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00:00:05Tief verschneite Wälder, schneebedeckte Berge und glitzernde Fjorde. Winter in Norwegen. Für
00:00:14viele die schönste Zeit des Jahres. Sobald sie loslaufen, werden sie still. Die Hunde,
00:00:22sie lieben das hier. Die Nordlandbahn. Eine der spektakulärsten Zugstrecken
00:00:30Skandinaviens. Von Trondheim bis nach Bude.
00:00:45Mitten durch die weiße Wildnis.
00:00:49Hier gibt es richtigen Winter. Und zwar einen sehr langen und eisigen Winter.
00:00:59Klirrend kalt und bezaubernd schön.
00:01:05Das ist doch der beste Spielplatz der Welt. Die Kinder lieben es, hier zu sein.
00:01:09Aber jetzt gehen wir hier, vor Winterland.
00:01:16700 Kilometer quer durch den norwegischen Winter. Richtung Polarkreis.
00:01:46Trondheim. Norwegens drittgrößte Stadt liegt an der Mündung des Flusses Niedelf. Die alten Speicherhäuser stammen aus den
00:01:53Zeit, als die Trondheimer mit Fisch und Holz reich wurden. Der Niederos-Dom ist das Wahrzeichen der Stadt und gilt
00:02:00als Nationalheiligtum.
00:02:03Bis 1217 war Trondheim Sitz des Königs und damit Hauptstadt Norwegens.
00:02:10Jeden Morgen um kurz nach sieben fährt die Nordlandbahn im Hauptbahnhof ein. Kein Zug wie jeder andere, sondern eine Bahn
00:02:18mit legendärem Ruf und einer wechselvollen Geschichte.
00:02:26Er ist der Chef an Bord. Schaffner Oestein Lillegort. In zehn Minuten soll es losgehen. Bis dahin muss er noch
00:02:33den Zug kontrollieren.
00:02:46Was ich jetzt mache? Ich schalte die Elektrik ein, die Heizung, schließe die Türen auf, inspiziere die Toiletten, schaue nach,
00:02:54ob der Notalarm funktioniert. All das gehört dazu.
00:02:59Drinnen ist alles in Ordnung. Jetzt muss Schaffner Oestein noch die Verbindung zwischen Waggons und Lok überprüfen.
00:03:18Der ganze Zug bekommt seinen Strom von der Lok. Da sind 1000 Volt drauf. Und auch die Druckluft kommt hier
00:03:25durch für die Bremsen. Die schaue ich mir jetzt nochmal an.
00:03:34Hunderte Male hat der 61-Jährige die Fahrt nach Bude schon begleitet und dabei eins gelernt. Gründlichkeit ist wichtig. Gerade
00:03:42im Winter.
00:03:46Wir fahren hier mit Dieselloks. Da kann es immer mal passieren, dass unterwegs der Motor oder sonst was kaputt geht.
00:03:54Das größte Problem auf der Strecke sind aber die Elche. Wir überfahren leider immer wieder welche.
00:04:05Ob bei dieser Fahrt alles gut geht, wird Oestein erst heute Abend wissen. Knapp zehn Stunden wird der Zug unterwegs
00:04:12sein. Um Punkt 7.38 Uhr geht es los.
00:04:45Genau 729 Kilometer lang ist die Strecke der Nordlandbahn nach Bude.
00:04:49Die eingleisige Strecke führt von Trondheim Richtung Norden. Zweigt dann ab in die Berge, überquert auf dem Saltfjell den Polarkreis
00:04:58und endet in Bude am Nordmeer.
00:05:10Im Norden Norwegens dauert der Winter nicht selten von Oktober bis April. Temperaturen von minus 30 Grad sind vor allem
00:05:18in den Bergen nichts Ungewöhnliches.
00:05:27Linda-Marie Osliet liebt diesen Winter hier oben, in der Gegend um Süßendal, am Fuße des Börgefjell.
00:05:35Die 37-Jährige ist hier groß geworden. Das tägliche Schneeschippen, längstroutine.
00:05:49Und allein ist sie hier oben nicht. 17 Huskys leisten ihr Gesellschaft. Mit ihnen will sie gleich auf Tour gehen.
00:05:59Das ganze Jahr über ist das Wetter hier eigentlich die große Herausforderung. Mal gibt es viel Neuschnee, dann regnet es
00:06:06wieder. Da musst du dich immer wieder neu drauf einstellen.
00:06:12Bevor es losgeht, muss Linda die Tiere erst noch füttern. Die gelernte Landwirtin hat lange in Neuseeland gelebt.
00:06:21Doch als die Sehnsucht nach der Heimat zu groß wurde, kehrte Linda zurück. Sie übernahm den Hof ihrer Eltern samt
00:06:28einer Herde Rinder.
00:06:29Ihre Leidenschaft aber gehört den Hunden.
00:06:40Lindas Freunde kennen die Huskys längst. Die Schlittenhunde sind freundliche und anhängliche Tiere, die sich gut mit Menschen vertragen.
00:06:57Jetzt am Anfang sind sie ganz außer Rand und Band. Da muss man aufpassen, dass sie sich nicht in der
00:07:02Leine verheddern oder sie einfach durchbeißen.
00:07:06Deshalb darfst du die Hunde nie aus den Augen lassen.
00:07:09Du musst zusehen, dass du schnell loskommst.
00:07:30Die Leithunde bestimmen die Geschwindigkeit. Huskys können bis zu 40 Kilometer pro Stunde laufen.
00:07:52Linda lässt es heute etwas gemächlicher angehen. Die Temperatur liegt nur knapp unter null Grad.
00:08:01Heute ist es ziemlich warm. Deshalb wollen die Hunde immer wieder anhalten und sich im Schnee wälzen und Schnee fressen.
00:08:09Bei den Temperaturen kämpfen sie mit der überschüssigen Wärme, die sie über die Zunge und die Pfoten abgeben.
00:08:16Da geht dann alles viel langsamer. Bei minus 20 Grad dagegen laufen sie wie geschmiert.
00:08:26Die kleinen Söckchen schützen nicht vor Kälte. Sie sollen vielmehr verhindern, dass sich die Hunde an den Pfoten verletzen.
00:08:33Ja, Frank. Ja.
00:08:36Ja, das ist gut.
00:08:58Die Huskys brauchen jeden Tag Auslauf. Linda ist mit ihnen draußen, egal bei welchem Wetter.
00:09:04Die Huskys brauchen jeden Tag Auslauf. Linda ist mit ihnen draußen, egal bei welchem Wetter.
00:09:10Nach zwei Stunden Zeit für die Mittagspause. Aber das geplante Essen muss erst noch gefangen werden.
00:09:21Irgendwo unter der dicken Eisschicht tummeln sich die Fische.
00:09:31Mats, du kannst jetzt auch deine Angel hier reinhalten.
00:09:38Wenn ich eine Weile weg war, bin ich immer richtig froh, wieder nach Hause zu kommen, nach Süsendal.
00:09:43Und damit meine ich nicht das Haus, in dem ich aufgewachsen bin und jetzt lebe, sondern es ist die Gegend
00:09:49hier.
00:09:49Der Hof und alles drumherum. Ich liebe diesen Ort.
00:09:54Nein, ich will die gleiche Platz sein. Ja, so nöder. No food for me today.
00:10:02Auch nach einer halben Stunde kein Fisch in Sicht.
00:10:07Beim Eisfischen braucht man eben nicht nur Geduld und Zeit, sondern auch ein Quäntchenglück.
00:10:19Aber natürlich gibt es einen Plan B und der heißt Grillwürstchen.
00:10:25Und wer es lieber vegetarisch mag, der flambiert einfach ein Käsebrot.
00:10:34Es ist einfach die Freiheit, die man hier draußen spürt.
00:10:37Du lebst mit dem Wetter im Hier und Jetzt.
00:10:40Da denkst du nicht mehr daran, dass du morgen noch Rechnungen bezahlen oder die Wohnung sauber machen musst.
00:10:46Wenn du draußen bist, schaltest du in einen anderen Modus.
00:10:50Dann wird es gemütlich. Es ist wie Meditation.
00:10:55Ja, das ist eine Meditation.
00:11:02Mittagspause auf Norwegisch, bei Null Grad Außentemperatur.
00:11:21Und dann geht es weiter durch die weiße Winterlandschaft.
00:11:24Und die Huskys jedenfalls sind noch lange nicht müde.
00:11:41Die Nordlandbahn hat die ersten 150 Kilometer hinter sich gelassen.
