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00:01Now the big moment, Angelika, you show me the inner of your Kleiderschrank.
00:12We put all the white and white blusen on your bed.
00:22Is it a little or not?
00:24This is a holiday.
00:25It's a holiday.
00:26It's a holiday.
00:28It's a holiday.
00:30It's a holiday.
00:32It's a holiday.
00:32It's a clear decision.
00:33It's a holiday.
00:34It's a holiday.
00:35It's a holiday.
00:39It's a holiday.
00:39Wann genau ist das eigentlich passiert?
00:42Dieses zu viel im Leben.
00:44Dieses Besitzen, ohne zu wissen, wie viel und wozu.
00:49Die endlose Kette immer neuer Wünsche.
00:52Wo hört sie auf?
01:08Ich weiß jetzt, was ich habe.
01:10Ich besitze nämlich jetzt nur noch Dinge, wenn du jetzt mal guckst.
01:15Du hast jetzt hier eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun Blusen.
01:20Das sind jetzt deine Blusen und aussortiert einfach, um dir mal ne Relation zu geben.
01:25In eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf, zwölf, dreizehn,
01:37vierzehn.
01:48Es gibt ein englisches Wort, das heißt Suffocation.
01:53Das ist eine Wortkreation aus Stuff, also die, also so Zeugs, ja, und Suffocation, also ersticken, am Zeug ersticken.
02:23Ja, sie machen Spaß, die Dinge.
02:26Sie unterstreichen unsere Individualität und markieren unseren Platz in der Gesellschaft.
02:30Wer hart arbeitet, soll sich schließlich auch viel leisten können.
02:35Erfolg ist gleich Reichtum, ist gleich Lebensglück.
02:39So in etwa ist doch die Erzählung der Überflussgesellschaft.
02:42Und jetzt?
02:43Jetzt erzählt uns der erschöpfte Planet eine andere Geschichte.
02:47Und es ist die Frage, wie clever die Menschheit darauf reagiert.
03:06Es ist Zeit, das Credo vom ewigen Wachstum zu ersetzen.
03:11Denn dieser Lebensstil gefährdet die Welt.
03:13Das ist keine Frage der politischen Anschauung.
03:16Es ist eine Frage der Vernunft, der Menschlichkeit und der Moral.
03:21Der Status Quo ist der Risikofaktor.
03:23Es ist eine Utopie zu denken, dass es so bleiben wird, wie es ist.
03:27Und vorher war es immer, die Nachhaltigkeitsleute sind die Utopisten.
03:30Nein.
03:30Und das ist einfach jetzt wissenschaftlich durch.
03:32Und dann ist es gleichzeitig unheimlich erleichternd, die Befunde aus der Sozialwissenschaft zu haben
03:37und aus der Glücksforschung und Wohlergehensforschung, die sagen, weißt du was?
03:40Für unsere Lebensqualität muss das gar nicht wahnsinnige Einschränkungen bedeuten.
03:44Wir müssen nur neu drüber nachdenken.
03:56Wer bin ich? Und wer will ich sein? Warum bin ich da? Und wofür?
04:04Und geht das alles nicht noch besser?
04:16Das Leben in der modernen Konsumgesellschaft ist dadurch geprägt, dass die Menschen nicht mehr an den Herrgott glauben
04:23oder an etwas Übersinnliches, sondern sie glauben an den Konsum, an die Mobilität, an die Digitalisierung, an die Technik
04:30und auch daran, dass es wichtig ist, medial präsent zu sein, etwa auf Instagram oder anderswo in den sogenannten Social
04:37Media.
04:38Aber diese Phänomene haben die Eigenschaft, dass es dann keine Obergrenze mehr für das geben kann, wonach Menschen streben könnten.
04:47Weil die Anzahl der Bilder, die ich bei Instagram einstelle, kennt keine Obergrenze.
04:54Die Anzahl der Autos, die ich kaufen könnte, kennt keine Obergrenze.
04:57Die Anzahl der Urlaubsreisenden im Prinzip auch nicht.
05:00Das heißt, dass damit der Mensch in einer Situation ist oder in einem Entwicklungsprozess, der keine Ankunft mehr kennt.
05:09Ich kaufe, du kaufst, er, sie, es kauft. Wir kaufen, wir kaufen, sie kaufen.
05:15Nochmal! Ich kaufe, du kaufst, er, sie, es kaufen.
05:19Kurz gesagt, der Verbrauch ist der Motor der Wirtschaft.
05:24Irgendwann im letzten Jahrhundert wurde der Mensch verpflichtet, Dinge nicht nur zu brauchen, sondern sie vor allem zu verbrauchen.
05:31Das ist das, was der moderne Mensch zu tun hat. Bis auf Weiteres.
05:35Das neue lockt. Mit einem Versprechen, das jedes Produkt umhüllt.
05:41Verpackung ist Verführung. Lüge. Täuschung. Kaufentscheidend.
05:48Testeinkaufe eine Zero-Waste-Aktivistin.
05:52Immerhin, Strohhalme aus Plastik darf man bald nicht mehr kaufen.
05:56Verbot ab 2021.
05:59Das ist natürlich toll, gell? Was ist das?
06:03Ja, genau.
06:16Was haben wir noch?
06:19Das ist ...
06:21To-go.
06:22Ist ja mit eines der wichtigsten Verkaufskriterien inzwischen.
06:27Man braucht alles to go.
06:29Alles abgepackt, doppelt und dreifach abgepackt, bis eine Nose gekauft.
