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00:06Mitten in der Großstadt schlägt Dresdens grünes Herz, der Große Garten.
00:13Durch alle Jahreszeiten hinweg voller Faszination und Schönheit.
00:21Das ist ein Muss.
00:30Von diesem Bäumen haben wir momentan im Großen Garten ca. 16.000 Stück erfasst.
00:38Alle freuen sich, wenn man kommt, das ist so schön.
00:43Jetzt ist der Pflanzschnitt, den wir machen, damit der Ball nicht so viel zu versorgen hat.
00:54Unsere Aufgabe ist es ja zu bewahren, aber eben auch zugänglich zu machen.
00:58Der Große Garten und all die Spielstätten, die im Großen Garten ansässig sind.
01:05Sie liegen mitten im Herzen der Stadt Dresden und sie sind auch mitten im Leben der Dresdner.
01:16Ich wüsste nicht in Deutschland, wo es das ein zweites Mal in der Ausprägung gibt.
01:35Der Tieflader, der gerade über die Querallee in den Großen Garten hineinfährt, hat an Bord eine überaus wertvolle Fracht.
01:43Gleich hat er sein Ziel erreicht, das Palais.
01:46Dort wird abgeladen und ausgepackt und Dresden wird um ein Juwet reicher sein.
01:51Fahrer Locke und seine Ladung werden schon erwartet.
01:54Liegt's denn gut?
01:55Ja, ja, super.
01:57Hat alles gut?
01:58Super gut, alles gut.
01:59Wie lange geht jetzt die Fahrt?
02:01Seid ihr aufgeregt oder was?
02:02Wir sind aufgeregt, ja.
02:05Drei Stunden, gute drei Stunden.
02:08Ne, wir sind nicht aufgeregt.
02:10Was ist denn das für eine Figur, für eine wertvolle?
02:13Das ist die schönste und größte und wertvollste Figur, die der Großen Garten hat.
02:18Nein, das hätte man mir doch vorher da müssen.
02:22Aber Locke hat Erfahrung.
02:24Und er hat das Kunstwerk auf seinem Tieflader ja schließlich auch mit aufgeladen am Morgen in Potsdam und schon mal
02:30einen Blick darauf werfen können.
02:32Der Bildhauer ist schon da, Andreas Klein aus Potsdam.
02:36Er hat in den letzten Jahren in seinem Atelier nahe Schloss Sanssouci einen Marmorblock bearbeitet.
02:42Fast bis zur Vollendung.
02:46Ich bin seit 2017 oder 2018 damit beschäftigt und bin damit im Boot und habe die Arbeit an der Marmor
02:55-Skulptur 2019 begonnen.
02:57Seitdem arbeite ich da also in Potsdam schon dran.
03:00Nun freue ich mich auf den Abschluss hier in Dresden, auf die nächsten Wochen und Monate, um das dann hier
03:06fertigzustellen.
03:09Das Abladen war noch Routine, aber jetzt.
03:12Fünf Tonnen wiegt die Kiste.
03:14Jeder muss mit anpacken.
03:16Bloß nicht kippeln oder falsch belasten.
03:19Und dann muss sie auch noch durch die Tür passen.
03:28Vorn ins Palais rein und durch die Hintertür wieder raus.
03:33Auf den geschützten Innenhof, wo sie endgültig fertiggestellt wird.
03:41Ich brauche jetzt etwa noch drei bis vier Monate, um manche Partien an der Skulptur noch fertigzustellen, die ich aus
03:46statischen Gründen jetzt noch nicht bearbeitet habe.
03:48Die Skulptur ist im unteren Bereich so dünn, dass wir die ganze Zeit lang eigentlich Sorge hatten, dass das eventuell
03:53uns Probleme bereiten könnte beim Transport.
03:56Und so haben wir vor etwa einem Jahr entschieden, dass wir diese Bereiche, um die es da geht, noch nicht
04:00fertig endbearbeiten, sondern das ist das, was ich jetzt in Dresden noch machen werde.
04:03Da sind jetzt noch Marmorquerschnitte von so etwa 30 Zentimetern, die aber zum Schluss nachher so schmal sein werden, dass
04:11man fast durchpucken kann.
04:14Das Kunstwerk ist ja angekommen. Wir sind alle sehr zufrieden, dass das so gut geklappt hat.
04:18Noch sind die Herren von der Spedition ja dabei und arbeiten noch daran, die nun auf den Platz zu schieben,
04:23wo ich dann arbeiten werde. Und bin ganz begeistert.
04:29Was für ein Symbol. Die Zeit raubt die Schönheit. Der alte Gott Kronos, der die Zeit und das Alter symbolisiert,
04:38überwältigt und entführt eine erschrockene Schöne und nimmt sie mit sich.
04:44Das schwer beschädigte Original gibt es noch, doch es bleibt fürs Erste unter dem schützenden Holzverschlag verbaugen.
04:52Auf alten Fotos ist sie noch in voller Schönheit zu sehen, die Skulptur, die der italienische Bildhauer Pietro Ballestra um
05:001689 erschaffen hat.
05:03In dieser Zeit etwa, im Jahr 1676, begann der Architekt und Obergärtner Johann Friedrich Karcher, auf Geheiß des Kurfürsten Johann
05:14Georg III., den großen Garten anzulegen.
05:17Damals lag das Gelände weit vor den Toren der Stadt.
05:21Vorbild waren die modernen französischen Lustgärten, rechteckig angelegt, mit Längs- und Queralleen und vor allem mit einem Palais in
05:29der Mitte, das nicht bewohnt wurde, sondern ausschließlich Vergnügungen diente.
05:34Dieses Palais war der erste Barockbau Sachsens.
05:39Christian Striefler, Geschäftsführer des heutigen Staatsbetriebes Schlösser, Burgen und Gärten zur damaligen Bedeutung des großen Gartens.
05:47Ja, es war für den Kurfürst damals, es war auch vor August im Staden schon, war es ein Jagdgebiet erst
05:53mal.
05:53Und dann ein Ort, wo hier wurden ja prachtvolle Feste rund ums Palais gefeiert, auch im Zusammenhang mit der berühmten
06:01Hochzeit 1719.
