00:00Ah, ist das nicht schön. Überall herumwuselnde Ameisen, Käfer, Läuse und Schnecken und dann
00:15diese Grafik als wäre es eine Doku. Da will man doch direkt rausgehen und… okay,
00:21bleiben wir vielleicht lieber drin und bei Empire of the Ants. Das zeigt uns die schönste Seite in
00:27der Natur nämlich ganz ohne diese lästige Realität außen herum. Und anschauen solltet
00:33ihr euch das neue Ameisenspiel des französischen Studios Tower 5, denn zumindest die Schauwerte
00:38sind hier wirklich herausragend. Allerdings solltet ihr euch auch nicht blenden lassen,
00:44denn diese Neuauflage einer mittlerweile 24 Jahre alten Buchumsetzung hat schon auch ihre
00:50Schwächen. Im Video zeigen wir euch gleich beide Seiten, von denen die eine dank Unreal Engine 5
00:57wahnsinnig hübsch ist und auf unserem Testsystem auch stabil und flüssig läuft.
01:02Im Gegensatz zum ebenfalls heuer erschienenen Ameisentitel Empires of the Undergrowth spielt
01:11ihr in Empire of the Ants aus der Third-Person Perspektive einer einzelnen Ameise. In der
01:17Kampagne ist das die Arbeiterin 103683, die von ihrer Königin mal zum Nahrung sammeln oder auf
01:26Schlachtfelder geschickt wird. Entsprechend der Aufgabe verändert sich dann das durchaus
01:31vielseitige Gameplay. Auf Erkundungs- oder Überquerungsmissionen krabbelt und hüpft
01:37ihr durch wunderschöne Wald-, Sumpf- und Strandlandschaften, mal mit leichtem Zeitdruck
01:42und mal ganz ohne, sodass ihr euch nach belieben Umsehen und Szenerie bewundern könnt.
01:48Manchmal sammelt ihr dabei vermisste Arbeiterinnen ein, oder fangt Glühwürmchen und Schmetterlinge
01:56ein, was durchaus eine kleine Herausforderung sein kann. Die Steuerung der Ameise birgt da
02:02doch so einige Tücken. Und das vor allem, wenn es schnell gehen muss. Wie ihr hier seht,
02:08will die Ameise nicht immer ganz so, wie wir es wollen, vor allem beim Übergang von Objekten,
02:15die eine kleine Distanz zwischen sich haben oder wenn wir Kopf überlaufen müssen. Ein Loslassen-Button
02:21hätte uns da öfter mal geholfen, insgesamt ist die Steuerung aber gut und kein größeres Hindernis.
02:28Außerdem ist vor allem die erste Hälfte der Kampagne recht einfach. Hier etwa überqueren
02:34wir ein überflutetes Gebiet und dürfen nur nicht ins Wasser fallen. Und selbst wenn,
02:39dann setzt euch das Spiel direkt zu einem der vielen Kontrollpunkte zurück. Es gibt
02:44zwar keine Speicherstände, viel Zeit verliert ihr aber eigentlich nie. Auf diese Weise bleibt
02:50Raum zum Erkunden der Umgebung, wo kleine Story Happen oder aus Ameisensicht merkwürdige Objekte
02:57zum Untersuchen auf euch warten. Und wenn ihr trotzdem mal etwas nicht finden könnt,
03:02weisen euch eure Fühler den groben Weg. Zumindest wenn das Objekt der begehrte
03:08Teil des Missionsziels ist. Und wer besonders genau hinschaut wird, neben vielen liebevollen
03:13Details außerdem ein paar gut versteckte Goldkäfer für die Achievement-Liste finden.
03:18Zwischen den Missionen besucht ihr dann mehrere Ameisenhaufen, die als Story und Quest-Hub dienen.
03:24Die könnt ihr allerdings nicht direkt betreten, sondern nur das vielbeinige Spektakel außen
03:30herum bewundern. Doch auch so gibt es genug zum Bestaunen. Hochauflösende Holztexturen,
03:36vielgliedrige Farnblätter, der Schattenwurf auf bemoßte Steine oder Lichtreflexionen an
03:42der metallenen Kante eines Abwasserrohrs. Und im Hintergrund betört der hervorragende
03:49Soundtrack eure Ohren.
04:06Die Spielwelt von Empire of the Ends ist also ein echtes Meisterwerk, wenn gleich alles in
04:22relativ kleine Level unterteilt ist, die maximal 20 bis 30 Minuten in Anspruch nehmen. Eine Open
04:29World dürft ihr also nicht erwarten. Und auch alternative Schwierigkeitsgrade gibt es nicht.
04:35Dafür ist aber das Kampf-Gameplay relativ simpel und mag sich für Einsteiger eigenen.
