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Ladies Night Youngstars Mit Negah Amiri 01
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00:12Hello, hi, a wonderful evening and welcome to Ladies Night Young Stars.
00:21We have the best newcomers in the country for you together and brought you here today.
00:28Thank you very much.
00:32Wow, that's nice. I'm very excited.
00:35What a wonderful public.
00:37You look great.
00:39Really, very nice.
00:45I think it's always important to start with a compliment.
00:47I think it's always important to start with a compliment.
00:49Especially in Germany, especially in Germany.
00:51And it's important that it's only in Germany is a compliment.
00:55Can you remember anyone?
00:57Oh, one.
00:59She's also very happy about it.
01:00What did you say, my dear?
01:03That you're intelligent.
01:04That you're intelligent.
01:06From a man?
01:07Yeah.
01:08Wow.
01:09Wow.
01:11Das ist ein Hammer-Kompliment.
01:12Glückwunsch.
01:13Und das wird auch so stimmen.
01:14Mega, mega geil.
01:15Ne, ich frag deshalb, weil ich finde in Deutschland, es ist ein wirklich tolles Land.
01:19Nur wir machen uns nicht so oft Komplimente hier.
01:21Ich finde auch deutschlandweit haben Deutsche leider nicht so einen guten Ruf, was ich echt
01:24nicht gut finde.
01:25Ich finde das wirklich nicht gut, man sagt über uns Deutsche, dass wir so ein bisschen grumpy
01:28sehen und ich zähle mich mittlerweile auch selber als Deutsche.
01:30Ich bin zwar Iranerin, aber ich habe den deutschen Pass.
01:33Ich bin deutsch jetzt.
01:34Ich zähle mich mal einfach ganz frech dazu.
01:40Und es gibt eine Sache, in denen sind wir Deutsche wirklich Weltklasse.
01:43Wirklich Welt-Weltklasse.
01:45Nur Deutsche.
01:46Ah ja, Pünktlichkeit, das stimmt auch, das ist richtig.
01:49Aber eine Sache noch mehr.
01:50Nur wir Deutschen schaffen das, ein Kompliment zu machen und dabei jemanden zutiefst zu beleidigen.
01:55Das ist, das ist deutsch.
01:57Und ich als Iranerin, ich bin ja im Iran groß geworden.
02:00Ich bin im Iran zur Schule gegangen, bin dann nach Deutschland geflohen und ich muss
02:03sagen, ich bin ganz anders sozialisiert worden.
02:05Es war wirklich ganz, ganz anders.
02:06Im Iran bin ich immer mit Komplimente groß geworden.
02:09Das war wirklich der Wahnsinn.
02:11Weil sobald ich nur eine Aufgabe richtig gelöst habe, sind meine Eltern ausgerastet.
02:16Meine Eltern sind total ausgerastet.
02:18Die haben wirklich, ich habe zum Beispiel in der Schule habe ich eins plus eins richtig beantwortet.
02:23Ich so zwei und meine Mutter, wow, meine Tochter ist eine geborene Ärztin.
02:28Die haben Straßen nach mir benannt.
02:30Die haben mich durch die Straßen getragen, auf den Schultern.
02:33Und dann kam ich nach Deutschland.
02:35Ich kam auf eine Hauptschule.
02:36Ich habe kein Wort, die Sprache verstanden.
02:38Und da war der deutsche Lehrer.
02:40Und ich habe eine Aufgabe richtig gelöst.
02:42Zweimal zwei.
02:43Und ich so vier.
02:45Es war richtig.
02:46Aber sagt er, habe ich gut gemacht?
02:47Hat er mir ein Kompliment gemacht?
02:48Nein.
02:48Er sagt nur, schön deutsch.
02:51Huch nega.
02:51Das war gar nicht mal so schlecht.
02:54Gar nicht mal so schlecht ist doch kein Kompliment, oder?
02:56Gar nicht mal so schlecht klingt für mich.
02:58Och eigentlich dachte ich, du bist dumm wie Fladenbrot aber.
03:02Oder wenn es ums Essen geht.
03:05Ich habe für meinen deutschen Freund gekocht.
03:06Ich habe es endlich geschafft.
03:07Ich habe einen deutschen Freund.
03:08Deutschen Pass und deutschen Freund.
03:09Bei mir läuft es richtig.
03:12Und mein deutscher Freund hat mir ein Kompliment gemacht beim Essen kochen.
03:16Ich habe sieben Gänge gekocht.
03:17Weil ich finde es ja auch wichtig, dass wir uns interkulturell kennenlernen.
03:20Ich bin Perserin.
03:20Ich bin dort groß geworden.
03:21Bin irgendwann nach Deutschland geflohen.
03:23Und ich wollte meine Persische Kultur ihm beibringen.
03:26Habe sieben Gänge gekocht.
03:27Habe Gas gegeben.
03:28Wirklich.
03:28Ich bin über mich hinausgewachsen.
03:30Es hat auch noch geschmeckt.
03:31Ich war überrascht.
03:33Wirklich überrascht.
03:34Und ihr müsst euch vorstellen, warum ich nicht mit seinem Kompliment happy war.
03:37Weil bei meiner iranischen Mama.
03:39Ich hatte meiner iranischen Mutter, hätte ich wirklich so ungekochte Nudeln hinlegen können.
03:43Mit Ketchup drauf.
03:44Wird sie hinstellen und meine Mutter wäre so.
03:47Mashallah meine Schatz.
03:49Das sind die knusprigsten Nudeln.
03:52Die ich je in meinem Leben gegessen habe.
03:56Ich würde mein Augenlicht geben, um diese Nudeln nochmal essen zu können.
04:01Wäre aber zutiefst traurig, weil ich diese Nudeln nicht sehen kann.
04:05Das ist mein Anspruch.
04:08Deutscher Mann.
04:08Sieben Gänge Menü.
04:09Ich habe mich extra aufgestylt.
04:11Und da kommt der erste Bissen.
04:13Und wisst ihr, was aus seinem Mund rauskommt?
04:16Hm.
04:17Interessant.
04:19Seit wann schmeckt Essen interessant?
04:23Wisst ihr, was ich interessant finde?
04:24Dass man mit der Zunge den Ellbogen nicht berühren kann.
04:27Das finde ich interessant.
04:28Okay, da hat es einer versucht.
04:31Das ist interessant.
04:32Aber Essen ist doch nicht interessant.
04:33Also habe ich beim nächsten Mal richtig Gas gegeben.
04:36Und dann hat er den ersten Löffel genommen.
04:39Und dann kamen folgende Worte aus seinem Mund.
04:41Wow.
04:42Sehr interessant.
