00:00Kämpfen, Siegen, Sammeln – der allerbeste sein
00:02Pokemons Formel ist so simpel wie genial und zieht nicht umsonst seit Jahrzehnten Millionen
00:06Spieler an. Das kommende Switch 2-Exclusive Pokopia geht aber einen ganz anderen Weg,
00:10denn hier prügelt sich niemand. Stattdessen gibt's einfach nur eine herrlich entspannte Idylle,
00:14in der man auf einer Insel ein neues Zuhause aufbaut und sich mit verschiedenen Pokémon
00:18anfreundet. Ich konnte Pokopia auf einem Anspielevent ungefähr 90 Minuten ausprobieren und kläre in
00:22den nächsten Minuten die Frage, ist das nur Animal Crossing mit Pokémon-Skin oder steckt
00:26da doch mehr dahinter. Noch ein Hinweis bevor es losgeht, die Anspiel-Session war zweigeteilt.
00:31Während ich in der ersten Stunde den Anfang von Pokopia gespielt habe, ging es danach noch mal
00:3530 Minuten in eine fortgeschrittene Welt. Also eine, in der Nintendo schon mehrere Gebäude und
00:39Gärten angelegt hatte. Eigenes Material aufnehmen war nicht möglich, alle Szenen,
00:43die ihr hier seht, wurden von Nintendo zur Verfügung gestellt. Nun aber los,
00:53nach einer kurzen Introsequenz übernehme ich die Kontrolle über ein Ditto. Das landet auf einer
00:57heruntergekommenen Insel, die wie in Minecraft oder Dragon Quest Builders aus Blöcken besteht.
01:01Das Spiel stammt übrigens auch von den Entwicklern von Dragon Quest Builders. Menschen gibt's hier
01:05keine, nur von ihnen zurückgelassene Ruinen. Und was macht man, wenn man seinen letzten Trainer
01:09ganz doll vermisst? Genau, man nimmt einfach dessen oder deren Aussehen an. Ditto halt. Die Tatsache,
01:14dass ich keinen echten Menschen spiele, ist wichtig. Denn wenn ich im Laufe der Zeit neue Pokémon auf der
01:18Insel entdecke, kann ich ihre Fähigkeiten lernen. Mit denen verändere ich wiederum die Umgebung und erschaffe so
01:23nach und nach eine friedliche Monster-Oase nach meinen eigenen Vorstellungen. Oder nach denen meiner
01:27Freunde. Denn wer ein Nintendo Switch Online-Abo besitzt, kann Pocopia auch im Online-Koop mit
01:31bis zu vier Leuten spielen. In diesem Fall besucht man die Insel eines Hosts und kann dort gemeinsam
01:35abhängen. Also, wie genau läuft Pocopia jetzt genau ab? Nun ja, kurz nach dem Start einer neuen
01:40Insel treffe ich Professor Tangoloss. Das große Pokémon leitet durch die ersten Tutorial-Schritte.
