00:003 Jahre nach dem vollen Release und satte 5,5 Jahre nach Early Access Start ist es Zeit für
00:10Mount & Blade 2 Bannerlord Warsales, die erste große Erweiterung für die einzigartige Mittelalter-Sandbox.
00:18Und oh boy, war ich aufgeregt, Mount & Blade ist wirklich ein Spiel mit unendlichem Potenzial,
00:25ein Genre-Mix, den es so eigentlich nirgendwo sonst gibt. In über 100 Stunden habe ich mich
00:32vom kleinen Söldner zum mächtigsten Herrführer des Imperiums hochgekämpft und befehlige statt
00:37einer kleinen Truppe von sechs Strauchdieben nun Tausende der besten Soldaten des Königreichs.
00:43Und wenn der König nur endlich mal ins Gras beißen würde, hätte ich die besten Chancen,
00:48sein Nachfolger zu werden. Mal ehrlich, Junge, wer wird denn bitte im Mittelalter 77 Jahre alt?
00:55Dieser Aufstieg durch die Ränge eines mittelalterlichen Reichs macht Mount & Blade 2 so motivierend.
01:01Gerade weil wir durch die Sandbox so viele Möglichkeiten haben und sich die Spielwelt
01:07stets dynamisch weiterentwickelt. Der König, der in meinem Spiel einfach nicht sterben will,
01:12könnte bei euch durch ein Zufallsereignis direkt am Anfang das Zeitliche gesignet haben,
01:17wodurch sich die politische Weltordnung bei euch von Anfang an völlig anders gestaltet. Das Spiel schreibt
01:24am laufenden Band einzigartige Geschichten. Das ist die eine Seite der Medaille. Der Preis,
01:31den wir für so viel spielerische Freiheit und Varianz bezahlen, ist wie so oft jede Menge
01:36Clunkiness. Dialoge fühlen sich statisch an, weil jeder Teil von ihnen im Grunde eine Variable ist,
01:43die dynamisch an die Spielsituation angepasst werden muss. Animationen sind Hölzern, Bugs allgegenwärtig,
01:50aber als Mount & Blade Spieler nimmt man das alles irgendwie hin. So ist das eben bei Tailworlds.
01:57Und so nimmt man auch hin, dass das erste Addon für Mount & Blade 2 Bannerlord ganze drei Jahre
02:03gedauert hat. Aber hat sich das Warten auch gelohnt? Das schauen wir uns jetzt an.
02:09Das große neue Feature von Warsales verrät schon der Name der 25 Euro teuren Erweiterung. Erstmalig in
02:17der Mount & Blade Reihe liefern wir uns nicht nur Massenschlachten zu Land, sondern stechen mit
02:22unserer Armee auch in See. Und das ist mal eine gern gesehene Neuerung, die ordentlich frischen Wind in
02:29die, äh, Segel bringt. Die massiven Seeschlachten können schon echt beeindruckend aussehen. Und sie
02:36spielen sich auch gut, im gewohnten Mount & Blade Mix zwischen direkter Steuerung und dem Befehligen der
02:43Flotte. Wir übernehmen das Ruder des Schiffes, indem wir damit interagieren, wie auch bei
02:48Belagerungswaffen. Dann setzen wir unsere Ruderer mit den Richtungstasten in Bewegung. Damit wir
02:54schneller vom Fleck kommen, können wir die Segel setzen, sind dann aber von der Windrichtung abhängig,
02:59die unten rechts angezeigt wird. Fahren wir gegen den Wind, sollten wir das Segel besser einholen,
03:05müssen dann aber einen Großteil der Besatzung an die Ruder setzen. Und wer rudert, kann nicht schießen.
03:11Und kommt allgemein langsamer voran als mit dem Wind im Segel. Die Windrichtung ist also
03:17ein wichtiger strategischer Faktor. Wir können das Ruder des Schiffes jederzeit verlassen und
03:23uns frei auf dem Schiff bewegen. Wahlweise übernehmen wir Belagerungsgeräte wie diese
03:28Bordballiste oder wir stürzen uns beim Ändern feindlicher Schiffe mit ins Getümmel. Ob wir am Ruder
03:34stehen oder nicht, unser Charakter ist immer physisch anwesend, wir können also jederzeit von feindlichen
03:40Pfeilen oder Nahkämpfern getroffen werden. Ist unsere Balliste leer geschossen oder auf
03:45kleineren Schiffen vielleicht auch gar nicht vorhanden, können wir andere Schiffe auch rammen,
03:50wahlweise sogar mit einem speziell dafür angefertigten Rammbug oder wir versuchen sie zu entern.