06:02Aber man zog, das muss man sich mal vorstellen, man zog von der Stadt richtig raus.
06:07Und nicht, man war in der Stadt, das war das Gegenteil, war halt der Zwinger beispielsweise, der war mittendrin.
06:14Die Hochzeit von 1719. Ein Fest, das seinesgleichen suchte, unübertroffen in Prunk und Vergnügungen.
06:23August des starken ältesten Sohn Friedrich August heiratet die habsburgische Kaisertochter Maria Josefa.
06:31Einen Monat lang wird gefeiert, auch im großen Garten, mit Theater, Ballett und Wagenrennen.
06:37Das extra dafür aufgebaute Venustheater gibt es nicht mehr.
06:43Noch heute erhalten aber sind die Randsteine einer ehemaligen Pferderinnbahn, auf der sogenannte Damenringrennen stattfanden.
06:52Auch das heutige Heckentheater stammt aus jener Zeit. Und immer mehr Skulpturen schmückten den großen Garten.
07:02Es gab Mitte, Ende des 18. Jahrhunderts über 200, ganz genau weiß man es nicht, aber leicht über 200 Skulpturen
07:11im großen Garten.
07:12Heute noch 35. Allein die Herkulesallee ist natürlich ganz prachtvoll, wo die ganzen Taten von Herkules sozusagen in Skulpturen gegossen
07:22wurden.
07:22Aber auch die berühmten Corradini-Skulpturen, das sind natürlich Prachtwerke. Aber es ist halt weit, weit weniger als früher, als
07:30vor 200 Jahren.
07:32Im Siebenjährigen Krieg erlitt der Große Garten gewaltige Verluste.
07:37In einer Chronik wird eine gänzliche Verwüstung geschildert, die Statuen zu schlagen, die herrlichen Baumreihen niedergehauen.
07:4716.000 Bäume mit einem Durchmesser von mehr als 10 Zentimetern zählt der Große Garten. Und heute kommt einer dazu.
07:54An einem sonnigen Frühlingstag treffen sich ein paar Gärtner mit Gisela Gierschig.
08:00Frau Gierschig ist kürzlich 80 Jahre alt geworden und hatte einen ganz besonderen Geburtstagswunsch.
08:07Genau, das ist nämlich jetzt Ihr Bäumchen, die Tuche.
08:17Die Kinder haben dann gefragt, was möchtest du denn haben zum Runden?
08:22Und irgendwann habe ich dann gesagt, ich möchte keine Geschenke.
08:26Da kommt eine Sparbüchse auf den Tisch, da kommt ein Schild hin.
08:30Spende für den großen Garten, für einen Baum oder eine Bank.
08:42Das ist eine Brotbuche, Phagos sylvatica.
08:45Und die stand auch vorher hier, die haben wir jetzt ausfräsen lassen, Standort erst ein Jahr reifen lassen.
08:50Und jetzt pflanzen wir dem Baum nach.
08:52Der ist vor zwei Jahren beim Stoma-Ereignis umgebrochen.
08:54Das war ungefähr eine 160 Jahre alte Buche mit einem Stammdurchmesser von 1,20 Meter.
08:59Und deswegen. Und jetzt kommt eine neue hin.
09:00Ich hätte auch was Exotisches haben können irgendwie, keine Ahnung.
09:05Mir fielen die Bucheckern ein, mit denen wir viel gebastelt haben.
09:08Dann habe ich gesagt, eine Buche, okay.
09:11Jetzt ist der Pflanzschnitt, den wir machen.
09:15Damit der Ball nicht so viel zu versorgen hat.
09:22Ich liebe den großen Garten. Ich bin viel mit meinen Kindern hier gewesen.
09:26Mit den privaten und mit den dienstlichen Kindern.
09:31Weil ich als Erzieher, warum man sagen, auch den Kindern ein bisschen die Natur beigebracht habe.
09:36Also der große Garten, ja, das ist ein Muss.
09:42500 Euro hat die Buche gekostet.
09:45Damit ist Gisela Gierschig offiziell Baumpatin.
09:49So gefällt sie mir.
09:50Und ich hoffe, dass es schön austreibt dieses Jahr.
09:54Und schön wächst.
09:57Ob ihr Wunsch in Erfüllung geht?
09:59Ein Vierteljahr später.
10:01Frau Gierschigs junge Buche macht sich gut.
10:07Pressetermin im großen Garten.
10:08Eichen pflanzen für die Fotografen.
10:11Heute ist ein wichtiger Tag.
10:12Baustart für die neue Baumschule.
10:15In den letzten Jahren mussten wegen der Trockenheit immer mehr Bäume gefällt werden.
10:19Voriges Jahr waren es so viele wie nie zuvor.
10:22390.
10:22Die kleinen Stieleichen sind nun Hoffnungsträger.
10:27Ich war am Anfang, muss ich gestehen, als ich es erst mal von der Idee gehört habe,
10:30dachte ich, ach, muss das denn sein?
10:32Gibt doch genug Baumschulen hier im Land und sonst wo.
10:35Aber das hat mich sehr überzeugt.
10:36Und diese Idee, die dahinter steht, dass wir diesen durch Klimawandel geschädigten Bäume
10:42etwas entgegensetzen, was aus uns selbst entsteht.
10:45Ich glaube, dass es gerade auch hier an dem historischen Platz, wo es auch früher mal war,
10:50sehr, sehr gut geeignet hat.
10:51Wir versprechen uns da sehr viel für die Zukunft, für den Erhalt des großen Gartens,
10:55für die nächsten Generationen.
10:58Auf einer etwa 5000 Quadratmeter großen Wiese entstehen in den nächsten Monaten Gebäude und Beete.
11:05Ganz im Norden ist hier der Baumkindergarten.
11:07Das sind unsere Kleinpflanzen sozusagen.
11:09Wir haben das jetzt einfach mal so getauft, weil dort so die Ansaaten sozusagen aufgehen.
11:14Und was davon weiter verschult wird und vermehrt wird, kommt in die Baumschule.
11:18Da wachsen die Pflanzen also schon ein bisschen größer an.
