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00:09My name is Anja Reschke. I'm a journalist.
00:13In the year, in which I was 29, I became Panorama-Moderatorian.
00:18A nice show, a little more Föhn-Frisur, and I was in the Tagesschau.
00:24I was a member of the network research.
00:28I moderate three episodes. One of them trägt sogar meinen Namen.
00:33And I can on all the fingers pfeifen.
00:42Guten Abend, Frau Reschke.
00:43But after all the years as a journalist, I realized,
00:46if you really want to change something, then you need this here.
00:50And break up my habits.
00:52Das Scheißzeug macht einen unbesiegbar.
00:55Damit kann man die Welt erobern.
00:57Und ich rede weder vom Journalismus noch von dem hier.
01:01Ich rede davon.
01:03Damit kann man großzügig spenden.
01:05Zum Beispiel im Wahlkampf.
01:06Man kann ins All fliegen, Medienunternehmen kaufen,
01:09eine Stadt mieten, eine Stiftung oder eine eigene Partei gründen.
01:12Sprich, man kann mit Geld so richtig die Welt verändern.
01:15Je mehr, desto mehr Einflussmöglichkeiten.
01:18Am besten also, man hat viel davon.
01:20Sehr viel.
01:21So wie die hier.
01:23Tja, an die denken Sie wahrscheinlich auch zuerst,
01:26wenn Sie Milliardär hören, oder?
01:28Aber kennen Sie den hier?
01:30Oder Sie?
01:31Ihn hier?
01:32Oder den?
01:33Ah, stopp!
01:34Klaus-Michael Kühne, den kenne ich.
01:35Das ist doch der reichste Deutsche.
01:36Hm, aktuell ist es eher hier.
01:39Aber von Dieter Schwarz gibt's halt nicht mal ein Foto.
01:42Alles Deutsche Multimilliardäre.
01:44Ich bin nicht so sicher,
01:45ob ich die beim Bäcker in der Schlange erkennen würde.
01:48Dabei gibt es gar nicht so wenig von denen.
01:50Deutschland hat nach den USA, China und Indien
01:52die meisten Milliardäre.
01:54Krass, oder?
01:562025 waren es laut Forbes 171 Milliardäre in Deutschland.
02:00Und die Zahl steigt genau wie ihr Vermögen.
02:03Jahr für Jahr.
02:04Aber so richtig viel bekommt man von denen nicht mit.
02:07Man hört ja immer nur von dieser schrecklich glamourösen Familie auf RTL.
02:10Weißt du, was wir in Ägypten machen können?
02:12Da kannst du Araber mieten.
02:14Araber mieten.
02:14Da kannst du Araber mieten.
02:17Und reiht es auf denen.
02:21Mama, das ist krank.
02:22Wieso ist das krank?
02:24Mama meinte nicht Menschen.
02:26Was hast du gesagt?
02:27Araber, Pferde.
02:29Gut, die Geißens sind sowieso eine eigene Kategorie.
02:31Milliardäre sind sie jedenfalls nicht.
02:33Ihr Vermögen wird nur so auf um und bei 100 Millionen geschätzt.
02:37Damit gelten sie gerade mal als superreich.
02:39Jetzt könnte man sagen, eine Million oder eine Milliarde,
02:42Hauptsache Italien.
02:43Aber das macht schon einen Unterschied.
02:45Ich zeig's Ihnen mal.
02:46Das hier ist das Vermögen von Dieter Schwarz.
02:50Aktuell ändert sich ja immer je nach Aktienwert reichster Deutscher.
02:53Er ist Gründer und Eigentümer der Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl und Kaufland gehören.
03:00Laut Forbes rund 42 Milliarden Euro schwer.
03:05Oh, schwer.
03:07Das prickelt ja.
03:09Und eine Million wäre im Vergleich dazu nicht etwa das hier.
03:13Nein.
03:15Das hier wäre eine Million.
03:17Und ihr Vermögen, also das eines Durchschnittsdeutschen, wollten wir auch zeigen.
03:20Aber ähm, sorry, ist leider gerade verdunstet.
03:23Die Vermögensungleichheit in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten verfestigt.
03:28Darauf 100 Mille.
03:32Ah, Prost.
03:33Wie verfestigt sich das denn?
03:35Laut World Inequality Report konnten insbesondere die sehr reichen Haushalte ihr Vermögen deutlich schneller steigern als der Durchschnitt.
03:43Unter anderem durch Immos und Dollars.
03:45Platt gesagt, sie lassen ihr Geld für sich arbeiten.
03:48Und gleichzeitig hört man...
03:49Arme Menschen werden ärmer.
03:51Steigende Preise, immer höhere Mieten, haben Sie vielleicht auch schon gespürt.
03:54Und ein Päckchen Butter kostet jetzt doppelt so viel wie vor fünf Jahren.
03:58Und was passiert, wenn Menschen immer stärker das Gefühl haben, ihnen wird die Butter vom Brot genommen?
04:04Wenn wir uns die Geschichte anschauen, finden wir einen bunten Strauß an Lehren,
04:08was extreme Ungleichheit mit der Gesellschaft anstellen kann.
