bleibst du in den Ferien hier.
00:24:54Ja, und dann hat er es aber nicht hingehauen und dann habe ich gesagt,
00:24:59so jetzt bleibst du hier.
00:25:01Ich weiß es nicht.
00:25:06Immer wenn es klingelt, denke ich immer, er sagt mit seiner tiefen Stimme, Mutti mach auf, so wie er es
00:25:11immer sagt.
00:25:14Da sitze ich abends am Fenster und denke, der kommt, irgendwann da kommt der.
00:25:21Da habe ich gewartet.
00:25:23Sitze ich unten auf der Bank, warte.
00:25:27Ich gehe ja nicht mal einkaufen, ich denke, du musst ja da sein, wenn er kommt.
00:25:4918. November.
00:25:52Das war mein Geburtstag.
00:25:55Da kommen zwei Polizisten zur Tür rein und die fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut.
00:26:01Und denn da war es.
00:26:02Das war mein Geburtstag.
00:26:03Da haben sie gesagt, dass sie Marinos gefunden hatten.
00:26:06Hier in Potzloh.
00:26:10Unser Vater, der wurde ganz blass, da musste ich mich erstmal um den kümmern.
00:26:13Und die haben später noch einen Hausarzt gerufen, der hat eine Beruhigungsspritze gekriegt, dann ging es wieder.
00:26:18Dann sind sie gegangen.
00:26:21Der Mann war allein.
00:26:25Da konnte auch keiner Fliege was zu Leide tun.
00:26:28Der war ja nicht mal schmal und schmächtig.
00:26:31Der war gut gebaut und groß.
00:26:33Und wenn er ein bisschen zurückhaltend war, das ist noch lang kein Grund, sich über ihn lustig zu machen.
00:26:38Auch wenn er in der Schule keine Perle war, handwerklich war der begabt.
00:26:42Ja, das war quasi der Mann im Haus.
00:26:45Wenn mal was kaputt war...
00:26:48Montags, da wollte er die Stube räumen, wie er von Potzloh kommen sollte.
00:26:52Der wollte noch so viel machen.
00:27:00Wie sie den behandelt haben...
00:27:03Wie sie den behandelt haben, das verfolgt mich auch in der Nacht.
00:27:07Wenn ich ihn da höre, wie er nach mir ruft und schreit, dass ich ihm helfen soll und ich kann
00:27:10nichts tun, ich...
00:27:13Dann muss ich jedes Mal aufstehen.
00:27:15Da kann ich nicht mehr schlafen.
00:27:18Das bringt mich um.
00:27:34Ich will zu meiner Vernehmung vom 18. November 2002 folgende Ergänzung machen, weil ich aus Angst nicht die volle Wahrheit
00:27:41gesagt habe.
00:27:44Nachdem wir den zweiten Kasten Bier in der Wohnung Viehbrands geleert hatten, gingen wir noch in die Wohnung Spiering.
00:27:50Es war ca. 0.30 Uhr, als wir, damit meine ich meinen Bruder Marco, den Sebastian Fink, Marinus und ich
00:27:57dort angekommen sind.
00:27:59Frau Spiering und ihr Lebensgefährte schliefen bereits.
00:28:03Sebastian Fink schlug gegen die Scheibe. Diese ging dabei zu Bruch.
00:28:07Die Haustür war verschlossen.
00:28:09Mein Bruder Marco drückte diese Gewalzer mit der Schulter auf.
00:28:13Im Schlafzimmer weckten wir dann die beiden.
00:28:15Dann gingen wir hinunter auf die Veranda und tranken Schnaps.
00:28:20Dann fing mein Bruder irgendwann an, Marinus zu beschimpfen und fragte und sagte immer wieder, ob und dass dieser ein
00:28:27Jude sei.
00:28:29Marinus antwortete dann irgendwann ja, dass er ein Jude sei.
00:28:37Dann ging es richtig los.
00:28:39Mein Bruder fing dann an, Marinus kräftig in die Fresse zu schlagen.
00:28:43Mindestens zwei bis drei Mal.
00:28:45Dann füllte er einen Plastebecher mit Klarem und Bier.
00:28:47Diesen sollte der Marinus trinken.
00:28:49Das gelang ihm aber nicht.
00:28:52Beim zweiten Versuch musste er brechen und übergab sich über den Tisch.
00:28:56Der Fink nahm ihn dann und schleppte ihn nach draußen.
00:28:59Vor die Eingangstür.
00:29:02Marinus war so betrunken, dass er dort liegen blieb.
00:29:07Nach ca. 30 Minuten holte der Fink ihn wieder rein und setzte ihn in der Veranda auf einen Stuhl.
00:29:12Dann fing mein Bruder und er abwechselnd an, auf ihn einzuschlagen.
00:29:16Jeder versetzte ihm mindestens zwei bis drei Faustschläge ins Gesicht.
00:29:20Beim letzten Schlag des Sebastian Fink fiel Marinus mitsamt seinem Stuhl hinüber.
00:29:25Der Fink setzte ihn wieder auf und schlug ihn erneut in die Fresse.
00:29:31Dann musste Marinus erneut kotzen.
00:29:34Fink nahm ihn wieder und schleppte ihn nach draußen, vor die Eingangstür.
00:29:37Dort hat er ihn auf den Boden geworfen.
00:29:39Ich befand mich zu diesem Zeitpunkt auch draußen.
00:29:43Fink öffnete dann seinen Hodenstall und fing an, auf Marinus zu pissen.
00:29:47Erst auf den Brustbereich und dann ins Gesicht.
00:29:50Marinus war zu diesem Zeitpunkt bei Bewusstsein und bat den Fink, dass er damit aufhören soll.
00:29:56Nachdem der Fink sich ausgepinkelt hatte, nahmen wir beide Marinus und schleppten ihn wieder zurück in die Veranda.
00:30:04Dann war circa eine halbe Stunde lang Ruhe.
00:30:06Wir tranken den Rest vom Schnaps.
00:30:09Dann fing mein Bruder wieder an, den Marinus zu beschimpfen und sagte immer wieder, dass er zugeben soll, dass er
00:30:15ein Jude sei.
00:30:17Frau Spiering sagte denn, er solle doch zugeben, dass er ein Jude sei, denn wäre bestimmt Ruhe.
00:30:22Marinus sagte dann auch irgendwann immer wieder, ja, ich bin ein Jude. Ruhe war denn aber nicht.
00:30:28Nach diesen Äußerungen schlugen wir abwechselnd zu dritt auf ihn ein und beschimpften ihn alle drei mit den Worten, du
00:30:34Penner, du Jude, du Assi und so weiter.
00:30:36Bürgermeister!
00:30:37Bürgermeister 1.
00:30:39Potzlo ist ein ganz normales Dorf.
00:30:41Wir haben hier einen Taubenzüchterverein, eine freiwillige Feuerwehr.
00:30:44Es ist noch nicht lange her, da wurden wir zum schönsten Dorf des Jahres gewählt.
00:30:49Vor der Wende hatten wir 500 Einwohner, jetzt 600.
00:30:53Das ist doch auch was.
00:30:55Bürgermeister 2.
00:30:57Ich gehe davon aus, dass zu diesem Zeitpunkt, wo die beiden Schönfeldbrüder an diesem...
00:31:04Ich glaube einfach, dass der Marinus zur falschen Zeit am falschen Ort war.
00:31:08Das hätte ebenso gut einen anderen treffen können.
00:31:10Die wollten an dem Abend einfach einen aufklatschen.
00:31:13Wie das heute so ist unter Jugendlichen.
00:31:15Heute machen wir Fates und da muss einer dran glauben.
00:31:18So nach dem Motto.
00:31:24Die
00:31:24Die
00:31:24Frau
00:31:30Frau
00:31:48Trauer Feier
00:31:50Trauer Feier anlässlich der Urnenbeisetzung von Marinus Schöberl, 16
00:31:54Geboren am 04.09.1985 in Wolfen, gestorben am 12.07.2002 in Potslow
00:32:03Beigesetzt am 04.12.2002, Gerswalde, 13 Uhr
00:32:10Marinus Schöberl wurde von unmenschlichen Kreaturen zu Tode gesteinigt
00:32:15Kreaturen, deren Feind die Liebe, die Sprache, das Leben war und wohl weiter sein wird
00:32:23von Kreaturen des Todes
00:32:27Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
00:32:35Liebe Familie Schöberl, liebe Freunde von Marinus
00:32:38Die Fragen nehmen kein Ende. Warum?