11:21Und in der Baumuni, das sind tatsächlich die größeren und großen Gehölze sozusagen,
11:27die stehen dann immer weiter im Süden.
11:29Das sind dann dort die Pflanzen, die wir vor allen Dingen genetisch identisch vermehrt dort finden werden.
11:33Das sind also unsere besonderen Arten, die in irgendwelcher Form durch Veredelungen
11:38hier vermehrt und entsprechend aufgeschult werden.
11:44Genau hier hatte vor 150 Jahren Gartendirektor Friedrich Boucher schon einmal eine Baumschule anlegen lassen.
11:52Unten auf dem Weg ist noch der alte Torpfosten zu sehen.
11:57Friedrich Boucher legte damals auch den Grundstein für das heutige Aussehen des großen Gartens.
12:03Er wurde immer mehr zum Volkspark, zu einem Ort der Erholung.
12:07Mit Gaststätten, Sportanlagen und Ruderbooten.
12:11Für den Carola See musste eine alte Kiesgrube weichen.
12:20Die geraden Wiege und Erlehen wurden aufgelockert und mit romantischen,
12:25ganz natürlich wirkenden Teichen und Wasserläufen umgeben.
12:28Der große Garten hatte das deutschlandweit erste bewusst angelegte Radwegenetz
12:33und Ende des 19. Jahrhunderts bereits elektrische Beleuchtung auf der Hauptallee.
12:38Vor dem Palais entstand der Schmuckplatz mit seinen Ornamentbeeten.
12:42Für den Stauden und den Gehölzgarten wurden exotische Pflanzen angesiedelt.
12:50Im Winter liefen die Dresdner auf dem Palais-Teich Schlittschuh und noch früher gab es sogar eine künstliche Rodelbahn.
12:59Der Zoologische Garten am westlichen Rand des Parks wurde angelegt.
13:04Mitte des 19. Jahrhunderts besuchten tausende Dresdner das prachtvolle Sommertheater,
13:09das später pleite ging und abgerissen wurde.
13:11Aber Musik geht im Großen Garten heute noch.
13:23Clueso spielt auf der heutigen Hauptbühne des Großen Gartens, der Jungen Garde.
13:28Entstanden ist die Freilichtbühne, die ein wenig an die Architektur des Pilnitzer Schlosses erinnert.
13:341955 in tausenden Aufbaustunden der DDR-Jugendorganisation, FDJ.
13:40Obwohl sie eigentlich eher klein ist mit ihren 5000 Plätzen, ist die Bühne bei Künstlern und Zuschauern wegen ihrer schönen
13:47Freiluftatmosphäre beliebt.
13:59Mindestens genauso beliebt aber ist die große Wiese vor der Jungen Garde.
14:09Picknicken im Sonnenuntergang mit Musik von der Bühne, manche finden es hier sogar besser als drinnen.
14:16Weil man hier sitzen kann und alles ausbreiten kann, wir reden zwischendurch und der schöne Musikzug, einfach toll.
14:22Ja, außerdem ist es spontaner. Drinnen muss man ja die Karten ja schon sehr zeitig sich holen.
14:27Das erste Mal hier und wir finden es super hier draußen. Ja, sehr angenehme Atmosphäre.
14:33Mit Freunden im Großen Garten sein und dann nebenbei noch Live-Musik haben. Ich denke, das macht den Reiz aus.
14:42Die junge Garde steht heute unter Denkmalschutz. Seit fast 70 Jahren finden Konzerte statt.
14:49Das internationale Dresdner Dixieland-Festival hat hier eine feste Spielstätte.
14:58So wie heute Tausende zu den Open-Air-Konzerten strömen, so groß war vor über 100 Jahren der Andrang, wenn
15:06Dresden zu den internationalen Gartenbau-Ausstellungen einlud.
15:11Pavillons und Gaststätten entstanden, später der sogenannte Grüne Dom, ein 40 Meter hoher berankter Holzturm.
15:20Der farbenprächtige Mosaikbrunnen wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet.
15:25Besonders bei Dunkelheit hatte er eine nahezu magische Ausstrahlung.
15:32Der große Garten wurde zum Mekka der Botaniker, Landschaftsarchitekten und Gartenfreunde.
15:38Er war das Nonplusultra der Szene, deutschlandweit.
15:42Noch heute ist der Andrang groß, wenn Dresdens Gärtner alle zwei Jahre zur Frühlingsblumenschau ins Barockpalais einladen.
15:50Und kaum jemand, der durch die Blütenpracht flaniert, ahnt, dass sich die wahren Schätze der Gärtner tief unter ihnen befinden.
16:00Sechs Meter unter der Erde, im Keller des Barockpalais, liegen diese unscheinbaren Knollen, Dahlien.
16:08Im Herbst wurden sie hier eingelagert, damit sie unbeschadet die kalte Jahreszeit überstehen.
16:13Nun holen die Gärtner sie wieder nach oben ans Tageslicht, ganz vorsichtig vorbei an der fast fertigen Marmorskulptur.
16:23Wie viele Dahlien liegen denn hier im Keller?
16:253.500 aktuell in 240 Kisten und sortenweise sortiert, dass auch nie zu viele in der Kiste sind, dass die
16:36atmen können.
16:38Die werden auch über den Winter einmal im Monat übersprüht und wird kontrolliert, ob Faulstellen sind, die werden dann gleich
16:46aussortiert.
16:47Dunkel und gleichmäßig kühl, das haben die Dahlien gern. Trotzdem sind nicht alle gut über den Winter gekommen.
16:56Die hat ein bisschen Schimmel angesetzt und hat auch Faulstellen.
17:01Mit der Dahlie wird wahrscheinlich ersetzt werden müssen. Die sind überall hier verfault schon mittlerweile.
17:11Wir haben jedes Jahr unsere Ausfälle und die werden dann nachgekauft.
17:14Aber generell wollen wir so viel wie möglich Dahlien jedes Jahr über den Winter bringen.
17:23Nach einer knappen Stunde ist der Keller leer. Weiter geht's in die Gärtnerei, wo alle Knollen noch einmal kritisch unter
17:31die Lupe genommen werden.
17:32Die Baby Blue. Die Baby Blue sieht gut aus. Alles gut überlebt.
