- vor 4 Wochen
True-Crime-Reportage Deutschland 2025 +++ Am 23. April 2020
entdeckt eine Joggerin in Bernau die Leiche einer jungen Frau.
Sie liegt kopfüber im kleinen Flüsschen Panke, misshandelt und
ermordet. Es ist Daniela S., eine 32-jährige Bernauerin. Der
Verdacht fällt schnell auf ihren Ex-Ehemann. Aber erst
akribische Ermittlungen und die Auswertung von Bildern aus der
Überwachungskamera können den Verda
.....
entdeckt eine Joggerin in Bernau die Leiche einer jungen Frau.
Sie liegt kopfüber im kleinen Flüsschen Panke, misshandelt und
ermordet. Es ist Daniela S., eine 32-jährige Bernauerin. Der
Verdacht fällt schnell auf ihren Ex-Ehemann. Aber erst
akribische Ermittlungen und die Auswertung von Bildern aus der
Überwachungskamera können den Verda
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TVTranskript
00:00Guten Abend und willkommen zu einem Täter-Opfer-Polizei-Extra.
00:20Und zwar zu einem Verbrechen, das bereits geklärt werden konnte.
00:23Ein Verbrechen, bei dem der Täter lange Zeit dachte, er hat alles im Griff.
00:28Er ist zu klug für die Polizei, niemand kann ihm wirklich etwas nachweisen.
00:32Ein paar Jahre kam er durch damit, aber dann konnte er doch als Mörder überführt werden.
00:37Wie das gelang, das wollen wir heute erzählen.
00:39Sein Opfer, eine Frau Anfang 30, die in Bernau gerade auf dem Weg nach Hause war.
00:50Sie war das erste Mal glücklich in ihren Leben, sie hat auch positiv in die Zukunft geschaut.
00:58Ich bin seit 39 Jahren in der Rechtsmedizin tätig. Einen Mord mit einem Kabelbind habe ich noch nicht gesehen.
01:05Das Besondere, dass der Täter eine narzisstische Art hatte, dass er auch wirklich dachte, dass er der perfekte Mörder ist.
01:11Bernau im Abendlicht. Viel ist nicht los in jenen Apriltagen 2020.
01:25Denn so wie überall in Deutschland gibt es den ersten Lockdown in der Corona-Zeit.
01:29In der Nacht zum 23. April 2020 kommt jedoch ein Mann zur Polizei, der um Hilfe bittet.
01:43Er erklärt, er mache sich Sorgen um seine Frau, weil er sie nicht erreichen kann.
01:47Seine 32-jährige Frau Daniela sei spurlos verschwunden.
01:56Einige Stunden später bricht über Bernau der Morgen an.
02:02Eine Joggerin macht sich auf den Weg.
02:04Sie läuft an der Panke entlang, einem kleinen Fluss in der Stadt und macht im Uferbereich eine seltsame Entdeckung.
02:11Sie erkennt eine Gestalt, die im Wasser liegt.
02:17Geschockt ruft sie die Polizei an.
02:24Mein Name ist Michael Nowak und ich bin Mordermittler bei der Mordkommission in der Neverswelle.
02:30Wir sind an diesem Morgen relativ früh über den Leichenfund informiert worden.
02:34Es war ja 6.51 Uhr, als die Joggerin den Leichenfund gemeldet hatte.
02:41Michael Nowak macht sich 5 Jahre danach noch einmal auf den Weg zum Fundort.
02:48Der Mordermittler fährt zum Usedom-Radweg, der durch Bernau führt, auch in der Panke entlang.
02:54Er geht noch einmal ins Ufer Dickicht, wo am 23. April 2020 die Ermittlungen begannen.
03:01Hier haben wir dann die Leiche gefunden. Sie lag halbseitig unter Wasser, halbseitig über Wasser.
03:07Der Kopf war vollständig unter Wasser. Das Gesicht war nach unten geneigt.
03:13Und sie hatte eine schwarze Kapuzenjacke an, wo die Kapuze von hinten über den Kopf gezogen war,
03:16sodass man erstmal von außen nichts weiter erkennen konnte.
