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Ravages (2-6) - Regarder la série - ARTE
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Short filmTranscript
00:00What happened to you, Cassares?
00:04Hello, Madame Cassares.
00:08What can I do for you?
00:09How are you doing, Mama?
00:10They wanted to go out of the artistic coma.
00:12But she didn't wake up.
00:13I can stay today at night.
00:15Today is a important day for you.
00:17Your friend is...
00:18...forgered.
00:19You are now partner with Fraser Edelman.
00:22I can't remember.
00:24In 67 minutes, you have a appointment with Terry.
00:28In Ottawa.
00:29Doreen Brankovic?
00:30Mhm.
00:31Sarah, die eigentliche Frage lautet doch, was sind Sie bereit zu tun, um für mich zu gewinnen?
00:36Cassares?
00:37Falls mir etwas zustoßen sollte.
00:39Warum solltet ihr etwas zustoßen?
00:40Ich habe die Datei jemandem geschickt, dem ich vertraue.
00:43Sarah, was ist?
00:45Warte kurz.
00:46Ich habe auf dem Laptop meiner Mutter gerade was Seltsames entdeckt.
00:48Cassares versenkt Laptop und Handy im Aquarium und greift sich ein Messer.
00:52Männerstiefel mit Plastiktüten überzogen, betreten die Wohnung.
00:56Madame Cassares?
00:58Sie entdeckt ihre Leiche.
00:59Das Bild wird schwarz.
01:01Regen prasselt auf die Blätter eines tropischen Strauchs.
01:05Der Regen und der Schnee speisen unsere Quellen und Wasserläufe.
01:11Weiß aufgeschäumtes Wasser stürzt über die großen bemoosten Steine eines Waldbars.
01:16Unsere Bäche münden in unsere Flüsse.
01:19Unsere Flüsse ergießen sich in große Ströme und diese münden ins Meer.
01:26Das ist der Kreislauf des Wassers.
01:29Am Himmel fliegen Schwalben.
01:31Vor einer Felsenküste taucht der gewölbte Rücken eines Wals auf.
01:34Er gleitet langsam durch die glatte Wasseroberfläche, bevor er wieder verschwindet.
01:38Eine Welle bricht an einem Strand.
01:41Alles fließt ineinander wie das Blut in unserem Körper.
01:46Im Fluss hüpft Cassares mit einer Enkelin im Arm durchs Wasser.
01:49Deshalb hat das, was wir in Guatemala mit dem Wasser machen, Auswirkungen auf der ganzen Welt.
01:55Auch nach Kanada.
01:59Blut tropft noch immer von Ellens Schlafzimmerdecke.
02:02Neben Cassares Leiche stellt ein Spurensicherer ein Nummernschild auf.
02:05Ein zweiter macht Fotos.
02:08Unter der Dusche schrubbt sich Sarah mit Seife das Blut von der Brust.
02:16Der Spurensicherer mit der Kamera kniet sich vor das Aquarium, an dessen Oberfläche Kräuter in Hydrokulturtöpfen Wurzeln ziehen.
02:22Er fotografiert den Laptop und das Handy im Wasser.
02:26In der Dusche hält Sarah einen Moment inne und schließt die Augen.
02:31In roter Blockschrift auf schwarzem Grund, Ravages, ein mächtiger Gegner.
02:36Die Buchstaben bekommen Risse.
02:38Im Wohnzimmer ihrer Mutter packt Sarah eine Tasche.
02:43Sie kramt nach ihrem Handy und sieht aufs Display.
02:45Hallo.
02:46Guten Morgen, Madame de Leon. Ich wollte Ihnen mitteilen, dass Ihre Mutter aufgewacht ist.
02:51Ich komme.
02:53Sie stellt die Tasche auf einer Kommode ab und nimmt ein Notebook in die Hand.
02:57Aus der Schutzhülle schaut ein Flyer mit einer Schildkröte hervor.
03:00Das Herz der Gerechtigkeit. Integration in südamerikanische Kultur.
03:04Sarah geht zum Bandregal mit den Figuren. Sie nimmt eine lackierte Holzschatulle in Form einer Schildkröte heraus und hebt ihren Panzer ab.
03:17Die Schatulle ist leer.
03:21Nachdenklich sieht Sarah zur Schlafzimmerdecke.
03:35Casares Leichensack wird verschlossen und auf eine Bahre geschnallt.
03:39Vor dem Rembrandt.
03:41Hier haben Sie meine Karte. Sagen Sie Ihrem Kollegen, er kann mich jederzeit anrufen.
03:45Es ist wichtig, Madame de Leon. Sie können das überprüfen.
03:47Sie haben 400 Euro.
03:49Zwei Beamte tragen die Totenbahre an Sarah und einer Polizistin vorbei und schieben sie ins Heck eines Leichenbartens.
03:54Sarah gibt der Polizistin ihre Karte.
03:56In der Onkologie, in der Uniklinik.
03:59Eine junge Polizistin und ein gerade eintreffender, untersetzter Mann heben das Absperrband für Sarah.
04:04Der Untersetzte geht weiter zum Eingang des Rembrandt-Gebäudes und blickt sich interessiert zu der Anwältin um.
04:10Die fährt im Kombi los.
04:11Sarah sitzt mit angespannter Miene am Steuer des Kombis. Im Rückspiegel bemerkt sie einen silbernen Wagen.
04:21Hallo, mein Liebling.
04:23Sarah, alles in Ordnung? Was ist?
04:24Das ist vollkommen surreal. Es gab einen Mord in dem Haus, in dem meine Mutter wohnt. Und jetzt bin ich auf dem Weg ins Krankenhaus, weil sie gerade aus dem Koma erwacht ist.
04:37Ja?
04:40Aber die Ärzte sagen, sie kann nicht mehr nach Hause zurück. Ich bin davon aufgewacht, dass Blut auf mich getropft ist. Es war gespenstisch.
04:46Moment.
04:47Man denkt, man kennt die Menschen aber.
04:48Gehst du jetzt ins Krankenhaus?
04:49Ich bin gleich da. Ich muss jetzt Schluss machen. Ich muss mich konzentrieren, ja?
04:52Ich komm auch dahin.
04:53Okay.
04:54Also, bis gleich. Bin gleich da.
04:56Ja, vielen Dank. Bis gleich.
04:59Sarah kämpft mit den Tränen. Sie schaut in den Rückspiegel. Der Wagen folgt ihr noch immer.
