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00:01Berlin, in the night.
00:05Soldaten stürmen einen U-Bahnhof.
00:08Es fallen Schüsse.
00:11Am Gleisberg kommt es zum Feuergefecht.
00:14Verletzte werden in Sicherheit gebracht.
00:18Stop!
00:19Das hier ist kein Film,
00:21sondern die Übung Bollberg Berlin 3.
00:23Eine Einheit der Bundeswehr trainiert den Ortskampf
00:26sowie den Schutz wichtiger Infrastruktur.
00:28Dabei entstehen eindrucksvolle Bilder.
00:31Für uns, für andere Medien und für die eigenen Kanäle.
00:36Bis Mitte der 2030er-Jahre soll die Bundeswehr
00:39um bis zu 80.000 Soldatinnen und Soldaten wachsen.
00:42Dieses vorgegebene Ziel der NATO
00:44ist ohne massive Nachwuchsgewinnung nicht erreichbar.
00:47Ein Baustein dabei, die Medienarbeit.
00:50Wie lenkt die Bundeswehr ihre Kommunikation und ihr Bild nach außen?
00:54Wir gehen auf Spurensuche
00:56zwischen taktischen Übungen und viralem Content.
01:03Im Berliner U-Bahnhof Jungfernheide begleiten wir das Medienteam der Bundeswehr
01:08bei einer Übung im Untergrund.
01:10Im Hintergrund immer mit dabei ein eigener Presseoffizier.
01:15Er erklärt uns die Abläufe, prüft Aussagen und kontrolliert,
01:19mit wem wir, worüber, vor der Kamera sprechen dürfen.
01:22Der Kamerad wird jetzt gleich einen der Protagonisten
01:25mit einer GoPro ausstatten, damit wir die Möglichkeit haben,
01:30quasi Bilder zu bekommen von dem Trupp, der als erstes vorne wegläuft.
01:37Der wird wahrscheinlich auch Feindkontakt haben,
01:39dass wir dann entsprechend auch Bilder generieren können,
01:42was das heißt, wenn die Soldaten im Feuerkampf stehen.
01:46Und während einige Soldaten für den Ernstfall üben,
01:49produziert das Social-Media-Team Content für die Online-Kanäle der Bundeswehr.
01:57So, wir machen folgendes. Wir machen ein Unterstützer-Video.
02:00Das heißt, du stellst dich vor.
02:02Hi, ich bin Hauptmann Nils und der Hauptmann Mathis.
02:05Ich bin Hauptmann Nils,
02:07ich bin Presseoffizier beim Wachbataillon und ich bin Unterstützer.
02:09Das Wachbataillon führt in dieser Woche
02:12die Kompanieübung Bollwerk Berlin 3
02:14hier in unserem Einsatzraum Berlin durch.
02:16Ohne mich geht's nicht.
02:20Mit der Social-Media-Kampagne Ich bin Unterstützer
02:22präsentiert die Bundeswehr
02:24die verschiedenen zivilen und militärischen Berufe
02:26in ihrem Bereich.
02:30Hi, ich bin Hauptmann Martin, Zugführer und Unterstützer im Wachbataillon.
02:36Wir haben Schwierigkeiten gehabt, die Verwundeten herauszubergeln,
02:40während wir den Feuerkampf führen mussten.
02:43Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine
02:46ist die Kriegsangst der Deutschen gestiegen.
02:48Im ARD Deutschland Trend 2025 äußerten fast zwei Drittel
02:52sehr große oder große Sorgen vor einem erneuten großen Krieg in Europa.
03:00Das Wachbataillon trainiert hier wohl ganz bewusst mitten in der Hauptstadt.
03:07Es ist wichtig, dass die Bevölkerung merkt, sieht,
03:10die Bundeswehr kann das, was sie tut.
03:12Ich find's gut, dass die Bundeswehr ihr Können auch hier in der Stadt präsentieren kann.
03:19Weil wenn wir in die Situation kommen, dass wir unser Können anwenden müssen,
03:23machen wir das nicht auf dem Truppenübungsplatz,
03:25sondern dann machen wir das hier in so einer Stadt wie Berlin im urbanen Raum.
03:28Aber ist es denn wirklich Aufklärung oder auch Marketing schon?
03:34Nein, ich mach kein Marketing.