06:33Das ist so einfach.
06:34Das kann ich ...
06:36Da brauche ich Stofftaschen dazu und dann ist das weg.
06:41Der Weg der Verpackung.
06:43Vom Versprechen zum Fluch, der über den kommenden Generationen liegt.
06:49Das ist jetzt unser Müll.
06:55Das war früher unser Bademühleimer.
06:58Das ist jetzt unser Hauptmühleimer.
07:00Und da kommen Verpackungen rein oder mal Plastik,
07:03das wir nicht vermeiden können.
07:06Das ist eigentlich der Müll vom Gerben Sack.
07:08Das ist der Biomüll.
07:10Der kommt auf den Kompost in den Garten.
07:12Und eine Restmühleimer haben wir.
07:16In dem Sinne brauchen wir nicht.
07:19Denn wir produzieren eigentlich keinen oder fast keinen Restmüll.
07:24Kein Restmüll.
07:26So etwas ist möglich.
07:27In einem Fünf-Personen-Haushalt.
07:30Das ist vor allem eine Frage des Einkaufens.
07:33Manuela holt sich den Verpackungswahnsinn einfach nicht ins Haus.
07:37Glasflaschen, Großpackungen, ein ganzer Reissack
07:40statt kleiner verschweißter Päckchen.
07:43Solche Sachen.
07:44Waschmittel macht sie selbst aus Kastanien und Efeu.
07:47Oder kauft es unverpackt.
07:49Gemüse, Kräuter, Salat holt sie sich aus dem eigenen Garten.
07:53Es ist ein bisschen wie früher bei Oma und Opa,
07:56als es die Plastikverpackungen noch nicht gab.
07:59Müll vermeiden kann jeder, sagt Manuela.
08:02Darüber hat die promovierte Agrarwissenschaftlerin
08:04zwei Bücher geschrieben.
08:06Daneben hält sie Vorträge.
08:07In Kleingemeinden, Schulen, Kindergärten.
08:11Heute ist sie im Nachhaltigkeitszelt
08:13des Freisinger Uferlos-Festivals.
08:18Es werden immer mehr Anfragen,
08:20es werden immer mehr Besucher, die kommen.
08:23Ich habe letzte Woche zum Beispiel einen Vortrag gehabt,
08:25die haben gemeint, das wäre wirklich ein kleiner Vortrag,
08:27weil es eine kleine Gemeinde war.
08:28Sie haben gerechnet mit 20, 30 Besuchern.
08:31Und dann waren es aber 80.
08:34Die Woche davor haben sie gerechnet mit 100 vielleicht.
08:38Und es waren dann tatsächlich fast 200 oder über 200 Besucher.
08:42Also es ist ein sehr aktuelles Thema.
08:46Und es ist, dass die Menschen das wirklich jetzt berührt
08:49und dass sie tatsächlich was machen möchten.
08:56Bei jedem Einkauf der Frust.
08:59Der Verpackungsmüllberg wächst.
09:02220 Kilogramm Müll pro Kopf nur durch Verpackungen.
09:06Aber wie ändern?
09:07Die Produkte sind halt so gemacht.
09:09Und die anderen verzichten ja auch nicht.
09:13Es geht auch nicht darum,
09:15dass jetzt jeder das total perfekt machen soll oder sowas.
09:18Sondern wenn jeder ein bisschen was macht
09:21und dieses bisschen wird zum Alltag
09:23und dann kommt der nächste Schritt,
09:24das ist der Weg.
09:25Es ist nicht der Weg zu sagen, morgen ist alles anders,
09:31sondern Schritt für Schritt.
09:34Wenn wir alle gleichermaßen verzichten
09:36und das die Regel in einer Gesellschaft ist,
09:38fällt der Verzicht lange nicht so schwer.
09:40Aber die Regel funktioniert nur,
09:42wenn es eben einen gesetzlichen Rahmen für diesen Verzicht gibt.
09:45Wenn man sagt, du verzichtest mal,
09:47du könntest verzichten.
09:48Aber dann sehe ich meinen Nachbar,
09:50der mit seinem Porsche 260 auf der Autobahn pumpst.
09:53Und ich bin mit 35 PS, weil ich verzichtet habe, unterwegs.
09:57Dann sage ich, war das jetzt richtig zu verzichten.
09:59Wenn wir aber sagen,
10:00alle fahren nur noch mit 50 PS durch die Gegend,
10:03dann ist das nicht so ein großes Problem.
10:05Das sind auch Briefe, die ich bekomme.
10:07Dass Leute schreiben,
10:08wieso sollen wir jetzt unseren Fußabdruck reduzieren?
10:10Wieso sollen wir nicht mehr fliegen?
10:11Wieso sollen wir kein Billigfleisch mehr machen?
10:13Wenn die Politik den reichen Leuten alles durchgehen lässt,
10:17dann sollen wir uns jetzt einschränken,
10:19um den Reichen, denen es eh total egal ist,
10:20noch mehr Platz auf diesem Planeten zur Verfügung zu stellen.
10:23No way.
10:26Es gab mal die Erzählung, dass Eigentum verpflichtet.
10:28Oder dass eine steuerliche Entlastung bestimmter Großunternehmen
10:32am Ende für alle gut sei.
10:34Aber die Antwort ist einfach 42.
10:3842 Milliardäre besitzen laut der Hilfsorganisation Oxfam
10:43so viel wie die halbe Welt.
10:45Freiheit hat, wer Kaufkraft hat.