00:11:47Vorbei an Fjorden und Seen geht es weiter Richtung Norden.
00:11:51Viele Gewässer sind bis ins Frühjahr zugefroren.
00:11:57Schaffner-Ölstein bei der Fahrkartenkontrolle.
00:12:00Viele Norweger nehmen die Bahn, um zur Arbeit zu kommen.
00:12:04Zu unsicher ist es auf den Straßen, vor allem im Winter.
00:12:07Die Zugpreise sind erschwinglich.
00:12:10Eine Fahrt von Trondheim nach Bude gibt es schon ab 25 Euro.
00:12:21Marianne Grohe arbeitet als Reinigungskraft.
00:12:24Mit dem Morgenzug geht es für sie hin zur Arbeit, mit dem Abendzug wieder nach Hause.
00:12:29Sie ist fast täglich mit der Nordlandbahn unterwegs.
00:12:35Geht's wie immer nach Snossa?
00:12:38Ja.
00:12:40Danke, gute Fahrt.
00:12:45Zu spät kommt sie mit dem Zug so gut wie nie.
00:12:52Für mich ist der Zug enorm wichtig.
00:12:54Wenn es die Bahn nicht gäbe, müsste ich nach Snossa ziehen und könnte nur am Wochenende zu Hause sein.
00:13:01Das habe ich mal versucht.
00:13:02Das war nichts für mich.
00:13:08So hat sie viel Zeit zum Strecken, ihrem liebsten Hobby.
00:13:13Autofahren wäre für sie keine Alternative.
00:13:16Marianne hat nämlich keinen Führerschein.
00:13:21Ölstein ist nicht nur der Schaffner, sondern gibt auch Auskunft über die Sehenswürdigkeiten an der Strecke.
00:13:32Hier sieht man den früheren Ankerplatz des deutschen Kriegsschiffes Tirpels.
00:13:37Von 1942 an lag es hier an der Bucht und wurde mehrfach von der britischen Luftwaffe angegriffen.
00:13:44Der Zweite Weltkrieg und die Besetzung Norwegens durch die deutschen Truppen.
00:13:49Auch sie gehören zur Geschichte dieser Bahnstrecke.
00:13:53Aber die Orte, an denen die Spuren heute noch zu sehen sind, liegen weiter im Norden.
00:14:03Nach knapp drei Stunden ist Snossa in Sicht.
00:14:08Der kleine Ort liegt am nördlichen Ende des Snossa-Wagnet, einem langgezogenen See.
00:14:17Marianne arbeitet im Rathaus. Das liegt direkt gegenüber vom Bahnhof. Sie ist also fast am Ziel.
00:14:31Einfahrt in Snossa. Wie fast immer ist die Nordlandbahn pünktlich.
00:14:37Gerade einmal 2000 Menschen leben in dieser Region. Weit verstreut über mehr als 2000 Quadratkilometer.
00:14:48Für den Kontakt zur Außenwelt sorgt man hier, im Postamt von Snossa.
00:14:53Der Arbeitsplatz von Trond Smeester.
00:14:58Er ist Landbriefträger und beliefert jeden Tag 600 Haushalte mit Briefen, Paketen oder der Tageszeitung.
00:15:08Gar nicht so einfach. Bei Eis und Schnee.
00:15:17Ich muss heute vorsichtig fahren. Die Straßen sind nämlich sehr glatt. Da muss ich wirklich aufpassen.
00:15:24Aber ansonsten ist alles okay. Das Wetter könnte schlechter sein.
00:15:30Fast 200 Kilometer liegen jetzt vor Trond. Knapp sechs Stunden hat er dafür Zeit.
00:15:36Falls er gut durchkommt, will er in der Mittagspause eine ehemalige Kollegin besuchen.
00:15:43Früher war er Milchbauer. Er arbeitete auf dem Hof seiner Eltern ganz in der Nähe.
00:15:49Es gab kaum Ferien. Die Tiere mussten täglich versorgt werden.
00:15:55Vor acht Jahren entschied sich Trond deshalb, zur Post zu wechseln.
00:16:03Das Beste an diesem Job ist, dass er so abwechslungsreich ist.
00:16:08Ich fahre Auto, dann sortiere ich die Post in die Briefkästen.
00:16:13Und das Wichtigste ist, ich bin in dieser herrlichen Natur unterwegs.
00:16:17Treffe jede Menge netter Leute.
00:16:21Und wenn man Dienst zu Ende ist, dann habe ich wirklich frei und kann mich erholen bis zum nächsten Tag.
00:16:26Da bist du fertig mit dem Job, dann kannst du schlappen bis zum nächsten Tag.
00:16:34Tronds Zeitplan ist eng getaktet.
00:16:36Die Höfe auf seiner Strecke liegen kilometerweit auseinander.
00:16:41Damit er nicht jedes Haus einzeln anfahren muss, gibt es Sammelpostkästen.
00:16:45Das spart Zeit.
00:16:47Es gibt sie überall auf dem Land.
00:16:49In ganz Norwegen.
00:17:15Langsam wird es Mittag. Trond liegt gut in der Zeit.
00:17:23Es reicht für einen kurzen Abstecher zu seiner früheren Kollegin.
00:17:29Fast 50 Jahre hat Björk Wedal bei der Post gearbeitet.
00:17:33Seit zehn Jahren ist sie pensioniert und hat die Zeit genutzt, um sich mit dem Backen von Waffeln einen Namen
00:17:39zu machen.
00:17:48Meine Enkel kommen oft nach der Schule vorbei.
00:17:53Die bekommen immer etwas von mir zu essen.
00:17:57Meine alte Tante hat mal gesagt, man tut nie etwas Schlechtes, wenn man jemanden zum Essen einlädt.
00:18:03Ich habe gesagt, niemand hat noch Schlechtes, wenn man jemanden zum Essen einlädt hat.
00:18:11Waffeln isst man in Norwegen eigentlich mit Sahne und Konfitüre, aber es gibt auch exotische Varianten.
00:18:20In Fredrikstad am Süden Norwegens gibt es die Tradition, dass man eine Pölzer zwischen die Waffel klemmt.
00:18:30Also Grillwürstchen mit Waffeln.
00:18:33Die gibt es da im Fußballstadion. Das ist schon sehr speziell.
00:18:40Björk ist 77 Jahre alt und lebt hier draußen ganz allein.
00:18:44Der Winter macht ihr nichts aus.
00:18:46Wir haben hier gute Öfen, viel Holz und warme Kleidung und gehen viel raus.
00:18:57Raus in den Winter muss auch Trond jetzt. Allerdings im warmen Auto.
00:19:02Mehr als 100 Briefe warten noch auf Zustellung.
00:19:06Der rollende Postbote ist der verlässliche Draht nach draußen.
00:19:10Inmitten des norwegischen Winters.
00:19:23Im Speisewagen ist jetzt Hochbetrieb.
00:19:27Stieg Wüthüdal ist Herr über Kaffee, Grillwürstchen und Zimtschnecken.
00:19:38Für den Job hier braucht man eigentlich nur etwas Geschick und gesunden Menschenverstand.
00:19:42Man muss auf die Leute eingehen. Manchmal haben einige schlechte Laune, sind unzufrieden. So etwas passiert eben.
00:19:55Aber am Ende sind wir doch alle aufeinander angewiesen. Schließlich ist man hier auf der Bahnstrecke ziemlich alleine.
00:20:01Da ist es wichtig, dass alles funktioniert. Der Zug, aber vor allem auch die Küche.
00:20:10Der Speisewagen ist das Herz der Bahn.
00:20:16Sief und Knut Nielsen sind auf der Heimreise. Die beiden kommen von einem Besuch bei Tochter und Enkeln in Trondheim.
00:20:32Gerade im Winter kann es glatt auf den Straßen sein. Da ist es prima, im Zug zu sitzen.
00:20:37Da kannst du Kaffee trinken, zum Fenster hinausschauen und dich unterhalten.
00:20:45Für die Nordlandbahn geht es nun hinauf in die Berge. Im Schnitt schafft der Zug gerade mal 70 Stundenkilometer.
00:20:53Das Reisen gemütlich und gemächlich.
00:21:01Nächstes Ziel ist Nam Skogan. Bahnkilometer 290.
00:21:10Hier, eingebettet in die Berge, befindet sich ein Tierpark, der einzigartig ist.
00:21:15In einem 50 Hektar großen Gehege leben 35 verschiedene Wildtiere, die in Norwegen heimisch sind.
