- vor 5 Monaten
Als 1991 zwei Teenager im brandenburgischen Rietzneuendorf
verschwinden, haben die Ermittler keine Spur. Auch als man die
Leichen der beiden findet, bleibt es dabei, doch ein Stück
Gummi weist in die richtige Richtung.
verschwinden, haben die Ermittler keine Spur. Auch als man die
Leichen der beiden findet, bleibt es dabei, doch ein Stück
Gummi weist in die richtige Richtung.
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00:00Untertitelung im Auftrag des ZDF für funk, 2017
00:15November 1991.
00:17Es ist der Tag der jährlichen großen Drückjagd auf Wildschweine.
00:21Die Kette der 30 Treiber dringt die Tiere aus der Schonung dorthin, wo die Schützen stehen.
00:30Doch gegen Mittag findet die Jagd ein abruptes Ende. Ein Treiber entdeckt einen auffälligen Haufen Reisig.
00:48Darunter die Leiche eines Mädchens, missbraucht und erstochen. Für die Eltern des Opfers ein Schock, bis heute.
00:56Das ist wie ein Lichtschalter. Einfach umschalten, schon hat man es wieder da.
01:01Überwinden kann man das nie. Das geht nicht.
01:08Die Ermittler entdecken nur wenige brauchbare Spuren.
01:14Doch ausgerechnet ein unscheinbares Stück Gummi gibt dem Fall die entscheidende Wendung.
01:19Als ich davon erfuhr, machte es sofort Klick bei mir. Das ist der Schlüssel, um hier die Sache zu klären.
01:29In diesem Kiefernwald wird damals die Leiche der 15-jährigen Sarina entdeckt.
01:40Wenige Tage vorher war bereits ihre Freundin Janine tot aufgefunden worden.
01:45Janine war 16.
01:46Die Aufklärung des Doppelmordes war enorm aufwendig, mit einer der bis dahin größten Kfz-Fahndungen in Deutschland.
01:56Rietzen-Neuendorf, Brandenburg.
01:59Wo heute der Bürgertreff ist, betrieb der Vater eines der Mädchen damals einen Gasthof.
02:03Sarina und Janine kamen oft aus Berlin hierher, hatten Freunde im Ort.
02:09Auch viele Jahre später ist die Wut auf den Mörder bei den Angehörigen nicht milder geworden.
02:18Besorgen Sie mich, den Menschen nicht zu reisen in der Luft.
02:21Was ich heute noch machen würde.
02:23Das hätte auch machen können, aber aufgrund der Familie habe ich mich zurückgehalten.
02:27Das Grab von Sarina Schmidt auf einem Friedhof in Berlin-Marzahn.
02:34Die Familie hat uns Fotos von ihr zur Verfügung gestellt.
02:41Von Sarinas Freundin Janine gibt es nur dieses Bild aus den Akten der Polizei.
02:49Hier in Berlin-Marzahn wachsen die Mädchen auf.
02:54In diesem Aufgang wohnt Sarina, 15 Jahre alt.
03:01Gleich in der Nachbarschaft das Haus, in dem ihre enge Freundin Janine lebt.
03:07Sie ist ein Jahr älter.
03:10Beide gelten als gute Schülerinnen, als zuverlässig, mit stabilem Verhältnis zu den Eltern.
03:17Sarina war ein offener, ehrlicher Mensch, strebsam.
03:22Die Oma Journalistik studieren wollte oder in der Gastronomie gehen wollte.
03:28Aber das hat leider nicht dazu gekommen.
03:31Wir hatten ein Zimmer zusammen und ihre Seite war voll mit Nügels on the block, mit Starschnitt hier, alles voll und so.
03:41Und meine Seite, naja, weiß ich nicht, da waren die Ärzte oder so.
03:44Sie hat immer gelacht, war Freude strahlend, keine Ahnung.
03:46Und sie ist, sag ich jetzt mal, lachend aufgestanden und lachend drauf im Bett, ja.
03:51Und so, sie war sehr beliebt auch.