03:19Fotos von diesem 23. April zeigen, wie Michael Nowak und Feuerwehrleute die Leiche bergen.
03:26In Schutzkleidung, um keine Spuren wie DNA zum Beispiel zu kontaminieren.
03:31Und erst als ich im Wasser im Prinzip die Leiche gedreht habe, auf dem Rücken,
03:35konnte man halt das Gesicht erkennen, dass es eine junge Frau ist.
03:39Beim Umdrehen fällt Michael Nowak noch etwas auf.
03:43Man konnte dann deutlich einen Kabelbinder um den Hals entdecken.
03:47Und sie hat dann einen weißen Kabelbinder um den Hals zugeschnürt.
03:52Der Kabelbinder ist zu sehen auf einem der Fotos.
03:55Die Vermutung der Ermittler, er muss mit enormer Gewalt zugezogen worden sein.
04:00Mehr könnte die Obduktion liefern.
04:02Ich bin Dr. Harald Voss, Facharzt für Rechtsmedizin am Brandenburgischen Landesinstitut für Rechtsmedizin.
04:13Auf diesem Foto ist zu sehen, also der Kabelbinder an sich, in der Gesamtlänge von 78 Zentimetern.
04:18Das ist die Schlaufe, die um den Hals gelegen ist.
04:20Hier ist durchtrennt worden.
04:21Auf dem anderen Bild sieht man jetzt die Drosselmarke am Hals.
04:28Und man erkennt hier auch die Riffelung von dem Kabelbinder.
04:31Und man sieht auch, dass es sehr tief eingeschnürt war.
04:33Das heißt, zwei Zentimeter tief eingezogen.
04:37Bei der Untersuchung kann Harald Voss noch etwas anderes Entscheidendes feststellen.
04:43Der Angriff muss die Frau überrascht haben.
04:47Wir haben also keine Abwehrspuren gefunden in der Form, dass die Frau noch versucht hat, reinzugreifende Kabelbinder.
04:52Und nach wenigen Sekunden, also nach 10, 20, 30 Sekunden, verliert man auch schon das Bewusstsein,
04:57weil das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird.
04:58Man ist noch nicht tot, aber man verliert das Bewusstsein.
05:03Die Frau lebt also noch, als ihr Mörder sie dann brutal vergewaltigt und schließlich in die Panke stößt.
05:12Die Frau ist gedrosselt worden und noch lebend und atmend in das Wasser gebracht worden.
05:18Das heißt, in dem Wasser hat sie noch eingeatmet, deswegen gleichzeitig erdrosseln und ertrinken als Todesursache bei ihr nachzuweisen waren.
05:24Doch wer ist die Frau, die hier an dieser Brücke am Usedom-Radweg so brutal gewirkt, missbraucht und dann quasi in der Panke entsorgt wurde?
05:36Bilder vom 23. April 2020.
05:40Zur Fundortsicherung gehört auch die Suche nach persönlichen Sachen des Opfers.
05:44Doch es wird nichts gefunden. Keine Tasche, keine Ausweise, kein Handy.
05:52Aber es gibt eine Vermisstenanzeige aus der Nacht. Von einem Ehemann.
05:56Der sich Sorgen um seine Frau machte. Und so war relativ schnell klar, dass anhand der Personenbeschreibung und dann letzten Endes auch mit dem Abgleich des Fotos die Identität geklärt werden konnte.
06:11Das Opfer ist die vermisste Ehefrau, Daniela S. aus Bernau.
06:17Die zierliche Frau galt als schüchtern und zurückhaltend.
06:20Wer sollte sie umbringen wollen?
06:23Ermittler versuchen mehr über sie herauszufinden.
06:26Sie hatte eine ziemlich schwere Kindheit, hat nach der Schule eine Ausbildung zur Beiköchin angenommen und hat auch bis zu ihrem Todeszeitpunkt als Beiköchin im Restaurant in Berlin gearbeitet.
06:37Dort wurde sie als freundlich und zuverlässig beschrieben und auch allgemein als eine beliebte Person.
