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00:00Here is for 300 people.
00:03A month long.
00:06I've read, only for Befug.
00:08I'm going to try again.
00:09Yes.
00:11You're ready for a delicious meal?
00:14For today's dinner.
00:16For today's dinner.
00:16When you're fasting,
00:19you're going to cook the whole day?
00:22Yes.
00:23Yes.
00:24The last days of Ramadan
00:28are broken.
00:29For fasting brechen nach Sonnenuntergang
00:32bereitet hier ein Koch aus der Türkei
00:34traditionelle Speisen zu.
00:36For vegetarische Leute.
00:39A little bit less?
00:41Yes.
00:425-6 Damen.
00:43They don't eat.
00:46Worauf kommt es denn beim Essen,
00:48beim Fastenbrechen an?
00:49Gibt es da noch etwas Besonderes?
00:51Extra Süßigkeit.
00:54Sehr kunstvoll.
00:55Ja.
00:56Wie feiern Muslime ihre Feste?
00:59Und was macht muslimisches Leben im Alltag aus?
01:02Ich darf heute eintauchen in eine Welt,
01:04die ganz anders ist als meine.
01:06Oder vielleicht doch nicht?
01:18In der DITIB-Moschee in Miesbach kommt die Gemeinde jeden Abend zum Fastenbrechen zusammen.
01:24Jeder leistet einen Beitrag.
01:26Viele helfen mit, beim Kochen oder beim Tischdecken.
01:30Manche bringen auch Süßspeisen oder kleine Geschenke für die Kinder mit.
01:34Warum ist Ihnen das so wichtig?
01:36Ja, es ist freiwillig.
01:37Wir teilen, wir helfen uns, damit wir einfach gemeinsam im Fastenmonat alle zusammen hier essen können.
01:42Und es ist auch eine Möglichkeit, wo wir uns auch alle zusammen mal sehen.
01:45Aber was macht es so für Ihr Leben aus, dass Sie sagen, Sie sind Teil dieser Gemeinschaft, machen da mit?
01:50Ja, es ist ja diese Werte für Teilen.
01:53Diese Emotionen schon alleine tragen.
01:55Teilen, mit jemandem was teilen, zusammen essen.
01:58Also nicht alles für dich essen, sondern mit anderen Leuten zusammen, gemeinsam essen.
02:02Mit den Familien hier, mit den Kindern.
02:04Es kommen auch Leute, die nicht fasten.
02:07Also auch Besuch kommt hier hin, auch der Bürgermeister war hier.
02:09Die dürfen alle mitessen.
02:10Das ist oft einfach.
02:12Die meisten Muslime hier stammen aus der Türkei.
02:15Einige kommen auch aus anderen Ländern.
02:17Der Countdown zum Fastenbrechen läuft.
02:20Noch fast 22 Minuten.
02:22Viele Muslime, die hier leben, sind aus ihrer Heimat geflüchtet.
02:27Als sie hier angekommen sind, haben sie viel Hilfe erfahren.
02:30Und einige von ihnen sind jetzt selbst zu Helfern geworden.
02:36Sonntagvormittag.
02:37Toupé-Ularé bereitet schon den Nachmittagscafé vor.
02:41Auch heute Morgen hilft er wieder bei der Sonntagsmensa in Würzburg.
02:44Einem Treffpunkt für Menschen in schwierigen Lebenslagen.
02:48Obwohl er gestern Abend noch Geburtstag gefeiert hat.
02:51Gestern habe ich auch schon Geschenke gekriegt.
02:55Ich habe eine Campingbox gekriegt.
03:00Von meiner Nachbarin ein Set gekriegt, womit ich dann das Auto waschen kann.
03:08Campingausrüstung und Autowaschset.
03:10Deutscher könnte ein Geschenk für einen Mann wohl kaum sein.
03:13Die Vorbereitungen für das Mittagessen laufen.
03:16Viele der rund 70 Gäste warten schon ungeduldig, bis die Türen aufgehen.
03:21Der christliche Verein St. Egidio hilft Geflüchteten.
03:24Beim Ankommen, Deutsch lernen, der Job und Wohnungssuche.
03:31Toupé floh vor sechs Jahren aus Guinea in Westafrika,
03:34während der damaligen Aufstände.
03:37Mit 17 Jahren kam er nach Würzburg.
03:40Immer wieder sollte der heute 25-Jährige abgeschoben werden.
03:44Das ist eine sehr große Belastung.