03:54Bei Mitschülern löst der Tod der Mädchen damals Angst und Entsetzen aus.
04:02Ein Fernsebeitrag kurz nach dem Doppelmord.
04:06Naja, es war ziemlich erschütternd, weil man sitzt acht Jahre mit ihr in einer Klasse und jetzt ist sie nicht mehr da.
04:12Der Tag, an dem die Mädchen verschwinden, ist der 20. November 1991.
04:21Die beiden laufen zu einem Berliner S-Bahnhof. Es ist Buß- und B-Tag, schulfrei.
04:27Sie wollen wieder nach Rietzen-Neuendorf, um ihre Freunde zu treffen.
04:30Das erste Mal reisen die beiden allein dorthin.
04:38Vermutlich fahren sie zunächst mit der S-Bahn nach Königs Wusterhausen.
04:44Von dort dann mit dem Regionalzug in das Dorf Brand.
04:48Ihr eigentliches Ziel, Rietzen-Neuendorf, liegt von hier aus noch sechs Kilometer entfernt, auf der anderen Seite der Autobahn.
05:01Eigentlich sollen die Mädchen von ihren Freunden vom Bahnhof abgeholt werden.
05:06Doch die haben am Vorabend abgesagt.
05:08Sarina und Janine machen sich wohl zu Fuß auf den Weg.
05:12Zeugen sehen sie noch kurz hinter dem Ortsausgang.
05:20Doch irgendwo an dieser Straße verschwinden die Mädchen.
05:26Am Abend melden die Eltern sie als vermisst.
05:30Die Polizei nimmt das zunächst nicht sonderlich ernst.
05:35Sarinas Vater beschwert sich damals in einem Fernsehbericht.
05:39Es passierte nichts.
05:41So, dass ich Montag nochmal hingefahren bin, wir selbst persönlich nach Lüben zur Kripo.
05:46Es schlug mir eine totale Kälte entgegen, eine Interessenlosigkeit.
05:50Die ist unbeschreiblich.
05:51Im Süden von Berlin, 70 Autobahnkilometer entfernt von der Stelle, an der die Mädchen zuletzt gesehen wurden, liegt der Sietener Elsbruch.
06:03Ein einsames, sumpfiges Waldstück.
06:05Kaum ein Wanderer verirrt sich hierher. Schon gar nicht im Spätherbst.
06:0924. November 1991. Es ist Tag vier nach dem Verschwinden von Sarina und Janine.
06:21Wo sonst niemand spazieren geht, ist an diesem Nachmittag ein Paar aus Berlin unterwegs.
06:27Sie ist tot!
06:30Im Gras liegt die Leiche der vermissten Janine. Die 16-Jährige ist brutal missbraucht und erwürgt worden.
06:40Stunden später trifft die Polizei ein. In der Nähe des Opfers sichert sie Reifenspuren.
06:48Außerdem ein Klebeband. Reste von Lidschatten darauf legen nahe, es klebte zuvor über den Augen des Opfers.
07:02Auf diesem Klebeband, hier das Original, werden später auch Fingerabdrücke entdeckt.
07:08Doch zu den Abdrücken findet sich kein passender Eintrag in den Polizeiakten.
07:12Der unbekannte Täter kennt sich offenbar in der Gegend gut aus. Die Leiche ist wohl bewusst an einen besonders abgelegenen Ort gebracht worden.
07:23Janines Tod ist nun Gewissheit. Doch wo ist ihre Freundin Sarina? Ist sie vielleicht noch am Leben?
07:32In mir war natürlich noch Hoffnung. Also dass so noch lebend davon wird. Die Hoffnung war ja bis zuletzt da bei mir.
07:44Es dauert eine weitere Woche, bis sich auch das Schicksal von Sarina erklärt.
07:53Samstag, 30. November 1991. Eine Kiefernschonung. Diesmal nicht weit weg von der Gegend, in der die Mädchen verschwunden sind.
08:05Hier entdeckt ein Jagdhelfer die Leiche von Sarina.
08:08Hans-Jürgen Petschik war damals der Jagdleiter. Er lief hinter dem Treiber, der das Mädchen unter dem Reisighaufen fand.
