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00:01Schüsse im Darmstädter Stadtteil Kranichstein.
00:04Ein Ehrenmord in Kranichstein beherrscht bundesweit die Schlagzeilen.
00:08Messerattacke auf offener Straße. Die Hochhaussiedlung gilt als sozialer Brennpunkt.
00:13Knapp 6000 Menschen aus über 80 Ländern leben dort auf engstem Raum.
00:18Das bin ich, Marius. Und das ist Kranichstein.
00:23Ghetto, Plattenbau, sozialer Brennpunkt. Hier fallen viele Begriffe.
00:27Aber einen guten Ruf hat Kranichstein nicht.
00:30Meine Freunde, die in der Hochhaussiedlung aufgewachsen sind, fühlen sich von der Gesellschaft diskriminiert.
00:35Abgestempelt. Als Menschen zweiter Klasse.
00:38Ich kann meine Freunde verstehen, auch wenn ich hier nie gewohnt habe.
00:41Ich frage mich, diskriminieren wir in Deutschland Menschen aufgrund ihres Wohnortes?
00:46Oder stimmen die Vorurteile?
00:48Ich werde hier wohnen, sieben Tage lang, um zu verstehen, wie es für Menschen ist, in einer Hochhaussiedlung zu leben.
01:01Bist du bereit, Georg?
01:02Ich glaube.
01:04Hast du Bock?
01:05Auf jeden Fall.
01:07Mein Kollege Georg und ich ziehen heute um. Eigentlich wohnen wir in der Stadtmitte.
01:12Doch für uns geht es die nächsten sieben Tage an den Stadtrand von Darmstadt, nach Kranichstein.
01:18Etwa 12.000 Menschen leben hier.
01:21Knapp die Hälfte davon wohnt in Mehrfamilienhäusern.
01:25Die andere Hälfte in diesen großen Betonbauten.
01:30Für viele Leute ist die Hochhaussiedlung ein Problemviertel.
01:35Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit seien hier an der Tagesordnung.
01:40Doch ob das wirklich so stimmt, das will ich in den nächsten sieben Tagen erfahren.
01:45Wir sind da, oder?
01:46Ja.
01:47Ich glaube, das ist es.
01:56Die Wohnung haben wir online gefunden.
01:58Ich hätte nicht gedacht, dass es hier Ferienwohnungen gibt.
02:03Okay, das sieht schon richtig modern aus.
02:13Wenn man sich von draußen das Gebäude anschaut, denkt man, okay, wenn es drinnen so ausschaut,
02:22wie es von draußen aussieht, dann könnte es schwierig werden.
02:29Aber es ist echt total normal.
02:31Es ist wie jede andere Wohnung eigentlich auch, ne?
02:34Jetzt sind wir hier.
02:35Doch wie kommen wir eigentlich unter die Leute?
02:38Vielleicht kann mein Kumpel Damiano weiterhelfen.
02:40Okay, cool.
02:41Sehr gut, mein Lieber.
02:43Dann bis gleich.
02:44Alles geht, Bro?
02:46Sorry, dass wir mich nicht so lange am warten lassen.
02:48Mit Damiano habe ich früher Fußball gespielt.
02:50Er ist hier aufgewachsen und sagt, früher war es in Kranichstein wirklich schlimm.
02:56Doch inzwischen sieht das anders aus.
02:59Ich erkenne vieles kaum noch.
03:01Wie gesagt, ich habe hier bis 14 mal gelebt, 13, fast mein halbes Leben.
03:05Und früher war das schon so, du gehst raus, um Scheiße zu machen.
03:08Das war das Wirklichste.
03:09Klar gibt es immer mal Ausreiche.
03:11Aber das hat sich schon geändert so ein bisschen, ne?
03:13Blöd gesagt, die sind auch alle ein bisschen erwachsener geworden.
03:15Weißt du, die sehen, dass es nicht viel bringt, wenn du Scheiße machst.
03:17Manche sind halt da gelandet, wo man nicht landen will.
03:22Damiano führt mich weiter rum und ich muss sagen, ziemlich viel Beton.
03:26Aber nicht nur.
03:29Hier ist die Gruberstraße.
03:30Hier ist die Gruberstraße, okay.
03:31Also der komplette Block.
03:33Gerade mal auch umdrehen, siehst du alles.
03:35Riesen Plattenbauten.
03:37Hier ist der Brentano See mit einer riesen Spielwiese.
03:42Hinten ist ein Jugendcafé.
03:44Das Chilmo heißt es.
03:47Guck dir die an.
03:48Das heißt einfach.
03:50Ja, willkommen in Kranenstein, Alter.
03:52Geil.
03:54Oh, warte mal, wir sind doch hier.
03:57Ich ruf mal Mimi an.
03:58Ja, ja, alles gut.
03:59Ich ruf mal Mimi an, ja?
04:00Mimi ist ein guter Freund von Damiano.
04:02Und ehrlich gesagt, ich glaube, wir mögen uns nicht.
04:06Wir kennen uns vom Sehen, schon bestimmt seit zehn Jahren.
04:08Ich bin ihm aber immer aus dem Weg gegangen.
04:11Wir wollten kurz Dings, Siemens, Bolzplatz, bisschen was erzählen.
04:15Auf, bis gleich.
04:17Was geht's?
04:17Mimi und Damiano haben früher jede freie Minute hier draußen verbracht.
04:22Ein paar ihrer Lieblingsspots wollen sie mir jetzt zeigen.
04:24Auf dem Weg dahin kommen wir ins Gespräch.
04:26Ja, komm, wir sind direkt aus dem Irak hierher.
04:29Nordirak.
04:29Wir sind ja Kurde.
04:30Wir sind direkt hierher.
04:33Koberstrasse.
04:34Und ja, wir fühlen uns hier wohl.
04:38Schön, siehst du ja.
04:40Viele Nationen, viele verschiedene Religionen, alle kommen miteinander, super klar.
04:45Ist das der Grund, warum du dich hier wohlkühlst?
04:47Ich bin hier groß geworden.
04:50Meine Jungs wohnen hier, Freunde, ja, die meisten.
04:54Mimi liebt es hier.
04:55Und trotzdem kennt er die Meinung über Kreinstein.
04:58Es ist vielleicht viel Gerede von außen, dass Kreinstein kriminell wäre,
05:04oder Gott weiß was, mir und meiner Familie.
05:06Ist hier noch nie irgendwas passiert.
05:08Warum?
05:10Nur weil ich jetzt ein bisschen größer bin, weil ich einen Bart habe,
05:13oder Gott weiß was.
05:13Nein, ist nicht so.
05:16Weil wir einfach wissen, wie wir zu Leuten zu sein haben.
05:18Ja, wirst du, so wie du zu jemandem bist, so ist es auch zu dir.
05:23Du bist ja auch heute hier, oder?
05:26Fühlst dich irgendwie komisch?
05:28Nein.
05:28Fühlst dich bedroht?
05:29Nein.
05:31Aber um ehrlich zu sein, ich bin auch erst zwei Stunden hier.
05:35In der Stadtmitte passiert jeden Tag irgendwelche Sachen, verstehst du?
05:39Wo wird's berichtet?
