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00:01Hi. Hi. Hi. Hi. Hi. Hi. Danke. Hi. Hi. Hi. Hi. Hi. Wo ist das Biest?
00:25Herzlich willkommen zum Reschke Fernsehen, dem Deep Dive ins Besserwissen.
00:30Heute kümmern wir uns um den Schrecken der Meere, den größten Killer der Ozeane, um den Menschen, also auch.
00:37Aber hauptsächlich geht es bei uns um Haie. Wir finden heraus, wieso Haie vielleicht wichtiger fürs Klima sind als Greta
00:42Thunberg,
00:43was Haie mit Impfungen und geschmackloser Suppe zu tun haben und warum Haie besonders gefährlich sind, wenn sie in Verbindung
00:50mit einem Tornado auftreten.
01:09Sharknado. Ein absolutes Highlight der Filmgeschichte. Davon gibt es inzwischen sechs Teile.
01:15Also wenn Sie mich fragen, ab Teil drei wurde es irgendwie redundant.
01:18Aber auch ohne Tornados und Kettensägen weiß doch jedes Kind, Haie sind böse. Haie sind Monster.
01:26Die ultimative Gefahr aus dem Meer. Spätestens seit Steven Spielbergs Der Weiße Hai ist das fest in unseren Köpfen verankert.
01:34Von der Kinderserie bis zum Horrorfilm.
01:51Baby, hai, du-du-du-du-du-du, baby, hai, du-du-du-du-du, baby, hai.
01:56Keine Angst, Frau Reschke. Ich werde die Bestie erledigen. Und dann mache ich Ihnen eine schöne Haifisch-Zahnkette.
02:02Ralf Möller, was machst du denn hier? Einen auf Hemingway, der alte Mann und das Meer, oder wie?
02:06Also wenn ich an Ralf Möller und das Meer denke, dann kommt mir ja eigentlich ein anderes Werk in den
02:10Sinn.
02:18Ralf Möller, alias Sven Hansen, ein Ex-Kampfschwimmer, erschießt den Megalodon aus dem Hubschrauber mit einem Raketenwerfer.
02:26High Alarm auf Mallorca, ein Meisterwerk von Anfang des Jahrtausends.
02:30Als Filme noch voller Action waren und Weisheiten.
02:33Und da wollen Sie jetzt wirklich rein?
02:35Warum nicht?
02:36Vielleicht erkennen Sie dann, dass Haie keine reißenden Bestien sind.
02:39Ich glaube, dass es keine gute Idee ist.
02:42Glauben Sie es oder wissen Sie es?
02:44Ich glaube, dass 1 und 1 2 macht. Haie fressen Menschen.
02:48Ein kluger Mann und ein echt guter Schauspieler.
02:51Ja, nur eben leider komplett falsch informiert. Schauen wir doch mal auf die Fakten.
02:55Wie viele Menschen sterben weltweit jedes Jahr durch Hai-Attacken? Im Schnitt nicht mal 10.
03:00Wie viele Haie sterben weltweit jedes Jahr durch Menschen-Attacken? Mindestens 100 Millionen.
03:06Durch industriellen Fischfang nämlich. Jede Stunde mehr als 11.000 Tiere.
03:11Jetzt mögen Sie vielleicht entspannt zu Hause auf dem Sofa sitzen, Ihre Schillerlocken snacken und sich denken...
03:16Das interessiert mich alles nicht, der Scheißträger.
03:18Sollte Sie aber interessieren. Denn wenn Sie glauben, Sie hätten eh nichts mit Haien zu tun, dann können Sie sich
03:23das abschminken.
03:24Also im Ernst, Sie können sich das wirklich abschminken.
03:26Denn es könnte sein, dass Sie sich schon mal, ohne es zu wissen, Hai ins Gesicht geschmiert haben.
03:31Millionen Haie sterben jedes Jahr, weil ihre Leber einen gefragten Stoff enthält, der für Kosmetika verwendet wird.
03:38Und nein, gemeint ist diesmal ausnahmsweise nicht Hyaluron, sondern Squalene.
03:43Das ist eine ölige, farblose Flüssigkeit, die zum Beispiel als Grundlage für Salben oder Cremes verwendet wird.
03:49Squalene findet sich in jedem höheren Lebewesen. Am meisten allerdings in der Leber von Haien.
03:57Ihre Leber macht bis zu einem Drittel ihres gesamten Körpergewichts aus.
04:01Mehr als bei jedem anderen Lebewesen. Und das ist das Problem.
04:05Man bekommt direkt wieder Lust, die Apune rauszuholen.