08:26An diesen Ort erinnert er sich auch heute noch, auf den Meter genau.
08:29Wir befinden uns jetzt hier direkt an dieser Stelle, wo wir das Mädel gefunden haben.
08:36Sie lag mit dem Kopf dort lang, hier unten die Füße.
08:40War komplett zugedeckt. Mit 30, mit Moos.
08:44Also man konnte so auf Anhieb nichts erkennen.
08:47Wir kamen mit den Treibern von dort.
08:49Rechts vor mir der Sohn sagte, oh, Fadi, da liegt was.
08:52Und von meiner Seite aus konnte ich sofort erkennen, diese Silhouette wie eine Mumie.
08:57Ich habe dann sofort gesagt, alle zurück. Wir sind dann ran mit dem Stock.
09:01Und vorne waren am Kopf ein paar Haare zu sehen.
09:04Und wir haben eine Wade freigemacht und konnten da erkennen, dass es ein Mensch ist.
09:10Die Polizei sperrt den Fundort ab.
09:16Am Abend muss der Jagdleiter noch einmal hierher, um seine Aussage zu machen.
09:20Zu dieser Zeit sind gerade die Kriminaltechniker mit der Spurensicherung beschäftigt.
09:25Das war so gegen 20 Uhr. Es war stockdunkle Nacht.
09:31Und an dem Fundort, wo ich die Leiche gelegen hatte, waren rings auch ein Scheinwerfer aufgestellt.
09:36Die Leiche lag so entblößt da.
09:41Und es war, ich habe das so empfunden, sehr hell, sehr weiß.
09:45Und dieses Bild, dieser Kontrast, dieses dunkle Sohn, das hat mich mindestens ein Jahr beschäftigt.
09:52Der Fundort von Sarinas Leiche ist vermutlich auch der Tatort.
09:57Hier ein Originalfoto aus den Akten.
09:59Aus den Spuren schließen die Ermittler, das Mädchen wurde mit ihrem eigenen BH geknäbelt.
10:06Man hat auf sie eingestochen und sie mit ihrem Gürtel gewürgt.
10:09Auch hier gibt es Reifenabdrücke, dieselben wie beim anderen Opfer.
10:18Die tote Sarina wird ins Krankenhaus Luckau gebracht.
10:23Da musste ich ja zum Handel diesen Leichen durchkrauchen zum Obduktionsraum, um sie dann zu identifizieren.
10:32Das war nicht aneinander.
10:35Horst Hellbig ist damals Staatsanwalt in Cottbus, zuständig für Kapitaldelikte.
10:40Den Anblick der toten Sarina wird er nie mehr vergessen.
10:48Ich habe noch keine Leiche gesehen mit derartig schreckhaft entsetzlich aussehenden Augen und Gesichtszügen, die das Ganze widerspiegeln, was sie erlebt hat.
11:10Furchtbar.
11:13Die Ermittler versuchen zu rekonstruieren, was mit Sarina und Janine geschah.
11:19Wahrscheinlich wurden sie an der Straße nach Rietz-Neuendorf entführt.
11:24Sarinas Leiche wird gleich in der Nähe abgelegt.
11:27Die Leiche von Janine weit weg, am Rand von Berlin.
11:33Auf einer Pressekonferenz, hier Originalbilder, wendet sich die Staatsanwaltschaft an die Bevölkerung.
11:38Zeugen haben einen Kleinbus beschrieben, in den die Mädchen mutmaßlich eingestiegen sind.
11:45Auffällig an dem Fahrzeug war eine große, durchgehende, verglaste Seitenfront.
11:51Zum Fahrzeugtyp und zum weiteren Aussehen des Fahrzeuges liegen keine näheren Erkenntnisse vor.
11:59Doch diesen Kleinbus gibt es nicht. Eine falsche Spur. Viel mehr haben die Ermittler nicht.
12:06Es war von vornherein klar, es ist eine sehr dürftige Spurenlage und es gibt wenig Anhaltspunkte, die jetzt sofort eine sogenannte heiße Spur waren.