04:12Im alten Rom machte der Adel rund ein Prozent der Bevölkerung aus und besaß scheiße viel.
04:17Während die Massen im engen Mietskasernen hausten,
04:20saßen die Reichen auf beheiztem Marmorkloß und badeten im Luxus,
04:24bis das römische Reich in alle Einzelteile zerviel.
04:27Schöne Scheiße.
04:28Zur Zeit der französischen Revolution waren Volk und Staat arm dran.
04:32Klerus und Adel hingegen schwelgten im Überfluss und empfahlen,
04:36wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen.
04:39Netter Ratschlag.
04:41Der Bevölkerung blieb nur der Hunger und den stellte sie schließlich mit Kopfsalat.
04:46Bon Appetit.
04:47Auch während der Weimarer Republik zeigte sich, extreme Ungleichheit ist brandgefährlich.
04:53Während es der breiten Masse schlecht ging, lebten andere in Saus und Braus.
04:58Es herrschte Krise.
04:59Und wo Krise ist, sind die einfachen Antworten nicht weit.
05:02Schuld sind natürlich die anderen.
05:04Am besten eine Minderheit.
05:06Der Rest, naja, deutsche Geschichte.
05:08Gut, dass sich diese bekanntermaßen nicht wiederholt.
05:11Und wenn ein Großteil der Reichsten mit einem Schiff unterwegs ist und auf einen Eisberg trifft,
05:18rettet sich wer kann.
05:19Also vor allem die mit dem Geld.
05:21Überlebende der ersten Klasse 62 Prozent, der dritten 25.
05:26Reiche und Erben zuerst.
05:28Tja, und jetzt erleben wir den Menschen, äh, oder doch eher milliardärsgemachten Klimawandel.
05:33Keine Eisberge mehr, keine Gefahr mehr für die Yacht.
05:36Win-win für die Reichen.
05:38Los für alle, die im Schlauchboot sitzen.
05:40Naja, sollen sie doch schwimmen lernen.
05:45Ja, die Geschichte zeigt, wenn die Ungleichheit zu groß wird, dann kann das schlimme Konsequenzen
05:49haben für alle von uns.
05:51Auch heute.
05:51Wenn die ärmeren Schichten wirtschaftlich zurückfallen, bekommen rechtsradikale Parteien
05:55bei Wahlen Aufwind.
05:57Dazu gibt es mehrere Studien.
05:58Menschen, die sozial schlechter gestellt sind und sich in der Gesellschaft abgewertet
06:02fühlen, neigen dazu, radikale Parteien zu unterstützen.
06:06Die Politikwissenschaftlerin Martina Linatas forscht seit Jahren zu Ungleichheit.
06:10Gerade Menschen in Armut, aber auch in der Mitte der Gesellschaft verlieren zunehmend
06:13ihr Vertrauen in politische Institutionen.
06:15Das ist ganz gefährlich.
06:16Sie sehen, dass eben vor allem Politik gemacht wird für die da oben, was in Teilen leider
06:22auch stimmt.
06:23Und dann wenden sich die Menschen ab von etablierten Parteien hin zu extremistischen Parteien
06:27und in Deutschland vor allem zu rechtsextremistischen Parteien.
06:31So weit, so schlecht.
06:33Das ist nämlich die Situation, in der wir uns gerade befinden.
06:35Und neu ist die ehrlich gesagt nicht.
06:38Seit ich Journalistin bin, berichten wir darüber, dass die Schere zwischen Arm und Reich
06:42immer weiter auseinander geht.
06:44An Erkenntnis mangelt es also nicht.
06:46Also, warum ändert sich nichts?
06:48Das hat vor allem drei wesentliche Gründe.
06:51Als Champagner-Begleitung für den Abend haben wir heute zuerst einmal eine Flasche mit
06:56alten, hartnäckigen Glaubenssätzen.
06:58Darauf folgt aus guter Lagerung eine Sorte Einfluss vom Weingut des Lobbyismus.
07:03Und zu guter Letzt ein besonders edler Tropfen, der wird so gar nicht mehr hergestellt.
07:07Ein 1997er Jahrgang Vermögenssteuer.
07:10Extra trocken.
07:12Wohl bekommt's.
07:13Okay, vielen Dank.
07:15Also, dann starten wir doch mal mit den Glaubenssätzen.
07:17Wenn es nämlich um Reichtum geht, dann haben Sie doch sicher auch diese Stimmen im Kopf.
07:21Jeder kann es schaffen.
07:23Leistung lohnt sich.
07:24Von nichts kommt nichts.
07:25Jeder ist seines Glückes Schmied.
07:26Kennen Sie diese Glaubenssätze auch?
07:28Vielleicht sollten wir die mal überprüfen.
07:31Also, was hatten wir?
07:32Jeder kann es schaffen.
07:34Okay, wirklich jeder?
07:36Kann jeder reich werden?
07:37Eine neue Untersuchung belegt, wie dieselben Eliten seit mehr als 100 Jahren die deutsche
07:42Wirtschaft lenken.
07:44Ob Kaiserreich, Faschismus oder Demokratie, die Eliten kommen immer aus dem Adel, Großbürgertum
07:50oder Bürgertum.
07:50Was natürlich umgekehrt bedeutet, ganz viele sind nicht dabei.
