00:00Europa befindet sich in einer bedrohlichen Lage.
00:03So wie die Dinge jetzt stehen oder wie die Dinge bis 2024 standen,
00:08war das Bundesheer nicht in der Lage, die eigene Souveränität zu wahren und zu schützen
00:13und auch glaubwürdig darzustellen, dass es das könnte.
00:16Mein Name ist Gustav Gressl, ich arbeite zurzeit an der Landesverteidigungsakademie
00:31und forsche hier zum russisch-ukrainischen Krieg.
00:36Europa befindet sich in einer bedrohlichen Lage.
00:39Wie akut es ist, darum kann man sich streiten.
00:41Das hängt in erster Linie vom Ausgang des russisch-ukrainischen Krieges ab
00:45und in welchem Umfang und in welchem Zustand die russische Armee aus diesem Krieg hervorgeht.
00:50Wir haben aber schon im Vorfeld des Krieges gesehen,
00:52dass Russland eine andere europäische Sicherheitsordnung haben will.
00:55Das hat er schon im Dezember 2021 entsprechende Vorschläge gemacht.
01:00Aus irgendwelchen Schwierigkeiten.
01:03Wir haben einfach eine Frage gestellt,
01:05dass es keine Bewegung der NATO nach den Vostok weitergehen sollte.
01:09Der Tor ist auf ihrer Seite.
01:11Sie müssen uns etwas antworten.
01:13Diese hätten im Grunde Russland eine Stellung der militärischen Dominanz über Europa zusichern sollen.
01:21Die wurden damals abgelehnt.
01:23Man muss aber auch sagen, dass diese Phase des diplomatischen Vorspiels damals relativ kurz war,
01:29weil Moskau eigentlich recht siegessicher war, dass es den Krieg gegen die Ukraine gewinnen wird
01:33und dass es dann eben nach diesem Krieg noch weit bessere Karten wird haben,
01:38um diese Sicherheitsordnung in seinem Sinne zu beeinflussen.
01:42Das ging ja dann alles nicht so nach Plan, wie man sich das gedacht hat in Moskau.
01:46Aber die langfristige Zielsetzung, die NATO und die Europäische Union in ihrer politischen Substanz zu unterhöhlen,
01:54das ist nämlich die Beistandspflicht in beiden Organisationen, die ist nach wie vor da
01:58und der wird man sich natürlich nach diesem Krieg gegen die Ukraine auch wieder widmen.
02:03Und in dieser schwierigen diplomatischen Situation spielt es natürlich eine Rolle,
02:08ob ich jetzt ein Heer habe, das im Grunde nur Performa existiert
02:11oder ob ich ein Heer habe, das in die Gesellschaft eine gewisse Zuversicht ausstrahlt,
02:15dass man eben nicht jeder Drohung sofort nachgeben muss
02:18und dass man als Staat in dieser Gemengenlage also durchaus auch ein Akteursrecht hat.
02:24Im Grunde muss man sagen, so wie die Dinge jetzt stehen oder wie die Dinge bis 2024 standen,
02:32war das Bundesheer nicht in der Lage, die eigene Souveränität zu wahren und zu schützen
02:36und auch glaubwürdig darzustellen, dass es das könnte.
02:39Das hat viele Ursachen, das Geld ist natürlich das eine.
02:42Das Verteidigungsbudget lag die meiste Zeit so um die 0,7, 0,8 Prozent, etwa 2 Milliarden Euro, ein bisschen drüber.
02:51Der Großteil dafür ging für den Personalaufwand drauf, also für den Unterhalt der Kader
02:58und für gerade mal so den Erhalt der Einrichtungen, in denen diese Dienst versehen.
03:03Da gab es im Grunde kein Investitionsbudget, da gab es auch kein Budget für Übungen oder kaum ein Budget für Übungen.
03:09Daraus leitet sich natürlich ab, dass das Bundesheer, so wie wir 2022 dastanden, natürlich in einem sehr schlechten Zustand war.
03:17Im Grunde gründen wir das Bundesheer gerade neu, wenn man es kurz ausdrücken kann.
03:22Das heißt, es wird jetzt Fähigkeiten, Waffengattungen, die man eigentlich schon abgeschafft hat,
03:28die werden wieder eingeführt, Gerät wird wieder eingeführt.