17:37Nun ist das ja eine Riesenarbeit, also gerade auch mit den Dahlien.
17:42Andere Gärten verschenken dann die Pflanzen oder die Knollen im Herbst. Warum macht ihr euch diese Arbeit?
17:47Einmal ist es ein bisschen auch der Gärtner. Das macht den Gärtner aus, Pflanzen am Leben zu erhalten.
17:54Und es ist natürlich auch ein wirtschaftlicher Faktor.
17:573.500 bis 5.000 Dahlienknollen jedes Jahr neu zu kaufen, ist natürlich auch eine mächtige Kostenfrage.
18:03So erhalten wir uns wenigstens von den 5.000 irgendwie so ungefähr 3.500 bis 4.000 Pflanzen und müssen
18:10nur einen Teil nachkaufen.
18:13Acht Wochen nach dem Einpflanzen der Knollen ist noch keine Blüte zu sehen.
18:19Die Dahlien lassen sich Zeit dieses Jahr.
18:21Aber dann im September, wenn der Sommer in den letzten Zügen liegt und noch einmal zeigt, was er kann, dann
18:28ist ihre Zeit gekommen.
18:30Die Zeit von Baby Blue, Emilio, Papageno, Harzfee oder Alpenpauline.
18:46Im Hof des Palais kann Andreas Klein wieder in Ruhe arbeiten. Die Gärtner sind weg.
18:52Die erschrockene Schöne ist noch schöner geworden, der alte Gott Kronos noch wilder.
18:58Der Gipsabguss daneben dient als Vorlage.
19:00Seit zwei Monaten vollendet der Potsdamer Künstler die Kopie von Balestras Werk, das immer in Sichtweite, aber für die Öffentlichkeit
19:08weitgehend verborgen steht.
19:10Zu retten war es nicht mehr, sagt Kunsthistoriker Dirk Willig.
19:15Ja, also hier sieht man ganz große Abbruchstellen von dem linken Flügel beispielsweise, aber auch hier die Gewandungen.
19:21Das zieht sich bis hier unten durch, bis zu den Fehlstellen.
19:25Also was man auch sehr schön sehen kann, sind eben die Abwitterungen, die so hier auf härtere innere Strukturen zum
19:31Beispiel raufgehen, die man dann sieht.
19:33Aber richtig deutlich wird es eben insbesondere in den Gesichtern.
19:36Die sehen letztendlich aus wie angetautes Eis.
19:39Da gibt es also kaum noch eine scharfe Linie und da sind einige Millimeter wirklich Oberfläche weg.
19:45Und geben natürlich dadurch einen ganz anderen Eindruck von der Figur als zu dem Zeitpunkt, als sie frisch gearbeitet war.
19:53Andreas Kleins Kopie wird all das wieder sichtbar machen.
19:58Er hat den Block aus Carrara-Marmor selbst in Italien ausgesucht.
20:02Es handelt sich um einen ganz speziellen Marmor, einen ganz speziellen Abmaßen und ganz spezieller Struktur.
20:08Den muss man wirklich selber vor Ort begutachten.
20:11Es sind verschiedene naturwissenschaftliche Untersuchungen im Vorfeld des Kaufs gemacht worden.
20:16Ein Geologe hat einen Dünnschliff angefertigt, nachdem man dann Kristallstrukturen, Kornzusammensetzungen beurteilen konnte.
20:23Es sind Ultraschalluntersuchungen gemacht worden, die einem Aufschluss geben über die Festigkeit des Steins,
20:30die aber auch Aussagen darüber treffen, ob der Stein eventuell mögliche Fehler enthält.
20:35Und erst als das alles gemacht worden ist, konnte der Block dann angekauft und nach Potsdam in mein Atelier transportiert
20:41werden.
20:43Mitte Juli gibt es einen Tag der offenen Werkstatt.
20:47Endlich können die Dresdner einen Blick hinter den sonst geschlossenen Bauzorn werfen.
20:54Darf ich Sie mal fragen, gefällt es Ihnen?
20:56Ja, sehr gut.
20:57Ich bin ein alter Dresdner, da hat man das ja als Kind schon erlebt, alles hier, wie die Figuren waren.
21:03Wunderbar, wunderbar. Es wird Zeit, dass die Schönheit wieder zurückkommt.
21:08Also das ist einmalig. Dresden, nebenher hoch.
21:12Wir sind sehr aktive Besucher hier im Großen Garten und wir haben sich schon lange, lange Zeit vermisst.
21:20Andreas Klein, der sonst immer allein arbeitet, ist heute der Mann des Tages.
21:26Das ist schon ein ganz besonderer Tag, wenn plötzlich so ein großes Interesse einen hier überrollt.
21:31Ja, ich bin sehr zufrieden. Es macht schon Spaß, wenn man nach so langer Zeit so alleine gearbeitet hat und
21:36so an seinem Objekt auch verwachsen ist.
21:38Dann das zu präsentieren und das zu zeigen, das ist total schön.
21:43Seit dem Frühjahr ist das Palais eine einzige Baustelle.
21:481687 fertiggestellt gilt es als Hauptwerk des sächsischen Barock.
21:53Es hat in seiner langen Geschichte Kriege und Schlachten überstanden, diente als Lazarett und brannte schließlich im Zweiten Weltkrieg komplett
22:02aus.
22:08Drinnen, im Saal, ist die einstige Pracht nur noch zu erahnen.
22:14Doch auch jetzt, voller Narben der Vergangenheit, strahlt der Saal Schönheit und gleichzeitig Verletzlichkeit aus.
22:23Zwingerbaumeister Kai-Uwe Beger und die Schlossleiterin Yvonne Aulhorn besprechen, wie hier behutsam weiter saniert werden könnte.
22:32Was man gar nicht mehr erkennt, ist die Farbe, dass der Stuck auch nicht mal blau war.
22:35Das ist alles verloren gegangen durch die Hitze beim Brand.
22:38Aber wenn man das ein bisschen aufarbeitet, hinten aufpoliert an der Stelle, würde man sicher einen Teil der Originalfarben wieder
22:44sehen können.
22:47Also das Palais im Großen Garten ist als Sommerpalais gebaut worden, zur Zeit August des Starken.