03:46Es ist richtig schwierig damit zu leben.
03:48Aber es kam ein Push-Ingenieur.
03:52Und dadurch bin ich länger hergeblieben und nicht hier einfach so zu bleiben,
03:57haben die Ausländerbehörde gefragt, ob ich dann in der Zeit eine Ausbildung anfangen könnte.
04:06Viele, die bei St. Egidio vielseitige Hilfe erfahren, wollen das zurückgeben und selbst helfen.
04:12Auch aus ihrem Glauben heraus.
04:14Jeder Muslim hilft, egal ob du Muslim bist oder aus anderer Religion bist,
04:20ob du an Gott glaubst oder nicht, ob du Muslim bist oder Christ.
04:24Ich denke auch, das ist nicht nur bei Muslimen so.
04:27Um halb eins geht es los. Mustafa und Angelika begrüßen jeden einzelnen namentlich.
04:33Mustafa kommt aus Syrien, ist blind, erkennt aber jeden Gast an der Stimme.
04:38Sein Ehrenamt hilft ihm, Deutsch zu üben und ...
04:41Jetzt bin ich da, weil hier meine Freunde auch.
04:48Ich kenne Angelika Wagner auch.
04:50Ich kenne andere Freunde auch.
04:53Und ich mag auch hier immer am Sonntag in der Küche helfen.
04:59Er ist einer von meinen besten Freunden hier.
05:02Die muslimischen Helfer haben bei der Sonntagsmensa Kontakt zu Deutschen,
05:07üben die Sprache und die Gäste genießen es, um sorgt zu werden.
05:11Sich einmal fühlen wie im Restaurant.
05:14Möchtest du nochmal einen Kaffee oder einen Tee?
05:16Ja, gerne einen Kaffee.
05:18Doch in der Sonntagsmensa gibt es nicht nur leckeres Essen,
05:21sondern auch jemanden zum Reden.
05:23Jemanden, der zuhört, einen wertschätzt.
05:28Von unserer Seite hier, du bist immer willkommen, jeder ist hier.
05:32Obwohl auch für Christen aktuell Fastenzeit ist, vergessen hier trotzdem einige, dass für Muslime gerade Ramadan ist.
05:39Auch Toupet isst und trinkt nichts zwischen Sonnenauf und Untergang.
05:45Tony hat sogar vorhin gefragt, ob ich was probieren sollte.
05:51Für mich ist das nicht schlimm, also es ist sehr gut.
05:55Die verstehen auch, dass wir fasten und so und respektieren das.
06:00Und nachher, wir kommen gut miteinander.
06:04Aktuell hat Toupet Olaré einen befristeten Aufenthaltstitel.
06:11Er hat seine Ausbildung zum Elektroniker beendet und betreut mittlerweile selbst Auszubildende.
06:17Das Ankommen war nicht einfach.
06:18Ein fremdes Land, eine andere Kultur, eine schwierige Sprache und das ohne Familie.
06:25Vertrauen zu gewinnen ist schwierig.
06:28Und auch seinen eigenen Freundkreis zu bilden ist auch schwierig,
06:32weil nicht viele auch akzeptieren gleich mit ihr befreundet zu sein.
06:37Auch in der Sonntagsmensa wollten manche zu Beginn nicht von Muslimen bedient werden,
06:42hatten Vorurteile gegenüber Toupet und den anderen ausländischen Helfern.
06:48Ja, und die kamen hier zum Teil mit Zeitungen und Parolen gegen Ausländer.
06:53Und das hat sich aber wirklich verändert, also auch gerade bei diesen Menschen,
06:56durch diese ständige Begegnung und wir sagen dann auch,
07:00und ich sag's ihnen auch, schau mal, wer dich heute beim Tisch bedient.
07:04Toupet fühlt sich in Würzburg angekommen, hat sogar eine Freundin.
07:08Ob er sich aber jemals so zu Hause wie in Guinea fühlen wird, er arbeitet daran.
07:12Wenn man Bayerisch spricht, da verstehe ich auch nicht so viel.
07:17Aber auch ist es so mit meinem Chef sogar.
07:20Da muss ich ihn zwei-, dreimal wiederholen lassen,
07:23damit ich richtig verstanden habe, was er manchmal sagen möchte.
07:26Aber das kriege ich hin.
07:29Später wird er mit seinen muslimischen Freunden das Fasten brechen.
07:32Ein kleines Stück religiöse Heimat, mitten in Würzburg.
