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00:00I said to my mother, I'm the happy person on the world, if it's a book.
00:05Spoiler, I'm not.
00:06Hello.
00:07How are you?
00:09Lilia.
00:09I'm very happy.
00:12I had to learn that for writing not only is important,
00:16what I say, but also what I leave.
00:26This could be an advice to a debut.
00:30If you have nothing to say, it's a beautiful language.
00:36The main job itself is like...
00:40You have to fail.
00:42You have to fail so well,
00:44you have to fail so well,
00:48you have to fail.
01:05You have to fail.
01:05You have to fail.
01:05I wrote a book, then a short story.
01:07I've read a lot of books.
01:11I knew I wanted to do literature.
01:15But I didn't have to know that I wrote a lot.
01:18And that I could become a author.
01:26I worked in a book,
01:28and I had to check out the manuscript.
01:31And there are so many texts.
01:34And there is a lot of pain.
01:36And then I hated myself,
01:38and I said,
01:40you could do better write a book,
01:42but you don't do it.
01:43And I said,
01:45they write bad.
01:46And they have all the courage to do it.
01:51And that was a moment,
01:52where I thought,
01:53now try to write a book.
01:56Caroline Wall
01:57finds Schönheit in Tragik,
01:59Mut in Hoffnungslosigkeit.
02:02Innerhalb von 2 Jahren
02:04schrieb sie 2 Bestseller.
02:05Gerade wird ihr Debüt verfilmt.
02:08Das meiste,
02:09was ich schreibe,
02:10ist eigentlich schon so erfunden,
02:12aber vielleicht manchmal inspiriert
02:14von Dingen,
02:15die ich beobachte.
02:17Ich beobachte gerne Menschen.
02:19Bin in meinem Tunnel,
02:20hab Musik an,
02:21aber
02:22freu mich,
02:23wenn um mich Dinge passieren.
02:25Und mach da die Musik auch manchmal kurz aus
02:27und lausche den Gesprächen von anderen.
02:34Meine These ist,
02:35dass es als Kind so angefangen hat,
02:37weil ich einfach nicht so viele Freunde hatte
02:39und einfach dann so mich auch oft
02:41als so eine Außenseiterin gefühlt hat,
02:43die einfach viel beobachtet hat,
02:45die auch so Dynamiken beobachtet hat,
02:47die,
02:49ich glaube,
02:49ich war schon immer sehr neugierig
02:51und dann wurde es immer stärker.
03:00Schreiben bedeutet für mich vor allem,
03:02neue Räume zu erkunden,
03:04sich mit Menschen zu befassen,
03:06die anders sind als ich,
03:07die anders ticken,
03:08die aus einem anderen,
03:10aus einem anderen Kreis kommen
03:12und so irgendwie neue Welten
03:14sich irgendwie zu erschließen.
03:17Es gibt halt auch so viele Texte
03:20von so Millennials,
03:21die irgendwie in Berlin leben
03:23und die sich um sich selbst drehen
03:24und die irgendwie Tinder doof finden
03:27und trotzdem tindern
03:28und die sich ihr Essen bei Foodowa bestellen,
03:30so wie wir es alle machen.
03:31Aber irgendwie wollte ich das nicht schreiben.
03:33Ich wollte irgendwie was anderes,
03:35was Zeitloseres,
03:36was auch nicht nur für meine Bubble ist,
03:38sondern irgendwie so fast märchenhaft
03:40alle Generationen anspricht.
03:46Ich schreibe sofort los.
03:48Ich brauche für den ersten Satz
03:49nicht länger als für die anderen Sätze.
03:55Beim Schreiben passiert eigentlich alles bei mir.
03:59Es ist nie geplant, es passiert.
04:01Es passiert mit den Figuren.
04:02Ich bin mit denen unterwegs,
04:04lasse mich mit denen treiben
04:06und treffe auch nicht krass
04:08die Entscheidung für die,
04:09sondern irgendwie so mit denen.
04:11Deswegen ist es auch immer schwer,
04:13hinterher was zu streichen
04:15oder umzuändern,
04:16wenn ich es schon niedergeschrieben habe.
04:18Weil ich denke immer so,
04:19das ist doch jetzt schon passiert.