07:54Menschen mit Migrationsgeschichte schon mal zum Beispiel.
07:56Ostdeutsche scheinen bisher auch schlechte Karten gehabt zu haben.
07:59Frauen?
08:00Naja, sage ich jetzt mal nichts zu.
08:01Menschen mit niedrigen Bildungschancen, die haben es auch schwer.
08:04Alles Merkmale, die Reichtum in der Vergangenheit statistisch eher unwahrscheinlich gemacht
08:09haben.
08:09Aber es gibt ja tatsächlich Menschen in Deutschland, die es von ganz unten nach ganz oben geschafft
08:14haben.
08:14Kennen Sie zum Beispiel die Geschichte vom Maschmeyer zum Milliardär?
08:18Mit wenig gestartet, hatte schlechte Perspektive, uneheliches Kind, nie einen Vater gesehen,
08:24Sport, den Leistungsgedanken bekommen, Verkäufer, Unternehmer, Investor.
08:29Eben, sowas gibt's auch.
08:30Deshalb funktioniert der Glaubenssatz so gut.
08:33Eine Aufstiegsgeschichte wie beim Wolf of Wall Street.
08:36Obwohl Maschmeyer in Deutschland ja eher als Löwe auf Höhle bekannt ist.
08:40Er hat es jedenfalls geschafft, Millionen aber nicht.
08:42Würden Sie deshalb sagen, dass es wirklich jeder schaffen kann?
08:44Einer von 80 Millionen.
08:47Nein, nein, nein.
08:49Bleiben wir mal korrekt.
08:51171 von 83,6 Millionen können es schaffen.
08:55Fakt ist, die Ausnahme macht noch lange nicht die Regel.
08:58Allein statistisch bleibt den meisten hart arbeitenden Menschen so eine Aufstiegsgeschichte
09:02leider verwehrt.
09:03Naja gut, aber bei es schaffen muss es ja auch nicht unbedingt darum gehen, superreich zu werden.
09:08Es wäre ja überhaupt schon schön, mal sozial aufzusteigen.
09:11Sozialer Aufstieg kann in Deutschland sechs Generationen dauern.
09:15Sechs Generationen, also in der Regel mehr als 150 Jahre.
09:18Das liegt daran, dass in Deutschland das Einkommen, der Beruf und das Bildungsniveau
09:23oft von Generation an Generation weitergegeben wird.
09:26Und natürlich auch das Vermögen.
09:27Man kann sich schon einen Teil seines Vermögens selber aufbauen und das passiert auch nach
09:31wie vor auf jeden Fall.
09:32Aber rein statistisch gesehen ist es so, dass wir mittlerweile eher eine Erbengesellschaft
09:35sind.
09:36Also wenn man sich Vermögen anguckt, dann ist mittlerweile schon Stand heute das so,
09:40dass mehr als die Hälfte aller Vermögen eben nicht selbst aufgebaut wird, nicht selbst
09:44erarbeitet wird, sondern einem durch Erbschaften und Schenkungen in den Schoß fällt.
09:47Okay, Leistung lohnt sich zwar, aber erben halt noch viel mehr.
09:51Und wenn man in Deutschland Milliardär werden möchte, dann ist so ein Erbe doch von immensem Vorteil.
09:55In Deutschland sind drei von vier Milliardären reich geboren.
10:00Daher kleiner Finanztipp von mir. Wählen Sie das nächste Mal weise, in welche Familie
10:04Sie geboren werden. Hm. Wie würde das klingen? Anja Quandt? Anja Kühne? Ne, Anja Schwarz.
10:15Das hört sich doch am besten an, oder? Obwohl, dann hieß sie die Sendung ja Schwarz-Fernsehen.
10:20Gut, aber als Millionenerbe hat man es auch nicht leicht. Man denke mal an die ganze Verantwortung,
10:24den Druck und die schwierigen Fragen von Journalisten.
10:27Gab es schon mal was, was ihr euch im Leben nicht leisten konntet?
10:31Klar. Auf jeden Fall.
10:33Safe.
10:33Zum Beispiel?
10:35Ja, viel.
10:41Material things.
10:43Ja, das sind wirklich materielle Sachen.
10:45Material things, aber...
10:48Was denn zum Beispiel?
10:50Ähm, sicherlich, also...
10:52Ich werde da jeden Tag mit konfrontiert mit Sachen, die ich mir nicht leisten kann, ne?
10:55Aber was mitzuhaben, was du dir nicht leisten kannst?
10:59You can always get a better something.
11:02Sehen Sie? Stressig.
11:04Aber um a better something zu bekommen, muss man einfach die Dinge selbst in die Hand nehmen.
11:08Genau.
11:09Jeder ist seines Glückes Schmied.
11:11Ah, ein besonders vollmundiger Glaubenssatz.
11:14Wie schmeckt der, wenn man zum Beispiel Erbe eines großen Bankhauses ist und ein Vermögen
11:21von geschätzt 1,4 Milliarden Euro hat?
11:23Das Erbe ist da.
11:27Ich hatte einen guten Start ins Leben.
11:29Das ist gar keine Frage.
11:31Aber das ist nicht das, was ich im Leben verdient habe.