07:38Während in der Moschee in Miesbach die Vorbereitungen fürs Fastenbrechen laufen,
07:43bereitet Familie Devitschi schon alles fürs Zuckerfest in ein paar Tagen vor.
07:47Es ist eines der wichtigsten Feste für Muslime.
07:51Nach einem Monat des Verzichts, der inneren Reinigung und Besinnung,
07:54wird drei Tage lang richtig gefeiert und Allah gedankt.
07:58Ich darf Shinai Devitschi helfen, lerne, wie man Weinblätter füllt und rollt.
08:05Genau, richtig professionell. Wahnsinn.
08:07Dankeschön.
08:09Wie viele Tage Vorbereitungszeit ist so ein Zuckerfest dann für Sie?
08:13So zwei Tage ungefähr.
08:14Zwei Tage?
08:15Zwei Tage, ja.
08:16Es wird dann auch zu Hause mehr aufgeräumt, alles sauber gemacht, alles vorbereitet.
08:23Den Kindern kauft man meistens dann auch neue Anzüge,
08:26also dass sie so ein Festkleid haben.
08:28Was bedeutet es für die Kinder? Ist es auch ein Kinderfest dann?
08:31Genau, also es ist ein Kinderfest und man versucht ja auch den Kindern das beizubringen
08:37und es gibt ja auch dieses Kinderfasten.
08:40Also die fasten dann zum Beispiel bis Mittag.
08:43Die hatten auch so einen Kalender.
08:45Was für ein Kalender?
08:46So mit Geschenke, so wie ihr das bei Weihnachten habt.
08:50Achso, so eine Art Adventskalender?
08:51Genau, genau, sowas haben sie dann auch gehabt.
08:53Was ist da dann drin zum Beispiel?
08:55Früher waren es eher so Süßigkeiten, dann auch so Gutscheine, zum Beispiel für Eisdiele,
09:01so Geldgeschenke, so kleine, ja.
09:04Das erste, wenn sie immer runtergekommen sind, war immer den Kalender aufzumachen, genau.
09:09Ich weiß ja, dass bei uns das oft so ist, dass es heißt Weihnachten, oh, tolles Familienfest,
09:13aber manchmal kracht es da auch richtig.
09:15Wie ist es bei Ihnen?
09:17Verstehen Sie sich da immer alles?
09:18Ist es dann immer eine heile Welt?
09:21Es ist schon ruhiger.
09:23Also, ja, man stellt sich das irgendwie anders vor, aber es ist schon alles ruhiger.
09:26Man geht alles ruhiger an.
09:28Man lernt diese Geduld, diese Selbstdisziplin auch.
09:32Während der Fastenzeit?
09:33Genau, ja.
09:34Also, es heißt ja nicht nur, dass man nichts essen, nichts trinken soll, man soll ja auch
09:39mit sich arbeiten, ja.
09:40Mit sich gehen, wenn man gegenüber anderen ist und so weiter, ja.
09:44Und das spürt man dann beim Zuckerfest, dass sich alle tatsächlich so drauf vorbereitet
09:48haben und sich auch entsprechend verhalten werden.
09:50Genau.
09:52Der Herr über das Baklava.
09:55Süßspeisen wie selbstgemachtes Baklava dürfen bei einem muslimischen Festessen nicht fehlen.
10:01Chennai und Burhan Devetchi, die mit ihren zwei fast erwachsenen Kindern auf dem Land leben,
10:06praktizieren ihren Glauben auch im Alltag.
10:09Sie fasten während des Ramadan, halten die täglichen Gebete, helfen und geben Almosen
10:15und feiern mit der großen Familie ihre religiösen Feste.
10:18All das wollen sie auch ihren Kindern vermitteln.
10:29Wie wichtig ist es Ihnen denn auch diese Traditionen weiterzugeben?
10:34Schon sehr wichtig.
10:35Die sollen schon sehen, wie wichtig es für uns ist, mit der Familie was zu tun,
10:40einfach mit Liebe es zu richten.
10:43Das ist für uns schon sehr wichtig.
10:45Die Kultur und die Werte zu schätzen, genau, das sollen sie auch lernen.
10:50Das teilen vor allem, was auch wichtig ist in der Fastenzeit, genau.
10:55Die Dankbarkeit, ja.
10:57Und deswegen auch dieser Familienzusammenhalt ist auch sehr wichtig.
11:01Hat das was mit Identität, mit Wurzeln auch zu tun oder wie würden Sie das beschreiben?
