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  • 2 days ago
Tanken Und Das Klima · Verbrennen Wir Die Zukunft
Transcript
00:12In the week we go to about 30.30am,
00:14to take the first customers with, who go to the Schicht.
00:19And at the end we go to about 21.00am.
00:24Seit 1966 verkauft Familie Neumann an ihrer Tankstelle Benzin und Diesel.
00:31In Bramsche im Westen Niedersachsens.
00:3575, bitte schön.
00:39Schönen Tag. Ciao.
00:42Seit Jahrzehnten ermöglichen uns die Kraftstoffe bequemer Autofahrten.
00:46Etwa zur Arbeit oder zum Einkaufen.
00:49Doch gleichzeitig wissen wir längst, Benzin und Diesel zerstören unser Klima.
00:55Trotzdem fahren in Deutschland noch mehr als 95 Prozent aller Autos mit Verbrennungsmotoren.
01:03Momentan ist es nach wie vor ein gutes Geschäft für uns.
01:07Warum fällt uns der Abschied von Verbrennern so schwer?
01:11Tanken wir ewig weiter?
01:22Am 5. Mai 1966 wurde die Tankstelle eröffnet, der Neubau hier.
01:28Das ist unsere Mutter. Das ist kurz nach Eröffnung hier.
01:32Über Klimaschutz habe damals niemand geredet, erzählt Vater Peter Neumann.
01:38Es ging erst mal darum, das Blei aus dem Benzin rauszukriegen, aus dem Diesel dann eine Schwefel.
01:43Denn die ersten Autos hatten keinen Katalysator, nichts.
01:46Die Abgasreihung kam dann dazu, wurde immer besser.
01:50Also Klima war damals überhaupt gar kein Thema.
01:54Heute führen seine beiden Töchter Maike und Annika Neumann den Familienbetrieb.
01:59Die Erderwärmung oder der Klimawandel, der beschäftigt uns schon.
02:03Gerade im Hinblick auf die Zukunft von unserem Nachwuchs ist uns persönlich natürlich auch dran gelegen,
02:10unseren Teil dazu zu tun, dass der Klimawandel nicht weiter fortschreitet.
02:15Doch wie kann das gehen, wenn ihr Kerngeschäft an klimaschädlichen Kraftstoffen hängt?
02:20Könnten sie auch an Elektroautos verdienen?
02:23Ja, ich sag mal, wir beobachten den Markt immer ständig und gucken auch, wie wir reagieren können.
02:29Aber eine reine E-Säule ist für eine Tankstelle nicht unbedingt so das optimale Geschäftsmodell.
02:35Es ist ja auch so, dass E-Ladesäulen kein exklusives Tankstellengeschäft sind.
02:41Das heißt, jeder der möchte, jeder der Platz hat, kann sich, wenn er die Möglichkeit hat, eine E-Ladesäule hinstellen.
02:51Eigentlich wollte die Familie schon vor Jahren eine E-Ladesäule anschaffen.
02:55Doch die sollte mehr als 80.000 Euro kosten. Das habe sich schlicht nicht gelohnt.
03:01So komme weiter etwa 80 Prozent des Umsatzes vom Sprit, sagt Maike Neumann.
03:06Bisher lohnt sich das Geschäft also noch.
03:09Doch warum tanken so viele Menschen einfach weiter und fahren nicht längst elektrische Autos?
03:15Weil das zu teuer noch ist, dass sich viele einfach nicht leisten können.
03:20Ich bin zum Beispiel auch jemand, der Gebrauchtwagen kauft.
03:23Da ist das aber noch zu unzuverlässig, weil man ja gar nicht weiß, wie lange die Dinger überhaupt halten.
03:27Ich glaube, dass viele Menschen einfach sehr scheu vor sind, weil man die E-Autos noch gar nicht so lange
03:32kennt.
03:33Ich habe einfach Spaß, einen Verbrenner zu fahren und es jedem selbst überlassen, würde ich sagen.
03:38In vielen anderen Ländern werden schon deutlich mehr neue Elektroautos zugelassen als in Deutschland.
03:44Norwegen zum Beispiel konnte seinen Anteil neuer E-Wagen inzwischen auf fast 100 Prozent steigern.
03:50Aber auch in vielen anderen Ländern ist der Anteil schneller gewachsen, wie zum Beispiel in Dänemark, China oder Großbritannien.
03:58In Deutschland liegt der Anteil neuer Elektroautos nur bei knapp 20 Prozent.