03:31Man setzt jetzt natürlich den Maßstab, das was das Bundesheer können soll,
03:35nicht an Assistenzaufgaben und ein bisschen Krisenmanagement fest,
03:40sondern es soll eben Landesverteidigung sein.
03:42Das ist natürlich in der Aufgabe viel, viel anspruchsvoller.
03:47Und zurzeit ist natürlich das Verteidigungsbudget dementsprechend in die Höhe geschnellt.
03:51Wir sind jetzt über 4,5 Milliarden Euro im Jahr, wobei das allein im Grunde auf Beschaffungsvorhaben zurückzuführen ist.
04:00Für den normalen Dienstbetrieb, für Übungen oder auch für das Einstellen zusätzlicher Leute ist im Grunde kein Geld da.
04:06Das geht im Grunde alles ins Material.
04:09Die Liste an Materialmängeln, die jetzt behoben wird, die ist natürlich gewaltig.
04:14Also es fängt an in der Vollausstattung mit Fahrzeugen und Geräten,
04:20dass überhaupt ein Verband des Bundesheers als Verband, als Ganzes sich von A nach B bewegen kann.
04:26Dann natürlich sollte er auch ein paar gepanzerte Fahrzeuge haben, um seine Gefechtsaufgaben wahrnehmen zu können.
04:32Das gab es ja im Bundesheer lange nicht mehr.
04:36Man hat sich, wenn man eine Übung hatte oder wenn man in den Kosovo ging oder andere Aufgaben wahrnimmt,
04:41hat man sich im Grunde aus dem ganzen Heer das Gerät zusammen geliehen, wenn ich es mal höflich ausdrücken darf.
04:48Wenn man jetzt natürlich mit dem gesamten Bundesheer Landesverteidigung betreiben will und mit dem Einsatzfall rechnet,
04:55dann geht das natürlich nicht mehr.
04:56Ich kann dann nicht von anderen Verbänden mir LKWs und Schützenpanzer ausborgen, weil die brauchen die natürlich selber.
05:04Mit dem steht natürlich in Verbindung, die brauchen auch irgendwo eine Kaserne, wo diese Fahrzeuge stehen.
05:09In den Werkstätten brauche ich ausgebildete Techniker, die auch warten können,
05:13gerade wenn es dann anspruchsvollere Fahrzeuge sind, wie etwa Fliegerabwehr, Panzer, etc.
05:17Auch die Miliz wird umgegliedert, beziehungsweise soll jetzt nicht mehr nur eine reine Objektschutz-Territorialverteidigung werden,
05:25sondern soll eben den Manövereinheiten angegliedert werden.
05:28Auch das bedeutet, ich muss für die Miliz anfangen, irgendwelche Fahrzeuge zu beschaffen, Funkgeräte zu beschaffen,
05:33Ausrüstung zu beschaffen, wiederum eine große Aufgabe.
05:38Und damit sind wir eigentlich da angelangt, wo wir 2022 hätten sein sollen.
05:45Auf das kommt dann noch in den nächsten Jahren obendrauf, dass wir all die Fortschritte in der Waffentaktik,
05:50in der Kriegsführung ja nachvollziehen müssen, die wir gerade in der Ukraine sehen.
05:54Der Krieg wandelt sich, damit wandeln sich natürlich auch die Aufgaben des Bundesheers.
05:58Und wir müssen anders trainieren, wir brauchen neue Geräte, das Bundesheer wird digitalisiert.
06:03Alles das sind auch Herausforderungen, die jetzt noch auf uns zukommen
06:07und die jetzt einmal sozusagen in dem Baseline-Beschaffungsprogramm nur teilweise abgebildet sind.
06:16Der Krieg hat sich enorm gewandelt seit 2020.
06:19Ja, mit ukrainischen Soldaten geredet, die zum Beispiel ein Jahr in russischer Kriegsgefangenschaft verbracht haben.
06:24Die sagen, wie sie wieder an die Front gekommen sind, haben sie den Krieg nicht wiedererkannt.
06:28Sie haben nicht gewusst, wo sie eigentlich sind, was das alles bedeutet, alle Drohnen über Kopf.
06:32Man kann sehen, dass die Kriegsgefangenschaft sehr verändert hat.
06:36Als erstes waren es nur Dronen gegen Menschen, Soldaten und Tanks.
06:43Aber jetzt sind es nur Dronen gegen Dronen.
06:46Und die Leute machen diese Entwicklung vor Ort mit.
