00:00Falls ihr befürchtet haben solltet, dass die beliebte Legend-of-Zelda-Reihe nach Breath
00:08of the Wild und Tears of the Kingdom zukünftig nur noch in ausufernden Open-World-Gefilden
00:12unterwegs sein könnte, dann habe ich eine gute Nachricht für euch.
00:16Denn The Legend of Zelda – Echoes of Wisdom ist in vielerlei Hinsicht ein Zelda-Spiel
00:20alter Schule, vergisst aber auch nicht einige frische Kniffe einzubauen?
00:24Und welche das sind und ob das neue Zelda was geworden ist, verrate ich euch jetzt!
00:30Einer der eben angesprochenen frischen Kniffe ist natürlich Zelda selbst, denn spielbar
00:39war die Prinzessin in der Serien-Historie bislang nur äußerst selten.
00:43In Echoes of Wisdom muss Zelda die Kohlen aus dem Feuer holen, denn Link und große
00:47Teile von Hyrule sind in mysteriösen lilafarbenen Rissen verschwunden.
00:51Was und wer dahinter steckt, muss Zelda nun im Laufe des Spiels herausfinden.
00:56Strukturell verlässt sich Echoes of Wisdom größtenteils auf die Formel älterer Serienteile
01:00wie A Link to the Past oder auch das Link's Awakening Remake.
01:04Zelda erkundet nach und nach die Spielwelt von Hyrule, löst Rätsel in Dungeons, bekämpft
01:08Gegner und sammelt neue Gegenstände ein.
01:11Anders als bei Links älteren Abenteuern sind das aber nicht traditionelle Hilfsmittel wie
01:15Enterhaken, Pfeil und Bogen oder ein Kraftarmband, sondern Echoes.
01:19Dank der kleinen Knubbelfee Trii bekommt Zelda zu Beginn des Spiels nämlich einen magischen
01:24Stab, mit dem sich Kopien von bestimmten Gegenständen im Spiel erstellen und dann
01:28an beliebiger Stelle wieder abrufen lassen.
01:30Das können beispielsweise einmal besiegte Gegner sein oder auch starre Objekte wie Betten
01:35oder Tische.
01:36Und schon recht früh erlauben eben diese Echoes an vielen Stellen unterschiedliche Herangehensweisen.
01:41Bei der anfänglichen Flucht aus dem Schlossgefängnis beispielsweise sollt ihr an Wachen vorbeischleichen
01:46und könnt dafür eine Tischtreppe bauen, um dann in erhöhter Position an den unten
01:50patrouillierenden Wachmännern vorbeizuhuschen.
01:53Oder ihr kopiert Kisten und nutzt die dann als Sichtschutz.
01:56Auch bei den Kämpfen spielen die Echoes eine zentrale Rolle und lassen euch oft mehrere
02:01Optionen.
02:02Plattformen können beispielsweise auf Feinde niederdonnern, ein Feuer blobbt, das Gras
02:06in der Umgebung abfackeln und so Gegner in Brand stecken oder ihr ruft einfach einen
02:10eigenen Angriffstrupp, der dann selbstständig auf die Gegner losgeht.
02:14Es sind kleine aber feine Entscheidungen, die euch Echoes of Wisdom immer wieder treffen
02:18lässt.
02:23Die Echoes sind vor allem aus zwei Gründen ein echtes Highlight.
02:27Zum einen sorgen sie durch ihre schiere Vielfalt für ein herrlich verspieltes Element in
02:31Echoes of Wisdom, eins, das dem ganzen Abenteuer trotz der eigentlich traditionellen Anmutung
02:36ein fast schon Sandbox-artiges Spielgefühl beschert.
02:39Natürlich in einer deutlich reduzierteren Form als beispielsweise in Tears of the Kingdom
02:44und immer in gewissen Grenzen, aber doch spürbar.
02:46Und zum anderen erzeugen die Echoes ein Gefühl, das ich so bislang nur von den Pokémon-Spielen
02:52kannte, denn wenn ich einmal ein blinkendes Objekt oder Gegner sehe, will ich es unbedingt
02:56meinem Echo-Lexikon hinzufügen.
02:58Die Motivation, die durch diesen Sammelfaktor entsteht, ist enorm und wer die Augen auffällt
03:03kann unter anderem in Höhlen besonders starke Echoes entdecken, die dann zum Beispiel große
03:07Kämpfe deutlich vereinfachen können, etwa die fliegende Killahanas, die Gegner mit ihren
03:12rotierenden Stacheln schreddert.
03:14Komplett ausbalanciert wirkt das System wegen der teilweise extrem starken Echoes zwar nicht,
03:20es brauchen lässt es sich aber ebenso wenig.
03:22Denn jedes Echo hat Kosten, ein durch kleine Dreiecke hinter Tri angezeigter Maximalwert
03:27kann nicht überschritten werden.