06:46Seit 2016 war sie mit Mirko S. verheiratet.
06:50Er hat sie vermisst gemeldet und möchte nun der Polizei helfen, das grausame Verbrechen aufzuklären.
06:58Er stellt sich den Fragen der Mordermittler.
07:01Ich bin Peter Köhn, bin Ermittler bei der Mordkommission in Eberswalde.
07:11Ich hatte immer den Eindruck, dass er sehr an der Mitarbeit interessiert war, dass er sehr sozusagen zugegangen ist und versucht hat, die Sache zu klären.
07:20Er hat ja sozusagen die Geschichte von seinem Abend erzählt mit seiner Frau.
07:26Mirko S. erzählt, seine Frau Daniela kam zu ihm aufs Grundstück, zu ihm in dem Bungalow, am Nachmittag des 22. April.
07:36Die beiden lebten getrennt, hatten beide neue Beziehungen, wollten nun aber Unterlagen und Post sortieren.
07:43So erklärt es Mirko S.
07:47Danach hätten sie Sekt getrunken und einen Film geschaut.
07:52Der hat eine Situation geschildert, die sehr recht vertraut geklungen hat und auch gar nicht so dem entsprochen hat, was man sich als Trennungsgeschichte vorstellen würde.
08:02Wo man sozusagen die Vermögenswerte trennt und seine Sachen ordnet.
08:08Und das wäre alles gelaufen gewesen, dann hätte er sie irgendwann nach Hause bringen wollen.
08:16Daniela S. hat es nicht weit bis zur neuen Wohnung, in der sie jetzt lebt.
08:21Der Weg führt beide am Usedom-Radweg in Bernau entlang.
08:25Dort trifft Daniela S. eine Entscheidung, die ihr noch Ehemann nicht versteht, so erzählt es Mirko S. später.
08:33Er akzeptiert sie aber.
08:34Auf dem halben Weg hat sie dann plötzlich gesagt, sie will alleine weitergehen.
08:40Und er hatte sich aber gar nichts dabei gedacht und ist dann umgekehrt, ist nach Hause gelaufen.
08:44Und als er dann auf sein Grundstück zurückgekommen ist, hat er dort einen Rucksack gefunden,
08:48wo eben wichtige Gegenstände, wie zum Beispiel Handy, Hausschlüssel und Portemonnaie lagen, die seine Frau zurückgelassen hat.
08:56Bei der Polizei erklärt Mirko S., dass ihn das gewundert habe, denn seine Frau war nie ohne Handy unterwegs.
09:05Deshalb wollte er ihr den Rucksack nachbringen.
09:08Er fing dann eigenständig an, nach seiner Ex-Frau zu suchen, fuhr zu der neuen Wohnung, wo sie sich aufhalten sollte,
09:14klingelte dort, es öffnete niemand und fing dann an, diesen Weg abzusuchen.
09:18Und er hat sie nicht gefunden.
09:21Fest steht, am Abend des 22. April trifft Daniela S. auch auf ihren Mörder.
09:28Von Anfang an stellt sich die Frage, ist der Ehemann ein glaubwürdiger Zeuge für die Ermittlungen?
09:33Mein Name ist Jörg Teggen und ich bin Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt-Oder.
09:42Meine Erfahrung hat mir eigentlich gesagt, wir warten erst mal ab, wir ermitteln erst mal,
09:47bevor wir anfangen, uns in die Versionsbildung zu begeben.
09:51Wir schauen erst mal, welche Spuren wir haben. Wir schauen, welche Zeugen wir noch ermitteln können.
09:57Doch das mit den Zeugen ist schwer im Frühjahr 2020, nicht nur in Bernau.
10:04Also zu der Zeit waren ja die Corona-Maßnahmen im vollen Gang, was natürlich dazu führte,
10:09dass sich natürlich deutlich weniger Personen, mutmaßliche Zeugen auf der Straße befanden
10:14und da die Ermittlungsmöglichkeiten schon etwas eingeschränkt waren.
10:21Zunächst bleibt Merkos der einzige Zeuge.
10:24Hier ist er in einem Polizeivideo zu sehen, aufgenommen im Juni 2020.