00:32:43Eltern, Geschwister, Bekannte machen sich schwerste Vorwürfe
00:32:46Warum haben wir uns den Tätern nicht mutig in den Weg gestellt?
00:32:52Stattdessen haben wir es zugelassen, dass Irrgeleitete, zum Teil gänzlich verkommene
00:32:58jugendliche Glatzenträger ihren giftigen Ungeist ungeniert durch unsere Gemeinden tragen konnten
00:33:03und dass sie dafür noch den Applaus einiger Leute einheimsten
00:33:07und sei es der Applaus des betretenen Schweigens
00:33:11Warum hat es niemand bemerkt, dass Marinus in dieser Julinacht durch das komplette Dorf
00:33:16Potslow getrieben wurde? Haben denn alle geschlafen? Oder waren sie betrunken? Oder einfach barbarisch?
00:33:33Marcel Schönfeld
00:33:38Ich hatte eine schöne Kindheit
00:33:42Sind wir nach Potslow gezogen, da war ich neune
00:33:47Und zu Anfang, da haben wir immer so Baumhäuser gebaut
00:33:50Oben am Kuhstall und dann auch nach Zücherund, da hatten wir auch welche
00:33:56In die ersten, da haben wir nur so Deckenring gepackt
00:33:59Und dann irgendwann hatten wir so richtig so Bungalow aus Holz
00:34:03So mit Aussicht auf den See, in so einem Busch
00:34:07So mitten auf der Wiese haben wir Feuerstelle gemacht
00:34:09Und dann haben wir da Bungalow hingestellt
00:34:11Und dann so haben wir Bretterboden reingebaut
00:34:14Und dann so Couch und Sessel
00:34:20Potslow kenne ich noch von früher
00:34:23Mein Opa, der war aus Pino, der war Treckerfahrer bei der LPG
00:34:26Da hat man meinen ersten Schnaps eingeschenkt
00:34:28Da war ich 11
00:34:29Konnte nicht mehr gerade ausgehen
00:34:33Und dann
00:34:35Nachher haben wir dann alle so angefangen zu saufen
00:34:37So mit 12, 13, mit den Kumpels
00:34:40Angefangen haben wir so mit Bier
00:34:43Und dann aber auch bald so härtere Sachen
00:34:45So Goldi Goldbrand und Whisky
00:34:48Und wo ich dann so ein bisschen dabei war
00:34:51So ein halber Kasten Bier am Abend und eine Flasche Goldi
00:34:56Das haben wir immer in der Kaufhalle gekauft
00:35:00Das war der einzige Laden in Potslow
00:35:01Die haben nichts gesagt, wenn wir unter 18 waren
00:35:06Und wenn ich kein Geld hatte, dann vom Vater
00:35:11Der hat auch immer was gehabt
00:35:15Im Schlafzimmer
00:35:19Schlafzimmer immer offen
00:35:23Schnaps
00:35:28Meine ersten Stiefel hatte ich mit 12
00:35:30Von meinem Bruder, von Marco
00:35:31Mit Stiefel, da kriegst du mir ansehen
00:35:34Und zu Anfang haben sie mich immer fertig gemacht
00:35:37Anfang 8. Klasse
00:35:38Wegen der Stiefel
00:35:39Springer Stiefel
00:35:41Die anderen aus der Klasse, die haben immer so Hip-Hop Sachen angehabt
00:35:44Und dann immer so eine Sprüche
00:35:45Scheiß Fascho
00:35:46Hatte ich überhaupt keinen Bock mehr auf Schule
00:35:48War ich 15
00:35:51Mit Schlauberhosen
00:35:54Da verschwimmt immer alles so
00:35:59Aber wenn ich Probleme hatte, dann konnte ich immer zu ihm hingehen
00:36:04Also zu meinem Bruder, der war ein paar Jahre älter
00:36:07Hat mir immer geholfen
00:36:10Und dann war der plötzlich weg
00:36:14Im Knast
00:36:22Na wie der Marco da 1999 in den Knast gekommen ist
00:36:26Das war für unseren Marcel ja auch ganz schlimm
00:36:29Aber
00:36:30Der hat das mehr so für sich genommen
00:36:33So
00:36:35In der Zeit war der so mit Drogen
00:36:38Und wenn er die genommen hat, dann war der immer lustig
00:36:40Hat da die ganze Zeit gelacht
00:36:42Dann hab ich immer gedacht
00:36:43Na betrunken ist der nicht
00:36:44Weil das riechst du ja, wenn Alkohol drin ist
00:36:47Aber die Pupillen waren immer so weit gewesen
00:36:50Dann hatte ich immer so eine Angst
00:36:52Dass der irgendwo liegt
00:36:52Und keiner weiß, wo der ist
00:36:54Und ich weiß auch nicht, wo der ist
00:36:57Und dann kommt noch die Angst um mich selber dazu
00:36:59Weil Schmerzen waren nicht, die Wünsche kämen, ja
00:37:02Und das wurde nicht besser
00:37:04Bin ich zur Ohrenärztin
00:37:06Tumor
00:37:08Ich dachte
00:37:10Innerlich, meine Welt bricht zusammen
00:37:11Ja, jetzt geht nichts mehr
00:37:13Jetzt kannst du nichts mehr
00:37:15Ich mein
00:37:17Hast ja nur so viel vor
00:37:18Die Kinder brauchen einen noch
00:37:19Jetzt geht nichts mehr
00:37:20Ich konnte gar nichts
00:37:20Ich konnte nicht mehr mehr alleine gehen
00:37:22Gar nichts ging
00:37:30Wie meine Mutter da
00:37:34So zu Anfang, wie sie das so gesagt hat
00:37:36Mit Tumor
00:37:36Da
00:37:39Da hab ich eigentlich erst mal gar nicht begriffen
00:37:44Dann sind wir dann da hin
00:37:46Nach der Operation
00:37:46War meine Mutter quasi fertig
00:37:52Ich war gelähmt
00:37:56Die konnte so gar nicht mehr aus dem Glas trinken
00:37:59Konnte nur noch so aus der Flasche trinken
00:38:01Aber da von der Operation
00:38:04War der Mund so schief
00:38:05Und da ist ja alles so rausgelaufen
00:38:10Ich bin dann da nimmer hin ins Krankenhaus
00:38:13Ich wollte
00:38:14Ich hab
00:38:14Ich hab das nicht hingekriegt
00:38:18Was ist, wenn die das nicht überlebt?
00:38:20Das hab ich gedacht
00:38:23Nur das
00:38:25Verhör Marcel Schönfeld
00:38:33Fühlen Sie sich in der Lage, der Vernehmung zu folgen?
