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Ravages (6-6) - Regarder la série - ARTE
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Short filmTranscript
00:00A USB-Stick
00:30Das Bild wird schwarz, in Zeitlupe. Das Wasser einer Stromschnelle wölbt sich zu einer stehenden Welle und schäumt weiß auf.
00:47Weißt du noch, als wir noch nicht so waren?
00:52Als wir uns noch nicht mit Ausflüchten zu Frieden gaben und allem auf den Grund gehen wollten.
00:56Als unsere Zukunft, das was wir uns darunter vorgestellt haben, nicht einfach nur unsere Zukunft war, sondern etwas viel Größeres, Bedeutenderes.
01:07Im Laufen blickt sich Sarah immer wieder um.
01:10Erinnerst du dich?
01:11Auf ihren Wangen zeichnen sich blutige Kratzer ab. Ein uniformierter Mann verfolgt sie.
01:18In roter Block Schrift auf schwarzem Grund, Ravages, ein mächtiger Gegner. Die Buchstaben bekommen Risse.
01:26Der Wachmann mit dem Haarkranz sitzt in Jeansjacke an einem Holzverschlag auf einem alten, abgebauten Steg. Gabriel geht zu ihm.
01:39Hey.
01:40Der Wachmann deutet vor sich auf das ruhige Gewässer.
01:42Ich hätte ein anderes Leben gehabt. Wäre ich nicht hier aufgewachsen, wäre alles anders geworden. Aber ist trotzdem schön hier.
01:47Gabriel lehnt am Verschlag.
01:50Gib mir mal dein Handy.
01:54Wozu?
01:55Ist besser, wenn es mit allem da drauf verschwindet.
01:57Ah, du meinst das vom Boss?
01:58Ich geb dir eins des Cleaners.
01:59Der Aktivist nimmt sein Handy aus der Jackentasche.
02:02Okay.
02:03Und reicht es dem Wachmann. Der hält ihm ein neues hin.
02:05Wir haben ein Problem. Sie haben die Pläne. Von der Mine, der Sicherheitslage, die haben alles.
02:15Wo haben sie die her?
02:16Von der Anwältin. Keine Ahnung, woher sie die hat.
02:19Hab gedacht, dass die zu eurem Trupp gehört.
02:22Vögelst du nicht die kleine Braunhaarige?
02:23Gabriel steckt die Hände in die Hosentaschen.
02:26Scheiße, du hast dich verknallt, Alter.
02:27Hey Mann, vergiss das.
02:29Der Wachmann hält ihm einen Flachmann hin.
02:32Hier.
02:34Äh, nee, danke. Lass mal. Ich...
02:36Ich muss los.
02:37Ach Mann, das kriegen die Vegetarier doch gar nicht mit.
02:40Bald hast du Geld. Das ist sorgerecht für deine Tochter.
02:44Außerdem eine hübsche Blondine.
02:45Komm schon, das muss gefeiert werden.
02:47Gabriel winkt ab und marschiert davon.
02:49Da ist noch was.
02:51Er bleibt stehen und dreht sich um.
02:53Bist du in der Lage, für immer die Klappe zu halten und mein Gesicht zu vergessen?
02:55Hey, Alter, ich hab dich noch nie gesehen, Mann.
02:57Gabriel entfernt sich.
02:59Im SUV telefoniert Brankowitsch mit Fraser.
03:01Der CEO hört schmale Augen und trägt eine schwarze Lederjacke.
03:04Bald ist der große Tag für Gott noch.
03:06Wahnsinnig aufregend, nicht wahr?
03:08Eigentlich nicht.
03:09Jared wollte mich um 10 Uhr wegen Guatemala anrufen.
03:12Was ist passiert?
03:13Keine Sorge, er wurde in einem Briefing aufgehalten.
03:16Aber er hat mich informiert.
03:17Auf wessen Seite steht er, hm?
03:19Zu 100% auf unserer, Terry.
03:21Er hat sich von Sarah getrennt.
03:22Aber um es kurz zu machen,
03:23er sagt, die Gewalt im letzten Monat hat den Aktivismus der Minengegner ziemlich gebremst.
03:28Und die, die Menixor unterstützen, trauen sich auf einmal wieder aus der Deckung.
03:31Das hoffe ich.
03:32Denn wenn wir die Mine da retten,
03:34und mit der Erweiterung von Baskon,
03:36könnte Menixor stärker werden, als es jemals war.
03:38In der Dämmerung durchquert der Wachmann mit einer Metallkassette die Grube der Baskon-Mine.
03:47Er steigt in die Kabine eines verlassenen Baggers.
03:54Am Tag bereitet Sarah bei EcoWatch einen großen Plan vor Christa, Maikan und Gabriel auf dem Tisch aus.
03:59Das ist das Gelände der Mine.
04:01Das Hauptgebäude ist hier.
04:03Sie laufen an einem abgestellten Güterzug entlang.
04:05Das hier ist im Prinzip ein Hangar, der zu einer Werkstatt umgebaut wurde, um die riesigen Trucks zu reparieren.
04:09Diese Trucks sind bis zu zehn Meter hoch.
04:11Die wiegen 400 Tonnen und verbrauchen 5000 Liter Diesel pro Tag.
04:15Das sind Riesenmonster, unerlässlich für die Mine.
04:17Aber ein super Ziel.
04:18Na, wer braucht alles noch in Picknick-Hop, hm?
04:21Chef Kochgab hat folgendes im Angebot.
04:23Kleine Zangen, Zucker.
04:24In einem Versteck auf dem Gelände.
04:26Und unsere Hauptwaffe, das Öl.
04:28Beladen die vier ihre Rucksäcke.
04:29Die Zangen benutzen wir, um die Stromleitungen zu kappen.
04:31Den Zucker schütten wir in die Benzintanks der Trucks.
04:35Und das Öl brauchen wir als Schmiermittel.
04:37Da wird alles heiß laufen.
04:38Um dahin zu kommen, nutzen wir am besten diese Zugänge.
04:41Da können wir unbemerkt eindringen.
04:42In einem unterirdischen Gang.
04:44Und wenn wir unseren Job gut machen, werden diese Trucks über Monate stillstehen.
04:47Die können die nicht so schnell reparieren.
04:49Gabriel zeigt ihnen eine Packung Dynamitstangen.
04:51Und danach?
04:53Boom, boom.
04:54Sarah blickt skeptisch.
04:55Ich hab zwei Zünder.
04:56Ich hab mir gedacht, wir platzieren einen hier und einen hier.
05:01Weit genug entfernt von den Gästen und Journalisten.
05:04Aber die Kameras können es prima einfangen.
05:06Wir lassen es ordentlich krachen.
05:09Gabriel hält den Blick gesenkt.
05:11Sarah sieht so rothaarig neben sich.
05:13Zum Zeitpunkt der Explosion wird Joanie unsere Mitteilung an die Medien schicken.
05:17Zusammen mit Fotos, die Menek-Source-Kriminelle-Machenschaften überall auf der Welt anprangern.
05:22Das werden auf jeden Fall alle mitbekommen.