10:31Er trifft Mordermittler Peter Köhnen auf seinem Grundstück für eine weitere Befragung.
10:37Wir haben ihm die Abläufe geschildert, was jetzt ihn zu erwarten hat,
10:40dass dort eben Leute mitlaufen, die das mit einer Kamera aufnehmen
10:43und er uns schildern soll, wie was abgelaufen ist, wo er gelaufen ist,
10:47wann er sich von seiner Frau getrennt hatte und das hat er auch alles mit uns gemacht.
10:50Der Ermittler will wissen, wie der Abend des 22. April genau abgelaufen ist
10:56und lässt sich auch zeigen, was passierte, als er wieder zu Hause war.
11:00Gut, dann würde ich jetzt gerne sehen, wo sie den Rucksack ihrer Frau gefunden haben,
11:06wo der gestanden hat und wo sie den gepunden haben.
11:08Den Rucksack habe ich dort neben dem Müllsack gefunden und war ziemlich in der Ecke.
11:15Obst du, stellt mir die Rückseite zu mir?
11:18Dieser abgestellte Rucksack von Daniela S. rückt in den Fokus der Ermittlungen,
11:23als ihr Heimweg genauer untersucht wird.
11:25Der führt an einem Autohaus und mehreren Unternehmen vorbei, alle videoüberwacht.
11:32Die farbigen Dreiecke auf dieser Karte zeigen die verschiedenen Blickwinkel der Kameras.
11:39Diese Kamerabilder wertet Peter Köhnen aus.
11:42Es sind 160 Stunden Videomaterial.
11:46In mühsamer Kleinarbeit macht er wichtige Entdeckungen.
11:49Wir können erst mal die Geschädigte am Nachmittag sehen,
11:52wie sie sich in Richtung des Grundstücks begibt.
11:56Wo sie sich dann mit ihrem Mann trifft.
11:58Man kann sogar die Kleidung identifizieren und auch sehen, dass sie einen Rucksack trägt.
12:07In der Nacht sieht man dann halt nur eingeschränkt,
12:10weil diese Kameras auch alle auf den Nachtbetrieb umschalten.
12:13Dann ist nur noch schwarz-weiß.
12:15Trotz der schlechten Qualität erkennt er das Ehepaar.
12:19Mirko S. hat den Arm um die Frau gelegt.
12:21Und noch etwas fällt Peter Köhnen beim Sichten auf.
12:27Ja, es läuft links, Frau S. rechts und hier sieht man den Rucksack.
12:33Schwer erkennbar, aber eindeutig.
12:36Daniela S. hat ihren Rucksack also doch dabei, am Usedom-Radweg.
12:41Wir haben dann den Ehemann dazu nochmal befragt.
12:44Daraufhin sagte er, dass sie zwei Rucksäcke gepackt hatte.
12:48Einen mit Bekleidungsgegenstände und einen anderen Rucksack,
12:51den sie schon vorher mitgeführt hatte, einfach dort vergessen hatte.
12:54Es sind immer so kleine Punkte, wo man dann sagt,
12:56nein, irgendwie stimmt hier was nicht.
12:59Jedenfalls bildeten sich immer neue Widersprüche in seinem Aussageverhalten,
13:03die dann natürlich dazu führten,
13:05dass wir unsere Ermittlungshandlungen noch mehr intensivierten.
13:10Eine Frage dazu heißt, wer hat das Ehepaar gesehen am Abend des 22. April?
13:17Gesucht wird vor allem ein Mann mit einem Fahrrad.
13:21Den hatte Mirko S. selbst in seiner Aussage erwähnt.
13:23In unserer Sendung bittet Michael Nowak im Frühjahr 2020 um Mithilfe
13:30und zeigt, wo die Begegnung war.
13:33Das war genau hier vorne an dieser blauen Brücke.
13:35Dieser Radfahrer wäre für uns auch ein sehr wichtiger Zeuge.
13:39Der Mann wird tatsächlich gefunden.
13:42Er kann dann auch befragt werden.