04:46Ja, einer Klatsch.
04:47Dankeschön, mein Freund.
04:54Ich habe wirklich eine ganz tolle Freundin.
04:56Sie heißt Steffi.
04:57Sie ist aber sehr, sehr deutsch.
04:58Muss man sagen.
04:59Sie ist so deutsch, dass sie immer noch nach zehn Jahren Freundschaft hinter jeder Nachricht
05:02so eine liebe Grüße schreibt.
05:04Immer noch.
05:05Sie so, das mache ich doch auch.
05:05Ist doch egal.
05:06Nein.
05:07Wenn ich mich dann aufstyle.
05:08Und es gibt doch dieses eine Kleid, wo man denkt, ey, eine Woche verhungern.
05:12Kein Problem.
05:13Hauptsache ich passe da rein.
05:14Viel zu teuer.
05:15Egal.
05:16Ich gehe minus.
05:16Hauptsache ich kann dieses Kleid tragen.
05:19Ich kam zu meiner deutschen Freundin Steffi mit dem neuen Kleid.
05:23Übertrieben aufgestylt.
05:24Und was sagt sie zu mir?
05:26Wow Neger.
05:27Das ist aber mutig.
05:32Mutig.
05:36Ich so, Steffi, das Kleid ist teuer.
05:39Bitte mach mir ein anderes Kompliment.
05:41Und sie wollte es retten.
05:42Und wisst ihr, was sie dann sagt?
05:43Also du, ich würde es ja nicht tragen.
05:47Aber dir steht es irgendwie.
05:52Ja.
05:57Habt ihr Lust auf die erste Künstlerin?
06:00Sie ist eine großartige Frau.
06:03Sie ist total in den Startlöchern.
06:05Und erobert gerade die deutsche Comedy-Szene.
06:07Ich bin sehr froh, dass sie hier ist.
06:09Extra aus Berlin angereist.
06:10Hier ist für euch Josefa Walter.
06:12Riesenapplaus.
06:24Ja, Mann.
06:28Köln, wie schön.
06:29Wie schön, dass ich bei euch sein darf.
06:31Ich bin Josefa.
06:31Ich mache jetzt seit zwei Jahren Stand-up.
06:34Ich habe vorher mal zwei Jahre am Theater gearbeitet.
06:37Falls damit jemand jetzt nicht so viel anfangen kann,
06:39das ist gar nicht schlimm.
06:39Das ist so ähnlich wie das hier, nur ohne Mikrofon und mit Würde.
06:45Bei Comedy geht es darum, Leute zum Lachen zu bringen.
06:48Beim Theater geht es darum, dass man irgendwie fertig wird mit allem,
06:50bevor jemand stirbt.
06:53Das sind so die Unterschiede.
06:55Und jetzt mache ich viel das hier.
06:56Es macht doch echt Spaß.
06:59Oft.
07:01Wir sind ja unter uns.
07:02Euch kann ich es ja sagen.
07:03Ich war letzte Woche in München.
07:11Naja.
07:15Ich war so in München, ich war so auf der Bühne,
07:16hab da auch so meine Sachen so erzählt und so.
07:18Und plötzlich höre ich, wie so ein Typ einfach dazwischen ruft, ganz laut.
07:21So, hä? Check ich nicht.
07:26Ich stand so auf der Bühne, war so voll verunsichert,
07:28dachte so, hä?
07:29Was ist jetzt los?
07:30Verstehen wir nicht, was ich sage oder was?
07:31Und ich habe mir aber auch gedacht, ey, ich bin Newcomerin,
07:34ich bin neu dabei, man muss sich auch mal Feedback holen von den Leuten,
07:38damit man weiß, wie man sich verbessern kann.
07:40Und ich habe mir gedacht, ich spreche ihn mal an, ich frage einfach mal nach.
07:43Dann habe ich ihn angesprochen und meinte so zu ihm,
07:45Hey, Entschuldigung, sag mal, bist du dumm?
07:58Und dann ist Markus Söder einfach aufgestanden.
08:14Strange.
08:17Ich bin viel unterwegs jetzt für diese Shows und so.
08:21Das heißt, ich muss viel mit der Deutschen Bahn fahren.
08:23Das ist nicht so gut für meine psychische Verfassung.
08:26Es geht leider nicht anders, weil ich fahre extrem beschissen Auto.
08:30Also es ist wirklich schlimm.
08:32Und es ist doppelt blöd, weil erstens ich muss Bahn fahren
08:35und zweitens, ich weiß, es ist das blödeste Klischee auf der ganzen Welt,
08:38dass Frauen nicht Auto fahren können und so.
08:40Und auf die meisten von euch wird das nicht zutreffen,
08:42aber auf mich trifft zu.
08:43Und ich bin die Bitch, die euch alle mit reinzieht, okay?
08:47Meine Art einzupacken ist fucking sexistisch, Alter.
08:51Mein Fahrstil ist ein Argument gegen die Emanzipation.
08:53Ich schwöre euch, ich habe schon Leute im Auto mitgenommen,
08:56die sind als Feministen eigentlich stiegen jetzt Andrew Tate-Fans wieder aus.
09:00Es ist so bitter.
09:02Und ich wäre es so gerne.
09:04Oh mein Gott, ich wäre so gerne so eine Autofrau.
09:06Ich hätte auch voll gerne einen LKW.
09:08Ich fände es richtig sexy.
09:10Ich wäre auch voll gerne so eine Frau, die so eine Schleifmaschine zu Hause hat.
09:13So Parkett mache ich dir.
09:15Mmmmm.
09:16Hot.
09:18Bin ich alles nicht, ne?
09:20Bin ich alles nicht.
09:24Wenigstens kann ich nicht kochen.
09:32Ich erzähle euch noch ein bisschen was von mir privat, wenn ihr Lust habt.
09:38Wenn nicht, dann auch.
09:40Weil was wollt ihr jetzt?
09:42Was wollt ihr jetzt machen?
09:46Ich bin mit meinem Freund jetzt fast fünf Jahre schon zusammen.
09:50Und das heißt, wir haben jetzt so eine Phase erreicht in unserer Beziehung.
09:53Wir sind jetzt ehrlich zueinander.
09:59Und ich hatte vor kurzem ein neues Parfüm.
10:02Und er hat so gerochen und meinte, nee.
10:06Riecht nicht gut, riecht irgendwie nach Keller.
10:11Keine Ahnung.
10:12Keine Ahnung.
10:13War irgendwie so ein Statement.
10:15Er meinte so, nee.
10:15Riecht nicht gut, riecht nach Keller.
10:17Und ich meinte, ja gut.
10:18Dann lass mich doch mal raus.