00:38:35Ja
00:38:36Ich bin bereit, weiter wahrheitsgemäß auszusagen
00:38:41Bei den Spierings rauchten wir dann noch eine
00:38:46Sebastian, Marco und ich
00:38:47Verließen dann das Haus
00:38:49Und waren bereits auf unseren Fahrrädern
00:38:51Richtung Hauptstraße unterwegs
00:38:53Als mein Bruder Marco sagte
00:38:54Dass wir umdrehen sollten
00:38:56Um den Marinus zu holen
00:38:58Dieser war zu dem Zeitpunkt
00:38:59Als wir ihn verlassen hatten
00:39:01Betrunken auf der Veranda
00:39:03Mein Bruder sagte
00:39:04Dass die Spierings ihre Ruhe haben wollten
00:39:07Und dass wir ihn aus diesem Grunde nicht dalassen konnten
00:39:10Also drehten wir um und fuhren zurück
00:39:14Marinus war zu diesem Zeitpunkt
00:39:15Auf dem Sofa, auf der Veranda
00:39:17Und hatte sich ausgezogen
00:39:20Er wollte zunächst nicht mitkommen
00:39:21Mein Bruder und Sebastian Fink
00:39:24Schlugen erneut auf ihn ein
00:39:25Und zwangen ihn dann
00:39:26Sich seine nasse grüne Hose
00:39:28Sein T-Shirt, Jacke und Schuhe anzuziehen
00:39:31Mein Bruder nahm ihn dann
00:39:32Auf seinem Fahrrad mit
00:39:35Marinus saß auf der Stange
00:39:36Und heulte
00:39:39Richtung Potslow sagte
00:39:40Mein Bruder denn
00:39:41Dass wir noch Richtung Schweinestall
00:39:43Abbiegen sollten
00:39:43Um dort dem Marinus
00:39:44Noch ein bisschen Angst einzujagen
00:40:13Das war 2002
00:40:16Haben wir so
00:40:17Haben wir gesoffen
00:40:18War mal besoffen so
00:40:20Bin ich eingeschlafen
00:40:23Dann hat da
00:40:25Martin mit so einem Kumpel
00:40:26Haben sie mich bemalt
00:40:29I love you Mutter
00:40:30Mit wasserfestem Filzer auf dem Unterarm
00:40:34Bin ich aufgewacht
00:40:35Hab das gelesen
00:40:38Hab Martins Eltern beschimpft
00:40:41Und dann der
00:40:42Martin sagt ja so
00:40:45Ich soll meine Mutter ficken
00:40:46Und so eine Sachen
00:40:46Dann bin ich gleich mit Schere auf dem Los
00:40:49Und dann er hat da mir so
00:40:52Vier, fünf Dinge
00:40:53Eine Fresse geballert
00:40:57Zwei Zähne kaputt
00:40:58Eine abgebrochen
00:41:02Kiefer gebrochen
00:41:04Jochbein gebrochen
00:41:07Schädel-Hirn-Trauma
00:41:09Nase auch
00:41:11Konnte gar nicht mehr zurückhauen
00:41:20Der Marcel, der hätte ja unterwegs auch zusammenbrechen und verbluten können
00:41:23So wie der Martin den zusammengeschlagen hat
00:41:26Das war ja ein Glück, dass der überhaupt noch nach Hause gekommen ist
00:41:31Der Marcel, der hat sich nie geprügelt
00:41:33Der hat sich nie gewehrt
00:41:38Genauso gut
00:41:39Hat einer von unseren Jungs das Opfer sein können
00:41:46Erzieher, Bildungseinrichtung
00:41:48Und in der Zeit, wo dieser Kumpel den Marcel da Krankenhausreif geschlagen hat
00:41:52Da hat er mir auch zum ersten Mal von seinem Bruder erzählt
00:41:56Ich frage ihn
00:41:57Wie?
00:41:58Einen Bruder hast du auch?
00:41:59Und er
00:42:01Ja, da erzähle ich aber eigentlich nie was drüber
00:42:05Ich frage ihn, wieso nicht?
00:42:06Ist er älter wie du?
00:42:07Lebt er nicht mehr bei euch zu Hause?
00:42:09Und er
00:42:10Der ist älter
00:42:11Der ist im Knast
00:42:13Aha, frage ich
00:42:14Wieso ist der im Knast?
00:42:15Also
00:42:16Eigentlich will ich mit dem Marco überhaupt nichts mehr zu tun haben
00:42:19Wenn es nach mir ging
00:42:20Dann müsste er überhaupt nicht mehr rauskommen aus dem Knast
00:42:22Das wäre das allerbeste
00:42:26Wenn der erfährt
00:42:28Dass ich Haare gefärbt
00:42:29Und Drogen genommen habe
00:42:32Der geht über Leichen
00:42:48Heiko Gäbler
00:42:48Lehrling
00:42:52Verändert hat der Marcel sich dann ganz schnell
00:42:54Hat er gesagt
00:42:55Wenn sein Bruder aus dem Knast kommt
00:42:56Dann wollen sie auf Party gehen
00:42:57Hat er mir gefragt
00:42:58Ob ich ihm eine Glatze schere
00:43:00Dachte ich noch
00:43:00Na ja
00:43:01Vielleicht stören denen die langen Haare
00:43:03War ja warm
00:43:03War Sommer
00:43:05Ich habe eine Haarschneidemaschine mit Aufsatz
00:43:063 mm
00:43:076 mm
00:43:089 mm
00:43:0912 mm
00:43:09Und der wollte
00:43:100 mm
00:43:14Sonntagmittag ist er dann angekommen
00:43:15So mit Fred Perry Teehemd
00:43:17Und Springerstiefeln
00:43:18War schon komisch gewesen
00:43:19Also war so mit Ehrenzeichen
00:43:21Das Fred Perry
00:43:23Ehrenzeichen
00:43:24Also so ein Ehrenkranz
00:43:25Normalerweise ist es mit 88
00:43:2888 für Heil Hitler
00:43:31Na und dann im Abend
00:43:32Haben wir dann wieder Feuer gemacht
00:43:33Unten bei uns am See
00:43:34Gab es da so eine Negerin bei uns
00:43:36Sagt der
00:43:37Hier
00:43:38Ab mit dir auf den Scheiterhaufen
00:43:39Negerverbrennung
00:43:40Neger brennen gut
00:43:41Da dachte ich
00:43:43Was hat der denn
00:43:44Wieso will er denn die jetzt
00:43:45Auf den Scheiterhaufen tun
00:43:46Alice hieß die
00:43:47Ich war nie besonders in der interessiert
00:43:49Die war eigentlich nicht besonders
00:43:54Der Marcel ist ein Mitläufer
00:43:55Der denkt nie nach
00:43:57Ich würde die Alice ausweisen
00:43:58Weil sie ein Mischling ist
00:44:00Ausweisen
00:44:00Abschieben
00:44:01Ich will mit so einem nichts zu tun haben
00:44:04Ich meine die ist ja hier geboren
00:44:05Da kannst du nichts machen
00:44:07Und wenn die jetzt zurück geht
00:44:08Da wo der Vater herkommt
00:44:09Aus Mosambik
00:44:10Oder wo der her ist
00:44:10Dann ist sie da ja auch fremd
00:44:11Das ist ja auch scheiße
00:44:13Ich meine
00:44:15Besser ist doch vorher was zu machen
00:44:18Nicht erst wenn die ganzen Kinder da sind
00:44:20Sonst passiert weiß ich was
00:44:21Ich meine Türken sind ja ganz schlimm
00:44:22Wir haben hier 9 Millionen Ausländer
00:44:23Das ist hart, wa?
00:44:24Ja, ich bin immer so einer
00:44:27Lass jeden in sein Land
00:44:29Wo er geboren ist
00:44:32Ah, die ist ja hier geboren
00:44:35Lass jeden wo er ist
00:44:37Ey, das bringt doch nichts
00:44:38Wenn die jetzt hier alle auf einem Haufen sind
00:44:40Alle wieder zurück
00:44:41Ausweisen, abschieben
00:44:42Knallhart sagen, ja?
00:44:43Juden auch
00:44:46Juden gehören ja zu jedem Land
00:44:48Jedes Land hat ja seine Juden
00:44:51Deutsche sind das nicht
00:44:53Hier, das war ja nicht dem
00:44:55Hitler alleine seine Idee
00:44:56Die ganzen Juden umzubringen
00:44:57Das war ja hier der
00:44:58Der Himmler, ja?
00:44:59Der hat das ja organisiert
00:45:01Also
00:45:02Der Hitler, der hat ja gar nicht
00:45:03Groß gewusst davon, ja?
00:45:04Und wenn da so einer anfängt, ja?
00:45:06Dann kann man ja mitmachen, oder?
00:45:10Ich hab meinen eigenen Kopf
00:45:13Klar trage ich mein Fred Perry T-Hemd
00:45:15Mit 88
00:45:17Ist ja wohl was anderes, was man im Kopf hat
00:45:19Oder was man auf dem Leib trägt, oder?
00:45:20Heil Hitler
00:45:22Da denkt man an die Zeit des Reiches
00:45:25Dass man deutsch denkt
00:45:28Dass man dazu steht, dass man deutsch denkt
00:45:32Deutsch denken
00:45:33An die Zukunft denken
00:45:36Für die Familie da sein
00:45:39Arbeiten
00:45:43Dritte beschuldigten Vernehmung
00:45:45Marcel Schönfeld
00:45:49Beginn 13.10 Uhr
00:45:51Hatten Sie früher direkte Kontakte
00:45:53Zur rechten Szene?
00:46:00Was?
00:46:02Hatten Sie früher direkte Kontakte
00:46:04Zur rechten Szene?
00:46:07Das war vor drei Jahren
00:46:09Ich war rechts
00:46:10Weil mein Bruder rechts war
00:46:12Nachdem dieser in den Knast gekommen ist
00:46:14Habe ich mich den anderen angepasst
00:46:16Die Situation in Prenzlau
00:46:18Hatte sich verändert
00:46:19Viele ehemalige Rechte
00:46:20Waren jetzt Hip-Hopper oder Technos
00:46:23Denen Habe ich mich angepasst
00:46:25Welchen Einfluss hat Ihr Bruder auf Sie?