03:36Also Marketing ist, wenn wir von Nachwuchsgewinnung sprechen,
03:38das ist Marketing aus meiner Sicht, dass wir Männer und Frauen gewinnen wollen.
03:41Nein, wir klären auf.
03:43Wir informieren und nach bestem Gewissen authentisch über die Geschehnisse,
03:48die bei den Streitkräften stattfinden.
03:50Das ist mein Job.
03:51Authentisch sein. Eine Formulierung, die im Interview häufig fällt.
03:56Bei der Bundeswehr sprechen sie davon, hier eigene Berichterstattung zu machen.
04:01Andere Medien sind am Tag vor unserem Dreh eingeladen.
04:05Zum sogenannten Pressetag kommen nach Angaben des Sprechers
04:07rund 50 Journalistinnen und Journalisten.
04:11Die Übung sorgt für große Resonanz.
04:14Die Bilder liefern Stoff für spannend gestaltete Berichte.
04:18Das gab es noch nie.
04:19Zum ersten Mal trainiert das Wachbataillon der Bundeswehr
04:22in einem U-Bahn-Tunnel den Kriegsfall.
04:24Die Bundeswehr simuliert den Spannungsfall.
04:27Die Hauptstadt ist bedroht.
04:29Und auch vier Journalisten dürfen ausnahmsweise mit in den Tunnel.
04:33Kriegstüchtig werden, auf neue Bedrohungslagen einstellen, das ist das Ziel.
04:37Sie müssen auf alles vorbereitet sein.
04:39Wie versucht die Bundeswehr, den Weg ihrer Botschaften in die Öffentlichkeit zu steuern?
04:46Das Bundeswehrausbildungszentrum Strausberg in Brandenburg.
04:49Im Sommer 2025 bekommt unser Kollege Johannes Koch besondere Einblicke.
04:56Also beschreiben Sie.
04:58Es geht immer, und da erinnern Sie sich bitte dran, um die Bilder im Kopf
05:02zu Hause auf der Heimatcouch, die wir generieren wollen.
05:06Weil Lieschen Müller und die Heimatcouch weiß eben nicht, was sie da genau tun.
05:12Weil es für uns selbstverständlich ist, heißt es noch lange nicht,
05:15dass es für die Welt da draußen, für die Gesellschaft ebenso bekannt ist.
05:21Alexander Strauß bildet hier angehende Presseoffiziere aus.
05:25Sie tragen das Bild der Bundeswehr nach außen
05:28und sind für die Kommunikation mit Medien zuständig.
05:32Auch Julia Detlefsen lässt sich zu Presseoffizieren weiterbilden.
05:37Sie lernt in einem fiktiven Bedrohungsszenario, bestimmte Begriffe zu vermeiden.
05:44Dann erkläre ich, warum wir da sind, ohne dieses Wort Krieg in den Mund zu nehmen.
05:47Dann sage ich, wir folgen dem Ruf der Politik.
05:50Wir sind auf Einladung der Litauer da.
05:52Wir stehen mit unseren Bündnispartnern Schulter allen Schultern.
05:56Dann bist du wieder bei dir in der Spur drin.
05:58Ja, also das ist das Höchste der Gefühle.
06:01Wir sagen, was wir tun und nicht, was wir nicht tun.
06:07Es geht wohl auch darum, die Deutungshoheit zu behalten,
06:10Fragen zu umgehen, keine Superlative zu benutzen.
06:15Da kommt es aufs Wording an.
06:17Okay. Gut, ich habe Best-Strike gerade durch gut ersetzt.
06:21Geht es in der Arbeit des Presseoffiziers auch darum, Ängste in der Bevölkerung zu verhindern?
06:30Naja, ich denke, Kommunikation bedeutet ja auch immer Aufklärung.
06:34Und wenn du Aufklärung betreibst, das heißt einfach informierst über deine Ansichten,
06:39dann kannst du durchaus dazu beitragen, dass gewisse Ängste vielleicht zumindest eingedämmt werden.
06:45Seit elf Jahren ist die 30-Jährige bei der Bundeswehr.
06:48Jetzt wolle sie als Presseoffizierin den Soldatinnen und Soldaten eine Stimme geben.
06:54Das sind ja unsere Jungs und Mädels, die ansonsten kein Gesicht für die Bevölkerung nach draußen haben.