05:41Wird's nicht.
05:41Aber wenn hier mal was passiert, einmal im Jahr oder alle zwei Jahre,
05:46dann sagen die, oh, das ist wieder sozialer Brennpunkt.
05:49Viele Ausländer, viele Nationen, verschiedene Religionen.
05:53Aber nein, ist nicht so.
05:55Mimi hat sein Abitur gemacht, zeitweise studiert
05:58und macht inzwischen eine Ausbildung bei einem renommierten Pharmaunternehmen.
06:02Doch davor will er sich Geld dazu verdienen, erzählt er mir.
06:05Er bewirbt sich zweimal bei dem gleichen Unternehmen,
06:08bekommt jedoch immer eine Absage.
06:09Dann ändert er auf seiner Bewerbung seine Adresse.
06:15Dann hab ich eine andere Straße angegeben, also woanders.
06:20Und ich hab dann dort zwei Jahre gearbeitet.
06:23Die haben dich dann genommen, oder?
06:24Ja.
06:25Krass. Und du hast genau die gleiche Bewerbung abgeschickt?
06:28Alles dasselbe, nur Adresse war anders.
06:31Krass.
06:32Nur Adresse war anders.
06:35Und du glaubst, dass es damit zu tun hatte, dass du halt hier wohnst?
06:40Ich weiß nicht, es ist ja kein Zufall, wenn ich zwei Mal selber Adresse angebe.
06:44Und dann beim dritten Mal was anderes reinschreibe.
06:47Und ich dann genommen werde.
06:49Das ist echt heftig.
06:52Ich mach mir schon ein paar Gedanken, was da in den nächsten Tagen so auf mich zukommt.
06:57Denn es gibt einige Themen, wie Diskriminierung oder auch Rassismus.
07:00Da kann ich als privilegierter und weißer Mann ohne Migrationsgeschichte einfach nicht mitreden.
07:06Aber ich werde den Menschen hier zuhören. Fast alle hier haben schon mal Ausgrenzung erlebt.
07:12Vielleicht macht das die Gemeinschaft hier gerade so stark.
07:17Wir treffen Hakan. Auch er gehört dazu.
07:20Und ihr kennt euch, also ihr seid beste Freunde?
07:22Beste Freunde und wir sind auch Nachbarn.
07:24Wir sind auch Nachbarn.
07:26Wenn ihr wollt, kommt vorbei.
07:29Läuft gar nicht schlecht mit Mimi.
07:31Eigentlich dachte ich ja, wir verstehen uns nicht.
07:33Aber ich bewundere seine Offenheit.
07:37Wir machen es sonst am See gemütlich.
07:40Hier chillen oft Russen, Ukrainer, Türken und essen zu einem Körner und so.
07:46Dadurch, dass wir alle Nachbarn sind, haben wir halt diesen Luxus.
07:51Und das ist schon eine Bereicherung, dass so viele verschiedene Nationalitäten in einem Fleck wohnen.
07:57Das interessiert uns nicht, was der andere ist.
07:59Hauptsache, er ist ein guter Mensch.
08:00Bist du gut zu mir, bin ich gut zu dir.
08:02Ich bin zum Beispiel Kurde aus dem Nordirak.
08:04Mein bester Freund Hakan hier. Der ist Türke.
08:07Verstehst du, was ich meine? Der ist Türke.
08:10Ich lebe den wie meine eigenen Brüder.
08:13Seine Eltern sind wie meine eigenen Eltern.
08:14Ich kann zu denen rein und raus laufen, wann ich möchte.
08:17Er kann zu mir rein und raus laufen, zu Hause, wann er möchte.
08:19Da gibt es gar keine Probleme.
08:20Ich kaufe das Mimi ab. Zusammenhalt scheint hier wirklich wichtig zu sein.
08:25Auch mir wird von Anfang an das Gefühl gegeben, dass ich Teil der Gruppe bin.
08:29Ein schönes Gefühl.
08:30Und trotzdem frage ich mich, ob hier wirklich alles so positiv ist, wie die Jungs es mir erzählen.
08:45Heute möchte ich wissen, was andere hier über Kranichstein denken.
08:48Dafür gehe ich frühstücken. Und zwar zum internationalen Frauenfrühstück.
08:59Jeannette und Nurjan organisieren das Treffen.
09:02Und ich darf direkt mithelfen. Avocado-Creme vorbereiten.
09:06Für jemanden, der schon Probleme bei einer Tiefkühlpizza hat, nicht gerade einfach.
09:11Ganz schön viel Klo.
09:13Das ist wirklich sehr, sehr stark.
09:20Das habe ich für den ganzen Monat gekauft. Und du hast alles...
09:26Echt?
09:27...hätte ich dir sagen sollen.
09:29Wir schauen mal.
09:31Ich hoffe, die Frauen haben ein Herz für Knoblauch.
09:34Das Treffen wird übrigens von der Stadtteilwerkstatt organisiert.
09:37Eine soziale Anlaufstelle für die Leute hier im Viertel.
09:40Beim regelmäßigen Frühstück sollen Frauen, die erst seit kurzem hier wohnen,
09:45Einheimische kennenlernen und sich dadurch schneller integrieren.
09:48Ein wirklich wichtiges Thema. Denn mehr als die Hälfte der Kranichsteiner haben eine Migrationsgeschichte.
09:53Hier gibt es über 80 Nationalitäten nur hier in Kranichstein.
09:59Ja. Das ist wie eine Mosaik. Also mit vielen, vielen, vielen verschiedenen Farben.
10:06Und was sagen Sie zum schlechten Image von Kranichstein?
10:09Genau.
10:11Ich denke, dass es dieses Image nach außen immer noch gibt.
10:17Also ist zum Beispiel in der Zeitung, wenn in Kranichstein was passiert, steht im Echo als erstes Kranichstein.
10:24Der Junge kommt aus Kranichstein. Ja. Deshalb ist das so.
10:29Und ja, ja, da haben wir ja auch schon protestiert, dass da große Artikel über Kranichstein sind.
10:35Und die Leute, die hier leben, die empfinden das nicht so.
10:40Ich wohne zwölf Jahre jetzt in Kranichstein, habe in Rostorf gewohnt und wollte mich verändern.
10:46Wollte also eine Wohnung und habe gesagt, also nach Eberstadt, Südrei und nach Kranichstein ziehe ich in keinem Fall.
10:54Ja. Dann wurde da eine Wohnung angeboten und auch noch im Hochhaus.
10:58Dann bin ich da erst mal hin und denke, ach, das sieht ja hier ganz ordentlich aus.
11:04Und wie gesagt, ich habe dann doch eine Wohnung genommen in Kranichstein.
11:08Und einen Tag bevor ich umgezogen bin, hat eine Bekannte mich angerufen und hat gesagt,
11:13da kannst du nicht hinziehen, da wirst du überfallen, bist du verrückt, da kannst du gar nicht mehr abends auf
11:19die Straße gehen.
11:20Was würden Sie jetzt der Bekannten zweif Jahre später sagen?
11:23Dass es hier wunderbar ist.
11:27Von der Frau an der Supermarktkasse bis hin zu Hasan, dem Inhaber ihres Lieblingsdönerladens.