04:31Schreiben ist ein bisschen wie Träumen.
04:34Es ist nichts Kontrollierbares, Rationales.
04:38Deshalb braucht man,
04:41deshalb brauche ich,
04:43einen dunklen Ort,
04:45an dem ich in diese Träume eintauchen kann.
04:56Unsere gewohnte Umgebung ist so alltäglich,
04:59so banal.
05:04Ich sehne mich nach einem magischen Ort,
05:07der ganz anders ist.
05:19Danach suche ich auf meinen Nachtwanderung.
05:29Ich habe immer das Gefühl,
05:31das Buch ist schon irgendwo da draußen.
05:41Ich habe es nicht exakt vor Augen.
05:43Aber ich fühle,
05:44dass das Buch längst existiert.
05:47Ich muss es nur finden.
05:49Ich habe es nicht exakt vor Augen.
05:50Ich muss es nur finden.
06:02Ich muss es nur finden.
06:03Schon als Kind habe ich mich nirgends
06:05so recht zu Hause gefühlt.
06:06Da war immer so ein komisches,
06:08nagendes Gefühl,
06:09dass ich diese Welt nicht verstehe.
06:12Warum stehen die Leute alle morgens auf
06:14und gehen zur Arbeit?
06:17Was ist der Sinn dahinter?
06:19Warum in aller Welt sind wir hier?
06:22Für mich ist Schreiben ein Weg,
06:24damit umzugehen.
06:31Ich schreibe hier,
06:33an diesem Tisch,
06:35aber mit geschlossenen Vorhängen.
06:40Alte Worte,
06:41Geistergeschichten,
06:43kindliche Vorstellungskraft.
06:45Matthias Riekonen wird in Finnland
06:47manchmal auf der Straße erkannt.
06:49Er hat fünf Romane veröffentlicht.
06:54Ich schreibe seit ich fünf bin.
06:57Damals konnte ich noch nicht selbst schreiben.
07:00Ich bin zu meiner Mutter gegangen
07:01und habe gesagt,
07:02bitte schreibe das auf.
07:04Ich habe ihr gesagt,
07:06was sie schreiben soll.
07:17Du musst aufrichtig sein
07:19und ein Thema finden,
07:20wofür du brennst.
07:23Das macht das Herz einer Geschichte aus.
07:32Früher, als wir jünger
07:34und noch am Anfang unserer Karrieren standen,
07:36sind wir in Buchhandlungen gegangen.
07:39Es gab diese Regale,
07:40wo die Bestseller stehen.
07:42Wir haben heimlich die Nummer eins herausgenommen
07:44und sie gegen unsere eigenen Bücher ausgetauscht.
07:57An Bücher kommt man leicht.
08:03Wenn man über etwas schreiben will,
08:05was man selbst nicht direkt erlebt hat,
08:07sind Bücher einer der besten Wege,
08:09um zu verstehen, wie etwas ist.
08:26Eines meiner Bücher besteht zu einem Viertel aus alten finnischen Wörtern.
08:30Ich habe jahrelang historische Wörterbücher gelesen,
08:33um diese Worte zu sammeln.
08:37Dabei kam ich dann irgendwann an den Punkt,
08:40wo ich das Gefühl hatte,
08:42jetzt kannst du beginnen,
08:43die eigentliche Geschichte zu schreiben.
08:59Ein Roman kann alles sein.
09:02Oberflächlich gesehen muss nichts der Wirklichkeit entsprechen.
09:05Aber auf einer tieferen Ebene, das ist meine Meinung,
09:09sollte jedes Buch einen Funken Wahrheit enthalten.
09:18Etwas, das du selbst erfahren hast,
09:22das hinter den Buchstaben das Herz des Buches bildet.
09:27Und das muss wahr sein.
09:29Denn wenn es das nicht ist,
09:31fühlt sich ein Buch meistens seicht an.
09:41Es gibt dieses Phänomen, dass Menschen,
09:46die ihre Stimme zum ersten Mal aufgenommen hören,
09:49dazu neigen sie zu hassen.
09:51Mit der Schreibstimme ist es genauso.
09:54Das, was du schreibst, schreibst du 20, 21 Mal.