07:01Also wenn wir als Presseoffiziere, als Bindeglied zwischen der Öffentlichkeit,
07:05also euch Journalisten und jetzt hier der Bundeswehr nicht den Vermittler spielen,
07:10dann tut es ja auch sonst niemand oder im Zweifel machen das einfach nur die Journalisten, wie sie wollen.
07:15Im Gespräch mit Medien kann die Bundeswehr nur versuchen zu lenken.
07:19Anders auf Social Media. Dort bestimmen sie selbst die Spielregeln.
07:25Instagram, TikTok, YouTube, Twitch.
07:27Insgesamt hat die Bundeswehr alleine auf diesen Plattformen mehr als 20 offizielle Accounts.
07:32Darunter fallen auch die eigenen Instagram-Kanäle der Teilstreitkräfte wie Marine, Heer oder Luftwaffe.
07:40In einem Imagefilm auf ihrem YouTube-Kanal präsentiert sich die Bundeswehr selbstbewusst.
07:45Drohnenabwehr, Fitnesscontainer und sogar Astronauten, die sich auf eine Mondlandung vorbereiten.
07:50Wer uns folgt, bekommt einen Einblick, wie vielseitig die Bundeswehr ist.
07:55Hi, ich bin Staatssortifizier Nicole und ich bin ab heute mit den Grennys aus Marienbeck unterwegs und abfahrt.
08:01Auf Bundeswehr Exclusive laufen hochwertig produzierte Videos.
08:05Wie die Serie Explorers, eine Kooperation mit Influencern.
08:09Du wärst dann halt mit denen für vier Wochen unterwegs.
08:16Es geht für mich einen Monat auf einen Roadtrip mit der Bundeswehr.
08:20Auf dem Roadtrip werden wir dann die ganze Zeit irgendwelche coolen Challenges machen.
08:25Der Bundeswehr-Karriere-Account auf TikTok soll offenbar eine junge Zielgruppe über die Truppe als Arbeitgeber informieren.
08:32Wir sind gerade auf einem Event der Bundeswehr und werden gleich mal die Teilnehmer befragen, was sie denn so zum
08:36neuen Wehrdienst sagen.
08:37Hi, ich bin Torben, seit 2020 in der Bundeswehr und stationiert in Idar-Oberstein.
08:48Neben dem vielen unterhaltsamen Content auf dem Kanal, klingen in diesem TikTok auch ernste Töne an.
08:55Der Beruf Soldat ist kein Spiel und wir machen das hier nicht nur, weil es cool ausschaut.
09:00Viele von uns waren im Einsatz, haben Dinge erlebt und die kann man nicht einfach mit einem Filter wegwischen.
09:04Die Kosten für Social Media seien nicht seriös aufzuschlüsseln, schreibt uns ein Bundeswehrsprecher.
09:11Der Grund? Der Kanal-, Plattform- und medienübergreifende Charakter der Informationsarbeit.
09:20Kommunikationswissenschaftler Mirko Liefke beschäftigt sich damit, wie sich die Bundeswehr auf Social Media präsentiert.
09:25Wenn Institutionen Öffentlichkeitsarbeit betreiben, dann rücken sie sich in ein besonders positives Bild.
09:32Das ist auch vor allem dann nicht grundsätzlich problematisch, wenn das ein Baustein innerhalb von vielen ist.
09:40Was wir aber hier beobachten ist, dass die Kommunikation immer häufiger ja völlig unvermittelt stattfindet.
09:45Also nicht mehr über sozusagen den professionellen Journalismus eingeordnet, kontextualisiert wird, sondern die Bundeswehr erreicht unmittelbar mit ihren eigenen Botschaften
09:56gerade eben auch jüngere Menschen, teilweise unter 18-Jährige.
10:00Und wo man sich schon die Frage stellen muss, hätte die Bundeswehr hier nicht eine Verantwortung, gerade mit jüngeren Zielgruppen,
10:07hier ein weniger geschöntes Bild zu zeichnen der eigenen Arbeit.
10:13Liefke verweist auf die Abbrecherquote unter neuen Rekruten. Diese liegt laut dem aktuellen Wehrbericht bei rund 20 Prozent.
10:22Wir bekommen einen Termin beim Bundesministerium der Verteidigung. Was sagt der Sprecher zu der Kritik an Teilen des Bundeswehr-Contents?
10:30Es muss möglich sein, Videos zu machen in dem Sinne, wie heute Videos häufig gedreht werden, ob jetzt bei der
10:36Bundeswehr für ein Musik-Videoclip oder für andere Dinge.