13:45Auffällig ist, was er beobachtet hat,
13:47passt nicht zu dem, das Mirko S. als harmonischen Abend beschrieben hatte.
13:51Dieser Radfahrer hat dann letztendlich uns auch geschildert,
13:55dass er irgendwie eine Schwingung gespürt hat,
13:58dass irgendwas nicht stimmt,
13:59dass die Frau so eine Art Angst hat oder dass sie bedrängt ist.
14:05Er hatte darauf gewartet, so schilderte der Zeuge,
14:07dass von der Geschädigten ein Signal kommt,
14:10dass sie Hilfe benötige.
14:11Aber das Signal kam halt nicht.
14:13Und er hat gesagt, er hatte ein ganz ungutes Gefühl.
14:16Er hatte so eine Art Gänsehaut-Schauer.
14:20Kurz nach dieser Begegnung ist Daniela S. tot.
14:24Ist der Ehemann der Mörder.
14:29Am 8. Juni 2020, sieben Wochen nach ihrem Tod,
14:34wird Daniela S. beigesetzt.
14:36Eine Seebestattung auf der Ostsee, von der es ein Video gibt.
14:42Dieses Video hat Mirko S. auf der Facebook-Seite seiner Frau veröffentlicht
14:46und schrieb dazu,
14:48es war eine sehr schöne letzte Reise mit dir.
14:52Nur war es auch die traurigste Reise unseres Lebens.
14:56Ich werde dich immer lieben
14:57und ein Teil von dir wird immer bei mir sein.
14:59Das sind Fotos, die Daniela S. kurz vor ihrem Tod selbst gepostet hat,
15:05auf ihrer Seite.
15:06Sie ist mit ihrem neuen Freund zu sehen.
15:08Glücklich, verliebt, ein Neuanfang.
15:12Nach ihrem Tod hat Mirko S. alles gelöscht.
15:15Nur er allein hatte noch Zugriff auf ihren Account.
15:20Letztendlich bestätigte er mit dem Verhalten,
15:23dass er den Facebook-Account bestimmt,
15:26dass er ihr Leben, obwohl sie Toter, weiterhin kontrollieren wollte.
15:29Und selbst nach dem Ableben,
15:31er sah keine Veranlassung,
15:34jetzt endlich auch mal den Facebook-Account in Ruhe zu lassen
15:38oder die Geschädigte mal in Ruhe zu lassen,
15:40hier einen Abschluss zu finden.
15:41Sondern er manipulierte weiterhin ihr Bild in der Öffentlichkeit.
15:46Für den Staatsanwalt gibt es nun genügend Indizien.
15:50Mirko S. steht jetzt unter Mordverdacht.
15:53Doch für eine Festnahme fehlen die eindeutigen Beweise.
15:57Trotz seiner DNA am Opfer.
15:59Er hat uns gegenüber ja angegeben, dass er mit ihr zusammen war.
16:03Das heißt, jede Spur, die wir an dem Opfer gefunden haben,
16:06war durch dieses eingeräumte Zusammensein zu erklären.
16:11Die Kriminalisten der Mordkommission benötigen also andere Beweise.
16:15Sie lassen nichts unversucht, um sie zu bekommen.
16:19Ein Ermittler für besondere Aufgaben wird hinzugezogen.
16:22Ich bin Jens Höver und arbeite in der Mordkommission in Eberswalde.
16:29Ich gehörte offiziell nicht zu dieser Ermittlungsgruppe,
16:32hatte aber letztendlich die Aufgabe,
16:33so eine Art als kritischer Beobachter mitzuwirken.
16:38Dazu gehört für Jens Höver auch die Auswertung
16:40der Telefonüberwachung von Mirko S.
16:42Die war richterlich genehmigt worden.
16:46Einfach in der Hoffnung, dass es irgendwo Personen gibt,
16:50mit denen er über die Tat spricht, wo er sich selber positioniert.
16:53Bzw. das wäre dann noch der bessere Fall,
16:55dass er irgendjemand mit ins Vertrauen gezogen hat,
16:58mit dem er sich dann konkret über die Tat unterhält.
17:01Ein Geständnis bleibt aus.