05:24Gabriel atmet tief durch.
05:27Wir sind gut vorbereitet.
05:29In der Mine.
05:29Wir wissen, was zu tun ist.
05:31Jetzt lasst uns scheiß Minexor ordentlich ein Paus Maul hauen.
05:34Los geht's!
05:35Sarah, Maikan, Christa und Gabriel bilden einen Kreis und legen die Köpfe aneinander.
05:40Sie tragen dunkle Kleidung.
05:41Mit den Rucksäcken bepackt, gehen sie zu einer grauen Metalltür und verschwinden dahinter.
05:49Drinnen führt eine lange Eisentreppe in eine riesige dunkle Halle.
05:53Unten angekommen, rennen die vier zu einer Durchfahrt ins Freie.
05:56Draußen fällt Christa Gabriel in die Arme.
06:05Aufgeregt lächelnd umfasst sie sein Gesicht.
06:07Dann entfernt sie sich mit Sarah und Maikan in Richtung der Trucks.
06:10Hastig zieht Gabriel seine Jacke aus.
06:15Darunter trägt er einen Blaumann mit umgeschnalltem Werkzeuggürtel.
06:18Er schultert eine schwarze Tasche und geht los.
06:23Auf einer Anhöhe kommen Maikan, Sarah und Christa zu einem Stapel riesiger Truckreifen.
06:28Sie schauen hinab in die verlassene Minengrube, wo Gabriel auf einen Truck zugeht.
06:31Der schwarze Pickup mit dem Kasten auf der Ladefläche fährt mit rotem Fähnchen vor.
06:37Sarah hält sich ein Fernglas vor die Augen.
06:39Gabriel im Blaumann und Basecap winkt dem Fahrer des Pickups zu und erklimmt die Steigleiter des etwa acht Meter hohen Muldenkippers.
06:45Der Pickup fährt ab. Sarah lässt erleichtert das Fernglas sinken.
06:58Alles gut.
07:00Die drei laufen oben weiter. Auf dem Truck holt Gabriel ein Bündel Dynamitstangen aus der Tasche.
07:05Daran ist ein kleiner, kabelloser Zünder befestigt.
07:08Gabriel zieht die Funkantenne heraus.
07:12Er springt von der Steigleiter und geht zu einem zweiten Truck.
07:15Gabriel geht an einer hohen Felswand entlang.
07:25Er unterdrückt ein Würgen.
07:31Gabriel setzt die Tasche ab und übergibt sich.
07:37Er nimmt sein Basecap ab, wischt sich die Stirn und stützt sich auf die Knie.
07:45Gabriel setzt die Mütze wieder auf, schultert die Tasche und geht weiter.
07:55Maikan kommt mit Sarah und Christa zu einer grünen Eisentür. Zu Sarah.
07:59Okay, du verschwindest jetzt, ja? Wir brauchen dich als Anwältin, nicht als Angeklagte.
08:04Kommt her.
08:05Die drei umarmen sich.
08:06Wir schaffen das.
08:08Seid vorsichtig.
08:09Sarah rennt davon.
08:10In der Minengrube neben den Trucks haben sich ein paar Dutzend Menschen versammelt.
08:14Auf einem kleinen Podest stehen zwei goldene Ständer mit einem roten Eröffnungsband.
08:18Ein Kameramann baut ein Stativ auf.
08:21Angespannt steht Duchesne im grauen Anzug neben der Wirtschaftsministerin Lavertière.
08:27Alles in Ordnung?
08:27Ja schon.
08:28Bin nur etwas nervös.
08:30Ich rede dich gern vom Publikum.
08:32Etwas entfernt steht Brankowitsch mit dem Bodyguard.
08:35Sarah läuft durch den unterirdischen Gang.
08:38Auf dem Protest eine Schlanke mit dunklem Bob.
08:40Begrüßen Sie nun gemeinsam mit mir die Wirtschaftsministerin Madame Julie Lavertière, Monsieur Terry Brankowitsch und Monsieur Marc Duchesne.
08:49Die drei stellen sich hinter das rote Eröffnungsband.
08:51Ein Fahrzeugführer erklimmt einen Bagger.
08:54Sarah läuft weiter durch den Gang.
08:56Der Wachmann steht mit Fernglas an einem Hang und beobachtet aus der Ferne Gabriel, der mit einem Schlüssel die grüne Eisentür aufschließt.
09:03Gabriel öffnet die Tür und hält sie Maikan und Christa auf.
09:07Die beiden gehen hinein.
09:09Rasch schließt Gabriel die Tür von außen und blockiert sie mit einer Eisenstange.
09:14Hier steht ja nur ein Truck.
09:15Im Hangar fährt Christa herum und zieht zur geschlossenen Tür.
09:19Dank der tagkräftigen Unterstützung durch die Regierung kann ich voller Stolz bekannt geben, dass Minixor mehr als eine Milliarde Dollar investieren wird.
09:28Christa und Maikan klopfen gegen die Tür.
09:30Ja?
09:31Hey!
09:32Gabriel!
09:33Der lehnt schwer atmend an der Außenwand.
09:34Hey!
09:35Aus der Weite winkt ihm der Wachmann zu.
09:38Gabriel zieht den Werkzeuggürtel ab und rennt los.
09:47Durch einen verdreckten Fensterstreifen in der Tür sieht Christa ihn weglaufen.
09:50Verstört wendet sie sich von der Tür ab und blickt fahrig im Hangar um hier.
09:55Auch der Wachmann verlässt seinen Posten.
09:58Minixor ist seinen Shareholdern verpflichtet.
10:01Das bedeutet, wir teilen unsere Stärke, unsere Macht, unsere Verbindungen und unsere Expertise zum Wohl unserer Aktionäre und unserer Partner.
10:10Sarah kommt aus der grauen Metalltür.
10:14Hey!
10:15Ein dunkelhaariger Wachmann bemerkt, sie steigt aus einem Pick-up und nimmt die Verfolgung auf.
10:19Hey! Hey! Eine Frau rennt Richtung Westausgang!
10:21Westausgang!
10:22Auf zur ersten Schaufelbaggerladung!
10:24Laverdier!
10:25Los!
10:26Der Fahrzeugführer startet den Bagger. Oberhalb der Grube tritt der Wachmann mit dem Haarkranz an die Steinkante.
10:33Aus der Höhe schaut er zu, wie der Baggerarm zu einem Erdhaufen schwenkt.
10:39Die Schaufel gräbt sich tief in die steinige Erde.
10:42Die Fotografen halten die Kameras hoch.
10:45Im Hangar stemmen sich Maikan und Christa gegen ein Rollturm.
10:49Sarah rennt vom dunkelhaarigen Wachmann verfolgt auf der Böschung.
10:52Sie streift einen herabhängenden Asken.
10:55Sarah stürzt, rollt sich ab und rennt unterhalb der Wöschung weiter durch ein Wäldchen.
11:00Der Baggerfahrer schwenkt die volle Schaufel zu den Zuschauern und leert sie vor ihm.
11:06Laverdier strahlt applaudierend in die Runde. Unbehaglich sieht sich Duchesne um.