10:39Da können wir ja nicht sagen, weil wir bei der Bundeswehr sind, müssen wir es irgendwie langweiliger oder weniger ästhetisch
10:45machen.
10:45Wichtig ist ja, dass wir, wenn wir Videos machen, können wir nicht von vornherein sagen, wir weisen jetzt darauf hin,
10:53welche Risiken der Job auch mit sich bringt.
10:55Das kann durchaus Thema sein und ist es auch, aber das kann nicht bei allen Videos, die immer gedreht werden,
11:00der Schwerpunkt sein.
11:00War das ernsthafte Video auf dem TikTok-Kanal von Bundeswehr Karriere eine Reaktion auf die Kritik an einer möglichen einseitigen
11:08Darstellung?
11:10Nee, wir versuchen schon alles abzudecken, auch wenn Sie mal gucken, also sagen wir mal TikTok, da haben wir jetzt
11:16diesen werblichen Kanal.
11:18Wir haben aber natürlich auch die ganz klassischen Social-Media-Kanäle, ich sage mal WhatsApp, Insta, wo wir vielleicht noch
11:24einen stärkeren Fokus oder einen starken Fokus auf Informationsweitergabe legen.
11:28Oder die Seite bundeswehr.de. Wer sich zum Beispiel auch interessiert für die Werbung und dann sagt, jetzt möchte ich
11:35aber mal ein bisschen mehr wissen, ist für mich vielleicht auch interessant.
11:37Der kann über Link auch auf einer Landingpage landen und dann tatsächlich nochmal Informationen bekommen, die sozusagen dann viel, viel
11:45weitergehender sind, als nur zu sagen, wir haben die und die Berufsbilder oder kannst du dieses und jenes machen.
11:50Auf TikTok selbst ist die Bundeswehr jedoch bisher lediglich mit dem Account bundeswehrkarriere vertreten.
11:56Neben dem offiziellen Social-Media-Auftritten gibt es auch private Accounts, auf denen Soldatinnen und Soldaten Einblick in die Bundeswehr
12:03geben.
12:04Einer von ihnen, Joshua Krebs, genannt Josch. Als Cinematic Sergeant hat er auf TikTok fast eine halbe Million Follower.
12:12Hey, ich bin Josch und dieses Jahr gehe ich auf den Einzelkämpferlehrgang.
12:19Drei, fertig.
12:40Schnelle Schnitte, Popmusik, eine Prise Humor. Wir treffen den Panzerkommandanten privat.
12:46Gerne hätten wir ihn auf dem Truppenübungsplatz interviewt, bekommen dafür jedoch eine Absage von der Bundeswehr.
12:51Ich hatte immer so ein paar Handy-Videos gemacht, irgendwie für unsere Besatzung, dass sie dann das Ganze mal zu
12:56Hause zeigen können.
12:57Dann hat das irgendwie mal den Weg zum Kompaniechef gefunden und der hat das an den Kommandeur geschickt.
13:01Und dann hat der Kommandeur, der sehr medienaffin war, gesagt, er möchte davon doch mal ein bisschen mehr haben.
13:05Das habe ich ihm gegeben. Und dann habe ich irgendwann mal was hochgeladen, gar nicht mit der Intention, das irgendwie
13:09dauerhaft zu machen.
13:10Und das war dann relativ schnell erfolgreich.
13:15Mittlerweile werden seine Videos teils millionenfach geklickt. Krebs habe die Erlaubnis, seine Videos auf dem Dienstgelände zu drehen.
13:22Der Rest passiere unentgeltlich in seiner Freizeit zu Hause, erzählt er uns. Warum macht er das?
13:28Es wird in den Medien immer auch viel geschimpft oder vieles wird sehr kritisch gesehen.
13:32Aber tatsächlich macht unser Beruf auch Spaß und das darf er auch.
13:35Denn wir sind zwar da, um das Land zu verteidigen und vor allem auch die Menschen in diesem Land.
13:40Aber trotzdem ist es natürlich was unfassbar Cooles. Auf der einen Seite, ich bin Kommandant auf einem Leopard-Kampfpanzer.
13:46Das ist Wahnsinn. Also das sind 1500 PS und man hat coole Kameraden und gute Leute, die mit einem auf
13:53so einem Fahrzeug dienen.