09:59Und wenn du geduldig bist,
10:01kommt beim 22. Mal etwas dabei raus,
10:03was anders klingt.
10:07Nicht nach deinen Tagebucheinträgen und Briefen,
10:10nicht nach der Stimme,
10:11die du selbst nicht ausstehen kannst.
10:13Plötzlich kommt dann eine neue Stimme.
10:15Und eine andere Stimme kommt zu dir.
10:43Fantasie und Vorstellungskraft sind nichts,
10:45was man in der Schublade hat und bei Bedarf herausholt.
10:48Beides ist ständig präsent.
10:53Gut, dass niemand in meinen Kopf schauen kann.
10:56Da herrscht Chaos.
11:01Jonas Jonasson lässt skurrile Figuren auf die Weltgeschichte los.
11:062009 erschien sein Debüt,
11:07der 100-Jährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.
11:10Es wurde millionenfach verkauft.
11:15Ich kann mich schwer konzentrieren,
11:17weil es zu Hause immer etwas gibt,
11:19was ich stattdessen tun müsste.
11:21Da ist der Geschirrspüler, der sagt, schreib mich ein.
11:27Die Waschmaschine ruft, ich bin hier.
11:32Und die Pflanzen hören die beiden und schließen sich an.
11:34Wir haben Durst, also hau ich ab.
11:39Und die Möglichkeit, ich habe gefunden,
11:40ist zu zu und ab.
11:51Und das nur zu Hause weg,
11:51weil ich es nicht so gut sah,
11:53es zu erledigen.
11:55Es gibt keine Sorge.
11:57Das ist sehr, sehr, sehr, sehr, sehr.
11:59Was ich hier einmal weiß?
12:00Einmal, der ist gerade in den ersten Mal.
12:02Nur immer, der ist in den ersten Mal.
12:03Ich bin hier.
12:03Ich bin hier.
12:04Das ist ein ganzes Mal.
12:04Ich bin hier.
12:04Ich bin hier.
12:04Ich bin hier.
12:05Ich bin hier.
12:05Es ist hier.
12:17So vor einem Jahr tauchte er hier auf. Ich komme schon seit zehn Jahren her. Das ist mein zweites Wohnzimmer.
12:31Ich wusste nicht, wer er ist. Ich dachte, er sei halt irgend so ein Typ, der am Computer sitzt.
12:37Dass er Schriftsteller ist, habe ich später erfahren, als die Leute sagten, das ist dieser Typ, Jonas.
12:53Wenn ich in meiner Bubble bin, mit Kopfhörern im Ohr, kann ich alles ausblenden.
12:57Um mich herum könnte eine Demo toben.
13:23Der Arbeitstitel, auf den ich erst vor zwei Tagen gekommen bin, könnte lauten, der Unruhestifter und der Unruhestifter.
13:31Der erste Unruhestifter ist der große Philosoph Voltaire. Es ist alles im 18. Jahrhundert angesiedelt. Superintellektuell, oder?
13:43Der zweite Unruhestifter ist ein einfacher Schuhmacher. Ich liebe es, gegensätzliche Persönlichkeiten aufeinandertreffen zu lassen.
14:05Bevor ich anfange zu schreiben, weiß ich, womit ich beginne. Ich kenne die verschiedenen Haltestellen, wenn man das so nennen
14:12kann.
14:13Und ich weiß, wo der Bus am Ende ankommt. Immer an einem glücklichen Ort.
14:28Seine Bücher sind so, du weißt nicht, was passieren wird. Und gleichzeitig ist es so lustig.
14:36Ich kann so lachen. Ich sollte dasselbe tun, aber ich bin nicht so mutig wie sein 100-Jähriger.
14:51Man könnte mich heute als einen superpositiven, optimistischen und gleichzeitig neurotischen, gestressten, angstbesetzten Menschen beschreiben, der sich Sorgen um den
15:03Zustand der Welt macht.
15:09All das zusammen ergibt ein Jonas-Jonasson-Buch. Man könnte sagen, ich bin meine eigenen Bücher.
15:31Ich bin mein bester und wichtigster Kritiker. Ich gehe immer wieder zurück und lese mir selbst laut vor.
15:47Kapitel, die ich geschrieben habe oder teile davon. Und ich höre genau hin.