11:11Von den Trucks steigen Feuerwerksraketen in die Höhe. Dabei klappt ein Plakat von Eco-Watch über eine der Ladeflächen.
11:18Der Wachmann drückt auf eine Funkzündung. Der Bagger explodiert. Panisch stieben die Menschen auseinander. Im Hangar.
11:24Der Wachmann klappt die Antenne des Funkzünders ein. Im Wald rückt Sarahs Verfolger immer näher.
11:31Dichte Rauchwolken steigen über den Minenfahrzeugen auf. Die Fahrerkabine des Bagers steht in Flammen.
11:38Gabriel rennt vom Wachmann mit dem Haarkranz verfolgt davon.
11:41Wütend schaut Maikan durch ein Fenster im Rolltor nach draußen. In Christas Augen stehen Tränen.
11:46Sarah kommt einen Hang herab und rennt auf einem Kiesweg weiter.
11:51Gabriel kommt oberhalb eines Wasserfalls auf flachen Flusssteinen zum Stehen.
11:57Okay, das reicht. Hier sind keine Kameras mehr, das war's.
12:01Der Wachmann kommt zu ihm.
12:02Bist du sicher, dass es keine Verletzten gibt? Wir wollten sie nur erschrecken.
12:05Nein, es gibt keine.
12:06Okay, mal schön, bringen wir es zu Ende. Vorn oder hinten?
12:09Händen.
12:10Gabriel hält die Handgelenke aneinander und dreht sich mit dem Rücken zum Wachmann.
12:14Der bückt sich und hebt einen Stein.
12:18Er schlägt Gabriel auf den Hinterkopf, der sinkt zu Boden.
12:21An einer Felswand am Fluss kommt Sarah zu einem Zaun mit überstehendem Kletterschutz.
12:26Panisch blickt sie in die Tiefe.
12:27Hey, hey, hey, hey, hey, hey, machen Sie keinen Scheiß.
12:31Kommen Sie langsam mit erhobenen Händen zu mir.
12:33Der Dunkelhaarige winkt sie zu sich.
12:35Am Wasserfall zieht der Wachmann Gabriels Handy aus der Brusttasche des Blaumanns und steckt die Fernzündung hinein.
12:44Dann packt er Gabriel mit beiden Händen am Overall und stößt ihm die Felsstufen des Wasserfalls herab.
12:54Am Hangar fixieren zwei Wachmänner Christas und Mike Harns Hände mit Kabelbindern auf dem Rücken.
12:59Am Fluss hält Sarah die Arme hoch.
13:01Ruppig reißt der Dunkelhaarige Wachmann sie am Arm herum.
13:05Unter sich im Fluss bemerkt sie einen vorbeitreibenden, leblosen Körper im Blaumann.
13:11Hey, das ist Gabriel!
13:14Suchend blickt Sarah ins Weite.
13:16Wo ist dieser Fluss?
13:19Wir müssen etwas tun!
13:20Jetzt machen Sie schon!
13:21Wir müssen ihm helfen!
13:23Der Dunkelhaarige zerrt sie fort.
13:25In einer kleinen Materialkammer des Hangars sind Mike Harn und Christa an zwei Stühle gefesselt.
13:29In der großen Halle fixiert der Kurzhaarige Sarahs Hände mit Kabelbindern an ein Eisengestell.
13:35Brankowitsch?
13:36Danke, ich übernehme das.
13:38Hey!
13:39Hey, nein!
13:40Hey!
13:41Lass mich nicht mit ihm allein!
13:42Der CEO klopft ihr auf die Schulter.
13:44Wie willst du aus dieser dummen Situation wieder rauskommen, Sarah?
13:49Du hast auch mal Strafrecht studiert.
13:51Wie sieht deine Strategie dafür aus?
13:53Dir ins Gesicht zu spucken wäre ein Anfang.
13:57Verrückt?
13:58Wie eine so vernünftige Frau ihre Einstellung so schnell ändern kann, zumal ja noch du und dein hübscher Liebhaber mir vor zwei oder drei Monaten die Stiefel geleckt habt.
14:07Er beugt sich zu Sarah.
14:09Die blickt mit eisiger Miene zu ihm auf.
14:11Sieh dich doch nur an.
14:13Du kommst dir sowas von wichtig vor.
14:16Du gibst dich ja gern so ultra böse, dabei fehlst dir ein Finesse.
14:21Du bist so vulgär.
14:22Nur mit Gewalt kannst du dein schwaches Ego aufpuschen.
14:28Das macht Angst, oder?
14:30Zu wissen, dass du im Grunde sowas von armselig bist.
14:35Unsere Welt wäre ein bisschen weniger abscheulich, wenn dein Vater dich nur etwas geliebt hätte.
14:40Brankowitsch grinst heimisch.
14:42Ja, das ist die Sarah, die ich kenne.
14:45Du wirst mir fehlen.
14:48Witzig, dass du meinen toten Vater erwähnst.
14:50Es ist gut, wenn es persönlich wird.
14:52Alles andere ist langweilig, findest du nicht?
14:55Gut.
14:56Du hast ja doch was gelernt.
14:58Maikan in der Kammer zu Christa.
15:00In meiner Tasche.
15:01In meiner Tasche.
15:02Sieh dich nur mal an.
15:04Hände auf den Rücken, der fesselt wie eine gewöhnliche Verbrecherin.
15:08Willst meine Miene in die Luft jagen, die Polizei ist schon unterwegs.
15:10Fernsehen, Presse, Medien, die ganze Aufmerksamkeit gilt nur dir.
15:14Christa rückt auf ihrem Stuhl zu Maikan.
15:16Sie zieht ein Messer aus seiner Tasche.
15:18Warte.
15:18Na los.
15:20Denkst du ernsthaft?
15:22Es geht um die Menschen da draußen.
15:26Brankowitsch zeigt auf Sarah.
15:27Es geht um dich.
15:29Und um die armselige, selbstgerechte Vorstellung, die du von einem Helden hast.
15:34Aber was für die Menschen gut ist, davon hast du keine Ahnung.
15:38Und du etwa schon, ja?
15:40Ja.
15:40Ja, allerdings.
15:42Also der Durchschnittsmann will Brot auf dem Tisch haben, will seine Familie ernähren.
15:48Sie wollen, dass ihre Kinder zur Schule gehen und dann vielleicht, vielleicht haben sie dann ja am Ende ein klein bisschen was übrig, um sich zur Ruhe zu setzen.
15:56Und deswegen investieren sie in mein Unternehmen.
16:00In der Kammer durchtrennt Christa Maikans Kabelbinder.
16:04Er steht auf und schüttelt sich das Handgelenk.
16:06Wie viele hast du getötet?
16:08Väter, die sich dir in den Weg gestellt haben.
16:10Und Kinder.
16:13Wie viele Kinder hast du auf dem Gewissen?
16:16Glaubst du, deine Kinder werden dich noch lieben, wenn sie davon erfahren?
16:20Die werden kotzen vor Ekeln.
16:22Ich habe meine Kinder ordentlich erzogen.
16:24Wütend zeigt Brankowitsch auf Sarah.