11:33Ja, was hat man sich verdient und was nicht?
11:35Nun, unser Gehirn trickst uns da mitunter etwas aus.
11:38Habe ich neulich auch gemerkt beim Monopoly-Spielen.
11:40Also, wir spielen jetzt Monopoly, aber nach besonderen Regeln, okay?
11:43Ich bekomme das hier und du bekommst das.
11:47Das ist ja nur die Hälfte. Voll unfair.
11:49Ja.
11:49Aber es steht hier so.
11:50Ich bekomme das doppelte Startkapital und jedes Mal, wenn ich immer losgehe, bekomme
11:54ich auch das doppelte Gehalt.
11:56Und außerdem darf ich mit zwei Würfeln spielen und du nur mit einem.
11:59Gut.
11:59Dann darfst du anfangen.
12:04Gewonnen.
12:05Gewonnen.
12:06Hab ich gut gespielt.
12:08Mann, hab ich gut gespielt.
12:08Hast du gesehen, wie gut ich gespielt hab?
12:10Toll.
12:11Ich hatte ja überhaupt keine Chance.
12:13Du hattest viel mehr Startkapital.
12:15Und bei der Rendite ...
12:17Das ist ja total ungerecht.
12:18Also, jetzt übertreibst du aber ...
12:20So viel war das nicht.
12:22Und ich hab einfach auch wirklich wahnsinnig gut investiert.
12:26Ja gut, da bin ich wohl genau in die Falle getappt, in die die meisten von uns treten.
12:29Und das ist sogar wissenschaftlich erwiesen.
12:31Paul Piff, Professor für Psychologie an der University of California, hat genau dieses Monopoly-Experiment mit verschiedenen Testpersonen gemacht.
12:40Und der reiche Spieler begann, sich etwas anders zu verhalten.
12:43Die reichen Spieler werden dominanter.
12:46Reiche Spieler essen mehr Brezeln, während sie ihre Figur auf dem Brett bewegen.
12:50Sie werden lauter.
12:51Sie fangen an, mit ihrer Figur auf das Brett zu knallen.
12:53Auf das ganze Brett.
12:59Und die reichen Spieler werden deutlich unhöflicher.
13:03Die reichen Spieler wurden lauter dominanter, unhöflicher und hatten anscheinend mega Bock auf Brezeln.
13:09Dabei war ja eigentlich von vornherein klar, dass sie gewinnen würden.
13:12Nur, das sahen die reichen Spieler ganz anders.
13:14Aber keiner, kein einziger der reichen Spieler hat seinen unausweichlichen Erfolg in diesem Spiel auf die glückliche Fügung zurückgeführt,
13:24die ihn zufällig in diese privilegierte Position gebracht hat.
13:31Die reichen Spieler dachten alle, sie seien ihres Glückes Schmied.
13:35Haben halt nur vergessen, dass sie einen sehr viel fetteren Hammer und einen bedeutend größeren Ambus hingestellt gekriegt haben.
13:42Aber glauben Sie nicht, dass Milliardäre an sich besonders abgehoben werden?
13:45Das zeigt ja das Experiment.
13:47Alle Menschen sind anfällig für diese Dynamik.
13:52Aber unser Gehirn ist eben leider langfristig kaum in der Lage,
13:56zwischen verdientem und unverdientem Erfolg zu unterscheiden.
13:59Boah, Erwachsene.
14:02Okay, und was heißt das jetzt?
14:03Dass die Glaubenssätze falsch sind?
14:05Dass sich anstrengend lohnt?
14:07Dass man die Verantwortung für sich abgeben soll?
14:09Nein, natürlich nicht.
14:11Nur umgekehrt kann man halt auch nicht pauschal sagen,
14:14dass arme Schuld sind an ihrer Armut und Reiche sich ihren Reichtum verdient haben.
14:19Oh, Flasche leer.
14:20Ich nehme an, die Glaubenssätze haben gemundet.
14:23Die perfekte Grundlage, um unsere nächsten Trampfen voll zur Geltung zu bringen.
14:28Einfluss aus dem Weingut des Lobbyismus.
14:30Ui, na das klingt ja interessant.
14:32Ui, der perlt ja schön.
14:35Eine mächtige Lobby kämpft seit Jahren gegen eine faire Besteuerung von übergroßem Reichtum.
14:41Oh, prickelt doch bisschen doll. Hoffentlich schlägt der mir nachher nicht auf den Magen.
14:45Wenig bekannt, irreführender Name, eng vernetzt mit der Politik. Das ist die Stiftung Familienunternehmen.
14:50Mh, Familienunternehmen. Also das klingt doch wirklich schön.
14:54So nach der kleinen Bäckerei von nebenan, in der das Rezept für den luftigen Marmorkuchen
14:59von Generation zu Generation weitergegeben wird.
15:02Wie hier bei der Familienkonditorei Oetker.
15:05Ah, das schmeckt immer so lecker bei denen.
15:07Oder der nette Herr Drogist DM von gegenüber, der hat mich neulich so gut beraten bei der Fleckentfernung.
15:13Und hier, dieser Elektro-Laden seit vier Generationen in Familienhand, bei dem schon mein Vater seinen ersten...