00:21:22Viele sind vom Aussterben bedroht. Zum Beispiel der Luchs.
00:21:35Um 13 Uhr ist Fütterungszeit. Tierpflegerin Ann-Karin Steincher bringt das Mittagessen.
00:21:42Etwa zwei Kilo Fleisch verdrücken die beiden Luchsdamen Brünhild und Cherstin pro Tag.
00:21:55Obwohl Ann-Karin die Tiere kennt, hält sie Abstand.
00:22:05Ich habe keine Angst. Aber man muss immer auf die Körpersprache der Tiere achten.
00:22:12Zu einigen gehen wir gar nicht allein hinein. Zu den Bären zum Beispiel.
00:22:18Oder zu den Wölfen. Da sind wir immer zu zweit oder zu dritt.
00:22:26Auch die Elche können ganz schön ungemütlich werden. Da müssen wir immer aufpassen.
00:22:37Nach den Luchsen geht es nun zum nächsten Gehege.
00:22:49Hier leben Finn und Zysten, zwei Polarfüchse. Schon seit zwölf Jahren ist der Park ihr Zuhause.
00:23:12Nur noch etwa 200 Exemplare leben in Norwegen in freier Wildbahn.
00:23:18An-Karin ist zurück an der Futterhalle. Nachschub organisieren.
00:23:3117 Kilo Futter brauchen die Tiere pro Tag. Der Park finanziert sich über Eintrittsgelder und Spenden.
00:23:42Auch Elche leben hier. Mittags sind sie alle hungrig.
00:23:48Das Geräusch von Karin's Guter kennen die Tiere alle. Auch der Fischotter.
00:23:58Im Vielfraßgehege wartet auch Nila. Aber das Futter gibt es nicht so einfach aus dem Eimer.
00:24:08An Karin hat sich etwas Besonderes ausgedacht. Das Fleisch wird an einer selbstgebauten Seilbahn hinaufgezogen.
00:24:33Die Tiere sollen sich anstrengen, um an ihr Futter zu kommen, damit ihnen nicht langweilig wird. Das ist unser Konzept.
00:24:41In der freien Wildbahn jagen sie ihrer Beute ja schließlich auch hinterher.
00:24:45Hier soll es ähnlich sein. Aber wir müssen uns immer etwas Neues ausdenken, damit die Tiere den Spaß nicht verlieren.
00:24:59Einige sagen, man tue dem Vielfraß Unrecht. Das Viel stamme nicht von Viel, sondern von Fjell, was im altnordischen Berg
00:25:08heißt.
00:25:08Also kein Tier mit Riesenhunger.
00:25:13Ich darf die ganze Zeit bei diesem schönen Wetter draußen sein. Aber das Beste sind die Tiere. Ich liebe Tiere.
00:25:21Diese Arbeit ist für mich einfach perfekt.
00:25:28Die Vielfraße sind satt. Jetzt sind noch Hasen, Ziegen und Wildschweine dran.
00:25:43Wer durch die Wälder Norwegens wandert, begegnet tagelang keinem einzigen Menschen. Das Land ist dünn besiedelt.
00:26:07Am frühen Nachmittag steht für Schaffner Oestein das Thema Sauberkeit auf dem Programm. Dazu gehört das Inspizieren des Zuges.
00:26:21Sich bedanken für Kaffeebecher und alte Zeitungen. Für Oestein eine Selbstverständlichkeit.
00:26:31Und wo niemand am Platz ist, räumt er eben selbst auf.
00:26:41Nebenbei muss er noch den nächsten Bahnhof kontaktieren.
00:26:46Wir haben keine Fahrgäste, die in Meierwarten aussteigen.
00:26:58Die norwegische Bahn ist stolz auf ihre Verlässlichkeit. Fast 90 Prozent der Züge kommen pünktlich an.
00:27:05Und wenn doch mal etwas passiert, ist man natürlich vorbereitet.
00:27:15Dann kümmern wir uns erst einmal um den Weitertransport, sofern das noch möglich ist.
00:27:22Wenn gar nichts mehr geht, ist das Wichtigste, dass es warm im Zug bleibt.
00:27:27Es gibt immer eine Notration an Bord.
00:27:30Wir können dann Essen zubereiten, für den Fall, dass der Zug mal mehrere Stunden stehen bleibt.
00:27:39Zum Glück sind für den heutigen Tag aber keine weiteren Schneefälle angesagt.
00:27:45Auch ein Kinderabteil gibt es in der Nordlandbahn.
00:27:49Marte Altehøy ist mit ihren Töchtern auf dem Heimweg.
00:27:53Die Kinder lieben den rollenden Spielplatz.
00:28:00Wir haben meine Schwester besucht. Mit den beiden Kindern und meiner Mutter ist die Reise mit dem Zug am bequemsten.
00:28:09Dann können sie die ganze Zeit spielen. Das ist einfach praktisch.
00:28:22Noch gut eine Stunde bis nun schön.
00:28:42Versteckt im Inneren des Wistenfjords liegt Auerschletter. Eine kleine Ansammlung von Häusern.
00:28:48Kein Gleis, keine Straße führt hierher. Der Ort ist nur per Boot zu erreichen.
00:28:57Abseits der Zivilisation zu leben. Genau danach verspürte Kaya Ostrand Sehnsucht.
00:29:04Damals, als sie noch in Trondheim lebte.
00:29:07Ihr Mann kommt aus dieser Gegend. Und so zogen sie vor sechs Jahren hierher. Mit ihren vier Kindern.
00:29:22Im Sommer haben wir hier viele Touristen. Aber im Winter ist es herrlich.
00:29:27Da bist du hier wirklich alleine. Dann findest du eine innere Ruhe, die du sonst nirgendwo findest.
00:29:47In der Nähe der Fjorde lebten Menschen schon vor mehr als 7000 Jahren.
00:29:52In den Wäldern findet man heute noch Felszeichnungen aus dieser Zeit.
00:30:07Kaya arbeitet als Erzieherin im Kindergarten ihrer Kinder. An drei Tagen in der Woche.
00:30:13An zwei Tagen hat der Kindergarten geschlossen.
00:30:17Dann haben Kaya und ihre beiden Söhne frei und bleiben zu Hause.
00:30:38Das ist doch der beste Spielplatz der Welt. Die Kinder lieben es, hier im Winter zu sein mit dem vielen
00:30:43Eis.
00:30:44Das ist wirklich ein ganz besonderer Platz zum Spielen.
00:30:52Das Wasser, die zugefrorene Bucht. Ohne Gefahren ist das Leben am Fjord nicht.
00:30:59Doch Kaya will den Kindern beibringen, auf sich selbst aufzupassen und zu lernen, wie weit man sich hinaus aufs Eis
00:31:05wagen darf.
00:31:18Gegen halb vier nähert sich die Fähre. Nur zweimal pro Tag fährt sie unter der Woche im Winter Auerschletter an.
00:31:26Der norwegische Staat lässt es sich etwas kosten, damit Orte wie dieser das ganze Jahr über zu erreichen sind.
00:31:33Ansonsten wäre die Gegend menschenleer.
00:31:39Die Ankunft der Fähre ist jedes Mal ein kleines Ereignis.
00:31:43Vor allem dann, wenn Vater Björner und die beiden älteren Geschwister nach Hause kommen.
00:31:48Björner arbeitet als Sozialarbeiter bei der Gemeinde.
00:31:51Nein!
00:31:55Nein!
00:32:08Nur wenn der Fjord ganz zugefroren ist, steht hier alles still.
00:32:13Dann gibt es keine Schule, keine Arbeit, keinen Kindergarten und keinen Einkauf.
00:32:19Dann sind die Ostrands wirklich abgeschnitten vom Rest der Welt.
00:32:27Platz haben sie genug in ihrem neuen Haus, das sie selbst gebaut haben.
00:32:37Karl ist zwölf, Anton neun.
00:32:39Die beiden wollen noch fischen gehen – ohne Eltern.
00:32:43Dafür aber mit Schwimmweste.
00:32:45Motor anlassen – kein Problem.
00:32:49Und worauf man draußen auf dem Fjord aufpassen muss, haben sie längst gelernt.
00:33:08Es hat zu tauen begonnen.
00:33:10Jetzt im Spätwinter wärmt die Sonne schon.
00:33:14Trotzdem ist der Holzofen noch fast jeden Tag in Betrieb.
00:33:20Kaya, Björner und ihre Kinder vermissen hier draußen nichts.