15:52Wenn ich beim lauten Lesen stolpere, frage ich mich, warum bin ich gestolpert?
15:57War die Musikalität, die Harmonie nicht gut genug? Dann muss ich das neu schreiben.
16:08Oder habe ich an etwas anderes gedacht? Wenn ja, lag es daran, dass es nicht interessant genug war?
16:33Wenn die Menschen draußen miteinander umgingen wie hier, wäre die Welt ein besserer Ort.
16:42Darf ich vorstellen? Die Hoffnung.
16:46Hopefully.
16:59Ich bin das erste Mal in Elmau für eine Lesung.
17:06Was mir als erstes aufgefallen ist, ist die Stille.
17:12Ich finde die Stille zum Beispiel auch so wichtig, nicht nur beim Schreiben, auch im Leben.
17:19Iris Wolf geht mit Worten Sparsam um, schafft klare Bilder, erzählt auch rückwärts.
17:25Dafür war sie 2024 für den Deutschen Buchpreis nominiert.
17:29Ich bin eine Langsamschreiberin.
17:33Ich brauche Jahre, bis sich ein Stoff so entwickelt, dass ich mit ihm zufrieden bin.
17:46Jede Geschichte verlangt nach einer Form, die genau für sie richtig ist.
17:51Das heißt, gehe ich in die Multiperspektive, erzähle ich aus einer Figurenperspektive heraus.
17:57Wie gehe ich mit der Zeit um?
17:59Weil wir Schreibende müssen ja immer die Gleichzeitigkeit der Dinge in eine chronologische Abfolge führen.
18:05Mache ich Rückblenden, mache ich Vorausdeutungen oder erzähle ich rückwärts?
18:10Versuche ich die Zeit vollkommen aufzulösen?
18:12Also beides ist wichtig.
18:14Auch ein Formbewusstsein in der Sprache und das Brennen für ein Thema.
18:20Haben Sie eigentlich eine Lieblingsseite?
18:22Nein, das dürfen Sie sich aussuchen.
18:24Sie gehen voran.
18:33Es gibt die Zeit, sagte er sich.
18:36Es gibt die Sprache, die auch die Deine ist.
18:38Und niemand wird dich hinauswerfen, weil du nicht dazugehörst.
18:41Erst recht nicht.
18:42Und der Gedanke ließ ihn lächeln, wo du eine Wochenkarte hast.
18:45In meinen Büchern denke ich gerne nach über Menschen aus Südosteuropa, deren Leben sich auch angesichts der großen politisch-gesellschaftlichen
18:58Veränderungen des vergangenen Jahrhunderts so unglaublich verändert haben.
19:02Was macht das mit einem Menschen?
19:04Was sind diese Prägungen eines Lebens?
19:06Und gleichzeitig kann man sich daraus befreien.
19:18Das ist Vertraute.
19:20Vertraute.
19:21Sie sind mit Stolzenbürger übrigens geboren.
19:22Ach, ja, na klar.
19:28Ich bin in Hermannstadt geboren, in Siebenbürgen und dann aber in Banat aufgewachsen, was zwei ganz unterschiedliche Regionen sind in
19:36Rumänien.
19:38Und ausgewandert sind wir dann, als ich acht Jahre alt war, nach Deutschland.
19:43Aber so ein Stück weit habe ich so den Klang noch mit drin oder Bilder oder Gerüche oder Gerichte, also
19:49was alles dazugehört.
19:50Also irgendwie muss ich in meinen Geschichten immer von da aus losgehen oder dahin zurückkommen.
19:57Ich versuche aber immer auch ganz viel neue Welt in meine Bücher reinzulassen.
20:10Ich kann eher arbeiten, wenn ich alleine bin.
20:14Und auch das Nachdenken ist ja etwas, was alleine geschieht.
20:16Und beim Schreiben ist es genauso.
20:18Man ist erstmal alleine mit der Geschichte.
20:20Man muss allein sein gut aushalten können.
20:32Es gibt andere Schreibende, die machen sich einen Plan, die skizzieren und plotten erstmal ihre Figuren.
20:39Aber ich habe inzwischen das Vertrauen, dass es mir besser gelingt, auch interessanter für mich als Schreibende ist,
20:47wenn ich überhaupt nicht weiß, wohin mich eine Geschichte führt.