01:44Ein zentrales Gameplay-Element sind Habitate, also die Lebensräume der Pokémon. Jedes Monster möchte in
01:50einer bestimmten Umgebung wohnen, damit es sich wohlfühlt. Alle Habitate setzen bestimmte
01:54Voraussetzungen, ja, voraus, damit sich mir und meinem Inselparadies Pokémon überhaupt erst
01:58anschließen. Bisazams Wiese muss etwa groß genug sein, erst dann zieht es ein. Und Stichwort Bisazam,
02:04schon in den ersten Minuten treffe ich direkt auf die drei Starter mit dem grünen Pflanzen-Pokémon Glomanda
02:09und Shiggy, die sich automatisch meiner Gemeinschaft anschließen. Ich habe auch eine ganze Menge von
02:13den Taschenmonstern. Mein Ditto schaut sich nämlich die Fertigkeiten der drei ab. Ich gieße mit Shiggy's
02:17Aquaknarre den vertrockneten Boden, lasse mit Bisazams Rankenhieb Grashalme sprießen und zünde
02:22mit Glomandas Hilfe mein erstes Lagerfeuer an. Damit kann ich die Umgebung nach eigenen Vorlieben
02:26und für neue Monster anpassen. Herauszufinden, wie die Habitate für bestimmte Pokémon aussehen,
02:31ist eine der wichtigsten und auch motivierendsten Aufgaben im Spiel. Ich muss entweder durch
02:35Experimentieren oder durch versteckte Hinweise in der Spielwelt entschlüsseln, wie sich die vielen
02:38Tierchen bei mir wohlfühlen. Die drei Starter sind noch sehr genügsam und brauchen anfangs lediglich
02:43eine kleine Wiese für sich. Als ich aber Gras unter einem Baum gepflanzt habe, ist dort einige
02:46Zeit später ein Sichlor eingezogen und Praktibalk fühlt sich in der Nähe von großen Felsbrocken am
02:51wohlsten. Nocchan möchte dagegen einen Ort mit Sportgeräten und dank des harten Trainings bringt
02:55es mir im Austausch für seinen Boxsack bei, wie ich Geländeblöcke mit bloßen Fäusten zertrümmern kann,
02:59quasi als Äquivalent zur Spitzhacke in Minecraft. Andere Wesen zeigen mir dagegen,
03:03wie ich Saatgut auf Feldern anpflanze oder schwimme und mit Dragoran konnte ich sogar durch die Lüfte
03:07segeln, um mein Werk von oben zu betrachten. Mit der Hilfe neuer Pokémon kann mein Ditto irgendwann,
03:11im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzen und auch die Landschaft der Insel durch Terraforming
03:15verändern. Dass ich dabei immer die Habitate meiner Bewohner beachten muss, setzt Pocopia auch
03:20spürbar von der Konkurrenz ab. In der Demo konnte ich das Terraforming mangels Zeit leider noch nicht
03:24vollends ausprobieren, aber die Möglichkeiten mit solchen Sandbox-Features sind immens,
03:28wenn ihr denn viel gestalten möchtet. Pokémon in Pocopia sind also nicht einfach nur Questgeber
03:32und sehen süß aus, sondern sind wichtig für den Gameplay-Fortschritt. Mehr Monster bedeuten
03:36nämlich mehr Fähigkeiten und damit mehr Anpassungsoptionen. Um bei all den Tierchen nicht den Überblick zu
03:40verlieren, hat mein Ditto neben dem üblichen Pokédex auch einen Habitate-Dex dabei. So kann
03:45ich jederzeit nachschauen, welche Lebensräume ich bereits entdeckt habe und welche Pokémon dort
03:48leben möchten. Wie motivierend das Sammeln und Herausfinden der Habitate tatsächlich sein wird,
03:53hängt letztlich davon ab, wie viele es im finalen Spiel gibt und wie komplex die Anforderungen dafür
03:56werden. In der Demo-Version wurde es noch nicht viel spannender als Gras unter einem Baum. Da sollte dann
04:03in der Vollversion auf jeden Fall noch mehr kommen. Wie groß die tatsächliche Baufläche auf den
04:06Inseln wird, kann ich nach meinen ersten Eindrücken auch nur bedingt einschätzen. Die Startregion
04:11meiner Insel war etwa von Hohenbergen eng eingegrenzt. Gemessen an der fortgeschrittenen
04:15Welt im zweiten Teil des Anspielevents solltet ihr aber auch nicht mit einer gigantischen Open World
04:18rechnen. Man hat es gerade bei den Habitaten schon gemerkt, Bauen und Gestalten ist ein weiteres
04:22wichtiges Feature von Pocopia. Natürlich wird dieser Samm nicht für immer auf seinem Grasbüschel
04:26sitzen bleiben, das wäre spielerisch ja auch ziemlich öde. Der kleine Pflanzendino dürstet nach mehr.