15:20Okay, Sie merken, die hier sind alles andere als die kleinen Familienbetriebe von nebenan.
15:26Das sind Multimilliarden-Konzerne, die sehr reichen deutschen Familien gehören.
15:31Und die prägen die Stiftung Familienunternehmen.
15:34Getragen von rund 600 Firmen aus dem Kreis größerer Familienunternehmen.
15:38600 von insgesamt 3,2 Millionen Familienunternehmen in Deutschland.
15:43Moment mal, da sind ja gerade mal 0,02 Prozent.
15:47Und was bedeutet das? Kann das mal ein Professor übersetzen?
15:50Zum Beispiel Sebastian Eichfelder von der Uni Magdeburg?
15:53Wir müssen halt uns auch, glaube ich, vor Augen führen, was die Stiftung letztlich ist
15:57oder wessen Interessen sie vertritt.
15:58Sie vertritt nämlich nicht die Interessen der Familienunternehmen in Deutschland.
16:02Denn die Familienunternehmen in Deutschland sind in der Regel viel, viel kleiner als die Mitglieder,
16:07die eben in der Stiftung hauptsächlich Einfluss nehmen.
16:10Letztlich geht es hier um die Interessen der größten Familienunternehmen in Deutschland.
16:14Und das heißt der reichsten Familien in Deutschland.
16:17Aha! Und was sind denn so die Interessen der reichsten Familien in Deutschland?
16:21Für was setzen sie sich denn so ein? Was ist denn das Mantra?
16:33No, not that, but that's what I would say.
16:47Steht auf der Website der Stiftung Familienunternehmen.
16:50Steuern sind schädlich für die Wirtschaft.
16:52Und um die steht es ja eh schon schlecht, hören wir ja seit Jahren.
16:55Alle zwei Jahre wird die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland gemessen.
16:59Und schauen Sie mal, Deutschland steht nur auf Platz 17 von 21.
17:04Das ist ja miserabel. Und warum?
17:07Naja, wegen der Bürokratie kennt man ja. Und? Wegen zu hoher Steuern.
17:12Okay, und wer beauftragt diese Studie?
17:15Moment mal, das ist ja komisch.
17:17Also die Stiftung Familienunternehmen geben selbst eine Studie heraus,
17:20die dann rein zufällig genau ihrer Kritik entspricht?
17:24Ist das dann etwa eine zweifelhafte Auftragsstudie?
17:27Ja, genau so bezeichnet es Lobby Control.
17:29Und in dieser zweifelhaften Auftragsstudie kommt heraus,
17:32wie Familienunternehmer den Standort Deutschland schlechter rechnen.
17:36Aber wie genau machen die das?
17:37Also der Hauptkritikpunkt am Länderindex Familienunternehmen ist,
17:41dass Steuern massiv übergewichtet werden im Verhältnis zu,
17:45was wir von anderen Indizes wissen, was wir von Befragungen von Unternehmen wissen.
17:50Ja, also im Grunde kann man sagen, die Stiftung hat ihre eigenen Mitglieder befragt.
17:53Was ist euch wichtig?
17:55Wohlwissend, dass man ja bestimmte Lobbyziele verfolgt.
17:58Und genau diese Faktoren, die dann eben auch in den Lobbyzielen der Stiftung eine wichtige Rolle spielen,
18:04tauchen dann wieder im Index auf. Ja, wenig überraschend, würde ich sagen.
18:08Ein Geringverdiener, wer Böses dabei denkt.
18:10Die Stiftung Familienunternehmen findet die Kritik nicht nachvollziehbar.
18:14Sie schreiben uns, das Thema Steuern hätte für Familienunternehmen eben eine besondere Bedeutung.
18:20Und das Institut, das die Studie verfasst hat, hat uns geantwortet,
18:23dass man die Gewichtung der Faktoren an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert hätte.
18:28Aber, sie haben auch geschrieben, dass eine Überprüfung der Gewichtung
18:32für den nächsten Länderindex geplant sei.
18:35Gut, jetzt ist ja auch die CDU in der Regierung und die hat sowieso versprochen,
18:39die Steuern für Unternehmen zu senken.
18:40Leute, endlich ist Sommer.
18:43Und für gute Laune sorgt nicht nur das Wetter, sondern auch die CDU-geführte Bundesregierung.
18:51Apropos CDU.
18:52Die Bürgervereinigung Finanzwende e.V. hat mal ausgewertet,
18:56an welche Parteien so in den letzten Jahren Spenden von Personen aus dem Umfeld der Stiftung Familienunternehmen gegangen sind.
19:03Also von Personen des Kuratoriums oder der Geschäftsführung.
19:07Und das sind nur die Zahlen, die öffentlich so zugänglich waren.
19:1196.000 Euro gingen an die Grünen.
19:14Nett.
19:14Fast eine Million bekam die FDP.
19:17Oho.
19:17Und ihr Liebling, die Union, bekam knapp 1,98 Millionen Euro in die Hand gedrückt.
19:25Ach ja, und an die SPD sind keine größeren Spenden zu finden.
19:29Muss wahrscheinlich auch nicht, weil die machen ja sowieso alles mit.