20:54Erstmal ist es nur ein von hier aus laufe ich los.
20:58Und wie sich diese erzählte Welt dann zusammensetzt, das ist sozusagen ja eine Perspektive der Jahre,
21:04über die ich an etwas schreibe.
21:06Und da kann ganz viel Neues dazukommen.
21:12Man kann nehmen, was einem zufällt.
21:15Alles schreibt mit an einer Geschichte.
21:21Wenn ich in etwas vertraue, dann tatsächlich der Fantasie.
21:26Die schlimmste Zeit ist, wenn man weiß, die Geschichte muss jetzt raus.
21:31Ich darf nichts mehr verändern.
21:34Oder die Welt, wie ich sie jetzt so erzählt habe, oder die Szene, die ist für immer so da.
21:39Ich will sie nicht loslassen.
21:41Ich denke immer, eigentlich bräuchte ich noch ein Jahr mehr.
21:55Mir stand das hier bevor.
21:57In Finnland gehe ich nicht auf Buchmessen, wenn ich nicht muss.
22:10Ich habe ziemlich schwere Avantgarde-Literatur geschrieben, aber auch massenkompatible Belletristik.
22:19Und man kann es sich leicht ausrechnen.
22:22Wenn ich ein Avantgarde-Buch schreibe, dann stehe ich beim Signieren oft alleine da.
22:32Wenn überhaupt, kommt vielleicht einer. Oder keiner.
22:41Ich hatte immer Zuspruch und Unterstützung.
22:46Aber ich konnte am Anfang nicht wissen, ob mich überhaupt jemand veröffentlicht.
22:51Ich habe beschlossen, wenn ich mit dem Schreiben kein Geld verdiene, dann bin ich eben arm.
22:57Schreiben ist das, was ich tue.
23:08In Finnland kann man von Buchverkäufen nicht leben.
23:11Man ist auf Stipendien angewiesen.
23:19Aber natürlich gibt es nicht ausreichend Stipendien für all die Leute, die Schriftsteller sein wollen.
23:26Man weiß eben nie, ob man eines bekommt.
23:34Wo geht es zum finnischen Stand?
23:38Der finnische Stand?
23:40Erst kommt Ebene 4C, dann Ebene 4.1.
23:48Irgendwo da muss es sein.
24:03Das alles hier ist ein notwendiges Übel.
24:11Wie Hausputz.
24:13Sauber machen bringt keinen Spaß.
24:15Aber es muss sein, damit du in deinem Haus leben kannst.
24:20Zur Buchmesse gehen ist wie putzen.
24:22Du musst Interviews geben und deine Bücher präsentieren, damit sie gelesen werden.
24:28Aber wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich lieber zu Hause und würde lesen oder schreiben.
24:33Und zwar alleine.
24:59Ich habe den Mauerhof heute mitgenommen.
25:02Das ist das neueste Mitglied meiner Stofftier-Gang.
25:05Meine Mama hat irgendwann angefangen, mir Stofftiere zu schenken,
25:08weil ich das eingefordert habe, dass ich gerne Stofftier haben will,
25:12damit ich nicht alleine auf Lesereise bin.
25:14Dann habe ich ein Schwein bekommen und ein Hase und eine Robbe und jetzt den Mauerhof.
25:22Und den nehme ich heute mal mit zur Lesung, damit er das auch mal sieht.
25:30Hallo.
25:31Ich freue mich, hier zu sein.
25:35Hi.
25:35Ich bin Silja.
25:36Caro.
25:37Wir hatten bei Insta ganz viel geschrieben.
25:38Ach, schön.
25:38Ich nehme dich einmal bitte da.
25:39Ich finde es bei Lesungen immer krass, wenn man über die Figuren spricht
25:42und alle oder viele Leser erinnern, die wirklich als echte Menschen wahrnehmen
25:47und man über die spricht wie über echte Menschen.
25:50Und so soll es sein.
25:51Das sind echte Menschen.
25:52Und wenn ich die auch beim Schreiben nicht mehr kontrollieren kann oder für die Entscheidung
25:56treffen kann, dann sind es gute Figuren.