06:49Wenn man sich vorstellt, das Bundesheer sozusagen steht von außen und betrachtet das,
06:53aber muss sich natürlich auch darauf einstellen, dass wir heute komplett anders Krieg führen.
06:58Und da spielen natürlich auf der einen Seite Drohnen eine wichtige Rolle,
07:01auf der anderen Seite Führungsinformationssysteme, elektronische Kampfführung, elektronische Aufklärung,
07:09militärische Datenverarbeitung.
07:11Und auch auf das muss sich das Bundesheer einstellen.
07:14Wir haben angefangen jetzt mit einem modernen Führungsinformationssystem, das wir beschaffen.
07:19Wir haben zwar vorher schon einmal eines im Bundesheer selber entwickelt,
07:23aber wir sehen natürlich auch in der Ukraine, dass die modernen Führungsinformationssysteme,
07:29die dann später in der Lage sein sollen, viele Sensoren, Drohnen, elektronische Aufklärungssysteme etc.
07:35zu vernetzen, dass diese Geräte deutlich leistungsfähiger sind als das,
07:39was wir als Bundesheer Österreich vorher haben bauen können.
07:43Da arbeiten wir natürlich mit europäischen Partnern zusammen.
07:47Und das wird nochmal auch für viele Soldaten und Offiziere eine große Umstellung sein.
07:53Dann eben dezentralisiert Gefechte zu führen, stark abgestützt auf Drohnen
07:58und auf Systeme der elektronischen Kampfführung und auch der Aufklärung.
08:02Und nachdem wir von Fliegerabwehr angefangen bis eben dann zu den Drohnen jetzt enorm viel,
08:09komplett neue Systeme bekommen, die es in dieser Art und Weise im Bundesheer nie gegeben hat,
08:14ist das natürlich ein gewaltiger Adaptionsprozess.
08:18Ein einsatzfähiges Heer ist natürlich jetzt das Ziel der gegenwärtigen Politik.
08:24Aber es ist kein unmittelbar oder kurzfristig erreichbares Ziel.
08:28Wir reden hier von 2032 am Papier.
08:31Wahrscheinlich mit allen Anforderungen in allen Übungsbetrieben, mit dem Einspielen der Truppe
08:35reden wir eben von etwa Mitte der 20-30er Jahre.
08:382032 wäre schön, wenn wir das hinbekommen.
08:42Man muss auch sagen, es ist diese Wehrbereitschaft und die Wiederherstellung der Wehrbereitschaft
08:47ja in Österreich auch nicht politisch unumstritten.
08:49Wir wissen, dass wir in vielen Bereichen eben nicht mehr Dinge aus eigenem Saft machen können,
08:54wie wir das im Kalten Krieg machen konnten, wie wir eine eigenständige Rüstungsindustrie hatten,
08:59wie wir viele gepanzerte Fahrzeuge, Munition etc. im eigenen Land herstellen könnten.
09:04Das ist nicht mehr und wir müssen uns da anlehnen an unsere europäischen Nachbarn, mit denen kooperieren,
09:10auch schauen, dass wir hier eng vernetzt sind und mit ihnen zusammenarbeiten,
09:13damit wir eben diesen Anschluss nicht verlieren.
09:15Aber das ist nicht unumstritten.
09:18Sky Shield ist ein Fall, wo es eben erheblichen Zwist darüber gibt, ob wir das machen dürfen oder nicht.
09:25Das ist ein bedeutender, ein historischer Schritt in Wahrheit für die gesamte Sicherheitsarchitektur Österreichs.
09:32Wir halten das wirklich für eine massive Bedrohung der österreichischen Neutralität.
09:38Wir wissen auch nicht, wie es politisch in Österreich weitergeht und ob die Planungsgrundlagen,
09:43die wir jetzt haben, bis in die 20, 30er Jahre auch wirklich so bleiben werden.
09:47Und das ist natürlich ein großer Unsicherheitsfaktor bei all dem, was man jetzt so macht und vorhat.
09:54Und das ist natürlich auch nicht so, wie man jetzt so macht und vorhat.
09:56Und das ist natürlich auch nicht so, wie man jetzt so macht und vorhat.
10:00Und das ist natürlich auch nicht so, wie man jetzt so gemacht wird.
10:04Und das kommt, wie man jetzt so macht und vorhat.
10:08Soll dir meine über 100 Prozent animals, nicht so sagen, okay?
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