04:08Squalene kann aber auch in Nahrungsergänzungsmitteln drin sein.
04:11Hier zum Beispiel diese Omega-3-Kapseln mit dem besten von einem Viertelliter Hai.
04:16Gut, auf Omega-3-Kapseln kann man natürlich verzichten.
04:19Schwerer allerdings geht das bei Medikamenten und Impfstoffen.
04:22Zum Beispiel damals in der Forschung für den Corona-Impfstoff wurde Squalene verwendet. Oder hier.
04:27Aus Haifisch gewonnenes Squalene wurde als Impfstoffadjuvans in Hunderten von Millionen von Grippeimpfstoffdosen verwendet.
04:34Wie? Ich bin mit Hai geimpft? Ja, voll die Teufel.
04:39Ja, und von den Überwachungschips von Bill Gates ganz zu schweigen.
04:43Aber davon hört man ja in den Öffentlich-Rechtlichen wieder nichts.
04:45Zurück zum Hai. Es gibt auch Positives zu berichten.
04:49Zumindest in Deutschland verwenden die meisten Beauty-Firmen inzwischen pflanzliche oder synthetische Alternativen zum tierischen Squalene.
04:56Auch die Pharmaindustrie steigt langsam auf Ersatzprodukte um.
04:59Aber das kostet im Gegensatz zum tierischen halt immer noch ein Hai denn Geld.
05:04Deshalb wird es wohl noch eine Weile dauern bis zum haifreien Impfstoffmarkt.
05:08Aber dafür ist es gut möglich, dass Sie schon mal Hai gegessen haben, ohne es zu merken.
05:12Also, wenn Sie zum Beispiel im Restaurant folgenden Fisch bestellt haben.
05:17Dornfisch, falsche Jakobsmuscheln, Kalbsfisch, Karbonadenfisch, Königsaal, Meeraal, Seeaal, Steinlachs, Wildstör, Hai.
05:27Klar, Angelegenheit. Das sind nämlich alles Tarnnamen für den Hai.
05:31Genau wie das hier. Schillerlocken.
05:33Auch bekannt als geräucherte Bauchlappen des Dornhais, benannt nach niemand Geringerem als Friedrich Schiller.
05:41Sie wissen schon, der Mann mit den Balladen.
05:43Er stand auf seines Daches Zinn und blickte mit vergnügten Sinn auf das beherrschte Samos hin.
05:49Ring des Polykrates.
05:51Sie, Frau, diesen Fisch, den ich gefangen, so wie noch keiner ist ins Netz gegangen.
05:57Dir zum Geschenke bring ich ihn.
06:00Ah, man konnte mich immer schon mit Schiller locken.
06:03Heidewitzker, Herr Kapitän.
06:04Achso, falls Sie sich fragen, was diese saublöden Hai-Wortspiele hier sollen, das ist doch gar nicht mein Niveau.
06:10Falsch. Genau das finde ich lustig.
06:12Deshalb bin ich auch eine Wette mit Ralf Möller eingegangen.
06:15Wenn ich es schaffe, 15 Hai-Wortspiele hier unterzubringen,
06:18dann muss er am Ende der Sendung ein Plädoyer für den Hai halten.
06:22So viele schaffen Sie niemals.
06:24Wetten doch?
06:27Ah, werden wir ja sehen.
06:29Denn statt ihn zu fürchten und zu jagen, müssten wir den Hai eigentlich umarmen und liebkosen.
06:37Eigentlich Mitarbeiter des Jahres, was sag ich, der letzten 400 Millionen Jahre.
06:42Hier, ein Pokal für den Dienst an der Umwelt.
06:46Kein Witz.
06:47Was die Kettensäge in Sharknado ist, ist der Hai im Kampf gegen die Klimakrise.
06:52Haie sind nämlich eine sogenannte Schlüsselspezies, wichtig fürs Ökosystem.
06:57Verschwindet der Hai, verschwindet auch die Haimat für Millionen Unterwasserbewohner.
07:02An den Korallenriffen zwischen Australien und Indonesien bedroht ein Kaskadeneffekt eine ganze Nahrungskette.
07:09Wenn dort die Haie verschwinden, drängen andere mittelgroße Raubfische nach, wie die Snapper.
07:14Die bedrohen dann die Population der pflanzenfressenden Fische.
07:18Werden die aber weniger, überwuchern die Korallen mit Algen und sterben ab.
07:22Wenn die Ökos verschwinden, dann bin ich dafür.
07:25Klingt jetzt ein bisschen nach der alte Weisemann und das Meer.