19:31Die SPD ist per se cool.
19:33Sau cool, Herr Generalsekretär.
19:36Äh, vielen Dank.
19:38Aber ich glaube, wir müssen das jetzt nicht unbedingt nochmal mit Champagner veranschaulichen.
19:41Ich glaube, die Zuschauer haben auch so verstanden, wie viel mehr Union und FDP profitieren.
19:45Auf jeden Fall pflegt man guten Kontakt zur Politik.
19:49Wenn zum Beispiel zum Tag des Familienunternehmens ins schnucklige Familienhotel Adlon direkt am Brandenburger Tor eingeladen wird,
19:57dann kommen sie alle gerne.
19:59Also da hätten wir Friedrich Merz, Thorsten Frey, Carsten Linnemann und Katharina Reiche von der CDU.
20:05Robert Habeck von den Grünen war selbstverständlich auch da.
20:08Boris Pistorius von der SPD.
20:11Und wer hätte es gedacht?
20:12FDP-Mann Christian Lindner.
20:14Schön, dass man sich ab und zu mal trifft.
20:16Das ist ja auch wirklich wichtig für den Zusammenhalt.
20:18Aber so ganz umsonst wären da doch sicher nicht seit Jahrzehnten Schnittchen gereicht, oder?
20:25Denn wie schrieb uns noch die Stiftung Familienunternehmen?
20:28Steuern haben für Familienunternehmen eine ganz besondere Bedeutung.
20:32Ich glaube, nun wird es Zeit für die dritte Flasche des heutigen Abends.
20:35Ah, okay.
20:38Die Vermögensteuer?
20:39Ein ganz exquisiter Tropfen, wird so gar nicht mehr hergestellt.
20:43War nur den reichsten der Reichen vorbehalten, dem oberen Prozent.
20:46Oh Gott, ich kann überhaupt nicht mehr.
20:48Ich bin jetzt schon ganz benebel.
20:49Ich kann die mehr.
20:51Wir sind alle alkoholfrei.
20:53Ach so.
20:55Da die Vermögensteuer seit 1997 ausgesetzt ist,
20:58muss derzeit niemand in Deutschland eine Vermögensteuer zahlen.
21:01Seit 1997.
21:03Schon ein bisschen her, ne?
21:05Da ist der Film Titanic rausgekommen.
21:13Dabei hatte die Vermögensteuer so viel überstanden.
21:17Eingeführt wurde sie im Kaiserreich.
21:19Sie hat zwei Weltkriege überlebt.
21:21Und danach das Wirtschaftswunder mit möglich gemacht.
21:24Nach 1945 war nämlich Vermögensabgaben besonders hoch.
21:29Auch mit den Steuern der Wohlhabenden wurde die Bundesrepublik aufgebaut.
21:32Die deutsche Teilung und Wiedervereinigung hat die Vermögenssteuer zumindest in Westdeutschland unbeschadet überlebt.
21:40Aber das Licht des neuen Jahrtausends sollte sie nicht mehr erblicken.
21:451997 zerschellte die Vermögenssteuer und versank in dunklen Tiefen.
21:50Es war mir eine Ehre, heute mit Ihnen spielen zu dürfen.
21:55Was sie am Ende untergehen ließ?
21:57Naja, nicht ganz unbeteiligt daran war eine Organisation.
22:01Nein, nicht die Stiftung Familienunternehmen.
22:04Was ganz anderes.
22:06Der Verein Die Familienunternehmer.
22:09Wie die immer auf ihre Namen kommen.
22:11Der Verein Die Familienunternehmer ist nämlich eine weitere Organisation,
22:15deren Vorstand gespickt ist mit Vertretern von international tätigen, milliardenschweren Unternehmen wie Henkel, Dr. Oetker oder Merck.
22:22Und dieser Verein rühmt sich damit, in den 1990ern erfolgreich gegen die Vermögensteuer geklagt zu haben.
22:29Tatsächlich war sie nämlich in ihrer damaligen Form nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.
22:34Aber nicht, weil sie so ungerecht war oder der Wirtschaft geschadet hätte.
22:371995 hatten die Verfassungsrichter kritisiert, die Besitzer von Immobilien würden zu wenig Vermögensteuern zahlen.
22:46Ein Urteil, das Kohl und sein Finanzminister Theo Weigel auf ihre Weise nutzen.
22:52Genau. Anstatt die Bewertung von Vermögen zu reformieren, haben Kohl und Weigel einfach nichts gemacht.
22:57Und damit blieb die Steuer ausgesetzt.
22:59Vermögensteuer passt halt nicht in ihre Agenda.
23:02Wem eine Steuer für die Reichsten der Reichen eigentlich in die Agenda gepasst hätte,
23:06der SPD.
23:08Die hatten die Vermögensteuer auch immer wieder im Wahlprogramm stehen.
23:11Och, wenn die in den letzten 20 Jahren nur mal an der Regierung gewesen wären.
23:20Und so haben wir halt in Deutschland seit 28 Jahren keine Vermögensteuer mehr.
23:25Die Vermögensteuer kommt gar nicht.
23:26Und dass das so bleibt, darauf passt die Lobby der Reichen schon auf.