04:07Vielleicht liegt das auch daran, dass Autos für viele Menschen nicht nur Fahrzeuge sind, sondern ihnen mehr bedeuten.
04:13Wie hier in Krefeld. Auf diesem Parkplatz treffen sich im September VW-Golf-Liebhaber.
04:21Wir hatten bei uns in der Nachbarschaft einen Fünfer-Golf stehen. Den fand ich immer total schön als Teenager.
04:26Es hat Legende.
04:29Der klassische Golf fährt mit Verbrennungsmotor. Und der wird hier verehrt.
04:35Ich möchte kein Elektro haben, weil den riecht man, wenn er die alten Abgase verbrennt.
04:40Da wird Sprit noch mit Liebe verbrannt, sag ich mal so. Und so ein Elektrowagen, der hat für mich keine
04:47Emotionen.
04:53Ganz ehrlich, ich muss einen Motor haben. Ich mag es nicht, wenn der Sound aus einem Soundmodul kommt.
05:01Ich möchte es spüren, ich möchte es auch riechen. Ich glaube auch nicht, dass sich das E-Auto, die E
05:07-Mobilität auf Dauer durchsetzt.
05:09Und so spielen Elektroautos hier keine Rolle. Golfliebe bedeutet Verbrennerliebe.
05:18Dabei hat Deutschland sich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu werden.
05:24Deshalb wurde politisch längst beschlossen, Benzin und Diesel teurer zu machen.
05:29Einfaches Prinzip. Was dem Klima schadet, kostet extra.
05:38Wenn Sprit immer mehr kostet, steigen die Golf-Fans dann auf Elektroautos um?
05:49Ich kann mir jetzt kein neues Auto leisten. Von heute auf morgen. Weil so ein Elektroauto kostet 25.000, 30
05:53.000 Euro.
05:54Habe ich die irgendwo zu Hause liegen? Nein. Das Geld ist das Problem. Das große Geld.
06:00Die steigenden Spritpreise in der Zukunft scheinen weit entfernt. Und bewegen hier bisher niemanden zum Umstieg.
06:08Günstige gebrauchte E-Autos könnten das ändern. Doch staatliche Förderung soll es nur für Neuwagen geben.
06:14Und neue Elektroautos bleiben für viele wohl auch mit Förderung unbezahlbar.
06:20Doch nicht nur der Preis spricht für viele gegen Autos mit Batterie.
06:25Wenn du mit einem E-Auto liegen bleibst, wenn der Akku leer ist, kommt man überhaupt nicht mehr weiter.
06:29Mit dem gibst du fünf Liter im Kanister nach und du kannst weiterfahren zur nächsten Tanzstelle.
06:33Also für mich hat das Elektroauto keine Vorteile. Überhaupt nicht.
06:37Die Elektrofahrzeuge haben für mich momentan keine Langlebigkeit.
06:41Gerade was die Akkus angeht. Immer wieder ein ganz großes Thema.
06:44Viele Menschen haben noch Vorbehalte. Nur wenige sind schon heute überzeugte E-Auto-Anhänger.
06:52Stephanie Pauls betreibt südlich von Bremen einen kleinen Friseursalon.
06:56Sie tauscht sich in einem E-Auto-Verein regelmäßig mit anderen Frauen aus und fährt selbst seit sechs Jahren elektrisch.
07:04Der absoluter Hauptgrund ist das CO2-neutrale Fahren.
07:08Ich brauche nicht mehr an die Tankstelle. Ich kann diesen Wagen mit Strom aus erneuerbaren Energien betreiben, aus Sonne und
07:15Wind.
07:15Das ist für mich eigentlich schon ein unschlagbares Argument.
07:18Macht Ihnen die Klimakrise Sorge?
07:20Sehr große Sorgen. Natürlich. Ich verstehe nicht, dass man sich da keine Sorgen drum machen kann.
07:25Wir sehen es doch mit unseren eigenen Augen mittlerweile. Es ist ja keine Theorie mehr.
07:31Das Preisargument der Elektroskeptiker kann sie zum Teil nachvollziehen.
07:35Für ihren neuen Hyundai hat sie damals knapp 40.000 Euro bezahlt, mit Unterstützung einer staatlichen Kaufprämie.
07:42Sie lädt zwar meist zu Hause, räumt aber ein, unterwegs könne es auch mal teurer werden.