10:47Verkannt galt noch.
10:49Meine Freiheit endet da, wo ich die Freiheit anderer beschneide.
10:54Aber für die großen Philosophen war das gute Leben
10:57ja nie Ausschweifung, sondern Verzicht, Bescheidenheit.
11:02Martin Zells, Romanautor, Komponist und Aussteiger,
11:05probiert das seit zwei Jahren für sich aus.
11:08Er hat sich rausgenommen aus dem Konsumdiktat.
11:11Das meidet eigentlich Orte wie diese.
11:18Und wie geht es dir? Wie fühlst du dich?
11:21Du, äh, ein wenig erschlagen und unwillig.
11:26Und das Irre ist, wie gesagt, dass ich die meisten Dinge,
11:28die da drin zu sehen und zu kaufen sind,
11:30nicht mal erkenne, wozu sie gut sind.
11:38Also, was Laufsport betrifft, scheint es heute nicht mehr getan zu sein
11:44mit einfach raus vor die Tür und los,
11:45sondern da muss man ausgestattet sein.
11:48Da gibt es richtig hier die Uhr und hier noch ein Pulsmesser wahrscheinlich
11:53und besondere Unterwäsche und besonderes Plastik.
11:59Und natürlich auch die ganzen anderen Sachen total exklusiv und besonders.
12:03Und nach zwei Jahren im Arsch.
12:06Ich kaufe, du kaufst, er, sie, es kauft, wir kaufen, ihr kauft, sie kauft.
12:12Noch mal!
12:12Ich kaufe, du kaufst, er, sie, es kauft, wir kaufen, wir kauft, sie kauft.
12:17Schneller!
12:18Ich kaufe, du kaufst, er, sie, es kauft, wir kaufen, ihr kauft, sie kauft.
12:22Schneller!
12:24I try to avoid such situations.
12:31People are always close to you, not because they mean it bad,
12:34but because it doesn't go differently.
12:36And probably with the time you lose the sense of it,
12:42that you are actually close to the people,
12:44that you are not more at the people and where you are,
12:50but you are only single, because you have to buy something,
12:55what you have to buy something.
12:56But Martin, do you know that you buy something?
12:59And then you can buy something?
13:03Yes, of course.
13:04And of course I am so.
13:06And of course I am so.
13:07And of course I am so.
13:08Of course it is so.
13:14The question is just, how often do I do it?
13:21Will I be a junkie?
13:26Unabhängigkeit.
13:27Darum geht's.
13:28Statt 140 m² Loft hat er jetzt knapp 30.
13:32Keine Bücherwand mehr und auch keinen 5 m Küchenblock.
13:36Kein Job mehr als Leiter eines Jugendtheaters in Nürnberg.
13:42Ja, tiny heisst ja sonst eigentlich, dass alles 5 Funktionen hat
13:46und daraus tausend mal umgedeutet und hingeschoben
13:49und dass du in der Treppe die Schubläden hast
13:54und irgendwie mit wenig Raum, also ja, klar.
14:00Soll ich da weg?
14:01Nö.
14:02Lebe leichter.
14:04Geh mit der neuen Zeit.
14:05Werde mobil.
14:06Am besten mit der Mobile Homes Incorporated.
14:08In einer ihrer Wohnwagenvorstädte.
14:11Kaufe oder miete dir einen 3-Zimmer-Wagen mit Bad und Zentralheizung.
14:15Dann kannst du jede Chance wahrnehmen, die sich dir bietet.
14:19Es versteht sich, dass an den Suggestionen derer,
14:22die mit diesen modernen Wagenburgen Geld verdienen, etwas faul ist.
14:26Bisher jedenfalls wohnen hier vorwiegend Saisonarbeiter,
14:29die jeder noch so miesen Chance nachreisen müssen,
14:32wenn sie einigermaßen auf ihre Kosten kommen wollen.
14:35Anfangs war das Tiny House ein prekäres Lebensmodell.
14:39Heute steckt dagegen ganz viel Blockhütte von Henry David Thoreau drin.
14:43Der Schriftsteller, der 1854 als Aussteiger
14:46einfach und minimalistisch lebte.
14:49Der laute Erfolg, die Meinung der anderen, Ängste,
14:53das lässt man hinter sich. Meistens jedenfalls.
14:59Ja, ich habe einen festen Job gekündigt
15:01und habe hier nicht nur einmal gedacht,
15:03Mann, wie kriegst du die Kohle jetzt rein?
15:08Ich bin einfach darauf angewiesen, dass man mich fragt,
15:10wirst du da was schreiben, wirst du da was komponieren?
15:14Nur komischerweise habe ich es trotzdem geschafft,
15:16mich ein bisschen reinzuentspannen in diese Situation
15:19und siehe da, es geht.
15:20Ich komme A über die Runden.
15:22Also ich habe Sicherheit aufgegeben, aber Geborgenheit gewonnen.
15:37Wer wenig besitzt, wird umso weniger besessen.
15:41Gelobt sei die kleine Armut, sagt Nietzsches Zarathustra.
15:45Martin sagt, jetzt ist er reich.
15:52Musik
16:11Haben wollen. Ein Kick und noch einer.
16:14Es geht um Sehnsüchte und Wünsche, die sich erfüllen.
16:17Weihnachten ist das ganze Jahr.
16:20Die hedonistische Tretmühle, so nennt die Wissenschaft das,
16:24schafft Eigentum, aber nie Zufriedenheit.