11:34Angelika kennt hier mittlerweile jeden.
11:38Als ich hierher gekommen bin, war ich die einzige Deutsche, die hier zum Frühstück gekommen ist.
11:43Sie haben immer gefragt, von welchem Land kommen Sie?
11:48Doch auch Angelika hatte am Anfang Vorurteile.
11:52Ja, die hatte ihr, also zum Beispiel, dass man denkt, naja, die Frauen sind alle, die Kopftuch tragen, sind alle
12:01unterdrückt.
12:01Die werden von ihren Männern unterdrückt und dann komme ich hierher und treffe Frauen, die ihren Männern auf dem Kopf
12:10rumtanzen.
12:11So, so, okay.
12:14Ja, und sie spricht drei Sprachen und ich kann gerade mal Deutsch oder ein bisschen Englisch, ja.
12:22Und sowas, das habe ich hier erst dann richtig kennengelernt und gesagt, oh, das sind ja tolle Weiber hier, was
12:31die alles können, ja.
12:38Das negative Image bestätigt sich bisher nicht. Eigentlich höre ich nur Positives. Außer vielleicht den Fluglärm. Der nervt hier echt
12:48viele.
12:50Zur ganzen Wahrheit gehört jedoch, dass der Stadtteil auch seine Probleme hat. Laut der Stadt Darmstadt bezieht hier jeder vierte
12:58Hartz IV. Einige Menschen leben in Armut.
13:01Natürlich kann das auch Kriminalität begünstigen. Die beiden Rapper Calvin und Hasch greifen genau das in ihren Liedern auf.
13:08Ihrer Meinung nach ist Kranichstein tatsächlich ein Ghetto.
13:15Mama flüchtete vom Ghetto ins Ghetto, Pakistan nach Niederrath am Main.
13:20Papa flüchtete vom Ghetto ins Ghetto, Pakistan nach Darmstadt Kranichstein.
13:26Und ihr Sohn wuchs auf in einem Ghetto Muslim.
13:30Perfekt, perfekt, perfekt.
13:31Du hast gerade in dem Check gesagt, dass du im Ghetto aufgewachsen bist.
13:38Ja.
13:39Ich habe gesagt, dass meine Eltern vom Ghetto ins Ghetto geflüchtet sind.
13:44Damit habe ich gemeint, dass sie schon in schlechten Verhältnissen von dort, von Pakistan waren.
13:52Waren die schon in schlechten Verhältnissen und sind auch in Deutschland, sag ich mal, nicht in den besten Bezirken reingekommen.
14:00Und wie ich hier aufgewachsen bin, würde ich nicht wollen, dass meine Kinder hier aufwachsen. Auf jeden Fall.
14:05Wie bist du hier aufgewachsen?
14:07Ich bin also zur Schule gegangen, ganz normal mit dem Freundeskreis.
14:11Die waren falsch, manche haben geklaut, manche haben mit Drogen zu tun gehabt.
14:16Manche sitzen auch, Knaststorys gibt es auch.
14:20Es sind viele, die das schnelle Geld haben möchten.
14:24Und das kann man zwar vorläufig machen, aber ich finde, das wird niemals bis zum Ende gehen.
14:33Beide Nachwuchsmusiker sind in Kranichstern groß geworden.
14:36Sie rappen über das, was sie hier erlebt haben.
14:40Calvin engagiert sich noch dazu im Jugendhaus und bietet anderen jungen Menschen die Möglichkeit, Rap zu produzieren und selbst aufzunehmen.
14:48Denn er findet es schlimm, wenn Leute abrutschen.
14:51Es ist ein sehr extremer Lifestyle und vor allem ist es ein Lifestyle, der sehr gefährlich ist und sehr viele
14:56Risiken mit sich trägt.
14:57Und wenn die weiter den Lifestyle verfolgen, das machen die teilweise schon seitdem die 16 sind, vor Polizei wegrennen, Drogen
15:04verkaufen, bestimmte Streitereien mit anderen Gruppierungen haben, dies, das, ist die Chance, dass sie halt wirklich alt werden und wirklich
15:12ein spätes Alter erreichen, leider geringer als wenn du ein ganz normales Leben führst.
15:17Und dafür ist das Projekt da, dass die Jungs von der Straße geholt werden?
15:19Genau, dass die Jungs von der Straße geholt werden, dass die Jungs realisieren, es gibt auch andere Dinge, dass die
15:24Jungs realisieren das, was sie verfolgen oder das, was sie leben oder die Schmerzen, die sie in sich tragen, dass
15:30sie das auch in was anderes reinstecken können, dass sie dann hören, dass es sich lohnt, mehr auf sein Leben
15:37aufzupassen und mehr auf seinem Leben zu machen.
15:39Dass es sich lohnen kann, den richtigen Weg einzuschlagen, sieht er an ein paar seiner Freunde.
15:44Es gibt, ich kenne Leute, die hier aus der Gegend, die mit mir hier groß geworden sind, die Jura studieren,
15:49die ihren Master gemacht haben, die in wirklich Rekordzeit ihren Bachelor gemacht haben, also wirklich Leute, die Perspektive und Zukunft
15:55haben und die auch wirklich aus sich was machen wollen, gibt es.
15:58Aber ich kenne auch genauso gut, genau das Gegenteil, Leute, die nicht wirklich einen Plan haben, was sie in den
16:05nächsten 10 bis 15 Jahren machen werden und die einfach nur denken, okay, wie komme ich an schnelles Geld, egal
16:10ob es kriminell ist, egal wer darunter leiden muss.
16:13Hasch möchte daher nicht, dass sein Sohn hier aufwächst.
16:17Und ich habe da auch gesagt, ich hole meinen Sohn hier raus und deswegen bin ich stolz Vater zu sein,
16:25weil irgendwann wollen wir das Ziel erreichen und ich hoffe früher, besser früher als später, aber irgendwann.
16:33Vor unserer Wohnung treffen wir Hussein. Er hat hier direkt seinen eigenen Friseursalon und auch er macht sich Sorgen um
16:40seinen Sohn.
16:41Ich will nicht beispielsweise meinen Sohn hier komplett hier diese Straße.
16:45Warum willst du das nicht?
16:45Ich will nicht, ich finde nicht gut.
16:47Nicht gut, warum nicht gut?
16:49Weil die hier lernen schlecht.
16:54Weil es hier Stress gibt.
16:55Ja, Stress, da gibt es viel Stress auch, wie ich gesagt.
16:59Trotzdem möchte er hier nicht weg.
17:01Weil ich bin hier, ich bin drin, ich muss bleiben.
17:05Okay.
17:05Ich kann nicht anders, diese Action ich muss haben.
17:10Weil dein Herz es dir sagt?
17:11Ja, ich kann nicht anders gehen.
17:14Okay.
17:15Weil es Heimat ist auch.
17:16Ja.
17:17Seit zehn Jahren ist er nun hier.
17:19Er engagiert sich für den Stadtteil und hat sogar seinen eigenen Fußballverein gegründet.
17:25Und was liebst du an Kranstein?
17:27Was gibt dir Kranstein?
17:29An Kranstein gibt es eigentlich viele Sachen, ja.