00:46:29Mein Bruder bezeichnet sich als nationaler Rechter
00:46:32Und dass er Deutschland beistehen muss
00:46:34Und dass alle Scheinasylanten verschwinden müssen
00:46:37Teilen Sie diese Auffassung Ihres Bruders?
00:46:41Nein
00:46:43Ausländer sind ja auch Menschen wie wir
00:46:45Und wenn ich nach Polen fahre
00:46:46Dann bin ich da ja auch Ausländer
00:46:49Herr Schönfeld
00:46:51Tun Sie alles, was Ihr Bruder Ihnen sagt
00:46:55Wenn mein Bruder sagt
00:46:58Pöble den an oder schlage den
00:46:59Dann mache ich das nicht
00:47:02Kleinere Gefälligkeiten schonen
00:47:03Sie Zigaretten holen
00:47:09Ausbilder, Erziehungseinrichtung
00:47:12Also für mich ist der Marcel
00:47:14Ein ganz normaler Jugendlicher
00:47:15Der nach Orientierung gesucht hat
00:47:17Der Marcel kommt zu mir
00:47:19Ich frage ihn
00:47:21Mensch, wie siehst du denn aus?
00:47:22Wo sind denn deine langen Haare?
00:47:24Mensch, lass dir die bloß wieder wachsen
00:47:26Und er ist eine Wette gewesen
00:47:30Also die Glatze, die hat er dann ein paar Tage gehabt
00:47:32Oder eine Woche
00:47:33Aber ich lege auf solche Dinge keinen Wert
00:47:35Ich möchte nicht irgendwie ein Feindbild schaffen
00:47:39Ich lehne es ab, Marcel jetzt als Rechten zu bezeichnen
00:47:41So ist er meiner Meinung nach nie gewesen
00:47:44Leute wie Marcel
00:47:45Die legen doch auf Politik keinen großen Wert
00:47:48Da kann ich nicht einfach sagen, du bist ein Nazi
00:47:51Was der da zu Alice gesagt hat
00:47:53Nigger auf den Scheiterhaufen
00:47:54Die brennen besser wie Dachpappe
00:47:56Also da steht er doch nicht dahinter
00:47:57Das ist doch einfach nur blöd dahergesagt
00:47:59Heute finde ich es toll, rote Schnürsenkel zu tragen
00:48:02Und morgen ziehe ich mir irgendwelche anderen rein
00:48:04Und übermorgen, da finde ich es auf einmal unheimlich toll
00:48:06Mit einer Schlafanzughose rumzurennen
00:48:15Im Stall ging es damit Schlagen weiter
00:48:18Richtung Ausgang zur Jaubegrube hin
00:48:20Forderte ich Marinos dann auf
00:48:22Sich hin zu knien
00:48:23Und in die Bordsteinkante vom Futterdruck zu beißen
00:48:27Das tat dieser zunächst auch
00:48:29Dann hob er seinen Kopf
00:48:31Und wir schlugen alle drei
00:48:32Erneut auf ihn ein
00:48:34Wie kamen Sie auf die Idee
00:48:36Dass er in diese Kante beißen sollte
00:48:39Die Idee war mir plötzlich in den Kopf gekommen
00:48:42Ich habe circa ein halbes Jahr vor der Tat
00:48:44Im Fernsehen einen Film gesehen
00:48:45Es handelt sich hierbei um American History X
00:48:48Darin wird eine gleichartige Szene dargestellt
00:48:51Ein Nazi nimmt einen angeschossenen Neger
00:48:54Bei den Haaren
00:48:55Und legt ihn mit dem Gesicht auf die Bordsteinkante
00:48:57Dann springt er mit voller Wucht
00:48:59Auf den Kopf des Negers
00:49:01Ich forderte Marinos dann auf
00:49:03Erneut in die Kante zu beißen
00:49:05Das tat dieser auch
00:49:07Dann brannten bei mir alle Sicherungen durch
00:49:09Und ich sprang mit beiden Füßen
00:49:11Auf den Kopf von Marinos
00:49:13Zu diesem Zeitpunkt
00:49:14Trug ich meine schwarzen Springerstiefel
00:49:16Mit weißen Schnürsenkeln
00:49:17Größe 43
00:49:18Die stehen jetzt bei mir zu Hause
00:49:20Auf der Bodentreppe
00:49:22Danach war schlagartig Ruhe
00:49:42Der Herr Platzeck, der Ministerpräsident war da
00:49:45Ein paar Tage nachdem sie Marinos gefunden hatten
00:49:50Er hat gesagt
00:49:50Er kann nicht mehr für uns tun
00:49:52Er kann uns nur sein Mitgefühl aussprechen
00:49:57Was nützen uns das Mitgefühl
00:50:00Denken die Leute vielleicht
00:50:01Bloß weil der Platzeck da war
00:50:02Dass wir irgendwie unterstützt worden sind
00:50:05Auf die Besuche
00:50:05Da hätte ich gut verzichten können
00:50:09Es wird so viel Wirbel gemacht
00:50:11So viel Wirbel
00:50:16Und dann wird man noch als Sozialfall hingestellt
00:50:19Ja
00:50:19Es kam ein Schreiben vom Wohnungsamt
00:50:21Wir sind ja jetzt einer weniger bei uns
00:50:23Wir leben auf zu viele Quadratmeter
00:50:25Wir haben kein Anrecht mehr auf die Wohnung
00:50:27Schreiben die
00:50:27Wir sollen uns nach einer anderen umgucken
00:50:32Wir können ja nicht mal die Beerdigung bezahlen
00:50:34Ja
00:50:36Wir können den Grab steinig bezahlen
00:50:39Ist nur ein Deutscher weniger wert wie ein Ausländer
00:50:42Der Platzeck, der legt doch auch Grenze hin
00:50:44Bei den Ausländern ans Mahnmal oder sonst wo hin
00:50:47Warum hatten wir für unseren Jungen nicht mehr übrig gehabt
00:50:50Oder für die ganzen jugendlichen Deutschen
00:50:51Die alle umgebracht werden
00:50:54Da tun sie nichts
00:51:17Was meint ihr, was damals los war hier in Potslow?
00:51:20Vor den 60ern
00:51:23Ja, da war hier eine Gaststätte
00:51:25Hoppla
00:51:27Die ist jetzt zu
00:51:27Hier gegenüber von der Straße da
00:51:30War noch eine Gaststätte
00:51:34Da war mal Kino drin
00:51:35Jeden Sonntag
00:51:37Da kam der Filmvorführer
00:51:39Da konnten wir Kino gucken
00:51:41Für 25 Pfennig Eintritt
00:51:44Jo
00:51:45Sind wir hingegangen
00:51:48Äh, Seehausen?
00:51:50Warnitz
00:51:51Da war Freilichtkino gewesen
00:51:54Da mussten wir gar nichts bezahlen
00:51:56Da haben wir gewartet, bis düster ist
00:51:58Haben wir uns ringgeschlichen
00:52:01Meitanz war gewesen
00:52:02Erntedank wurde gefeiert
00:52:03Auf dem großen Platz
00:52:05Tanz im Saal
00:52:06Richtung Kirche
00:52:07So ein großes weißes Haus
00:52:08Da war früher ein Lebensmittelladen drin
00:52:10Der Henke
00:52:12Der Henke wohnt immer noch da
00:52:14Der Laden, der ist jetzt raus
00:52:16Stückchen die Straße runter
00:52:17War noch ein Lebensmittelladen
00:52:19Der Schlecht
00:52:20Ne, der Sprung
00:52:23Der, der Paul ist schlecht
00:52:24Der hatte eine dritte Gaststätte
00:52:26Hinten bei der LPG
00:52:28Da hatten wir noch
00:52:29Einen Bäcker, hatten wir
00:52:29Einen Fleischer, hatten wir
00:52:30Einen Friseur
00:52:33Der hat immer so einen weißen Anzug angehabt
00:52:35Da hab ich als Kind gedacht
00:52:36Es wäre ein Arzt
00:52:37Hab ich mir nie die Haare schneiden lassen
00:52:40Der alte Herr Wilde
00:52:43Ja, später war da noch eine Sparkasse drin
00:52:45Aber heute alles nichts mehr
00:52:48Von 700 Leuten von der LPG
00:52:50Sind zwei übrig geblieben
00:52:52Die paar Leute, die noch hier sind
00:52:53Die, die können sie wegtreiben
00:52:54Können sie ihr Naturreservat aufmachen
00:52:581994 sind wir nach Potslow gezogen
00:53:01Ja, schwierig
00:53:03Ich bin damit gar nicht klar gekommen
00:53:05Weil zuvor waren wir in Prenzlau
00:53:07Und nun waren wir auf dem Dorf
00:53:10Ich bin nirgendwo hingegangen
00:53:12Ich bin nicht mal in die Kaufhalle gegangen
00:53:14Ich hab auch keine Leute gesehen
00:53:16Ich war praktisch nur hier auf dem Gehöft
00:53:18Ich weiß auch nicht, warum die alle hier so sind
00:53:20Ja, waren ja alle mal fremd hier
00:53:22Die Hälfte sind Umsiedler
00:53:24Nach dem Krieg sind sie gekommen
00:53:26Aus Polen, nicht?