17:04Doch Jens Höver hört, wie abfällig Mirko S.
17:07über seine tote Frau spricht und wie er Gesprächspartner manipuliert.
17:12Er hat alles dafür getan, um jeglichen Verdacht
17:15in seinem Bekanntenkreis so zu zerstreuen oder von sich zu weisen.
17:21Also immer so Begründungen anzubringen,
17:23warum er nicht der Täter gewesen sein kann,
17:27sondern irgendeine andere Person.
17:29In der gleichen Zeit bekommen die Kriminalisten in Eberswalde
17:34mehr über das Mordwerkzeug heraus.
17:37Über den Kabelbinder.
17:40Das war kein handelsüblicher Kabelbinder.
17:42Das war schon ein relativ hochwertiger Stahlnasenbinder,
17:47der sich durch eine besondere Zugfestigkeit auszeichnet
17:50und eine Langlebigkeit hat.
17:51Der ist relativ teuer und wird jetzt nicht so im Baumarkt verkauft.
17:56Mit baugleichen Modellen wollen die Ermittler herausfinden,
17:59wie der Täter vorgegangen ist.
18:01Wie lange dauert es, so ein Teil zu montieren?
18:05Wie schnell kann es über den Kopf gezogen werden?
18:07Und lässt sich herausfinden, welche Hand benutzt wurde?
18:11Denn der tatverdächtige Mirko S. ist Linkshänder.
18:15In einem Experiment mit einer Puppe wird der Mord nachgestellt.
18:17Immer wieder, ausgeführt von unterschiedlichen Probanden.
18:23Danach ist klar, der Täter muss den Kabelbinder vormontiert haben.
18:28Außerdem wird festgestellt,
18:29dass die ganze Handlung ungefähr ein bis vier Sekunden dauert,
18:33je nachdem, wie man sich da anstellt.
18:36Und dass der Knoten immer mittig im Nacken am Ende der Verschluss liegen bleibt,
18:40unabhängig davon, ob ich ein Rechts- oder Linkshänder bin.
18:42Für die Ermittler spricht alles für Mirko S. als Täter.
18:46Doch es ist immer noch zu wenig,
18:47um den Informationstechniker vor Gericht zu bringen.
18:50Der präsentiert sich auf Facebook mittlerweile mit seiner neuen Freundin.
18:56Das ist schon irgendwie ein komisches Gefühl.
18:59Man beobachtet ihn ja auch über diese Zeit.
19:01Und man stellt dann halt fest, das Opfer ist tot.
19:05Und dieser Täter oder Tatverdächtige führt sein Leben ganz normal weiter.
19:10Zwischenzeitlich ist er sogar ausgewandert,
19:12lebt in Thailand mit seiner neuen Liebe.
19:15Unerreichbar für die deutsche Strafverfolgung.
19:17Es hat einen natürlich schon gewohnt, wenn man jetzt weiß,
19:21das zweite Mal Weihnachten, dritte Mal Weihnachten,
19:23das vierte Mal Weihnachten nach der Tat.
19:25Und der Täter ist immer noch nicht in Haft.
19:27Mirko S. fühlt sich sicher.
19:34Aber in Deutschland gehen die Ermittlungen weiter.
19:37Im sächsischen Mittweida setzen sich im Auftrag der Polizei
19:40Technikexperten mit dem Fall auseinander.
19:45Mein Name ist Dirk Labutte.
19:46Ich arbeite als Professor für Allgemeine und Digitale Forensik
19:49an der Hochschule Mittweida.
19:52Die Frage war, ist es möglich, das Handy der Geschädigten
19:57und das Handy des mutmaßlichen Täters auszuwerten,
20:01um Fragen zu beantworten, wie, wo war welches Handy
20:05zu welcher Zeit eingeloggt.
20:07Um das zu klären, werden die Handydaten vom Mordopfer,
20:10von Daniela S. ausgelesen.
20:13Und die vom Tatverdächtigen Mirko S.
20:17Es geht um die sogenannten Zeitstempel,
20:19die jedes Handy erzeugt,
20:21immer dann, wenn es sich in ein WLAN ein- oder auslockt.