07:47Leider ist das Draußenladen ein Tarifdschungel und es kann günstig sein, wenn man sich damit beschäftigt. Es kann sehr, sehr,
07:57sehr teuer werden, wenn man unvorbereitet irgendwo lädt.
08:02Und das ist, glaube ich, auch einer der größten Faktoren, warum es noch so hapert mit der E-Mobilität.
08:07Doch das Fahren gefällt ihr beim Elektroauto auf jeden Fall besser.
08:12Viel besser. Also nicht nur leiser und ruhiger, sondern vor allen Dingen auch einfacher.
08:19Und sie liebt die Beschleunigung im E-Auto.
08:23Also es ist einfach ein super geniales Gefühl, so zack, zack, zack von der Stelle zu kommen.
08:29Einfach der absolute Punch.
08:31Und der Akku? Hat die Leistung mit der Zeit nachgelassen?
08:35Der Wagen muss regelmäßig zur Inspektion in ihre Werkstatt.
08:39Dort checkt ein Kfz-Meister den Zustand der Batterie.
08:46Was ist rausgekommen?
08:48Also, wir haben bei diesem Fahrzeug, das hat 69.227 Kilometer gelaufen, also fast 70.000 Kilometer,
08:55einen Gesundheitszustand der Batterie von 100 Prozent.
08:58Also top.
09:00Top. Und wir kennen tatsächlich nichts anderes.
09:02Die Akkus halten in der Regel mehr als 15 Jahre, das bestätigen Studien.
09:08Und die meisten Hersteller bieten langjährige Garantien.
09:15Aber beim Umstieg auf E-Autos gäbe es möglicherweise auch Verlierer.
09:19Tankstellen-Chefin Meike Neumann etwa verdient ihr Geld mit Sprit.
09:23Nicht mit dem Laden von E-Autos.
09:25Wie geht sie damit um?
09:27Wir warten ab. Also es ist viel, viel im Umbruch.
09:31Es wird nach wie vor noch viel diskutiert.
09:34Wir stellen uns natürlich bestmöglich auf.
09:37Aber grundsätzlich muss halt auch die Wirtschaftlichkeit gegeben sein.
09:40Und für uns als Tankstellenbesitzer ist die momentan mit der E-Mobilität noch nicht gegeben.
09:47Doch bei einer der größten Automessen weltweit, der IAA in München, wird klar, Elektroautos stehlen den Verbrennern längst die Show.
09:59Auch Bundeskanzler Friedrich Merz präsentiert sich im vergangenen Herbst neben den elektrischen Neuheiten.
10:04Wird er den Umstieg auf E-Mobilität konsequent vorantreiben?
10:09Während der Messe gerät der Kanzler jedenfalls ins Schwärmen.
10:16Elektromobilität gehört seit Jahren zum Alltag auf unseren Straßen.
10:20Und die Unternehmen hier auf der Messe zeigen, wie sie noch leistungsfähiger, noch vielfältiger und noch attraktiver werden wollen.
10:28Die Autoindustrie zeigt sich hier ganz von ihrer elektrischen Seite.
10:34Wir glauben an die Elektromobilität. Wir investieren Milliarden und die Autoindustrie in Europa. Hunderte von Milliarden.
10:41Ein Riesentechnologiesprung, schnellstes Laden mit 400 Kilowatt. In zehn Minuten können sie 370 Kilometer laden.
10:49Die E-Auto-Begeisterung während der Messe hat allerdings mit der Verbrenner-Realität auf deutschen Straßen wenig zu tun.
10:57Wie entschlossen ist der Kanzler, das zu ändern?
10:59So richtig überzeugt klingt er nicht.
11:04Wir halten am Umstieg auf E-Mobilität grundsätzlich natürlich fest.
11:09Aber wir brauchen mehr Flexibilität in der Regulierung.
11:14Wir brauchen kluge, verlässliche, flexible europäische Regulierung.
11:21Sie ist notwendiger denn je.
11:24Wir wollen Klimaschutz durch Technologieoffenheit möglichst kosteneffizient erreichen.
11:32Klimaschutz durch Technologieoffenheit?
11:35Welche Technologie meint er? Und wie sollen damit die Klimaziele erreicht werden?
11:44Eine Antwort gibt die Autoindustrie.
11:49Wenn wir den Verkehr insgesamt dekarbonisieren wollen, brauchen wir klimaneutrale Kraftstoffe auch zur Dekarbonisierung des Bestandes an Fahrzeugen.