00:33:24Weder Kino noch Restaurants oder Freunde.
00:33:27Im Gegenteil.
00:33:28Sie genießen das Leben in der Stille und der Natur am Fjord.
00:33:33Und mit vier Kindern ist auch so immer genug Leben im Haus.
00:33:41Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme und das Schiff wieder abgelegt habe, setzt sich die ganze Familie an
00:33:47den Tisch.
00:33:49Dann ist das wie Urlaub.
00:33:57Familienleben am einsamen Fjord kann einfach wunderschön sein.
00:34:21Nächster Halt ist Trufange, Bahnkilometer 367.
00:34:27Ziemlich genau die Hälfte der Strecke ist geschafft.
00:34:33Schaffner Eistein hat eine Passagierin mit Übergepäck entdeckt.
00:34:47Seit mehr als 40 Jahren arbeitet er schon bei der norwegischen Staatsbahn.
00:34:53Die meiste Zeit davon ist er hier unterwegs, auf der Nordlandbahn zwischen Trondheim und Bude.
00:35:14Wir schauen immer, ob es irgendwo Probleme gibt. Dann packen wir mit an.
00:35:18Dieser Koffer hier wugt bestimmt 50 oder 60 Kilo. Ganz schön schwer.
00:35:22Der sagt nicht hier.
00:35:27Bei Erdnüssen und angenehmen 23 Grad im Wagen geht es weiter.
00:35:32Noch knapp 200 Kilometer sind es bis zum Polarkreis.
00:35:40Mittagspause für Schaffner Eistein. Ein Kaffee ist immer drin.
00:35:44Die Norweger gehören zu den Spitzenreitern beim Kaffeekonsum in Europa.
00:35:56Eigentlich wollte er Chemieingenieur werden.
00:36:00Doch dann bewarb er sich bei der Bahn. Und er bekam den Job.
00:36:04Darauf ist er stolz. Schon seine Großväter haben beim Bau der Strecke mitgeholfen.
00:36:14Wir haben hier große Freiheiten und von unserem Büro den ganzen Tag über diese phänomenale Aussicht.
00:36:21Wir reisen, dürfen Norwegen sehen und unterhalten uns mit den Leuten an Bord.
00:36:27Das ist doch herrlich. An einem Tag geht alles gut, am anderen gibt es jede Menge Probleme, die man lösen
00:36:36muss.
00:36:38Das ist hier die Herausforderung.
00:36:49Die Nordlandbahn hat Truforsch verlassen. Die eingleisige Strecke führt erst einmal durch die Berge.
00:36:55Bei Kilometer 406 in Mooschön wird sie wieder das Meer erreichen.
00:37:05Der Wefsenfjord. Bekannt ist die Gegend nicht unbedingt für ihre feine Küche.
00:37:11Eher für ihre vielen alten Holzhäuser, hinter deren Fassaden es aber manches zu entdecken gibt.
00:37:23Zum Beispiel Per Theodor Törrissen. Er ist Koch für arktische Küche und organisiert jedes Jahr ein großes Food-Festival in
00:37:32Mooschön.
00:37:33Heute Abend hat er Freunde eingeladen. Es gibt Rentier.
00:37:48Norwegische Hausmannskost musste früher vor allem satt machen. Es gab gutes Essen. Und zwar reichlich.
00:37:57Und traditionell kam Fisch auf den Tisch. Ganz schön oft.
00:38:04Seine Zutaten sind handverlesen. Und wann immer möglich auch regional.
00:38:09Gutes Rentierfleisch gibt es hier fast überall.
00:38:12Für andere Zutaten muss er aber zum Teil weite Wege in Kauf nehmen.
00:38:28Der Hof Seeterstau. Ein echter Geheimtipp. Dass man ausgerechnet hier guten Fisch bekommt, sieht man dem Hof auf den ersten
00:38:37Blick nicht an.
00:38:40Hier im Inneren gibt es eine der wenigen Zuchtanlagen für Seeseiblinge.
00:38:46Knut Kastnes hat für seine Fische ein spezielles Becken entwickelt, das dem natürlichen Lebensraum so nah wie möglich kommt.
00:38:56Das hier ist eine Durchflussanlage. Die Fische schwimmen in strömendem Wasser und bewegen sich.
00:39:02Dadurch bekommen sie ein sehr gutes und festes Fleisch.
00:39:09Per hat sich für drei große Seeseiblinge entschieden. Zuchtfisch kann es mit seinen wilden Artgenossen durchaus aufnehmen, findet er.
00:39:17Ihm ist es wichtig zu wissen, was er seinen Gästen serviert.
00:39:31Ich kann mir hier die Größe des Fisches genau aussuchen. Ich kann mit Knut über alles reden, ihn alles fragen.
00:39:38Er weiß, wie alt der Fisch ist. In einem Geschäft kannst du dir da nie sicher sein. Hier weiß ich,
00:39:45wo der Fisch herkommt.
00:39:46Beim Händler habe ich manchmal keine Ahnung, wie alt der Fisch ist. Für mich ist das aber wichtig.
00:39:53Im Stall nebenan, Knuts zweite Leidenschaft. Ziegen. 90 Tiere gehören zum Hof.
00:40:01Im Sommer fressen sie frisches Gras auf der Weide. Im Winter gibt es das Heu der norwegischen Sommerwiesen.
00:40:09Knut stammt aus Muschön. 1980 kaufte der studierte Biologe den Hof und zog aus der Stadt hier raus in die
00:40:18Wildnis.
00:40:25Wir sind doch Norweger. Wir sind hier oben geboren und an dieses Klima gewöhnt. Für uns ist das kein Problem.
00:40:31Wir sind hierher gezogen, weil wir den Winter mögen und gerne draußen sind.
00:40:43Rund 250 Liter Milch geben Knuts Ziegen am Tag.
00:40:46Die Karstnes produzieren daraus vor allem Käse.
00:40:55Per muss zurück ins Restaurant. Fehlt noch die Käsespezialität des Hauses. Kaffeekäse.
00:41:03Noch so eine typische Spezialität hier in den arktischen Breitengraden.
00:41:15Für Per geht es mit dem Auto zurück nach Muschön.
00:41:25Lange Fahrten nutzt er, um sich neue Rezepte auszudenken.
00:41:29Denn hier in der Einsamkeit hat er Zeit zum Nachdenken.
00:41:40Essen ist doch etwas sehr Universelles. Es bringt die Menschen zusammen.
00:41:45Jeder muss doch essen. Ob es das Abendessen mit der Familie ist oder eine große Veranstaltung.
00:41:52Es geht aber immer auch um Kultur, um Geschmack.
00:41:57Essen ist eine Sprache. Eine Art, miteinander zu kommunizieren.
00:42:07Zurück in seinem Restaurant. Zuerst sind die Saiblinge dran. Die braucht Per für die Vorspeise.
00:42:13Drei Gänge will er heute zaubern. Vier Stunden hat er noch Zeit, bis die Gäste kommen.
00:42:27Gute Zutaten sind einfach das A und O.
00:42:30Ich kombiniere beim Kochen meist traditionelle norwegische Gerichte mit neuen Ideen.
00:42:41Der Rentierrücken ist fertig. Zusammen mit dem Wacholder Zweig kommt er noch einmal in den Holzkohleofen.
00:42:48Das gibt dem Fleisch das ganz besondere Aroma.
00:42:51Und noch ein Kniff. Ein Stück Kohle.
00:42:57Das hier wird geräucherte, saure Sahne.
00:43:01Ich habe ganz einfach die Kohle aus dem Feuer genommen und sie in die Sahne gegeben.
00:43:06So bekommt sie ein natürliches Raucharoma.
00:43:1519 Uhr. Die Gäste sind da.
00:43:18Nur einen einzigen großen Tisch gibt es hier.
00:43:21Alles sehr exklusiv.
00:43:22Peers Freunde ahnen es schon.
00:43:25Der Koch hat sich wieder etwas ganz Besonderes ausgedacht.
00:43:28Ein Klacks geräucherte Sahne.
00:43:31Darauf der Saibling.
00:43:34Eingelegte grüne Erdbeeren und gehobelte Gurke.
00:43:37Fertig ist die arktische Vorspeise.
00:43:46Nordische Küche ist in den letzten zehn Jahren richtig populär geworden.
00:43:51Ich glaube, das hat sehr viel damit zu tun, dass man Skandinavien und den Norden mit dem Reinen, dem Echten
00:43:57und Natürlichen verbindet.