17:32Stress und Fußball, bei uns immer Fußball und so.
17:36Und was meinst du mit Stress auch?
17:39Stress manchmal, Beispiel Kunderstress.
17:43Auch manchmal Schlägerei immer passiert.
17:46Hier dann auch vor Ort, oder wie?
17:49Hier diese Ecke, ja, meine ich.
17:52Und auch manche, auch Privatsachen, weißt du was ich meine, ja?
17:58Diese...
17:59Was meinst du genau?
18:01Ich sag die einfach so wie...
18:05Drogen?
18:06Ja, so Sache, ja.
18:07Auch gibt's in Kranstein natürlich.
18:10Wie ist das für dich?
18:11Ich meine, du hast ja einen Laden.
18:13Ja.
18:13Wenn draußen irgendwie eine Schlägerei ist, oder wenn es Stress gibt, ist das für dich?
18:17Ich hab...
18:18Ich finde es gleich wie ein Film.
18:20Für mich normal.
18:21Hm.
18:21Weil nicht...
18:22Wenn einmal passiert, du sagst, du machst Hektik und Schock.
18:27Hm.
18:28Das ist alles normal.
18:29Weil immer Stress Leute machen, ein bisschen trinken und so, Stress.
18:33Und dann...
18:34Da Ecke, da Ecke, hier.
18:38Und vor Sekunden...
18:39Letztes Mal war hier ein Junge, Hilfe, Hilfe, gesagt.
18:43Dann bin ich draußen gegangen und danach...
18:46einer mit Messer, der will den Schlager, weißt du?
18:50Der wollte aber mit dem Messer in...
18:52Ja, wo ich nicht dieses Junge sehe, der macht den 100 Prozent...
18:58Tod, ja?
18:59Er wollte ihn töten.
19:00Ja.
19:01Heftig.
19:01Und auch der wohl bekannteste Kranichsteiner Deutschlands lässt kein gutes Haar an seiner
19:06Heimat.
19:07Der Rapper Oleg Sesch hat fast eine Million Follower auf Instagram.
19:11Mehr als 100 Millionen Streams auf Spotify.
19:13Jeder kennt ihn hier.
19:14Ein Idol für viele Kids.
19:21Ich höre nun immer mehr von Drogen, von Kriminalität und vor allem vom Ghetto.
19:25Eigentlich dachte ich, dass vieles davon nicht stimmt.
19:29Doch langsam zweifle ich.
19:30Die einen reden vom Paradies, die anderen sprechen von der Hölle.
19:33Aber was stimmt denn jetzt?
19:39Wenn das einer weiß, dann er.
19:41Sascha Rü.
19:42Er ist Polizist und seit zwölf Jahren ein sogenannter Schutzmann vor Ort.
19:46Kaum einer kennt Kranichstein so gut wie er.
19:49Wir machen einen Rundgang.
19:51Und egal wo wir hinschauen, natürlich überall Plattenbau.
19:56Wir sehen jetzt hier schon die Hochhäuser.
20:01Wenn ich ehrlich bin, verbinden viele, und ich glaube unterbewusstlich auch, Hochhäuser
20:06direkt auch mit Kriminalität.
20:09Das ist falsch.
20:10Das ist ein Vorurteil.
20:12Über den Baustil lässt sich sicherlich streiten.
20:15Aber daran kannst du es nicht festmachen.
20:18Es sind einfach viele Menschen auf engem Raum.
20:21Und gerade hier, man sieht es ja auch, ein gelebtes Multikulti.
20:27Da hat sich sicherlich auch viel verändert in den letzten Jahrzehnten.
20:30Von der Struktur der Bewohnerschaft.
20:33Aber es funktioniert.
20:35Es funktioniert.
20:36Und ja, gerade dieses Stigma zum Stadtteil Kranichstein, aber auch zu vielen anderen ähnlichen
20:40Stadtteilen, das lässt sich nicht festmachen.
20:44Also auch bei uns statistisch nicht.
20:46Ich denke, man wird sicherlich auch hier sein Haschisch bekommen.
20:49Und es gibt hier auch Streitigkeiten.
20:52Das zieht sich durch.
20:54Aber alles, was in der Stadt passiert, hast du hier auch.
20:56Aber in der Stadt hast du einfach diese Vorurteile nicht.
21:00Und so diese Straftaten, die ganz massiv ein subjektives Sicherheitsgefühl der Anwohner
21:07beeinflussen.
21:08Also schwere Gewaltkriminalität, Raubüberfälle mit sexuellem Hintergrund, Vergewaltigungen
21:14oder ähnliches.
21:15Das ist definitiv so in der Form.
21:17Ich finde das hier nicht statt oder nicht überrepräsentiert im Vergleich zur Stadt.
21:21Das ist meine klare Ansage.
21:23Und auch die Statistik zeigt, in Kranichstein gibt es nicht mehr Kriminalität als woanders.
21:28Trotzdem bleibt das schlechte Image.
21:30Sascha Rü bietet mir übrigens das Du an.
21:33Er sieht's ungern, sagt er mir.
21:35Ungewöhnlich für einen Polizisten.
21:37Aber das passt total zu ihm.
21:39Als Schutzmann vor Ort spricht er viel mit Jugendlichen und Anwohnern.
21:42Und macht präventive Arbeit.
21:45Früher war es hier wohl wirklich schlimmer.
21:47Das hören wir hier von allen Seiten.
21:48Gewalt, Kriminalität und Perspektivlosigkeit.
21:51Wir haben echt einige schlimme Storys gehört, die teilweise noch gar nicht so lange her sind.
21:56In den 90ern hatte Kranichstein auch noch mit Todestourismus zu kämpfen.
22:00Menschen aus der Umgebung kamen, um sich von den Häusern zu stürzen und sich das Leben zu nehmen.
22:06Inzwischen ist das nicht mehr möglich.
22:08Doch all das warf ein ziemlich schlechtes Bild auf Kranichstein.
22:11Ein Bild, das in den Köpfen vieler wohl immer noch existiert.
22:16Du hast gerade angesprochen, was will denn passieren, wenn jetzt kein Schutzmann, kein Sozialarbeiter, kein Lehrer, der da so hinterher
22:25wäre.
22:25Wenn uns das alles hier nicht geben würde, was wäre dann los?
22:30Ja, da hielt vielleicht ein Blick in die Vergangenheit.
22:33Gefühlt aus der Zeit, als ich auch schon bei der Polizei war, hatte Kranichstein ja auch schon den Makel.
22:38Und da war definitiv mehr los, ja.
22:41Und dann hat man überlegt, okay, da müssen wir einfach reingehen ins Quartier.
22:45Was heißt denn genau mehr los? Also kann man das vielleicht nochmal…
22:48Das ist ja schon ziemlich lange her, ja. Aber dann denke ich mal, Gewaltkriminalität und Drogen war dann sicherlich noch
22:53mehr ein Thema, als es heute ist.
22:57Um das zu verhindern, wurden viele Institutionen gegründet und Projekte gestartet.
23:01Zum Beispiel dieser Kiosk hier, der Treff und Kontrollpunkt zugleich ist.
23:07Und ist natürlich auch ein Stück weit soziale Kontrolle, ja.