04:32Alle Pokémon entwickeln mit der Zeit Wünsche. Dieser Samm hätte zum Beispiel gerne ein Bett. Dafür braucht
04:36Anleitungen, mit denen ich mit Ressourcen, Gegenstände und Deko-Items herstelle. Zu Beginn
04:41finde ich dafür vor allem Klassiker wie Steine, Holz und Blätter. Während für ein einfaches
04:44Strohbett bereits ein paar herumliegende Äste und gemähtes Gras ausreichen, werden die Blaupausen
04:48im späteren Spielverlauf anspruchsvoller. Übrigens, ohne die besagten Anleitungen geht nichts. Ihr
04:53müsst Rezepte erst freischalten und könnt nicht mit gesammelten Materialien an der Werkbank frei
04:57herum experimentieren. Aber zurück zu Bisasam. Nachdem ich das gewünschte Bett im Bereich um sein Habitat
05:02platziert habe, bedankt es sich bei mir und meine Bindung zu ihm steigt. Auf diese Weise freunde ich mich mit
05:06Pokémon an und erhalte von ihnen Belohnungen, zum Beispiel Ressourcen und neue Quests für noch
05:10mehr Freischaltungen. Wie meine Insel am Ende aussieht, hängt also davon ab, welche Pokémon sich
05:14ansiedeln und was ihre Vorlieben sind. Es gibt zwar viel Freiheit bei der Gestaltung, aber ein paar
05:18Anhaltspunkte bekommt ihr dadurch trotzdem an die Hand, um nicht völlig ziellos loszuwerkeln.
05:22Meinem ersten Eindruck nach solltet ihr aber nicht mit der gleichen Komplexität an unterschiedlichen
05:26Materialien und Möglichkeiten rechnen, wie zum Beispiel in Minecraft. Das merke ich zum Beispiel beim
05:31Buddeln nach unten. Schon nach wenigen Blöcken ist Schluss. Ein gigantisches Reich unter der Erde
05:35werdet ihr in Pocopia also weder entdecken noch erschaffen können. Und auch die vorgefertigten
05:40Häuser der Anspielversion waren zwar mit Tischen, Sofas und anderen Möbeln eingerichtet, wirkten
05:44aber trotzdem recht karg und wenig detailliert. Hier bleibt abzuwarten, was die Vollversion letztlich
05:49an Möglichkeiten bietet und ob die Freiheit vom Terraforming auch für Einrichtungsfans gilt.
05:53Klar ist, ihr solltet aller Voraussicht nach nicht mit ausufernden Möglichkeiten wie in
05:57The Sims 4 oder gar dedizierten Einrichtungsspielen wie Small Spaces rechnen. Dafür wirken die Optionen in der
06:03Pokémon-Demo einfach zu grob. Mit etwas Geduld lassen sich aber durchaus schöne Häuser für eure
06:08liebsten Pokémon zaubern. Ich kann mir auch richtig gut vorstellen, wie Pokémon-Fans der ersten
06:11Gameboy-Generation Städte wie Fuchsania City oder bestimmte Routen detailgetreu nachbauen. Die Karo-Raster
06:17bei der Spiele bieten sich dafür quasi perfekt an. Es gibt auch vorgefertigte Gebäude, die nicht aus
06:21Blöcken bestehen, beispielsweise Fertighäuser oder Pokémon-Center. Sobald die entsprechende Anleitung
06:26freigeschaltet ist, kann ich den Bausatz in der Welt platzieren und alle nötigen Materialien bei der
06:30Baustelle abgeben. Hier sind dann auch wieder die besonderen Skills der Pokémon relevant. Als ich
06:34meine erste Hütte aus Blättern bauen wollte, musste Praktibike mit seiner Baufähigkeit etwa
06:38dabei sein, um das Gebäude fertigzustellen. Stichwort Bindung und Quests, mit mehr zufriedenen
06:42Pokémon steigt auch das Level meiner Insel. Den aktuellen Status kann ich einem PC nachschauen,
06:46an dem es auch tägliche Herausforderungsquests gibt, für deren Abschluss ich Münzen bekomme. Das
06:50waren in der Demo simple Aufgaben wie Sammle 10 Äste oder lass 8 neue Pokémon bei dir leben. Typische
06:56rotierende Daily Task also, wie es sie zum Beispiel auch in Disney Dreamlight Valley gibt. Steigt meine