07:28Zurück zur Kettenreaktion, die ausgelöst wird, wenn der Hai verschwindet.
07:31Haie fressen nämlich Meeresschildkröten und das ist gut.
07:34Was? Die süßen kleinen Meeresschildkröten?
07:37Ja, die süßen kleinen Meeresschildkröten.
07:40Fressen und gefressen werden.
07:41Denn die süßen kleinen Meeresschildkröten lieben zum Beispiel Seegraswiesen.
07:46Und wenn sie keinen natürlichen Feind mehr haben, grasen sie die komplett ab.
07:49Und das ist nicht gut, denn Seegras ist toll.
07:52Warum? Kann Ihnen eine sehr gute Kollegin von mir erklären.
07:55Seegras ist der Regenwald des Ozeans und das ist nicht übertrieben.
07:59Seegras ist eine hervorragende Kohlenstoffsenke.
08:03Im Boden unter der Wiese bindet es Massen an CO2.
08:06Die hat Ahnung. Warum moderiert sie nicht die Sendung?
08:10Gute Frage. Also, die Geschichte ist ganz einfach.
08:13Keine Haie, kein Seegras bedeutet mehr CO2, mehr Klimaerwärmung.
08:17Und das ist nicht gut. Oder um es anders zu sagen, das ist schlecht. Sogar sehr schlecht.
08:21Die Zahl der Haie und Rochen in den Weltmeeren ist Wissenschaftlern zufolge
08:25in den vergangenen 50 Jahren um 71 Prozent gesunken.
08:29Das war ja quasi vorgestern.
08:31Ich meine, der Hai hat alles überlebt.
08:33Eiszeiten, Vulkanausbrüche, zwei Weltkriege.
08:35Aber uns ist es gelungen, eine Spezies, die älter ist als der Mount Everest,
08:40älter als Insekten, sogar älter als Dinosaurier,
08:42innerhalb von nur 50 Jahren nahezu auszurotten.
08:46Respekt.
08:47Aber warum kümmert sich denn gefühlt niemand darum?
08:50Wir bewässern gestrandete Wale, wir sammeln kleine Igel im Winter,
08:54wir verschieben Bauprojekte für den Kammmolch.
08:56Warum rettet niemand den Hai?
09:01Deshalb.
09:03Alleine beim Anblick einer Rückenflosse bekommen es viele mit der Angst zu tun.
09:07Andere wiederum holen schon mal das Messer raus.
09:09Das hier nennt sich Finning.
09:11Da werden den Tieren bei lebendigem Leibe die Flossen abgeschnitten.
09:14Anschließend werden sie einfach wieder so ins Meer zurückgeworfen,
09:17wo sie dann qualvoll verenden.
09:19In der EU ist Finning zwar mittlerweile verboten,
09:22was aber nicht bedeutet, dass es keine Jagd mehr auf die Flossen gibt.
09:24Erlaubt es nämlich, den ganzen Hai zu erlegen, in den Hafen zu bringen
09:28und ihm da die Flosse abzuschneiden.
09:30Nur um die geht es nämlich.
09:31Der Rest vom Hai, also der ganze Körper,
09:34ist für die Fischindustrie im Prinzip unwichtig,
09:36wird weggeschmissen oder weiterverarbeitet,
09:38zu Katzen- und Hundefutter zum Beispiel.
09:40Aber was wollen denn alle mit diesen Flossen?
09:44Hier, Frau Reschke.
09:45Ich habe was Feines für Sie.
09:48Oh, oh, ich ahne Schlimmes.
09:49Was gibt's denn?
09:50Eine absolute Delikatesse.
09:54Heifischflossensuppe.
09:55Heifischflossensuppe?
09:56Aber ich meine, wer heute auch nur eine Minute zugehört hat,
09:59würde doch niemals Heifischflossensuppe bestellen.
10:01Ja, Schildkrötensuppen sind halt verboten.
10:03Ja, zu Recht.
10:04Wie kann denn überhaupt Heifischflossensuppe noch legal sein?
10:07Weil sie köstlich schmecken.
10:09Und man auch sagt, dass sie gut für die Potenz sind.
10:13Männer und ihre Flossen.
10:14Und gibt's diese Suppe auch in Deutschland?
10:17Aber natürlich.
10:18Aber irgendwie sieht die komisch aus.
10:20Da sind gar keine Flossen drin.
10:21Die werden so lange gekocht, bis nur noch dünne Fäden übrig sind.
10:26Na, was schmeckt die?
10:27Nach gar nichts.
10:28Aber das ist ja das Luxuriöse.