10:30Österreicher.
10:31Ähm.
10:42Leider Spaß.
10:44Nein, das ist alles super.
10:46So, mein Freund und ich, wir sind voll harmonisch.
10:47Wir streiten auch voll wenig, freu ich mich auch.
10:49Manchmal denke ich, ah, es könnte mal wieder was los sein.
10:51Aber es ist nicht schlimm.
10:52Es ist nicht schlimm.
10:53Ich habe ein neues Hobby.
10:54Ich gucke jetzt einfach anderen Pärchen beim Streiten zu.
10:56Und es ist so schön.
10:58Ich liebe es.
10:58Ich liebe es.
10:59Es ist so schön.
11:00Ich war letztens in der Bar und da war so ein Pärchen.
11:02Und der Typ hatte eine Wasserflasche in der Hand.
11:04Und die Wasserflasche war nass.
11:06Und das fand er nicht gut.
11:07Und dann hat er das seiner Freundin so vorgeworfen.
11:09Meinte so, ey, die Flasche ist nass.
11:10Du hast die offen gelassen.
11:11Und sie meinte, nein.
11:12Ich habe die nicht offen gelassen.
11:13Und dann hat er so die Flasche vor ihr Gesicht gehalten.
11:17Und meinte so, aha.
11:19Und warum kann ich dann jetzt hier den Deckel noch zweimal drehen?
11:31Und ich habe es so gesehen und habe mir so gedacht, alter, das ist so ein Typ, der nervt seit
11:36Tag 1.
11:39Das ist so ein Typ, der hatte früher ein Geodreieck mit Griff.
11:56Aber sie hat das Beste aus der Situation gemacht, was man machen konnte.
11:59Und er steht so vor ihr mit dieser Flasche und ist so, ah, warum kann ich ihn jetzt hier noch
12:03zweimal drehen?
12:04Und sie guckt ihn an und sagt, weil du so stark bist.
12:12Und dann war er so, ja okay, das kann natürlich sein.
12:20Ich bin jetzt 28, ich frage mich manchmal, ob ich langsam alt werde.
12:24Äh, nein, ich bin an sich, ich bin happy so mit meinem Alter.
12:30Ich habe auch so das Gefühl, ich dribble eigentlich das Erwachsenen-Game so ganz gut und so.
12:33Außer bei so Bürokratie-Sachen.
12:35Ich check Deutschland nicht, man.
12:37Ich kann nicht.
12:37Ich verstehe Deutschland.
12:38Ich bin vor kurzem, ich bin vor kurzem umgezogen.
12:40Und ich wollte das so melden, ja, bei meiner Krankenkasse, also meine Adresse da ändern.
12:45Und dann habe ich da angerufen und meinte so, hallo, ich würde gerne meine Adresse ändern.
12:48Und dann meinte der Typ, das geht nur online.
12:51Dann habe ich gesagt, ja, aber ich habe da das Passwort nicht mehr und so, tut mir leid.
12:54Und dann hat er gesagt, dann brauchen Sie wohl ein neues Passwort.
12:56Und dann habe ich gesagt, ja.
13:01Und dann hat er gesagt, das kommt dann per Post.
13:16Und dann habe ich gesagt, ja, aber da, also, da wohne ich ja nicht mehr.
13:24Deswegen wollte ich ja meine Adresse ändern.
13:28Und dann hat er gesagt, das geht nur online.
13:34Und dann habe ich geweint.
13:38Und dann bin ich einfach so ein bisschen sauer geworden am Telefon.
13:40Habe ihn so ein bisschen angekackt, was es soll mit seinem scheiß Passwort per Post und so.
13:44Und dann meinte er, ja, entspannen Sie sich mal.
13:45Sie hatten halt irgendwann mal, bevor Sie umgezogen sind, ein neues Passwort beantragen müssen.
13:50Und dann habe ich gesagt, ja, aber bevor ich umgezogen bin, wollte ich denn nicht meine Adresse ändern.
14:11Und dann haben wir beide geweint.
14:16Seitdem sind wir zusammen.
14:17Es ist herrlich.
14:19Vielen, vielen Dank, Köln.
14:20Das war meine Zeit.
14:21Hat mir sehr viel Spaß gemacht.
14:22Vielen Dank.
14:24Riesen Applaus, Josefa Malta.
14:27Wow.
14:34Was für eine Stimmung heute Abend bei der Ladies Night.
14:37Schön.
14:38Ach, ich finde es doch, ich mache ja seit einigen Jahren jetzt Comedy.
14:42Und als Comedian in der Öffentlichkeit kriege ich auch mal ab und zu Kommentare.
14:46Und manchmal sind die nicht so nett, weil ich ja viel diese interkulturelle Witze mache.
14:49Da schreiben auch einige, ja, wenn du Deutschland doch so blöd findest, dann geh doch zurück nach Hause.
14:53Wo ich mir denke, da hat doch jemand meine Witze gar nicht verstanden.
14:56Es geht darum, vor allem wenn ich über das Anderssein Witze mache.
15:01Und wir sind anders.
15:02Ich als Iranerin bin anders groß geworden als Perserin.
15:05Deutschsein ist nochmal anders.
15:07Aber ich finde, wir müssen anfangen, genau dieses Anderssein.
15:10Nicht als Schwäche zu sehen, sondern als Stärke.
15:12Und indem wir anfangen, mit Humor darauf zu reagieren, statt Angst zu schüren,
15:16dann zeigen wir der Welt, Leute, wir sind auf dem richtigen Weg.
15:19Denn Anderssein ist keine Schwäche.
15:33Und ich bin der wahre Beweis, ich liebe Deutschland über alles.
15:35Ich war schon als kleines Mädchen der größte Deutschland-Fan aller Zeiten.
15:39Ich habe im Iran mit heimischen Satelliten, gab es im Iran, habe ich super RTL geschaut, rauf und runter.
15:45Aber vor einer Sache hatte ich immer Angst, ihr Lieben.
15:47Das war die deutsche Sprache.
15:50Weil wir Iraner, wir haben eine sehr melodische Sprache, wir ziehen alles in die Länge.
15:55Und Deutsch hat für mich so hart geklungen.
15:58Selbst so Kinderserien waren für mich ein bisschen beängstigend.
16:00So Chip und Chip, die Ritter des Rechts.
16:05Ich hatte Angst.
16:06Und dann kamen wir wirklich nach Deutschland.
16:08Wir kamen her und alles war anders.
16:10Es fängt ja schon an mit einer Begrüßung.
16:12Ihr Deutschen seid da so schön kurz gefasst.
16:15Hallo.
16:17Fertig.