03:56Dafür fahren wir in ihre Nähe und werfen mit R die Enterhaken aus. R für ARRRR. Haben wir getroffen,
04:05werden wir automatisch herangezogen und es werden kleine Netze gespannt, auf denen unsere Krieger
04:10das feindliche Boot stürmen. Meistens entsteht dabei ein dicker Kampfklump in der Mitte, dem wir
04:16uns anschließen können. Sind alle Gegner besiegt, können wir das feindliche Schiff zurücklassen oder
04:21sogar übernehmen. Wir isolieren also möglichst effektiv einzelne Schiffe und nehmen sie in die
04:27Mangel, dann entern wir von beiden Seiten, ohne dass ein anderes Schiff zur Hilfe eilen kann. Wir können zwar
04:34theoretisch auch mit Fernkampfwaffen plänkeln, aber bis so ein Schiff auf die Art mal kaputt geht,
04:39dauerte es in unserer Testversion wirklich ewig. Und auch beim Rammen brauchten wir etwa fünf gut
04:45getimte Kontakte, um ein feindliches Schiff zu zerstören. Aktuell läuft es eigentlich fast immer
04:51darauf hinaus, dass sich am Ende alle Schiffe in einem dicken Knäuel sammeln, wie vor der Seebrücke am
04:56Timmendorfer Strand und wir uns darauf erbitterte Nahkämpfe liefern. Das hat zwar schon etwas Cooles,
05:02aber die taktischen Möglichkeiten halten sich ab diesem Punkt natürlich in Grenzen. Ich hätte mir
05:08insgesamt mehr effektive Wege für Nahkampf und Ram-Taktiken gewünscht, die nicht nur als Opener
05:14funktionieren. Ich hoffe, die Entwickler schrauben hier noch ein wenig an den HP und Schadenszahlen
05:19der Schiffe, damit nicht jede Seeschlacht am Ende gleich verläuft. Wer in einem neuen Spiel direkt die
05:26Seeschlachten ausprobieren möchte, der bekommt in der neuen Hauptgeschichte eine Einführung, in der wir
05:31Schiffe und Soldaten gestellt bekommen und direkt loslegen können. Die Grundprämisse der Story bleibt
05:37aber gleich. Wir suchen unsere vermissten Geschwister. Nur eben nicht bei Landräubern,
05:43sondern bei den Seehunden, einer Piraten-Crew, deren Spur wir verfolgen, während wir die Mechaniken auf
05:49See lernen. Die Geschichte ist wie schon im Hauptspiel aber nicht mehr als ein grober Rahmen,
05:54um uns anfangs in der Sandbox zurechtzufinden. Die gesamte Aufmachung wirkt wie gewohnt wahnsinnig
06:00Hölzern und einige der Missionen sind so clunky, dass ich dem Ragequid wirklich nahe war. Hier zum
06:07Beispiel muss ich mit einem unbewaffneten Schiff durch diesen Kanal aufs offene Meer entkommen und
06:12dabei den Geschossen von zig Feinden ausweichen und ich schwöre es euch, das war einfach nicht möglich.
06:18Klar, man kann vielleicht ein bisschen mit dem Wind taktieren, aber am Ende ist es reines Glück,
06:23ob die feindlichen Schüsse treffen oder nicht. Ganz schön frustig. Erwartet hier also bitte nicht
06:29mehr als ein paar kontextgebende Missionen, die sich qualitativ kaum von denen im Hauptspiel
06:34unterscheiden. Daran wird sich wohl kaum ein Serien-Fan stören, denn auch das ist ungeschriebenes
06:40Gesetz bei TaleWorlds und der Fokus liegt einfach ganz woanders. Aber darf man vielleicht auch mal ganz
06:46vorsichtig die Frage stellen, ob das bei Mount & Blade immer so sein muss? Wäre es völlig
06:52vermessen hier vielleicht auch mal einen Hauch von Weiterentwicklung zu erwarten? Bannerlord hat
06:58sich nach eigenen Angaben der Entwickler inzwischen über 5 Millionen Mal verkauft. Jedes andere Spiel
07:04in dieser Größenordnung würde verspottet, wenn es seinen Story-Content so unbeholfen inszenieren
07:10würde. Andererseits, ich mach das ganze ja selber schon seit über 100 Stunden mit,
07:15also so wild kann es am Ende ja auch nicht sein. Mount & Blade 2 hat halt andere Qualitäten.
