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00:01Summer spread its wings, grilling meat and burning out
00:06Grady lost his mother, now he's sleeping on my couch
00:12And I never felt lost like that
00:15And I pray I don't have to see him stare away out
00:20Puppy dog trapped in a small grey honda
00:23I know some things don't get easier
00:29I know some things...
00:32Munch war, glaube ich, ein sehr bescheidener Mensch.
00:35Ich glaube, das kann man auch aus vielen seiner Werke herauslesen.
00:39So hat er wohl auch später dann als Erwachsener immer gewohnt,
00:42mit sehr wenigen Accessoires in seiner Wohnung.
00:45Es kam ihm darauf an, einen Ort zu haben, an dem er arbeiten konnte,
00:49an dem er seine Ruhe hatte.
00:52Gleichzeitig wissen wir aber auch durch seine Zeitgenossen,
00:54dass es auch ein sehr humorvoller Mensch war,
00:57der auch Witze machen konnte.
00:59Also beide Seiten scheinen in ihm vertreten gewesen zu sein.
01:02Einmal die Askese und zum anderen aber eben auch
01:05so eine sehr humorvolle Annäherung an das Leben,
01:10was einen vielleicht überraschen mag,
01:11wenn man sich seine Bilder anschaut.
01:231892 war Edvard Munch erstmals in Berlin zu einer Ausstellung eingeladen.
01:29Die Werke kamen nach Berlin, wurden ausgestellt in der Wilhelmsstraße in einem Gebäude
01:35und es regte sich sofort Widerstand.
01:39Und dieses Gemälde ist besonders wichtig.
01:42Es handelt sich nämlich auch um einen norwegischen Maler, um Adels den Norman.
01:46Und er hat Edvard Munch so toll gefunden, als er ihn in Oslo-Christiania gesehen hat,
01:53dass er ihn dem Ausstellungskomitee des Vereins Berliner Künstler vorgeschlagen hat.
01:57Das ist ausgesprochen erstaunlich, denn wie wir sehen, war Adels den Norman kein Avantgardist.
02:04Er hatte sich spezialisiert auf Fjordlandschaften.
02:07Und die ließen sich im Kaiserreich damals ganz famos verkaufen.
02:12Denn einer der größten Norwegen-Liebhaber war Kaiser Wilhelm II.
02:23Aber wenn man jetzt diese munchsche Landschaft mit der von Adels den Norman vergleicht,
02:28dann merkt man, da wurden bestimmte Erwartungen in Berlin nicht erfüllt.
02:35Dieses Unfertige, dieses Skizzenhafte, das hat die Menschen damals schockiert.
02:39Die haben etwas ausgearbeitetes, naturalistisch-realistisches erwartet.
02:44Und das haben sie von Edvard Munch nicht bekommen.
02:46Das war zu modern, das haben die Leute nicht verstanden.
02:49Das fanden sie eine Provokation.
02:59Auch im Verein der Berliner Künstler regte sich Widerstand.
03:04Und der war derart Manifest, dass nach wenigen Tagen dafür entschieden wurde,
03:08die Ausstellung der Bilder Edvard Munch zu schließen.
03:14Und trotz dieser eigentlich ziemlich miesen Erfahrung, die Munch in Berlin gemacht hat,
03:20hat er sich dann gesagt, hey, das ist eigentlich super Reklame.
03:24Und ich bleibe, oder das ist ein interessanter Ort.
03:28Und er hatte eine Publicity bekommen durch die Presse, die war noch nie da gewesen in dieser Art und Weise.
03:42Hier können wir zum Beispiel sagen, dass das ein Werk ist, das in dieser, nennen wir sie Skandalausstellung 1892 präsentiert
03:52wurde.
03:53Und wenn man sich das anguckt, versteht man, dass die Betrachter das damals als unfertig empfunden haben.
04:01Man sieht so ein bisschen Vorzeichnungen, dann hat er das offenbar nochmal geändert.
04:05Das war total skandalös, verpönt, sowas hat man nicht gemacht.