16:19Ich als Iranerin brauche zwei Stunden allein bei der Begrüßung.
16:22Wie heißen Sie junger Mann?
16:25Ralf.
16:26Ralf.
16:26Eine Begrüßung mit mir und Ralf würde so ablaufen.
16:28Und ich würde sagen, hallo, salam chub hastin, chetori, mamonetun chub, babotun chub hastan, hame chub hastan.
16:34Ror bonetun beram.
16:36Ins deutsche übersetzt heißt das, wie geht's dir, wie geht's deiner Mutter, wie geht's dein Vater, wie geht's den Baum
16:39vor deiner Haustür.
16:53Am Ende der Begrüßung gibt es einen Satz, das ist wirklich kein Scherz.
16:56Wir sagen das wirklich, das heißt Ror bonetun beram und bedeutet ins deutsche übersetzt, ich opfere mich für sie.
17:03Ich dummkopf hab das genauso in Deutschland übernommen.
17:06Bin zum Ralf.
17:07Ich so, hallo, Herr Ralf, wie geht's Ihnen, wie geht's Ihrer Mutter, wie geht's dem Baum vor ihrer Haustür.
17:11Ich opfere mich für sie.
17:13Der so, das ist eine Selbstmordattentäterin.
17:23Als ich dann auch ankam und versucht habe, die deutsche Sprache zu verstehen und umzusetzen, wow.
17:28Es fängt ja schon bei so Begriffe, so ganz simple Begriffe wie Straßenbahn.
17:32Das hat für mich in meinem Kopf hart geklungen.
17:35Weil im Iran, wir stretchen immer die Worte so ein bisschen, ne, wir hängen da noch ein E und I
17:39und alles Mögliche dran.
17:41Straßenbahn mit iranischem Dialekt ist, ey, steht das im Boot.
17:46Klingt doch so nach Tanzen, oder? Man kriegt Lust zu tanzen.
17:50Und dann hab ich so, ich hab, ich kam neu an und ich wollte zur Ausländerbehörde und hab dann nen
17:55Mann gefragt.
17:56Ich so, hallo, Herr Ralf, wie, wie komm ich zur Ausländerbehörde?
18:01Und Adresse erklären, Iran. Ganz anders als bei Deutschen.
18:06Weil der deutsche Ralf wäre dann so, ja, schön, dass Sie fragen.
18:10Sie gehen geradeaus bis zum Kreisverkehr durch und dann kommt die Straßenbahn, da steigen Sie ein und fallen bis zur
18:17Endhaltestelle durch.
18:20Für mich hat's geklungen wie, Sie gehen geradeaus zum Kreisverkehr, steigen in die Straßenbahn und fahren in Ihre Hämmer zurück.
18:28In meinem Kopf, aber dabei ist das einfach unterschiedliche Sprache.
18:32Wenn du meine iranische Mutter nach der Adresse gefragt hättest, wäre die erst mal so.
18:38Sie haben die wunderschönste Schule, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe.
18:44Die würde erst mal mit einem Kompliment anfangen.
18:46Sie gehen geradeaus bis zum Kreisverkehr, dann steigen Sie in die echte Rosenbahn, dann reden Sie mit den netten Frauen
18:55und gehen nochmal Kaffee trinken.
18:58Und dann steigen Sie aus und gehen erstmal tanzen.
19:05Wow, anders.
19:11Und ich habe einen Trauma. Ich habe ja auch einen Nebenjob.
19:15Seitdem ich klein bin, seitdem ich in Deutschland bin, habe ich einen unbezahlten Nebenjob.
19:18Ich bin die Sekretärin meiner Mutter.
19:20So geht es uns Ausländer.
19:21Wir müssen alles übersetzen für die Familie.
19:23Und meine Mutter hat gesagt, let's start big.
19:26Lass uns groß anfangen.
19:27Wir gehen direkt zur Ausländerbehörde.
19:28Bitte schön.
19:30Und ich stehe da mit Schnurrbart in dieser Ausländerbehörde.
19:33Ich verstehe die Welt nicht.
19:35Ich bin müde von dieser Flucht.
19:36Und ich komme dann da rein.
19:39Und dann die Begriffe.
19:40Und es gibt so eine heimliche Behörde in Deutschland, die denkt, lass mal Ausländer verscheuchen.
19:45Und lass uns das so kompliziert wie möglich machen.
19:48Weil ihr habt euch gedacht, lass uns so viele Worte wie möglich in einem Wort packen.
19:54Beispiel.
19:58Integrationskurs Teilnahmebescheinigung.
20:01Ich bin der Meinung, wenn du als Ausländerin dieses Wort nur aussprechen kannst,
20:05bist du voll integriert in Deutschland und brauchst gar nichts mehr.
20:16Applaus
20:22Familiennachzugsantragsformular.
20:24Ich habe keinen Bock mehr gehabt.
20:26Und dann habe ich alles gelernt.
20:27Ich habe mich angepasst in Deutschland.
20:28Ich konnte jedes Wort, alles was ihr wollt, habe ich gelesen und gemacht und übersetzt.
20:32Und dann habe ich gemerkt, wie einfach die deutsche Sprache auch sein kann.
20:36Irgendwann habt ihr keine Lust mehr gehabt.
20:37Ihr habt gedacht, ey, strengt mich alles ein bisschen an.
20:40Lass einfach immer überall ein Zeug dranhängen.
20:43Alles was fährt, wie nennen wir das ganz kreativ?
20:46Fahrzeug.
20:50Alles was fliegt da oben, können wir nennen?
20:52Flugzeug.
20:53Womit man Feuer macht?
20:54Feuerzeug.
20:55Womit die Kinder spielen?
20:56Spielzeug.
20:59So einfach könnt ihr Deutsche denken?
21:02Macht das doch bei uns Ausländer in der Ausländerbehörde.
21:05Beim nächsten Mal, wenn ich hinkomme, will ich sehen.
21:06Ach, herzlich willkommen Frau Amiri.
21:08Hier ist dieses Ausländer-Zeug.
21:18Ihr habt Lust auf die nächste Künstlerin, oder?
21:20Das höre ich doch raus.
21:21Yes, dann hole ich sie auf die Bühne.
21:23Sie ist großartig aus Unterfranken.
21:25Hier ist für euch Lena Loster.
21:39Danke schön, ich freue mich sehr hier zu sein.
21:42Hi, mein Name ist Lena und ich bin jetzt in einem Alter, da haben alle anderen Kinder
21:46und das ist ein echtes Problem.
21:48Also für die anderen, nicht für mich.
21:52Obwohl das ab und zu schon auch ein paar Probleme für mich mit sich bringt.