22:53Und es wurde genutzt für Festivitäten, für höfische Anlässe in den Sommermonaten.
23:01Und ja, heute sehen wir eine sehr zerbrechliche, berührende Aura in diesem Raum, die einfach noch aufzeigt, was die Geschichte
23:12mit diesem Gebäude und vor allen Dingen mit diesem Saal gemacht hat.
23:15Und wir sind immer wieder begeistert, was dieser Raum mit den Menschen macht, wenn sie hier das erste Mal hineinkommen.
23:23Deshalb, wegen dieser besonderen Aura, soll der Saal auch so bleiben, wie er ist.
23:28Dabei wird das Palais viel genutzt. Hier finden Konzerte, Theateraufführungen und Ausstellungen statt.
23:35Wir sind natürlich kein Wirtschaftsunternehmen in dem Sinne, sondern das Gartendenkmal steht an oberster Stelle für uns.
23:42Unsere Aufgabe ist es ja zu bewahren, aber eben auch zugänglich zu machen.
23:46Und der Große Garten und all die Spielstätten, die im Großen Garten ansässig sind, die liegen mitten im Herzen der
23:56Stadt Dresden.
23:57Und sie sind auch mitten im Leben der Dresdner. Also der Große Garten gehört zum Alltag.
24:04Das Erdgeschoss dient als Depot. Schon seit der Zeit August des Starken. Er ließ hier seine Antikensammlung aufstellen.
24:13Heute sind hier all die Skulpturen versammelt, für die der Aufenthalt draußen im Freien den Verfall bedeuten würde.
24:20Originale Statuen nach Einschätzung der Kunsthistoriker überaus wertvoll.
24:26Also das sind Sandsteinskulpturen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Und die stammen allesamt vom Dresdner Zwinger.
24:34Und gerade der hier, der Vulkan, der stammt vom Kronentor.
24:37Da gibt es einen ganzen Jahreszeitenzyklus, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und er ist eben der Winter.
24:43Und wie man sieht, das ist ein alter, knorriger Mann. Dem ist auch wirklich selber kalt.
24:48Der hat ja so ein Fell, was sehr alt offensichtlich schon ist und was sich gar nicht mehr weich an
24:53den Körper schmicht.
24:53Aber er versucht es so an sich dran zu raffen. Und man sieht es auch im Gesicht. Der friert einfach
24:58auch selber.
25:00Lange werden sie nicht mehr hier stehen. Dirk Welig bereitet schon den Umzug in ein neues Skulpturendepot vor.
25:13Zwinger-Baumeister Kai-Uwe Beger und die Restauratorin Dana Krauser auf dem Weg hoch hinauf aufs Palais.
25:21Hinter den großen weißen Bauplanen arbeiten fast 20 Restauratorinnen an der Außenfassade.
25:27350 Jahre haben deutliche Sporen hinterlassen.
25:31Unsere Tätigkeit umfasst sehr viele Maßnahmen.
25:34Also wenn ich da entsprechend beginne bei der Reinigung, die unabdingbar ist für die restauratorischen Maßnahmen, war das das allererste.
25:43Das heißt, wir sind über alle Architekturüberflächen sowohl trocken als auch nassreinigend drüber gegangen und haben jegliche Verschmutzungen abgenommen.
25:52Anschließend ergänzte sich das Ganze durch die Beseitigung von bauschädlichen Salzen, die im oberflächennahmen Bereich auch zu verorten sind,
25:59aufgrund von Ausblühungen, die auch aufzuzeigen waren, bis hin zu weiterführenden Maßnahmen der Festigung.
26:05Also sprich, wir haben Mürbzungen und sandende Bereiche, die entsprechend konsolidiert werden mit einem Festigungsmaterial.
26:13Und jetzt sind wir gerade in der Phase, wo wir defekte Fugen, die wir vorweg ausgeräumt haben, also sprich das
26:19alte Fugenmaterial entfernt haben,
26:21wieder verschließen, ein ganz wesentlicher Aspekt, um eben gerade den Wassereintrag durch die Niederschläge entsprechend auch abzuhalten und nicht in
26:29den Baukörper zu transportieren.
26:31Und parallel laufen auch noch Ergänzungsarbeiten in Bezug auf Fehlbereiche an Bildwerken, aber auch an Architekturoberflächen.
26:39Allein 1100 Meter Fugen wurden geöffnet, gereinigt und wieder verschlossen.
26:45Für das alles ist ein reichliches halbes Jahr Zeit. Vor dem nächsten Winter wollen sie fertig sein.
26:51Also Zeitplan ist ja was Flexibles. Das muss sich immer anpassen an die Bedürfnisse und in dem Plan sind wir
26:57drin.
26:57Es wird, wie immer, werden die Arbeiten mehr, als man ursprünglich plant. Aber dafür, dass es mehr wird, sind wir
27:02eigentlich gut im Plan.
27:04Und wird das Palais irgendwann komplett wiederhergestellt?
27:08Das regt natürlich die Fantasie an, wenn man in das Gebäude reingeht, wenn man es von außen sieht.
27:12Und dann gibt es wieder mal Überlegungen, dass man das Palais in irgendeiner Weise weiterentwickelt.
27:18Wir haben dazu Überlegungen, aber richtig spruchreif sind sie noch nicht. Das ist auch ein kompliziertes Thema.
27:22Wenn es dann mal die Chance gibt, das eine oder andere zu ergänzen, dann würden wir uns freuen und haben
27:27auch schon einen anderen Plan im Schumpfach.
27:29Einer davon ist die Heizung. Es gibt nur eine provisorische Lösung.
27:34Aber wie das so ist mit den Provisorien, für eine Winternutzung war das Palais ja nie vorgesehen.
27:43Manchmal, selten, ist das grüne Herz Dresdens weiß.
27:47Der Garten zeigt sich im Winter von einer ganz anderen Seite, voller Stille.
27:53Ski- und Schlittenspuren statt Fahrrädern und Inleinern.
27:56Häufig kommt es nicht vor, dass mitten in der Großstadt Schnee liegt.
28:04Der gesamte große Garten ist ein Denkmal. Was bedeutet, dass strenge Besucherregeln gelten.