11:57Ein ganz wichtiges Thema.
12:00Was sind klimaneutrale Kraftstoffe? Und sind sie tatsächlich eine Lösung?
12:08Hier wird der Autohersteller BMW für genau diese Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels.
12:15Sie werden aus Wasser und CO2 mit Hilfe erneuerbarer Energie hergestellt.
12:21Also in dem Kanister befindet sich E-Fuels. Das ist ein synthetischer Kraftstoff.
12:26Dieser Kraftstoff wurde hergestellt, indem man erneuerbare Energien einsetzt.
12:30Und dann kann man durch den Einsatz erneuerbarer Energien den CO2-Ausstoß im Vergleich zum herkömmlichen Benzin um bis zu
12:3790 Prozent produzieren.
12:39Für den Kunden verändert sich überhaupt nichts.
12:41Ich betanke mein Fahrzeug so, als ob es ein herkömmliches Fahrzeug wäre.
12:46Klimaschutz mit Verbrennern? Endlich eine Lösung, die niemandem weh tut?
12:50Die kaum Veränderung verlangt? Darauf hofft offenbar auch die Bundesregierung.
12:56Denn BMW bekommt Unterstützung aus dem Wirtschaftsministerium.
13:02Staatssekretärin Gitta Connemann scheint ganz berauscht von den neuen Kraftstoffen.
13:08Nicht, dass Sie anfangen jetzt zu schnüffeln.
13:10Das ist nicht schlimm.
13:14Ich mag den Geruch. Ich geb das auch nicht.
13:16Ich mag das auch nicht.
13:19Die Benzole sind ganz toll.
13:21Ach, die Benzole sind ganz toll.
13:25Gitta Connemann hält die neuen Kraftstoffe für eine große Sache.
13:31Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit.
13:35Genau.
13:38Und jetzt?
13:43Großer Schritt für die Menschheit. Warum setzen Sie auf E-Fuels?
13:47Die Bundesregierung, insbesondere das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, sieht die Chance durch Technologieoffenheit.
13:54Klimaschutz durch Technologieoffenheit.
13:57Und dafür ist tatsächlich wichtig, dass wir unsere Sinne nicht nur weiten,
14:01sondern dass Technologien, die heute nicht nur entwickelt, sondern tatsächlich auch in die Serie gehen können,
14:08eine echte Chance auch in Deutschland und in Europa erhalten.
14:13Technologieoffenheit heißt hier wohl auch, offen für eine alte Technologie zu bleiben,
14:18sodass die Wirtschaft weiter mit Verbrennern Geld verdienen kann.
14:23Mit E-Fuels geben wir dem Verbrenner eine neue, saubere Perspektive
14:29und der Mobilität eine Zukunft, die alle mitnimmt.
14:35Doch die Erzählung von den rettenden E-Fuels hat einen Haken.
14:40Investoren fehlen und weltweit läuft noch keine einzige industrielle Produktionsanlage.
14:45Ob es sich lohnt, in Zukunft größere Mengen herzustellen, scheint fraglich.
14:52Denn um E-Fuels herzustellen, ist mindestens fünfmal so viel Strom nötig wie für den Betrieb von E-Autos.
15:00Außerdem müssten hunderte Produktionsanlagen gebaut werden,
15:03allein um den Spritbedarf in Deutschland zu decken.
15:07E-Fuels wären deshalb wohl sehr teuer und nicht konkurrenzfähig.
15:12Kennt das Wirtschaftsministerium diese Fakten nicht?
15:16Wir hatten das Ministerium um Dokumenteneinsicht zu Treffen und Gesprächen über Autofahren und Klimaschutz gebeten.
15:23Die Antwort größtenteils geschwärzt.
15:26Unter anderem aus Datenschutzgründen, so das Ministerium.
15:30Doch die lesbaren Teile zeigen, das Ministerium kennt die E-Fuel-Probleme ganz genau.
15:38Es gebe noch keine marktreifen Anlagen in industrieller Größenordnung.
15:44Außerdem seien hohe Anfangsinvestitionen nötig.
15:48Und selbst wenn alles gut laufe, die Produktionskosten betrügen ein Mehrfaches der Kosten für konventionelle fossile Kraftstoffe.
16:00Auf erneute Anfrage schreibt das Wirtschaftsministerium, Prognosen zu den globalen Produktionspotenzialen für E-Fuels seien mit großen Unsicherheiten behaftet.