00:53:28Pauman auch, ja?
00:53:30Ostpreußen
00:53:31War ich mit Marco und Marcel auf dem Dorf
00:53:33Wo wir hier keinen kannten
00:53:35Der Marco ist damit gar nicht klar gekommen
00:53:37Der Marcel schon
00:53:39Der Marco nicht
00:53:50Marco Schönfeld
00:54:02Meine
00:54:03Meine Mutter, die hat als Köchin gearbeitet
00:54:11Oft so
00:54:13Samstag, Sonntag
00:54:18Und als
00:54:19Als Kind bin ich viel bei meinem Opa gewesen
00:54:23Bin ich mit auf dem Trecker gesessen
00:54:27Mit dem
00:54:28Konnte ich Pferde stehlen
00:54:34Und wenn ich
00:54:37Wenn ich schlafe, dann soll ich aussehen wie Oma Ami
00:54:40Wie wo der Storm ist
00:54:45Sonst
00:54:47Wiss ich eigentlich nicht viel von früher
00:55:00Gutachter
00:55:03Herr Marco S. ist bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten
00:55:07In der Auskunft des Bundeszentralregisters vom 12.01.2001 finden sich 17 Eintragungen
00:55:14Dabei lag ein Schwerpunkt auf Diebstählen, Fahren ohne Führerschein und Trunkenheit im Straßenverkehr
00:55:20Darüber hinaus sind Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Betrug, Nötigung, Vollrausch und Körperverletzungen aufgeführt
00:55:281999 wird Marco S. nach mehreren Verwarnungen zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt
00:55:34Und am 3. Juli 2002 aus der Haft entlassen
00:55:38Neun Tage vor dem Mord in Potslow
00:55:42Vier Wochen später raubt Herr S. einen Kfz
00:55:45Indem er den Halter gewaltsam aus dem Fahrzeug stößt
00:55:48Mit diesem Kfz fährt er nach Prenzlau
00:55:50Zusammen mit zwei Begleitern trifft er dort zufällig auf den Schwarzafrikaner Neil Duwhite
00:55:56Den er ohne äußerlichen Grund krankenhausreif schlägt
00:56:00Er wird dafür vom Landgericht Neuruppin im Oktober 2002 abermals zu drei Jahren Haft verurteilt
00:56:07Im November 2002 wird er in der Haft mit dem Mordverwurf an Marino Schöberl konfrontiert
00:56:14Er verweigert dazu jede Aussage
00:56:21Also der Marco hat noch nie gelogen, das steht fest
00:56:26Das hat man ihm immer gleich angesehen, wenn der was gemacht hat
00:56:29Das kann ich hundertprozentig sagen, dass der Marco ehrlich war
00:56:32Und noch ist
00:56:34Wir haben ihn zur Gewaltlosigkeit erzogen
00:56:37Bei uns, da hat noch nie einer zurückgeschlagen
00:56:40Und der Marco auch nicht
00:56:43Jedenfalls nicht, wenn er nüchtern ist
00:56:48Der Marco, der ist jetzt jemand, der schlägt zurück im Suff
00:56:52Aber sonst ist das der liebste Mensch
00:56:53Und das sagt er selber
00:56:55Der liebste Mensch
00:56:58Der Marco war auf dem Fahrrad unterwegs
00:57:01Sind ihm so sieben, acht Leute entgegengekommen
00:57:03Haben sie ihn zusammengeschlagen
00:57:05Dann haben die einen toten Aal aus dem See gezogen
00:57:09Haben sie ihn umgebunden
00:57:11Ihn ins Wasser gejagt
00:57:15Dann muss er sich ausziehen
00:57:18Aal wieder ungebunden
00:57:20Ist er nackig vor denen gehockt
00:57:23Muss er sich einen runterholen
00:57:27Und die haben gegrölt und alles
00:57:29Wenn er das nicht gemacht hätte, dann das muss er machen
00:57:33Ja, das war dann die Begrüßung für unseren Marco
00:57:37Willkommen in Potslow
00:57:38Das war 1994
00:57:39Da war der 14
00:57:42Uns gegenüber hat er da überhaupt nichts erzählt
00:57:43Ja, hat da alles in sich reingefressen
00:57:47Wie hat er das erst zwei Jahre später erzählt?
00:57:48Da saßen wir hier in der Küche
00:57:49Und dann hat er gesagt
00:57:51Mensch, Marco
00:57:53Irgendwas hast du doch
00:57:54Dann hat er gesagt
00:57:55Ja, Mutti, aber ich will darüber nicht reden
00:57:57Dann hat er gesagt
00:57:58Mensch, komm
00:58:00Na ja, und dann hat er sich so eingetrunken
00:58:01Und dann ist er damit rausgerückt
00:58:04Dann hat er geweint
00:58:08Und dann hat er gesagt
00:58:09Wieso bist du denn nicht früher gekommen?
00:58:11Hätten wir doch angezeigt
00:58:12Dann hat er ihn auch so in den Arm genommen
00:58:13Aber der Marco ist eben so einer
00:58:16Der lässt sich nicht drücken
00:58:18Ja, der hat sich seine Welt aufgebaut
00:58:19Da lässt er keinen ran
00:58:23Mein Vater, der hat mir das erzählt
00:58:27Kurz bevor er gestorben ist
00:58:29Da haben wir hier gesessen
00:58:29Da hat er mir erzählt
00:58:31Was er mitgemacht hat
00:58:32Als kleiner Junge im Weltkrieg
00:58:34Dass der Russen dann kamen
00:58:36Und rennen ins Haus der Russe
00:58:38Und will meinem Großvater die Uhr abnehmen
00:58:40Der hat gesagt, er rückt mich raus
00:58:44Wollten sie ihm die Uhr mit Gewalt abnehmen
00:58:45Aber er hat sie nicht rausgerückt
00:58:48Und dann wurden sie stranguliert
00:58:50Beide
00:58:50Mein Großvater und meine Großmutter
00:58:53Vor den Augen von meinem Vater
00:58:54Der muss alles mit angesehen haben
00:58:56Schreie gehört und so eine Sachen
00:58:59Kurz vor Ende des Krieges war das
00:59:02Nach dem Krieg
00:59:03Hier alles aufgebaut in Potslow
00:59:05Hof, Wirtschaft
00:59:07Und dann 1960
00:59:08Kam der Enteignung
00:59:11Wurde Vieh rausgeholt aus dem Stall
00:59:13Kühe und Rinder
00:59:14Wurde eine Genossenschaft raus
00:59:16Mussten wir unterschreiben
00:59:17Was an Pferden rausgegangen ist
00:59:19Das hieß jetzt Volkseigentum
00:59:21Das gehört jetzt allen
00:59:23Das war nur eine Umschreibung dafür
00:59:25Dass wir es gar nicht mehr hatten
00:59:26Doch
00:59:27Ein Schwein hatten wir zum Schlachten
00:59:30Das war aber auch alles
00:59:33Was wirst du dich dagegen wehren?
00:59:36Die Wut
00:59:37Die saß drin bei meinem Vater
00:59:39Das ist klar, aber
00:59:40Der hat sich nichts anmerken lassen
00:59:43Nie war es gesagt
00:59:44Mir gegenüber nicht
00:59:45Nie
00:59:54Was passierte nachdem Sie Marinos Schöberl
00:59:56Auf den Kopf gesprungen sind?