05:07Sarah biegt in die Krankenhausauffahrt.
05:16Gespannt blickt sie in den Spiegel. Der silberne Wagen hält am Straßenrand.
05:26Sarah fährt weiter auf den Parkplatz. Auf der Straße entfernt sich der Wagen.
05:31Der Untersetzte kommt zu den Spurensicherern im Casares Schlafzimmer und zieht sich einmal Handschuhe an.
05:38Hoppala. Haben sie dir die Ermittlung übertragen, Emil? Dann muss es was Ernstes sein.
05:44Ja, ja. Ihr dürft aber nicht wieder so schlampig arbeiten wie letztes Mal. Habt den ganzen Tag gebraucht, um mit euren Angaben klarzukommen.
05:51Immer musst du meckern.
05:53Emil bückt sich.
05:54Hey, hey. Keine Ahnung, wer von euch beiden bei der Arbeit schläft. Aber was soll das denn sein? Ihr könntet euch mal ein bisschen mehr ins Zeug legen.
06:00Vor dem Bett kniet er sich auf den Boden.
06:02Ach, was haben wir denn hier?
06:04Dort liegen blaue Tabletten verstreut. Abgeschlagen kommt Sarah auf einem Krankenhausgang zum Zimmer ihrer Mutter. Die sitzt mit kalem Schädel aufrecht im Bett.
06:12Okay. Ich denke, das kriegen wir hin, ja? Mal sehen.
06:16Christa setzt ihr eine Perücke auf.
06:19Die Perücke hat einen Parschenschnitt. Aufgewühlt lehnt sich Sarah im Gang mit dem Rücken an die Wand.
06:28Ja, gut so. Jetzt bist du wieder schön wie eine Blume. Bereit für den Ball.
06:35Sarah betritt das Zimmer und stellt ihre Tasche ab.
06:38Christa steht vom Bett auf. Sarah nimmt ihren Platz ein und fasst die Hände ihrer Mutter.
06:44Mama.
06:45Beglückt tauschen die beiden einen langen Blick.
06:48Sarah.
06:53Wie lange wird es gedauert haben, bis das Blut ins Stockwerk drunter durchgesickert ist?
06:57Schwer zu sagen.
06:58Schwer zu sagen, ja. Das Schöne.
07:01Emil durchquert das Zimmer.
07:02Immerhin sind da ja auch Risse im Fußboden.
07:06Aber wir wissen nicht, was unterm Holz ist.
07:09Aha. Ja, ja, ja, ja. Dann sollten wir uns darum kümmern.
07:13Also gut. Los, los, los. Besorgt euch ein Brecheisen und sagt mir, was ihr rausgefunden habt.
07:19Jetzt dürft ihr mir den Stinkefinger zeigen.
07:21Er geht. Einer der Spurensicherer streckt den Mittelfinger.
07:24Geht das Kiki gut?
07:25Ja, ich hab extra bei dir geschlafen. Damit er nicht allein ist.
07:30Elen lächelt. Sie ist schlank, hat eine große Nase und Altersflecken im Gesicht.
07:34Christa, könntest du uns vielleicht einen Moment allein lassen?
07:37Ja, klar. Ich hol mir einen Kaffee.
07:40Danke.
07:41Die junge Frau verlässt das Zimmer.
07:43Hör zu, Mama. Diese Madame Casares. Kennst du die eigentlich schon länger?
07:53Elen zuckt erregt zusammen. Sie fasst sich an die Brust, ihr Mund zittert.
07:59Was ist mit dir?
08:01Beruhigend nimmt Sarah ihre Hände.
08:04Gar nichts. Nichts. Es ist nichts mit ihr. Keine Sorge. Sie hat nur angeboten, deine Pflanzen zu gießen.
08:18Elen schließt erleichtert den Mund. Sarah und Christa sitzen mit Kaffeebechern auf dem Gang.
08:23Christa ist blass und trägt einen nackenlangen Stufenschnitt mit lockerem Pony.
08:26Kennst du diese Madame Casares?
08:32Äh, ja. Ja, sie ist öfter bei deiner Mutter gewesen. Auch wenn ich bei ihr zu Besuch war.
08:40Sie ist letzte Nacht ermordet worden.
08:42Christa Blinzel schockiert.
08:44Was? Aber das kann. Ich, ich muss jetzt gehen.
08:51Sie eilt ins Patientenzimmer und packt hektisch ihre Sachen zusammen.
08:56Entschuldigung.
09:00Mit gesenktem Kopf läuft Christa an Sarah vorbei den Gang hinunter.
09:04Vor dem Absperrband des Rembrandt-Gebäudes steht eine Fernsehreporterin mit schwarzen Locken und Mikrofon.
09:09Können wir anfangen?
09:11Vor ihr geht ein Kameramann in Stellung.
09:13Bisher wissen wir lediglich, dass das Opfer Mercedes Casares heißt. Eine Einwanderin aus Guatemala, die seit zwei Jahren in der Provinz Quebec wohnte.
09:21Die Polizei führt Befragungen in der Nachbarschaft durch, um herauszufinden, wer es auf diese Frau abgesehen haben könnte, die anscheinend ein unauffälliges Leben geführt hat.
09:29Laut behördliche Angaben ist Mercedes Casares als Flüchtling aus Guatemala nach Kanada gekommen. Die laufenden Ermittlungen werden sicher weitere Details enthüllen.
09:38Emil findet einen Schlüssel, auf dessen Anhänger Elen steht. Guatemala. Auf einem Platz protestieren tausende Menschen. Brankovic zu Hause neben einem spielenden Jungen.
09:47Die Geschichte in Guatemala läuft aus dem Ruder. Die Aktien stürzen ab. Wir müssen die Verkaufsverhandlungen mit Baskon abschließen.
09:54Ganz ruhig, ja. Wir konzentrieren uns jetzt vor allem auf den Fall Rigoberta Flug.
09:58Der CEO ist versehentlich auf einen Spielzeugstein getreten. Eine Angestellte eilt herbei.
10:02Ja, ich weiß. Ich weiß. Aber wenn die Aktie unter 50 fällt, dann köpfen die mich.
10:08Emil läuft ins Erdgeschoss. Auf der Treppe kommt ihm ein Kriminaltechniker mit Brecheisen entgegen.
10:12Man braucht nur das richtige Werkzeug. Alles klar.
10:19Emil geht zu Elens offener Wohnungstür und probiert den Schlüssel im Schloss aus.