16:27Bin ich, was ich habe?
16:29Lieber nicht.
16:50Erich Fromm hat darüber ein Buch geschrieben.
16:53Haben oder sei.
16:55Einer der Sätze darin.
16:57Gier ist immer Ergebnis einer inneren Leere.
17:01Voll sind die Schränke.
17:06Aber ja, ich mag es ganz gern.
17:08Und ziehst du es auch an?
17:09Mhm.
17:14Als ich mich vor fünfeinhalb Jahren selbstständig gemacht habe,
17:17mit der schönsten Ordnung, habe ich gedacht,
17:19na ja, schauen wir mal, was so passieren wird.
17:22Und ich war tatsächlich, was für mich immer noch ein Wunder ist,
17:25nach zwei Monaten ausgebucht.
17:27Und ich bin es seither.
17:29Also es gibt einen unglaublichen Bedarf.
17:32Und das hat natürlich zu tun mit unserer Welt
17:35und mit unserer Gesellschaft
17:36und mit all dem Überfluss, in dem wir leben.
17:39Und mit Überforderungen und mit zu viel von allem.
17:42Zu viel Verpflichtungen, zu viel E-Mails, zu viele Dinge,
17:46zu viel Unordnung, zu viel Chaos.
17:48Und es hat aber auch zu tun mit dem,
17:51was da draußen sich so konstituiert.
17:53Nämlich diese globale Welt,
17:55die wir irgendwie nicht mehr so richtig verstehen.
17:57Dass dann Menschen sagen,
17:58dann will ich wenigstens in meiner Wohnung
18:01eine gewisse Struktur und Ordnung und Übersichtlichkeit,
18:05wenn ich das da draußen schon nicht verstehe.
18:07Here we go.
18:07So hat jede Zeit die Ratgeber, die sie verdient.
18:12Right here the before and after photos
18:14of one of my client homes.
18:17Before and after.
18:22What a change.
18:25Tiding with the KonMari method
18:27will not only affect your house,
18:30but will also change your life.
18:35Das Versprechen ist groß.
18:38Wirf Zeug weg.
18:39Und dein Leben wird sich ändern.
18:41Marie Kondas berühmte Methode.
18:43Was keine Freude mehr macht, kommt weg.
18:46Der schnelle Konsum ist damit aber noch nicht überwunden.
18:50Mit das größte Problem ist Konsum,
18:53wenn man sich die Wohnungen anschaut.
18:56Und das ist zum Teil Konsum der ...
18:58Es geht nicht um Menschen, die viel Geld haben
19:01und dann ihr 23. Chanel-Kostüm kaufen.
19:04Auch Menschen, die wenig Geld haben,
19:06die kaufen dann halt bei Chibo ein oder bei Aldi.
19:09Und wenn ich dann sage, zeigen Sie mir mal Ihren Schrank,
19:12dann liegen da sozusagen noch verpackte Chibo-Schnäppchen oder so.
19:17Die sind gekauft in dem Impuls,
19:21aha, das ist billig, das kann ich mal gebrauchen.
19:23Oder Internet, ja, nehme zwei, zahle eins.
19:29Nehme vier, zahle zwei.
19:30Und dann nur einen Klick und dann wird das in die Wohnung geliefert.
19:35Also, brauche ich es? Brauche ich es nicht?
19:37Diese Frage ist oft gar nicht so relevant wie,
19:40da gibt's was, das ist geil, das ist super, das nehme ich.
19:45Ich kaufe, du kauf, er sie ist kauf, wir kauf, wir kauf, wir kauf, sie kauf.
20:00Nach dem Zweiten Weltkrieg etwa Mitte der 50er Jahre war es so,
20:03dass die Menschen in Deutschland durchschnittlich pro Kopf 15 Quadratmeter Wohnfläche in Anspruch nahmen.
20:10Und dann war es so, dass schon zehn Jahre später zehn Quadratmeter mehr zu Buche schlugen.
20:15Dann setzte ein historisch einmaliger Bauboom ein,
20:19sodass man sagen kann, diese in Anspruch genommene Fläche hat sich vervielfacht.
20:24Wir lagen dann Mitte der Nuller Jahre bei über 40 Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf.
20:29Und jetzt im Jahre 2019 beläuft sich der aktuelle Wert auf 46,5 Quadratmeter.
20:37Und interessanterweise wird überall derzeit in Politik, Wissenschaft und den Medien die Parole verbreitet,
20:43wir würden unter Wohnraummangel leiden.
20:46Das heißt, wir sind nicht nur exorbitant gewachsen in unseren Ansprüchen,
20:50sondern nehmen uns jetzt derzeit vor, noch weiter wachsen zu wollen.
20:59Alles wächst. Die Anzahl der Dinge, die Wohnungsgröße.
21:03Und wenn das noch nicht reicht, gibt es noch diese Lösung.
21:07Häuser nur für Dinge.
21:09Dinge, die wir haben wollen, aber nicht so oft brauchen.
21:12Also eher selten.
21:14Sicher, sauber und trocken werden sie dort aufbewahrt
21:17auf einer Fläche von über 9.707.500 Quadratmetern.
21:23Verteilt in ganz Europa.
21:269 Millionen Quadratmeter voll von Dingen, die wir gekauft haben und die jetzt hier wohnen dürfen.
21:31Für durchschnittlich 70 Euro im Monat.
21:53Also wir haben uns dann am Anfang, als wir das angemietet haben, haben wir uns ein paar Geschichten erzählen lassen.