12:23Das war klar, dass das ja sehr schwierig sein wird.
12:28Denn ein paar Fahrzeugspuren und dass da ein Fahrzeug war, das ist natürlich ein äußerst schwacher Hinweis, um irgendwie weitere Erkenntnisse zu gewinnen.
12:39Dann aber suchen Spezialisten den Fundort von Sarinas Leiche noch einmal ab. Und sie entdecken etwas, das vorher übersehen wurde.
12:49An einem Baumstumpf liegt ein winziges Gummiteil.
12:53Als ich davon erfuhr, in der Kenntnis, es ist sehr wenig, was uns hier weiterhilft, machte es sofort Glück bei mir.
13:07Das ist der Schlüssel, um hier die Sache zu klären.
13:13Auf zwei Beweisstücke muss sich das Ermittlerteam nun stützen. Zum einen das Klebeband mit den Finger abdrücken.
13:20Zum anderen das rätselhafte Gummiteil. Einzeln hat jedes dieser Beweisstücke kaum einen Wert.
13:29Beide zusammen aber könnten den oder die Mörder identifizieren.
13:36Denn die Ermittler vermuten, das Gummiteil stammt vom Auto, das der oder die Täter fuhren.
13:42Ein Baumstumpf könnte es abgestreift haben. Fände man dieses Auto, dann wäre man ganz nah am Täter.
13:48Doch zu welchem Fahrzeugtyp gehört das Gummiteil? Zu welcher Marke? Welchem Modell?
13:58Der Ingenieur Klaus Hellmich ist einer der erfahrensten Kfz-Gutachter in Deutschland.
14:06Er soll das Rätsel um das Gummiteil lösen. Und die Zeit drängt.
14:11Einerseits möchte man den Fall sehr schnell in die richtige Richtung lenken.
14:19Andererseits muss man bedenken, dass Spuren vernichtet werden können.
14:23Dass zum Beispiel ein tatbeteiligtes Auto verkauft werden kann.
14:26Als Ersatzteillieferant zerlegt werden kann.
14:31Oder aber, dass wir gelegentlich auch nach Kapitalverbrechen feststürmen,
14:36dass das Auto in Brand gesetzt wird.
14:39Hellmich hat einen Verdacht.
14:42Gummistupfen wie der Gesuchte werden bei sehr vielen Autos verbaut.
14:45Je nach Typ sehen sie anders aus. Ihre Aufgabe? Sie sollen Hohlräume verschließen.
14:52Zum Beispiel am Schweller.
14:55Sodass der Gummi zwei Funktionen erfüllt. Einmal Schutz gegen eindringenden Schmutz.
15:00Aber gleichzeitig auch Feuchtigkeitsabfuhr im Hohlkörper,
15:04damit der Hohlkörper nicht innen anfängt zu rosten.
15:06Auf dem Gummistopfen des möglichen Täterfahrzeugs, hier ein baugleiches Original,
15:13sind Reste einer Teilennummer zu erkennen.
15:16Hellmich und seine Kollegen von der DEKRA suchen in Katalogen und in den DEKRA-Datenbanken.
15:22Nach wenigen Tagen können sie die Auswahl einengen.
15:26Die Gummitülle muss von einem Audi stammen.
15:31Der Gutachter schaut sich bei Gebrochtwagenhändlern solche Audis an
15:35und entdeckt, diese Gummitülle gab es nur bei einem ganz bestimmten Audi-Modell
15:42und auch nur in ganz bestimmten Baujahren.
15:45Wir konnten also mit Eindeutigkeit sagen,
15:48dieses Teil gehört zu einem Pkw, gehört zu einem Audi, Audi 100,
15:52und zwar in einer ganz engen Baujahrsbreite von zwei Jahren,
15:56nämlich Oktober 1982 bis Oktober 1984.
16:00Damit war ein wesentlicher Schritt für die spätere Klärung
16:02und Identifizierung des Fahrzeuges gegeben.