20:25Diese Protokolle sind im Grunde digitale Fußabdrücke.
20:28Dann kann man mehr oder weniger einen physischen Weg
20:34eines Handys, eines Smartphones bestimmen.
20:38Es gibt für den Gesamtfall zwei wichtige Zeitpunkte.
20:41Es ist einmal, wann locken sich die Handys
20:44aus dem heimischen WLAN aus
20:46und wann locken die sich eigentlich wieder ein.
20:49Dabei zeigt sich, Danielas Handy,
20:52das laut Mirko S. im Rucksack geblieben ist,
20:55verlässt zur selben Zeit den WLAN-Bereich des Grundstücks
20:58wie sein eigenes.
21:01Laut Protokoll um 21.07 Uhr.
21:05Und gegen 21.41 Uhr sind beide Handys
21:09sozusagen im Router nachweislich
21:12wieder in das WLAN eingeschrieben worden.
21:14Das heißt also, wenn wir diese beiden Zeitstempel nehmen,
21:17die sowohl im Router als auch in den Handys auftauchen,
21:20kann die Geschichte des Beschuldigten nicht bestätigt werden.
21:23dass das Handy des Opfers dort geblieben ist.
21:27Daniela S. nimmt also Handy und Rucksack mit, als sie geht.
21:31Damit bestätigt sich der Ablauf,
21:33den Peter Köhnen rekonstruieren konnte mit den Überwachungsvideos.
21:38Wie lange sich Mirko S. am Usedom-Radweg aufgehalten hat,
21:41also am Tatort an der Panke,
21:43wird mit den Handydaten auch klar.
21:47Wir haben anhand dieser Aufnahmen letztendlich feststellen können,
21:52dass er nicht nur drei oder vier Minuten in dem Bereich gewesen ist,
21:56um seine Frau dort hinzubringen.
21:57Sie haben sich getrennt und er ist wieder zurückgegangen.
21:59Nein, er war über 24 Minuten dort in dem Bereich.
22:02Und diese Zeit hat ausgereicht,
22:06um seine Frau dort im Tatortbereich zu töten.
22:09Nach zweieinhalb Jahren intensiver Ermittlungen im Bernauer Mordfall
22:14ist für den Staatsanwalt Jörg Tecke die Beweiskette endlich schlüssig.
22:22Das war für mich dann Anlass, Anklage zu erheben,
22:25beim Landgericht hier in Frankfurt oder
22:27und im Zusammenhang mit der Anklageerhebung
22:30dann auch Haftantrag gegen Herrn Mirko S. zu stellen.
22:35Doch der ist immer noch in Thailand,
22:38hat sich dort mittlerweile sogar ein Grundstück gekauft.
22:40Man hatte dann festgestellt,
22:43dass der Beschuldigte zeitnah beabsichtigt hatte,
22:46nach Deutschland wieder einzureisen,
22:49weil er ein Tourismusvisum hatte.
22:51Und das wollte er verlängern lassen in Deutschland.
22:53Und das war dann so die günstige Gelegenheit.
22:57Man nutzte die Gelegenheit und verhaftete ihn.
23:01Im Februar 2024 beginnt vor dem Landgericht in Frankfurt-Oder der Prozess.
23:06Fast vier Jahre nach dem Mord in Bernau
23:11stehen sich im Gericht der Staatsanwalt und der Angeklagte gegenüber.
23:17Am ersten Verhandlungstag schien der Angeklagte sehr siegessicher zu sein.
23:23Er hatte seine Variante gebildet.
23:25Er hat uns erklärt am ersten Verhandlungstag,
23:28wie er den Tatablauf gesehen hat.
23:30Er wirkte extrem kontrolliert, extrem aufmerksam.
23:34Und man merkte, dass er der Verhandlung sehr aufmerksam folgte,
23:39um auch auf Widersprüche dann entsprechend reagieren zu können.
23:43Jörg Tege muss nun beweisen,
23:44dass Mirko S. für den Mord am 22. April 2020 verantwortlich ist.