21:58Und dann haben die uns erzählt, dass irgendwo woanders, wo waren das in Wien, glaube ich, in der Niederlassung, da
22:03hat sogar mal einer eine Leiche versteckt.
22:06Also und anscheinend ist es auch erst Jahrzehnte später aufgefallen.
22:10Also und man möchte wahrscheinlich auch gar nicht wissen, was sich hinter all diesen Türen hier verbirgt.
22:15Also es ist schon und die sind alle randvoll bis oben hin.
22:18Wir kriegen es ja mit, wenn wir räumen und dann hat jemand anders neben uns das Türlauf.
22:22Man sieht halt einfach, es ist voll.
22:23Wir ändern es deswegen nicht, weil Konsum Lust macht.
22:27Es macht Freude, zwar nur eine kurzfristige Freude, aber unser ganzes Leben besteht im Prinzip aus vielen kleinen kurzfristigen Freuden.
22:37Egal, auch wenn Sie in den Wald gehen und dem Eichhörnchen zugucken, ist das auch eine kurzfristige Freude.
22:43Die hält nicht sehr lange an und so ist es mit dem Konsum auch.
22:46Das heißt, Konsum ist nichts anderes als immer so einen kleinen Kick in unserem Belohnungssystem.
22:51Und das Belohnungssystem, das dürfen wir nicht vergessen, das ist auch für unser Suchtverhalten zuständig.
22:56Denn Suchtverhalten ist nichts anderes als permanent eine noch schönere, noch bessere Belohnung zu bekommen.
23:02Und so arbeitet unser Belohnungssystem, es ist nie zufrieden.
23:12Ist der Wunsch nach Steigerung eine anthropologische Konstante?
23:15Ist der Mensch von Geburt an gierig?
23:20Die Probleme, die sich aus dem Wachstumskredo ergeben, sind ja so alt wie das Credo selbst.
23:25Die Eingriffe in die Natur, die Massentierhaltung, die Luftverpestung, die Begradigungen der Flüsse.
23:34Die Folgen waren erschreckend und sie wurden benannt, schon in den 60er Jahren.
23:41Auf Regen folgt Sonnenschein. Überschwemmungen werden von Dürreperioden abgelöst.
23:46Zu viel Wasser oder zu wenig Wasser. Das Ergebnis ist ziemlich gleich. Ein Notstand.
23:57In den 70ern hat der Glaube an stetiges Wachstum als Grundlage für Wohlstand endgültig seine Unschuld verloren.
24:05Ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern aus 30 Ländern, der Club of Rome, warnt 1972 vor den Folgen des ungezügelten Rohstoffabbaus.
24:15Man gebraucht das Wort Nachhaltigkeit. Man spricht vom Schutz der Ökosysteme.
24:21Man spricht von Zukunftsproblemen der Menschheit. Von Entkopplung, von Wohlstandsentwicklung und Ressourcenverbrauch.
24:32Bei einer solchen Entwicklung ist die Frage eines Werbetextes durchaus berechtigt.
24:37Wo liegen die Grenzen?
24:38Wenn wir die begrenzten Ressourcen des Planeten Erde gerecht auf alle derzeit etwa 7,5 Milliarden Menschen verteilen,
24:49dann ist es kein Hexenwerk oder fürchterlich kompliziert, sich klarzumachen, dass jeder Mensch so etwas wie eine materielle Obergrenze beachten
24:59muss, wenn er kein Barbar sein will.
25:01Ich bestell mir einen Schuh bei Amazon und überleg stundenlang welchen.
25:11Vielleicht sollte ich zur Demonstration oder ich guck halt ein paar YouTube-Kompilations.
25:21Ich hab den ganzen Tag verpennt. Ich mag nur Trauben ohne Kerne. Ich glaub, ich bin kein guter Mensch. Doch
25:37ein gut Mensch bin ich gerne.
25:40Ich kaufe viel im Internet, muss ich ehrlich gestehen. Das ist vielleicht nicht so gut, aber das ist oft nicht
25:47anders machbar.
25:49Aber zumindest fahr ich die Sachen alle weg und entsorg die.
26:03Entsorgung. Eine gute Sache. Das Tolle an unserer gut funktionierenden Müllentsorgung ist doch,
26:09wir müssen nicht über die Menge nachdenken, die wir produzieren. Alle 14 Tage ist die Tonne wieder leer.
26:15Und es ist auch gut zu wissen, alles wird sortiert und gewertschätzt. Auf den Wertstoffhöfen. Wie hier in Langwied bei
26:23München.
26:28Weg damit.
26:30Oh Gott, das ist jetzt schade, weil es waren ja immer die ersten Versuche.
26:34Ja, schon schade, aber wir haben so viel Spielzeug mittlerweile und ab und zu muss man halt sich ausmisten.
26:41Man fährt rein, wirft es weg und zack. Manchmal ist es eigenartiger.
26:45Es ist schade, aber es ist halt normal. Und dafür beginnt dann was Neues.
26:52Im Jahr 2017 kamen 462 Kilogramm Haushaltsabfälle pro Kopf in die Welt. Tendenz steigend.
27:01Müll sieht nicht mehr so aus, aber er ist die aufgebrauchte Natur. Verschlungener und ausgespiener Rohstoff, der zu Ende geht.
27:11Der Mensch als das Tier das Müll erzeugt. Der Mensch als das Tier das Müll erzeugt, aber das eigentlich nicht
27:19will.