04:11Das Bild galt als stümperhaft, als nicht fertig gemalt.
04:14Und für den Bildinhalt hat man sich gar nicht so interessiert.
04:27Erstmal hat Edvard Munch dafür gesorgt, dass seine Ausstellung an anderen Orten gezeigt wurde in Deutschland.
04:35Und dann kehrte die Ausstellung zurück nach Berlin.
04:38Und dort hat er dann die Räume selbst angemietet und hat dann die Ausstellung einfach auf eigene Rechnung gezeigt.
04:44Und hat dann natürlich auch Eintritt verlangt.
04:46Also so ein bisschen kommerzielles Talent hatte er durchaus.
04:50Aber auf jeden Fall war ihm wichtig, an diese Bekanntheit, die er ja kurz vorher erlangt hatte durch den Skandal,
04:56durch die Affäre Munch, anzuknüpfen.
04:59Und das hat ihn dazu bewogen, in Berlin zu bleiben.
05:14Ich bin eigentlich kein so ein großer Freund von so biographistischen Bildererklärungen.
05:19Aber bei Munch liegt das wirklich auf der Hand, dass er ja schon als kleiner Junge, da war er fünf
05:25Jahre alt, hat er seine Mutter verloren.
05:27Die ist an Tuberkulose gestorben.
05:29Und auch seine ältere Schwester, die ist dann mit 14 Jahren gestorben, auch an Tuberkulose.
05:40Er hatte auch immer Angst, dass er das vielleicht auch bekommt.
05:43Das ist ja wirklich so eine Krankheit, die am Ende des 19 Jahrhunderts ziemlich viele Menschen heimgesucht hat und als
05:49eine sehr große Bedrohung galt.
05:51Also der Tod, der hat ihn schon begleitet, auch dann der Tod des Vaters.
05:57Das waren alles ihm sehr nahestehende Menschen.
06:00Und diese Todeserfahrung in seiner nächsten Nähe hat ihn, glaube ich, schon so ein bisschen melancholisch werden lassen.
06:07Das heißt, diese großen Themen wie der Tod, der taucht immer wieder auf, aber auch die Liebe.
06:14Die Liebe zu seiner Tante beispielsweise, die ihn dann aufgezogen hat nach dem Tod seiner Mutter.
06:19Aber auch die Liebschaften, die er hatte, die meist, meist, meist unglücklich verliefen und ihn im Liebesunglück hinterließen.
06:29Das hat ihn auch ausgesprochen beschäftigt.
06:53Er thematisiert in seinen Arbeiten sehr häufig das Geschlechterverhältnis.
06:58Und dabei geht er auch für seine Zeit ziemlich ungewöhnliche Wege.
07:04Also Mann und Frau begegnen sich, das kann man hier an diesem Bild sehr schön sehen, wirklich Auge in Auge.
07:11So ist auch der Titel.
07:12Aber es ist alles andere als eine innige Zweisamkeit, der wir da beiwohnen, der wir Zeuge werden, sondern es ist
07:20eher eine Konfrontation.
07:22Der Mann hat praktisch keine Gesichtszüge mehr, die Frau auch nicht.
07:27Es ist wirklich eine sehr konfrontative Geschichte, die vielleicht auch was mit Inbesitznahme zu tun hat.
07:34Denn man kann gar nicht so gut, aber man kann hier erkennen, dass die Haare der Frau, die hängen praktisch
07:42an dem Mann dran.
07:44Und das Motiv der Haare, Haare der Frau, die einen Mann umfangen, das ist ein sehr, sehr beliebtes Motiv des
07:52Fin de siècle, der Décadence, wenn man so will, und ausgesprochen sexuell konnotiert.
07:58Also es ist eigentlich eine Metapher für eine Vereinigung.
08:18Auch ein Gemälde, was in unterschiedlichen, leicht abgewandelten Formen existiert.
08:25Das heißt Vampir.
08:28Und eigentlich hat es diesen Titel ursprünglich nicht gehabt.
08:35Und für Munch war das auch gar keine Vampir-Szene.