23:09Also wenn ich einfach jemanden habe, der immer da ist, der kann dann nochmal schauen, was ist denn mit Vandalismus?
23:13Oder gibt es irgendwelche Fragen?
23:15Da kommen Sie dann auch öfter einfach mal vorbei und kommen ins Gespräch?
23:19Genau, auch da kann man Kaffee trinken.
23:28Kann jemand von euch Türkisch?
23:33Suppengeld, also quasi Backstisch-Bestechung.
23:36Du kannst Türkisch?
23:37Ein bisschen.
23:38Und wie ist hier so das Verhältnis zum Herrn Rü?
23:42Sehr gut.
23:43Zum Sascha?
23:44Ja?
23:44Ja.
23:44Soll ich rausgehen, dann kannst du sie ehrlich anschauen.
23:46Doch, sehr gut.
23:48Wirklich.
23:48Kanzler hat einem Polizisten was Besseres gibt, als wir lernen.
23:53Und wir haben die beste Concierge.
23:55Ja.
23:56Der leider nicht gedreht werden möchte.
23:58Mir fällt aber auf, wie positiv Sascha hier von den Menschen wahrgenommen wird.
24:04Der Spitzname ist hier nur Polizamca, gell?
24:06Ja, Onkel.
24:09Polizamca, sagen die Kinder.
24:10Ja, auf Türkisch.
24:11Ja.
24:12Für uns geht es jetzt nach oben.
24:14Eigentlich sind die Hochhäuser gut kontrolliert und abgesperrt.
24:18Aber Sascha Rü macht für uns eine Ausnahme.
24:21Das ist mal ein guter Ausblick.
24:23Ja, gell?
24:24Das heißt, man kann hier nach Darmstadt und nach Frankfurt?
24:27Frankfurt, Taunus, Donnersberg, Darmstadt, Innenstadt.
24:31Aha.
24:31Und hier halt ein kompletter Stadtteil.
24:34Echt schön.
24:36Was macht das mit dir, wenn du hier so auf dein, ich sag mal auf dein Viertel so blickst?
24:42Das ist vielleicht greifbarer machen, weil man den ganzen Stadtteil auf einmal sieht.
24:47Ja.
24:48Der auch von der Bewohnerstruktur ja sehr unterschiedlich ist, besteht ja nicht nur aus den Hochhäusern.
24:52Doch gerade die sind oft im Fokus.
24:562015 starb hier eine 19-Jährige, weil ihre pakistanischen Eltern das Leben ihrer Tochter als unehrenhaft empfanden.
25:03Ein sogenannter Ehrenmord, verübt von den eigenen Eltern.
25:07Im Hintergrund hatte das, das war dramatisch.
25:10Solche Vorfälle gab es leider auch.
25:14Glücklicherweise Einzelfälle, muss man wirklich sagen.
25:17Doch solche Einzelfälle verstärken die Vorurteile über den Stadtteil, sagt Sascha.
25:22Und wenn dann sowas im Stadtteil ist und geht dann, wird dann medial so aufbereitet und geht das ganze Bundesgebiet.
25:27Und dann hast du nämlich genau wieder diesen Blickpunkt Kranestein.
25:30Und die Leute in Hamburg, Lübeck, wissen auf einmal was von Kranestein und hast dann nur diesen eigenen Moment.
25:36Und jetzt hast du so viel Arbeit reingesteckt, um gerade davon wegzukommen und dann passiert sowas Dramatisches.
25:43Das muss erst mal sacken, ja.
25:46Und du musst permanent dranbleiben.
25:49Ich hatte es ja vorhin schon mal gesagt, wenn du die Hände in den Schoß legst und würdest jetzt die
25:53Ressourcen abziehen oder die Einrichtungen einschränken, dann würde das sicherlich schwieriger werden.
26:04Weil man es gerade mit so einer Zusammensetzung oder in so einem Stadtteil mit so vielen Menschen schon ein Stück
26:09weit unterstützt, was du vielleicht in dem Dorf im Odenwald, wo du dann einen Verein hast und die Kirche und
26:15die Freiwillige Feuerwehr, wo dann familiäre Strukturen einfach was ganz anders abfangen können.
26:19Hier sind Leute aus so vielen Ländern auf so engem Raum, wo es einfach eine Anschubhilfe braucht.
26:26Diese Anschubhilfe bekommen die Menschen hier in öffentlichen Einrichtungen, wie den Jugendhäusern.
26:31Gleich drei davon gibt es hier.
26:34Möglich macht das auch die Politik.
26:36Kranestein ist Teil eines Bund-Länder-Programms für strukturschwache Quartiere.
26:41Dadurch wurden Gelder langfristig und klug investiert.
26:46Und auch die Leute aus dem Viertel werden selbst aktiv.
26:49Die Fahrer von den sogenannten VIPs.
26:51Die 24-Jährige studiert Soziale Arbeit, wohnt in Kranestein und läuft regelmäßig mit anderen durch ihren Stadtteil.
26:58Sie wollen mit Jugendlichen ins Gespräch kommen.
27:01In einem Stadtteil wie Kranestein und ich glaube überall ist so eine Arbeit extrem wichtig.
27:08Die Jugendlichen brauchen den Raum.
27:10Wir versuchen es denen möglich zu machen.
27:13Und das ist mein Ansporn aufzustehen und zu sagen, okay, dann mache ich es halt.
27:17Ich gehe raus und spreche mit denen.
27:19Neben Fahrer sind heute auch Onzi, Erik und Hakan, den wir bereits am See kennengelernt haben, als VIPs unterwegs.
27:27Sie gehen auf die Jugendlichen zu und sprechen über sensible Themen wie Streitigkeiten und Probleme zu Hause.
27:34Für Onzi ist klar, warum ausgerechnet in Kranestein so viele Jugendliche abends noch draußen sind.
27:40Wir haben halt doch wirklich sehr viele Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Familien.
27:44Wir leben auf engstem Raum.
27:46Da sind teilweise Familien, die haben eine Zwei-Zimmer-Wohnung, aber haben sechs Kinder.
27:51Und dann werden alle irgendwie in ein Zimmer gestopft und das Kind kann nicht in Ruhe Hausaufgaben machen.
27:56Das Kind kann nicht in Ruhe, weiß ich nicht, mit Freunden telefonieren oder Freunde zu sich nach Hause einladen.
28:02Und dann suchen die einfach draußen nach Unterstützung oder einfach mit jemandem, mit dem die sprechen können.
28:07Deswegen finde ich, sind auch diese ganzen Jugendhäuser extrem wichtig, vor allem hier in so einem Stadtteil.
28:15Also wir haben Jugendliche, die in ihrem Leben noch nie ein eigenes Zimmer hatten oder ein eigenes Bett teilweise sogar.
28:22Es gibt Jugendliche, die während der Pandemie völlig aufgeschmissen waren, weil die zu Hause kein Internet haben.
28:28Die sitzen dann im Treppenhaus und müssen sich dann mit dem WLAN von Nachbarn verbinden.
28:33In der Winterzeit mit Jacke und Mütze und Schal und allem.
28:38Das ist für uns so eigentlich gar nicht vorstellbar, aber es ist hier einfach Realität.