10:30Luxuriös?
10:31Wieso, was kostet denn so eine Suppe?
10:32Man sagt bis zu 400 Dollar.
10:34400 Dollar?
10:35Aber das zahlt doch die ARD.
10:38Oder?
10:4138 Millionen Haie werden jährlich alleine wegen ihrer Flossen gejagt.
10:46Um das mal anschaulich zu machen.
10:4716.000 Tonnen Flossen werden jährlich verkauft.
10:51Um die über Land zu transportieren, bräuchte man 888 vollbeladene Tiefkühllaster.
10:57Eine 13 Kilometer lange Schlange voll mit Flossen.
11:01Zusammen 1,6 Mal das Gewicht des Eiffelturms.
11:05Ja, ja, die Franzosen und ihr Hai füllte um.
11:08Für uns Deutsche, das entspricht etwa einer Länge von 124 Fußballfeldern.
11:13Vor allem in China und Südostasien sind die Leute ganz wild auf Haifischflossensuppe.
11:17Aber bevor wir uns jetzt über die Potenz der Asiaten und Ralf Möller lustig machen,
11:21schauen wir doch lieber mal, wer der weltweit größte Exporteur von Haifischflossen ist.
11:25Na?
11:33Die Spanier sind nicht nur vor der eigenen Küste aktiv, sondern auch vor Westafrika und im Südpazifik.
11:39Das internationale Seerecht macht's nämlich möglich.
11:42Denn auf hoher See darf jeder fischen.
11:43Ei Caramba!
11:45Ja, oder Hai Caramba.
11:47Zu Spanien gesellen sich noch Portugal und Frankreich als Top-Haifängernationen.
11:52Kein Wunder, dass fast jede dritte gehandelte Haifischflosse über die EU abgewickelt wird.
11:57Komisch, dabei haben wir doch ganz andere Essgewohnheiten.
11:59Ein Leben ohne Bratwürste ist möglich, aber doch nicht wirklich sinnvoll, liebe Freunde.
12:04Ja, und ein Leben ohne Ministerpräsident Söder ist sinnvoll, aber nicht möglich, liebe Freunde.
12:10Dass die Flossen das wertvollste am Hai sind, sieht man aber auch an den Kilopreisen.
12:14Ein Kilo Flosse kostet je nach Haiart und Handelsort bis zu 1000 Euro.
12:19Für den restlichen Hai gibt's dann nur noch einen Bruchteil, wenige Euro, wenn überhaupt.
12:23Bei so einem Preisunterschied können natürlich eifrige Fischer schon mal das Finning-Verbot über Bord werfen.
12:29Deshalb werden auch immer wieder Schiffe erwischt, die Flossen geladen haben,
12:33an denen aber leider kein Hai mehr dranhängt.
12:35Das heißt, wenn sie überhaupt entdeckt werden.
12:39Denn die Kontrollen auf hoher See sind ungefähr so.
12:50Nicht mal zwei Prozent aller spanischen Schiffe werden überhaupt kontrolliert.
12:55Zwei Prozent.
12:56Das Meer ist der letzte freie Ort auf der Welt.
12:59Ja, ist schon klar, Ralph Hemingway.
13:01Man könnte ja auch den Handel mit Haifischflossen komplett verbieten,
13:05wenn man ihn sowieso schon nicht kontrolliert bekommt.
13:07Andere Länder haben das ja bereits vorgemacht.
13:09In den USA ist seit 2022 der Verkauf und bis auf wenige Ausnahmen auch der Besitz von Haifischflossen verboten.
13:17Und das Erste, was die Briten gemacht haben, nachdem sie aus der EU ausgestiegen sind,
13:21sowohl Import als auch Export von Haifischflossen zu verbieten.
13:25High Five!
13:28Wenn aber Länder wie Spanien, aber auch Portugal oder Frankreich vom Fang und Handel von Haien profitieren,
13:34ist ein umfassendes Verbot in der EU halt wirklich schwer durchzusetzen.
13:38Die sitzen buchstäblich an der längeren Leine.
13:40Lassen Sie mich raten, Frau Weschke.
13:42Der kleine Fischer, der Tag ein Tag aus allein mit seinem selbst geschnitzten Boot im Morgengrauen aufs Meer fährt,
13:47um seine Familie zu ernähren, der ist wieder schuld!
13:52Naja, also die Liebe zum Fischerei-Proletariat ist leider so echt wie die Geschichten von Käpt'n Blaubeer.
13:57In Wirklichkeit teilen sich gerade mal vier spanische Fischereigroßbetriebe 90 Prozent des EU-Umsatzes mit Haiflossen.