28:10Schlittschuhlaufen ist eigentlich verboten.
28:18Die Natur hält inne, doch das neue Leben lässt nicht mehr lange auf sich warten.
28:27Tausende Krokusse, Winterlinge und Narzissen ziehen im Frühling Bewunderer an.
28:34Ein absoluter Foto-Hotspot.
28:37Doch jeder Fußabdruck auf der blühenden Wiese, für das perfekte Bild, lässt wieder einen Krokus sterben.
28:47Rund 5000 Frühlingsblumen haben die Gärtner auf das Schmuckbeet vor dem Palais gepflanzt.
28:53So eine Pracht entsteht nicht von selbst.
28:56Und es kostet etliche Mühe und rund 3 Millionen Euro im Jahr, alles hier zu erhalten und zu pflegen.
29:12Nicht jeder weiß das zu schätzen.
29:15Vandalismus und Gedankenlosigkeit richten im Großen Garten tausende Euro Schaden im Jahr an.
29:21Wenn Flieder und Rhododendron blühen, können auch die wertvollen Marmor- und Sandsteinkunstwerke aus ihren Winterhüllen befreit werden.
29:31Kunstwerke, die so manche Fantasie beflügeln.
29:34Die Üppigkeitsvase sollte im 19. Jahrhundert abgebaut werden, wegen Unschicklichkeit.
29:40Die Vasen waren es auch, die die Fantasie von Viktoria Krebs angeregt hatten, auf sehr eigene Art und Weise.
29:49Zufrieden saß Bernd Hessendorf an diesem spätsommerlichen Morgen auf seinem Rasenmeer und puckerte gemächlich auf der Hauptallee des Großen Garten
29:58entlang.
29:59Es war noch sehr früh, nur vereinzelte Radfahrer kamen auf dem Weg zur Arbeit an ihm vorbei.
30:06Viktoria Krebs schreibt Kriminalromane. Und ihr erstes Werk überhaupt beginnt mit einem Verbrechen im Großen Garten.
30:16Maria runzelte die Stirn. Ohne eine weitere Erklärung abzuwarten, kletterte sie rasch hinauf.
30:23Sie prallte im selben Moment zurück, als sie sah, was in der Vase lag.
30:28Eine grausam verzerrte Fratze starrte sie aus weit aufgerissenen Augen an.
30:32Ein Mord im Großen Garten. Nur warum gerade hier an einem so idyllischen Ort?
30:38Ich bin morgens hier immer mit dem Pfarrer zur Schule geradelt und mich hat die Atmosphäre, so wie ich sie
30:43dann auch beschrieben habe, sehr angesprochen.
30:46Und ja, dann kam mir irgendwann die Idee, diese erste Szene hier stattfinden zu lassen. Und zwar genau da an
30:54der Vase, wo dann der Kopf gefunden wird.
30:58Viktoria Krebs war Englischlehrerin an einer Dresdner Schule. Heute ist sie pensioniert und lebt in ihrer alten Heimat in Niedersachsen.
31:06Doch Dresden hat irgendwie eine magische Anziehungskraft. Insgesamt fünf Dresden-Krimis von ihr gibt es. Und der Große Garten taucht
31:15in jedem von ihnen auf.
31:17Ich liebe das einfach, wie ich Dresden überhaupt liebe. Diese ganze Atmosphäre. Ich kann es nicht beschreiben. Das war ja
31:25Liebe auf den ersten Blick.
31:27Und hat mich dann noch nie wieder losgelassen. Und für mich gibt es, ehrlich gesagt, keine schönere Stadt als Dresden.
31:34Das muss ich ganz ehrlich sagen.
31:40Der Tod ist im Großen Garten allgegenwärtig. Bäume sterben. Manche, weil sie uralt sind, andere, weil sie Krankheiten haben oder
31:50die Klimaveränderungen nicht vertragen.
31:54Nach starken Regenfällen tritt manchmal der Kaltzbach über die Ufer und Teile des Parks stehen unter Wasser.
32:01Der lehmige Untergrund lässt es nur langsam wegsickern. Stress für die Bäume.
32:08Meist aber ist es zu trocken. Deshalb hatte man schon Ende des 19. Jahrhunderts ein Wasserwerk gebaut.
32:15Eine unterirdische Brunnenanlage mit vier Dampfdruckbehältern.
32:19Unter dem heutigen Rodelberg, der einzigen Erhebung im ansonsten fast ebenen großen Garten. Kaum ein Besucher weiß das.
32:32181 Baumarten gibt es hier. Und Jan Weber kennt sie alle. Vor allem seine Sorgenkinder.
32:41Wir sind hier vor der sogenannten Splittereiche im Großen Garten Dresden. Und ich denke, viele, viele Dresdner werden die Splittereiche
32:48kennen.
32:49Auch überregional ist sie bekannt. Und die ist ein Mahnmal, ein Gedenkbaum. Und eben eine Zeugin des Kriegsgeschehens im Zweiten
32:56Weltkrieg hier im Großen Garten.
32:57Um April 1945 gab es durch die Alliierten eine Befliegung über den Großen Garten, die sehr gut dokumentiert, wo Bombentreffer
33:04sind.
33:10Und ich habe hier mal unsere Splittereiche eingekringelt. Und an den Pfeilen hier sieht man wunderbar dieser Bereich mit dem
33:18starken Schatten.
33:19Und hier dieser Bereich und hier. Das sind Bombenkrater. Wirklich in unmittelbarer Nähe sind Bomben an dieser Eiche explodiert.
33:34Man kann nicht sagen, wie lange diese Eiche an diesem Standort noch leben wird.
33:37Wir versuchen unser Bestes, diesen besonderen Baum zu erhalten. Und deswegen bekommt er auch demnächst eine Wurzelbehandlung, kann man wirklich
33:44im Wortsinn sagen.
33:46Wir möchten hier das Umfeld des Baumes verbessern, den Standort verbessern, indem wir Druckluft in den Boden bringen und den
33:52Boden dadurch auflockern, der hier sehr, sehr fest ist.
33:54Und eben auch sogenannte Mykorrhiza-Pilze mit in den Boden einbringen, was den Feinwurzeln dieser Eiche gut tut.