04:41Auf dem Schlachtfeld findet ihr Nahrung, Holz und Nestplätze, die ihr oder feindlich gesinnte
04:48Ameisen einnehmen könnt. Sich dort auszubereiten ist wichtig, weil jedes Nest nur eine Legion
04:54unterstützen kann und nur eine begrenzte Anzahl an Bauslots anbietet. Mit denen generiert ihr
05:00zusätzliche Nahrung und Holz, erhöht das Fassungsvermögen für Ressourcen, erweitert
05:06die Nestverteidigung, wertet Truppen auf und schaltet Pheromone frei. Diese Pheromone
05:11gewähren eurer Anführerameise Unterstützungsfähigkeiten. Dazu gehört ein kurzzeitiger
05:17Schadens- oder Geschwindigkeitsboost, ein temporärer Gesundheitsbuff für alle Legionen
05:22in der Nähe oder auch das Aufdecken aller gegnerischen Einheiten. Und das kann super
05:28nützlich sein, um den Gegner auszumanövrieren. Denn die drei Legionstypen Arbeiter, Schütze
05:34und Soldat kontern sich im typischen Steinschere-Papier-Prinzip gegenseitig aus. Es ist also
05:40wichtig, welche Ameisen ihr wo einsetzt. Im Maximum befehligt ihr sieben Legionen,
05:47darunter Spezialeinheiten wie Mistkäfer, fliegende Hornissen oder eine Schnecke,
05:52mit deren Schleim die Ameisen außerhalb des Kampfes langsam einen zusätzlichen Lebensbalken
05:57aufbauen. Und der ebenfalls fliegende Riesenkäfer transportiert bis zu zwei
06:02Legionen über beliebige Hindernisse hinweg. In der Kampagne werden diese Kooperationen
06:10allerdings kaum erklärt und das bringt uns zum größten Versäumnis von Empire of the Ants. Das
06:17vermittelt nämlich so gut wie keine weiterführenden Informationen über das Ameisenleben und das
06:22Ökosystem um sie herum. Als Leerspiel ist es daher leider ungeeignet. Stattdessen erzählt
06:29die 15-20 stündige Kampagne eine recht langweilige Geschichte über rivalisierende
06:35Ameisengattungen und Königinnen und profitiert dabei auch nicht gerade von der Inszenierung.
06:41In den Erzählsequenzen stehen nämlich meist einfach zwei Ameisen nebeneinander und geben
06:47ein paar Laute von sich, während die Kamera ganz langsam um sie herum fährt. Doch das ist
06:53eben Ausrichtungssache. Empire of the Ants will ganz offensichtlich keine Dokumentation sein,
06:59sondern ein Echtzeit-Strategiespiel, in dem ihr euch sogar online mit der KI,
07:03Freunden oder Fremden messen könnt. Da schickt ihr dann eure Legionen gegeneinander,
07:09erobert oder verliert Nester, kundschaftet das Feindgebiet aus, um Schwachstellen zu finden
07:14oder um direkt mit einem starken Stoßangriff und mehreren Pheromon-Aktivierungen den Hauptbau des
07:21Feindes auszuheben. Allerdings ist das Kerngameplay dann eben doch so simpel und die Optionsvielfalt
07:27an Einheiten so gering, dass ihr schnell alles mal gesehen habt. Und dazu kommt dann noch die
07:34Steuerung. Aus Bodenhöhe lässt sich so ein Schlachtfeld eben nicht sehr gut überblicken.
07:38Und auch wenn das aus Immersionsgründen zweifellos die Absicht war, macht es das
07:44Ganze nicht unbedingt besser. Wegen dieser Perspektive werdet ihr euch häufig an der
07:48Minimap orientieren müssen, statt an dem hübschen Bildausschnitt vor euch. Und wenn
07:53ihr in euren Nestern was bauen wollt, müsst ihr immer erst mit eurer Ameise dorthin rennen
07:58und direkt auf dem Slot stehen, um das Vorhaben in Auftrag zu geben. Und das führt natürlich
08:04zu einer Menge Rennerei. Durch diese etwas lästigen und langwierigen Mechaniken wird
08:10vor allem das Anfangsgameplay einer Partie dann doch schnell monoton und die fehlende
08:16Optionsvielfalt kann einfach nicht genügend Wiederspielwert bieten.
08:20Immerhin ist aber das Zusehen bei den Kämpfen einen Genuss. Die vielen Beine,
08:25die über den Boden huschen, Ameisen, die Marienkäfer hochnehmen und durch die Gegend werfen,
08:31herabstürzende Hornissen oder eine riesige Schnecke, die wie ein friedlicher Ozeandampfer
08:36durch die Gegend pflügt. Es ist wirklich herrlich. Alles in allem ist Empire of the
08:42Ends daher trotzdem sein Geld wert, wenn ihr mit einem visuell beeindruckenden Titel zufrieden
08:49seid. Wer dagegen ein komplexes Strategiespiel mit Wissensvermittlung und vielleicht sogar
08:54einer Prise Humor sucht, ist dagegen bei Empires of the Undergrowth besser aufgehoben. Das
09:00allerdings sieht echt scheußlich aus und nicht nur im Vergleich mit diesem wirklich
09:06wunderschönen Empire of the Ends.
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