07:00Insel eine Stufe auf, gibt's neue Anleitungen für die Werkbank und mehr Items im Shop, die ich dann
07:04für Münzen kaufen kann. Ich muss also nicht jeden Deko-Gegenstand mühselig herstellen. Was die
07:08Performance betrifft, hat der Switch 2-Exklusivtitel einen stabilen Eindruck gemacht. Ruckler und
07:13Bugs sind mir beim Spielen nicht aufgefallen. Allerdings habe ich auch nur einen kleinen Teil des
07:16Spiels gesehen. Optisch sieht Pocopia in Ordnung aus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein
07:22Grafikbrett wie der Resident Evil Requiem Port auf der Switch 2 ist es sicherlich nicht, aber die
07:26Pokémon sind immerhin nett animiert und der Vibe des Franchises wird gut eingefangen. Wirklich
07:30geärgert hat mich allerdings die Sichtweite. Es dauert echt nicht lang, bis Landschaften und
07:34Gebäude im Hintergrund von einem violetten Nebel verschluckt werden, der alle Details auf dem
07:38Terrain ausblendet. Schon in der Demo zeigt sich, dass das dafür sorgt, dass ich nie meine gesamte
07:42Schöpfung in voller Pracht überblicken kann. Bei einem Spiel, das sich so auf Bauen und Ausbauen
07:47konzentriert, ist das kein kleines Problem. Davon abgesehen ist eine geringe Sichtweite,
07:51in der alle Details hinter einer Dunstwand verschwinden, eigentlich auch eher was,
07:54das sich mit Spielen von vor 20 Jahren in Verbindung bringen. Zumal Pokémon jetzt auch
07:58nicht so gut aussieht, dass sich der Switch 2 da nicht mehr zutrauen würde.
08:07Dann kommen wir mal zum Fazit. Pokémon Procopia wird seine Fans auf jeden Fall finden. Ein gemütliches
08:12Cozy-Game, in dem die beliebten Monster friedlich miteinander leben, ist quasi ein Selbstläufer. Und
08:16was ich bisher vom Spiel gesehen habe, macht auch einen guten Eindruck. Wenn ihr auf das seichte Gameplay
08:20von Animal Crossing anspringt und ohne jeden Stress die perfekte Pokémon-Oase erschaffen
08:24wollt, könnte das hier was für euch sein. Besonders das Sammeln und Entdecken der Habitate
08:28dürfte sehr motivierend werden und dem Gestalten der Insel eine spaßige und eigenständige Note
08:32verleihen. Ein Hinweis noch, in der physischen Edition erscheint Procopia nur auf einer Game-Key-Card,
08:38also einem leeren Modul, das nur den Download der digitalen Version auslöst. Die könnt ihr,
08:42immerhin, noch weiterverkaufen, aber habt das im Hinterkopf, falls es für eure Sammlung wichtig
08:46ist. Je nachdem, mit welcher Erwartungshaltung ihr an Procopia geht, solltet ihr zudem auch mit
08:51Abstrichen rechnen, gerade im Vergleich zu ähnlichen Spielen. Soweit ich das bisher beurteilen kann,
08:56wird es kaum sympathisch geschriebene Storylines wie in Stardew Valley geben. Landwirtschaft spielt
09:00keine zentrale Rolle wie in Story of Seasons, ihr könnt nicht so detailliert einrichten wie in
09:04Die Sims und es gibt voraussichtlich weniger Möglichkeiten beim Gestalten der Welt als in Minecraft. Dafür ist
09:09wiederum die Einstiegshürde geringer, weshalb man schnell in den Gameplay-Flow eintauchen kann. Auch
09:13jüngere Pokémon-Fans können damit ohne Probleme ins Genre einsteigen. Und ganz ehrlich, allein
09:18die Vorstellung, dass ich meinem Bizzazam, dem offensichtlich besten Pokémon, seinen ihm
09:22angemessenen Palast bauen kann, ist doch eine ziemlich super Sache. So, und jetzt bin ich auf eure
09:27Meinung gespannt. Ist die Fusion aus Cozy Game und Pokémon eine gute Idee oder seid ihr erstmal
09:32noch skeptisch? Danke, dass ihr bis zum Ende dran geblieben seid und bis zum nächsten Mal.
09:39Bis zum nächsten Mal.
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