28:42Und vielleicht ein bisschen mehr als in anderen Stadtteilen.
28:45Das Erfolgskonzept des Projektes ist, dass hier keine klassischen Sozialarbeiter unterwegs sind.
28:50Die Jugendlichen haben meist einen persönlichen Draht zu ihnen.
28:55Dadurch können sie viel offener mit ihnen umgehen.
28:58Das beste Beispiel dafür ist Hakan.
29:01Ich glaube, du bist mega hier verankert.
29:04Dich grüßt jeder.
29:05Dass du auch hier am Start bist und abends aufstehst und durch Kranestein läufst.
29:10Das liegt auch daran, weil wir sind Kranesteiner, wir lieben Kranestein.
29:14Und wir fühlen uns hier wohl.
29:17Und wir wollen, dass auch die anderen sich wohlfühlen.
29:20Zum Beispiel wenn Jugendliche, keine Ahnung, bei allem irgendwelche Probleme haben,
29:24wie Jobsuche, Hausaufgabenbetreuung, Hausaufgabenhilfe, egal was.
29:28Wir wollen einfach dadurch, dass wir jeden hier wie ein Familienmitglied sehen,
29:33wollen wir einfach für jeden da sein.
29:34Kurz vor dem Ende unseres Hundgangs laufen wir noch am See entlang.
29:39Ich möchte von Phara wissen, ob sie schon mal Probleme mit Vorurteilen hatte.
29:43Wenn wir ein Bewerbungsgespräch irgendwo haben oder so.
29:46Und dann steht da plötzlich drinnen, Groberstraße.
29:48Es kam schon vor, dass wir die Jobs nicht bekommen haben, weil wir hier wohnen.
29:51Ich war zum Beispiel in Frankfurt auf der Schule und da wurde dann halt gefragt,
29:55ja woher kommen die Leute und so.
29:56Und ich war die Einzige aus Darmstadt und dann wollten die natürlich wissen,
29:58ja woher denn aus Darmstadt.
30:00Und ich mag es dann nicht zu beantworten, dass ich aus Kranestein bin,
30:03weil ich weiß, was für Blicke ich dann bekomme oder was aus den Leuten dann herauskommt.
30:08Das ist dann sofort, oh du bist aus Kranestein? Ghetto.
30:11Und ich hasse dieses Wort Ghetto.
30:13Ich hasse es, weil wir sind kein Ghetto, auf gar keinen Fall.
30:17Ja und dann muss ich auch erst mal erklären und sagen, ja nee, ist nicht so.
30:20Es läuft hier ganz anders ab.
30:22Ich weiß nicht, was ihr für mich geguckt habt, aber wir sind ein Stadtteil, jeder andere auch.
30:27Es passieren genau dieselben Dinge wie bei euch in Frankfurt oder sonst wo.
30:37Heute möchte ich hier mal was ganz anderes erleben.
30:40Deshalb gehe ich mit Bimi zum kurdischen Friseur.
30:42Hier um die Ecke.
30:43Den Inhaber kenne ich ja bereits.
30:45Und der Friseur ist Treffpunkt für jeden von ihnen.
30:51Geil.
30:52Ey, es ist nochmal matt laut.
30:54Ja, hier ist es warm.
30:55Mach dich locker.
30:56Machen wir so Frische?
30:57So einen Waldfischunterricht.
30:58Da steh ich nicht viel.
31:00Das ist das.
31:01Ich hab keine Ahnung, aber ich seh genauso aus.
31:07Neben mir sitzt übrigens mein Fußballkumpel Hasret, ebenfalls Kranesteiner.
31:12Da hast du schon einzelne graue Haare, oder?
31:15Das ist ein einziger.
31:17Du bist korrekt.
31:18Der ist komplett.
31:20Der ist schnellste Friseur Deutschlands.
31:22Mach Stoppu.
31:245 Minuten, wir sind erst fertig.
31:27Mimmi stellt mir die Friseure vor.
31:29Mit dabei ist auch Masloum.
31:32Die beiden sind vor drei Jahren.
31:34Vor drei Jahren, gell?
31:35Seid ihr gekommen?
31:37Knapp, gell?
31:38Seit vier Minuten.
31:39Nach Kranstein?
31:39Oder nach Kranstein?
31:41Nach Deutschland.
31:42Nach Deutschland.
31:42Nach Deutschland?
31:43Ja, ja.
31:45Mimmi hat ihm geholfen, einen Ausbildungsplatz zu finden.
31:49Halbes Jahr freig zu kommen und dann zu hören.
31:51Kein Fassbilder mehr.
31:53Wobei, warum nicht?
31:53Wir schaffen.
31:56Noch genießen die Jungs ihren Friseurbesuch.
31:58Doch gleich bin ich dran.
31:59Und zwar als Friseur.
32:01Bist du nervös, Hassel?
32:03Ja, ganz klar.
32:05Vor dir.
32:05Mein Haar ist so außer wie dein am Ende.
32:08Naja, so viel kann ich bei dem Haarschnitt zum Glück ja auch nicht falsch machen.
32:18Vertreffst du Marius?
32:19Ja, klar.
32:20Du bist einer der wenigen Jungs, den ich vertraue.
32:25Willst du sagen, der Friseur, wieso es richtig ist?
32:27Ja, auf jeden Fall.
32:29Es ist wie so ein, ich sag mal, so Leute gehen in Wellness einmal die Woche.
32:32Ich komm einmal die Woche her und das ist für mich so mein, so ein Wellness-Tag, sag ich
32:37ich mal.
32:38Ja, auf jeden Fall.
32:40Ist wichtig auf jeden Fall.
32:42Ist es okay, wenn ich deine Koteletten so lasse?
32:44Nein, mach ich an.
32:46Mach wie du willst.
32:49Lass uns.
32:53Als Kunde ab und zu mal den Boden zu fegen, ist übrigens vollkommen normal.
32:58Das macht hier jedermal, wenn die Friseure gerade keine Zeit hat.
33:02Und jetzt darf ich auch noch Mimis Haare schneiden.
33:05Ein bisschen nervös bin ich schon.
33:06Okay, okay.
33:09Andersherum, andersherum.
33:11Ja, ich krieg doch schnell Dünner.
33:14Ah, okay.
33:18Er ist ein Dünnerspieß, oder?
33:19Ja.
33:22Jawohl, Marius.
33:26Du kannst schon drücken, ja?
33:27Okay.
33:33Super.
33:34Schon ne verrückte Situation, ehrlich gesagt.
33:37Wir lachen echt viel zusammen.
33:38Und er vertraut mir.
33:40So sehr, dass ich ihm hier grad einfach die Haare schneide.
33:43Vor ein paar Tagen hätte ich Mimis auf der Straße wahrscheinlich nicht mal gegrüßt.
33:46Guck mal, wie süß er seine Hand auf meine Schulter legt.
33:51Na, danke, dass du da bist.
33:53Na, na, ist gut.
33:56Georg, was meinst du?
33:57Sieht ganz gut aus, oder?
33:58Perfekt, ja.
34:00Warte.
34:01Was schneiden wir?
34:02Ich mache seine Haare.
34:03Hm.
