00:00Bevor er sich auf den Weg macht, überprüft Issam Rimawi routinemäßig seine Kameraausrüstung.
00:07Er soll über eine Protestaktion von Familien palästinensischer Gefangener in israelischen Gefängnissen berichten.
00:13Er ist besonders sorgfältig, denn seit dem 7. Oktober 2023, sagt er, sei das Risiko für palästinensische Kameraleute drastisch gestiegen.
00:23Wenn ich jetzt mein Haus verlasse, weiß ich nie, ob ich zu meiner Frau, meinen Kindern, meiner Familie zurückkehren werde.
00:31Vor dem 7. Oktober bin ich ohne Angst zu den Einsätzen gegangen.
00:35Ich hatte keine Angst, mitten in eine Konfrontation zu gehen, aber jetzt drohen sie, auf uns zu schießen.
00:43Neben Issam wollten wir eigentlich mit einem weiteren Journalisten sprechen, mit Muad Amane.
00:48Doch kurz vor dem Treffen wurde Muad von israelischen Behörden festgenommen, wie viele andere Journalisten im besetzten Westjordanland.
00:59Er wurde seit dem 7. Oktober zweimal ohne Anklage festgenommen. Das ist Verwaltungshaft. Wir sind mit ihm solidarisch.
01:08Verwaltungshaft bedeutet keine Anklage, kein Gerichtsverfahren. Unser Gespräch wird unterbrochen.
01:13Ein Mann auf der Straße informiert uns, dass das israelische Militär das Stadtzentrum stürmt.
01:20Sechs Fahrzeuge und sechs weitere zum Schutz. Sie schießen.
01:24Wir sind auf dem Weg zu einer Protestaktion, aber inzwischen hören wir, dass das israelische Militär Ramallah stürmt.
01:31Wir hören massive Explosionen und jetzt müssen wir nicht nur unsere Schutzwesten anziehen, sondern uns auch gut abstimmen, um sicher zu sein.
01:39Issam sagt, das sei Alltag.
01:44Die Protestaktion, die Issam filmen wollte, ist in den Hintergrund gerückt.
01:49Sicherheit zuerst, sagt er, aber hier sicher zu bleiben, ist alles andere als einfach.
01:55Hier ist es gefährlich, bleibt links.
01:58Dann richtet das israelische Militär die Waffe auf uns.
02:02Er droht, mit scharfer Munition und Tränengas zu schießen, um uns fernzuhalten.
02:21Er schießt direkt auf uns, mit Tränengas.
02:24Sie schießen Tränengas, sie schießen auf Journalisten. Wie fühlst du dich dabei?
02:32Sie fürchten die Kamera, weil wir ihre Verbrechen der Welt zeigen. Deshalb greifen sie uns und unsere Kameras an.
02:44Ich bin hier, ich bin hier.
02:46Schon vor dem aktuellen Krieg, sagt Issam, wurde er von israelischen Sicherheitskräften eingeschüchtert.
02:54Im Mai diesen Jahres wurde er von israelischen Siedlern angegriffen.
03:01Palästinenser im besetzten Westjordanland sind auf Journalisten wie Issam angewiesen, um ihre Lebensrealität unter israelischer Besatzung zu zeigen.
03:09Über den israelisch-palästinensischen Konflikt zu berichten, ist nicht nur herausfordernd.
03:15Es ist gefährlich. Sowohl lokale als auch internationale Journalisten sind realen Bedrohungen ausgesetzt.
03:21Viele von uns wurden von israelischen Siedlern belästigt oder von Polizei und Sicherheitskräften eingeschüchtert,
03:27während wir im besetzten Westjordanland berichten.
03:30Erst kürzlich wurden einige meiner Kollegen von Siedlern angegriffen.
03:33Sie blieben unverletzt, aber ihr Auto wurde beschädigt.
03:36Israel wolle Journalisten zum Schweigen bringen, sagt die Journalistin Shuruk Azad.
03:42Sie berichtet seit drei Jahrzehnten über den Konflikt, doch mit Beginn des Gaza-Kriegs habe sich alles verschärft.
03:49Die Eskalation bedeutet, Israel hat ab dem 7. Oktober beschlossen, Journalisten ins Visier zu nehmen.
03:58Sie wollen keine andere Erzählung.
04:00Zweitens, sie wollen keine Zeugen.
04:02Sie wollen Angst verbreiten, damit jeder zweimal überlegt, ob er Journalist werden will.
04:07Sie wollen sie so weit wie möglich von der Arbeit abhalten.
04:10Durch Bedrohung, Angst, fehlenden Schutz, Traumatisierung.
04:14Das ist es, was Israel will.
04:18Was auch immer Israels Absicht ist, Issam sagt, er will weiterarbeiten,
04:23selbst wenn das bedeutet, festgenommen oder getötet zu werden.
04:26Die Schutzweste, der Helm zeigen zumindest, dass wir von der Presse sind, Journalisten.
04:34Das sollte uns ein bisschen Schutz geben, aber es gibt keine Sicherheit.
04:43Israel sagt, es nehme Journalisten nicht gezielt ins Visier.
04:46Doch in diesem Konflikt zeigen die Zahlen und Erlebnisse wie heute,
04:50dass viele von uns bei der Arbeit nicht geschützt sind.
04:56Das sollte uns bei der Arbeit nicht geschützt sind.
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