16:08Am 14. Januar 1992, anderthalb Monate nach den Leichenfunden,
16:13schickt der Gutachter dieses Fax an die Ermittler.
16:17Gesucht wird ein Audi 100, Baujahr 82 bis 84,
16:21bei dem am Unterboden ein Teil fehlt.
16:24Die Ermittler stehen vor einer gewaltigen Aufgabe.
16:28In Brandenburg müssen 215 Audis ähnlich diesem überprüft werden,
16:34in Berlin sind es mehr als 6000.
16:36Die Frage, an welchem der Fahrzeuge fehlt ein solches Gummiteil?
16:41Inzwischen sind Ermittler aus Cottbus, Potsdam und Berlin mit dem Fall befasst.
16:45Am Berliner Landeskriminalamt arbeitet die 8. Mordkommission,
16:50zu der auch Elke Fabian gehört, damals 24 Jahre alt.
16:54Einen Zeitdruck gibt es immer, aber den setzt man sich selber, das ist ganz klar.
17:02Jeder Tag, den man den Täter nicht hat, der ist schlecht.
17:06Also das ist wirklich ein Katz-und-Maus-Spiel, was man unbedingt gewinnen möchte,
17:11weil man auch nicht weiß, was noch passiert.
17:15Weil jemand, der zwei Mädchen umgebracht hat, ich weiß nicht, was in dem vorgeht.
17:19Zwei Wochen lang fahren Ermittler in zweier Teams durch die Stadt.
17:25Sie haben Listen mit den Halteradressen aller in Frage kommenden Audis
17:29und müssen jedes Fahrzeug untersuchen.
17:34Schon während der Fahrt dorthin sieht man ein Audi 100 und guckt in dem Moment,
17:42ob man möchte oder nicht, fehlt dieses Teil oder nicht.
17:45Also das war so ein Automatismus dann mit der Zeit, dass man auch auf dem Weg nach Hause
17:50sich wirklich selektive Wahrnehmung sich mit diesen Autos befasst hat.
17:5729. Januar 1992, später Nachmittag.
18:01Vor einem Neubaublock in Berlin-Marzahn finden Elke Fabian und ihr Kollege einen weiteren Audi 100.
18:07Von den 6000 in Berlin zu prüfenden Autos ist es Nummer 248.
18:16Da fährt was.
18:17Ja, es war schon eigentlich ein ganz, ganz tolles Gefühl, dass plötzlich dieses Aha-Erlebnis oder dieses Gefühl da war,
18:25Mensch, hier stimmt alles. Also das ist immer so ein Zwischending zwischen Unglaube, Euphorie und, ja, Erfolgserlebnis erst mal.
18:38Der Halter des Audi ist ein junger Vietnameser. Er wohnt in diesem Gastarbeiterwohnheim.
18:44Doch schon die erste Befragung ergibt, mit dem Mord kann er nichts zu tun haben.
18:50Den Halter, den wir versucht haben dort auch im Heim zu ermitteln, da war es relativ schnell klar, dass er dieses Auto noch nicht lange hat.
18:58Ist also der Vorbesitzer des Audi der Täter? Nach ihm fahndet die Polizei jetzt und findet ihn wenig später hier, in der Justizvollzugsanstalt Tegel.
19:11Der Mann ist Beamtenanwärter, bewacht Schwerverbrecher. Ist er selbst einer?
19:1731. Januar 1992. Am Morgen wird der Gesuchte von seiner Arbeitsstelle geholt und von der Mordkommission vernommen.
19:26Tatsächlich war er zum Zeitpunkt der Morde Besitzer des gesuchten Audi. Mit dem Tod der Mädchen habe er aber nichts zu tun.
19:37Doch er wolle gern bei der Aufklärung helfen. Er ist auch sofort bereit, seine Fingerabdrücke nehmen zu lassen.
19:42Die Ermittler vergleichen sie mit den Spuren auf dem Klebeband, das die tote Janine über den Augen hatte.
19:52Und sie stellen fest, die Abdrücke stammen vom linken Daumen des Mannes.