11:06Sie sollen ja auch wissen, woher sie kommen, ja.
11:08Wie wir auch aufgewachsen sind, sollen sie das auch lernen.
11:11Das schätzen sie auch wert.
11:13Das wollen sie auch immer gerne wissen.
11:15Also meine Kinder haben bis jetzt bei allem mitgemacht.
11:20Also es ist schon wichtig.
11:23Ein einfacher Teil von Ihnen.
11:24Genau.
11:26Und nicht nur die Moschee ist ein Ort, der Muslimen Heimat gibt.
11:33Das Münchner Bahnhofsviertel.
11:35In den 70er Jahren zogen hier in das ehemalige Glasscheibenviertel vor allem türkische Gastarbeiter.
11:41Sie prägten die Straßen mit ihrer Kultur.
11:44Bis heute ist die Gegend muslimisch und multikulturell.
11:48Hassan Güvendirin gehört noch zu der Generation, die hier vieles mit aufgebaut hat.
11:53Der Geschäftsführer vom Antepsofrasi ist seit über 30 Jahren im Viertel.
12:01Bis jetzt, das ist immer viele Türke, viele Ausländer, die Götterstraße.
12:08Deswegen sage ich mal, kleine Istanbul ist hier.
12:10Unsere zweite Heimat ist das hier.
12:14Ayşe Çavuşoğlu war zwei Jahre alt, als sie mit ihren Eltern aus der Türkei hierher kam.
12:20Die erste Generation Gastarbeiter ist alt geworden.
12:24Inzwischen führt Ayşe den Supermarkt ihres Vaters weiter.
12:26Sie ist stolz darauf, als Frau Chefin zu sein.
12:30Wir haben nicht gesagt, dass ich eine Mädchen oder eine Frau bin, oder dass ich Kinder habe oder dass ich
12:36verratet bin.
12:37Wir haben immer mit Papa zusammengearbeitet.
12:41Ayşe hat auch deutsche Kunden, die türkische Spezialitäten schätzen.
12:46Nach 40 Jahren fühlt sie sich hier zu Hause, unter ihren türkischen Nachbarn.
12:51Doch die Community verändert sich.
12:56Viertel war es damals sehr viele Türken, viele Geschäfte, türkische Bank.
13:03In der Landwirtschaft waren noch zwei Moschee.
13:06Die sind alle jetzt weg.
13:07Die türkische Bank ist auch weg.
13:09Die Radbahn ist auch weg.
13:10Früher mehr Gemeinschaft.
13:13Schade, schade, schade.
13:14Wir sind jetzt überall verteilt, überall.
13:18Wie in Bahnhofsvierteln vieler deutscher Großstädte sind hier Armut und Sicherheit ein Thema.
13:25Für Can Ateş vom Friseursalon Kubi eine Entwicklung, die sich negativ auswirkt.
13:30Das kommt vor, ja.
13:32Das kommt leider vor.
13:33Dass sie sowas sehen oder Bettler oder irgendwelche andere alkoholisierten Leute.
13:37Leider.
13:37Sollte nicht sein, sie sehen hier bei uns.
13:39Das sind ja nur Damen.
13:40Das Viertel ist sehr vielfältig.
13:41Es ist schön.
13:42Aber es hat sich leider verändert.
13:44Die Situation überall hier, auch mit der Sicherheitslage.
13:48Can Ateş hat türkische Eltern.
13:51Er ist in München geboren und fühlt beide Identitäten.
13:55Also ich bin Münchner Kindl.
13:56Ich bin hier aufgewachsen, geboren, war Schule, Uni, alles hier.
13:58Und ich komme aus der Türkei.
14:00Genau, früher waren das nur türkische Läden.
14:02Aber die ist schon anders.
14:03Das hat sich schon geändert.
14:04Wir haben viele afghanische, syrische und auch afrikanische Läden.
14:08Die einen sind darüber nicht glücklich, die anderen schon.
14:12Das Bahnhofsviertel ist heute ein Zentrum vieler Kulturen und längst nicht mehr nur Klein-Istanbul.
14:17Tim Yilmers liebt diesen Mix aus vielen Nationalitäten.
14:22Er spricht mit fast jedem in der Landwehrstraße.
14:25Hier ist auch sein Boxclub Mariposa in einem Hinterhof.
14:30Hier trainiert jeder.
14:31Also vom Anwalt bis zum ukrainischen Flüchtling.
14:35Alle hier.
14:35Spannungen gibt es nicht.
