Der FC St. Pauli gewinnt das erste Hamburger Stadtderby in der Bundesliga nach über 14 Jahren mit 2:0 durch Tore von Andreas Hountondji und Adam Dzwigala. Der HSV präsentierte sich dabei vor allem nach vorne ohne Ideen. Von der Tribüne des Volksparkstadions analysieren kicker-Reporter Sebastian Wolff und Moderator Marc Wiese im Talk und ziehen ein Fazit.
00:00Der FC St. Pauli gewinnt das Hamburger Stadtderby eindrucksvoll mit 2 zu 0 hier im Hamburger
00:08Volksparkstadion. Sebastian, wir haben über weite Strecken, glaube ich, eine ziemlich eindeutige
00:13Angelegenheit hier gesehen. Hat dieses Spiel aus deiner Sicht dieses Jahr Unterschied, was
00:19der FC St. Pauli ja jetzt schon in der Bundesliga ist, zwischen beiden verdeutlicht? Ja, absolut.
00:23Und ehrlicherweise hat das Spiel auch wirklich die Kräfteverhältnisse, die gerade in Hamburg
00:26sind, ausgedrückt und widergespiegelt. Das hat sich ja so ein bisschen in der Vorbereitung,
00:30finde ich, schon angedeutet. Da merkte man, dass diese Neulinge, die St. Pauli geholt hat,
00:35dass diese Strategie von Andreas Bornemann eigentlich aufgegangen ist durch auslaufende Verträge
00:39und dann Neuverpflichtungen, wirklich diese Mannschaft sukzessive besser zu machen, schneller
00:44zu machen. Und alles das hat eigentlich St. Pauli in diesem Derby gezeigt gegen einen HSV,
00:48der ja energetisch und bemüht reingekommen ist. Aber so nach 10, 15 Minuten kurz vor diesem
00:53Tor eigentlich hat sich das schon angedeutet, dass St. Pauli einfach sichtbar fußballerisch
00:57die bessere Mannschaft ist. Ist dieser Sieg des FC St. Pauli für dich eher eine Demonstration
01:02der Stärke des FC St. Pauli oder der Schwäche des HSV? Also beides. Ich denke, man kann das
01:07nicht mit Ja oder Nein beantworten. Also St. Pauli hat eindeutig seine Stärke demonstriert
01:11und ich glaube, St. Pauli, das haben ja auch viele nach dem Spiel so bundesweit wahrgenommen,
01:15schon eigentlich nach dem Dortmund-Spiel, dass St. Pauli nicht wie ein Abstiegskandidat spielt,
01:19sondern wie eine Mannschaft, die wirklich nach dem Abstiegskampf von Platz 14 im Vorjahr
01:23eindeutig den nächsten Schritt vollzogen hat. Na klar, wir müssen vorsichtig sein am zweiten
01:27Spieltag mit irgendwelchen Prognosen. Also einigen wir uns zumindest auf die Aussage, sie sind
01:31dabei, diesen nächsten Entwicklungsschritt zu vollziehen. Und der HSV, auch da muss man
01:35jetzt sicherlich nicht alles schwarz sehen, aber offenkundig ist, dass diese Mannschaft
01:39in dieser neuen 3-4-3 Ausrichtung große Probleme hat, zumindest mit diesem aktuellen Personal,
01:44das Spiel nach vorne zu tragen. Es gibt eine Dreierkette und davor eine Viererreihe, die
01:49eigentlich nur aus Defensivkräften besteht und so resolut Nicolai Remberg und Nicolas Capaldo
01:54auch sein mögen. Man sieht, dass einfach die Idee fehlt und auch die Fähigkeit fehlt,
01:59das Spiel nach vorne zu tragen. Ich wollte gerade sagen, dieses Verbindungsspiel,
02:02dieses Verbindungsspiel von hinten raus, oft über lange Bälle, aber so wirklich jemand,
02:06der mal das Spiel irgendwie lenkt, fehlt eigentlich. Ist das die größte Baustelle, an der,
02:10jetzt haben wir nicht mehr viele Tage, die das Transferfernseher geöffnet ist, an der
02:14Stefan Kunz und Klaus Kosta noch arbeiten müssen? Ja, im Prinzip fehlt im HSV und Ludwig Reis.