10:23Emil zückt sein Handy. Er hat mittellanges dunkelgraues Haar, das zu einem kleinen hohen Dutt gebunden ist und einen hellgrauen Krausen vollbart.
10:33Er macht ein Foto von der Türnummer. Dann betritt er den Wohnungsflur.
10:36An einem Wandhaken hängen verschiedene Schlüssel. Emil setzt sich eine Lesebrille auf und inspiziert die Aufschrift eines Anhängers.
10:47Auf dem Krankenhausgang kommt Jared zu Elens Zimmer geeilt. Sarah steht auf. Die beiden fallen sich in die Arme. Hinter ihnen schläft die Mutter.
10:58In Elens Schlafzimmer inspiziert Emil das Pillenfläschchen vom Nachttisch.
11:10Sarah sitzt neben Jared auf dem Krankenhausgang.
11:12Ich habe meine ganze Jugend dort verbracht und es hat da nie einen Mord gegeben.
11:18Das hat sich mit den Straßengangs geändert.
11:20Was hatte diese Frau denn mit Straßengangs zu tun? Sagst du das, weil sie eine Latina ist?
11:24Sie zeigt auf einen Laptop.
11:25Hier, darauf bin ich gestoßen, als ich die Rechnungen meiner Mutter bezahlen wollte.
11:28In den letzten acht Monaten wurden immer am selben Tag zwei Überweisungen durchgeführt.
11:33Einmal 1595 Dollar, ihre Miete.
11:39Hab den Vermieter angerufen. Und 1495 Dollar. Das ist die Miete von Madame Casares.
11:44Deine Mutter hat für sie die Miete bezahlt?
11:47Im Grunde genommen wohl ich. Denn vor genau acht Monaten hat meine Mutter mich angerufen,
11:52um mir zu sagen, dass sie kaum noch über die Runden kommt und ob ich ihr nicht jeden Monat 1500 Dollar überweisen könnte.
11:59Davor hat sie nie Geld von mir verlangt. Und jetzt plötzlich will sie monatlich 1500 Dollar.
12:06Und ich habe ihr geholfen, ohne ihr Fragen zu stellen. Verstehst du?
12:09Sie wollte einer Einwandererin helfen. Sie hätte mit dir darüber reden sollen. Aber so ist deine Mutter nicht, hm?
12:16Ja, aber das bedeutet auch, dass sie diese Madame Casares kannte, bevor sie eingezogen ist.
12:21Der Vermieter hat mir gesagt, dass meine Mutter sie vorgeschlagen hat. Das ist doch merkwürdig.
12:26Auf dem Gang nähert sich Emil.
12:28Fahr erstmal nach Hause, okay? Ruhe dich aus. Ich kann mir auch frei nehmen, wenn du willst.
12:32Ich will mich nicht ausruhen. Und du? Du machst deine Arbeit, als ob nichts wäre. Und bitte kein Wort darüber.
12:37Ich will nicht, dass man mich vom Bascauenfall abzieht. Verstehst du?
12:41Entschuldigen Sie? Darf ich kurz?
12:44Äh, Sarah Delion?
12:46Ja?
12:47Hallo. Sergent Detektiv, Emile Lebeau von der Mordkommission.
12:51Ich muss Sie sprechen. Könnten Sie bitte mit mir mitkommen?
12:54Das ist jetzt kein guter Zeitpunkt.
12:55Ja, ein guter Zeitpunkt.
12:56Ja, ein guter Zeitpunkt wäre vor drei Stunden gewesen. Ehrlich gesagt interessiere ich mich nicht für Statistiken.
13:02Aber die Statistik für die nach einem Mord verstrichene Zeit in Bezug zur Aufklärungsquote besagten Mordes ist sehr, sehr aussagekräftig.
13:08Schon gut, ich komme mit, dann ist das erledigt.
13:10Aber was ist denn mit?
13:11Keine Sorge. Ist okay.
13:13Durch hohe Fenster fällt Licht in einen kahlen Raum mit dunklen Wänden. Sarah sitzt dem Kriminalmeister an einem Tisch gegenüber.
13:20Sie wären überrascht, wenn Sie wüssten, wie viel Pech ich mit den Ermittlungen habe, mit denen man mich betraut. Seit 20 Jahren immer nur komplizierte Fälle.
13:28Manchmal glaube ich, dass die das mit Absicht machen. Manche halten mich für paranoid, aber das ist ganz nützlich. In meinem Beruf habe ich...
13:34Monsieur, entschuldigen Sie. Sergent Lebeau?
13:38Sergent Detektiv, Émile Lebeau, ja.
13:41Sarah lächelt höflich.
13:43Also schön, Sie sind müde, Ihre Mutter ist krank. Kommen wir zum Punkt. Eigentlich habe ich nur eine Frage. Zwei, höchstens drei.
13:50Gut, ich höre.
13:51Okay.
13:53Er setzt die Lesebrille auf und blättert in einem Notizheft.
13:59Sprechen Sie Spanisch?
14:02Mh, nein. Na ja, ich kenne ein paar Wörter. Mehr nicht.
14:06Waren Sie schon mal in Guatemala?
14:09Nein.
14:10Dabei ist es ja wunderschön. Die Vulkane, die Maya-Städten.
14:15Entschuldigen Sie, das waren eigentlich nicht meine Fragen. Ich fange nochmal neu an.
14:20Äh, Sie haben gesagt, als Sie raufgingen zu Madame Casares, da war es halb sieben.
14:27Ja.
14:28Es war nicht sicher, dass die Wohnungstür angelehnt war. Sie sind dann reingegangen, weil Sie herausfinden wollten, weshalb Blut von Ihrer Decke tropfte.
14:35Na ja, ich war mir nicht sicher, ob es wirklich Blut war. Ich wollte es irgendwie nicht wahrhaben. Ich war vollkommen verwirrt.
14:44Na ja, Sie hatten Schlafmittel genommen, waren müde.
14:46Ja. Plötzlich schien alles so...
14:51...irreal.
14:53Normalerweise würde man doch in so einem Moment sofort die Polizei rufen.
14:58Mit festem Blick sieht Sarah ihn an.
14:59Ich habe immer den Reflex der Sache selbst auf den Grund zu gehen.
15:03Aber so ein Reflex könnte sich auch als riskant erweisen.
15:06Ja, aber in den meisten Fällen erweist er sich auch als sehr aufschlussreich.