14:37Zumindest nicht aufgrund unterschiedlicher Nationalitäten.
14:39Servus.
14:40Auch Tim ist in Deutschland geboren.
14:42Er gehört zur zweiten Generation.
14:44Für seine Eltern, türkisch-bulgarischer Herkunft, war hier ein Stück Heimat.
14:49So, hier ist die gute alte Ischbank.
14:51Ich bin schon als kleines Kind mit meinem Vater viel ins Viertel gekommen, weil er eben
14:56hier in der Ischbank noch ein ganz traditionelles, altes Bankkonto hatte.
15:00Es hat halt anders gerochen hier, orientalischen Gerüche.
15:03Und das fand ich immer als Kinder auch schon spannend natürlich.
15:05Das Münchner Bahnhofsviertel ist ein Kriminalitäts-Hotspot.
15:09Tim wehrt sich aber dagegen, dass das am hohen Ausländeranteil liege.
15:13Auch deshalb engagiert er sich im Verein Südliches Bahnhofsviertel für den Abbau von Vorurteilen.
15:19Mir ist es schon wichtig auch, was gegen diese Meinungsmache auch zu tun.
15:22Von rechter Seite die Meinungsmache.
15:24Also dieses ständige Hervorheben von Straftaten von Migranten und das Ausblenden der Straftaten von Deutschen.
15:34Also das ist irgendwie, damit komme ich nicht so richtig klar.
15:39Ich würde mir schon wünschen, dass alle Nationen so ein bisschen zusammenfinden.
15:42Hier sollen sie zusammenfinden. In der Carreteria, einem Zentrum, das die Kultur der Menschen in dem Viertel sichtbar machen möchte.
15:49Mit Kunst, Theater und Aktionen.
15:53Hülya Bozkurt-Weller leitet die Carreteria.
15:56Ihr Herz schlägt für dieses multikulturelle Stadtviertel mit mehr als 100 Nationen.
16:01Ich glaube, die Menschen im Bahnhofsviertel werden selten als Menschen wahrgenommen, die auch Kultur leben.
16:06Hier findet sehr, sehr viel mehr statt, als sichtbar ist. Das ist das Interessante.
16:11Und wenn man eben mal versucht, hinter den Vorhang zu blicken im Bahnhofsviertel,
16:17dann erkennt man, was hier eigentlich stattfindet.
16:19Dass hier alles stattfindet und alles gleichzeitig stattfindet.
16:23So nehme ich das Viertel wahr.
16:24Es ist ein sehr lebendiges und ein sehr warmes Viertel, das einem die Arme öffnet.
16:30Und ein Viertel mitten in München, in dem muslimisches Leben lebendig ist.
16:35Mit all seinen Facetten.
16:42Und ich bin jetzt auch im Münchner Bahnhofsviertel unterwegs mit Maher Keder.
16:48Er stammt aus Ägypten, lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern inzwischen in Weiden in der Oberpfalz.
16:53Er wurde in Deutschland zum Imam ausgebildet.
16:57Auffällig? In seinem Gewand wird er von vielen Muslimen erkannt.
17:00Herr Imam, muslimisches Leben in Bayern, ist das eher so eine Art Parallelwelt?
17:07Oder sind Muslime in Bayern mittendrin in der gesamten Gesellschaft?
17:10Ja, ich finde, die muslimischen Bayern haben sich wirklich so gut integriert.
17:14Man findet Muslime überall, in jedem Amter und Beamter, egal wo man sich befindet.
17:20Sie sind ein Imam, der auf Deutsch predigt, aber das tun ja nicht alle.
17:24Also welche Rolle spielt da die Sprache?
17:26Und das erste, was ich immer in meiner Predigt empfehle, die neue Generationen, die zum Beispiel
17:32nach Deutschland neu gekommen sind, entweder als Flüchtlinge oder Gastarbeiter, Sprache, Sprache, Sprache.
17:37Bevor ich eine Ausbildung anfange, dann lieber studiere ich ein, zwei Jahre noch Sprache,
17:41weil Sprache auch die Kultur hinten, die man versteht auch durch Sprache auch den System hier in Deutschland.
17:46Als Imam sind Sie quasi Vorbild und Ratgeber? Kann man das so auf ein Thema bringen?
17:52Ja, schauen Sie mal, unsere Wörter als Imam, Rabbiner, Bischof, Pfarrer bringen wirklich Herzen.
17:57Und deshalb, wir haben eine riesige Verantwortung und sollten wir auch die Verantwortung auch spüren und auch tragen.