13:53Und das darf man meiner Meinung nach auch nach außen zeigen.
13:58Inhaltlich bekomme er keine Anweisungen von seinen Vorgesetzten, sagt er uns.
14:02Vor der Veröffentlichung würden seine Videos jedoch gecheckt, auf sicherheitsrelevante Aspekte.
14:07Sein Kanal sei kein offizieller Bundeswehr-Account.
14:11Und jetzt erklär doch nochmal, also du machst ja den Content privat. Ist es für die Bundeswehr okay, dass du
14:17das machst?
14:18Das wird zumindest geduldet. Und das läuft ja auch in Kommunikation mit Presseoffizieren und mit den Pressestellen.
14:26Die wissen das schon, dass ich das mache. Und es gibt Social Media Guidelines, an denen man sich halten muss.
14:31Diese Guidelines hat die Bundeswehr für private Kanäle von Soldatinnen und Soldaten erstellt.
14:36Sie geben vor, wie diese sich im Bundeswehr-Kontext auf ihren eigenen Accounts darstellen dürfen.
14:44Mittlerweile präsentieren sich im Social Web erfreulicherweise mehrere tausend Angehörige der Bundeswehr mit Stolz und Freude in Bezug auf ihren
14:51Arbeitgeber.
14:51Dabei ist es allerdings wichtig, dass für jeden User klar erkennbar ist, ob es sich bei den jeweiligen Profilen um
14:57privates Engagement oder einen offiziellen Auftritt handelt.
15:02Nutzen Sie bei Posts in Ihren persönlichen Profilen gerne Hashtags wie Bundeswehr, Bundeswehrkarriere.
15:09Diese Richtlinien gelten auch für Josch Krebs. Er taggt seine Videos mit dem Hashtag Bundeswehrkarriere und verweist auf Instagram sogar
15:17direkt auf die Karriereseite der Bundeswehr.
15:19Ein Blick in die Kommentare zeigt, mit seinen Inhalten erreicht er auch potenzielle Rekruten.
15:25Du betreibst ja eigentlich auch kostenlose Werbung für die, oder?
15:29Ja.
15:30Ja?
15:31Könnte man so sehen, ja.
15:33Wieso könnte?
15:34Ich würde mich nicht als Werbetreibenden bezeichnen für die Bundeswehr.
15:37Ich aus meiner Perspektive möchte einfach zeigen, wie das bei uns abläuft.
15:40Und wenn die Leute das gut finden und sich dann, oder das als Impuls ansehen, sich damit weiter auseinanderzusetzen und
15:47dann eine Entscheidung zu treffen, dann finde ich das gut.
15:49Ich glaube auch nicht, dass junge Menschen, aufgrund, dass sie ein cooles TikTok-Video gesehen sind, sofort einen Arbeitsvertrag bei
15:54der Bundeswehr unterschreiben.
15:55Also ich glaube, man darf jungen Menschen nicht immer unterstellen, dass sie nicht mitbekommen, was das für Konsequenzen haben kann.
16:06Jemand von der Bundeswehr soll mal gesagt haben, er sei wie die Pizza, die niemand bestellt habe, aber von der
16:12jeder ein Stück abhaben wolle, so Krebs.
16:14Die Informationsabteilung sei bereits mit einem Jobangebot auf ihn zugekommen, erzählt er uns.
16:20Er habe abgelehnt, um weiterhin die Mischung aus Soldatenjob und Social Media zu haben.
16:25Die Bundeswehr profitiere von der Glaubwürdigkeit privater Kanäle wie dem von Krebs, sagt Mirko Liefke.
16:32Sie wollen, dass ihre Soldatinnen und Soldaten auf Social Media als inoffizielle Markenbotschafter tätig sind, um die Bundeswehr zu repräsentieren.
16:42Und es ist Teil dieser Strategie, sozusagen auf einer persönlichen Ebene hier ein Bild der Bundeswehr zu zeichnen,
16:48was insbesondere jüngere Zielgruppen anspricht, die skeptisch sind gegenüber institutioneller Kommunikation,
16:57aber die schnell Vertrauen aufbauen zu Influencern beispielsweise.
17:01Liefke betont, die Verantwortung dafür würden nicht private Influencer wie Josch Krebs tragen.
17:07Dennoch würden durch die zahlreichen Accounts mögliche Gefahren verschleiert.