23:30Also zum Beispiel eben der Verein der Familienunternehmer.
23:33Etwa mit so schönen Filmen wie diesen hier.
23:36Familienunternehmer kümmern sich nicht nur um ihr Unternehmen.
23:38Sie machen so viel mehr möglich.
23:40Für unser Land und seine Regionen.
23:42So eine hochwertige Grafik.
23:44Man sieht einfach, dass da Geld dahinter steckt.
23:46Und dann auch noch dieses unverwechselbare Magenta,
23:49das man auch gar nicht mit einer anderen Marke in Verbindung bringt.
23:52Was machen Familienunternehmer denn sonst noch so?
23:54Wie geht's denn weiter?
23:55Sie halten den Ball in Bewegung, wenn Vereine vor Ort einen Engpass haben.
23:59Familienunternehmen springen da in die Bresche, wo Hilfe gebraucht wird.
24:02Sie unterstützen Kitas genauso wie das tägliche Seniorenschwimmen.
24:06Also das klingt ja fantastisch.
24:08Und haben Sie davon schon was gespürt?
24:09Ist es bei Ihnen schon angekommen?
24:11In Schleswig-Holstein fehlen 120 Millionen Euro zur Finanzierung der Kindertagesstätten.
24:17Überall in Bayern haben die Kommunen massive Geldsorgen.
24:21Leistungen wie Soziales, Sport, Kultur und Klimaschutz stehen auf der Kippe.
24:27Zahlreiche Freibäder sind von Teilschließungen bedroht,
24:29weil den Kommunen das Geld fehlt.
24:32Stimmt.
24:33Kultur, Kita, Schwimmbäder, das ist ja eigentlich Sache des Staates.
24:36Und dem fehlt seit Jahren das Geld.
24:39Was könnte denn dem Staat Geld einbringen?
24:41Fällt Ihnen da irgendwas ein?
24:45Ach ja, die Vermögensteuer.
24:48Danke, Herrmann.
24:49Wenn man die Vermögensteuer wieder einführen würde
24:51und nur das reichste 1% in Deutschland mit 1% besteuern würde,
24:55dann könnte der Staat bis zu 35 Milliarden Euro mehr einnehmen pro Jahr.
25:00So die Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
25:04Und hey, die 35 Milliarden gingen mal direkt an die Länder und Kommunen.
25:07Also fürs Schwimmbad, die Kita, der Bus könnte öfter als zweimal am Tag kommen,
25:11die Schule könnte mal neue Toiletten kriegen.
25:14Ach so, und ganz nebenbei, die Kluft zwischen Arm und Reich könnte kleiner werden.
25:19Also, warum zur Hölle macht denn da keiner was?
25:22Na ja, da muss man einfach diesen schönen Imagefilm weitergucken.
25:25Die Vermögensteuer bringt all das in Gefahr.
25:27Denn sie besteuert nicht irgendein angehäuftes Vermögen.
25:31Sie besteuert die Mittel, die in den Betrieben selbst stecken.
25:34Und damit auch das, was Familienunternehmen für uns alle so wertvoll macht.
25:38Ach so, verstehe.
25:39Wenn man also auf seine 42 oder 33 oder 29 Milliarden Euro Vermögensteuer zahlen müsste,
25:45dann hat man als Milliardär natürlich kein Geld mehr übrig für die Trikots vom SV Tralalero.
25:51Und die Senioren müssten wahrscheinlich trocken schwimmen.
25:54Ist Ihnen eigentlich mal aufgefallen, dass in diesem Film die ganze Zeit die Begriffe Familienunternehmer und Familienunternehmen vermischt werden?
26:02Vermutlich ist das kein Zufall.
26:04Denn wenn Unternehmer, also reiche Personen, und Unternehmen, also die Firma, vermischt oder gleichgesetzt werden,
26:11dann tut man sich viel schwerer, an das Vermögen zu gehen.
26:13Denn niemand will in Deutschland ja den Firmenschaden.
26:16Aber Moment mal, wenn das ganze Vermögen der Milliardäre in ihren Firmen steckt, wovon leben die denn dann Tag für
26:23Tag?
26:24Erlauben Sie, dass ich Ihnen das erkläre?
26:26Wissen Sie, warum es so kompliziert ist, das Vermögen von Milliardären zu besteuern?
26:29Ehrlich gesagt weiß ich es gerade irgendwie auch nicht mehr.
26:31Nun, die Herrschaften haben ihr Vermögen ja nicht einfach zu Hause rumliegen, wie bei Dagober Duck im Geldspeicher,
26:37sondern eben in Unternehmensaktien, in Immobilien, in Kryptowährungen.
26:42Das sind Buchgewinne. Milliarden, die auf dem Papier sind und eben nicht zu Hause im Safe.
26:46Okay, krass. Aber das heißt, die sind nie flüssig? Die können sich überhaupt nichts kaufen? Die Armen?
26:50Doch, doch. Die können sich alles kaufen. Alles.
26:53Hä? Also, ich kann als Milliardär hingehen und sagen, ich habe kein Geld, aber mir dann eine Villa kaufen?
26:59Genau. Die gehen dann zur Bank und leihen sich das Geld mit ihren Unternehmensaktien als Sicherheit.