18:03Wenn der Pfarrer oder der Rabbiner oder der Imam was sagt, dann wird es mehr vertraulich als jemand anderes.
18:09Und deshalb sollten wir auch genau wissen, was wir sagen, was wir die Gesellschaft lenken.
18:14Und durch unser Vorbild wird die Vertrauen entstehen.
18:18Unterstützen Sie dann auch die Forderung, die es aus verschiedenen politischen Richtungen hier in Deutschland gibt,
18:23dass Imame in Deutschland ausgebildet sein müssen, wenn sie hier predigen wollen?
18:27Wenn ich einen Imam aus Marokko hole oder aus Ägypten oder aus Tunesien oder aus Säderarabien kann,
18:33kann er theologisch sehr gut oder 100% theologisch ausgerüstet.
18:38Aber die Praxis hat das System nicht gekannt.
18:43Dann weiß ich nicht, was hier der politische Takt ist, was hier der Gesetzestakt ist.
18:47Wenn ein ausgebildeter Imam durch sein Studium studiert, sogenannte politische Bildung,
18:53dann weiß, dass die Kommunalwahl nach sechs Jahren kommt,
18:56dann weiß der Unterschied, die Parteiprogramme,
18:59und kann wirklich führt zu richtiger Integration.
19:03Nicht die Muslimen sich eingekapselt in eine eigene Welt.
19:07Und diese Kapsel bricht nur ein ausgebildeter Imam,
19:10kann die eingekapselten Leute zur Gesellschaft holen, positiv integrieren und dann funktioniert sie gut.
19:18Ist Integration eine Frage, die in Anführungsstrichen nur die Muslime angeht?
19:23Oder was wünschen Sie sich da auch von der sogenannten Mehrheitsgesellschaft?
19:28Ja, Integration ist kein politisches Schlagwort.
19:32Es ist eine spirituelle Haltung, die fängt erst im Herzen an.
19:36Die fängt erst mit dem Gedanken, die anderen sind nicht meine Gegner.
19:40Die anderen akzeptieren und respektieren. Das ist Integration.
19:44Dankeschön.
19:47Die Moschee in Miesbach. Inzwischen ist die Sonne untergegangen.
19:51Das Fastenbrechen beginnt mit einem Gebet.
19:58Unten sind die Männer, oben die Frauen.
20:02Der Imam kommt aus der Türkei und wird von der dortigen Religionsbehörde finanziert.
20:09Und dann beginnt nebenan das gemeinsame Essen.
20:14Während des Ramadan können die Familien hier jeden Tag zusammenkommen.
20:18Gegen eine Spende von 250 Euro für das Abendessen im gesamten Fastenmonat.
20:24Wie ist das denn nach so einem Tag ohne Essen und Trinken?
20:28Ist das dann hier so eine Art Erlösung am Abend, wenn man dann endlich was zu essen bekommt?
20:32Ja, klar. Auf jeden Fall. Man freut sich auch. Und es macht ja auch Spaß mit all diesen Interessen.
20:41Aber Sie sind hier auch getrennt, Frauen und Männer. Die Männer sind jetzt gerade in einem Raum im Keller.
20:47Genau, die haben einen eigenen Raum.
20:48Warum haben Sie das so gelöst? Warum haben Sie es so organisiert?
20:51Es ist ja eigentlich im Islam so, dass man trennen soll.
20:54Und wir fühlen uns wohler.
20:56Es ist halt ein anderes Thema.
20:58Und neben uns Männer sitzen, dann kann man nicht so reden, wie wir wollen eigentlich.
21:02Jetzt fällt mir auf, dass tatsächlich ganz viele Frauen hier ein Kopftuch tragen. Sie haben keins. Warum nicht?
21:09Das ist immer diese Frage, ja.
21:12Das sind die sichtbaren Dinge, ne?
21:13Ich sage das immer, alle Katholischen gehen auch nicht jeden Sonntag in die Kirche oder leben die Religion 100 Prozent
21:22aus.
21:22Meine Tochter ist tatsächlich bedeckt, aber ich noch nicht. Schau mal.
21:28Haben Sie das Gefühl, ich mache einfach alles mit? Ich kann meine Religion leben, aber ich bin auch total bayerisch?
21:33Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen und bin mittendrin eigentlich.
21:37Sie haben einen Dirndl im Schrank?