08:38Für ihn war das eine Frau, die einen Mann auf den Nacken küsst.
08:44Also ein ganz zärtlicher Gestus.
08:47Erst durch seinen Freund, den polnischen Literaten Stanislav Pspiszewski, wurde dem Bild dieser Titel verliehen.
08:54Denn der Pspiszewski, der hatte ein ganz anderes Frauenbild.
08:58Und für den war das eine Vampirin.
09:01Und die Vereinigung eine eher gewaltvolle.
09:06Und weshalb dann Munch diesen Titel nicht mehr geändert hat, wahrscheinlich fand er den dann doch ganz passend.
09:15Und wir sehen auch hier wiederum dieses problematische Geschlechterverhältnis.
09:19Wer ist denn da der Stärkere?
09:21Geht es überhaupt darum?
09:23Und wie ist die Rolle der Frau da?
09:27Denn wir dürfen auch nicht vergessen, am Ende des 19. Jahrhunderts überhaupt literarisch wird ja die femme fatale zu einem
09:33großen, großen Motiv.
09:35Die, die die Männer vernichten kann durch ihre Liebe, die stärker ist.
09:40Und solche Motive spielen da eben zeittypisch durchaus auch mit rein.
09:511892 war er noch keine 30 Jahre alt.
09:55Da war es mit den Verkäufen noch nicht so wahnsinnig toll.
09:58Und das dauerte auch eine Weile.
10:01Und er hat mir selber geantwortet auf eine Frage, sag mal Edward, warum verkaufst du eigentlich so wenig?
10:06Da hat er gesagt, weil meine Arbeiten zu teuer sind.
10:09Und das wollte er auch.
10:11Er wollte gar nicht wirklich verkaufen.
10:13Er hat gesagt, ich brauche meine Gemälde um mich herum.
10:17Die inspirieren mich.
10:19Die sind das Material, aus dem ich auch weiterarbeiten kann.
10:32Vom Schrei als Gemälde existieren insgesamt vier Varianten.
10:37Und die sind im Moment im Munk-Museum in Oslo dauerhaft ausgestellt.
10:42Und zwar sehr geschützt.
10:44Und die Realität ist, dass diese vier Gemälde heute praktisch nicht mehr reisen dürfen.
10:50Das ist jetzt aber nicht so bedauerlich, weil ich es eigentlich auch nicht gut finde,
10:56einen Künstler so stark auf ein Motiv zu reduzieren.
11:01Wir dürfen nicht vergessen, dass er der Künstler ist, von dem es ein Werk bis auf unsere Smartphones geschafft hat
11:09als Emoji.
11:11Uns kam es eher darauf an, dieses Kapitel Berlin so aufzuarbeiten,
11:15dass da möglichst viel zu sehen ist, was man noch nicht kennt.
11:27Viele Künstler der Zeit waren fasziniert von dieser Großstadt, von den Gebäuden, die hier entstanden sind,
11:33von der Modernisierung der Stadt.
11:36Nicht so bei Edvard Munk.
11:38Bei ihm finden sich ganz, ganz wenige Beispiele für Stadtansichten und dann ausgerechnet so etwas wie hier.
11:46Der Potsdamer Platz, aber zu einem ganz besonderen Augenblick.
11:50Leichenwagen auf dem Potsdamer Platz.
11:52Also auch hier mit dieser Stadtansicht bleibt Munk sich treu.
12:06Der innige Kuss eines Paares gehört auch zu den wiederkehrenden Motiven in den Arbeiten von Munk.
12:13Man kann überhaupt gar nicht mehr sehen, wer ist da eigentlich der Mann, wer ist die Frau, wo fängt das
12:19eine an, wo weit das andere auf.
12:21Und das ist ja auch eine ganz interessante Sicht auf eine Vereinigung, dass das nicht mehr unterscheidbar wird.
12:28Man wird zu einem Körper, man wird zu einem Menschen.
12:31Das war vielleicht schon etwas, was auch Munk sehr gerne wollte.