27:03Und die Bank sagt, selbstverständlich, geben wir ihn.
27:07Okay, und wenn der Staat kommt?
27:08Na, dann sagen sie, ich habe nichts. Und der Bank sagen sie, ich habe alles. Und beide glauben es.
27:14Faszinierend, oder?
27:16Faszinierend. Läuft ja super. Also vor allem für Milliardäre.
27:20Aber heißt das jetzt, die haben das System ausgedribbelt und jetzt ist Game Over?
27:24Also rein rechtlich stecken natürlich diese Vermögen häufig in Unternehmen, aber faktisch sind das natürlich nicht immer Industrieunternehmen,
27:34sondern häufig einfach Investmentgesellschaften oder reine Immobiliengesellschaften.
27:41Von daher kann man nicht pauschal sagen, dass eine Vermögensteuer auf reiche Unternehmerfamilien immer auch Unternehmen belasten muss.
27:49Und genau deswegen ist auch das große Finale des Imagefilms zweifelhaft.
27:53Vermögensteuer ist Jobbremse, Klimaschutzbremse, Sportbremse, Kulturbremse, Kita-Bremse, Vermögensteuer ist Mittelstandsbremse.
28:06Und Rechtschreibbremse oder vielleicht ist Klimmschutz den Familienunternehmen einfach nicht so wichtig.
28:10Klimaschutz sehen laut einer neuen Umfrage der Stiftung Familienunternehmen nur vier Prozent der Betriebe als wichtigste Aufgabe der nächsten Regierung.
28:19Erwischt. Aber Milliardäre und Klimaschutz, oh Gott, also das Thema mache ich heute jetzt nicht mehr auf.
28:24Okay, es wird behauptet, die Vermögensteuer sei eine Bremse.
28:28Aber hey, super Nachricht. Es gibt sie ja seit Jahrzehnten gar nicht mehr.
28:32Da müsste ja die Unterstützung für Kitas, Sport und Kultur durch die Decke gehen.
28:36Jobs geschaffen werden wie nichts Gutes.
28:38Wissen wir doch, wenn es denen da oben gut geht, geht es allen gut.
28:42Der sogenannte Trickle-Down-Effekt. Zeige ich Ihnen mal.
28:45Das ist der wichtigste Glaubenssatz unserer Wirtschaft.
28:48Wenn wir die Reichen nicht behelligen, nicht besteuern und reich sein lassen, es denen oben also richtig gut geht, dann
28:55tropft mehr runter.
28:56Für die Ärmeren. Arbeitsplätze zum Beispiel. Toll.
29:00Und wenn es oben also allen gut geht, dann haben alle was davon.
29:05Hä, aber im Film sieht es doch immer so super aus. Da kommt überhaupt nicht richtig was an hier unten.
29:13Ist ja Mist, ich muss hier nachgießen. So ein Mist.
29:18Was geschieht also, wenn wir denen die Steuern senken?
29:21Wird die Wirtschaft angekurbelt? Werden Arbeitsplätze neu irgendwie gegründet?
29:25Ich zitiere aus meiner Lieblingsstudie von Hope & Lemberg von der London School of Economics.
29:29Der Effekt auf Wirtschaftswachstum und auf Arbeitsplätze bei Senkung von reichen Steuern war von null nicht zu unterscheiden.
29:37Der einzige langanhaltende Effekt, die Schere zwischen arm und reich, geht immer weiter auseinander.
29:42Und das bringt uns wieder an den Anfang unserer Sendung. Eine stetig wachsende Ungleichheit.
29:47Also nochmal, schaut man in die Geschichte.
29:50Ja, ja, ja, ist ja gut. Extreme Ungleichheit ist ziemlich doof für alle, sogar für die Reichen.
29:55Okay, ist ein ganz schöner Downer, aber hey, Rom ist auch nicht an einem Tag zerfallen.
30:00Aber es ist doch spannend. Das oberste 1% lobbyiert sehr erfolgreich gegen eine Vermögensteuer.
30:05Dabei ist der Großteil der Deutschen dafür.
30:08Sogar ein Verein von Superreichen fordert öffentlich Tax Me Now.
30:12Wenn sich also Parteien ernsthaft sorgen um den Zusammenhalt der Gesellschaft, um das Erstarken von Rechtsextremismus machen,
30:19dann wäre das vielleicht doch mal ein Versuch wert, die Allerreichsten zu besteuern, oder?
30:23Das war Reschke Fernsehen. Unsere nächste Staffel kommt im Herbst.
30:27Und wir sehen uns gerne zwischendrin bei Instagram.
30:29Oder wenn Sie uns vermissen, natürlich alle Folgen von uns in der ARD-Mediathek.
30:34Tschüss!
30:34So, ich gönne mir jetzt nochmal so ein kleines Gläschen.
30:37Oh, vielen Dank. Haben Sie schon was vorbereitet?
30:39Selbstverständlich.
30:40Das könnten Sie mal mit mir anstoßen, ne?
30:42Das ist eine Feierabendung.
30:43Auf Walter Münster, auf Teleurismus. Was ist das?
30:47Das ist eine Feierabendung.
30:47Das ist eine Feierabendung.
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