34:01Einige Bäume sind älter als der Große Garten selbst. Um die 500 Jahre steht diese Eiche schon.
34:10Ähnlich alt ist die sogenannte Kletter-Eiche.
34:14Tausende Kinderfüße haben den Baum abgetreten. Die Rinde ist in großen Teilen abgestorben, der Boden drumherum hart wie Beton.
34:23Vor kurzem ist er nun abgesperrt worden und darf nicht mehr beklettert werden.
34:27Aber lohnt es sich denn, den alten Baum trotz seiner Schäden zu erhalten?
34:32Es lohnt sich gerade solche Bäume zu erhalten, weil die gerade diesen Reiz des Gartendenkmals ausmachen.
34:37Die haben Charakter, die haben eine besondere Form. Die laden zum Verweilen ein, zum Schauen, zum Genießen.
34:44Und wenn jeder Baum nur kerzengerade wäre, das wäre wirklich schade.
34:47Da gibt es so ein wunderschönes Zitat. Der gerade Baum, der wird ein Brett. Der krumme Baum, der lebt sein
34:52Leben.
34:54Selbst Bäume, die äußerlich gesund und kräftig wirken, haben Probleme.
34:59Dieser gewaltige Baumpilz an einer Blutbuche zum Beispiel.
35:06Doch wirklich gefährlich sind viel kleinere Pilze.
35:12Der ist gruselig, der Pilz. Der macht 27.000 Geschlechter.
35:15Über unsere Gender-Debatte würde der lachen. Und dann kommt er sogar am Menschen vor.
35:20Der zersetzt alles, was organisch ist. Und ist aber so ein typischer Wundparasit.
35:24Also man sieht hier, das ist zum Beispiel eine ganz typische Sonnenbranderscheinung.
35:28Und dann kommt das Spaltbildding und besiedelt eben diese Wunde.
35:31Das ist ja nicht der Pilz. Das ist ja der Fruchtkörper.
35:34Und das verwechseln viele. Und viele stellen uns eben auch die Frage, ob man, wenn man den Fruchtkörper entfernt,
35:41ob man damit auch den Pilz entfernt. Aber das ist ja nicht so der Pilz selbst.
35:43Das ist ja im Holz drin. Und der Fruchtkörper, der rausschaut, ist ja eben nur die Frucht.
35:49Und das ist genauso, als wenn ich einen Apfelbaum umbringen möchte, indem ich die Äpfel ernte.
35:53Aber der wahre Killer wächst weiter oben.
35:58Den sieht man schon da oben rauswachsen. Das ist der Zunderschwamm.
36:02Und Zunderschwamm und Buche vertragen sich nicht so gut.
36:04Das ist bloß ein relativ kurzes Intermezzo. Und dann ist die Bruchsicherheit der Buche derart gefährdet,
36:12dass sie dann wahrscheinlich eben gefällt werden muss.
36:15Nur wenige Tage später. Das Schicksal der Hängebuche ist besiegelt.
36:21Die Zeit hat die Schönheit geraubt. Nach einem heftigen Unwetter muss sie gefällt werden.
36:33Irgendwann wird hier ein neuer Baum gepflanzt.
36:38Ohne sie wäre der große Garten nicht halb so attraktiv, sagen viele.
36:43Und dabei wurde immer mal wieder überlegt, sie aus dem barocken Garten-Denkmal zu entfernen.
36:48Die Parkeisenbahn.
36:52Die hat 30 PS. Und kann 30 kmh fahren. Wo wir fahren, hier bloß 20.
37:03Damit die Runde für die Leute ein bisschen schön ist, soll ja ein bisschen dauern.
37:08Das nützt uns ja nicht, wenn wir hier durch den Garten reisen und keiner sieht was.
37:13Ehrenamtliche Eisenbahner wie Christoph Lux putzen die Waggons. Eigentlich ist er leere.
37:19Also wenn wir zu zweit arbeiten, dann schaffen wir die beiden Wagenzüge, die im Einsatz sind, in ungefähr einer halben
37:25Stunde.
37:25Mit Ausfegen und die Bänke wischen. Die kundlichere Reinigung dauert dann natürlich zu zweit einen Arbeitstag.
37:34Seit 1950 dreht die Eisenbahn im Großen Garten ihre Runden. Auf einer Schleife von 5,6 km. Vorbei an allen
37:44Attraktionen.
37:49Gegründet wurde sie als Pioniereisenbahn nach der DDR-Kinderorganisation Junge Pioniere.
37:56Zwei fast 100-jährige Dampfloks und zwei Elektro-Loks mit einer Spurweite von 15 Zoll bilden den Fuhrpark.
38:04Aber vor allem gehören jede Menge Eisenbahn-Enthusiasten dazu, wie Lokführer Gerd Lindner. Für ihn der Traumjob.
38:13Und reizvoll ist hier der große Garten und alle freuen sich, wenn man kommt. Das ist doch schön.
38:20Besonders ist die Parkeisenbahn aber vor allem Ehretwegen.
38:25Über 100 Kinder und Jugendliche sorgen hier für reibungslose Abläufe, fertigen Züge ab, verkaufen Fahrkarten und stellen Weichen.
38:33Der 14-jährige Maximilian hat heute Dienst im Bahnhof Zoo.
38:38Es macht einfach Spaß, hier den Eisenbahndienst zu machen. Die Leute, die sich freuen, wenn sie hier mitfahren können.
38:45Die Züge, eben die Technik fasziniert auch einfach.
38:51Stellwerk ist besonders hier am Bahnhof Zoo.
38:54Interessant, weil das hat man an den anderen Bahnhöfen nicht mit dem Schlüsselwerk hier im Hintergrund.
38:59Das ist nicht an jedem Bahnhof so. Da muss man auch jede Fahrstraße, wo der Zug langfahren soll, per Hand
39:03mit einem Schlüssel einschließen.
39:08Ich habe mit elf Jahren angefangen, bin jetzt 14 und macht viel Spaß immer noch.
39:14Am Bahnsteig 1 bitte Vorsicht, es fährt ein, der Zug zur Rundfahrt, mithalt in den Bahnhöfen.