16:25Sie werden es verstehen.
16:27Vorsichtig öffnet Maikans die Tür der Kammer.
16:31Gabriel war ebenfalls ein Vater.
16:34Ob du es glaubst oder nicht, das mit ihm tut mir leid.
16:37Er hat es für seine Tochter getan.
16:40Nur irgendwann hat er sein Ziel aus den Augen verloren.
16:44Was heißt das, er hat es für seine Tochter getan?
16:46Am anderen Ende der Halle schleichen Maikans und Christa aus der Kammer.
16:49Sarah.
16:52Jeden Tag, den du hinter Gittern verbringst, wirst du an mich denken.
16:58Wir sehen uns in 25 Jahren.
17:00Brankowitsch wendet sich ab.
17:02Von hinten verpasst Maikans ihm einen Faustschlag.
17:05Christa schneidet Sarahs Kabelbinder durch.
17:08Lauf und hol uns aus der Scheiße raus.
17:09Wir brauchen dich hier.
17:11Los, lauf!
17:12Christa schmeißt sich mit aller Kraft gegen Brankowitsch.
17:15Sarah läuft durch das halboffene Rolltour ins Freie.
17:18Vor laufender Kamera berichtet Essoir aus einem Foyer mit marmorverkleideten Wänden.
17:22Obwohl eine der mutmaßlichen Komplizinnen Sarah de Leon noch immer auf der Flucht ist,
17:26besteht die Staatsanwaltschaft darauf, dass der Prozess gegen die Umweltschützer möglichst bald stattfinden soll.
17:31Angesichts der erdrückenden Beweislast zeigt sich die Staatsanwaltschaft zuversichtlich, vor Gericht darlegen zu können, dass die Angeklagten in allen Anklagepunkten schuldig sind.
17:40In einem langgezogenen Backsteinbau mit Laubengang kommt Jared in ein getäfeltes Motelzimmer.
17:46Bei seinem Anblick strahlt Sarah übers ganze Gesicht. Jared eilt zu ihr und umarmt sie. Stürmisch küssen sich die beiden.
17:53Im Club ist Brankowitsch-Austern.
17:58Der Typ vom Schaufelbagger hätte nicht sterben müssen. Es hätte auch so funktioniert.
18:03Michelle wischt auf einem Tablet.
18:04Die Medien sprechen über EcoWatch Quebec, wie sie es nie getan haben.
18:08Überall in Europa, in Asien, in allen Sprachen werden sie als Terroristen bezeichnet. Ihre Bewegung ist erledigt.
18:15Im Hotel öffnet Jared einer stark geschminkten in kurzem Kleid die Tür.
18:20Hallo?
18:20Sie trägt eine Netzstrumpfhose.
18:22Und? Gefällt dir mein Inkognito-Look?
18:24Würde man dich sonst denn absteigen, wie dieser erkennen?
18:26Du würdest dich wundern.
18:28Die beiden geben sich einen Forst-Check.
18:30Sarah, das ist Nelly Sama, Fachanwältin für Strafrecht.
18:35Ich weiß.
18:35Sarah gibt ihr die Hand.
18:36Es gibt allerdings eine Menge Leute, die Ihnen applaudieren. Komm aus deiner Blase raus.
18:41In einer Woche werden die Medien über was anderes berechnen.
18:44Die Mine wird vergrößert, die Aktionäre werden happy sein und am Ende sitzen meine Feinde im Gefängnis.
18:51Sag Christa und Maikan, sie sollen sich, was die Sprengung der Förderbänder angeht, schuldig bekennen.
18:56Verschwörung, Sachbeschädigung, Einsatz von Sprengstoff.
18:58Allein auf dem Besitz können bis zu 14 Jahre Haft stehen.
19:01Das haben wir gewusst. Aber wir machen Notwehr geltend.
19:04Ja, hat Jared mir gesagt. Gute Verteidigungsstrategie. Man plädiert darauf, dass die Handlung notwendig war, um eine bevorstehende Gefahr zu verhindern.
19:13Damit haben wir den Fall noch nicht gewonnen, aber der Versuch könnte sich lohnen.
19:16Und einen Präzedenzfall schaffen.
19:18Das wollte ich damit sagen. Was den Mord angeht, da sieht's anders aus.
19:25Auf zur ersten Schau, lieber Galado.
19:26Der Fahrzeugführer steigt in den Bagger. Der explodiert.
19:30Das Problem ist nur, es gibt noch einen Mitwisser. Einen Handlanger.
19:35Oberhalb der Grube steckt der Wachmann den Fernzünder in die Jackentasche.
19:40Brankowitsch hat alles arrangiert, aber er ist als Mensch so aufbrausend, so impulsiv. So einer macht Fehler.
19:47Sarah blickt grübelnd ins Leere. Zu Nelly.
19:49Ich hab vielleicht eine Spur, der du nachgehen könntest.
19:52Nelly schaut sie fragend an.
19:54Auf dem Handy von Fortin sind sicher Sachen drauf, die dich belasten könnten, Terry.
20:00Aber der Einzige, der Bescheid weiß, ist dieser Kerl. Und der sollte das Handy zerstören.
20:05Ich an seiner Stelle hätte es nicht getan. Ich hätte mich ins Ausland abgesetzt und zehn Millionen von dir dafür verlangt.
20:11Das ist nicht mein erstes Rodeo. Erpressung. Ist nur ein Kollateralschaden.
20:17Ja. Noch eine Auster? Die sind köstlich.
20:22Im Hotelzimmer.
20:24Hallo.
20:24Jared kommt mit Emil herein. Nelly und der Kriminalist winken sich zu.
20:29Gute Nachricht. Das Video, auf dem man die Typen sieht, bevor sie Paco Flores töten. Ich hab es geolokalisiert.
20:35Ja, ich auch, aber...
20:35Es wurde im Hof eines Mietshauses in Guatemala City aufgenommen.
20:39Genau.
20:39Vor zwei Jahren wurde das Gebäude der kanadischen Botschaft renoviert. Und sechs Monate lang waren die Büros der Botschaft in genau...
20:46Sie zeigt auf das Video.
20:48...diesem Gebäude.
20:50Das gibt's doch nicht.
20:52Von dort aus sind die Norder von Paco Flores gestartet.
20:55Ja, aber das beweist noch nicht viel.
20:57Nein, aber ich hab einen Freund in Ottawa, der uns mehr dazu sagen kann.
21:00Und wir glauben, er weiß auch, wie die Videos zu Rigoberta gekommen sind.
21:04Aber mit diesem Typen muss ich persönlich reden.
21:06Laurent im grauen Anzug auf einer Straße.
21:08Okay.
21:11Tja, ich würde gern noch mit einem anderen Typen reden.
21:14Emil nimmt sein Tablet.
21:15Und zwar...
21:16Er öffnet ein Foto.
21:18Karl Chagnon.
21:19Vom Wachmann mit dem Haarkranz.
21:21Das ist der Wachmann, der Gabriel bis zum Fluss verfolgt hat und dann angeblich gesehen hat, wie er gesprungen ist.