26:00Danke schön.
26:02Weißt du, was lustig ist?
26:03Vor einem Jahr warst du in Erfurt.
26:05Ich habe vorher bei der Buchmesse gearbeitet.
26:06Ja.
26:06Kannst du dich erinnern an die Lesung?
26:09Ja.
26:09Das war meine allererste Lesung.
26:11Ja, siehst du?
26:12Total verrückt.
26:13Und dann bist du so durch die Decke gegangen.
26:14Und jetzt denke ich, krass, was aus dir geworden ist.
26:17Als ich dann sagen konnte, ich bin hauptberuflich Autorin, das war der schönste Moment.
26:23Das ist so cool.
26:24Ich habe es dann auch ständig gesagt, ich bin Autorin, weil es mich so gefreut hat,
26:28dass ich jetzt vom Schreiben lebe und weil sie das erste Mal so alles richtig angefühlt hat.
26:40Ja, ich glaube, ich fange einfach jetzt mit dem Anfang an.
26:44Wer hat es denn schon alles gelesen?
26:50Ich ziehe mein Smartphone aus der Bauchtasche.
26:54Ich, dieser marineblaue Koffer.
26:58Ich, hat Mama den damals mit nach Frankreich genommen?
27:02Tilda, Fragezeichen.
27:04Ich schicke ihr ein Foto.
27:06Tilda, nein.
27:08Tilda, bist du unterwegs?
27:11Tilda, wann kommst du an?
27:14Tilda, Ida, du kommst aber.
27:17Tilda mit ihren tausend Fragen macht mich so wütend.
27:20Ich glaube, dass ich jedes Gefühl, was meine Figuren irgendwie fühlen in irgendeiner Weise,
27:24vielleicht auch nicht in so einer krassen Ausprägung kenne, weil sonst könnte ich es, glaube ich, nicht beschreiben.
27:29Es sind natürlich oft in mancher Hinsicht irgendwie krassere Situationen oder intensivere Gefühle,
27:37aber dem muss ich dann eben auch nachfühlen.
27:40Konzentriert schneide ich die Würfel ein bisschen kleiner.
27:43Als die Würfel bereits viel zu klein sind, viertel ich sie noch einmal und bringe den Satz hervor, den ich
27:47noch nie hervorgebracht habe.
27:49Meine Mama ist tot.
27:51Gut. Subjekt, Prädikat, Subjekt, Prädikativ. Easy.
27:56Vor allem für Trauer finde ich schwierig, die richtigen Worte zu finden.
27:59Und wenn man es dann geschafft hat und abends irgendwie liest und das Gefühl hat, dass man das irgendwie so
28:04in Worte gefasst hat,
28:06dass man sagt, ja, so ist es, so fühle ich das und damit bin ich zufrieden.
28:12Dann bin ich immer so, ja, richtig erfüllt, weil ich irgendwie das Gefühl habe,
28:18dass ich mich dann auch selbst ein bisschen besser verstanden habe.
28:20Ich bin extra wegen dir aus Düsseldorf angereicht.
28:23Wirklich? Wie lange fährt man von Düsseldorf?
28:25Fünf Stunden weiter für Jahr.
28:27Wirklich?
28:28Ich habe dich ewig in Düsseldorf von in Köln verpasst.
28:32Jetzt übernachtest du hier, oder?
28:33Ja, klar.
28:35O-L-A.
28:36Genau.
28:40Es ist so, glaube ich, das Geheimrezept, einfach nicht so viel denken, nicht so viel konstruieren,
28:48einfach rauslassen, die Figuren sprechen lassen.
28:50Und ich weiß auch nicht, wie die Geschichte endet.
28:53Das weiß ich nie.
28:54Ich glaube, dann würde es mir auch keinen Spaß machen, wenn ich wüsste, worauf es hinausläuft.
28:58Und wenn ich dann am Ende bin, dann weiß ich auch gar nicht, dass es das Ende ist.
29:01Also es ist nicht so, oh, ich schreibe gerade die letzte Seite, es ist gleich vorbei.
29:05Sondern ich bin, oh, fuck, das ist jetzt das Ende.
29:07Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
29:22oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
29:23oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
29:23oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
29:24oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh,
29:24oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh
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