00:59:57Mein Bruder schrie dann
00:59:58Scheiße
00:59:59Wir haben einen umgebracht
01:00:00Und er sprach auch davon
01:00:02Dass wir den jetzt verbuddeln müssen
01:00:03Am Ausgang Richtung Jauhgrube hin
01:00:05Befand sich ein
01:00:07Schaufelblatt ohne Stiel
01:00:09Warum haben Sie keinen Arzt
01:00:11Oder die Polizei verständigt?
01:00:12Ich hatte große Angst vor meinem Bruder
01:00:14Und vor dem Sebastian Fink
01:00:15Die beiden hätten mich
01:00:17Windelweich geschlagen
01:00:19Außerdem hatte ich Angst vor Bestrafungen
01:00:21Weil ich mich mitschuldig fühlte
01:00:23Vorhalt
01:00:25Ihre Erklärung erscheint bezüglich
01:00:27Der Verletzungen des Marinos
01:00:28Und anderen Aussagen
01:00:30Unglaubwürdig
01:00:31Möchten Sie Ihre Aussage
01:00:32Diesbezüglich bedenken?
01:00:36Sie haben recht
01:00:39Nachdem ich auf den Kopf
01:00:40Von Marinos gesprungen war
01:00:42Röchelte dieser noch
01:00:43Und war noch leicht bei Bewusstsein
01:00:46Mein Bruder schrie dann aber
01:00:47Dass wir keinen Arzt mehr anrufen könnten
01:00:49Und dass wir den jetzt
01:00:50Endgültig um die Ecke bringen müssen
01:00:53Waren Sie alle drei damit einverstanden?
01:00:56Von meinem Bruder kam die Idee
01:00:58Ich war damit einverstanden
01:01:05Ja, sind wir damals
01:01:06Viel mit den Kindern nach Berlin gefahren
01:01:08Nach Vorderwende
01:01:10Nö, alles mit Zug
01:01:13Tierpark und überall ein bisschen rumgeguckt
01:01:16Der Marco, der war ja immer
01:01:17Für die Tiger und Leoparden
01:01:20Das Geld, das haben wir gehabt
01:01:22Damals zu DDR-Zeiten
01:01:24Ich hab hauptsächlich in der Zimmerei mitgearbeitet
01:01:26Dachstühle gemacht und so eine Sachen
01:01:29Samstag, sonntags
01:01:31Gearbeitet
01:01:33Schwarz sozusagen
01:01:34Da hat in der DDR keiner nachgefragt
01:01:36Hauptsache du warst montags früh
01:01:37Wieder pünktlich auf der Arbeit
01:01:40Insgesamt kam ich auf
01:01:41Sieben Tage
01:01:4264 Stunden die Woche
01:01:44Das ging so bis
01:01:4686, 87
01:01:48Da konnten wir überall hinfahren
01:01:50Der Papa hat gut verdient
01:01:53Die Wochenendearbeit, die hat gut Geld eingebracht
01:01:55Dazu ist Gehalt von der Firma
01:01:57Da hatte ich durchschnittlich
01:01:593000 Ostmark
01:01:59Bar auf die Hand
01:02:00Da konnten wir leben wie Gott in Frankreich
01:02:02Haben wir Urlaub gemacht
01:02:04In Warnitz
01:02:05Betriebsbungalow
01:02:05Bis 10 Kilometer von Potzlo
01:02:08Wir haben viel unternommen für die Kinder damals
01:02:11Sehr viel
01:02:12Wenn die einen Wunsch hatten
01:02:14Dann wurde der erfüllt
01:02:23Gutachter
01:02:25Schule und berufliche Entwicklung
01:02:28Herr Marco S. gibt an
01:02:30Er habe in den ersten drei Klassen immer nur Einser gehabt
01:02:33Seine Lieblingsfächer seien Deutsch, Mathematik und Sport gewesen
01:02:37Er sei erst mit sieben Jahren eingeschult worden
01:02:39Warum, wisse er nicht
01:02:41Er sei auf einer Sprachheilschule gewesen
01:02:43Dabei habe er eigentlich nie einen Sprachfehler gehabt
01:02:47Ab und zu habe er sich mit Mitschülern geprügelt
01:02:49Dann habe es schon mal einen Verweis gegeben
01:02:52Nach der Sprachheilschule
01:02:53Sei er dann auf die Gesamtschule gekommen
01:02:55In der vierten Klasse
01:02:57Dort seien sie über 20 Kinder gewesen
01:02:59Und er sei sofort sitzen geblieben
01:03:02In der fünften, sechsten Klasse dann
01:03:04Habe er die Schule geschmissen
01:03:12Sandra Birke
01:03:13Freundin von Marco
01:03:16Es ist Zeit zu rebellieren
01:03:19Es ist Zeit, um aufzustehen
01:03:21Denn den Missstand in meinem Lande
01:03:24Will ich nicht länger mit ansehen
01:03:26Deshalb steh auf, du deutsches Volk
01:03:30Hast viel schlimmes Leid hinter dich gebracht
01:03:35Ist deine Heimat, dein Land, dein Tod
01:03:39Deutschland braucht dich jetzt in seiner Not
01:03:47Marco saß auf Sessel bei Kumpels
01:03:49Das war Silvester 97 in Teltow
01:03:52Total betrunken schon
01:03:53Hat er sich nur gefreut
01:03:54Ich fand ihn total doof
01:03:56Er nur gegrinst, nur gelacht
01:03:58Der fand alles lustig
01:03:59Und ich habe gedacht
01:03:59Was ist das denn für einer?
01:04:01Ja und dann
01:04:02Ja dann ging es irgendwie los
01:04:04Ich fand
01:04:06Ich fand seine Art so niedlich
01:04:08Der hat gestottert
01:04:10Und dann musstest du nur sagen langsam
01:04:11Und dann war okay
01:04:13Ja und wenn wir so in der Gruppe waren
01:04:16Dann war er eigentlich so der ruhigste
01:04:18Und wenn es mir nicht gut geht
01:04:20Ich weiß auch nicht
01:04:20Aber
01:04:22Dann hat er das gemerkt
01:04:25Dann hat er mich auch in den Arm genommen
01:04:29Der Marco
01:04:30Hat weiche Hände
01:04:34Das hat ja kein Mensch begriffen
01:04:36Er leistet ja mittenmagen
01:04:36Mit dem Kopf durch die Glastür
01:04:38So mitten durch
01:04:39Und dann hat er
01:04:40War so in Rage
01:04:42Dann hat er gedacht
01:04:43Dass wir die Täter sind
01:04:44Dass wir die Bösen sind
01:04:45Dann ist er so auf uns zu
01:04:47Und hat
01:04:48Doch gebrüllt hat er
01:04:49Und die Augen verdreht
01:04:50Und
01:04:51Hat alles zusammengeschlagen
01:04:52In der Veranda
01:04:53Ja
01:04:54Mit der Faust hat er auf die Möbel draufgeschlagen
01:04:56War die Lena abgewesen
01:04:58Ich habe gesagt
01:04:59Das ist doch nicht unser Marco
01:05:02Und
01:05:02Bevor hier was passieren tut
01:05:04Ich rufe die Polizei
01:05:08Nachher ist er dann freiwillig mitgekommen
01:05:11Am nächsten Tag
01:05:12Da hat er nichts mehr gewusst davon
01:05:14Ich habe zu Marco gesagt
01:05:15Mit seiner Glatze
01:05:16Marco
01:05:18Wir mussten früher als Jugendliche
01:05:20Alle KZ-Besuch machen
01:05:21Das war so in der DDR Pflichtprogramm
01:05:24Wir mussten uns angucken in der Schule
01:05:25Nackt unter Wölfen
01:05:26Da ist keiner von den Nazis
01:05:28Mit einer Glatze rumgelaufen
01:05:29Die haben alle einen vernünftigen Haarschnitt gehabt
01:05:31Die einzigen
01:05:32Die mit der Glatze rumgelaufen sind
01:05:34Das waren die Kommunisten
01:05:35Nicht?
01:05:35Und die Juden
01:05:36Die so umgebracht haben
01:05:38Aber was willst du machen?