12:35Diese Verschmelzung mit einer anderen Person, um dadurch vollständig zu werden.
12:44Und daher taucht vermutlich auch dieses Motiv immer wieder auf.
12:48Auch ein wenig sündig natürlich in der Zeit.
12:51Denn öffentliches Küssen war ja sowieso verpönt.
12:54Darf man auch nicht vergessen, wenn man sich diese Arbeiten anguckt.
12:57Der Kuss als solcher ist eine Privatsache.
13:01Das war in dieser Form in der zeitgenössischen Kunst eher unüblich.
13:06Und das wurde ihm auch dann bei einer anderen Auftragsarbeit, ich will nicht sagen zum Verhängnis,
13:11aber führte zur Ablehnung dieser Arbeit.
13:15Und das war der sogenannte Linde Fries.
13:19Es gab in Lübeck einen sehr wohlhabenden und kunstsinnigen Augenarzt.
13:24Linde mit Namen.
13:26Und der hatte eine ziemlich tolle Idee.
13:29Er hat Munk beauftragt, für das Kinderzimmer seiner Söhne ein Gemälde Fries zu erstellen.
13:36Großartig.
13:37Sowas hätte ich auch gerne in meinem Kinderzimmer gehabt.
13:40Und das Ergebnis hat den Papa allerdings dann schockiert.
13:44Denn es gab als Teil des Frieses auch ein küssendes Paar.
13:48Und das sah man als nicht adäquat und als unpassend für das Zimmer von Heranwachsenden.
13:54Und deswegen hat dann Linde als Auftraggeber diesen Fries abgelehnt.
13:59Und der ging an Edvard Munk retour.
14:05Er hat dann andere Werke gekauft und sich auch nach wie vor für Edvard Munk interessiert.
14:11Aber das war auch für diesen progressiven Sammler eine Grenzüberschreitung.
14:18Die Fries Idee als solche ist von Munk auch eine sehr besondere, kann man sagen.
14:23Denn in dieser Idee des Frieses wohnt ja schon so etwas Narratives, etwas Erzählerisches.
14:29Denn er hat gemerkt, wenn er Einzelbilder präsentiert, dann sind die zu isoliert.
14:34Und seine Idee war es, diese Einzelbilder durch eine übergeordnete Idee zu verbinden.
14:40Sodass so etwas wie eine narrative Abfolge entsteht.
14:44Die zwar auch jetzt keine wirkliche Logik, kein wirklichen Anfang, kein wirkliches Ende und auch keine richtige Handlung hat.
14:51Aber die dennoch so eine Inhaltlichkeit hat, bei der man erkennt, das gehört irgendwie zusammen.
15:01Max Reinhardt war zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der wichtigsten Theatermänner in Europa, in Berlin.
15:09Er war Intendant des Deutschen Theaters hier in Berlin.
15:12Und er hatte eine großartige Idee, denn er wollte nicht mehr nur den großen Saal nutzen,
15:18sondern er hatte die Idee, eine kleinere Spielstätte, die Kammerspiele, die ja auch bis zum heutigen Tag existieren, zu gründen.
15:26Die Kammerspiele sollten eröffnet werden mit dem Drama Die Gespenster von Ibsen.
15:39Und Edvard Munch hat für die Kammerspiele des Deutschen Theaters für einen Festsaal einen Fries entwickelt.
15:54Das, was man hier in der Ausstellung sieht, das sind Tafeln, die er für einen ganz bestimmten Raum in den
16:00Kammerspielen angefertigt hat.
16:02Und der war auch in etwa so hoch gehängt, wie wir das hier in der Ausstellung getan haben.
16:12Man merkt wirklich, wie diese Szenen sich berühren, wie die miteinander in Dialog gestanden haben.
16:18Und wir haben ja hier gleich drei Player. Wir haben Max Reinhardt als Theatermacher,
16:22wir haben Ibsen als Dramatiker, als Stückgeschreiber und Edvard Munch als bildenden Künstler.
16:28Und die finden sich also in diesem Theater zusammen.