07:21Mit den Seeschlachten und der neuen Story wird auch die Spielwelt nach Norden hin erweitert. In dieser
07:27eisigen Seeregion sind die Nord-Zuhause die neue, stark von den Wikingern inspirierte Fraktion. Die sind
07:34stylisch, haben coole neue Frisuren und Bärte und Tier 6 Infanterieeinheiten, die sehr stark sind.
07:41Abseits davon fehlen aber Sperrkämpfer, was sie besonders anfällig für Kavalerie macht. Und was den
07:47ganzen Style angeht, muss ich sagen, dass für mich die Stugianer eigentlich schon immer die
07:51angedachten Nordmänner in Bannerlord waren. Jetzt gibt es eben… noch nördlichere Nordmänner? Aber gut.
07:59Insgesamt natürlich begrüßenswert, dass wir hier jetzt noch mehr Auswahlmöglichkeiten haben. Aber mit
08:05der Map-Erweiterung kommt auch gleich eine riesige Einschränkung. Wer im Spiel ohnehin schon alles
08:11erreicht und Lust hat, sich in ein neues Abenteuer zu stürzen, für den ist das super. Aber wer sich
08:16wie ich in über 100 Stunden etwas aufgebaut hat, in der Hoffnung, wenn es irgendwann coole neue Inhalte
08:22gibt, dort anzuknüpfen, der schaut komplett in die Röhre, denn wir können Warsales nur spielen,
08:28wenn wir ein neues Savegame anfangen. Dass sich Warsales nicht nahtlos in bestehende Saves integrieren
08:35lässt, ist zwar technisch nachvollziehbar. Die Spielwelt nachträglich um eine ganze Region mit
08:40mehreren Städten und Charakteren zu erweitern, wäre vermutlich nur schwer umsetzbar. Aber ein
08:46bisschen mehr Flexibilität hätte ich mir schon gewünscht. Warum können die Nordmänner nicht in
08:50einem Event mit einer riesigen Armee in bestehende Savegames reinplatzen und einen Eroberungsfeldzug starten,
08:57wie zum Beispiel die Mongolen in Crusader Kings? Das wäre doch total passend für eine an die
09:02Wikinger angelehnte Fraktion und hätte frischen Wind in stagnierende Kampagnen gebracht. Und warum
09:09ist es nicht zu aller mindest möglich, die Schiffskampfmechaniken von Warsales in bestehende
09:13Saves zu übernehmen, ganz ohne die neue Map und Fraktion? Zumindest das hätte doch irgendwie möglich sein
09:20müssen, um Spielertypen wie mir, die in solchen Spielen gerne eine einzige Generationenumspannende
09:26Kampagne spielen möchten, entgegenzukommen. Für uns ist Warsales ganz klipp und klar gesagt einfach
09:33nicht gemacht. Also zumindest nicht, wenn wir nicht eine komplett neue Kampagne anfangen und
09:38damit alles verlieren wollen, was wir uns in dutzenden Stunden aufgebaut haben. Ein gewisser Trost ist da
09:44vielleicht das große Update 1.3, das zeitgleich mit Warsales erscheint und eine ganze Reihe genereller
09:50Verbesserungen mit sich bringt. Das Highlight sind definitiv die neuen Allianzen und Handelsverträge,
09:56die wir im Diplomatie-Menü abschließen können. Die sollen für etwas mehr Beständigkeit und Struktur
10:02in der Weltordnung und weniger unnachvollziehbare Kriegserklärungen aus heiterem Himmel sorgen. Gerade
10:08wenn wir versuchen bestimmte Ziele in der Kampagne zu erreichen, kann es sehr helfen, uns diplomatisch
10:14ein wenig gegen die regelmäßigen Backsteps abzusichern. Aber ein absoluter Gamechanger ist
10:20das nicht. Die Seeschlachten, die neue Fraktion, die erweiterte Weltkarte, das alles sind coole
10:26Neuerungen, die das Mount and Blade Erlebnis in der Breite erweitern. Wer schon alles im Spiel
10:32erreicht hat, der freut sich sicher über diesen guten Grund für ein neues Playthrough mit neuen