19:56Uwe W., 31 Jahre, ist dringend tatverdächtig. Er wird verhaftet. Kurz darauf spricht der Staatsanwalt mit ihm.
20:08Da stand er vor mir oder saß vor mir. Ein mittelgroßer, kräftiger, ruhiger, junger Mann.
20:18Er machte auf mich erstmal den Eindruck, der weiß, um was es geht. Irgendwie hat er um sich irgendwie eine Wand aufgebaut, um sich nicht angreifbar zu machen.
20:35Das war so der Eindruck. Denn in einer solchen Situation, Beschuldigungen wegen eines Mordes dieser Mädchen vor der Inhaftierung stehen,
20:45da erwartet man ja eigentlich ein bisschen bei einem Unschuldigen. Emotionale Reaktionen. Das war ja nicht.
20:52Hat Uwe W. die beiden Mädchen missbraucht und ermordet? Der Beschuldigte streitet das rundheraus ab.
20:58Doch an einem kommt er nicht vorbei. Seine Fingerabdrücke sind auf dem Klebeband, das die 16-jährige Janine im Gesicht hatte.
21:14Uwe W. gibt schließlich zu, er war mit seinem Audi tatsächlich in der Gegend unterwegs, in der später die Leiche gefunden wurde.
21:23Er sei nach einer Kneipentour betrunken gewesen und habe einen Schlafplatz gesucht.
21:29Rein zufällig sei er dabei auf die bereits tote Janine gestoßen.
21:36Er will feststellen, ob die Person noch lebt und macht auch deshalb das Klebeband ab, fasst es also an und will es da einfach weggeschmissen haben, dort in diesem Bereich.
21:50Und so sei eben sein Fingerabdruck an das Klebeband gelangt.
21:56Kann das sein? Hat Uwe W. das Klebeband gar nicht aufgeklebt, sondern nur abgezogen?
22:08Fachleute beim Bundeskriminalamt untersuchen es noch einmal genau.
22:12Der Täter hat zwei Streifen davon verwendet, die sich teilweise überlappen. Im Labor werden sie getrennt.
22:23Versteckt zwischen den bisher zusammengeklebten Streifen finden die Experten nun einen weiteren Fingerabdruck.
22:29Und dieser kann nur entstanden sein, als Uwe W. das Klebeband von der Rolle abriss, um damit dem Opfer Janine die Augen zu verkleben.
22:41Anderthalb Jahre bleibt Uwe W. hier in der JVA Cottbus in Untersuchungshaft.
22:49So lange brauchen die Gutachter, um das Beweismaterial zu bewerten. Uwe W. streitet ab oder schweigt.
22:5620. August 1993. Prozessbeginn in Cottbus. Der Angeklagte trifft die Angehörigen der Opfer.
23:08Der wurde direkt an mir vorbeigeführt. Ich könnte ohne Wettbewerb erstrechen oder erschießen oder sonst, was man nicht machen könnte.
23:15Den hätte keiner helfen mehr können. Aber aufgrund meiner Familie, um die Familie zu schützen weiterhin, habe ich das eingelassen.
23:25Weil Uwe W. nichts zum Ablauf der Taten sagt, muss das Gericht aus den Indizien schließen, wie die Mädchen ums Leben kamen.
23:32Der Täter begegnet Sarina und Janine wohl zufällig an der Straße zwischen Bahnhof und Rietzen-Neuendorf.
23:42Er bietet an, sie an ihr Ziel zu bringen. Doch er hat etwas anderes mit ihnen vor.
23:54Es muss ihm gelungen sein, die beiden so einzuschüchtern, dass sie sich nicht zu wehren wagen.
23:59Während Janine im Auto eingesperrt ist, zerrt er Sarina in eine Kiefernschonung.
24:12Er vergewaltigt sie, schlägt und wirkt sie mit ihrem Gürtel, sticht auf sie ein.
24:18Die junge Frau erstickt an ihrem eigenen Blut.
24:23Ihre Freundin, immer noch im Auto, muss all das miterleben.
24:29Das muss man sich mal vorstellen, stundenlang.