21:38Dirndl habe ich ja tatsächlich. Ich bin in der Gemeinde beschäftigt. Wir haben so Dirndl-Tage, wo man dann in
21:44Tracht kommt natürlich.
21:46Ja, gehört alles mit dazu.
21:48Wir gehören alles zusammen.
21:49Richtig.
21:50Dankeschön.
21:50Ja, gerne.
21:52Mitten drin und trotzdem unter sich? In einem anderen Raum haben sich die Männer zum Fastenbrechen zusammengesetzt.
22:01Die in eigenen Traditionen leben. Wie wichtig ist das gerade, wenn man in einem Land lebt, das ursprünglich nicht muslimisch,
22:10sondern eher christlich geprägt ist?
22:12Wir sind dankbar, dass wir diese Freiheit haben. Wir sind auch offen und ehrlich zu unseren deutschen Nachbarn und Freunden.
22:20Wir sind sehr aktiv hier in der Stadt mit anderen Vereinen, zum Beispiel beim Rotten Kreuz, beim Trachtenverein.
22:30In Miesbacher, beim Klauen ist sehr, sehr berühmt.
22:35Haben Sie schon mal einen geklaut?
22:36Nein, geklaut nicht, aber wir haben bewacht. Wir haben die Bewachung gemacht und das kommt gut an, dass wir auch
22:44Miesbacher sind.
22:45In welchen Punkten clasht es denn womöglich mal, wenn man sagt, ich bin ein Miesbacher und ich bin Muslim?
22:52Wir besuchen auch Feste. Wir können es ja auch besuchen, aber ich muss mich jetzt nicht in einem Bierzelt setzen
22:59und ein Maß Bier trinken.
23:01Ich kann in den Zelt rein, weil dann vielleicht meine deutschen Freunde sagen, komm, geh halt mit.
23:06Ich kann mitgehen, aber ich trinke halt dann eine Apfelscholle oder eine Spezi.
23:10Also es heißt nicht, ich bin jetzt Islam und ich gehe nicht da rein, sondern man muss da schon die
23:14Kontrolle halten und sagen,
23:15gut, was ist jetzt verboten und was nicht.
23:18Vielen Dank.
23:19Bitteschön.
23:20Ja, wenn man irgendwo dazugehören will, gerade hier in Bayern und gerade auf dem Land, dann geht man am besten
23:26zu einem Verein oder zur Feuerwehr.
23:30Einsatz bei der Feuerwehr in Kempten. Noch nicht dabei der Feuerwehr Nachwuchs. Die Jugendlichen haben gerade Training.
23:37Willkommen zu unserer Übung. Heute werden wir Löschwasseraufbau machen.
23:41Farad Kara ist Stadtjugendwart bei der Feuerwehr in Kempten. Weil sich manch Allgäuer früher mit dem Namen schwer getan hat,
23:49nennen sie ihn hier einfach Franz.
23:52Ich habe kein Problem damit, weil Namen sind vergänglich, nur die Taten zählen. Das ist meine Einstellung. Und ob man
23:59mich mit Franz ruft oder mit dem Fahrrad ruft, ist das eigentlich egal.
24:02Farads Familie kam vor über 30 Jahren aus der Türkei ins Allgäu. Er war damals zwölf und hatte es als
24:09Kind mit Migrationshintergrund nicht immer leicht.
24:11Es hat immer wieder mal was gegeben, dass, sagen wir mal so, von einer großen Gruppe immer eine rausgekommen ist,
24:17der ein bisschen wirklich dagegen gehabt hat.
24:19Gegen mich oder gegen die Gleichartigen von mir, also gegen Türken oder gegen die Ausländer. Aber das war nur für
24:26Einzelte.
24:28Und ich habe immer auf den Kopf gesetzt, gut, lass dich mal hinter mir, weil irgendwann einmal wird das so
24:35kommen, dass ich dann mal da bin, der nicht mehr. Und das ist immer so geschehen.
24:38Nirgendwo findet man in Bayern besser Anschluss als in einem Verein oder eben bei der Feuerwehr.
24:44Farad kam mit 19 dazu.
24:45Zum Einsatz fertig! Zum Einsatz fertig!
24:48Bei der Feuerwehr muss jeder Handgriff sitzen.
24:51Farad hat früh gelernt, sich an Regeln zu halten. In beiden Kulturen.
24:56Als Kind sprach er in der Familie am besten Deutsch und musste für Großvater und Vater auch als Dolmetscher einspringen.