15:09Als Sie dann in der Wohnung waren, fanden Sie Madame Casares auf dem Boden liegend, in einer Blutlache. Und da waren Sie sicher, dass es Blut war?
15:21Ja.
15:22Na schön. Und als Sie Madame Casares dort fanden, war sie bereits tot.
15:28War sie es etwa nicht?
15:30Ähm, was? Äh, also um halb sieben?
15:34Ja, natürlich. Zu dem Zeitpunkt hätten Sie sie nicht mehr retten können. Da kann ich Sie beruhigen.
15:40Sie haben auch ausgesagt, ähm, dass Sie gehört haben, wie jemand weggelaufen ist.
15:46Sarah öffnet die Wohnungstür.
15:49Eine Gestalt huscht aus dem Schlafzimmer. Kurz darauf betritt Sarah den Flur.
15:54Madame Casares?
15:57Sie schaut zu dem Raum links vom Flur.
16:00Das ist richtig.
16:02Also eins ist schon sonderbar.
16:05Unsere Experten sagen, dass es bestimmt zwei Stunden gedauert hat, ehe das Blut von Madame Casares durch den Fußboden auf Sie getropft ist.
16:12Dann stellt sich die Frage, wieso der Täter noch dort war, nachdem er Sie...
16:19Ah, sehr gut. Sie sind noch müde, aber im Kopf schon herwach.
16:24Also dann, ähm, war die Person, die ich gehört habe, nicht zwingend die Person, die Sie getötet.
16:30Genau die Frage habe ich mir auch gestellt.
16:33Schlaftrunken wankt Sarah zur Wohnungstür und betätigt den Türöffner.
16:39Sie haben meiner Kollegin gesagt, dass Sie irgendwann in der Nacht einem Unbekannten die Tür geöffnet haben.
16:45Ich habe gedacht, es wäre mein Freund, er wollte noch vorbeikommen.
16:51Aber Ihr Freund ist nicht gekommen.
16:54Erneut blättert Emil in den Unterlagen.
16:55Nein.
16:57Er zieht die Brille ab.
16:58Ich habe zwar Schritte gehört, aber ich...
17:02Sarah schließt die Augen.
17:05Wenn das der Mörder war, werde ich mir das niemals verzeihen.
17:08Hm...
17:10Auch da kann ich Sie beruhigen.
17:12Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Mörder nachts bei den Nachbarn seines Opfers klingelt,
17:17in der Hoffnung, dass ihm jemand die Tür öffnet und dann wieder ins Bett geht, um danach zu sehen, wer da ist.
17:22Außerdem ist es seltsam, dass sonst niemand im Haus irgendetwas gehört hat.
17:27Ähm...
17:29Sie glauben doch nicht, ich habe mir das nur ausgedacht.
17:31Oh...
17:33Oh nein, ganz bestimmt nicht.
17:34Aber verstehen Sie jetzt, wenn ich sage, dass ich mit meinen Fällen immer Pech habe?
17:40Diese Fälle sind immer so rätselhaft.
17:43Kompliziert, kompliziert, kompliziert.
17:45Letzte Frage hoffe ich.
17:47Haben Sie gewusst, dass Madame Cassares einen Schlüssel zur Wohnung Ihrer Mutter gehabt hat?
17:54Nein.
17:56Und Sie haben auch nicht gewusst, dass Ihre Mutter einen Schlüssel zu der Wohnung von Madame Cassares hatte?
18:01Nein.
18:03Naja.
18:05Emil greift zu einem Tablet und öffnet ein Foto von dem Schlüssel.
18:08Dieser Schlüssel hier war in der Wohnung von Mercedes Cassares.
18:13Na schön, und?
18:15Er wischt zum nächsten Foto.
18:17Und der hier war in der Wohnung Ihrer Mutter.
18:20Ein ähnlicher Schlüssel.
18:21Der Name von Madame Cassares ist doch Mercedes.
18:23Ich habe das gecheckt.
18:24Aber gab es vielleicht früher mal eine Mieterin namens Rigoberta?
18:28Sarah beugt sich zum Tablet.
18:31Da steht Rigoberta.
18:34Sagt Ihnen das was?
18:37Rigoberta.
18:38Nein.
18:40Emil grinst und zuckt gespielt ahnungslos die Schultern.
18:45Sarah verlässt das Polizeirevier durch zwei Glastüren und geht zu einem Parkplatz.
18:50Nachdenklich beobachtet Emil sie durch ein Fenster.
18:54Er hat ein fülliges gebräuntes Gesicht, Geheimratsecken und schmale Augen.
18:58Über einem gelben T-Shirt trägt er eine grau gemusterte Strickjacke.
19:02In einem Parkhaus sitzt Sarah im Kombi und tippt fieberhaft ins Handy.
19:13In einer Asservatenkammer legt Emil eingetütete Beweismittel auf einen Tisch.
19:17Auf Sarahs Handy erscheinen Fotos von Rigoberta bei einem Protest.
19:21Scheiße.
19:23Auf einem der Bilder steht die Nachbarin bewaffneten Soldaten gegenüber.
19:26Oh, fuck.
19:28Unruhig irren Sarahs Augen umher.
19:32Emil betrachtet den Beutel mit Rigobertas Nachthemd.
19:35Mit dem eingetüteten blutigen Messer rekonstruiert er verschiedene Arten des Zustechens.
19:42Sarahs Augen sind angstvoll geweihtet.
19:46Emil inspiziert eine Tüte mit den vier blauen Tabletten, die er vom Dielenboden des Schlafzimmers aufgelesen hat.
19:53Er misst sie mit einem Lineal und notiert etwas auf dem Tablet.
19:57In einem Büro arbeitet Jared an einem Laptop.
20:02Er geht ans Handy.
20:05Sarah?
20:07Ich hab dir gerade den Link zu einem Video geschickt.
20:10Bewaffnetes Militär geht vor Demonstranten in Stellung.
20:12Mach die Mine dicht! Die Mine tötet!
20:15Rigoberta hält das Foto eines kleinen Mädchens.
20:16Mercedes Casares, das ist nicht der richtige Name.
20:19Sie heißt in Wirklichkeit Rigoberta Flores, eine Aktivistin aus Guatemala, die die Protestbewegung gegen die Silbermine von Minexor angeführt hat.
20:26Sagt ihr das was?
20:27Ja, ja.
20:28Falls ich recht habe und sie das wirklich ist, richtet sich der Verdacht, soweit das bekannt wird, gegen Minexor.