16:12Wissenschaftler jedenfalls wundern sich über die E-Fuel-Hoffnung für Verbrenner.
16:17Michael Sterner ist einer der führenden Forscher für Energietechnik.
16:20Mit seiner Arbeit hat er die Entwicklung von E-Fuels sogar mit vorangetrieben.
16:27Frau Connemann aus dem Bundeswirtschaftsministerium hat neulich bei einer Veranstaltung gesagt, E-Fuels seien die Zukunft für Verbrenner und ein
16:35großer Schritt für die Menschheit.
16:37Wie sehen Sie das?
16:39Im PKW, so wie es Frau Connemann wahrscheinlich meint, sehe ich es eher nicht.
16:44Warum?
16:45Weil es nicht so effizient ist und nicht in der Menge verfügbar ist und an anderer Stelle dringender für den
16:51Klimaschutz gebraucht wird.
16:52Wir haben in der individuellen Mobilität im Auto die alternative Elektromobilität.
16:57Das ist ausgereift verfügbar, funktioniert effizient.
17:01E-Fuels werden also wohl keine Lösung sein, um Verbrenner rechtzeitig klimafreundlich zu machen.
17:07Doch das Wirtschaftsministerium setzt sich trotzdem für sie ein.
17:12Wissenschaftler sagen E-Fuels sind ineffizient teuer und schlicht nicht vorhanden.
17:16Was sagen Sie dazu?
17:18Manche Wissenschaftler können sich auch täuschen.
17:21Aber was ich mir von der Wissenschaft insbesondere wünsche, ist Offenheit.
17:25Und wir sehen an einem Projekt wie das heute, dass E-Fuels nicht nur eine Sparte sind, nicht nur eine
17:32Nische bedienen, sondern dass E-Fuels tatsächlich einer der Stoffe sind, die Zukunft schreiben werden.
17:38Wenn wir uns realistisch die Sachen anschauen, dann ist es einfach klar, dass das mit der Elektromobilität schneller und einfacher
17:45geht als wir mit den E-Fuels.
17:48Trotzdem hofft auch Familie Neumann, dass alternative Kraftstoffe ihr Geschäft in Zukunft retten.
17:55Welche Rolle werden denn E-Fuels spielen?
17:59Die spielen ja auch eine große Rolle. Es gibt ja eine große Anzahl an technischen Entwicklungen.
18:07Was sich am Ende durchsetzt, das entscheidet der Markt.
18:11Hoffnung macht ihnen auch ein anderer klimafreundlicher Kraftstoff, HVO 100, auch Klimadiesel genannt.
18:18Den bieten sie sogar heute schon an.
18:21Der Kraftstoff wird aus alten Fetten oder Pflanzenölen hergestellt, also aus Biomasse statt aus Erdöl.
18:29Hier kommt eine neue Ladung.
18:34Bisher ist HVO 100 allerdings ein Nischenprodukt. Doch Familie Neumann hofft, dass sich das ändert.
18:43Das wäre natürlich auch grundsätzlich für unser Geschäft besser, weil ja die Tankstellen bestehen.
18:50Wir haben die Säulen dafür, die müssen nicht umgerüstet werden.
18:53Wir haben die Tanks. Die Infrastruktur besteht dafür in Deutschland und in Europa.
18:59Das heißt, die Umstellung auf HVO 100 ist schnell machbar.
19:05Wissenschaftler Michael Sterner widerspricht.
19:07Auch der sogenannte Klimadiesel aus Reststoffen wie altem Frittierfett ist für ihn keine realistische Lösung.
19:15Macht HVO 100 Sinn für unser Autofahren, um das klimafreundlicher zu machen?
19:22Nein, weil HVOs auch wieder nur begrenzt verfügbar sind.
19:26Unterm Strich ist das nachhaltige Biomassepotenzial relativ begrenzt, weil wir uns auch noch ernähren müssen davon und die Tiere füttern
19:32müssen.
19:33Und von daher ist das einzige, was wirklich nachhaltig ist, sind eigentlich Reststoffe.
19:38Und die sind definitiv begrenzt.
19:41Die unrealistische Hoffnung auf alternative Kraftstoffe bremse nur den Umstieg auf Elektromobilität.
19:49Jetzt den Menschen die Hoffnung zu geben, du machst einfach so weiter und irgendwann kommt schon das E-Fuel oder
19:56das HVO 100, das ist total fahrlässig.