16:31Auch ein Kapitel der Berliner Theatergeschichte, das nahezu vergessen ist.
16:53Munch war ja sehr vagabundisch unterwegs und er hat in Paris schon ersten Kontakt zu grafischen Techniken gehabt
17:00und hat dann nach seiner Rückkehr nach Berlin damit weitergemacht.
17:04Mit Lithographien, mit Holzschnitten und das war für ihn ein neues Ausdrucksmittel
17:11und es war auch durchaus ein Mittel für ihn mehrere Varianten eines Motivs herzustellen.
17:33Der Hintergedanke war natürlich schon so, durch eine erhöhte Anzahl an Blättern, die bedruckt wurden,
17:39den Handel so ein bisschen zu stimulieren, um diese Blätter zu verkaufen.
17:44Das hat in der Anfangszeit nicht so wahnsinnig gut funktioniert.
17:48Ich würde es fast eine demokratische Haltung denken, dass man über eine erschwingliche Art von Kunst auch mehr Menschen erreicht.
17:56Denn selbstverständlich war Grafik nicht so teuer wie ein Ölgemälde und man konnte die über den Handel gut unter die
18:03Leute bringen.
18:04Er war meist knapp bei Kasse.
18:26Harry Graf Kessler, von dem wir hier ein Porträt sehen, war einer der wichtigsten Gestalten im kaiserlichen Deutschland.
18:32Er war Schriftsteller, er war Diplomat, er war Mäzen und Kunstsammler.
18:37Und er hat vielen Künstlern zum Durchbruch verholfen, indem er sie ausgestellt oder auch gesammelt hat.
18:44Und so war es auch im Fall von Edvard Munch.
18:46Er hat von ihm grafische Arbeiten gesammelt und vielleicht noch viel wichtiger,
18:50er hat bei ihm ein Ganzkörperporträt in Auftrag gegeben, was heute in der Sammlung der Nationalgalerie ist.
18:57Und für mich so ein Paradebeispiel von Lässigkeit ist.
19:02Auf diesem Ganzkörperporträt steht Harry Graf Kessler so als lässiger Dandy mit Zigarette, mit Anzug und mit Hut.
19:10Und verkörpert wirklich sowas wie so ein Ideal dieser Zeit.
19:14Aber er passt eigentlich nicht wirklich zum wilhelminischen Deutschland.
19:17Das war zu avantgardistisch, zu progressiv.
19:25Und wir sehen hier so ein Porträt, das entstanden ist von ihm, zunächst eben als Zeichnung.
19:32Und hier in dem Fall ist es eine Lithographie.
19:35Und Kessler beschreibt in seinen Erinnerungen, als er sich im Hotelzimmer einfand, das Edvard Munch gemietet hatte, gewissermaßen zum Wohnen,
19:45aber auch zum Arbeiten.
19:46Da kam jemand und hat die Staffelei gepfändet, weil er 25 Reichsmark schuldig war.
19:52Aber Munch muss da sehr souverän und ausgesprochen cool, würde man sagen, darauf reagiert haben.
19:58Hat den Stein, in den er geritzt hat, dann einfach auf einen Stuhl gestellt und hat weitergearbeitet.
20:03Und hat so getan, als sei nicht weiter was passiert.
20:06Aber es zeigt einerseits seine große Nähe zu den Leuten, die die Avantgarde nach vorne gebracht haben im Kaiserreich.
20:14Und andererseits aber auch die prekäre Situation, in der er fast seit seines Lebens gearbeitet hat.
20:23Wir wissen durch Berichte von ihm selbst, aber auch durch Berichte von Zeitgenossen, wie er gewohnt hat.
20:29Und das war manchmal sehr, sehr ärmlich.
20:31Er ist in billige Pensionen gegangen und hat dann das Hotelzimmer letztlich umfunktioniert als ein Schlaf- und Arbeitszimmer.
20:39Und das hat er eigentlich immer gemacht, sodass man da Gefahr lief, in ein Bild reinzulaufen.