20:33Und dieser Lebo, der Ermittler, könnte sogar mich beschuldigen.
20:37Jared überlegt mit Kühlermine.
20:38Ich werde mal ein bisschen recherchieren. Was machst du jetzt?
20:44Ich fahr nochmal in die Wohnung meiner Mutter, okay?
20:47Ja gut, wir reden später.
20:49Bis dann.
20:50Nachdenklich lässt Jared das Handy sinken und fasst sich ans Kinn.
20:57Sarah schaut aus dem Fenster und entdeckt in einiger Entfernung den silbernen Wagen.
21:02Am Steuer sitzt der Wertige mit der Sonnenbrille.
21:07Mach die Mine dicht! Die Mine tötet!
21:10Die Soldaten haben sich vor den Demonstranten aufgestellt. An vorderster Stelle skandiert Rigoberta.
21:15Brankovic betritt die Kanzlei. Madeleine nimmt seinen Mantel.
21:19In einem Kaminzimmer zu Michelle und Fraser.
21:21Können wir Bascorn dazu bringen, früher zu unterzeichnen, um die Anleger zu beruhigen?
21:26Wir brauchen jetzt vor allem gute Nachrichten.
21:28Tja, die haben noch Zeit bis morgen um Mitternacht.
21:31Die Aktionäre treffen sich morgen Vormittag. Da Duchene hinter dem Deal steht, ist seine Unterschrift sicher.
21:36Ja, aber nicht, wenn diese Geschichte bekannt wird.
21:38Ich hab mein Team auf die Medien angesetzt. Bisher behandeln die es wie eine gewöhnliche regionale Nachricht.
21:43Beunruhigend für die Nachbarschaft, aber mehr nicht.
21:45Das Polizeibüro wischt Emil durch Fotos des Tatorts. Sie werden von einem Beamer groß an die Wand projiziert.
21:53Wie habt ihr erfahren, dass Rigoberta sich in Montreal aufhielt?
21:56Durch einen Informanten.
21:58Und ihr denkt, sie hätte Aktionen gegen euch geplant?
22:00Naja, sie wollte, dass ich meine größte Mine in Guatemala schließe.
22:05Sie macht Minexor verantwortlich für den Tod ihres Sohnes.
22:09Michelle merkt auf.
22:10Und hat sie recht?
22:11Natürlich nicht.
22:12Minexor hält sich grundsätzlich immer an alle Gesetze in allen Ländern, in denen wir tätig sind.
22:18Oh ja, der Satz klingt echt gut, Terry. Auf dem Papier.
22:23Du musst dir schon mehr einfallen lassen, wenn du den Shit-Tsunami verhindern willst, in den du geraten wirst, wenn bekannt wird, dass Rigoberta Flores die Kehle aufgeschlitzt wurde.
22:30Und zwar eine Etage über der Wohnung, in der rein zufällig die Anwältin, die mit dem Minexor-Fall betraut ist, geschlafen hat.
22:37Ist dir etwa nicht klar, dass du deswegen engagiert wurdest?
22:41Brankovic springt auf.
22:42In Krisensituationen ist es immer sinnvoller, wenn sich der Chef des Unternehmens zu Wort meldet.
22:47Du solltest es vielleicht mit einem Lächeln versuchen.
22:49Sie schenkt ihm ein strahlendes Lächeln.
22:52Emil hat ein Foto von den gerahmten Kinderbildern in Elens Wohnungsflur aufgerufen.
22:56Auf einem trägt Sarah eine weiße Robe und Doktorhut.
23:00Wie geht es Sarah de Leon?
23:02Sie ist erschöpft und aufgewürgt.
23:04Jared meinte, sie möchte nicht, dass jemand hier erfährt, was sie erlebt hat.
23:09Aber Jared hat es dir erzählt?
23:11Selbstverständlich. Sarah ist eine Kämpferin und ein Arbeitstier.
23:15Sie versteckt sich nicht vor uns, Terry. Sie will sich nur nicht ins Abseits manövrieren.
23:20Sorg einfach dafür, dass ihr Name niemals mit diesem unschönen Tod in Verbindung gebracht wird.
23:25Emil hat den Namen Rigoberta Flores in eine Suchmaschine eingegeben.
23:29Auf einer Website namens EcoWatch klickt er auf einen Artikel mit der Überschrift
23:33immer mehr Protest gegen die Minexor-Mine in Guatemala.
23:37Wieso ist die Nachricht über Rigoberta's wahre Identität noch nicht in den Medien?
23:41Ganz genau. Sie konnte sich in Montreal nur unter falscher Identität verstecken, weil ihr geholfen wurde.
23:47Wahrscheinlich von Umweltaktivisten, die froh wären, wenn Minexor am Pranger stünde.
23:51Die aber lieber die Klappe halten, weil sie Angst haben.
23:55Immerhin ist einer von ihnen die Kehle aufgeschlitzt worden. Und zwar nicht in Playa del Cap, sondern in Montreal.
24:03Auf einem verlassenen Firmengelände gibt eine etwa 50-jährige einem Kurzhaarigen ein Dossier.
24:07Was soll ich denn damit? Das sind doch alles bloß Mutmaßungen. Wir brauchen präzise Anklagepunkte.
24:12Es geht daraus hervor. Eine Mine zerstört immer die Umwelt.
24:15Ja, aber wir brauchen Namen, Orte, Daten. Nur dann kriegen wir Minexor dran.
24:20Ich kann meinen Job nicht riskieren. Wenn ich keine Arbeit mehr habe, bekomme ich keine Rente. Das kann ich meinen Kindern nicht antun.
24:26Der Kurzhaarige nickt resigniert. Verstehe. Danke.
24:30Er steckt das Dossier ein und geht.
24:33Michelle schaut aufs Handy. Fraser?
24:36Was gibt's?
24:38Jede Menge Ärger. Aber nicht den, den wir erwartet haben.
24:42Ein Reporter? Fangen wir an.
24:44Hinter ihm steht ein Bagger.
24:46Umweltschützer haben das Gelände hier besetzt und verlangen Rechenschaft über die Zukunft der Mine am Lac-Ré-Cain.
24:51Es halten sich hartnäckig Gerüchte, denen zufolge das Management von Baskon heimlich über den Verkauf der Mine an den kanadischen Konzern Minexor verhandeln soll.