00:44:01Außerdem haben Spitzenrestaurants wie das Noma in Kopenhagen sehr viel Aufmerksamkeit bekommen.
00:44:08Das hat sich auch bei ganz normalen Leuten herumgesprochen.
00:44:15Der Rentierrücken kommt jetzt vom Holzkohlegrill und wird dann in feinen Scheiben serviert.
00:44:22Dazu klein gewürfeltes Rentierherz, Rosenkohl, rote Beete und Zwiebeln.
00:44:35Beim Nachtisch wird's dann exotisch. Sahneeis mit Seetang und Steinpilzcreme. Obendrauf Moltebeeren. Auch die wachsen hier.
00:44:50Ich glaube, es ist mir alles ganz gut gelungen. Oder was meint ihr?
00:44:56Fantastisch!
00:45:01Auch die Nordlandbahn erreicht langsam Muschön.
00:45:12Schaffner-Eystein hat seine Sachen gepackt. Für ihn ist hier Endstation.
00:45:19Für diese Gruppe geht die Reise in Moschön dagegen erst los.
00:45:24Trine, Trine Lise, Anne, Grete, Lise und Katrine sind alle miteinander verwandt und Mitglieder einer Frauenband.
00:45:33Schaffner-Eystein hilft ein letztes Mal beim Aussteigen.
00:45:43Die sechs Musikerinnen touren jeden Winter durch die Dörfer.
00:45:47Heute geht es zurück nach Hause. Dort findet das Abschlusskonzert der Tournee statt.
00:45:56Am Gleis Übergabe an Kollege Roger Fick.
00:46:01Öystein hat jetzt Feierabend und wird den nächsten Zug zurück nach Trondheim nehmen.
00:46:12Sieben Tage hat die kleine Konzertreise der Band gedauert. Alles per Bahn.
00:46:29Das Wetter und die Straßenverhältnisse sind schlecht. Die Straßen sind glatt. Da fahren wir nicht gerne Auto. Deshalb ist der
00:46:36Zug perfekt. Es ist viel entspannender und viel sicherer.
00:46:41Manchmal sperren sie sogar die Straße in den Bergen. Aber der Zug, der fährt eigentlich immer.
00:46:49Die Schwestern und Cousinen haben alle den Nachnamen Bang. Der hat ihnen den ungewöhnlichen Band-Namen beschert.
00:46:57Bitchy Big Boobies Bang Band. Frei übersetzt, die fiesen Bang-Ladies mit der großen Oberweite.
00:47:07Es ist einfach ganz fantastisch, wenn wir auf Tour sind. Alle sind gut drauf, wir haben frei und sind mal
00:47:13weg von der Familie und zu Hause.
00:47:21Wir fühlen uns frei, wenn wir unterwegs sind.
00:47:27Um es sich gemütlich zu machen, bleibt kaum Zeit. Nach 50 Minuten sind die Bangs schon fast am Ziel angekommen.
00:47:41Hemnesberge. Der Heimatort der Musikerinnen. Nur 1300 Einwohner leben in der Kleinstadt.
00:47:49Aber es gibt immerhin einen berühmten Jazzclub, in dem die Frauenband heute Abend auftreten wird.
00:48:05Die Helge-Land-Küste, ganz in der Nähe von Hemnesberge, ist ein Paradies für Kajakfahrer.
00:48:12Die drei Freunde Vegard, Marte und Alexander wollen heute raus aufs Meer.
00:48:17Sie mussten lange auf diesen Tag warten. Das Wetter für eine Paddeltour war einfach zu schlecht.
00:48:22Aber heute kein Sturm, keine hohen Wellen, perfekte Bedingungen.
00:48:35Das Wetter ist herrlich. Es war so lange schlecht. Jetzt freuen wir uns, dass wir raus aufs Wasser kommen.
00:48:48Die Helge-Land-Küste mit ihren rund 12.000 großen und kleinen Inseln, ihren langen Sandstränden und dem fast türkisfarbenen
00:48:56Meer ist auch im Winter ein besonders schöner Teil Norwegens.
00:49:23Es ist jedes Mal wieder fantastisch, in dasselbe Gebiet zurückzukommen und es unter neuen Wetterbedingungen bei anderem Licht zu machen.
00:49:34Da merkst du, dass du wirklich lebst.
00:49:43Im Alltag sind die drei Lehrerin, Rektor und Geologe. Kennengelernt haben sie sich im Studium.
00:49:55Vor ihnen liegt die Insel Hestmanö, durch die der Polarkreis verläuft.
00:50:26Das Kajak ist so leise, dass man ganz nah an die Tiere hängt.
00:50:31Man sieht Vögel aus nächster Nähe. Oder wenn man Glück hat, einen Wal. Das hab ich schon erlebt.
00:50:42Das hier erfüllt Körper und Seele mit einer unglaublichen Ruhe.
00:50:53Gegen drei wird es Zeit, das Nachtlager aufzubauen. Camping bei minus zwei Grad. Da darf ein wärmendes Feuer nicht lange
00:51:01auf sich warten lassen.
00:51:06Ein Kessel für Kaffee ist auch immer dabei.
00:51:17Das Wichtigste sind und bleiben aber die Grillwürstchen.
00:51:29Du kommst dir jeden Tag vor wie ein kleiner Junge auf Entdeckungsreise. Die Welt hier draußen ist immer wieder neu.
00:51:36Das finde ich toll.
00:51:38Wir haben hier in Norwegen so viel Natur und nur sehr wenige Menschen.
00:51:43Dadurch hast du viel mehr Möglichkeiten, dich mal dem Alltag zu entziehen und allein oder nur mit wenigen Leuten zusammen
00:51:50zu sein.
00:52:03Kein Handyempfang, keine Hektik. Nur das Rauschen des Meeres.
00:52:08Man bekommt Energie zurück. Man kann abschalten vom Alltag, mal etwas ganz anderes machen. Nette Freunde, gutes Wetter und herrliche
00:52:19Natur. Das ist eine unschlagbare Kombination.
00:52:27Dazu noch einen Becher Kaffee vom offenen Feuer. Es sind einfache Dinge, die in Norwegen glücklich machen.
00:52:50Für die Bitchy Big Boobies Bun Band geht der Abend dagegen erst los.
00:53:01Das Abschlusskonzert in Hemmnisberge heute Abend ist das letzte Konzert ihrer Tournee.
00:53:06Und ein Heimspiel.
00:53:13Wir kennen ja alle, die kommen. Das ist schön. Es gibt uns ein sicheres Gefühl.
00:53:20Wir erzählen viel zwischen den einzelnen Songs. Hier brauchen wir keine Angst davor zu haben, was wir sagen. Denn hier
00:53:27sind wir zu Hause.
00:53:37Das Konzert ist ausverkauft.
00:54:20Die Nordlandbahn nähert sich dem Polarkreis. Bahnkilometer 543.
00:54:35Letzter Halt vor der magischen Linie. In Dunderland begegnen sich die Züge aus Nord und Süd.
00:55:02Auf 700 Meter geht es hoch zum Salfjell.
00:55:22Und dann ist er erreicht. Der Polarkreis. Höhepunkt der Reise.
00:55:28Der Polarkreis.
00:55:31Der Polarkreis.
00:55:33Der Polarkreis.
00:55:48Der Polarkreis.
00:56:00Der Winter auf dem Salfjell ist unberechenbar. Mal kommt er schon Ende September, mal dauert er bis Juni.
00:56:09Auch in der letzten Nacht hat es wieder geschneit.
00:56:13Die Schneepflüge auf der Europastraße 6, der wichtigsten Nord-Süd-Verbindung des Landes, sind im Dauereinsatz.
00:56:25Fahrer Turmu Schöning ist seit 10 Jahren auf den vereisten Straßen unterwegs.
00:56:3133 Kilometer lang ist der Streckenabschnitt, den er täglich von Eis und Schnee befreien muss.
00:56:46Hier oben liegt viel mehr Schnee als irgendwo sonst. Man weiß nie genau, wie das Wetter wird.
00:56:51Und es wird immer ein starker Wind. Der Schnee ist ständig in Bewegung, deshalb müssen wir häufig die Straße sperren.
00:56:57Das ist das Besondere am Salfjell.
00:57:05Früher war das Salfjell im Winter für Autos nicht passierbar. Der Pass war gesperrt.
00:57:11Erst seit 1968 gibt es hier oben auf dem Berg eine bemannte Schneepflugstation.
00:57:22Eine Woche Dienst, eine Woche frei.