24:31In der Gewissheit, ihre Freundin ist ganz brutal und auf schlimmste Weise gequält und letztlich getötet worden.
24:46Dass es ihr auch so ergehen wird, das hat das Mädel bewusst erleben müssen.
24:50Und das ist eben das Besondere, Grausame, was diese Mordtat auch kennzeichnet.
24:58Und was den Täter in keinster Weise berührt hat.
25:05Janine wird ebenfalls missbraucht und später mit ihrem eigenen Halstuch erwirkt.
25:10Uwe W. schafft sie 70 Kilometer weit weg, bis an den Berliner Stadtrand.
25:20Die Gegend kennt er aus seiner Zeit in der Rinderzucht.
25:23Dort schleift er Janine ins sumpfige Gras.
25:26Was für ein Mann ist zu solchen Taten fähig?
25:33Ein psychologisches Gutachten von Uwe W. gibt es damals nicht.
25:37Doch beim Prozess wird klar, für ihn gehörten Sex und Gewalt auch in seinen Beziehungen zusammen.
25:43Äußerst gefühlsarm, gefühlskalt, bösartig und berechnend.
25:57Keinerlei Achtung vorm Leben, keinerlei Erbarmen vor den Qualen, die die Opfer erleiden.
26:043. Januar 1994. Ein Fernsehbericht über den Gerichtsprozess in Cottbus.
26:10Uwe W. und sein Verteidiger plädieren auf Freispruch.
26:13Doch für das Gericht wiegen die Indizien schwerer.
26:20Uwe W. wird wegen der Morde an Sarina und Janine zur lebenslange Haft verurteilt.
26:33Die Angehörigen sind erleichtert. Doch Genugtuung bedeutet das Urteil für sie nicht.
26:43Meistens ist es ja so, wenn sowas passiert, die Ehen gehen zu 95% kaputt daran.
26:51Und das war für mich sehr, sehr schwer, das alle zusammenzuhalten.
26:58Aber es wird meine Kapsel schafft. Der wollte unsere Familie kaputt machen. Aber das ist nicht.
27:09Der Angeklagte streitet die Taten bis zum Schluss des Verfahrens ab.
27:16Das Gericht hat jedoch keinen Zweifel, dass er in beiden Fällen der Mörder ist.
27:20Die Geschichte ist hier aber noch nicht zu Ende.
27:22Zehn Jahre später. Ermittler rollen einen anderen bisher ungeklärten Fall noch einmal auf.
27:32Er spielt ebenfalls südlich von Berlin.
27:35Im Sommer 1986 wird in der Nähe einer Müllkippe die Leiche eines 17-jährigen Mädchens gefunden.
27:41Ann-Kristin wurde vergewaltigt und ermordet. Der Täter blieb unbekannt. Die Akten wurden geschlossen.
27:53Doch 2003 gibt es neue Möglichkeiten der Kriminaltechnik.
27:59Die Kleidung des Opfers wird noch einmal auf DNA-Spuren untersucht. Mit einem überraschenden Ergebnis.
28:05Der Täter von damals ist Uwe W.
28:12Der Mörder von Serena und Janine hat also schon vorher getötet.
28:172006 steht er dafür erneut vor Gericht. Wird wieder wegen Mordes schuldig gesprochen.
28:22Im Urteil wird zudem die besondere Schwere der Schuld festgehalten.
28:29Beim Prozess wird Uwe W. auch zum Doppelmord an Serena und Janine befragt.
28:33Und er gibt eine überraschende Antwort.
28:39Ich hätte damals gestehen müssen, um den Angehörigen ein Signal zu geben, dass ich schuldig in der Sache bin.
28:49Uwe W. räumt also endlich ein, er hat Serena und Janine getötet.
28:54Einige Ermittler vermuten ihn sogar als Täter bei weiteren Morden.
29:01Immer nach dem gleichen Muster.
29:03Aufgeklärt sind diese Fälle bis heute nicht.
29:05Untertitelung des ZDF für funk, 2017
29:14von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder von der Mörder.
29:25Untertitelung des ZDF, 2020