21:26Chagnon stößt Gabriel den Wasserverlänger.
21:28Laut Christa hatte Gabriel immer zwei Handys bei sich.
21:31Eins verschlossen in einer kleinen Tasche.
21:33Doch das andere hat die Polizei nicht gefunden.
21:36Vielleicht hat Chagnon es an sich genommen.
21:37Schwer zu beweisen, es sei denn, wir finden das Handy bei ihm.
21:41Oder in seinen Sachen.
21:42Zuerst einmal müssen wir ihn selbst finden.
21:44In Côte-Nord hat ihn niemand gesehen und seine letzte bekannte Adresse ist in Montreal.
21:49Ich werde nach ihm suchen.
21:50Aber an seiner Stelle wäre ich längst über alle Berge.
21:53Wir müssen ihn finden.
21:54Der Prozess gegen Maikan und Christa geht bald los.
21:56Sie haben nichts zu ihrer Verteidigung.
21:58Die drei sehen zu Nelly an einem runden Tisch.
22:00Die verschränkt die Arme vor der Brust.
22:01Am Abend sitzt Serrat mit Laptop auf einer Couch.
22:05Gabriel hat ein Kind.
22:07Am Tisch tippt Nelly auf ihrem Notebook.
22:09Er hat es für seine Tochter getan.
22:12Ganz genau.
22:13Wir müssen rausfinden, wie Brankovic Gabriel gefühlig gemacht hat.
22:17Blick zu den neogotischen Türmen der kanadischen Regierungsgebäude in Ottawa.
22:21Wo bist du, Jared?
22:25Dir sollte klar sein, dass der Status eines Partners auch mit Verantwortung einhergeht.
22:30Mit Pflichten.
22:31Jared steht auf einer Straße.
22:32Tut mir leid, Monsieur Fraser.
22:33Meine Ehe aber auch.
22:35Weißt du, wo Serrat gerade ist?
22:37Sag ihr, dass sie sich der Polizei stellen muss.
22:39Und zwar sofort.
22:40Wenn sie das nicht tut, dann ist sie am Ende.
22:43Schönen Tag noch, Monsieur Fraser.
22:45Jared.
22:45Jared!
22:45In einem Büro mit kanadischer Flagge stoppt Jared das Video vom abfahrenden Pickup.
22:52Kennst du diese Typen?
22:53Tja, selbst wenn ich sie kennen würde, Jared.
22:56Diplomatische Geheimhaltung.
22:58Mit Geheimnissen kann ich auch dienen.
23:00Darum geht's auch bei der Diplomatie.
23:02Ich verrate dir ein Geheimnis und du verrätst mir dafür auch eins.
23:05Laurent nickt.
23:06Dieser weiße Typ da.
23:08Ist das ein Kanadier?
23:09Das kann ich dir unmöglich sagen.
23:12Jared deutet zum Fahrer des Pickups.
23:13Zieh dir seine Stiefel an.
23:15Welche Farbe haben die?
23:18Sehen grau aus.
23:19Nein, das ist schwarzes Leder.
23:22Das metallische Grau ist Silberstaub.
23:25Diese Stiefel liefen sicher wochenlang, wenn nicht monatelang, durch die Silbermine vom Inexor.
23:29Laurent zuckt die Schultern.
23:31Ist gut möglich.
23:33Gereizt mustert Jared den Diplomaten.
23:35Der Typ hat eine gewisse Haltung.
23:36Sehr drahtig.
23:38Einer vom Sicherheitsdienst?
23:39Ja, ich würde eher auf Excel da tippen.
23:42Die haben oft solche Jobs.
23:43Auf dem Schreibtisch steht ein kanadisches Fähnchen.
23:45Wieso hast du Rigoberta Flores diese Videos geschickt?
23:49Laurent zieht ein überraschtes Gesicht.
23:50Wovon redest du da?
23:52Die Botschaft wurde damals renoviert.
23:54Du hattest im Nordflügel dieses Gebäudes dein Büro.
23:57Mit einer hervorragenden Aussicht.
24:01Jared, du glaubst doch nicht ernsthaft.
24:03Lass mich raten.
24:04Du hast vermutet, dass die Typen was Verdächtiges vorhaben.
24:07Du warst zwar nicht eingeweiht, aber neugierig.
24:09Okay.
24:10Laurent steht auf.
24:11Du bist ihnen gefolgt.
24:12Okay, danke.
24:13Danke, dass du hier warst.
24:14Auch Jared erhebt sich.
24:15Du hast es gefehlt.
24:16Du hast extrem belastendes Material gesammelt.
24:19Aber zum Whistleblower hat's bei dir nicht gereicht.
24:21Anstatt also die Mörder anzuzeigen und damit deinen Arbeitgeber bloßzustellen...
24:26Erwedelt das Fähnchen.
24:27...wolltest du jemanden erpressen, der ordentlich Kohle hat.
24:31Brankovic.
24:31Laurent nickt böse.
24:32Okay.
24:34Hör jetzt auf mit dem Scheiß.
24:35Du weißt, dass er mich kalt machen würde, wenn er auch nur im Entferntesten glauben sollte, dass das, was du sagst, wahr ist.
24:41Du hast ihm die Videos anonym zugeschickt.
24:43Hast mit der Veröffentlichung gedroht.
24:45War ganz leicht.
24:47Brankovic war klar, dass die Beweise in den Videos nicht ausreichen, um ihn zu beschuldigen.
24:50Also hat er dich abblitzen lassen.
24:53Dann hast du deine Drohung wahrgemacht und die Videos an die Person geschickt, die wusste, wie man sie gegen ihn verwenden kann.
24:59Rigoberta Flores.
25:01Niemand wusste, wo sie sich aufhält, aber du hattest ihre E-Mail-Adresse. Wieder leicht.
25:06Ist so eine super Geschichte.
25:08Findest du nicht?
25:10Wie viel willst du?
25:11Der Typ mit den Stiefeln. Der ist Kanadier. Ich will seinen Namen.
25:15Ich glaube, er kam aus Quebec.
25:17Mehr weiß ich nicht.
25:19Denk nochmal scharf nach.
25:20Laurent blinzelt nervös.
25:23Irgendeiner hat ihn Steph genannt.
25:25Stefan, Esteban auf Spanisch.
25:26Wie viel verlangst du?
25:29Darum geht's nicht.
25:31Brankovic will meiner Freundin einen Mord anhängen.
25:33Das muss ich verhindern.
25:35Und ich hab, was ich wollte.
25:36Jared verlässt das Büro.
25:38Ich, äh, ich werde kein Wort davon vor Gericht zugeben.
25:42Eine Staatsanwältin in einem vollen Gerichtssaal.
25:45Ich fasse zusammen.
25:46Sie bestätigen, dass Sie und Ihre Komplizen die Absicht hatten, das Dynamit in der Nähe der Gäste explodieren zu lassen.
25:52Wobei Sie sicherstellen wollten, dass niemand verletzt würde, dass Sie jedoch nichts mit dem Dynamit in dem Schaufelbagger zu tun hatten.
25:59Ja?