34:04Das will ich dann doch nicht.
34:05Mimis und ich einigen uns auf Augenfrauen.
34:13Okay.
34:13Okay.
34:15Okay.
34:15Ich mache das hier.
34:17Okay, okay.
34:18Reicht, reicht.
34:19Warte, bleib sitzen.
34:20Mach Augen zu, mach Augen zu.
34:21Mach Augen zu.
34:22Mach Augen zu.
34:23Mach Augen zu.
34:24Mach Augen zu.
34:26Fertig.
34:27So, ich habe eine Seite gemacht.
34:28Ich will nicht.
34:30Weißt du?
34:30Die Seite hier, gell?
34:31Ja, ja.
34:32Weißt du?
34:33Guck, wie rot du geworden bist.
34:36Und ich habe mich mal 20 Sekunden gemacht, ne?
34:38Boah.
34:39Dankeschön.
34:40Sehr gerne, mein Lieber.
34:40Hast du auch ein Problem.
34:43Kannst du nächste Woche anfangen?
34:47Bei dir, Bruder.
34:48Du musst viel fahren.
34:50Aber ich will jetzt ein Praktikum machen.
34:51Kern, Kern.
34:52Sauber machen.
34:53Nur Sauber machen.
34:54Jeden Tag kannst du kommen.
34:55Nur ein bisschen sauber machen.
34:56Wie viel Uhr ist die Uhr?
34:57Jeden Tag ab 10 Uhr.
34:59Komm bis Abend 19 Uhr.
35:01Sehr gut.
35:02Aufgemacht.
35:03Klar, natürlich werde ich hier morgen nicht anfangen.
35:06Aber mich beeindruckt die Herzlichkeit.
35:08Ich habe mich gefühlt, als wäre ich einer von ihnen.
35:11Es war komplett egal, dass wir nicht den gleichen Kulturkreis haben.
35:15Wenn man so will, wurde ich hier gerade integriert.
35:20Gut integriert hat sich auch Angelika, die 79-jährige Dame vom Frauenfrühstück.
35:24Ich treffe sie nochmal.
35:26Und als allererstes möchte sie mir unbedingt zeigen, wo sie wohnt.
35:30Hier.
35:30Ich wohne hier.
35:32Hier.
35:34In diesem Hochhaus.
35:35In dem Hochhaus?
35:35Ja.
35:36Sehr gut.
35:37Und zufrieden mit dem Ausblick?
35:39Ja.
35:39Sehr schön.
35:41Jetzt im Herbst ist alles bunt.
35:43Von Angelika möchte ich heute wissen, wie sie als ältere Bewohnerin auf Kreinstein blickt.
35:48Und sie hat eine quasi unmögliche Mission.
35:51Ich versuche dir das Stricken beizubringen.
35:54Ja.
35:55Ich bin sehr gespannt.
35:56Ich bin sehr gespannt.
35:57Ich glaube meine Mutter hat damals gesagt, dass ich ein Gruppmotoriker bin.
35:59Ah ja.
36:00Okay.
36:00Aber das heißt ja nichts.
36:01Ich glaube, dass man eher ein bisschen technisches Verständnis haben muss.
36:07Naja.
36:07Das habe ich jetzt auch nicht im Übermaß.
36:09Aber ich probier's.
36:12Übrigens.
36:13Unsere Strick-Session findet in Chilaui statt.
36:15Ein kleiner Stadtteilladen, bei dem jeder mitmachen kann.
36:20Okay.
36:21Es sieht einfach bei dir aus.
36:22Ich glaube, es ist super kompliziert.
36:24Willst du es mal probieren?
36:25Ja, ich kann es mal probieren, ja.
36:27Das heißt, ähm.
36:29Den Faden holen.
36:31Und wieder nur jetzt hier durch.
36:34Mhm.
36:35Genau.
36:36Ja, ja.
36:36Nicht so.
36:37Du willst dann immer noch mal da hinten rum.
36:39Das brauchst du nicht.
36:40Noch mal eine Ehrenrunde.
36:41Ja, genau.
36:43So, mach nochmal.
36:43Und während ich immer noch mit den Stricknadeln zu kämpfen habe, erzählt mir Angelika, wie
36:48es dazu kam, dass sie nach Granstein zog.
36:50Fast 30 Jahre lang lebte sie mit ihrem Mann in einer Kleinstadt.
36:54Nachdem er starb, wollte sie sich verändern.
36:57Da habe ich das Haus verkauft.
36:59Und habe dann eine Wohnung gesucht und bin hier dann in Granstein gelandet.
37:05Und bin jetzt auch schon elf, zwölf Jahre hier.
37:08Mhm.
37:09Und bin total, bin total zufrieden.
37:11Weil hier alles ist doch, was hier, hier kriegt man, also man muss schon selbst auch auf
37:17die Leute zugehen, aber man hat da viele Möglichkeiten.
37:21Mhm.
37:22Und was gibt dir das vielleicht auch?
37:24So diese, du hast gerade von Multikulti gesprochen.
37:26Ja.
37:28Das, das, diese Erfahrung habe ich hier, die finde ich ganz, für mich sehr gut.
37:33Dass ich so viele verschiedene Menschen kennenlerne.
37:37Da beim Frauenfrühstück, die hätte ich nie kennengelernt, näher oder, ja.
37:43Oder auch im Asylkreis.
37:45Ich habe ja auch einen jungen Flüchtlingsmann betreut.
37:50Okay.
37:51Und warum war dir das wichtig, da zu helfen?
37:53Ja, weil ich das schlimm fand.
37:56Der hatte Familie, seine Mutter und zwei Brüder noch in Afghanistan.
38:00Der Vater wurde erschossen, der war Polizist.
38:03Mhm.
38:04Und wurde von den Taliban irgendwann erschossen.
38:07Und mit der Zeit, dann ist er zu mir gekommen.
38:09Und dann war das eigentlich, ist das so fast mein drittes Kind.
38:16Echt?
38:16Und das ist doch, ich hätte nie großartig über Afghanistan nachgedacht.
38:22Oder mir ein Buch gekauft, wo ich mal lese die Geschichte von Afghanistan.
38:27Ja.
38:28Das liest man und dann legt man es wieder weg.
38:33Weiß, dass es das Land gibt.
38:35Aber wie es dort ist und Menschen dort kennenzulernen, ist was Wunderbares.
38:42Und was würdest du den Menschen raten, gerade auch in diesen Zeiten, wo man das Gefühl hat, dass die Gesellschaft
38:49immer mehr voneinander wegdriftet und man sich manchmal auch nicht wirklich aufeinander zubewegt?
38:55Tolerant sein.
38:56Auch dem anderen gegenüber.
38:59Ja.
38:59So?
39:00Ja.
39:01Auch wie gesagt, wie er aussieht.
39:03Oder wenn jetzt hier jemand sitzt und eine Fahne hat und dann gehe ich trotzdem und quatsche den an.
39:11Oder wenn es mir danach ist, weißt du, dass ich den erst mal, jeden erst mal so wie er ist,
39:16respektiere.
39:17Weil ich den Hintergrund nicht kenne.
39:19Ich weiß ja nicht, warum der Trinker jetzt ist oder warum der obdachlos ist.