27:22Und, gutes Gefühl? Fitnesstraining. Ja, jetzt ja.
27:28Kein Mensch hat Lust, an den eigenen moralischen Ansprüchen zu scheitern.
27:34Das führt dann dazu, dass wenn ein Mensch in die Karibik geflogen ist und weiß, wie groß der ökologische Schaden
27:40ist,
27:40dass er dann also hektoliterweise Bionade trinkt und beim Alnatura-Supermarkt einen Demeter-Brühe-Würfe kauft,
27:47um damit auf symbolischer Ebene auszugleichen, was er eben anderswo oder auf andere Weise an ökologischen Schäden verursacht hat.
27:57München. Das Hai. Das Haus für Eigenarbeit. Die Mutter aller Repair-Cafés. Eine offene Werkstatt.
28:05Hier kann jeder kommen, der etwas reparieren oder selber machen will.
28:10Für acht Euro die Stunde kann er Maschinen benutzen und bekommt professionelle Anleitung.
28:16Ich mach Halterungen für Balkonkästen.
28:19Was haben Sie daran selber gemacht?
28:24Ein starkes Stück und ein starkes Bogen. Und dann geratet.
28:28Warum hast du es nicht gekauft?
28:31Das ist äußert klumpdes Taubwitz.
28:34Ich habe eine lange Leidensgeschichte mit Balkonhalterungen, die auseinanderfallen und rosten und nicht funktionieren.
28:40Und hier ist diese Maschine und ich bin ganz begeistert.
28:45Also geht ganz schnell, geht ganz einfach und kostet fast nichts.
29:03Es gibt eine Polsterwerkstatt, Holzverarbeitung und Metallverarbeitung.
29:08Seit über 30 Jahren steht das Hai für die Idee, du kannst es selber machen.
29:12Du kannst erkennen, was die Schönheit und Funktion eines Dinges ausmacht.
29:17Du erkennst, wie viel Baum in einem Stuhl steckt und wie viele Stunden Arbeit.
29:22Der Mensch und das Ding lernen sich kennen.
29:26Selbstermächtigung, sagen die Soziologen heute zu einem Gefühl, das Handarbeit immer schon erzeugt.
29:32Wir gestalten die Welt selbst.
29:43Und fertig. Und das ist eben auf das Jota an 45 Grad Winkel, der jetzt hier rausgekommen ist dabei.
29:51Obwohl es irgendein Stück Abfallholz ist.
29:55Der Nutzer hat gerade hier arbeitet mit Nussbaum. Das wird dann hier so gefügt.
30:02Und da sieht man auch nochmal die Genauigkeit, die da drin steckt.
30:09Für mich war es als Zehnjähriger total normal, dass ich ein Fahrrad mit den Platten, dass ich das flicke.
30:15Der Fahrradhändler, der hier um die Ecke ist, der klagt mir, dass er nur noch solche kleinen Reparaturen kriegt,
30:21die auch er als Kind alle selber gemacht hat. Es kann überhaupt niemand mehr.
30:25Da geht also einfach Kompetenz verloren, die früher in einer großen Breite bei den Menschen einfach da war.
30:33Und was sie nicht mehr ist. Und auch da versuchen wir uns dagegen zu stemmen.
30:38Ich selber halte so einen kleinen Fahrradreparaturkurs mit drei Stunden Samstagvormittag.
30:45Da kann man mal so Basics vermitteln. Da kann man vermitteln, wie diese Maschine eigentlich funktioniert.
30:51Wie einfach es eigentlich ist, aus einem mäßig fahrenden Fahrrad ein gut fahrendes Fahrrad zu machen.
30:57Da kann man diese Basics der Reparaturen vermitteln.
31:03Am Anfang hatte ich schon ein bisschen Angst gehabt, weil ich gedacht, schaffe ich oder schaffe ich nicht.
31:08Das ist tatsächlich so. Weil man nicht weiß, was kommt auf allen an sich zu.
31:13Aber mit Hilfe von Muck kein Problem.
31:24Und diese Arbeiten, das ist eben klassische Polsterarbeit, die wird heutzutage kaum noch gemacht.
31:30Weil es eben sehr zeitintensiv ist und niemand bereit ist, dafür so viel Geld auszugeben.
31:39Aber es gibt in München schon noch ein paar Raumerstatter, die auch für Museen arbeiten, wo dann noch solche klassischen
31:44Polsterarbeiten gemacht werden.
31:47Genau.
31:49Unsere Grundidee ist die, die Ideen, die wir hier propagieren, ganz breit in einer Kommune wie der Landeshauptstadt München zu
31:58verbreiten.
31:59Wir träumen davon, ein Hai in jedem Viertel zu haben.
32:03Reparieren können und selber machen können, praktisch als Grundversorgung zu etablieren.
32:07Genau wie öffentlicher Nahverkehr oder genau wie sauberes Trinkwasser.
32:21Vieles, was wir kaufen, ist gar nicht mehr zu reparieren oder wird unter miesen Bedingungen hergestellt.
32:28Wäre es anders, so heißt es, wäre es viel teurer und würde die Ärmsten unter den Konsumenten treffen.
32:34Aber die Frage ist, wer profitiert, wenn alles bleibt, wie es ist?
32:41Every heart would have a new song to sing.
32:47Also es ist wie so ein Spielfeld.
32:48Wenn ich möchte, dass ein Spiel funktionieren kann auf ein bestimmtes Ziel, dann muss ich auch Auslinien markieren, dann muss
32:53ich einen Strafraum markieren.