24:59Was in Umweltschützerkreisen sehr kritisch gesehen wird. Einige Demonstranten haben sich sogar an die schweren Minenfahrzeuge gekettet.
25:06Der Kurzhaarige?
25:11Der Kurzhaarige?
25:13Wir haben immer jegliche unternehmerische Verantwortung abgelehnt, sowohl in sozialer als auch in ökologischer Hinsicht.
25:18Zurzeit laufen Ermittlungen gegen den Konzern in Afrika und Lateinamerika. Es geht um Betrug und Verstöße gegen Umweltauflagen.
25:24Natürlich soll dies nicht publik gemacht werden.
25:26Marc Duchenne, CEO der Mine und Großaktionär von Baskon, hat die Gerüchte über einen Verkauf bisher weder bestätigt noch zurückgewiesen.
25:34Ich kann Ihnen nur versichern, dass für uns hier bei Baskon das Wohlergehen der Leute in der Region Priorität hat.
25:41Reicht das schon, damit er nicht unterzeichnet?
25:44Ich denke nicht, nein, aber...
25:47Der wirkt auf mich wie ein Loser.
25:51Sarah tritt vom Foyer in den Hausflur des Rembrandt-Gebäudes.
25:58Vor dem Treppenaufgang hängt ein Absperrband.
26:03Ängstlich nach oben linsend geht Sarah daran vorbei zur Wohnung ihrer Mutter.
26:10Ein junger Langhaariger in Blaumann und Basecap kommt ihr aus dem Wohnzimmer entgegen.
26:17Guten Tag, ich sollte hier die Gips arbeiten. Morgen mache ich die Decke fertig.
26:22Er nimmt eine Sporttasche und eilt an Sarah vorbei in den Hausflur. Irritiert sieht sie ihm nach.
26:28Der Boden des Schlafzimmers ist mit Malervlies ausgelegt. Bett und Matratze lehnen mit einer Schutzfolie bedeckt an der Wand.
26:41Ein Rauchmelder baumelt von der Decke. Der Blutfleck daneben ist weiß übermalt.
26:50Sarah geht ins Wohnzimmer. Ihr Blick gleitet vom Friseurstuhl zu einem Sofa.
26:54Eins der Sitzpolster steht hochkant. Auf dem Boden liegen Handtücher verstreut.
26:59Sarah hastet in den Flur und stoppt. Alarmiert blickt sie zur Decke.
27:06Sarah zieht eine Kommodenschublade auf und nimmt einen Schraubenzieher heraus.
27:13Mit gezücktem Werkzeug geht sie zu einem kleinen Fuhrraum neben der Wohnungstür.
27:25Sie macht Licht und bahnt sich einen Weg zu einer schmalen weißen Tür mit angelegter Sicherheitskette.
27:30Sarah entriegelt die Tür und betritt einen dunklen Hausflur.
27:39Langsam steigt sie mit erhobenem Schraubenzieher eine schmale Treppe hinauf.
27:43Vorsichtig öffnet sie Rigoberthas Hintertür.
27:57Suchend streift Sarah durch den schummrigen Flur.
28:05An eine Wand gepresst schleicht sie ins Wohnzimmer.
28:13Sarah schreckt zusammen. Auf einer Couch richtet sich Emil auf.
28:19Sarah flieht ins Schlafzimmer.
28:32Ich versuche das Kommen und Gehen der vergangenen Nacht in diesem Haus nachzuvollziehen.
28:36Ist schon ein seltsamer Ort. Weißt du?
28:40Die meisten Fenster öffnen sich automatisch, aber drei Viertel der Bewohner haben Schwierigkeiten die Eingangstür zu öffnen.
28:45Da muss man dran ruckeln.
28:47Na dann ist der Fall doch wie maßgeschneidert für dich.
28:50Das kannst du laut sagen.
28:51Er geht ins Bad und setzt sich aufs Klo.
28:53Wie sieht's aus, Jasmin? Was ist mit den Finger abdrücken? Gibt's einen Treffer?
28:59Ja, wir haben einen Treffer.
29:00Echt? Jemand, den wir auf dem Schirm haben?
29:02Nein, jemand aus Guatemala. Im System erfasst, aber nicht hier bei uns. Mehr kann ich dir dazu leider nicht sagen.
29:07Hä, wieso nicht?
29:08Ähm, da musst du unseren Chef Bernier fragen. Jetzt mal im Ernst pinkelst du etwa gerade während wir reden?
29:13Wer ist dieser Typ?
29:15Ist doch abartig.
29:16Ach, komm schon. Krieg dich wieder ein. Hab mich extra hingesetzt, damit du's nicht hörst.
29:20Wenn sie dich an Bernier. Ihr könnt ja dann ein Treffen auf dem Pissoir vereinbaren.
29:24Jasmin?
29:26Wird einfach aufgelegt.
29:28Im Schlafzimmer lauscht Sarah hinter dem Aquarium.
29:35Ihr Blick fällt neben sich zum Tisch mit der Erde.
29:38Wasch ich mir jetzt die Hände oder nicht?
29:40Nee, wahrscheinlich nicht.
29:42Sie nimmt die Papageienfigur an sich.
29:44Ein Blick aus dem geparkten Wagen zu Sarah, die aus dem Rembrandt-Gebäude kommt und in den Kombi steigt.
29:53Zuhause mit Jared vor dem Laptop.
29:57Ich hab das Gefühl, dass man mir was anhängen will.
30:00Und ich glaube, dass ich beobachtet werde.
30:03Meinst du echt?
30:05Du bist ein Typ, der mir überall hin folgt.
30:08Bist du dir sicher?
30:09Der Blick folgt dem abfahrenden Kombi.
30:13Jedenfalls hat jemand die Wohnung meiner Mutter durchwühlt und ich glaube, ich weiß, was er gesucht hat.
30:17Sarah zeigt Jared den Papagei. Sie klappt den Kopf des Vogels zurück und steckt ein kleines Gerät in die Öffnung.
30:24Dieses Ding stand seit ewigen Zeiten in der Wohnung meiner Mutter. Neben dem Tisch im Esszimmer.
30:29Aber stell dir vor, vorhin stand es bei Madame Casares. Oder besser gesagt, Rigoberta Flores.
30:36Wieso warst du überhaupt da? Liebling, das ist ein Tatort.
30:41Es hat mich niemand gesehen.
30:43Ich hab das Gefühl, Sarah, du verrennst dich da. Du bist unschuldig.