00:57:26Hier auf der Station übernachten Turmu und die anderen Fahrer während ihrer Schichten.
00:57:31Schließlich müssen sie die Lage auf den Straßen rund um die Uhr im Blick behalten.
00:57:37Wenn das Wetter plötzlich umschlägt, muss die Passstraße gesperrt werden.
00:57:42Das hat dann schon echte Konsequenzen für die Menschen, die Unternehmer, für alle, die über das Salfjell wollen.
00:57:48Da musst du jedes Mal genau überlegen, was du machst. Das ist eine große Verantwortung.
00:57:53Wir dürfen nicht zu früh sperren und müssen die Straße gerade noch so lange offen halten, wie wir es verantworten
00:57:58können.
00:58:02Noch einen Kaffee für unterwegs. Dann geht es wieder hinaus auf die Straße.
00:58:12Für Turmu ist der Job die Erfüllung eines Kindheitstraums.
00:58:17Schneepflugfahrer am Polarkreis. Das sei doch wirklich kein Allerweltsjob, findet er.
00:58:30Aber diese Arbeit ist nicht frei von Gefahren. Vor jeder Fahrt überprüft Turmu sein Arbeitsgerät.
00:58:40Die Rentiere bereiten uns leider die meisten Probleme. Im Laufe des Winters werden hier auf der Straße viele von Autos
00:58:47und Lkw überfahren.
00:59:07Mehrere Schneepflüge sind hier am Salfjell im Einsatz. Rund um die Uhr.
00:59:16Die Straßenverhältnisse sind heute schwierig. Viel Neuschnee, darunter blankes Eis.
00:59:23Mehrmals am Tag überquert Turmu den Polarkreis.
00:59:34Und passiert das Polarkreiszentrum für die Besucher der Arktis.
00:59:47Für viele Touristen ist das Salfjell türkisch.
00:59:54Es kommt oft vor, dass die Leute beim Kolonnefahren hier oben im Salfjell Probleme bekommen.
01:00:00Da müssen wir dann ausrücken und ihnen helfen. Egal bei welchem Wetter.
01:00:05Es kann ganz schön ungemütlich sein, wenn man bei starkem Sturm raus muss.
01:00:19Um halb fünf geht es zurück zum Depot. Dann ist Turmus Schicht vorbei.
01:00:24Nach elf Stunden im engen Führerhaus warten jetzt Bretter und Stöcke auf ihn.
01:00:39Es ist ein norwegisches Phänomen. Wir sind eben gerne viel draußen in der Natur. Und zwar das ganze Jahr über.
01:00:47Jede Saison hat ihren Reiz. Für mich ist Bewegung sehr wichtig, denn ich muss ja viel sitzen.
01:00:54Deshalb ist es sehr gut, wenn ich nach der Arbeit noch etwas trainieren kann.
01:01:08Und das kann Turmus hier bis in den Mai tun. Die weiße Wildnis genießen. Oben am Polarkreis.
01:01:32Das Salfjell. Für viele ist es das Highlight der Zugreiser.
01:01:37Die russische Violinistin Ksenia Macegura ist auf dem Weg nach Hause.
01:01:46Ich fahre nach Bude. Von dort geht es mit dem Flieger nach Oslo und dann nach Moskau und Archangelsk. In
01:01:53meine Heimat. Ein weiter Weg.
01:01:59Natürlich mag ich dieses Land hier. Die Natur. Jedes Mal, wenn ich hier bin, fahre ich voller Emotionen zurück.
01:02:27Zwei der schönsten Wege gen Norden kommen auf dem Salfjell zusammen. Die Nordlandbahn und die Europastraße 6.
01:02:44Seit Jahrtausenden ist das Salfjell auch Land der Sami und Weidegebiet tausender Rentiere.
01:03:10Früher lebten die Same in Koten. Kegelförmige Zelte aus Birkenstämmen, die mit Rentierfällen oder Torf abgedeckt wurden.
01:03:20Nina Oskal ist Sami und spricht auch noch die Sprache.
01:03:24Sie will das Erbe ihrer Vorfahren erhalten und zeigt heute Touristen die traditionelle Unterkunft der Sami.
01:03:34Diese Torfkote hat meine Mutter gebaut. Sie selbst wurde in einer solchen geboren.
01:03:40Sie hat sich deshalb immer so ein Zuhause gewünscht. Sicher, weil sie so schöne Erinnerungen an ihre Kindheit hatte.
01:03:49Ich möchte, dass meine Kinder das auch mal lernen, was mir meine Mutter und mein Vater beigebracht haben.
01:03:56Das ist wichtig. Ansonsten wird das alles verschwinden.
01:04:12Die drei erwachsenen Töchter haben ihren Weg gemacht.
01:04:15Sie arbeiten als Modedesignerin, Synchronsprecherin und Make-up-Artist.
01:04:20Sie unterstützen die Eltern in jeder freien Minute.
01:04:24Ninas 17-jähriger Sohn Ante soll später einmal die Rentiere übernehmen.
01:04:35Der Alltag ist im Vergleich zu früher einfacher geworden.
01:04:39Der Schneescooter hat längst den Hundeschlitten ersetzt.
01:04:44Aber nach den Tieren müssen Nina und ihr Mann trotzdem täglich sehen. Bei jedem Wetter.
01:04:52Wie viele Rentiere ein Sami besitzt, fragt man nicht.
01:04:56Es wäre nämlich so, als wolle man wissen, wie viel Geld jemand auf dem Konto hat.
01:05:03Rentierzucht ist eine uralte Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.
01:05:09So war es auch bei Per Ole und Nina.
01:05:16Die Rentiere sind unser Ein und Alles. Ohne Rentiere wären wir ganz normale Norweger.
01:05:23Das wäre einfach so.
01:05:25Wir hätten keine Sprache, keine eigene Kultur, kein eigenes Essen.
01:05:30Nichts.
01:05:31Unsere Lebensweise würde einfach verschwinden.
01:05:37Und mit ihnen die riesigen Rentierherden.
01:05:43Bis zu 100.000 Samen leben heute noch in Skandinavien.
01:05:47Die meisten von ihnen in Norwegen.
01:05:49Doch wirtschaftliche Interessen kollidieren immer häufiger mit dem traditionellen Leben der Urbevölkerung.
01:06:06Die moderne Gesellschaft will immer mehr Land. Unser Weideland schrumpft von Jahr zu Jahr.
01:06:11Das ist leider eine Tatsache. Es ist so.
01:06:14Es müssen neue Ferienhäuser, neue Straßen, neue Gruben, neue Kraftwerke gebaut werden. Egal was.
01:06:21Das Gemeinwesen fordert immer mehr.
01:06:28Egal ob Sommer oder Winter. Die Rentiere laufen in der Regel frei herum.
01:06:33Nur wenn sie zugefüttert, markiert oder geschlachtet werden, treiben die Züchter sie in einem Gehege zusammen.
01:06:44Die Samikultur hat sich über Jahrtausende im Norden Skandinaviens und in Teilen Russlands behauptet.
01:06:50Doch wie lange es sie noch geben wird, da sind sich Nina und Per Ole nicht mehr so sicher.
01:06:56Der Klimawandel verändert die Natur und das Leben der Tiere.
01:07:01Hinzu kommen gerade hier ganz konkrete Probleme mit dem Verkehr.
01:07:09Wir verlieren Hunderte von Rentieren und das schon seit vielen Jahren.
01:07:14Sie werden von den Autos und den Zügen überfahren.
01:07:17Das ist nicht gut.
01:07:19Weder für die Autofahrer, noch für uns, noch für die Tiere.
01:07:25Der norwegische Staat zahlt inzwischen 200 bis 400 Euro Entschädigung für jedes überfahrene Tier.
01:07:32Eine Summe, die Per Ole und Nina zwar als zu gering empfinden, aber es ist ein Anfang.
01:07:41Und es gibt noch eine neue Idee zum Schutz der Tiere.
01:07:44Doch dafür muss Per Ole eines der Leittiere erst mal einfangen.
01:07:58In diesem Halsband befindet sich ein kleiner GPS-Sender.
01:08:03Wenn sich die Leittiere mit ihrer Herde der Straße nähern, werden Warnleuchten aktiviert, die blinken.
01:08:10Das soll dafür sorgen, dass die Autofahrer langsamer fahren.
01:08:12Das ist das beste, um das neue Fahrer zu werden. Das kann man schon sagt.
01:08:18Noch sind die digitalen Halsbänder Teil eines Forschungsprojekts.