14:06Das Problem sind nicht die kleinen Fischer und auch nicht die Hobbyangler.
14:10Das Problem für den Hai und alle anderen Meerestiere ist der industrielle Fischfang.
14:16Wir fahren immer weiter, fangen immer tiefer und immer mehr, um unseren Hunger auf Fisch zu stillen.
14:22Dafür werden aber keine kleinen Fischerboote verwendet, dafür braucht man schwimmende Fischfabriken.
14:28Die bleiben monatelang auf See, orten ihre Beute mit Hightech und können so hunderte Tonnen Fischfang am Tag.
14:36Habe ich gerade Hightech gehört?
14:38Seit den 1950er Jahren hat sich die Zahl der Fischerboote fast verdreifacht.
14:43Wenn das die Menge war, die wir vor 70 Jahren gefischt haben, dann fangen wir heute fünf bis sechs Mal
14:50so viel.
14:52Und da ist der illegale Fischfang noch gar nicht mit dabei.
14:55Da kommen schätzungsweise nochmal 20 bis 25 Prozent dazu.
14:59Und für wen bleibt dann gar kein Fisch mehr übrig?
15:02Genau, für den kleinen Fischer.
15:04Irgendwie ist es eine Schweinerei, möchte ich Ihnen sagen.
15:07Ja, laut Welternährungsorganisationen sind nämlich jetzt schon ein Drittel der weltweiten Fischbestände komplett überfischt.
15:14Und nochmal fast zwei Drittel so gut wie überfischt.
15:17Also im Prinzip alle Bestände. Das heißt, wir fangen viel mehr Fisch, als überhaupt nachwachsen kann.
15:24Drastische Stimmen waren deshalb schon vor leeren Meeren bis 2050.
15:28Sind dann auch die Quallen weg? Ich hasse Quallen. Ekelhafte Dinger.
15:31Aber zum Glück retten wir ja die Ozeane, indem wir unseren Rote-Bete-Sellerie-Quinoa-Smoothie seit einer Weile mit
15:38Pappstrohhalmen trinken.
15:40Nein, das viel größere Plastikproblem ist all das Zeug, das die Hochseefischer bei ihrer Arbeit im Meer zurücklassen.
15:46Forscher sprechen davon bis zu 86 Prozent des gesamten sichtbaren Plastiks im Meer.
15:52Also alte Bojen oder sogenannte Geisternetze.
15:55Fischernetze, die im Meer zurückgelassen wurden, in denen sich aber weiterhin Tiere verfangen und sterben.
16:00Ja, es gibt Orte mit noch schlechterem Netz als Deutschland.
16:03Katastrophal ist aber auch, wie gefischt wird.
16:06Eine der problematischsten Fangmethoden der Fischerei ist die Grundschleppnetzfischerei.
16:10Da werden Riesennetze mit schweren Gewichten, Eisentoren an den Seiten, damit die Netze aufgespannt werden, über den Grund geschleppt.
16:19Da sind Ketten dran. Das pflügt den ganzen Boden um, geht mehrere Zentimeter in den Boden rein.
16:25Und wo die einmal durchgezogen sind, da ist danach erst mal nichts mehr.
16:30Alles weg. Auf dem Meeresgrund werden teilweise jahrhundertealte Korallen und damit ganze Ökosysteme nachhaltig zerstört.
16:38Und diese Netze sind teilweise riesig. Da passen ganze Jumbojets rein.
16:42Das ist so, als würden sie einen ganzen Wald abholzen, nur um Pilze zu sammeln.
16:47Grundschleppnetzfischerei ist nicht nur ein sehr kompliziert zu sprechendes Wort, kommt eigentlich direkt nach Haifischflossensuppe,
16:53sondern laut einer Nature-Studie auch klimaschädlicher als der gesamte weltweite Flugverkehr.
16:58Salopp gesagt, eine Portion Schrimps essen ist viel schlimmer als für einen Kaffee einmal nach New York jetten.
17:05Denn durch die Netze wird der Meeresboden derart aufgewühlt, dass jährlich über eine Gigatonne CO2 freigesetzt wird.
17:11Und weil die Netze des industriellen Fischfangs so riesig sind, wird da auch haufenweise Fisch gefangen, den man eigentlich gar
17:17nicht wollte.
17:18Heißt auf Fischerdeutsch Beifang.
17:20Verstehe nicht, was das Problem sein soll. Man kommt doch hier ganz einfach wieder verdammt nochmal raus.
17:27Beifang ist quasi Kollateralschaden auf hoher See. Auf Englisch Accidental Take.