02:18Das war der Spieler, der genau dieser Verbindungsspieler war, Box-to-Box-Spieler,
02:22viel Energie nach vorne, Balleroberung und gleichzeitig haben auch immer eine Idee
02:26und eine Option nach vorne. Den wollten sie gerne halten, der war nicht zu halten und
02:30Stefan Kunz hat es auch gerade nach dem Spiel nochmal gesagt, ja, sie sind noch an einem
02:34Spieler dran und sie suchen genau für diese Position, sie suchen genau für diese Rolle
02:38einen Spieler, der das Spiel nach vorne tragen kann und ins letzte Drittel tragen kann.
02:42Denn, man muss auch sagen, so sehr auch Jean-Luc Dompey und Yusuf Paulsen
02:46zu Beginn des Spiels vermisst wurden und so harmlos diese Dreierreihe da vorne war,
02:51sie war einfach auch wirklich nahezu abgeschnitten von der Versorgungskette.
02:55Dagegen die Transfers des FC St. Pauli, viele Neuzugänge, heute ja auch wieder mit guten Leistungen.
03:00Was würdest du dieser Transferphase von Andreas Bornemann für die Not ergeben?
03:04Dafür, dass man die Spiele alle vorher nicht kannte und was dann vielleicht auch ein Versäumnis von
03:09uns vermeintlichen Experten ist, aber da waren wirklich viele, ja, Überraschungseier bei.
03:14Aber wenn man heute gesehen hat Andreas Tontonti gegen Jordan Tonorica, das war ja fast ein Mismatch,
03:19also der hat den in den Grund und Boden gelaufen. Da ist Athletik, da ist Dynamik.
03:23Luis Oppi ist eigentlich kein direkter Ersatz für Philipp Troi, weil er ein ganz anderer Spielertyp ist.
03:29Und trotzdem passt er natürlich zu St. Pauli, hat diese Linksverteidigerrolle hervorragend angenommen.
03:34Und wir können das eigentlich so durchgehen, was Fujita ist.
03:36Jetzt ist noch Martin Kahrs heute reingekommen. Das ist auch nochmal ein Spieler, der die Qualität nochmal erhöht.
03:41Also auch da vorsichtig sein mit voreiligen Schlüssen.
03:45Aber St. Pauli hat auf jeden Fall sehr, sehr gut eingekauft und die Mannschaft eindeutig besser gemacht.
03:50Nachdem der HSV ja das letzte Stadtderby hier im Volkspark gewonnen hat, reicht er jetzt dem Pokal des Stadtmeisters wieder weiter zum FC St. Pauli.
03:57Beide haben das Ziel Klassenerhalt. Wo siehst du beide aktuell auf dem Weg dorthin?
04:03Also wenn man dieses Spiel zum Maßstab nimmt und auch jetzt diese drei Punkte, die St. Pauli stand jetzt vor dem HSV steht,
04:09dann ist das genau dieser Unterschied, der aktuell zwischen beiden Mannschaften liegt.
04:13Ich habe im Vorfeld gesagt, St. Pauli ist nicht der große Favorit in diesem Spiel, weil obwohl sie die bessere Mannschaft haben und die besseren Fußballer haben,
04:22heute haben sie eindrucksvoll gezeigt, dass sie nicht nur die bessere Mannschaft haben, sondern auch die Mentalität dann in so einem Spiel komplett da zu sein.
04:28Und dass dem HSV einfach doch noch eine ganze Menge fehlt und dass der HSV es ja schwer haben wird, als Aufsteiger die Klasse zu halten.
04:35Das ist auch kein Drama und auch keine große Überraschung. Merlin-Volzin hat es nach dem Spiel noch mal gesagt, wir waren sieben Jahre weg.
04:42Das ist eine lange Zeit. Der HSV hatte einen reinen Zweitliga-Kader. Er hat versucht, diesen Zweitliga-Kader zu verändern.
04:48Das Problem, was sich im Moment darstellt, ist, dass die Neuen, die gekommen sind, dann nehmen wir beispielhaft Gurdjolajewili mit diesem unglücklichen Zustandekommen des 0 zu 2,
04:58dann auch mit der unglücklichen gelb-roten Karte bisher, deuten diese Neuen nicht an, dass sie wirklich besser sind als die Alten.
05:04Und dann wird es natürlich zum Problem, so ein Umbruch.
05:07Also wir halten fest, viel Arbeit für den HSV und ich glaube viel Hoffnung für den FC St. Pauli, dass es tatsächlich vielleicht sogar eine sorgenfreie Saison werden könnte.
05:15Schreibt gerne auch noch mal in die Kommentare, wie ihr das Spiel gesehen habt. Wir verabschieden uns damit hier aus dem Volkspark.