01:05:40Der hat an seiner Sache festgehalten
01:05:43Und ich sag mal
01:05:44Solange die da oben an den Rädern drehen
01:05:45Da wird sich auch nichts ändern
01:05:47Da werden immer mehr Jugendliche nach rechts rüber gehen
01:05:50Hat doch kaum einer was zu tun von denen
01:05:52Hier in Potsdam
01:05:53Da ist die Hälfte arbeitslos
01:05:54Von den Jugendlichen
01:05:55Da hat kaum einer Arbeit
01:05:57Und unsere Jungs
01:05:58Die braucht auch keiner mehr
01:05:59Wenn sie mal rauskommen
01:06:01Von mir will ich erst gar nicht reden
01:06:04Bin arbeitsunfähig
01:06:05Ich hab 30 Jahre gearbeitet
01:06:08Krieg keinen Cent im Moment
01:06:11Rückenprobleme
01:06:11Bewucherung im Rückenmark
01:06:13Wenn ich auf der Leiter stehe
01:06:14Ich kann gar nichts mehr
01:06:18Wir müssen Kredite abbezahlen
01:06:20Da bleiben uns unterm Strich 130 Euro
01:06:23Mein Mann kriegt einen Brief vom Amt
01:06:25Dass ich zu viel Rente krieg
01:06:2714,53 Euro zu viel
01:06:29Deswegen kriegt mein Mann
01:06:29Keine Unterstützung vom Amt
01:06:31Das ist doch so eine Sauerei
01:06:32Ist das doch
01:06:33Die verarschen einen hier
01:06:37Und man kommt sich richtig gedemütigt vor
01:06:40Früher war ich derjenige
01:06:41Der das Geld nach Haus gebracht hat
01:06:42Wie die Frau da vom Amt angerufen hat
01:06:44Da hat er sich aufgeregt
01:06:45Hat er abends Kreislaufkollaps gehabt
01:06:47Hat er so
01:06:49Auf dem Rücken gelegen
01:06:50Und so zur Decke gestarrt
01:06:51Als wie wenn er eine Leiche gelegen hat
01:06:53Dann hat er ihn so gerüttelt und geschüttelt
01:06:54Und dann ist er auch wieder zu sich gekommen
01:06:56Aber
01:06:58Dann
01:06:58Hab ich gesagt
01:06:59So nun rufe ich einen Arzt
01:07:01Aber man steht dann da wie gelähmt
01:07:03Man kommt nicht mal mehr zum Telefon
01:07:07Da
01:07:08Da komme ich nicht drüber weg
01:07:10Dass man weg ist vom Fenster
01:07:19Sandra Birke
01:07:20Freundin von Marco
01:07:23Der Marco ist 1999 in den Knast gekommen
01:07:25Ich bin dann auch eingefahren
01:07:27Hab irgendeine Eule
01:07:28Ich weiß auch nicht
01:07:30Die war bei uns in der rechten Szene
01:07:31Aber war mit so einem Fitchi verheiratet
01:07:33Ich hab überhaupt nichts mehr kapiert
01:07:34Und dann
01:07:35Ja dann hat es geknallt
01:07:37Ich hatte irgendwie 2,8 Promille
01:07:39Und keine Ahnung was wir mit der Eule gemacht haben
01:07:41Dann wird es ein bisschen doller
01:07:42Dann haben wir irgendwie so ein Nasenbein zerschlagen
01:07:44Ich hab den drei Jahre bekommen
01:07:46Und ich hab mir dann
01:07:47So schnell es ging nach Luca auferlegen lassen
01:07:49Zu Marco
01:07:50Und der hat auch schon gewartet jeden Tag
01:07:52Dann hat er mir Arbeit geben lassen
01:07:54In der Küche
01:07:54Er sich auch
01:07:56Dann ist er gekommen
01:07:58Hat das Essen geholt
01:07:59Hat es auf Station verteilt
01:08:00Und ist mit einem leeren Kübel zurückgekommen
01:08:02Und ich könnte ihn dann so in den Arm nehmen
01:08:04So 20, 25 Minuten war so das Längste
01:08:06Und die anderen haben uns beneidet
01:08:08Du siehst ihn jeden Tag
01:08:11Ja
01:08:13Wir wollten ja eigentlich da
01:08:15Zu Marcos Eltern da unter das Dach ziehen
01:08:17Also der Marco wollte mit seinem Vater
01:08:19Da die Wohnung unter dem Dach renovieren
01:08:21Und seine Mutter
01:08:22Die fand mich ja schon immer toll
01:08:24Also
01:08:25Der Marco ist schon meine große Liebe
01:08:28Also auch nach dem
01:08:29Was da im Stall passiert war
01:08:31Ich hab nie gesagt
01:08:32Dass ich den nicht mehr liebe
01:08:33Oder dass es nicht mehr weiter geht
01:08:36Kinder wollten bei zwei
01:08:38Also ich bin jetzt 26
01:08:39Will jetzt auch mal anfangen
01:08:40Mit 40 will ich dann auch Kinder mehr
01:08:42Und er auch
01:08:43Und wenn es dann klappt mit der Arbeit
01:08:46Und dann
01:08:49Dann wollte er noch seinen Führerschein machen
01:08:52Und ich wollte auch noch meinen Führerschein machen
01:08:54Ja, das sind halt so die Wunschträume
01:08:58Und dann
01:09:01Ich war noch in Lukau einmal
01:09:03Hat mal Sondersprecher
01:09:05Hat er meine Hand genommen
01:09:06Hat er gesagt
01:09:10Sandra, willst du mich heiraten?
01:09:12Einfach so
01:09:13Willst du mir heiraten?
01:09:23Ja
01:09:24Ja
01:09:25Als ich da
01:09:28Da am 3. Juli 2002 aus der Haft entlassen wurde
01:09:35Da hat meine Schwester angerufen
01:09:40Hat sie gesagt
01:09:43Komm nach Bremen
01:09:44Da gibt's Arbeit und alles
01:09:49Ich bin dann nicht nach Bremen gefahren
01:09:51Ich bin dann nach Lukau
01:09:57Zu Sandra
01:09:58Im Knast
01:10:04Wenn ich nach Bremen gefahren werde
01:10:07Dann wäre das im Stall nicht passiert
01:10:29Verhör Marcel Schönfeld
01:10:32Die Vernehmung wurde nochmals um 9 Uhr unterbrochen
01:10:35Um 9.40 Uhr wird sie fortgesetzt
01:10:40Mein Bruder Marco und ich suchten dann nach einem passenden Gegenstand
01:10:43Mit dem wir den Marinus töten können
01:10:46Im Nebenstall fand ich einen Stein
01:10:48Es handelt sich hierbei um einen weißen Gasbetonstein
01:10:51Circa 30 x 30 cm groß
01:10:55Ich nahm diesen Stein und trug ihn zu der Stelle an der Marinus lag
01:10:59Mit beiden Händen hob ich den Stein über meinen Kopf
01:11:03Und warf ihn mit voller Wucht auf den Kopf von Marinus
01:11:06Das tat ich zweimal
01:11:08Mein Bruder fühlte dann an seinem Arm den Puls
01:11:11Und sagte, dass er hin wäre
01:11:14Dann sprach er auch davon, dass wir den jetzt verbuddeln müssen
01:11:17Er holte das Schaufelblatt
01:11:19Und gab es dem Fink
01:11:21Fink fing dann an, bei der Jauchegrube ein Loch zu buddeln
01:11:24Ich half ihm dabei
01:11:26Nachdem es uns tief genug erschien
01:11:29Holten mein Bruder und ich den Marinus
01:11:32Mein Bruder nahm ihn an den Füßen
01:11:34Ich nahm ihn an den Armen
01:11:35Dann warfen wir ihn mit dem Rücken zuerst in das Loch
01:11:39Dann guckten noch seine Füße raus
01:11:42Der Fink zog ihm die Schuhe aus
01:11:44Und warf diese ca. 15 Meter weit in ein Maisfeld
01:11:50An der Stelle, an der Marinus gelegen hatte
01:11:52Befand sich ein großer Blutfleck
01:11:54Und den Gang zur Jauchegrube hin
01:11:58Zog eine Blutspur
01:11:59Diese deckten wir alle drei mit Kies ab
01:12:04Nachdem nichts mehr zu sehen war
01:12:06Fuhren wir auf unseren Fahrrädern nach Hause
01:12:09In der Wohnung sprachen wir dann darüber
01:12:11Was eigentlich passiert war
01:12:13Und wie wir uns verhalten sollten
01:12:14Also wenn die Polizei uns nach dem Aufenthalt von Marinus befragen sollte
01:12:18Dann sollte ich sagen, dass ich nicht wisse, wo er abgeblieben sei