17:33Nur, dass daran leider überhaupt nichts Accidental ist. Also aus Versehen.
17:37Jährlich sterben nämlich Millionen Delfine, Schildkröten und eben auch Haie, weil man eigentlich was ganz anderes fangen wollte.
17:43So endet geschätzt ein Viertel der weltweiten Fänge rund 30 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr als Fischmüll.
17:51Heieieiei. Das ist, als würde man aus dem Krabbenbrötchen den Dill rausziehen und den Rest dann wegwerfen.
17:56Allein durch Beifang sterben jährlich Millionen Haie.
17:59Also halten wir fest. Europa ist einer der größten Player im Hai-Business.
18:02Vielleicht konsumieren wir auch hin und wieder Haifischprodukte ohne zu wissen.
18:07Und durch den Hai schlechter geht's dem Hai schlechter.
18:11Ja, aber was sollen denn jetzt wir Verbraucher, also wir kleinen Fische denn machen?
18:16Als Verbraucher sollten wir nur Fische essen, kaufen, genießen, die auch nachhaltig gefangen werden.
18:23Sagt uns ein Mann, der es wissen muss.
18:25Er ist schließlich leitender Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.
18:30Okay, nachhaltig gefangener Fisch, aber wie erkennt man den?
18:33Verbraucher, die sich für den Erhalt der Weltmeere und ihrer Ressourcen engagieren wollen,
18:38können beim Fischeinkauf auf das blaue MSC-Siegel achten und somit nachhaltig arbeitende Fischereien unterstützen.
18:46Der MSC ist eine gemeinnützige internationale Organisation, gegründet 1997 vom WWF und Uni Lever,
18:53um die Meere- und Fischbestände zu schützen.
18:55Und die geben dieses Siegel aus, das garantieren soll, dass der Fisch, den ich kaufe, nachhaltig und umweltschonend gefischt wurde.
19:02So schreiben sie es auf ihrer Seite.
19:03Das MSC-Siegel war eine sehr gute Idee, weil man Marktmechanismen reinbringen wollte, um Überfischung zu verhindern.
19:11Das hat am Anfang auch geklappt. Die haben die sozusagen guten Bestände zertifiziert und das war in Ordnung.
19:17War in Ordnung? Mich beschleicht die Ahnung, dass da noch was kommt?
19:20Allerdings, nachdem die guten Bestände zertifiziert waren, ist man dann zu den weniger guten übergegangen.
19:26Das heißt, man hat auf Fischbeständen ein Siegel gegeben, die schon ziemlich stark geschrumpft waren.
19:30Hm, was hält denn der Hai vom MSC?
19:35Ja moin, ich bin Skippy und schön, dass ich als Hai auch mal zum MSC-Siegel gefragt werde.
19:40Denn für alles gibt es coole Siegel. Für Autos, für Essen, für hochwertige Popmusik.
19:47Und so gibt es auch ein Siegel für nachhaltiges Seafood, ausgestellt vom MSC, dem Marine Stewardship Council.
19:54Damit ihr wisst, dass ihr fair gestorbenes, glückliches Meeresgetier kauft.
19:59Klingt ja vertrauenswürdig.
20:01Ja, ich hab denen auch vertraut. Bis mein Kumpel fast in einem Schleppnetz abgenimpelt ist.
20:06Die zertifizieren nämlich auch Fisch, der mit umstrittenen Methoden gefangen wurde.
20:11Grundschleppnetze, Lokbojen, für den MSC kein No-Go.
20:15Das kritisiert auch der WWF, der gemeinsam mit Unilever den MSC überhaupt erst gegründet hat.
20:21Doch ist der WWF da inzwischen auch vom Glauben abgefallen.
20:24Gefischt werden darf nämlich laut MSC-Siegel bis zum Bestandslimit.
20:28Das ist die Grenze von 20 Prozent, ab der man vermutet, dass der Bestand zusammenbrechen könnte.
20:32Das ist, als würde der Zahnarzt ihn alle Zähne bis auf einziehen und sagen, Beißen klappt schon noch.
20:37Also, wenn ich als betroffener Heimer meinen Beifang, äh, Beitrag dazu geben darf, ich bin nicht sauer, ich bin einfach
20:44nur enttäuscht.
20:45Wie es uns unter Wasser geht, das sehen die Verbraucher ja nicht.
20:48Die sehen nur MSC und denken, Siegel gut, alles gut.
20:52Wir haben den MSC mit den Vorwürfen konfrontiert und haben folgende Antwort erhalten.