17:13Wenn wir Social Media Kommunikation ansehen, ist eines der Phänomene, die ins Auge fallen, die sogenannte Gamification,
17:19also die spielerische Darstellung von bestimmten Phänomenen, dass eine bestimmte Dramaturgie eingehalten wird,
17:28die an Videospiele erinnert, eine Bildsprache angewendet wird, die sehr actiongeladen ist, die viele schnelle Schnitte enthält.
17:35Die Themen Krieg oder Tod könnten bei der jungen Zielgruppe durch diese Art der Kommunikation zu wenig Aufmerksamkeit erhalten.
17:42Die Bundeswehr macht etwas sehr, sehr Ernsthaftes, sehr, sehr Wichtiges für unsere Gesellschaft.
17:46Und das Bild, was hier gezeichnet wird, wird dieser Ernsthaftigkeit nicht gerecht.
17:51Wie steht das Ministerium zu bundeswehrnahen Kanälen wie denen von Josch Krebs?
17:56Ich glaube tatsächlich, ja, wir haben auch einen Vorteil davon, dass Soldatinnen und Soldaten sagen,
18:02ich mache so einen Kanal und ich zeige, dass ich da eine gute Zeit habe bei der Bundeswehr,
18:09dass ich viel lerne, dass wir viel können. In gewisser Weise, ja, natürlich haben wir einen Vorteil davon.
18:15Das heißt, wir haben unseren eigenen Blick, haben da natürlich unsere Schwerpunkte.
18:19Und die einzelnen Influencer, und da zählt Herr Krebs dazu, haben einfach einen sehr subjektiven Blick.
18:26Bei der Frage, ob die Grenzen zwischen offiziellen und inoffiziellen Kanälen wie Cinematic Sergeant nicht verschwimmen könnten,
18:32verweist Stempfler auf die Eigenverantwortung der Nutzerinnen und Nutzer.
18:36Also wenn er es dazu schreibt, ist es ja transparent.
18:40Damit ist es ja zumindest mal so, für diejenigen, die sie interessieren,
18:43die werden dann feststellen, das ist ein privater Account.
18:46Und er berichtet natürlich aus der Bundeswehr.
18:49Das heißt, der Kanal an sich hat natürlich immer auch die Anmutung,
18:53dass da über die Bundeswehr berichtet wird und mag irgendwie semi-offiziell erscheinen.
19:00Aber in der Tat ist er ein Bundeswehrsoldat, der aus seinem Leben, aus seinen Erfahrungen berichten möchte.
19:07Und dann bin ich natürlich auch ein bisschen darauf angewiesen, dass der User guckt,
19:11was steht denn da drin im Profil und ist es offiziell oder nicht.
19:19Wir sind auf der Gamescom in Köln, der größten Videospielemesse der Welt.
19:24Laut Veranstalter haben 350.000 Gamerinnen und Gamer im August vergangenen Jahres diese Messe besucht.
19:32Wo ist die Bundeswehr denn?
19:34Hier sind wir mit unserem NDR-Kollegen Gunnar Krupp unterwegs, der die Messe auch schon als Gamer besucht hat.
19:40Im Karriere-Pavillon werben Arbeitgeber um Mitarbeitende.
19:44Die Bundeswehr ist schon seit 2009 dabei.
19:46Hier oben beginnen wir die Kameraden der Fallschirmjägertruppe, die hier mit bei sind.
19:51Die haben ihre Fallschirmsysteme mitgebracht und kann man es mal ausprobieren, anfassen.
19:56Man kennt es ja, wenn überhaupt, aus dem Video von YouTube und Co.
19:59In diesem Jahr ist die Bundeswehr groß auf der Gamescom vertreten.
20:03Die angemietete Fläche 150 Quadratmeter.
20:0650 Quadratmeter mehr als im Jahr zuvor.
20:09Hier kommen wir zum Zentrum Simulation und Navigation der Bundeswehr für fliegende Wappensysteme.
20:15Wir sehen das gerade hier bei dem jungen Mann.
20:17Der hat eine HoloLens auch, so nennt sich das.
20:20Dann sieht es gerade vor sich eine AR-Umgebung und kann da reingreifen.
20:24Darauf kann man dann Flugmuster sehen, die man dann hier rüber fliegen kann.
20:28Das dient unseren Pilotinnen und Piloten dazu, sich vorher tatsächlich in einer relativ reellen Umgebung anzuschauen.