21:55Zum Beispiel bekomme ich jedes Jahr zu Weihnachten von Freunden einen Fotokalender
22:00von ihren Kindern geschenkt.
22:08Ja und da frag ich mich persönlich natürlich, was soll der Scheiß?
22:13Weil ganz ehrlich, ist es mein Kind?
22:15Nein.
22:17Interessiert es mich?
22:18Leider überhaupt gar nicht.
22:20Will ich mir den in meine Wohnung hänge?
22:22Nein, ich habe echt eine geile Wohnung, es verschandelt ja alles.
22:25Das sind auch so Leute, die mir das schenken, die haben früher zu mir gesagt,
22:28weißt du Lena, ich fand Kinder nie toll.
22:30Aber wenn du mal eigene hast, dann liebst du die schon.
22:32Doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch, doch.
22:35Aber ich finde Kinder immer noch total lästig.
22:39Und die schenken mir einen Fotokalender von ihren Kindern.
22:42Jetzt habe ich letztes Jahr zu Weihnachten einen Fotokalender von mir verschenkt.
22:49Ich im Wäschekorb.
22:56Ich als Tomate verkleidet an Fasching.
23:01Bei der Ostereiersuche.
23:04Auf dem Töpfchen.
23:08Und natürlich der Klassiker.
23:10Nackt in der Badewanne.
23:21Mitm Papa.
23:27Ja, das kam sehr gut an.
23:30Und ich komme jetzt auch immer quartalsweise unvorangemeldet vorbei und kontrolliere, ob es wirklich aufgehängt wurde.
23:37Weil das ist mir persönlich besonders wichtig.
23:42Ich habe letztens meine Vulva zeichnen lassen.
23:44Das ist jetzt ein ganz anderes Thema.
23:50Also ich habe meine Vulva zeichnen lassen.
23:51Das kann man bei Etsy machen, wenn da jemand Interesse hat.
23:53Da gibt es tolle Anbieterinnen.
23:55Ich kann das empfehlen, ja.
23:57Ich habe da ein bisschen recherchiert und dann habe ich eine gefunden, die hat das ein bisschen abstrakt gemacht.
24:01Das hat mir sehr gut gefallen.
24:02Habe ich sie angeschrieben und dann hat sie gesagt, ja, super, du machst jetzt ein Foto von deiner Vulva.
24:07Dann lässt du das entwickeln, schickst mir das.
24:09Dann mache ich dir eine ganz tolle Zeichnung.
24:11Dann habe ich mich ein bisschen zu doll reingesteigert, gell.
24:14Weil ich wollte ja schon, dass es ein gutes Foto wird, ne.
24:17Also habe ich erst mal Ringlicht bestellt.
24:20Dann habe ich sie ohne alles vorbereitet.
24:22Habe ich ein bisschen Wellness gemacht.
24:23Habe ich eine kleine Maske aufgetragen.
24:27Und am Schluss zur Glättung.
24:29Ihr kennt alle diese Augenpads.
24:30Also, die passe perfekt, gell.
24:37Dann habe ich das Foto entwickeln lassen und es war echt ein richtig gutes Foto.
24:40Also ich war richtig stolz.
24:42Ich habe ein bisschen angeblich, ich habe es jedem gezeigt.
24:43Ich so, gucke mal, gucke mal.
24:57Dann habe ich das in eine Briefkaste geschmissen.
25:00Und dann fing mein Kopfkino an, ne.
25:01Dann dachte ich mir so, boah, fuck.
25:02Was, wenn ich auf einen Betrüger reingefallen bin.
25:05Ja, ein Vulva-Fotosammler.
25:08Daheim, die ganze Wand voll mit Vulven.
25:14Dann hat die sich auch nicht zurückgemeldet.
25:17Dann habe ich ihr geschrieben.
25:18Ich so, Entschuldigung, kam es an?
25:19Und sie so, nein.
25:20Ich so, was?
25:22Dann haben wir nochmal alles verglichen.
25:24Dann hatte ich einen kleinen Zahlendreher in der Hausnummer.
25:2649 statt 94.
25:28Dann fing mein Kopfkino wieder an.
25:31Dann dachte ich so, boah, wer hat denn das aufgemacht?
25:34Vielleicht so eine Oma.
25:35Ah!
25:38Und ein kleiner Junge.
25:40Mama, du ist ein Brief.
25:42Ja, mach doch mal auf.
25:43Was ist denn drin?
25:45Äh.
25:46Also ich bin mir ganz unsicher.
25:50Aber ich glaube, das habe ich schon mal beim Baba auf dem Handy gesehen.
26:01Ja, Leute, das müsst ihr euch mal vorstellen.
26:03Ich habe quasi einfach ein Dick-Pic verschickt.
26:06Ein weibliches Dick-Pic.
26:07Also ein Klit-Pic.
26:11Mit der Post.
26:13Aus Versehen.
26:15Erst dachte ich, vielleicht eine Art feministischer Akt.
26:17Aber dann dachte ich, nee, einfach nur peinlich.
26:22Also Thema Dick-Pic ist ja allgegenwärtig.
26:25Es wird ständig drüber gesprochen.
26:26Ich fühle mich bei dem Thema einfach nicht abgeholt,
26:28weil ich habe noch nie eins bekommen.
26:31Ja.
26:32Und ich als Erwachsene von unserer Gesellschaft sozialisierten Frau
26:36frage mich natürlich, was stimmt denn nicht mit mir?
26:41Ich habe sogar schon beim Support von Tinder und Instagram angerufen
26:44und gefragt, ob ich meine Posteingänge, was nicht stimmt.
26:48Alles einwandfrei.
26:50Aber jetzt mal wirklich, ne?
26:51Es kann doch nicht sein, dass Millionen von Frauen ständig so Geschenk bekomme.
26:57Das ist übrigens fast so ein gutes Geschenk, wie wenn dein Kater dir einen tode Spatz aufs Kopfkisse legt.
27:06Weil das ist ja auch ein Mix aus Angeberei, Zuneigung und dem inneren Verlangen, seine Jagdfähigkeit zu präsentieren.
27:12Denkt da mal drüber nach.
27:14Genau.
27:15Aber jetzt mal ohne Quatsch, ne?
27:16Sexuelle Belästigung ist scheiße.
27:18Und wer seine Nudeln fotografiert und ungefragt an Frauen verschickt,
27:20der hat ja eindeutig als Kind ein bisschen zu nah an der Wand geschaukelt.
27:23Das ist ja keine Frage.
27:40Aber das ist ein bisschen so wie der Geburtstag von einer Bekannten, die man nicht so gern mag.