10:36Möglichkeiten. Die Neuerungen gehen nur leider überhaupt nicht in die Tiefe. Wer wie ich
10:42über 100 Stunden in einer Kampagne drin ist, das Imperium vereint hat und sich nach neuen,
10:48bedeutenden Endgame-Inhalten sehnt, der wird enttäuscht sein. So viele Systeme in Bannerlord sind
10:54nur ein Schatten von dem, was sie voll ausgearbeitet sein könnten. Das Diplomatie-System, Allianzen hin
11:01oder her, könnte so viel komplexer sein. Königreiche könnten in nachvollziehbaren Verhältnissen zueinander
11:08stehen, politische Ziele verfolgen, gezielt Territorien erobern und so weiter. Aktuell erfolgt
11:15eine Kriegserklärung gefühlt dann, wenn irgendein spielinterner Timer abgelaufen ist, weil es einfach
11:20mal wieder Zeit ist. Eine richtige Beziehungsdynamik zwischen den Reichen entwickelt sich nicht und ein
11:27Territorium oder ein gegnerischer Lord wird angegriffen, weil er halt in der Nähe war. Nicht,
11:32weil es dafür taktische oder zwischenmenschliche Gründe gäbe. Und das obwohl Bannerlord doch
11:37eigentlich so viel Fokus auf seine Charaktere und deren Beziehungen legt. Auch die reichsinterne
11:43Politik lässt so viel Potenzial liegen. Aktuell muss ich darauf warten, dass der uralte König
11:49irgendwann stirbt und dann hoffen, dass ich als Nachfolger gewählt werde. Nachvollziehbar vorbereiten
11:55kann ich einen solchen Coup aber nicht. Wie cool wäre es, wenn ich mir jetzt schon ein Netzwerk aus
12:00Unterstützern aufbauen könnte, mit dem ich gegen den König Intrigieren ihn vielleicht zu einem
12:06frühzeitigen Ende bringen könnte. Sofern man das mit 77 Jahren im Mittelalter noch so nennen kann.
12:12Sobald wir an diesem Punkt im Spiel angelangt sind, geht der ach so freien Sandbox leider die
12:18Puste aus und darüber beschweren sich die Spieler seit Jahren. Dass wir nach drei Jahren nun genau
12:25dieses Addon bekommen haben, ohne dass die anderen Punkte sinnvoll angegangen werden,
12:30das dürfte nicht jeden freuen. Vor allem wenn man sich anschaut, was Modder in der gleichen Zeit
12:36alles auf die Beine gestellt haben, von der Überarbeitung ganzer Spielsysteme bis hin zu extrem
12:41detaillierten Total Conversions im echten Europa, Westeros und Co. Auch das neue Allianzen-Feature
12:48gibt es schon seit Jahren als Mod. Aber bei TaleWorlds dauert irgendwie alles immer sehr,
12:54sehr lange. Am Ende des Tages hängt es eben sehr davon ab, was ihr euch in erster Linie von
13:00einem Addon für Mountain Blade 2 Bannerlord gewünscht habt, ob ihr mit Warsales glücklich werdet.
13:05Ich hätte mir mehr Neuerungen gewünscht, die gerade im Endgame in die Tiefe gehen, nicht nur in die
13:11Breite und die mir vor allem auch in meiner bestehenden Kampagne zugutekommen. Wenn ihr
13:17aber ohnehin Lust auf eine neue Kampagne habt oder vielleicht generell immer mal Mountain and
13:21Blade ausprobieren wolltet, dann könnte Warsales für euch der perfekte Einstieg oder Wiedereinstieg
13:27sein. Aber bedenkt, man muss wirklich jede Menge Augen zudrücken, um diese Spielereihe zu lieben,
13:34aber was man dann bekommt, ist ein wirklich einzigartiges Spielerlebnis.
13:40Aber lasst uns doch gerne mal in den Kommentaren diskutieren. Freut ihr euch über die Seeschlachten
13:46oder hättet ihr auch etwas ganz anderes erwartet? Was muss TaleWorlds eurer Meinung nach am dringendsten
13:52angehen, damit Bannerlord noch besser werden kann? Ich bin gespannt auf eure Meinungen. Danke fürs Zuschauen,
13:59euer Jules.
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