32:54Dann muss ich auch sagen, das ist unfaires Verhalten, weil sonst funktioniert das Spiel nicht.
32:58Und deshalb ist so diese Verbotsdebatte so scheinheilig.
33:02Ich kann sie einfach auch nicht mehr hören.
33:03Und es war ganz befreiend, gestern mit einer Unternehmerin auf dem Panel zu sitzen, die gesagt hat, wo sind Gott
33:08verdammt nochmal die Verbote für wirklich richtig destruktive Produktionsverfahren oder ein Verbot für Kükenschreddern.
33:14Ich meine, es muss doch einfach irgendwo mal klar sein, auch wenn die Landwirtschaft sich dann radikal umstellen muss, dass
33:20eine gewisse, völlig pervertierte Umgangsform mit unseren Mitlebewesen eigentlich nicht zu aufgeklärten Gesellschaften passen kann.
33:34Vorgegebene Strukturen nicht akzeptieren. Das ist das, was Manuela Gassner macht.
33:40Verzicht ist das nicht für sie, sondern ein Ja zu einem anderen Lebensstil, der die Folgen des eigenen Handelns überschaut.
33:47Wer weiß, kann entscheiden. Wie viel Rohstoff ist in einem Tetra-Pack? Oder wie oft muss man gießen, um Gemüse
33:55zu ernten?
33:58Ich find's immer, diese einfachen und natürlichen Sachen, so wie Gemüse anbauen oder Erdbeermarmelade machen oder irgendwie mal Hena häuten,
34:10diese einfachen Sachen, dass die Menschen so einen großen Respekt davor haben, obwohl das ja eigentlich genetisch schon fast programmiert
34:17ist in uns, dass wir das machen.
34:19Oder die Menschen haben total viel Angst, irgendwas zum Essen, was wild wächst, weil sie die Kenntnisse nimmer haben.
34:27Und tatsächlich, es gibt einige Sachen, die sind ziemlich giftig. Normalerweise merkt man das aber schon gleich, weil sie recht
34:33bitter sind.
34:35Und dass die Menschen in so kurzer Zeit doch so entfremdet sind und sich mit diesen grundlegenden Sachen nimmer auseinandersetzen
34:46oder so Angst davor entwickeln.
34:47Es hat jetzt niemand Angst davor, ein neues Smartphone kennen zum Lernen. Also irgendeine Marke, die er vorher nicht gehabt
34:55hat. Und das ist ein komplett anderes Betriebssystem, funktioniert komplett anders.
34:59Da hat jetzt niemand Angst davor, dass er es nicht kapiert. Wenn ich sage, ja probier mal Tomaten, boah, das
35:05ist ja voll viel Arbeit und sowas.
35:06Aber nein, das ist gar nicht viel Arbeit. Einsetzen, Gessen, Dach drüber. Fertig.
35:22Egenhofen bei Mammendorf. Firmensitz des Kartoffelkombinats. Eine der größten solidarischen Landwirtschaften in Deutschland.
35:31Beliefert werden jede Woche 1500 Genossen, sprich Haushalte in und um München.
35:39Vor sechs Jahren gründete Daniel überall, zusammen mit einem Freund, das Kombinat.
35:45Die Idee war, Gemüse selbst anzubauen und aus den industriellen Agrarstrukturen auszubrechen.
35:52Ich komme ja schon sehr stark aus einer Dienstleistungs-Digital-Welt über meinen Marketing-Hintergrund.
35:59Und hatte überhaupt keine Vorstellung, was bedeutet Landwirtschaft, was bedeutet das mit Wind und Wetter und im Jahreszeitenverlauf.
36:07Und das musste ich erst lernen und das schätze ich aber mittlerweile sehr.
36:13Der Blick wird ein anderer. Und ich habe schon so das Gefühl, es ist mehr Realität und nicht so viel
36:20Virtualität.
36:24Die Mitarbeiter beim Kartoffelkombinat kommen aus den unterschiedlichsten Welten.
36:29Sie waren Physiker, Versicherungsagenten, Chefsekretärin.
36:33Die Idee ist groß und lebt auch vom Idealismus derer, die hier stundenweise ehrenamtlich mithelfen, die Ernte gerecht zu verteilen.
36:42Diese Woche gibt es Kartoffeln, Kohlrabi, Mai-Rübchen, Spinat oder Radi, Agretti und Salat.
36:51Genau.
36:52Und wir müssen auch mal gucken, dass wir das so hinbasteln, dass zum Beispiel das Agretti, was jetzt hier hinten
36:58unter dir ist,
36:59wenn ich das jetzt hier hinlege und das jetzt morgen erst ausgeliefert wird, dann trocknet das aus und dann legen
37:04wir das so hin, dass wir den Salat da so drauflegen.
37:11Da ist ja geschützt. Den Salat auch immer so rum, damit die Feuchtigkeit gespeichert wird.
37:17Und wie viele Kisten sind das?
37:19Diese Woche ungefähr 1500, 1540, 1550 sind immer ein paar Joker dabei wegen Ferien oder so.
37:26Nächste Woche sind ja Ferien, glaube ich, genau. Dann wird es vielleicht wieder ein bisschen weniger werden.
37:31Genau. Ich muss jetzt nur leider aufpassen, ich darf nicht so viel quatschen, weil sonst leckern die Genossen, wenn irgendwas
37:35in der Kiste fehlt.