20:57Zum Thema Beifang schreiben Sie, alle kommerziellen Fischereien haben ein gewisses Maß an unerwünschten Fängen.
21:05Die entscheidende Frage ist aber, ob dieser ungewollte Fang langfristig negative Auswirkungen auf die betroffenen Populationen hat.
21:15Ach so, also Beifang ist okay, solange die aus Versehen gefangene Haiart dadurch nicht ausstirbt.
21:21Na, wenn das klappt, dann brauchen wir uns ja keine Sorgen mehr zu machen.
21:24Dem Vorwurf, die maximalen Fischfangquoten, die der MSC zulässt, seien zu niedrig, widersprechen Sie.
21:31Nicht falsch verstehen.
21:33Dass es irgendeine Form von Siegel gibt, für das sich Fischereien in Sachen Nachhaltigkeit und Tierwohl verbessern müssen, ist ja
21:39grundsätzlich gut.
21:41MSC-zertifizierte Fischbestände sind seltener überfischt als solche ohne Siegel.
21:45Und beim Einkauf aufs MSC-Siegel zu achten, ist also grundsätzlich richtig.
21:51Trotzdem gibt es berechtigte Kritik.
21:53Also nur mal so eine Frage.
21:55Das Siegel erlaubt ja, einen Bestand bis auf 20 Prozent runterzufischen.
22:01Aber woher weiß denn der MSC, dass überhaupt noch 20 Prozent übrig sind?
22:05Ich meine, man kann ja schlecht den Ozean leerpumpen und alle Fische zählen.
22:08Ein, zwei Fische.
22:12Drei, vier Fische.
22:15Man verlässt sich auf Daten von Wissenschaftlern.
22:18Die untersuchen nämlich Bestände von ganz vielen Fischarten, machen Probefänge und so.
22:23Aha.
22:24Nur die Forscher sagen selbst, dass sie eben nur schätzen können.
22:27Und dass sie schon glücklich wären, wenn sie mit ihren Ergebnissen nur 10 bis 12 Prozent daneben liegen würden.
22:33Okay.
22:33Ah, 20 Prozent erlaubt der MSC mit 12 Prozent durch 100, 17,6 Prozent.
22:39Also wenn sich die Wissenschaftler nur leicht verschätzen, wovon sie ja selbst ausgehen,
22:43dann könnte der Fisch mit dem MSC-Siegel aus einem akut gefährdeten Bestand kommen.
22:47High Five.
22:48Hatten wir schon, zählt nicht.
22:50Na gut, ziehe ich wieder ab.
22:51Okay, auf das Siegel ist also nicht 100 Prozent Verlass.
22:55Aber wir sollten uns ja jetzt auch nicht auf eine gemeinnützige Organisation verlassen,
22:59wenn wir unseren Planeten retten wollen.
23:01Also was ist denn mit unserer Politik?
23:02Wie ist denn das in der EU?
23:04Halten sich denn zum Beispiel die Länder an die von der Wissenschaft empfohlenen Fangquoten?
23:10Das ist eine wundervolle Frage.
23:12Da gibt es eine einfache Antwort.
23:13Nein.
23:14Nein.
23:15Kurz gesagt, es ist überhaupt nichts gut.
23:17Wir haben ein riesen Problem.
23:19Wir rotten nicht nur die Haie, sondern wenn wir nicht aufpassen, ganze Ökosysteme aus.
23:24Und falls wir das wirklich durchziehen,
23:26dann kann das ungeahnte Folgen für das Klima und nicht zuletzt für uns alle haben.
23:31Dabei könnte alles so einfach sein, wenn wir nur eine Sache begreifen würden.
23:34Fischer sind Freunde, kein Futter.
23:37Was?
23:37Wir dürfen also nie mehr Fisch essen, nie mehr Lachstata, Zanderfilet oder Wolfsbarsch in Salzkruste?
23:43Das ist hart.
23:45Nie mehr?
23:46Naja, es gäbe eine Lösung.
23:47Über Fischung können wir sofort beenden.
23:51Und über Fischung zu beenden, heißt, dass die Fischbestände wachsen würden.
23:56In zwei, drei, vier Jahren würden wir zwei, drei, viermal so viel Fisch essen und fangen können, als wir das
24:02jetzt tun.
24:03Also eigentlich sollte das ein No-Brainer sein.
24:06Leider vermisse ich Brain bei den zuständigen Leuten.
24:09Also wenn man sein Brain mal anwirft, ist es eigentlich ganz einfach.
24:13Wir müssen heute, im Hier und Jetzt, am besten komplett auf Seefisch verzichten.