19:58Weil wir jetzt schon wissen, es wird nicht in den Mengen nicht zu diesen Preisen da sein.
20:02Und von daher ist es nur eine Illusion, eigentlich ein Feigenblatt der Ölindustrie zu sagen, wir bleiben in unserem alten
20:09Business.
20:10Solange uns keiner hart dazu zwingt, rollt der Rubel weiter. Und das finde ich super traurig.
20:16Jede Stunde werden in Deutschland etwa 7 Millionen Liter Benzin und Diesel getankt.
20:22Vor allem die großen Tankstellenketten wie Shell und Aral machen damit hohe Gewinne.
20:27Zuletzt haben sie ihre Investitionen in klimaschädliches Öl sogar noch gesteigert.
20:32Aral und Shell haben keine Interviews ermöglicht.
20:35Doch der Verband der Mineralölindustrie, der sie vertritt, stellt sich unseren Fragen.
20:43Pressesprecher Alexander von Gerstorf räumt ein, fossile Kraftstoffe heizten die Erde auf.
20:49Doch seine Botschaft ist, die Branche werde grüner.
20:52Die Tankstellengesellschaften befinden sich in der Transformation.
20:56Wir bekennen uns auch zum Erreichen der Klimaziele in Deutschland.
21:00Was bedeutet das dann in Zukunft für die Tankstellen? Verschwinden die vom Markt?
21:04Tankstellen werden am Markt erhalten bleiben.
21:07Tankstellen sind einmalige Orte als Mobilitätszentren.
21:10Aktuell noch in der Hauptsache für Benzin und Diesel.
21:14Ja, zukünftig immer mehr für Elektromobilität als Ladestationen, aber auch immer mehr für grüne Kraftstoffe.
21:21Warum werden Investitionen in Öl und Gas sogar gesteigert, wenn sie dem Klima doch schaden und unsere Lebensgrundlagen zerstören?
21:29Der Wandel zur Klimaneutralität vollzieht sich leider nicht so schnell, wie wir uns das alle noch vor zwei, drei, vier
21:35Jahren erhofft haben.
21:37Es ist dann doch so, dass die Nachfrage nach Corona, nach, ich sag mal, klassischer Mobilität wieder angestiegen ist.
21:44Dementsprechend investieren die Unternehmen darin, in die Form der Energie, die gefragt wird.
21:50Mit anderen Worten, solange wir weiter tanken, verkauft die Industrie klimaschädliche Kraftstoffe.
21:58Shell und Aral betonen schriftlich, sie investierten auch in E-Ladenetze und grüne Kraftstoffe.
22:03Doch aktuell bedienten sie schlicht die bestehende Nachfrage nach Benzin und Diesel.
22:10Der Markt versagt hier also. Deshalb müsste die Politik gegensteuern.
22:16Eigentlich war das auch längst beschlossen.
22:19Ab 2035 sollten keine neuen Autos mehr zugelassen werden, die beim Fahren Treibhausgase verursachen.
22:25Bei Verstoß sollten den Autoherstellern hohe Strafen drohen.
22:38Doch Ende November überrascht der Kanzler mit einer Kehrtwende.
22:42Merz möchte den bisherigen Kurs korrigieren und bittet darum,
22:47dass auch neben Plug-in-Hybriden, neben Elektrofahrzeugen mit sogenannten Range-Extendern
22:52auch hocheffiziente Verbrenner zugelassen werden können.
22:55Doch selbst besonders effiziente Verbrenner bleiben Verbrenner.
23:00Autohersteller sollen davon auch nach 2035 noch eine bestimmte Menge verkaufen dürfen, ohne Strafen zu zahlen.
23:09Profitieren würden Öl und Autoindustrie.
23:12Ein Interview hat Merz abgelehnt.
23:17Doch wie er die Gefahren der Erderhitzung einordnet, wird kurze Zeit später auf dem CSU-Parteitag deutlich.
23:25Ich bin jedenfalls nicht bereit, das Thema Umwelt- und Klimaschutz so hoch aufzuhängen,
23:32dass damit ein großer Teil unseres industriellen Kerns in der Bundesrepublik Deutschland verloren geht.
23:38Der Forscher Michael Sterner warnt dagegen davor, allein auf die Wirtschaft zu hören.