37:45Wir sehen ja, dass der Kapitalismus dazu geführt hat, dass wir im Moment an quasi allen planetaren Grenzen angelangt sind.
37:53Und wir zerstören sprichwörtlich Tag für Tag unsere Existenzgrundlage. Und irgendwie kann es so ja nicht weitergehen.
38:02Also dachte ich mir irgendwie, naja, da muss es doch einen klügeren Weg geben, sich die Lebensmittel unter den Bedingungen
38:09zu organisieren,
38:11als nur nach dem Vogelfriss- oder Stirbprinzip im Supermarkt auszuwählen.
38:18Billiges Gemüse, das ganze Jahr. Es kommt zu einem Großteil aus der spanischen Provinz Almeria.
38:25Drei Millionen Tonnen Treibhausgemüse.
38:28Zur Bilanz gehört auch Pestiziden, verschmutztes Grundwasser und zehntausende illegale Arbeiter, die wie Sklaven leben.
38:38Gehen wir ein bisschen weiter raus in dieser Vogelperspektive, dann stellen wir fest, dass es da noch sehr viel mehr
38:45von diesen Foliengewächshäusern gibt.
38:47Also eigentlich noch sehr, sehr, sehr viel mehr von diesen Foliengewächshäusern.
38:53Jetzt kommt langsam das Mittelmeer ins Bild.
38:55Aus dem Weltall kann man die Foliengewächshäuser von Almeria sehen.
39:00Dort werden Lebensmittel unter Arbeitsbedingungen hergestellt, die man sich lieber nicht näher anschauen möchte.
39:08Oder wenn man sie sich anschaut, möchte man sie eigentlich verändern.
39:13Kein Preiskampf, kein Lohndumping.
39:17Die Gemeinschaft garantiert die Abnahme aller erzeugten Lebensmittel und trägt die Kosten.
39:23Schlechte Ernte heißt weniger in der Kiste. Das Risiko tragen alle.
39:28Es geht nicht um Profit. Es geht darum, nicht mehr gedankenlos zu konsumieren, was einem vorgesetzt wird.
39:37Eigentlich ist es schon eine Befreiung, sich von dieser ganzen Konsumgesellschaft ein bisschen zu lösen.
39:41Also ich möchte auch noch ein bisschen teilnehmen.
39:43Und ich hoffe, es wäre eigentlich schön gewesen, wenn die ganze Spaßseite auch noch dabei gewesen wäre.
39:48Und man auch mal ein bisschen sorglos leben kann und nicht immer dieses nachhaltige Ding ist halt schon auch anstrengend.
39:54Ja, also muss man auch schon sagen. Also muss ich echt schon strecken, immer dann gucken und schauen, Informationen und
40:01Ding.
40:01Also es ist, wie gesagt, es schwimmt gegen den Strom, wenn man in diesem System nachhaltig sein will.
40:06Und, ähm, genau.
40:08Aber man schläft besser.
40:10Naja, kommt drauf an. Ja, ja, mei, na, man schläft eigentlich nicht besser, weil man ja die, weil man ja
40:15die, die Sorgen hat, ja.
40:17Weil man ja die Welt anders sieht, weil man ja die Welt so, quasi so sieht, dass es jetzt echt,
40:21wie wird das, ja.
40:23Also eigentlich schäme ich mich für meine Generation und die meiner Eltern, ja.
40:40Das ist ein Experiment, ne, ist ganz klar. Ich behaupte nicht, dass wir da die Weisheit mit Löffeln gefressen haben.
40:47Aber ich merke schon, dass einfach die Zustimmung ganz vieler Menschen, nicht nur unsere Mitglieder, sondern auch von außerhalb, dass
40:58sie sagen, ja, so in die Richtung müsste es eigentlich gehen.
41:01Und deshalb ist es so wichtig, all diese Initiativen für das Wertschlüssel, was sie sind, die können nicht die gleiche
41:07Wirtschaftskraft morgen entfalten wie eine fette Industrie.
41:11Aber es geht doch darum, wieder Selbstwirksamkeit zu spüren, wieder Verbindung zu spüren, wieder das Gefühl zu haben, ich habe
41:16eine gewisse Kontrolle und eine, ähm, ich habe Produktivität.
41:21Ich kann Dinge umsetzen, ich kann etwas erreichen und ich kann das mit Menschen gemeinsam tun und ich lerne die
41:26wieder besser kennen.
41:27Und ich glaube, dass das ein ganz, ganz wichtiger Hebel ist.
41:32Ein sicherer Ort, reines Wasser und gute Luft atmen. Das wollen alle. Auch die, die nach uns kommen.
41:42Wenn der Wind der Veränderung weht, sagt ein altes chinesisches Sprichwort, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.
42:05Wenn ich mir beispielsweise mit vier oder fünf Nachbarn ein Auto, eine Waschmaschine, ein Rasenmäher, eine Werkstatt teile, heißt das,
42:13dass ich weiterhin Zugriff auf diese modernen Konsumobjekte habe, aber viel weniger Geld brauche.
42:19Und wenn ich weniger Geld brauche, muss ich nicht so viel arbeiten. Wenn ich weniger arbeiten muss, heißt das, dass
42:24die Wirtschaft dann kleiner werden.
42:25Das ist das Einfallstor zur Postwachstumsökonomie. Und das bedeutet auch, ich bin damit unabhängiger.
42:32Ich brauche nicht mehr so viel Geld. Für mich muss nicht mehr so viel produziert werden.
42:36Daraus folgt eigentlich die Regel, souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.
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