20:45Aber er hatte auch immer wieder mal Ateliers und dazu gehört als bekanntester Ort vermutlich die Lützowstraße 82.
20:52Und wir wissen durch Äußerungen von einem Museumsdirektor und Sammler von ihm, dass man eigentlich gar nicht genau von Wohnungen
21:00reden konnte.
21:01Denn eigentlich war jedes Zimmer ein Arbeitszimmer.
21:19Ratenau war ja der Sohn eines der AEG-Gründers, also ein Mensch aus einer recht wohlhabenden, kunstsinnigen Familie.
21:29Er gehört zu den ersten Sammlern von Edvard Munch in Berlin.
21:34Bereits nach der Skandalausstellung 1892 hat Walter Ratenau Werke von Edvard Munch erworben.
21:42Und er blieb dem Künstler treu und hat ihn dann auch mit einem Porträt beauftragt.
21:48Und das ist das, was wir hier in der Ausstellung zeigen.
21:51Und Walter Ratenau hat auch ziemlich entspannt auf dieses Porträt reagiert.
21:59Sehr analytisch und hat gesagt, boah, ein ekelhafter Kerl.
22:03Das kommt dabei raus, wenn man einen berühmten Maler bittet, ein Porträt zu malen von sich.
22:09Da kommt man ähnlicher bei raus, als man wirklich ist.
22:23In Berlin hat Edvard Munch doch relativ schnell Anschluss gefunden.
22:29Er hat einige skandinavische Künstler kennengelernt, mit denen er intensiven Kontakt gepflegt hat.
22:34Dazu gehörte zum Beispiel die faszinierende Dagny Juhl.
22:39Das war eigentlich eine Pianistin, die auch zur Fortsetzung ihres Klavierstudiums nach Berlin gekommen ist.
22:49Und sie hat dann den polnischen Dramatiker Stanislaw Fybiszewski geheiratet.
22:55Und sie war als Frau sowas wie ein Mittelpunkt sogar dieses Kreises, weil man sie faszinierend fand.
23:06In der Kneipe abends, die sehr bekannt war damals, das sogenannte Schwarze Ferkel.
23:12Da hat dann Dagny Juhl Klavier gespielt und hat alle in ihren Bann gezogen.
23:17Man hat sich getroffen, um miteinander zu sprechen, zu diskutieren.
23:21Und ja, getrunken hat man auch.
23:23Denn das Schwarze Ferkel war eine Wein- und Probierstube, die den Titel Schwarzes Ferkel in Wirklichkeit gar nicht hatte.
23:31Sondern es gab so einen Schlauch, so einen Weinschlauch, der hing vor der Tür.
23:36Und in der Dämmerung hat Strindberg das mal für ein, ja, für ein Ferkel gehalten, was da vor der Tür
23:43hing.
23:47Edvard Munch hatte bestimmt eine Anfälligkeit für, ja, Alkoholismus.
23:54Er hat sehr viel getrunken, das ist sicherlich richtig.
23:57Und er hat dann auch irgendwann aber die Reißleine gezogen und ist dann 1908, als er Berlin verlassen hat,
24:03ist er zunächst nach Dänemark gegangen und zwar in ein Sanatorium zu einer Entwöhnungskur.
24:09Und hat danach dann auch nie wieder Alkohol angerührt.
24:13Aber dieser rauschhafte Zustand, der war wohl auch nicht nur für ihn in dieser Zeit sehr wichtig,
24:20um einfach auch so eine andere Ebene des Bewusstseins zu erreichen.
24:31Also die Faszination Munchs an der Fotografie zeigt wirklich, wie modern er gedacht hat.
24:37Bei Munch ist bemerkenswert, es gibt unglaublich viele Selbstporträts.
24:41Er hat sich also immer wieder selber fotografiert, also ein Selfie-Master möchte man meinen.
24:46Und er hat auch immer wieder die Situation in seinem Atelier fotografiert, auch teilweise von Ausstellungen.