27:44Man will nicht hin, aber man will zumindest gefragt werden.
27:50Und dann dachte ich mir, so ein Dick-Pic-Fotokalender, das wär doch ein Ding, oder?
27:56Ästhetisch bisschen schwierig, aber witzig wär's.
27:59Ich meine, jetzt stellt euch das mal vor, so ein kleiner Penis als Tomate verkleidet an Fasching.
28:04Und mit diesem Bild lass ich euch allein. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank.
28:21Wir sind ja heute so unter uns und Comedy ist ja auch so ein bisschen Therapie.
28:24Und es gibt wirklich so Zeiten in meinem Leben, da hatte ich echt so komische Gedanken, so kranke Fantasien, wirklich
28:29dunkle Gedanken.
28:30Es gab Zeiten, da wollte ich mal ein Mann sein.
28:34Ja, im Stehen, Pinkeln, Bart rasieren.
28:37Okay, das mach ich als Frau heute auch, aber ich wollte das alles.
28:41Nein, ich finde, wobei, ich bin voll froh, eine Frau zu sein.
28:45Nee, ich bin wirklich froh, eine Frau zu sein. Wir haben echt viele, viele Superkräfte.
28:49Ja.
28:56Vor allem hab ich eine neue Superkraft entdeckt, seitdem ich einen Partner habe.
28:58Seitdem ich einen Freund habe, hab ich gemerkt.
29:01Sobald ich mit meinem Freund an einem Ort bin, wo Männer denken, die Frau hat doch eh keine Ahnung,
29:06gucken die mich nicht an.
29:08Habt ihr das schon mal gehabt? Irgendwie so ein Möbelhaus?
29:11Oder so ein Autohaus, wo ihr plötzlich so ignoriert werdet?
29:13Als wärt ihr unsichtbar?
29:15Wo ich mir denke, wie krass, das ist doch eine Superkraft.
29:18Weißt du, Harry Potter hat dafür einen Umhang gebraucht.
29:20Doch wir schaffen das einfach so mit einem Mann mit einem Polo hinten Penis.
29:26Und ich hab mir gedacht so, ich muss doch irgendwie aufwandern.
29:28Und ich bin ja froh, dass wir Frau Brüste haben, sonst würden uns Männer manchmal gar nicht mehr angucken.
29:32Problem ist, ich hab keine.
29:35Ja, also musste ich einen anderen Weg finden, damit mich die Männer in Betrieben, wo man denkt, nur die Männer
29:40haben davon Ahnung, anschauen.
29:41Und diesen Trick kann ich jede Frau empfehlen, die dasselbe fühlt wie ich.
29:44Ich hab einfach jedes Mal, wenn ich mit meinem Freund unterwegs bin, so ein Buch dabei, wo ganz groß drauf
29:50steht.
29:50Was tun bei Sexsucht?
29:55Alle gucken.
30:00Und falls es noch Frauen gibt, die dasselbe spüren, ich hab noch einen anderen Trick und das würde ich auch
30:04ab jetzt einfach immer wieder machen.
30:05Ich geh einfach zu einem Juwelier mit meinem Freund, da fängt der Mann an nur mit meinem Freund zu reden
30:09und die unterhalten sich ganz wild.
30:10Ich werd ignoriert, kein Problem. Fangt doch einfach an, Schmuck zu klauen.
30:15Hier, ich hab angefangen, ich hab erstmal so einen Ring geschluckt, einen Ring geklaut.
30:20Ist doch kein Problem.
30:21Und wenn der Mann sagt, was machen Sie denn hier? Sag ich, ich bin dumm, bitte reden Sie mit meinem
30:24Mann.
30:34Genau auf dieser Ebene können wir weitermachen und ich hol die nächste Künstlerin.
30:38Und sie kommt aus Barcelona angereist.
30:42Extra für uns hier zu Ladies Night Young Stars.
30:45Hier ist für euch die großartige Irina Pritschotko.
30:57Hallo Köln, hallo.
30:59Hallo Köln, hallo.
31:01Hallo Köln, hallo.
31:02Hallo Köln, hallo.
31:03Hallo Köln, hallo.
31:04Ich heiße Irina und Deutsch ist eigentlich nicht meine Muttersprache.
31:08Ich habe Deutsch in der Schule gelernt und zwar in der Schule mit erweitertem Deutschunterricht.
31:14Und der Unterricht war so erweitert, dass ich jetzt Bier zum Mittag trinke.
31:20Aber mir fehlt leider die moderne Umgangssprache.
31:23Ich habe ja Deutsch aus alten klassischen Büchern gelernt.
31:27Man hat mir vor kurzem was Umgangssprachliches gesagt.
31:30Irina, dein T-Shirt ist der Hammer, Alter.
31:33Und ich wusste nicht, was zu antworten.
31:36Hammer, Alter, was bedeutet das?
31:37Ich habe das nicht gelernt.
31:38Und ich bin einfach so hängen geblieben.
31:41Und plötzlich dachte ich, ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin.
31:49Ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn.
31:53Die Luft ist kühl und es dunkelt und ruhig fließt da rein.
31:56Der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein.
32:00Lorelei, Heinrich Heine.
32:09Und ich würde jetzt sagen, das Gedicht ist der Hammer, Alter.
32:16Noch kleine Infos über meine Herkunft.
32:18Ich wurde in Belarus geboren.
32:21Mein erstes Wort war Inflation.
32:25Und wenn ich hier in Deutschland sage, dass ich aus Belarus komme,
32:29einige denken, Belarus ist also Russland.
32:33Aber das ist nicht so.
32:34Ich sage immer, nein, Belarus ist ganz, ganz, ganz andere Diktatur.
32:42Unser hat Schnauze und es läuft halt ein bisschen anders.
32:45Ich finde das ganz schlimm, wenn eine Person 30 Jahre lang ein Land regiert.
32:51Aber mein Mann findet das sogar gut für mich.
32:53Er hat mir gesagt, Irina, ich habe dich doch deswegen geheiratet.
32:56Du bist gut in langfristigen Beziehungen.
33:01Wir sind wohnhaft mit meinem Mann in Barcelona.
33:04Das ist eine wunderbare Stadt.
33:06Wunderschöne Stadt.
33:07Aber bitte nicht beneiden.
33:09Nicht beneiden.
33:09Ihr wisst ja Bescheid.
33:10Je länger wohnt man am Meer, desto weniger geht man schwimmen.
33:14Und dasselbe passiert mit Sex in der Ehe.
33:17Je länger ist man verheiratet, desto weniger macht man Sex.
33:21Also wir sind verheiratet und wohnen am Meer.
33:25Es wird weder gefickt noch geschwommen, Leute.