39:24Da ist auch immer ein Schicksal dahinter.
39:27Der muss von hinten nach vorne.
39:29Schön.
39:29Vielen, vielen Dank, dass du so ehrlich warst.
39:31Wir haben es leider, also wir haben uns ein bisschen verquatscht, würde ich sagen.
39:34Ja, genau.
39:36Das mit dem Stricken habe ich noch nicht raus.
39:39Aber das ist auch nicht so wichtig.
39:41Angelika ist ein Vorbild für mich.
39:43Die Komfortzone im hohen Alter verlassen, komplett etwas Neues gewagt.
39:47Dabei stets auf Menschen zugegangen und dadurch so viel gewonnen.
39:51Was ein toller Lebensweg.
39:57Heute ist mein letzter Tag.
39:59Und ich möchte mich noch einmal mit Mimi am See treffen.
40:01Auf eine Shisha.
40:03Denn er will etwas loswerden.
40:06Ich zieh hier weg.
40:08Ich zieh mit meiner Freundin zusammen.
40:11Ist auch nicht weit von hier in Griesheim.
40:13Ja, aber mein Herz brennt jetzt schon.
40:15Wirklich.
40:17Ich sagte, ich war im Urlaub im Sommer.
40:19Und dann halt wieder herkam.
40:22Ich habe gedacht, ich bin neu geworden.
40:24Wirklich.
40:25Mimi wird also umziehen.
40:26Nachdem er sein ganzes Leben hier verbracht hat,
40:29muss das ziemlich hart sein.
40:31Trotzdem möchte er mit seiner Freundin eine eigene Wohnung haben
40:34und seinen Lebensstandard verbessern.
40:35Kann ich voll verstehen.
40:37Ich meine, wer möchte das nicht?
40:38Das ist schön.
40:39Wirklich.
40:40Angenommen, du könntest auch irgendwie so ein Haus haben irgendwo.
40:46So am Stadtrand oder so.
40:48Oder einem Vorort.
40:50Müsstest du überlegen, was du favorisierst?
40:53Ob keine Sterne oder das Haus?
40:55Natürlich will ich das Haus nehmen.
41:02Nimi und ich verstehen uns inzwischen richtig gut.
41:05Damit habe ich vor einer Woche gar nicht gerechnet.
41:07Und verbindet so viel.
41:09Auch wenn wir unterschiedlich aufgewachsen sind.
41:11Ich finde die Kinder auf der ganzen Welt noch nie aufwachsen.
41:14Wirklich.
41:15Echt?
41:15Ja.
41:16Was glaubst du, würde es den Kindern geben hier auch zu wachsen?
41:22Hier einfach dieser Zusammenhalt, Spaß.
41:26So.
41:27Das ist einfach nur schön hier.
41:29Wirklich.
41:31Richtiger Handy hatte ich auch erst, glaube ich, mit 18 oder so.
41:34Aber ich habe kein Handy gebraucht.
41:36Hier ist mir rausgegangen.
41:37Einer hat vor das Fenster geguckt, der andere hat vor das Fenster geguckt.
41:39Alle raus.
41:41Was würdest du sagen, was hast du so früher immer gemacht in deiner Kitter?
41:44Außer am Schimmo gegangen?
41:47Wir sind einfach rumgelaufen.
41:49Wir sind einfach in irgendwelche Wälder hier reingegangen.
41:52Einfach durchgelaufen.
41:53Ich wusste manchmal, wo wir sind.
41:55Ich kam raus, es war einfach dunkel.
41:56Wirklich.
41:57So bis abends.
42:00Und gerade wegen seiner schönen Zeit hier, kann er nicht verstehen,
42:03warum das schlechte Image an Kreinstein kleben bleibt.
42:07Wie schon gesagt, guck mal.
42:08Wenn du Google eingebst, gib nur Kranensteine ein.
42:11Das sind nur Hochhäuser.
42:12Alle Bilder sind nur von Hochhäusern.
42:15Aber guck mal, wo wir hier sind.
42:17Du kannst auch hier an ein Fußballfeld gehen.
42:19Hier sind schöne Wälder.
42:21Du kannst hier an die Schulen gehen.
42:22Du kannst überall hier hingehen.
42:23Aber das sind nur Bilder von Hochhäusern.
42:26Nur.
42:27Hast du irgendwas gesehen, was hier negativ aufgefallen ist?
42:32Und du wohnst sogar noch an der Straße, wo die Schlägereien sind.
42:34Genau.
42:35Ich kann wirklich sagen, bisher, also wir waren morgens draußen,
42:39wir waren mittags draußen.
42:39Wir waren auch mal um zwei in der Nacht noch draußen.
42:41Und ich hab mich nie unsicher gefühlt.
42:43Ich hatte nie, nie Sorge, dass irgendwas passiert.
42:47Aber diese Geschichten, von denen du erzählt hast,
42:49die bleiben ja weiter im Kopf.
42:51Also viele verbinden damit weiterhin Kreinstein.
42:54Ja, es wird auch für immer so bleiben.
42:57Es wird für immer so bleiben.
42:59Glaub mir, es wird nie der Tag kommen, wo die Leute sagen,
43:03oh, Kreinstein, schön.
43:06Eigentlich schade, oder?
43:08Aber was können wir dagegen tun?
43:10Du machst ja gerade was dagegen.
43:12Verstehst du, was ich meine?
43:13Dass ich hierher komme?
43:14Dass du überhaupt hierher kommst.
43:18Und ich bin dir auch sehr dankbar dafür.
43:22Vorurteile hat jeder von uns, ob wir möchten oder nicht.
43:24Ich habe durch meine Zeit hier gemerkt,
43:27dass ich Mimi damals doch in eine Schublade gesteckt hatte.
43:30Und das, obwohl ich sicher war, dass ich keine Vorurteile habe.
43:36Was mir passiert ist, passiert uns allen jeden Tag.
43:39Wir urteilen über Orte, die wir nie richtig besucht haben.
43:42Und über Leute, die wir nicht kennen.
43:47Menschen in Hochhaussiedlungen fühlen sich dadurch diskriminiert.
43:50Rheinstein ist das beste Beispiel.
43:51In dem Stadtteil läuft nicht alles perfekt.
43:54Doch es wird viel getan.
43:56Viele lieben es hier, leben hier gerne und sind stolz auf ihre Heimat.
44:00In Zeiten von hohen Mieten und Wohnungsnot
44:02kann man sich doch ohnehin nicht mehr aussuchen, wo man wohnt.
44:06Wenn wir aufhören möchten,
44:07einen großen Teil unserer Gesellschaft vorschnell abzustempeln,
44:10dann müssen wir uns von solchen Klischees lösen.
44:14Denn den ehrlichsten Eindruck von Menschen gewinnt man,
44:17indem man sich sein eigenes Bild macht.
44:19Das habe ich getan.
44:20Die letzten sieben Tage.
44:22Und ich fand im Schatten der Hochhäuser
44:23einen lebenswerten Ort und Menschen mit ganz viel Herz.
44:28Ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja,
44:38ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja,
44:38ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja,
44:39ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja,
44:39ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja,
44:39ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja
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