01:08:22Aber sie könnten einmal helfen, die Rentiere der Sami besser zu schützen.
01:08:30Einen Schutz gegen den Zugverkehr jedoch bietet das Halsband nicht.
01:08:34Ein Zaun entlang der Strecke wäre wohl das Beste, aber der ist viel zu teuer.
01:08:39Und so werden Per Ole, Nina und die anderen Züchter wohl damit leben müssen, dass sie immer wieder Tiere verlieren
01:08:46werden.
01:08:47Aber aufgeben wollen sie deshalb nicht.
01:09:01Die Nordlandbahn erreicht pünktlich den Bahnhof in Lönsdal, 602 Kilometer von Trondheim entfernt.
01:09:17Bis 1955 endete die Bahn hier in Lönsdal, genau 19 Kilometer nördlich des Polarkreises.
01:09:26Alle, die damals weiterreisen wollten und auf Anschluss warteten, übernachteten im legendären Saad Fjellet Hotel.
01:09:43Torbjörn Fjellthün ist Hotelier, Hausmeister und Herbergsvater in einem.
01:09:49Für heute Nachmittag haben sich Gäste angemeldet. Da soll es gemütlich und warm sein im Hotel.
01:09:55Schließlich sind es draußen ja eisige minus 20 Grad.
01:10:15Hier ist richtiger Winter, ein langer Winter und ein sehr kalter Winter. Minus 30 Grad sind da überhaupt nichts Besonderes.
01:10:25Natürlich muss man sich da richtig warm anziehen. Wir verbrauchen sehr viel Holz, denn das Gebäude ist alt und nicht
01:10:31besonders gut isoliert.
01:10:381950 wurde das Saad Fjellet Hotel erbaut. Damals war Lönsdal der Ort für Wintersportler.
01:10:46Doch die goldenen Zeiten sind lange vorbei. Torbjörn und seine Frau Sissel verbringen hier bereits den fünften Winter in Folge.
01:10:58Sie hoffen, dass es die vier Gäste tatsächlich bis zu ihnen schaffen.
01:11:07In den letzten Tagen war die Straße in die Berge gesperrt und die Gäste, die mit dem Auto anreisen wollten,
01:11:13kamen nicht.
01:11:15Das sind dann Dinge, gegen die du nichts mehr machen kannst.
01:11:19Natürlich ist hier oben oft schlechtes Wetter. Wir leben hier ja schließlich mitten in der Natur und sind von ihr
01:11:26abhängig.
01:11:29Du musst lernen, damit umzugehen. Das hier ist ein altes Gebäude, da gibt es immer etwas zu tun.
01:11:43Der Charme der 50er Jahre ist geblieben. Alte Fotos erinnern an die Blütezeit des Hotels.
01:11:54Der Bahnhof Lönsdal als Verkehrsknotenpunkt. Wer aus dem Süden kam, musste von hier aus den Bus in den Norden nehmen.
01:12:02Wer aus dem Norden kam, schieg hier vom Bus in den Zug um.
01:12:07Eisenbahnromantik in schwarz-weiß. Aber gebaut wurde auch im Winter.
01:12:12Das Haltfjellert Hotel galt damals als hochmodern und war der Stolz einer ganzen Region.
01:12:23Sissel war als Kind oft hier. Für sie ist das Hotel ein Stück Erinnerung.
01:12:31Mein Großvater hatte damals ein kleines Ferienhaus, etwa zehn Minuten vom Hotel entfernt.
01:12:39Ich bin in meiner Kindheit oft hierher gekommen und habe an der Rezeption Schokolade gekauft.
01:12:47Oder ich ging hier auf Toilette, damit ich nicht auf unser Plumpsklo musste.
01:12:52Außerdem habe ich hier gearbeitet, als ich 18 war. Ich hatte einen Sommerjob an der Rezeption.
01:12:59Das Paar hat sich in den Bergen einen Traum erfüllt. Mit dem Saltfjellert Hotel in Lönsdal.
01:13:1715.43 Uhr. Die Nordlandbahn nimmt langsam wieder Fahrt auf und verlässt den Bahnhof.
01:13:41Hier startet der letzte Abschnitt der Reise. In einem großen Bogen am Schersterfjord entlang bis hinunter ans Nordmeer, nach Bude.
01:13:54Stricken liegt in Norwegen voll im Trend. In kaum einem anderen Land wird so viel Wolle pro Einwohner verbraucht wie
01:14:02hier.
01:14:04Kirsten Sand ist mit ihrem Sohn Björn auf dem Weg in den Norden.
01:14:17Früher hat man einfach nicht so viel gekauft, sondern viel selbst gemacht.
01:14:21Auch die Kleidung.
01:14:23So einen Pullover hier habe ich mir seit 60 Jahren gewünscht.
01:14:27Ich habe meine Freundinnen vom Sport gefragt, ob sie mir einen solchen stricken können.
01:14:31Und so habe ich ihn bekommen. Er gefällt mir so gut.
01:14:36Sieht eher nach Island oder Shetland aus?
01:14:38Nein, es sind eigentlich samische Farben.
01:14:44Aber das Muster kommt doch aus Island, oder?
01:14:47Nein, Grönland.
01:14:49Ah, richtig, Grönland.
01:14:51Egal ob Island, Grönland oder Norwegen. Die Natur begeistert sie immer wieder.
01:14:59Schau dir an, wie schön das ist.
01:15:03Es ist hier so still und ruhig.
01:15:05Wenn du hierher kommst, merkst du das. Es ist eine andere Form der Ruhe.
01:15:13Hier gibt es keinen Stress. Den Stress einer Großstadt, den hast du hier nicht. Du wirst ruhig. Du kannst gar
01:15:19nicht gestresst sein.
01:15:20Wenn du von A nach B reist, warum sollte das einen stressen? In der Stadt ist es hektisch. Kinder, Arbeit.
01:15:26So ist das einfach.
01:15:27Dann stressen wir immer wieder. Unge, Job, allmöglich.
01:15:31Nice Idee.
01:15:33Ja.
01:15:54Den Zugverkehr bei Eis und Schnee aufrecht zu erhalten, eine technische Meisterleistung.
01:16:00Viel größer war jedoch die Herausforderung, durch die bergige Landschaft diese Eisenbahnlinie überhaupt zu bauen.
01:16:11Hier wird das dunkle Kapitel der Nordlandbahn wachgehalten. Im Blutweg-Museum.
01:16:19Finn Rönnebü arbeitet als Konservator im Museum.
01:16:24Von 1940 bis 1945 hatten die Deutschen Norwegen besetzt.
01:16:30Kriegsgefangene, vor allem aus Osteuropa, mussten damals eine 140 Kilometer lange Trasse bauen.
01:16:42Im Großen und Ganzen mangelte es den Gefangenen an allem. Es gab Folter, Todesfälle. Das war damals Alltag.
01:16:52Heute weiß man, dass während des Baus der Strecke jeden Tag im Schnitt zwei Menschen getötet wurden oder einfach vor
01:16:58Erschöpfung und Krankheit zusammengebrochen sind.
01:17:04Ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Gefangenen wollten die deutschen Besatzer eine Polarbahn bauen.
01:17:11Hitlers Prestigeprojekt. Bis hoch nach Chirkenes.
01:17:16Die deutsche Niederlage hat dies verhindert. 56 Gefangenenlager gab es damals an der Strecke.
01:17:26Es ist wichtig, so einen bedeutenden Teil unserer Geschichte zu bewahren. Das Museum hat verschiedene Funktionen.
01:17:33Es soll von der Vergangenheit erzählen und den jüngeren Generationen vermitteln, was passiert ist. In der Hoffnung, dass sich so
01:17:41etwas nie wiederholt.
01:17:45Ein Stück Erinnerung und Mahnmal.
01:18:09Die Nordlandbahn nähert sich jetzt mit Höchstgeschwindigkeit dem Ziel.
01:18:17Die Ausläufer des Nordmeers sind längst erreicht.
01:18:25Bis Boudö hat die Bahn noch eine halbe Stunde Fahrt vor sich. Immer entlang der Küste.
01:18:49Er hat es nicht eilig anzukommen. Jake Chris Barabat ist das erste Mal in seinem Leben zu Besuch in Skandinavien.
01:19:03Ich fahre nach Boudö, ganz oben im Norden. Ich komme von den Philippinen. Die Landschaft hier ist wirklich atemberaubend.