33:37Ich reise gerne und ich war letztens in Berlin und ich habe im Travel Guide geguckt,
33:42was man Interessantes in Berlin erleben kann.
33:44Und es stand geschrieben, besuchen Sie den Reichstag und probieren Sie den Döner aus dem besten Berliner Dönerladen.
33:51Und ich gucke auf Google Maps und da steht für den Reichstag Bewertung 4,5
33:57und für den Dönerladen 4,9.
34:00Also Döner ist besser.
34:03Vielleicht weil man im Reichstag sowie im Dönerladen beobachten kann, wie man arbeitet.
34:08Aber nur im Dönerladen sieht man endlich das Ergebnis dieser Arbeit.
34:18Also ich habe mich für den Döner entschieden und ich bin dorthin gefahren
34:23und es gab so eine riesengroße Schlange von Menschen vor dem Dönerladen.
34:27Vielleicht 50 Personen und alle waren so gespannt auf den Döner.
34:31So gespannt, als ob es eine Schlange im Techno-Club wäre.
34:37Nach einer Stunde Wartezeit habe ich meinen Döner bekommen und der war so riesengroß,
34:42ich konnte ihn kaum bis zum Ende essen und der hat mich zerfetzt wirklich.
34:46Und ich konnte danach die ganze Nacht nicht einschlafen.
34:49Ich habe mir Gedanken gemacht über den Döner und über die Dönerläden
34:53und über dieses Phänomen also Dönerläden in Deutschland.
34:57Und es fiel mir ein, es gibt etwas Religiöses in Dönerläden, weil Dönerladen ist ja immer für dich da.
35:06Wenn alles im Leben schief geht, wenn du schon keine Hoffnung hast und du spazierst alleine mitten in der Nacht,
35:14aber dann siehst du plötzlich das Licht am Ende der Straße und das ist der Dönerladen.
35:29Leute, und jeder darf rein, egal ob Mann oder Frau, ob arm oder reich, ob jung oder alt,
35:36weil wir sind alle gleich vor dem Döner.
35:41Eigentlich selbst der Dönerladen ist ein bisschen ähnlich an der Kirche.
35:45Da gibt es diesen Altar aus Fleisch, die heiligen drei Soßen und wie in der Kirche,
35:54man geht so durchschnittlich einmal die Woche vorbei, durchschnittlich am Sonntag.
36:02Naja, was den Döner angeht, ich habe mir gedacht, wenn es so eine Religion geben würde,
36:07ich würde an die glauben, weil Döner habe ich gesehen.
36:19Eigentlich, ich liebe es zu Hause zu kochen und insbesondere, ich liebe es für meinen Mann zu kochen,
36:26weil wenn ich für ihn koche, ich fühle eine unendliche Macht über ihn.
36:33Wenn mein Mann isst das, was ich gekocht habe, ich denke, wenn nicht ich, du würdest sterben.
36:40Und gleichzeitig kann ich dich so füttern, dass du stirbst.
36:43Ich habe die totale Kontrolle über deinen Körper.
36:47Aber natürlich, ich probiere Kalorien-Balanz auszuhalten.
36:52Also ich ernähre meinen Mann so, er ist immer noch attraktiv für mich, aber nicht mehr für andere Frauen.
37:01Danke, Köln! Danke!
37:03Riesen Applaus für Irina!
37:05Riesen Applaus für Irina!
37:06Riesen Applaus für Irina!
37:13Wer von euch guckt Bares für Rares?
37:15Ich liebe Bares für Rares, wirklich.
37:17Wenn du mich fragst, wie ich es geschafft habe, mich in Deutschland zu integrieren, Bares für Rares.
37:23Da verstehst du die deutsche Kultur richtig, wirklich.
37:26Eine Sache habe ich verstanden, verhandeln ist nicht Säuerding.
37:30Ihr kommt da rein mit einer tiefen Entspanntheit, das würde bei uns Ausländern gar nicht funktionieren.
37:37Einmal stand eine deutsche Dame da mit einem Teller.
37:40Es war für den französischen König gemacht, wirklich kein Scherz, ist nicht gelogen.
37:44Für den französischen König, das war ein Kunstwerk drauf.
37:47Du dachtest dir, wow, was ist das, das ist da so wundervoll aus.
37:50Und dann fragt die Expertin, was sie sich denn vorstelle.
37:53Und sie war, ach, mit 80 Euro wäre ich schon glücklich.
37:57Mit 80 Euro wäre sie glücklich.
37:59Der Teller hat 30.000 Euro gekostet.
38:02Sie hat 29.000 Euro dafür bekommen und steht da und sagt, einfach gefühlslos,
38:08huch, da sage ich jetzt nicht nein.
38:13Wow.
38:17Bares für Rares mit meiner Familie würde nicht funktionieren.
38:20Weil mein Vater würde erstmal bei Bares für Rares reinkommen mit Sperrmüll von Ikea.
38:25Wird sagen, sehr schöner Sperrmüll habe ich gefunden und ich habe ein bisschen recherchiert.
38:30Der wird den Experten gar nicht ausreden lassen.
38:33Er ist selber der Experte mit seiner erfundene Geschichte.
38:37Warte, schon mal auf einem marokkanischen Bazar.
38:40Genauso wie bei uns Iraner ist genau dasselbe.
38:42Dauert stundenlang.
38:43Mein Vater würde sich hinstellen, dieses Gerät, der Gerät ist wirklich ganz toll.
38:50Er ist seit sieben Generationen bei mir.
38:52Gehört eigentlich zu dem iranischen König.
38:55Ist Cousin von mir.
39:00Und dann würde das so lange gehen, dieses Verhandeln würde stundenlang gehen, stundenlang.
39:04Der würde auch allein anfangen zu reden, der würde komplett abschweifen.
39:07Und irgendwann wären die von Bares für Rares, bitte Herr Amiri, ich biete Ihnen, was Sie wollen.
39:11Gehen Sie einfach nur raus, bitte.
39:13Und dann würde der rauskommen und sagen, hast du gesehen, Schatz, habe ich verkauft wie eine Gott.
39:19Habe aber leider Hausverbot bei Bares für Rares, aber ist doch egal.
39:26Kommt, ihr wollt auf die nächste Küsslerin.
39:32Sie ist großartig, kommt aus dem wunderschönen Rheingau.
39:35Und hier ist für euch Theresa Jung.
39:48Hallo, ich bin Theresa und wie ihr sehen könnt, trage ich heute rot.
39:52Und einen Lippenstift.
39:54Und das mache ich jeden Tag, seit ich Mutter von Zwillingen geworden bin.