23:50Die Ermittler und Experten sind als Zeugen geladen,
23:54um den Tatablauf zu erklären.
23:57Laut Anklage ist auf diesem Video Daniela S. zu sehen,
24:01auf dem Weg zu ihrem Ehemann.
24:03Freunde vom späterem Opfer berichteten,
24:06dass sie mit Angst zu diesem Treffen gegangen ist an diesem Abend
24:09und gehofft hat, dass alles gut geht.
24:12Wie verabredet, kommt sie zum Bungalow.
24:15Er hat die Tat geplant, er hat sie vorbereitet.
24:17Laut Anklage hat Mirko S. auch das Treffen inszeniert.
24:22Selbst den Sekt und den Film.
24:24Sehr wahrscheinlich ist es,
24:25dass er mit einem vorgeschlauften Kabelbinder
24:27das Haus verlassen hat.
24:32Der Rucksack war mit ihr unterwegs.
24:36Beide Handys wurden mitgeführt.
24:38Wir gehen auch davon aus,
24:39dass Herr Mirko S. die Vertrautheit in der Situation ausnutzte,
24:43um seine Tate begehen zu können.
24:47Also der Kabelbinder über den Kopf geworfen wurde
24:49und schnell zugezogen wurde.
24:53Und dass auch eine Vergewaltigung dort stattgefunden hat.
24:56Das war eine letzte Herabwürdigung des Opfers
24:59durch den dann Angeklagten,
25:01um ihr noch einmal aufzuzeigen,
25:03dass er bestimmt.
25:06Nach der Tötung hat er den Rucksack an sich genommen.
25:09Wir wissen auch,
25:10dass er das Telefon von ihr genommen hat
25:11und eine Nachricht an den neuen Freund verfasst hat.
25:14Was er aber nicht bedacht hat, ist,
25:16als er den Rucksack am Tatort mitgenommen hat,
25:19ihn auch wieder mit nach Hause bringt,
25:20dass dieser Rucksack über das Handy sozusagen
25:22uns Daten liefert.
25:25Mirko S. bestreitet vor Gericht alles.
25:29Bestreitet irgendetwas,
25:30mit dem Mord zu tun zu haben.
25:33Als in Frankfurt-Oder das Urteil verkündet wird,
25:36heißt es für den 43-Jährigen
25:38lebenslänglich mit einer besonderen Schwere der Schuld.
25:42Um es mal mit den Worten der Vorsitzenden zu sagen,
25:45ohne Hauch eines Zweifels,
25:47es ist eindeutig der Täter,
25:48also zu 100 Prozent.
25:50Und das ist natürlich Lohn der Arbeit,
25:52der Intensität,
25:53des ständigen Weitermittels,
25:55des Weitermachens auch gegen Widerstände.
25:57Er ist eingesperrt,
25:59sie ist zwar tot,
26:01aber du hast sozusagen
26:02der Gerechtigkeit genüge getan.
26:05Also wir haben ihn gekriegt.
26:07Den Mörder von Daniela S.
26:11Die Frau, die keinen Neuanfang wagen durfte
26:14und mit 32 aus dem Leben gerissen wurde.
26:22Ja, nach dem Prozess hat die Verteidigung
26:24noch im Sommer 2024 Revision eingelegt
26:27gegen das Urteil des Landgerichts in Frankfurt.
26:30Doch der Bundesgerichtshof konnte keine Rechtsfehler entdecken
26:32und hat das Urteil bestätigt.
26:34Damit gilt,
26:35lebenslänglich und besondere Schwere der Schuld,
26:37das heißt,
26:38der KS kann nicht schon nach 15 Jahren
26:40auf Bewährung entlassen werden.
26:42Er wird noch lange,
26:43sehr lange im Gefängnis bleiben.
26:46Das war's für heute.
26:47Danke fürs Zuschauen.
26:49Nächste Woche geht's hier weiter
26:49mit einer neuen Folge von
26:51Die Spur der Täter.
26:52Auch ein spannender Fall.
26:54Bis dahin, alles Gute
26:55und auf Wiedersehen.
27:02Die Spur der Täter