30:47Du hast doch Lebo gesehen. Denkst du ernsthaft, er kann das Chaos entwirren?
30:51Sieh dir das an. Das hier ist eine Website mit Geräten für Spionage. Und was sagst du jetzt? Ist doch verrückt.
30:57Sie zeigt auf das Gerät.
30:59Du denkst, deine Mutter würde ausspioniert?
31:01Nein, ich glaube, jemand hat mich ausspioniert.
31:03Sarah schließt es an den Laptop.
31:05Hör dir das an.
31:06Ich hab keine Lust darüber zu reden, weil du es nicht verstehen würdest.
31:09Aber ich würde gern wissen, was du gerade machst, woran du im Moment arbeitest.
31:13Elen und Sarah beim Essen.
31:15Du musst mir ja keine Details erzählen. Aber du musst auch nicht denken, dass ich dafür zu dumm wäre.
31:20Also ehrlich, Mama, glaub mir. Ich will dich nicht damit langweilen.
31:24Na schön, im Moment verhandle ich den Kauf einer Lithiummine hier in Quebec.
31:32Bist du jetzt zufrieden?
31:34Jared guckt verstört.
31:36Okay, das ist was Ernstes.
31:39Er schaut auf Sandy.
31:41Ich muss jetzt dringend in die Kanzlei. Offenbar gibt es Probleme mit Duchenne.
31:45Schon gut, Liebling. Geh ruhig. Ich werde die Zeit nutzen und mich erstmal ein bisschen ausruhen.
31:51Na schön. Wir werden das klären. Ich beeil mich.
31:55Jared küsst Sarah und steigt die Treppe hinauf. Sarah tippt auf den Laptop.
32:03Ein Blick auf das riesige Minenareal in Guatemala. Rigoberta trägt ein rotes, besticktes Wickelkleid.
32:10Mach die Mine dicht! Die Mine tötet!
32:14Rigoberta als furchtlose Demonstrantin mit dem Foto eines Mädchens in der Hand.
32:20Und als Leiche auf dem Dielenboden.
32:25Sarahs Blick fällt zu dem Flyer mit der Schildkröte, der in Elens Notebookhülle klemmt.
32:30Sie faltet ihn auf und blickt gedankenversunken ins Weite.
32:43Sarah klappt den Laptop zu und zieht das Abhörgerät heraus.
32:47Ein Blick auf Montreal in der Abenddämmerung.
32:49Im Krankenhaus kommt Sarah mit müde glänzenden Augen zu Elens Patientenzimmer.
32:53Sie stellt sich zu ihrer schlafenden Mutter ans Bett und berührt sie leicht an der Schulter.
33:03Christa verlässt das Zimmer. Sarah folgt ihr auf den Gang.
33:10Entschuldige, ich wusste nicht, dass dir das so nahe geht, was mit Madame Cassares passiert ist.
33:19Ja, schon gut. Ich habe bei Krankenschwestern international gearbeitet. Ich habe da sehr viel Gewalt erlebt.
33:28Christa setzt ein Stethoskop auf. Sehr viel Trauriges.
33:32Ein Mann hält ein kleines Mädchen im Arm. Christa legt den Stethoskop-Kopf auf seine Brust.
33:37Eine Frau streicht dem Kind über den schweißnassen Kopf. Christa weint.
33:42Christa sieht zu Sarah.
33:51Ich bin dadurch empfindlicher geworden. Ich hatte das Gefühl, dass ihr euch besser kanntet.
33:59Christa schüttelt den Kopf.
34:00Nein.
34:01Sie verschränkt die Arme vor der Brust.
34:03Warum auch immer sie umgebracht wurde, es hat irgendeine Verbindung zwischen meiner Mutter und der Toten gegeben. Ganz sicher.
34:09Christa mustert sie beunruhigt.
34:11Und ich bin inzwischen davon überzeugt, dass ihre Beziehung mit dem zu tun hat, was hier passiert ist.
34:16Ich glaube, sie waren einfach nur Freunde.
34:18Nein. Meine Mutter hat mir verheimlicht, dass sie Madame Cassares schon von früher kannte.
34:23Hast du vielleicht Gespräche mitbekommen zu Themen, die, keine Ahnung, ungewöhnlich waren?
34:30Christa schüttelt den Kopf.
34:32Eigentlich nicht.
34:35Aber ich hatte den Eindruck, dass sie seit ihrer Flucht aus Guatemala immerzu Angst gehabt hat.
34:46Selbst hier?
34:47Ja.
34:50Aber vielleicht war das nur so ein Eindruck.
34:54Weißt du, ob jemand sie bedroht hat?
34:57Nein.
34:59Sie hat mir nie erzählt, warum sie geflohen ist. Von daher.
35:02Vielleicht wissen andere Flüchtlinge aus Guatemala mehr darüber.
35:05Sarah kramt in ihrer Manteltasche nach dem Flyer.
35:09Madame Cassares hatte was mit diesem Kulturzentrum zu tun.
35:12Dieser Flyer war in der Handtasche meiner Mutter.
35:14Sie reicht in Christa.
35:16Da gibt es fast jeden Abend Veranstaltungen.
35:19Die hält den Blick gesenkt.
35:21Sprichst du Spanisch?
35:22Unbehaglich starrt sie Sarah an.
35:24Ähm, ja.
35:25Gut genug.
35:26Die lächelt der Freund.
35:28Du könntest mir helfen.
35:30Christa schluckt.
35:31Die Fenster der Firmenzentrale von Bascon sind mit roter Farbe gesprüht.
35:34Drinnen läuft Duchesne telefonierend auf und ab.
35:36Verdammt, schicken Sie mir endlich diese Sarah de Lyon, hm?
35:40Nein, nein.
35:41Nein, nein.
35:42Ich will auf jeden Fall Sarah.
35:43Ja, ja, Marc.
35:44Natürlich wird Sarah weiter ihren Fall betreuen.
35:46Es ist nur...
35:47Nein, nein.
35:48Sonst unterschreibe ich nicht.
35:49Ich werde nicht unterschreiben.
35:51Äh, Marc.
35:52Hören Sie.
35:53Hören Sie.
35:54Ich darf sie doch, Marc, nennen.
35:56Diese Demonstranten haben mir ganz schön Rabatz gemacht.
35:58Jetzt räumen wir auf.
35:59Draußen entfernen Sicherheitskräfte ein Banner der Demonstranten.
36:02Brankovic im SUV.
36:04Ja, okay.