23:43Ich würde nicht der Mineralölindustrie und der Autoindustrie auf den Leim gehen
23:48und mich erneut vor den Karren sparen zu lassen, um erneut wieder irgendwelche Klimaziele und Emissionsgrenzwerte nach hinten zu schieben.
23:56Doch die EU hört auf Merz.
23:58Kurz vor Weihnachten schlägt der Kommissar für Klimaschutz vor, das Verbrenner aus aufzuweichen.
24:10Die Autoindustrie müsse ihre Emissionen ab 2035 nur noch um 90 Prozent reduzieren statt um 100.
24:18Die restlichen 10 Prozent müssten ausgeglichen werden.
24:22Entweder durch nachhaltige Kraftstoffe oder durch den Einsatz von grünem Stahl aus Europa.
24:37Das bedeutet, auch nach 2035 sollen noch neue Verbrenner zugelassen werden.
24:44Ermöglichen sollen das auch grüne Kraftstoffe wie E-Fuels.
24:49Doch in der Bundesregierung ist der EU-Vorschlag offenbar umstritten.
24:53Im SPD-geführten Klimaschutzministerium scheint man die Autopolitik der CDU nur notgedrungen mitzutragen.
25:04Warum ist es sinnvoll, dass Verbrenner noch weiterfahren dürfen für den Klimaschutz?
25:08Das Umweltministerium hat das nie vorgeschlagen.
25:10Es war nicht unsere Position.
25:12Wir sind in einer Regierung, in der man Kompromisse machen muss.
25:14Und das war das Ergebnis.
25:16Wenn ich das richtig gesehen habe, fördert ja auch Ihr Ministerium E-Fuels.
25:19Welche Rolle kann das im Pkw-Bereich haben für den Klimaschutz?
25:24Ich glaube, dass der vernünftige Antrieb im Pkw-Bereich der direktelektrische ist, weil er viel effizienter ist.
25:32E-Fuels spielen eine Rolle, vor allem beim Lastwagenverkehr, obwohl da auch die Batterie auf dem Vormarsch ist.
25:39Bei Schiffsverkehren und im Flugzeugbereich, bei Eko-Kerosin ganz besonders.
25:44Und insofern ist es industriepolitisch schon sinnvoll, dass wir Impulse setzen, dass wir schneller in diese E-Kraftstoffe hineinkommen.
25:51Die Verwendung im Pkw sehen wir nicht als unsere erste Priorität.
25:56Bundeskanzler Merz hat zuletzt gesagt, er sei nicht bereit, den Klimaschutz so hoch aufzuhängen, dass man damit den industriellen Kern
26:04Deutschlands zerstört.
26:05Wie sehen Sie das?
26:06Ich werde nicht den Bundeskanz dokumentieren.
26:11Dem Forscher Michael Sterner geht es beim Klimaschutz jedenfalls viel zu langsam voran.
26:18Für ihn ist klar, wir müssen schneller aufhören, klimaschädliche Kraftstoffe zu tanken.
26:27Jeder Liter Sprit, den ich tanke und verbrenne, der ist nicht weg, sondern das CO2 landet in der Atmosphäre und
26:34verursacht weltweit mit den Klimawandel.
26:37Also all das Leid, was damit verbunden ist, über Sturm und Flutkatastrophen, Naturkatastrophen jeglicher Art, Dürre und Ernteausfälle und letztendlich
26:45der Verlust von Heimat.
26:49Dennoch fahren auf deutschen Straßen bisher wenige E-Autos. Es überwiegen die Verbrenner.
26:59Maike Neumann hofft darauf, dass das noch eine Weile so bleibt. Sollte das Tankgeschäft irgendwann doch wegbrechen, wollen sie ihren
27:07Laden erweitern.
27:10Natürlich ist das Tankgeschäft nach wie vor unser Kerngeschäft. Wir gucken aber natürlich auch, dass wir andere Standbeine uns aufbauen,
27:20dass wir neue Sachen in unserem Shop integrieren, in unserem Sortiment.
27:252025 wurden in Deutschland sogar wieder mehr klimaschädliche Kraftstoffe verkauft.
27:31Eine starke Wirtschaft sichert unseren Wohlstand. Doch gleichzeitig ist der durch die Erderhitzung gefährdet.
27:39Hitzedürren und Überschwemmungen werden mehr Leid und höhere Kosten bringen.
27:44Die Bundesregierung scheint diese Folgen zu unterschätzen.
27:53Hitzedürren und Überschel Sigurd
27:54Du bisther
27:54ein
27:54Oh
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