39:58Weil es mich wirken lässt, als ob ich mein Leben noch unter Kontrolle habe.
40:09Haben wir heute Vegetarier hier? Macht mal laut, wenn ihr Vegetarier seid.
40:14Okay, wow.
40:16Ja, ich bin auch Vegetarier und zwar seit 26 Jahren.
40:20Also sehr committed, aber ich erziehe meine Kinder nicht vegetarisch.
40:25Einfach, weil ich es super, super wichtig finde, immer was gegen sie in der Hand zu haben.
40:32Ja, weil die machen mir auch ständig ein schlechtes Gewissen.
40:34Die sind so, Mama, du bist so gemein, du hast uns viel zu spät abgeholt.
40:39Wir waren schon wieder die Letzten, du arbeitest viel zu viel und zu lang.
40:43Ist TikTok wirklich dein Job?
40:47Und dann kann ich sagen, ja, Maus, jetzt bin ich wieder die Böse, ja?
40:50Ich bin nicht diejenige, die heute Abend eine arme Mama-Kuh ihr armes, kleines Baby genommen hat.
40:56Nur weil ich unbedingt Schnitzel zum Abendessen haben wollte, ja?
41:04Ich könnte das nicht. Wisst ihr, dass eure ganze Schnitzelfresserei dazu führt, dass die ganze Welt heiß wird wegen Global
41:10Warming?
41:11Alle Menschen sterben, alle Tiere sterben, alle Haustiere sterben und Greta Thunberg keine Kindheit hat?
41:15How dare you?
41:18Und jetzt geht euer Zimmer aufräumen, die Mama ist sehr enttäuscht.
41:24Und ich sage denen das so ganz normal.
41:27Und wie ihr euch vorstellen könnt, sind die jetzt sauer auf mich.
41:31Ja, und deswegen versuchen sie mich auf die einzige Art und Weise zu bestrafen, die sie kennen.
41:37Ich bin nicht mehr zu ihrem Geburtstag eingeladen.
41:42Ich finde es ein bisschen arrogant, dass sie denken, dass ich da gerne hingegangen wäre.
41:47Weil, ganz ehrlich, das ist nicht so eine geile Party.
41:50Ich war ja auf den letzten 10 und die waren scheiße.
41:54Das war gar nichts.
41:57Ich meine, die Gäste, also denen ihres Smalltalks geht, sind wirklich das niedrigste, was ihr euch vorstellen könnt, ja?
42:05Die sitzen so am Tisch.
42:07Du, ich bin schon mal vom Dreier gesprungen und ich habe schon mal vier Burger auf einmal gegessen.
42:12Das ist eine Gabel.
42:15Die Musik ist unterirdisch.
42:17Habt ihr schon mal versucht, in Partystimmung zu kommen?
42:19Mit, es klappert die Mühle am rauschenden Bach?
42:24Ein Song, der anscheinend so cool ist, dass der auf der Hot Rotation läuft.
42:27Sechs Stunden am Stück.
42:30Aber das Schlimme bei Kindergeburtstagen heutzutage, ja, sind ja nicht die Kinder.
42:36Meine eh nicht, die sind der Wahnsinn.
42:38Das Problem ist, dass zu modernen Kindergeburtstagen andere Eltern mit auf den Geburtstag kommen.
42:47Menschen, die die Inspiration für Pinatas waren.
43:01Denn es sind Eltern, die ihre Kinder bedürfnisorientiert erziehen.
43:05Die Kinder haben ganz, ganz viele Bedürfnisse.
43:09Die müssen alle erfüllt werden.
43:12Jedes Erlebnis muss begleitet werden.
43:14Auch diese Geburtstags-Erfahrung muss begleitet werden.
43:17Es darf keine negativen Situationen geben.
43:20Nichts Unberechenbares.
43:21Ich sag, wie es ist.
43:22Wir haben Topfschlagen ohne Augenbinde gespielt.
43:28Einfach nur so ein paar verzogene Sofas Leanders, die mit aufgerissenen Augen und einem Kochlöffel in der Hand mit ihrer
43:35Mutter meinen Fußboden kaputt gehauen haben.
43:39Und am Ende zuckerfreie Süßigkeiten dafür bekommen haben.
43:43Ja, es muss zuckerfrei sein.
43:44Zucker darf man nicht mehr geben.
43:46Das ist böse.
43:47Wisst ihr, wie gottlos.
43:49Ein Geburtstagskuchen ohne Zucker, ohne Mehl, ohne Nüsse.
43:56Laktosefrei, glutenfrei.
43:59Schmeckt?
44:01Das ist ein Brot.
44:16Ein Geburtstagsbrot.
44:20Wahnsinn.
44:21In die Goodie-Bags darfst du auch keine Zuckersachen mehr reinmachen.
44:25Bitte nix mit Zucker, Plastik oder Farbstoffen.
44:28Ja, Brigitte, was soll ich da reinmachen?
44:29Sauerteig-Starter.
44:36Kein Alkohol auf der gesamten Party, trotzdem überall Kotze.
44:47Aber ich gebe es zu, wenn ich ganz ehrlich bin, ich bin ja auch eine moderne Mutter.
44:52Deswegen sind mir die Bedürfnisse meiner Kinder auch wichtig.
44:56Ich gehe da nicht hin.
44:59Ja, wenn ich nicht eingeladen bin.
45:02Ich meine, ich bin keine Rabenmutter.
45:03Ich habe ihnen die Nummer von einem sehr guten Caterer gegeben.
45:06Mal gucken, ob sie mich nächstes Jahr wieder einladen.
45:09Wir werden sehen.
45:11Aber bevor ich euch verlasse, habe ich noch einen guten Rat für euch.
45:15Auch gerade für die, die noch keine Kinder haben, gut zuhören.
45:19Wenn die Kinder noch sehr klein sind, sind sie so süß, dass man sie am liebsten auffressen möchte.
45:27Und später bereut man, dass man es nicht gemacht hat.
45:30In diesem Sinne, Köln, euch noch einen schönen Abend und bis bald.
45:35Riesen Applaus für Theresa Jung, das ist dein Applaus.
45:42Und die Show kommt jetzt zum Ende. Ihr wart ein fantastisches Publikum.
45:47Danke, dass ihr heute Abend hier wart.
45:49Und ich hole noch mal alle wundervolle Künstlerinnen von heute Abend auf die Bühne.
45:52Noch mal Riesenlärm für die großartige Irina Prichotko.
46:02Lena Loftner.
46:08Und noch mal einen fechten Applaus für Josefa Walter.
46:16Und macht noch mal richtig fett Lärm für unsere fantastische Moderatorin für Neger Amiri.
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