39:19Carola, sie, Carsten, sie, Panetta, ich.
39:21Am meisten Spaß macht mir die Aufsicht, am Bahnsteig stehen und eben die Züge abfertigen und mit den Fahrgästen kommunizieren
39:28und ihnen helfen.
39:30Aufzupassen, dass alle sitzen bleiben, dass sich jeder an die Regeln hält im Zug, dass nichts passiert und eben auch
39:37für die Fahrgäste mit zuständig sein.
39:42Und wer weiß, vielleicht wird mal irgendwann das Hobby zum Beruf.
39:49Wendeschleife am Hauptbahnhof, direkt vor der gläsernen Manufaktur von Volkswagen.
39:53Noch bis Ende Oktober geht die Fahrsaison.
39:56Wenn es Winter wird, ist Zeit für Weiterbildungen und die Wartung der Technik.
40:08Herbst im Großen Garten.
40:17Solange es das Wetter zulässt, fahren die Ruderboote auf dem Carola-See.
40:22Seinen Namen hat er von Sachsens letzter Königin Carola.
40:27Vor 130 Jahren wurde das allererste Carola-Schlösschen erbaut.
40:31Ein Ausflugslokal wie aus dem Bilderbuch, romantisch am Wasser gelegen und bei den Dresdnen überaus belebt.
40:39Mehrfach brannte es ab, wurde aber immer wieder auf- und umgebaut, bis vom Schlösschen-Charakter zu DDR-Zeiten nicht
40:46mehr viel übrig war.
40:47Aber was soll's.
40:50Das heutige Carola-Schlösschen funkelt wieder.
40:54Edles Kaffeehausambiente im Stil des Art Deco, mit viel Liebe zum Detail.
40:59Es ist eine der wenigen Gaststätten im Großen Garten, die mit Unterbrechungen seit ihrer Gründung heute noch besteht.
41:14Jahrzehntelang war auch der Rummel am Nordende des Parks ein Muss für jeden Dresdner.
41:18Die Vogelwiese, Dresdens ältestes Volksfest, zog tausende Besucher an.
41:24Auch der Zirkus Sarasani hatte hier am Rand des Großen Gartens eine Zeit lang sein Quartier.
41:37Und für die Kinder wurde im Sonnenhäusl Puppentheater gespielt.
41:43Jetzt, Ende September, versammeln sich im Sonnenhäusl Hobbygärtner.
41:46Der Große Garten lädt zum Parkseminar.
41:55Claudius Wecke bläst zur Jagd auf den Spitzahorn.
41:58Beinahe 90 Freiwillige machen sich an diesem frühen Herbstmorgen auf ins Dickicht,
42:03um den ungeliebten Ahornschösslingen zur Leibe zu rücken.
42:07Ein einzelner Ahornbaum produziert Millionen Samen,
42:10die dank ihrer Flügelchen bis zu 150 Meter weit fliegen können und sofort loswachsen.
42:16Wir schauen, dass wir Inseln schaffen, wo halt auch wieder andere Arten aufkommen können.
42:20Wo nicht nur Spitzahorn kommt, sondern wo auch die Stieleiche zum Beispiel wieder eine Chance hat.
42:24Darum geht es und das passiert jetzt hier gerade auf dieser Lichtung hinter uns.
42:29Nach einer Stunde beginnt es zu regnen.
42:31Doch die Motivation der Hobbygärtner ist ungebrochen.
42:36Es scheint ziemlich aussichtslos, ich sag's mal so.
42:40Aber man gewinnt, glaube ich, einen gewissen Zeitraum.
42:43Also vielleicht so fünf Jahre durch diese Aktion, damit zumindestens die Eichen-Sämlingen wieder aufwachsen können.
42:52Der große Garten ist in dem Moment die Lunge von Dresden.
42:55Ist in dem Moment ganz sinnvoll, wenn man sich irgendwo ehrenamtlich mit einbringt.
42:58Ich will einfach, dass da wieder schön wird und erhalten bleibt.
43:02Zusammen mit den Profi-Gärtnern des Parks geht die Arbeit gut voran.
43:06Alles Holz wird gleich vor Ort geschreddert.
43:09Freie Sichtachsen, viel Platz für die neuen Sträucher und Bäume, die gepflanzt werden.
43:14Das Ergebnis nach fünf Stunden harter Arbeit kann sich sehen lassen.
43:20Hat Spaß gemacht.
43:22Ich wohne hier gleich gegenüber und laufe jeden Tag durch und freue mich einfach, hier auch was mit beizerragen zu
43:28können.
43:28Ich finde die Idee toll und vielleicht sollte man da auch was Kontinuierliches draus machen.
43:32Also dass man vielleicht, was weiß ich, einmal im Monat das anbietet oder sowas.
43:37Im November pflanzen die Gärtner kleine Eichen, die dann hoffentlich genügend Luft und Licht haben, um mal zu solch stattlichen
43:45Exemplaren heranzuwachsen.
43:47Im Spätherbst werden die wertvollsten Skulpturen wieder in ihre Winterhüllen gepackt und auch Gott Kronos mit seiner geraubten Schönen ist
43:56für die kalte Jahreszeit hinter den schützenden Mauern des Palais verschwunden.
44:00Der Potsdamer Bildhauer Andreas Klein ist nach fünf Monaten Arbeit fertig mit seinem Werk.
44:07Ja, auf jeden Fall, das ist schon was Besonderes.
44:09Also wenn man die Pracht und die Fülle an Kunst und Kunstwerken und auch das Kunstinteresse der hiesigen Bevölkerung erlebt,
44:15das glaube ich, hat man sicherlich in Metropolen, wo es solche Schlösser, Parks, Gärten, Anlagen der Art gibt, sicher auch
44:23überall.
44:23Aber das Interesse in Dresden scheint mir doch besonders zu sein.
44:28Für diesen Winter bleiben die Illusion und das Foto.
44:32Aber wenn der Sommer zurückkommt ins Land, dann wird die geraubte Schönheit wieder zu sehen sein, an ihrem angestammten Platz
44:40im Großen Garten zu Dresden.
45:05Dr's
45:06Die
45:06You
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