20:34Wo fliege ich nachher lang? Das sind die Fähigkeiten, die wir hiermit darstellen möchten.
20:38Und wie realistisch ist das hier?
20:40Das ist sehr realistisch. Also das ist realitätsnah, denn damit fliegen wir auch tatsächlich.
20:46Das sieht ja insane aus. Da wird mir safe schlecht.
20:50Gunnar probiert im Flugsimulator das Fliegen eines Helikopters aus.
20:58Okay, woher lande ich denn jetzt?
21:06Oh, gut funktioniert. Ja, aber das ist heftig.
21:10Uns fällt auf, am Stand stehen auch sehr junge Besucherinnen und Besucher.
21:14Die 10-Jährigen, die haben ja häufig auch schon mal eine Affinität zur Bundeswehr, haben das schon mal gesehen, finden
21:20das cool.
21:21Die lassen wir natürlich auch sehr gerne auf unseren Messestand.
21:25Allerdings werben wir die nicht an für Karrieregespräche.
21:28Die Bundeswehr versichert uns, Altersgrenzen einzuhalten.
21:31Nach denen dürfen Menschen sich erst ab 16,5 Jahren mit Zustimmung der Eltern bewerben.
21:36Und jetzt ist ja natürlich, es ist alles sehr, sehr spielerisch hier aufgebaut, aber Bundeswehr gehört ja natürlich auch mehr
21:41zu.
21:41Da gibt es Verletzte und sowas. Und wie bringt ihr das den Leuten hier bei?
21:45Wir sind alle offen und transparent und jeder darf hier ehrlich darüber berichten.
21:50Und die Fragestellungen, die jeder mitbringt, die beantworten wir hier offen und ehrlich.
21:54Dafür stehen wir als Bundeswehr ein, dass wir jedem transparent darüber berichten, was er bei uns, was ihn bei uns
22:00erwartet.
22:01Aber es gibt hier keine Verletzten-Simulationen zum Beispiel?
22:04Wir haben hier hinten den Bereich der Sanitätsoffiziere mit dabei.
22:09Das sind diejenigen, die in der Bundeswehr Medizin studieren und dementsprechend auch den medizinischen Sektor abdecken.
22:15In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Kritik an Plakaten der Bundeswehr.
22:19Auch im Rahmen der Gamescom 2018.
22:23Multiplayer at its best.
22:28Mehr Open World geht nicht.
22:32User auf Twitter kritisierten, die Plakate würden mit Gaming-Begriffen mögliche Kriegseinsätze verharmlosen.
22:39Die Bundeswehr erwiderte, die Plakate würden zwar Signale einer Spielewerbung bedienen,
22:45auf den zweiten Blick erkenne man in ihnen jedoch die Werte der Bundeswehr.
22:50Wie kommt das bei denen an, die die Bundeswehr erreichen will?
22:54Das wollen wir hier herausfinden.
22:56In einer Gesamtschule in Stade, Niedersachsen.
23:00Wir zeigen dem Oberstufen-Politikkurs Bundeswehr-Inhalte und auch Content von Cinematic Sargent.
23:09Ja, ich folge ihn bereits und ich merke auch, dass jetzt nicht nur bei diesem privaten Account,
23:13sondern auch bei dem offiziellen Account, dass halt viel auch mit Humor gearbeitet wird,
23:16was auch Sinn macht.
23:17Ich meine, Bundeswehr ist ja eigentlich eher ernst.
23:19Und das war halt dann versucht in solchen Videos, wo man für die Bundeswehr wirbt,
23:23halt viel mit Humor arbeitet.
23:24Das ist mir heute auf jeden Fall aufgefallen.
23:26Und ich finde seine Videos generell eigentlich sehr ansprechend.
23:28Und wieso macht es für dich Sinn, das so ein bisschen mit Humor zu verarbeiten, hast du gerade gesagt?
23:32Naja, weil es einfach genau das Gegenteil von der Bundeswehr darstellt.
23:35Und ich glaube, viele verbinden auch mit der Bundeswehr halt auch Angst, Gewalt, Furcht.
23:40Und wenn man das halt so ein bisschen mit Humor darstellt, dann ist es halt eher ansprechend
23:44für andere Leute halt auch da anzufangen und generell diesen ersten Schritt zu machen.