26:00Maikan steht hinter einer Brüstung.
26:01Das ist richtig.
26:03Neben ihm sitzt Christa.
26:04Und die ganze Schuld daran trage, so erklären Sie weiter Gabriel Fortin, der Ihre Gruppe unterwandert und die Leute von Minexor über ihre Pläne informiert haben soll, die dann beschlossen haben, Michael Tremblay zu töten, um Ihnen den Mord anzuhängen.
26:18Machen Sie es sich nicht etwas zu leicht, die Verantwortung auf Ihren Komplizen abzuwälzen, der nicht mehr da ist, um sich zu verteidigen?
26:25Ich finde, vor allem Minexor macht es sich leicht, weil Gabriel nicht mehr da ist, um die Wahrheit zu sagen.
26:31Die Konzerne haben Rechte, aber die Natur hat keine.
26:36Das ist der Fehler dieses Systems.
26:39Wir leben in einem System, das uns alle verteufelt.
26:43Deswegen sind wir verzweifelt.
26:44Deshalb sind wir bereit, Dynamitladungen hochgehen zu lassen und ins Gefängnis zu gehen, wenn es sein muss.
26:50Aber wir sind keine Mörder.
26:53Wir haben niemanden getötet.
26:57Nicht wir sind die Verbrecher.
26:59Nelly im schwarzen Talar mit weißen Bäffchen eugt erwartungsvoll zum Richter.
27:03Sarah, Jared und Emil im Hotel vor dem Laptop.
27:06Dein Chef wird erfahren, dass du in den Archiven von Minexor in Guatemala warst.
27:10Ist mir egal.
27:11Er öffnet eine Angestelltenliste.
27:12Da ist dieser Steph.
27:14Stéphane Chartier, Ausbilder und Sicherheitsbeauftragter von Benixor, Guatemala.
27:19Drei Jahre lang.
27:21Hey, Augenblick mal.
27:23Auf dem Handy öffnet Emil ein Foto.
27:25Das hier.
27:26Und hält es neben das von Chartier auf dem Laptop.
27:28Das ist Carl Chagnon, der Wachmann.
27:31Er war in Guatemala unter einer anderen Identität angestellt.
27:35Vielleicht findet sich eine Adresse auf dem Namen, Schattier.
27:38In der Dunkelheit nähern sich Emil und Sarah einer kleinen Lagerhalle.
27:41Ich konnte seinen Wohnsitz nicht ermitteln, aber eine Firma ist auf seinen Namen eingetragen.
27:46Sie treten an eine Tür mit Sprosseneinsatz.
27:49Emil sieht sich um und setzt ein Stemmeisen an die Kante des Türrahmens.
27:52Trifft sich gut, war gar nicht zugeschlossen.
27:58Die beiden gehen hinein.
27:59Sarahs Haar steckt unter einer grauen Wollmütze.
28:03Mit Taschenlampen durchqueren sie einen fensterlosen Lagerraum mit Metallregalen.
28:07Sarah hält sich die Hand vor den Mund.
28:08Fass nichts an.
28:15Sie betreten ein verwüstetes Büro.
28:17Der Schein von Emils Taschenlampe gleitet über verstreute Dokumente auf dem Dielenboden zu Chagnons Leiche.
28:23Neben seiner Hand liegt ein offenes Pillenfläschchen mit blauen Tabletten.
28:28Tja, sieht aus, als hätte jemand mit ihm das gemacht, was er mit Rigoberta machen wollte.
28:34Chagnons Augen sind geöffnet, sein glänzendes Gesicht weist dunkle Totenflecken auf.
28:38Und hat hier alles gründlich durchsucht.
28:40Sarah hält sich die Nase zu.
28:42Aber wenn ich das richtig sehe, glaube ich nicht, dass er das gefunden hat, weshalb er hier war.
28:48Von draußen dringt Blaulicht durch ein Fenster.
28:50Fuck.
28:51Emil und Sarah flüchten aus dem Zimmer.
28:56Sie kommen aus einer Eisentür ins Freie.
29:00Hinter einem Bretterzaun laufen sie an alten Autoteilen und Chagnons schwarzen Pickup vorbei.
29:04Sarah stoppt und richtet die Taschenlampe auf den silbernen Kasten auf der Ladefläche.
29:10Ja, boh.
29:12Den Wagen hab ich mal der Baskon-Wine gesehen.
29:14Emil betastet den Kasten.
29:16Er deutet zur Lagerhalle hinter dem Zaun.
29:18Die Leiche wird sie aufhalten.
29:19Komm.
29:20Emil lugt durch das Beifahrerfenster in die Fahrzeugkabine und kramt in seiner Tasche.
29:27Pass auf deine Augen auf.
29:28Er holt aus und schlägt die Scheibe mit einem Hammer ein.
29:34Dann greift er durch das Fenster und öffnet die Tür.
29:37Sarah leuchtet ihm mit der Taschenlampe.
29:39Emil durchsucht das Handschuhfach.
29:41Darin liegen nur Bücher.
29:45Er schließt es und beugt sich zum Fahrersitz.
29:50Er zieht die Metallkassette darunter hervor, legt sie auf den Sitz und öffnet sie.
29:54Die kleinen Fächer eines Münzeinsatzes sind mit Pillenfläschchen und Spritzen befüllt.
30:02Emil nimmt die Kassette aus dem Auto und hebt den Plastikeinsatz heraus.
30:07Darunter liegen eine Handvoll Handys.
30:10Aufgeregt tauschen Emil und Sarah einen Blick.
30:12Im Hotelzimmer.
30:14Guten Abend, Madame Essoir.
30:16Hier spricht Sarah de Leon.
30:19Ich hab einen Scope für Sie.
30:20Allerdings unter einer Bedingung.
30:22Sie verbreiten meine Stellungnahme in voller Länge.
30:25Auf all Ihren Plattformen.
30:27Zusammen mit dem Bildmaterial.
30:29Am Tag.
30:29Emil öffnet Sarah die Fondtür.
30:31Die tritt in Handschellen vor Essoir und den Kameramann.
30:34Sie plädieren auf Notwehr?
30:35Nelly im Gericht.
30:36Die Regierung hat beschlossen, sämtliche Studien zu ignorieren,
30:39die ausführlich die zahlreichen, bekannten und dokumentierten Missetaten darlegen.
30:44Nicht nur externe Studien, sondern auch Untersuchungen von Regierungsstellen.
30:48In die Kamera.
30:48Der Fall der Erweiterung der Baskon-Mine durch Menexor ist ein Beispiel dafür,
30:52was so ziemlich überall auf unserem Planeten passiert.
30:55Megareiche Konzerne beuten oftmals mit Zustimmung korrupter
30:58und systematisch gegen die Interessen der Bevölkerung arbeitender Regierungen die Umwelt aus
31:03und zerstören komplette Ökosysteme.
31:05Ein brennender Tanker vermüllte Strände.
31:07Noch immer stoßen friedliche Proteste gegen diese Unternehmen,
31:10die unser Naturerbe und das zukünftiger Generationen zerstören,
31:15gegen eine Mauer und bleiben deshalb meist wirkungslos.