25:02Bei uns waren die Regeln, zu Hause gelten die Regeln von Heimat und draußen und Lebensweise und die Regeln sind
25:11Bräuche von Deutschland.
25:12Also wir waren ein Fisch, der zwischen zwei Kulturen hin und hier geschwommen ist.
25:16Machen wir mal das Schlauch mal ein bisschen leer.
25:18Auch Layla wächst in zwei Kulturen auf.
25:21Ihr Vater ist Muslim, ihre Mutter Christin.
25:27Also ich finde, das hat jetzt nicht so eine große Rolle, was ich so für Herkunft habe. Also das ist
25:34hier einfach Mensch ist Mensch.
25:37Und das ist bei der Feuerwehr notwendig. Beim Einsatz ist kein Platz für Streitereien.
25:42Wer im Ramadan fastet, bekommt leichtere Aufgaben. Oder er macht eine Ausnahme, wenn er gebraucht wird.
25:49Wichtig sind klare Absprachen.
25:56Wenn man sich gegenseitig nicht versteht, kann im schlimmsten Fall der Einsatz scheitern.
26:02Wasser, halt!
26:08So, was war los? Was ist falsch gelaufen?
26:13Wir haben vergessen, den Einsatzbefehl abzuholen für den Vorgehen mit dem ersten Schlauch.
26:17Erst Befehle beim Gruppenführer holen und dann ausrischen und dann geht's weiter. Okay?
26:22Haben wir es verstanden?
26:23Entschuldigung.
26:24Gut, alles gut. Also, machen wir weiter.
26:26In Deutschland sind viele Feuerwehren freiwillig, anders als in der Türkei.
26:31Deshalb hält Farad Kara Vorträge und erklärt auf Feuerwachen kulturelle Themen und Unterschiede.
26:38An einer Übung haben zwei Jugendliche in der Landessprache im Hintergrund geredet.
26:44Dann hat der Ausbilder rumgedreht und mit sehr scharfem Ton, hier ist Deutschland, hier wird Deutsch geredet, gesagt.
26:49Und dadurch hat sich einer von den Jugendlichen sehr angegriffen gefühlt.
26:54Und hinterher haben wir herausbekommen, dass der Jugendliche einfach den Fachbegriff nicht verstanden hat,
26:59weil er nicht seit langem, längerem in Deutschland war.
27:01Und dann hat der andere gefragt, wie heißt das in meiner Landessprache?
27:06Und dadurch kann man auch eine Jugendliche verlieren.
27:09Integration ist wichtig, auch damit der Nachwuchs bei der Feuerwehr in Zukunft nicht ausbleibt.
27:14Wenn die jungen Leute 16 werden, geht's los mit den richtigen Einsätzen.
27:20Die Grundlagen dafür versucht Farad jetzt zu schaffen.
27:23Es ist halt echt ein familiares Gefühl und da merkt man auch richtig die lebende Gemeinschaft, ja.
27:29Es spielt ja eigentlich nicht eine wirkliche Rolle, wo du herkommst oder wie du aussiehst, solange du halt hier mithelfen
27:35möchtest.
27:37Gleich steht der Löschwasseraufbau und hoffentlich geht diesmal nichts schief.
27:41Jetzt heißt es Wassermarsch.
27:49Miteinander sind wir eine starke Truppe und ein starkes, gutes Team.
27:54Und durch die Akzeptanz in der Feuerwehr, weil wir sind weder politisch oder religiös veranlagt,
27:59sondern wir akzeptieren uns einfach gegenseitig, wie wir sind.
28:03Und dadurch ist das Integration in der Feuerwehr viel besser, viel einfacher als die einem anderen Feuerwehr.
28:09Klasse gemacht, super Einsatz, klasse Leistung.
28:13Farad Franz Kara arbeitet immer noch daran, sich zu integrieren, sagt er.
28:18Gelungen ist es ihm auf jeden Fall bei der Feuerwehr.
28:22Die Miesbacher Muslime versammeln sich, gut gesättigt, nun noch einmal in der Moschee zum Dankgebet.
28:29Und ich habe viele Einblicke bekommen und eine enorme Gastfreundschaft erlebt.
28:34Bald schon werden Muslime weltweit das Zuckerfest feiern.
28:39Und sich nach einem Monat des Verzichts und der Besinnung ein frohes Fest wünschen.
28:44Oder, wie sie hier sagen,
28:46Ramazan Bayramenis Mubarek Eltsum.
28:51Classroom
28:52Malik Yawthim
28:54Amen.
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