01:12:22Dann haben wir uns schlafen gelegt
01:12:31Naja, wir haben telefoniert
01:12:33Wir haben ja viermal die Woche telefoniert
01:12:36Da wusste ich noch nicht, was sie da im Stall gemacht hatten
01:12:39Und da hat Marco immer gesagt
01:12:41Dass er damit nicht klarkommt
01:12:43Dass ich hier bin und er woanders
01:12:46Das hat er immer wieder gesagt
01:12:49Sandra, ich komme wieder zurück
01:12:50Im Knast
01:12:50Ich komme wieder zurück
01:12:52Dann habe ich gesagt, Mensch, komm
01:12:53Marco, das ist doch jetzt nicht mehr lange
01:12:55Das dauert doch jetzt nicht mehr lange
01:12:56Jetzt komme ich doch im Januar in offenen Vollzug, Mann
01:12:58Und dann komme ich doch auf Urlaub
01:13:00Und dann, Mann, das schaffen wir auch noch
01:13:01Wir haben doch schon so viel geschafft
01:13:03Das ist doch nur noch ein halbes Jahr
01:13:04Mann, das schaffen wir doch jetzt auch noch
01:13:06Dann sagt er
01:13:07Ich schaffe es nicht ohne dich
01:13:09Ich will nicht ohne dich
01:13:10Ich kann nicht ohne dich
01:13:11Es ist alles scheiße ohne dich
01:13:12Ich komme wieder zurück
01:13:20Ich habe drei Jahre gesessen
01:13:24Ich hatte so eine Aggression aufgebaut
01:13:29Die mussten raus
01:13:35Das hätte jeden treffen können
01:13:39Marinos, den kannte ich von vorher
01:13:41Wenn ich gegen den was gehabt hätte
01:13:42Dann hätte ich vorher schon was machen können
01:13:47Ein Jude habe ich auch schon zu viel gesagt
01:13:49Und habe den deswegen auch nicht umgebracht
01:13:54Ich wollte den nicht umbringen
01:13:55Ich habe den auch nicht umgebracht
01:14:01Ich wollte den nur
01:14:06Quälen und ärgern
01:14:08Das ist eben aus der Situation entstanden
01:14:10Und dann macht man das eben
01:14:14Weil es Spaß macht
01:14:15Und weil man auch nicht weiß, was man sonst machen soll
01:14:20Da war auch nichts abgesprochen
01:14:27Ich habe das auch nicht kapiert
01:14:29Wieso mein Bruder da jetzt
01:14:32Den in die Kante beißen lässt
01:14:34Aber ich habe natürlich auch nichts dagegen unternommen
01:14:40Und für mich war das auch ein Schock
01:14:43Wie der Marcel denn da
01:14:46Da draufgesprungen ist
01:14:53Das Bild habe ich heute noch vor Augen
01:14:58Wie denn der da aussah
01:15:03Wie der da so zur Seite gekippt ist
01:15:08Da ist überhaupt nichts mehr erkannt im Gesicht
01:15:24Einen alten Anzug
01:15:27Wenn der nicht mehr passt
01:15:28Den kannst du wegwerfen
01:15:28Aber Kinder sind da, sag ich
01:15:32Egal was kommt
01:15:33Also ich kämpfe bis auf den letzten Tropfen
01:15:37Also wenn der Marcel aus dem Knast rauskommt
01:15:39Dann wollen wir oben die Wohnung fertig haben
01:15:41Also mit Back und allem
01:15:43Ich meine, wir sagen das auch dem Marco
01:15:44Aber denen interessiert das natürlich nicht so im Moment
01:15:47Das ist ja auch verständlich
01:15:49Also das dauert ja auch noch lange
01:15:50Ist ja noch lange bis dahin
01:15:52Und dann so mit richtigem Küchentrakt
01:15:55Also so mit Eherd und Kühlschrank
01:15:58So amerikanisch
01:15:59Wie man das jetzt im Fernsehen sieht
01:16:00Also wo die Küche in der Stube drin ist
01:16:04Und so, ja, Loft heißt das
01:16:08Und dann kann der Marcel da oben
01:16:10Kann er sich zurückziehen
01:16:11Kann er Musik anmachen
01:16:12Und wenn er runterkommen will
01:16:14Kann er runterkommen
01:16:17Na, im Moment routet
01:16:19Weil mit dem Rücken von meinem Mann
01:16:20Und mit meinem Schwindel nach der Operation
01:16:22Da kommen wir da beide gar nicht hoch
01:16:26Und der
01:16:28Marcel schickt uns Geld aus dem Knast
01:16:32Sonst könnten wir gar nicht besuchen gehen
01:16:34Der sagt
01:16:35Mutti, das mache ich doch gerne
01:16:37Der hat 220 Euro
01:16:38Wir haben weniger
01:16:39Obwohl wir im Prinzip mit allem fast ganz unten sind
01:16:44Naja, so
01:16:46So ein bisschen was
01:16:47Was die Waage über Wasser hält
01:16:50Dass man
01:16:52Das Gefühl hat
01:16:53Dass das Leben nicht ganz umsonst ist
01:16:57Weil
01:16:57Ja, sonst wäre es ja wirklich sinnlos
01:17:01Wenn da keiner wäre
01:17:03Für wen
01:17:05Macht man das denn sonst?
01:17:06Für wen sonst?
01:17:10Sehr geehrtes Gericht
01:17:11Sehr geehrte drei Anwälte
01:17:13Im Namen meiner Familie
01:17:15Und von mir als Mutti von Marinus
01:17:16Bitte ich Sie mit diesem Pokerspiel aufzuhören
01:17:20Ich kann das nicht mit ansehen
01:17:22Haben Sie als Anwälte eigentlich ein Gewissen?
01:17:27Denken Sie an die unbeschreibliche Qual
01:17:29Und die Angst und die Schmerzen
01:17:31Die Marinus erleiden musste
01:17:32Er ist das Opfer
01:17:34Nicht diese Bestien
01:17:36Die tun das wieder
01:17:37Das sind tickende Zeitbomben
01:17:40Einmal Mörder, immer Mörder
01:17:43Ich habe Hass
01:17:44Wut und Verachtung für diese Bestien
01:17:46Die verdienen kein anderes Wort
01:17:49Die wussten genau
01:17:50Was sie taten in ihrer Kaltblütigkeit
01:17:53Suchen Sie keine Schlupflöcher
01:17:55Sondern führen Sie sich vor Augen
01:17:57Dass dieser Mord eingeplant war
01:17:59Und dass keine Reue oder Bedauern gezeigt wird
01:18:03Diese Familie Schönfeld
01:18:05Hat eine glückliche Familie zerstört
01:18:08Denken Sie an Marinus' Schwestern
01:18:10Die haben ihn geliebt
01:18:12Ich weiß, wie unsere Töchter leiden
01:18:15Unsere jüngste Tochter
01:18:16Die wird noch lang in Betreuung bleiben müssen
01:18:19Denn der Tag vor Gericht
01:18:20Der war wie am ersten Tag
01:18:23Sie sagte zu mir
01:18:25So muss es in der Hölle sein
01:18:29Und jetzt, verehrtes Gericht
01:18:31Und Sie drei Anwälte
01:18:31Jetzt hören Sie mal genau zu
01:18:34Denn jetzt erzähle ich Ihnen mal was
01:18:35Über unseren Sohn Marinus
01:18:37Der Marinus war ein lieber und netter Junge
01:18:40Er wurde in der Familie
01:18:41Mit dem Spitznamen Blase gerufen
01:18:43Der hatte ein Beschützerinstinkt
01:18:45Unserer Enkelin Maya gegenüber
01:18:48Spielte mit ihr
01:18:49Reparierte ihr Fahrrad
01:18:52Und am meisten vermisse ich ihn
01:18:55Der hat mich oft lachend
01:18:56In den Arm genommen und gesagt
01:18:58Na, meine kleine Mutti
01:18:59Und mich dabei festgedrückt
01:19:02Diese Bestien verdienen keine Gnade
01:19:05Die müssten so umgebracht werden
01:19:07Wie unser Sohn
01:19:10So, jetzt wissen Sie
01:19:12Wie unser Marinus war
01:19:13Fluch den Bestien
01:19:15Denken Sie an die Gerechtigkeit
01:19:19Familie Schöberl
01:19:41Am 24.10.2003
01:19:44Dem Tag der Urteilsverkündung
01:19:45Verstarb Birgit Schöberl
01:19:47An einem Krebs leiden
01:19:48An einem Krebs leiden
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