31:18Ohne die Aktion meiner Mandanten wäre dieser Skandal in Quebec nicht ans Licht gekommen.
31:22Maikan und Christo auf der Anklagebank.
31:25Wir erleben hier einen historischen Moment.
31:28Wir sind davon überzeugt, dass es nicht nur gerechtfertigt,
31:31sondern dringend geboten ist, gegen diese Konzerne zum Angriff überzugehen,
31:35um die Ungeheuerlichkeit der Verbrechen anzuprangern,
31:37die von Menexor und anderen Firmen begangen werden.
31:40Wollen Sie damit etwas sagen, dass Sie auch den Todunschuldiger in Kauf nehmen?
31:44Wir haben niemanden getötet, das versichere ich Ihnen.
31:46Wir werden das auch vor Gericht beweisen.
31:48Nelly mit der Staatsanwältin am Richterpult.
31:50Herr Vorsitzender, ich lege diese Dokumente dem Gericht vor,
31:54die belegen, dass ein namhafter Anwalt für Familienrecht engagiert worden ist,
31:58um Gabriel Fortin zu helfen, das Sorgerecht für seine Tochter zurückzubekommen.
32:02Und wir können beweisen, dass Menexor der Auftraggeber war.
32:05Diese Dokumente beweisen darüber hinaus, dass Carl Chagnon,
32:09der Sicherheitsmann, der Fortin am Tag seines Todes verfolgt hat,
32:13identisch mit der Person ist, die von Menexor engagiert wurde,
32:17um mehrere Menschen in Guatemala umzubringen.
32:19Darunter Paco Flores, den Sohn von Rigoberta Flores.
32:24Und wir haben außerdem Beweise, dass dieser Mann den Zünder aktiviert hat,
32:28mit dem die Explosion ausgelöst wurde, die zum Tod von Michael Tremblay führte,
32:33dem Fahrer des Schaufelbaggers.
32:34Die Informationen aus dem Prozess gegen die Aktivisten von EcoWatch Quebec
32:38lösten eine Schockwelle an der Börse von Toronto aus
32:41und auch an anderen Standorten von Menexor.
32:44In Ottawa sind Dokumente aus dem Besitz des Umweltministers anonym geleakt worden,
32:49die anschließend auf den Redaktionsschreibtischen von Kanadas führenden Medien gelandet sind.
32:53In Quebec hat die Regierung angesichts der Proteste der Bevölkerung bekannt gegeben,
32:57dass es eine Untersuchung durch das Bad geben wird,
33:00hinsichtlich des Projekts zur Erweiterung der Bascomine.
33:02Der CEO von Menexor, Terry Brankovic, gegen den ein Haftbefehl ausgestellt wurde,
33:07ist offenbar untergetaucht.
33:08Warum bist du nicht am Flughafen?
33:10Naja, ich war auf dem Weg zum Flughafen, aber dann rief mein Pilot an.
33:13Die Bullen haben ein verdammtes Flugzeugbeschlagnahmt.
33:16Wo, wo, wo, wo, Terry, was?
33:17Die waren bei mir zu Hause.
33:18Okay.
33:19Ich habe ein Haus für Klienten, die unbedingt abtauchen müssen.
33:22Da fährst du jetzt hin.
33:24Außerdem wirst du mir aufmerksam zuhören und dann bringen wir alles in Ordnung.
33:27Einverstanden?
33:28Brankovic verzieht das Gesicht.
33:29Danke.
33:30Maikan und Christa haben sich von der Anklagebank erhoben und schauen zum Richter.
33:33Maikan Kole, Christa Eliasson, das Gericht erkennt an, dass Ihre Handlungen von einer Verantwortung
33:41für die Allgemeinheit getragen wurden, mit dem Ziel zu verhindern, dass der Umwelt irreparable
33:46Schäden zugefügt werden.
33:48Die Tatsache, dass Sie nicht versucht haben, persönlichen Vorteil aus Ihren Aktionen zu ziehen,
33:52stellt ebenfalls einen mildernden Umstand dar.
33:56Angespannt atmet Nelly durch.
33:57Aber dennoch, gestattet das Gesetz nicht den Einsatz illegaler Mittel, um gut gemeinte
34:03Ziele zu erreichen.
34:05Unter diesen Umständen,
34:06gebannt blicken die Zuschauer nach vorn,
34:08werden sie zu einer Haftstrafe von 90 Tagen verurteilt.
34:12Christa holt ungläubig Luft, dann fällt sie Maikan in die Arme.
34:16Strahlend ballt Nelly die Fäuste.
34:17Eine junge Frau im Zuschauerraum schließt beglückt die Augen.
34:20Maikan und Christa lösen sich voneinander.
34:22Christa schaut zu Nelly.
34:25Danke.
34:25Sarah sitzt mit Radio in einer Gerichtszelle.
34:28Obwohl den Angeklagten eine mögliche Haftstrafe von 14 Jahren gedroht hatte,
34:32verhängte der Richter nur eine symbolische Strafe von 90 Tagen,
34:35die von der Verkaufung geführt wurde.
34:36Oh, Wahnsinn.
34:39Sarahs Lachen verwandelt sich in ein erleichtertes Weinen.
34:42In wenigen Augenblicken werden wir die Möglichkeit haben,
34:45eine Zubehörung zu sehen.
34:48Sarah hebt den Blick und lauscht.
34:50Oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh, der, oh.
34:55Sarah steht auf und tritt langsam an die Zellentür.
34:58Not mehr, not mehr, not mehr, not mehr.
35:01Durch den Glaseinsatz sieht sie hinaus.
35:03Not mehr, not mehr, not mehr.
35:05Sarah lacht überwältigt.
35:07Not mehr, not mehr, not mehr, not mehr.
35:12Der SUV fährt die Einfahrt eines stattlichen Anwesens hinauf.
35:16Du wirst sehen, das Haus ist furchtbar.
35:18Es hat Marceline Dion's Manager gehört.
35:21Die Einrichtung ist ziemlich protzig, aber das gehört ja irgendwie dazu.
35:24Der Bodyguard öffnet Brankowitsch die Vortür.
35:28Emil tritt gefolgt von zwei Polizeibeamten aus der Haustür.
35:33Der CEO fährt herum.
35:35Hinter ihm trifft eine Streife ein.
35:36In ihrem Schlafzimmer hält sich Michelle das Handy ans Ohr.
35:39Fraser.
35:40Halleluja.
35:41Befreit hebt Michelle einen Arm empor.
35:44Halleluja.
35:45Was war denn das Problem mit deinem Brankowitsch?
35:47Die beiden in der Kanzlei.
35:48Er ist toxisch geworden.
35:50Und er hat allmählich auch Minixor vergiftet.
35:52Zum Wohleaktionäre und dem meiner Kanzlei
35:55musste er verschwinden.
35:59Monsieur Brankowitsch,
36:01ich verhafte Sie hiermit wegen Totschlags.
36:03Sie haben das Recht zu schweigen.
36:05Sollten Sie auf dieses Recht verzichten,
36:07kann und wird alles, was Sie sagen,
36:08vor Gericht gegen Sie verwendet werden.