23:47Glaubt ihr denn, hier wird so auch ein realistisches Bild von der Bundeswehr auch gezeigt in so einem Auftritt?
23:53Ich möchte jetzt auch niemandem was vorwerfen, aber ich gehe mal davon aus,
23:56dass da meistens immer nur die schönen Sachen gezeigt werden, wie in eigentlich allen anderen Videos,
24:01die von der Bundeswehr gepostet werden.
24:04Aber ich glaube, es wäre wichtig, dass beide Seiten ein bisschen beleuchtet werden,
24:08weil es ist nun mal die Realität und man kann nicht immer nur eine Seite zeigen.
24:11Die Schüler sind zwischen 17 und 19 Jahre alt.
24:14Auf sie kommt das neue Wehrdienstgesetz zu.
24:17Den Fragebogen zur Wehrdiensteignung, für junge Männer verpflichtend,
24:21sollen bisher nur gut die Hälfte beantwortet haben.
24:23Wir zeigen der Klasse ein Video von Bundeswehrkarriere.
24:27Kaboom!
24:28Yes, Rico!
24:29Kaboom!
24:33Vielleicht kennt man die Serie mit diesen Pinguinen und da verwenden die oft häufig Bomben
24:40und es ist halt jetzt lustig zu sehen, das in so einem Kontext zu sehen.
24:44Also eigentlich ist die Bundeswehr ja eine ernste Sache, aber dadurch muss man schon irgendwie ein bisschen schmunzeln.
24:51Die Bundeswehr, nah dran an der Lebenswelt der jungen Menschen.
24:55Für unseren Kurs ist klar, die Videos der Bundeswehr sind unterhaltsam, für einige aber auch unvollständig.
25:03Jetzt wird ja nur gezeigt, dass sie üben, aber dass sie dann noch wirklich damit in Krieg ziehen oder sowas,
25:09das wurde gar nicht gezeigt.
25:10Sondern nur einfach, wie spaßig es sein kann, mit den Panzern zu üben.
25:15Wir haben den Schülern nur einen Ausschnitt gezeigt.
25:18Doch wie steht es um die ernsten Themen in Bezug auf Bundeswehrnahe Inhalte?
25:23Als Cinematic Sergeant spart Josch Krebs sie größtenteils aus.
25:27In seinem Podcast spricht er darüber.
25:29So, Freunde der Sonne, herzlich willkommen hier zu der neuen Folge Bordfunk.
25:33Jeder hat noch diese völlig krassen Bilder vor Augen, als deutsche Soldaten in Afghanistan waren,
25:40dann eben bei diesem eiligen Abzug.
25:42Es haben sich Menschen, die voller Hoffnungslosigkeit waren, an Flugzeuge gehangen.
25:47Und das sind Sachen ähnlich wie der Beginn des Ukraine-Kriegs, die mich nicht loslassen.
25:51Aber ist es nicht ein bisschen zu einfach, diese Themen dann quasi in den Podcast auszulagern?
25:55Natürlich erreicht man nicht jeden, den man mit den Videos erreicht,
25:58vielleicht weil Leute sich auch gar nicht mit dieser anderen Seite auseinandersetzen.
26:03Und es ist auch, glaube ich, nicht unbedingt meine Aufgabe, zu allem Stellung zu beziehen.
26:08Die Bundeswehr hat ausgebildetes Pressepersonal und es gibt die entsprechenden Pressesprecher,
26:13die sich dann zu solchen Vorfällen äußern.
26:14Ich glaube, wenn jeder Soldat und Panzerkommandant da jetzt seine Meinung zu kundtut,
26:19dann ist auch keinem geholfen.
26:21Einen Tag nach unserem Interview mit Michael Stempfle gibt es Medienberichte.
26:26Künftig soll es für Soldatinnen und Soldaten, die in den sozialen Medien posten, strengere Regeln geben.
26:32Vor allem, damit keine sensiblen Informationen in Fotos oder Videos landeten, sagt uns Stempfle.
26:38Mit möglichen Ausnahmeregelungen.
26:40Die Bundeswehr steht vor einem Drahtseilakt.
26:43Sie will Inhalte so gestalten und sich nahbar geben, um nachhaltig Nachwuchs zu gewinnen.
26:49Aber gleichzeitig die Kommunikation nach außen kontrollieren.
26:57Untertitelung des ZDF, 2020
26:57Untertitelung des ZDF, 2020
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