01:19:10Ich habe zum ersten Mal Schnee gesehen. Das ist der beste und bequemste Zug, mit dem ich in Norwegen je
01:19:15gereist bin. Großartig.
01:19:21Auch für Schaffner Roger Fick und seinen Kollegen aus dem Speisewagen geht die Fahrt langsam zu Ende.
01:19:30Die Inseln und das Meer sind jetzt ganz nah.
01:19:38Die Küste Norwegens ist im Norden weit. Die Schluchten der Fjorde nicht so tief und eng wie weiter südlich. Und
01:19:46das Klima relativ mild.
01:19:50Auf einer Halbinsel liegt der Ort Cheringöy. Was übersetzt so viel heißt wie Altweiberinsel.
01:20:05Hier werden Holzboote gebaut, die ihre Herkunft im Namen tragen. Die Nordlandboote.
01:20:13Ulf Björner Mikalsen versteht das Handwerk. Zusammen mit seiner Auszubildenden Stefanie Hain baut er sechs bis sieben Boote pro Jahr.
01:20:28Die Nordlandboote wurden schon von den Wikingern entwickelt. Perfekt, um leicht zu rudern und zu segeln.
01:20:36Heute gibt es nur noch wenige Betriebe, die solche Boote bauen.
01:20:41Als Kind bin ich jeden Sommer in den Heimatort meiner Eltern an der Küste gefahren.
01:20:46Da lag ein altes Nordlandboot, genauso groß wie dieses hier.
01:20:49Ganz schwarz von dem alten Teer, der Risse bekommen hatte und ziemlich brüchig war.
01:20:56Aber ich war noch zu klein und durfte es nicht benutzen.
01:20:59Erst als ich zwölf war, hat mein alter Onkel gesagt, okay, wenn du es schaffst, das Boot ins Wasser zu
01:21:05ziehen und du Verantwortung für deine Geschwister übernehmen kannst, dann darfst du das Boot benutzen.
01:21:15Aus dem frühen Interesse ist heute ein Beruf geworden.
01:21:19Zwischen fünf und 13 Meter lang ist so ein Nordlandboot.
01:21:23Es wird aus Fichtenholz gefertigt, das Ulf dafür extra aus Mittelnorwegen holt.
01:21:29Gut vier Wochen dauert es, so ein Boot zu bauen, das dann meist an Museen geht.
01:21:37Stefanie kommt aus Plön. Sie hat bereits eine Bootsbauerlehre hinter sich.
01:21:42Auf der Suche nach einer Werft für Holzboote hat es sie nach Cheringöy verschlagen.
01:21:51Also es war schon immer ein Traum von mir, nach Norwegen zu ziehen. Ich habe das gelernt in Deutschland, den
01:21:58Butzbau.
01:21:58Und mich hat das aber halt schon immer mit Holz auch sehr fasziniert. Ist halt unten in Deutschland schwer zu
01:22:05finden eine Holzbutzwerft.
01:22:09Und deswegen, ja, habe ich halt hier oben direkt nach Holzbootsbau geguckt.
01:22:14Ist ja auch, hier findet man eigentlich mehr Holz als Kunststoff.
01:22:22Holzbootsbau. Ein Handwerk, das in dieser Region kaum einer noch so gut beherrscht wie Ulf.
01:22:28Aber guten Nachwuchs zu finden, war gar nicht so einfach.
01:22:40Ich muss gestehen, ich war am Anfang etwas skeptisch. Ich dachte, die kommt ja her, bleibt eine Weile und dann
01:22:46geht sie wieder.
01:22:47Aber Steffi ist tüchtig. Sie lernt schnell und interessiert sich sehr für das Handwerk.
01:22:52Sie hat eine Arbeitsmoral, die man bei norwegischen Jugendlichen leider nur selten findet.
01:22:57Die meisten von ihnen sind mehr mit ihrem Handy beschäftigt als mit der Tischlerei.
01:23:09Gleich neben der Werft liegt der alte Dorfkern von Cheringöy. Ein Fischerort, der im 19. Jahrhundert seine Blütezeit hatte.
01:23:18Knut Hamsün, einer der bekanntesten norwegischen Dichter, hat eine besondere Verbindung zu dem Ort.
01:23:25Einige seiner Romane wurden hier verfilmt.
01:23:32Knut ließ sich vom Kaufmann von Cheringöy Geld, wenn er knapp bei Kasse war.
01:23:41Der alte Kaufmannsladen zeigt noch Schmuckstücke von damals.
01:23:45Die Fischer deckten sich hier mit Lebensmitteln ein, aber vor allem mit Hochprozentigem.
01:23:56Die Rechnung ließen sie dann anschreiben und beglichen sie später mit frischem Fisch von den Lofoten.
01:24:09Im alten Bootsschuppen nebenan sind die historischen Boote aufbewahrt.
01:24:20Alle in der typisch geschwungenen Form, die selbst hohe Wellen abhält.
01:24:28Das hier ist ein Nordlandboot vom alten Typ. Es wurde als Fischerboot benutzt, aber auch als Kirchenboot.
01:24:35Die Menschen lebten ja früher weit verstreut, zum Teil im hinterletzten Winkel eines Fjordes.
01:24:41Man fuhr mit dem Boot zur Kirche oder zum Kaufmann.
01:24:51Mit den Nordlandbooten ruderte man oder zog ein Segel am Masthoch.
01:24:56Erst später wurden Motoren eingebaut.
01:25:00Boote sind bis heute ein wichtiges Transportmittel.
01:25:05Denn viele Orte an der Küste sind nur vom Wasser aus zu erreichen.
01:25:11Für Stefanie ist es sozusagen der praktische Teil ihrer Ausbildung.
01:25:19Sie soll heute das Segel setzen. Zum ersten Mal ganz ohne Hilfe. Unter den strengen Augen ihres Lehrmeisters.
01:25:30Gar nicht so einfach.
01:25:33Aber dann klappt es doch.
01:25:42Ja, macht Spaß. Ja, ich habe zwar immer Angst, dass ich irgendwie was falsch mache oder das nicht hinkriege oder
01:25:49nicht schnell genug bin oder was.
01:25:51Aber meistens ist das ja so, wenn man zu hektisch wird, dann geht's auch schief.
01:25:59Früher sind die Fischer mit den Booten bis hinüber zu den Lofoten gesegelt.
01:26:03Etwa hundert Kilometer sind das. Übers offene Meer.
01:26:15Doch heute will der Wind einfach nicht auffrischen. Und es dämmert schon.
01:26:21Aber im nächsten Sommer wollen sie eine längere Tour wagen. Und Ulf hat da diese Vision.
01:26:31In drei Jahren ist Steffi mit der Ausbildung fertig.
01:26:34Dann weiß sie, wie man so ein Boot segelt und wie man es bauen muss, damit es die gewünschten Eigenschaften
01:26:40erhält.
01:26:41Wenn sie möchte, kann sie dann meinen Betrieb übernehmen. Und ich kann in Rente gehen.
01:26:57Ob Stefanie dieses Angebot annehmen wird, weiß sie noch nicht.
01:27:02Aber heute, an diesem Wintertag, gibt es für sie nichts Schöneres als die Fjordwelt nördlich des Polarkreises.
01:27:30Die Nordlandbahn erreicht jetzt ihr Ziel.
01:27:34Bude. Nach 729 Kilometern und 27 Stops.
01:27:49Neun Stunden und 50 Minuten hat sie dafür gebraucht. Und ist damit überpünktlich.
01:27:58Rogas letzte Mission, die Passagiere verabschieden.
01:28:07Hade brah. Auf Deutsch, mach's gut.
01:28:17Wir machen jetzt erst einmal Pause für etwa zweieinhalb Stunden.
01:28:21Dann kommt die Lok wieder nach vorne und das hier wird der Nachtzug nach Trondheim.
01:28:26Ich muss noch bis Muschön arbeiten. Dann hab ich Feierabend.
01:28:34Auch Jake zieht mit seiner Fotoausrüstung weiter.
01:28:38Vielleicht hat er Glück und erwischt noch ein letztes Polarlicht.
01:28:46In Bude endet die Reise mit der Nordlandbahn.
01:28:50Aber morgen früh wird wieder ein Zug in Richtung Norden starten.
01:28:55Pünktlich um 7.38 Uhr.
01:28:59Dann beginnt eine neue Winterreise zum Polarkreis.
01:29:05mirate� Vaiminister
01:29:08Kumpel Ich
01:29:09werde dasen Bereich und abontern. Ich
01:29:16werde dasen Bereich und abontern. Audrey
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