36:05Verkauf die Anleihen.
36:06Diese Scheißpapiere entwickeln sich seit drei Monaten nicht.
36:08Ich hab's satt im Ernst.
36:09Ich hab's satt, mir jeden Scheißtag diesen Scheiß anzusehen.
36:12Scheiß drauf weg damit, verdammt nochmal.
36:14Herrgott.
36:15Im Kulturzentrum stehen ein paar Dutzend Menschen mit trauriger Miene
36:18vor einem mit Blumen und exotischen Früchten geschmückten Altar.
36:21Unzählige Kerzen brennen vor gerahmten Bildern von Rigoberta.
36:25An den Wänden hängen geknüpfte, bunte Teppiche.
36:28Auch die gelockte Reporterin ist unter den Anwesenden.
36:33Mit Fühlen schaut sie zu einer Frau, die sich die Augen wischt.
36:39Sarah und Christa betreten den Saal und stellen sich hinten unter die Trauernden.
36:47Ein paar Leute beäugen sie argwöhnisch und beginnen zu tuscheln.
37:05Sarah entdeckt vorne den langhaarigen Handwerker.
37:08Hastig verlässt er mit seiner Tasche die Wohnung. Sarah dreht sich zu Christa.
37:13Das ist der Kerl, der in der Wohnung meiner Mutter war.
37:16Was?
37:17Der langhaarige dreht sich um und sieht Sarah.
37:19Er geht zu einem gelockten Mann und zeigt mit dem Finger auf sie.
37:22Die Anwältin von Minexor.
37:27Der gelockte dreht sich zu ihr um.
37:30Die Anwältin von Minexor! Die Anwältin von Minexor!
37:34Mach die Mine dicht! Die Mine tötet!
37:37Rigoberta beim Protest in Guatemala.
37:39Warten Sie! Ich kannte Madame Kat!
37:41Rigoberta Flores war eine Freundin meiner Mutter!
37:43Du hast ja nichts zu suchen!
37:44In der Mine tragen Demonstranten weiße Särge, auf denen in roter Farbe Zyanit steht.
37:49Aus einem Rohr fließt verschmutztes Wasser.
37:51Raus, Anwältin von Minexor!
37:55In einem Dorf gießt ein junges Mädchen klares Wasser aus einem Eimer.
38:00Ein Mädchen küsst dem kranken Kind auf die Stirn.
38:03Der Mann mit dem Schnurrbart hält schluchzend das Kind im Arm.
38:06Rigoberta?
38:08Mein Sohn!
38:09Sie wischt ihm die Tränen vom Gesicht.
38:11Neben den beiden steht weinend Christa.
38:13In der Mine halten die Demonstranten ein Bild des toten Kinds.
38:17Anwältin von Minexor!
38:18Raus hier!
38:20Die aufgebrachte Menge im Kulturzentrum schubst Sarah.
38:24Sie knallt mit der Stirn gegen eine Wand und stürzt sich dem Kopf haltend aus dem Saal.
38:27Die Reporterin filmt es mit dem Händel.
38:30Der Pickup hält in dem Dorf neben dem Karburgbaum.
38:33Die beiden Männer auf der Ladefläche springen ab und laufen mit Pistole in der Hand auf ein Haus zu.
38:37Drinnen faltet eine 12-jährige Wäsche auf einem Bügelbrett.
38:41Die beiden Männer stürmen herein.
38:45Ängstlich weicht das Mädchen zurück.
38:48Wo ist dein Papa?
38:49Es schüttelt den Kopf.
38:50Vor dem Haus eilt Rigobertas Sohn mit zwei Tragetaschen davon.
38:55Der Fahrer des Pickups schießt auf ihn.
38:57Er stürzt und bleibt reglos im trockenen Gras liegen.
39:00Die Männer im Haus stürmen hinaus zum Pickup.
39:05Der Wagen fährt ab. Rigoberta läuft zu ihrem Sohn.
39:09Paco! Mein Sohn! Mein Sohn!
39:12Langsam tritt das Mädchen in die offene Tür.
39:14Was war?
39:16Mein Schatz!
39:17Rigoberta dreht Paco auf den Rücken.
39:19Ihre Enkelin eilt herbei und kniet sich neben ihrem Vater.
39:22Beide rütteln an dem Toten.
39:24Hilfe! Hilfe!
39:27Verzweifelt legt Rigoberta ihre Stirn auf den blutgetränkten Torso ihres Sohns.
39:31Mein Junge!
39:32Mein Junge!
39:39Während ihre Enkelin weiter ungläubig am Vater rüttelt, sieht Rigoberta zum Himmel und verbeugt sich.
39:46Ein aufsteigender Blick über die riesige, belaubte Krone des Kapok-Baums.
39:51Die funkelnden Lichter von Montreal bei Nacht.
39:54Sarah hastet sich die Stirn haltend ein Treppenhaus hinauf.
39:57Sarah, hör mal. Die Aktionäre vom Voscon geraten in Panik.
40:01Die Chen ist zu einem Gespräch bereit, aber nur mit dir. Also steige in das nächste Flugzeug Richtung Cotenau.
40:07Sarah flieht aus dem Kulturzentrum. Sie holt ihr Handy aus der Manteltasche.
40:11In der Kanzlei klappt Fraser sein Handy zu und legt es bedächtig vor sich auf den Schreibtisch.
40:18Aufgewühlt schöpft Sarah Atem.
40:22Das Bild wird schwarz. Das war Ein mächtiger Gegner Episode 2 aus dem Jahr 2025.
40:28Mit Caroline D'Avernaz als Sarah de Leon.
40:32Robin Aubert als Emil Lebeau.
40:34Akko Chanouan als Jared Walton.
40:36Katharine Brunet als Christa Eliasson.
40:38Benoit Briere als Philipp Fraser.
40:41Deutsche Fassung Studio Hamburg Synchron GmbH.
40:45Hörfilmfassung ZDF Digital.
40:47Text Mikesh Roma.
40:49Redaktion und Tonregie Cynthia Garkisch.
40:51Tonmischung Markus Fass.
40:53Gesprochen von Heiko Grauel.
40:58Trommel.
41:01Nur.
41:03Stammel.
41:04Werner.
41:06Eier.
41:08Geräusche.
41:10Schmutz.
41:12Geräusche.
41:14Schmutz.
41:16Geräusche.
41:18Schmutz.
41:20Geräusche.
41:22Schmutz.
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