24:17Dann kann sich die Natur nämlich erholen und Fische können nachwachsen.
24:20Dann kann der kleine Fischer wieder mit seinem Boot rausfahren, hat wieder was zu angeln, kann seine Familie versorgen.
24:26Und wir können morgen, also in naher Zukunft, ordentlich und mit gutem Gewissen wieder Fisch essen.
24:32Kurze Abstinenz, schon haben wir es gelöst.
24:34Eigentlich ein No-Brainer.
24:36Hilfreich wäre es allerdings schon mal, wenn sich die EU an die Empfehlungen der Wissenschaft halten würde und ihre Fangquoten
24:42runtersetzen und diese dann auch konsequent einhalten würde.
24:45Und ein Fangverbot für Haier.
24:48Wer jetzt sagt, das geht nicht, der sei mal an den Walfang erinnert.
24:53Einst ein hochprofitables Geschäft, auf das angeblich niemand verzichten konnte.
24:58Aber seit 1986 der kommerzielle Fang von Wahlen weltweit verboten wurde, hat sich der Bestand der einst vom Aussterben bedrohten
25:06Buckel- und Blauwale merklich erholt.
25:09Und auch das Image der Wale hat sich komplett gedreht.
25:11Ich meine, früher hat man noch ganze Bücher geschrieben über den Pottwal, der Schiffe versenkt.
25:17Und heute heult man vom Fernseher, wenn so ein süßer Orca zu Unrecht in einem Wasserpark eingesperrt wird.
25:32Ich sage, der Hai braucht ein besseres Image.
25:34Yeah!
25:35Wenn selbst Steven Spielberg es bereut, dem Hai so einen schlechten Ruf verpasst zu haben, dann ist es an der
25:40Zeit, das zu ändern.
25:41Was wir jetzt brauchen, ist eine flammende Rede eines wahren Helden.
25:45Ralf Möller, haben wir den Counter voll?
25:47Nein, nur 11 von 15 und die Sendung ist vorbei.
25:50Na, dann warte mal ab.
25:52Ist ja ein Heimspiel für mich.
25:54Ich komme nämlich gerade erst in Fahrt.
25:56Denn morgen reise ich nach Heidelberg, oder war es Heilbronn, wo Freunde von mir Hai raten.
26:02Aber nicht in der Kirche, sondern in einem Heizluftballon.
26:04Sagen Sie es aber bitte nicht weiter, das ist nämlich noch geheim.
26:07Also, Ralf, bitte rette die Hai.
26:10Der Hai, ein Wesen, das die Ozeane schon länger durchkreuzt, als wir Menschen auf der Erde wandern.
26:17Was ist der Hai?
26:20Ein Mörder?
26:21Ein Killer?
26:23Oder nicht viel eher ein jahrelanges Missverständnis?
26:28Wir glauben, an einem Strand könne uns nichts Schlimmeres passieren, als einem Hai zu begegnen.
26:34Dabei sterben 15 Mal so viele Menschen pro Jahr durch herabfallende Kokosnüsse.
26:39Und wirklich, niemand hat Angst vor Kokosnüssen.
26:43Seit Jahren töten wir auf bestialische Weise Haie, weil wir sie zur Suppe verarbeiten, die nach gar nichts schmeckt.
26:49Wir sollten lernen, unseren maritimen Freund als das zu respektieren, was er wirklich ist.
27:02Und steht nicht schon das Wort Hai an sich für etwas wie Hallo oder Schön, dass Sie da sind?
27:09Also für etwas grundlegend Positives?
27:12Lassen Sie uns aus unseren Fehlern lernen und verhindern, dass es sonst bald gar keine Haie mehr gibt.
27:18Und sagen wir nicht, bei zum Hai. Sagen wir lieber, Schark, du bist stark, Ihr Ralf Möller.
27:26Und Anja, wie war ich?
27:29Ganz wunderbar, wirklich. Ich hätte es nicht besser sagen können.
27:32Also wenn das Politiker und Industrielle nicht überzeugt, dann weiß ich auch nicht mehr.
27:36Vielen Dank an Ralf Möller.
27:38Und wenn es dann irgendwann mal in echt heißt, Hai-Alarm auf Mallorca, dann wäre das ja sogar eine gute
27:42Nachricht.
27:43Vor allem für den Hai und für Ralf.
27:45Das war's bei Reschke Fernsehen.
27:47Wir sehen uns diese Woche gerne wieder bei Instagram und nächste Woche im Fernsehen.
27:51Da geht es dann um Europa und das Meer.
27:54Tschüss!
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