24:52Und das ist für uns heute ausgesprochen lehrreich, instruktiv zu sehen, wie er sich selbst gesehen hat,
24:59wie er mit seinen Werken umgegangen ist und ja, wie es um ihn herum so ausgesehen hat.
25:05Und das ist wirklich großartig.
25:06Also er liebt es zum Beispiel auch an die See zu fahren, an die Ostsee.
25:09Deswegen gehört zu meinen Lieblingsfotos das hier.
25:15Da sieht man nämlich nicht nur ihn mit Pinsel und mit Palette am Strand stehen.
25:22Er hat auch nichts weiter an als einen Ländenschutz.
25:25Und das Beste ist noch, man sieht in der rechten Bildhälfte ein großformatiges Ölgemälde,
25:33nämlich die badenden Männer.
25:35Und das steht da einfach im Sand.
25:45Es zeichnet das Werk von Edvard Munch aus, dass er auch in der schwierigen Anfangszeit
25:51bereits Sammler und Interessenten, Mäzene für seine Kunst gefunden hat.
25:58Und dazu gehörten vor allen Dingen auch das Ehepaar Glaser.
26:10Elsa Glaser stammt in einer sehr wohlhabenden jüdischen Familie.
26:13Kurt Glaser war Kunstwissenschaftler.
26:15Und er hat dafür Sorge getragen, dass nicht nur das Kupferstichkabinett
26:19viele, viele grafische Werke Edvard Munchs angekauft hat.
26:23Er hat auch selbst eine total großartige Sammlung zusammengetragen.
26:29Und diese Unterstützung, die ja letztlich auch eine finanzielle Unterstützung war,
26:34die war für Munch ausgesprochen wichtig, aber auch die Freundschaft mit den beiden.
26:40Das Ehepaar Glaser war Edvard Munch wirklich sehr, sehr verbunden.
26:44Und sie haben ihn sogar, nachdem er dann nicht mehr in Berlin lebte, ab 1908 in Oslo besucht.
26:49Und es gibt ein historisches Foto.
26:51Da sieht man ein großes Auto und das ist voll bepackt mit Menschen und mit Gepäck.
26:59Und angeblich sind die beiden Glasers mit diesem Auto auch nach Oslo gereist.
27:07Und bei dieser Gelegenheit ist dann dieses ganz, ganz großartige Porträt von Frau Glaser entstanden,
27:15was sie zeigt als eine sehr, ja, wie soll man sagen, eine selbstbewusste, moderne Frau.
27:23Sie hat einen kurzen Haarschnitt, soweit man das sagen kann.
27:26Vielleicht verbirgt sich da auch noch was anderes.
27:28Aber auf jeden Fall trägt sie auch etwas sehr, sehr Modisches.
27:32Es ist wirklich ein sehr modern anmutendes Gemälde, was kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstanden ist.
27:39Und man versteht auch diese Eleganz, die sie irgendwie verkörpert hat, auch in diesem Berliner Salonkreis.
27:55Berlin hat Munch ja wirklich nicht allzu gut mitgespielt.
27:58Jetzt mal mit dieser Affäre Munch ging es los, große Opposition, negative Presse.
28:05Und es gibt viele Beispiele, bei denen man nur sagen kann, hm, ein ganz schönes Durchhaltevermögen.
28:11Aber dennoch fand er, glaube ich, in Berlin, wenn auch nur temporär sowas wie eine künstlerische Heimat.
28:21Und so ist es auch kein Wunder, dass er hier unglaublich viele Ausstellungen hatte.
28:25Wir haben mal nachgezählt, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, zwischen 1892 und 1933 hatte Munch in Berlin 60 Ausstellungen.
28:39Man kann bei manchen dieser Gemälde kaum sagen, wann die entstanden sind.
28:44Und das zeichnet, glaube ich, auch die Kunst Edvard Munchs aus, dass sie so eine starke überzeitliche Komponente hatte.
28:55Edvard Munch hat sich durch diese ganz besondere Sicht auf Natur, ganz besondere Sicht auf den Menschen, einen besonderen Platz
29:04eben dann auch in der Kunstgeschichte ermalt.
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