36:11Aber besteht jetzt nicht die Gefahr,
36:12dass die Aktie noch weiter sinkt?
36:13Das ist jetzt meine Sorge.
36:15Vielen Dank.
36:15Madeleine.
36:16Monsieur Fraser will dich sehen.
36:17Jetzt gleich?
36:18Zu Michelle.
36:19Du spielst weiter dein übliches Spiel.
36:21Du hilfst Brankowitsch,
36:23machst dich wie bisher für ihn unentbärlich.
36:25Sobald die Gelegenheit sich bietet,
36:28unter diesen Umständen,
36:29wird das ganz sicher schnell gehen.
36:31Serrat und Sam treten ein.
36:32Ja, genau.
36:34Ah.
36:36Bereit für den Todesdoss?
36:37Natürlich haben Sie Anspruch auf Rechtsbeistand.
36:40Auf Antrag wird Ihnen auch ein Anwalt gestellt.
36:42Fuck you!
36:43Wissen Sie, wer ich bin?
36:44Ich kriege jeden Anwalt.
36:45Und Sie mache ich fertig,
36:46wer auch immer Sie sind.
36:48Ich kenne den Polizeichef dieses Landes.
36:50Wie ist Ihr Name, Officer?
36:51Wie heißen Sie?
36:52Brankowitsch.
36:53Muss das jetzt sein?
36:54Wird durchsucht.
36:54Wissen Sie nicht, wer ich bin?
36:56Im getäfelten Kanzleizimmer
36:57ganz hervorragend.
36:59Lässt Fraser das Handy sinken
37:00und wendet sich an zwei Asiaten.
37:02Entschuldigung für die Unterbrechung,
37:03aber es ist geschafft.
37:04Alles geregelt.
37:06Ich habe es geschafft.
37:07Eine Frau dolmetscht einem Älteren.
37:08Montagmorgen werden die Aktienfamilie
37:10nicht so auf dem Tiefstand sein.
37:11Kaufen Sie alles, was Sie bekommen.
37:13Dann werden Sie für eine Handvoll Yuan
37:14mehrheitseigner.
37:15Wir werden uns von Guatemala verabschieden müssen.
37:23Doch meine Kanzlei wird alles dafür tun,
37:25damit Mao Chong Industries
37:27sich in Kanada ansiedelt.
37:29Ein Blick auf Montreals Downtown.
37:31SUA berichtet aus dem marmornen Gerichtsfoyer.
37:33Der Prozess gegen Sarah de Leon
37:35verlief ohne große Überraschungen.
37:37Das Urteil lautet damit genauso wie bei
37:39Maikan Collet und Christa Eliasson.
37:42Das bedeutet 90 Tage Haft,
37:43die sie bereits abgesessen hat.
37:45Es steht ihr also frei,
37:46wieder ihren Aktivitäten nachzugehen,
37:48nachdem das Gericht
37:48die Rechtmäßigkeit der Notwehr anerkannt hat.
37:51Auf den Stufen des Foyers
37:52umarmt Sarah Maikan und Christa.
37:54Ihr Blick fällt auf Emil,
37:56der zwinkert ihr zu.
37:57Sarah und Jared entfernen sich.
37:59Gedanken versunken
38:00blickt der Kriminalist ihnen nach.
38:03Die Sonne scheint.
38:05Sarah in kurzer Tweetjacke,
38:06schwarzer Anzughose und weißen Sneakern
38:08geht mit einer Mappe unterm Arm
38:10auf das Kanzleigebäude zu.
38:12Drinnen steht Fraser in beigem Blazer
38:14abgewandt vor der runden Fensterfront.
38:16Sarah betritt das Zimmer.
38:17Fraser dreht sich um
38:18und streckt die Arme aus.
38:21Guten Tag, Monsieur Fraser.
38:23Sag einfach Philipp.
38:25Sarah geht zu ihm.
38:27Was verschafft mir die Ehre
38:29dieses erfreulichen Besuchs?
38:30Die Anwältin lächelt versonnen.
38:32Sie waren immer ein großes Vorbild für mich.
38:37Sie waren für mich immer wie eine Art Vater.
38:39Und wir waren ein gutes Team.
38:43Gemeinsam mit Jared.
38:46Ich vermisse euch.
38:48Wohlwollend hält er den Kopf zur Seite geneigt.
38:50Sarah schürzt die Lippen.
38:53Als wir Anwälte wurden,
38:55waren Jared und ich uns einig,
38:56dass wir für das Recht kämpfen.
38:59Doch in ihrer Kanzlei
38:59haben wir den Mandanten nur gezeigt,
39:01wie sie das Recht umgehen können.
39:04Ohne dass uns das Ausmaß
39:05dieser Konsequenzen bewusst gewesen ist.
39:07Doch das war vor Regoberta Flores.
39:12Ich wollte Sie persönlich darüber informieren,
39:14dass in diesem Augenblick in Guatemala
39:15eine Strafverfolgung
39:16wegen Verletzung der Menschenrechte eingeleitet wird.
39:19Gegen ihren Mandanten Minexor
39:21und den kanadischen Staat.
39:23Hier sind die Dokumente.
39:26Sie legt die Mappe auf einen Tisch.
39:30Glaubst du, dass diese Verfolgung
39:31zu irgendetwas führen wird?
39:33Kein Gerichtshof in Kanada
39:35wird sich dieser Angelegenheit annehmen.
39:37Hm, das sagen Sie.
39:38Fraser hebt die Brauen.
39:39Aber die Zeiten ändern sich.
39:42Wir sind viele und sehr motiviert,
39:44dafür zu sorgen,
39:45dass sich endlich in diesem Staat etwas tut.
39:48Sarah lächelt gepresst.
39:50Wir sehen uns vor Gericht wieder,
39:53Monsieur Fraser.
39:54Sie geht zur Tür.
39:55Nachdenklich sieht Fraser ihr hinterher.
39:57Draußen steigt Sarah die Stufen der Anwaltskanzlei herab.
40:13Fraser geht langsam zurück zum Tisch.
40:20Widerwillig dreht er die Mappe zu sich.
40:22Tief durchatmend entfernt sich Sarah auf dem Gehweg von der Kanzlei.
40:29Ihre ernste Mine weicht einem triumphierenden Lächeln.
40:35Das Bild wird schwarz.
40:37Das war ein mächtiger Gegner, Episode 6 aus dem Jahr 2025.
40:41Mit Caroline Davernas als Sarah Deleon.
40:44Robin Aubert als Émile Lebeau.
40:46Akko Chanouan als Jared Walton.
40:49Katharine Brunet als Christa Eliasson.
40:51Alexandre Nachy als Gabriel Fortin.
40:54Samian als Maikan Koyer.
40:57Deutsche Fassung Studio Hamburg Synchron GmbH.
41:00Hörfilmfassung ZDF Digital.
41:02Text Mikesh Roma.
41:04Redaktion und Tonregie Cynthia Garkisch.
41:06Tonmischung Tom Putsch.
41:07Gesprochen von Heiko Grahol.
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