03:28Das verhindert dann zum Beispiel, dass Zelda mehrere besonders mächtige Kämpfer gleichzeitig
03:33einsetzen kann.
03:34Die große Schwachstelle des Echo-Systems ist das fummelige Übersichts- und Auswahlmenü.
03:40Die Kopien lassen sich zwar nach gewissen Kriterien sortieren, beispielsweise nach ihrer
03:44Art oder zuletzt gespeichert, eine selbst anpassbare Schnellauswahl von häufig benutzten
03:49Echoes fehlt allerdings.
03:50Das bricht den Echoes zwar nicht das Genick, fällt aber insbesondere dann negativ auf,
03:55wenn man im Spiel ein wenig herumexperimentieren möchte.
03:58Insbesondere bei den Kämpfen kann das ewige Scrollen durch die später sehr lange Echo-Liste
04:02fast schon ein Atmosphäre-Hämmer sein, wenn in der Hitze des Gefechts das Spiel pausiert
04:06wird und erst wieder sekundenlang durch die Liste geklickt werden muss.
04:10Die Echoes sind jedenfalls ein derart zentrales Spielelement, dass man dabei glatt vergessen
04:15kann, dass Zelda noch weitere Fähigkeiten zur Verfügung stehen.
04:18Mit der Einklang-Fähigkeit kann Zelda auch größere Objekte greifen und verschieben
04:22und sich zudem an bewegliche Objekte heften und deren Bewegung dann imitieren und sich
04:26also mitziehen lassen.
04:28Letzteres ist im Spiel allerdings nur wenige Male wirklich notwendig, diese Mechanik fällt
04:33also ein wenig hinten runter.
04:36Zelda spielt zwar die zentrale Rolle in Echoes of Wisdom, ganz ohne Link kommt das Spiel
04:40aber nicht aus.
04:41Der zipfelmützige Held ist zunächst kurz im Prolog spielbar und auch später quasi
04:46immer mit dabei.
04:47Denn sobald Zelda den Schwertkämpfer-Modus freigeschaltet hat, kann sie sich auf Knopfdruck
04:51in eine Link-Kopie verwandeln und für den Kampf dessen Schwert und Schild nutzen.
04:59In diesen Momenten fühlt sich Echoes of Wisdom dann nahezu komplett wie ein klassisches Zelda-Spiel
05:03an, auch hier gibt es allerdings klare Grenzen.
05:06Denn Zelda kann nur zu Link werden, solange die Leiste in der oberen Bildschirm-Ecke gefüllt
05:10ist, zumindest ein bisschen.
05:13Ist sie leer, muss sie mit in der Spielwelt sammelbaren Kristallen erst wieder aufgeladen
05:17werden.
05:18Ich war mir während des Tests etwas unschlüssig, ob ich den Schwertkämpfer-Modus mag oder
05:23nicht.
05:24Einerseits gibt er mir hier das komplette alte und etwas direktere Zelda-Gefühl zurück,
05:28andererseits verwässert er trotz der Zeiteinschränkung Zeldas Part auch ein wenig, ich hätt's deswegen
05:33spannend gefunden, wenn Nintendo konsequenter gewesen wäre und komplett auf Zelda gesetzt
05:38hätte.
05:39So oder so, mit diesem famosen Werkzeugkasten voller Fähigkeiten ausgestattet ist es in
05:44jedem Fall ein Hochgenuss, das herrlich abwechslungsreiche Hyrule mit seinen vielen Biomen und Völkern
05:48zu erkunden.
05:49Im Südosten leben beispielsweise die Gerudo-Kriegerinnen in der gleichnamigen Wüste, im Nordwesten
05:55haben es sich die Goronen am Eldian-Vulkan gemütlich gemacht und in den Firone-Sümpfen
06:00trifft Zelda auf die Dekus.
06:02Echos, Einklang und Co. müssen natürlich auch für die überall in der Spielwelt eingebauten
06:11Mini-Rätsel oder Aufgaben genutzt werden.
06:13Die klassischen wertvollen Herzteile, von denen vier Stück Zelda ein weiteres Energiesymbol
06:18bescheren, sind beispielsweise nicht immer direkt erreichbar und einsam herumstehende
06:22Büsche oder Felsen verbergen oft Stärke-Kristalle, mit denen sich die Fähigkeiten von Schattenkämpfer
06:27Link verbessern lassen.
06:28Echos of Wisdom schmeißt immer wieder ein Paar dieser lockenden Brotkrumen hin und verführt
06:35dadurch nur allzu leicht dazu, auch mal vom geplanten Weg abzugehen, wie ja auch schon
06:40die beiden großen Open-World-Geschwister.
06:42Aber hier ist alles deutlich kondensierter und weniger komplex, eine Klettermechanik
06:47samt Ausdauerleiste gibt es beispielsweise nicht.
06:50Dafür gibt's aber endlich wieder richtige Dungeons!
06:54Zelda erkundet im Verlauf des Spiels insgesamt sieben große Tempel, in denen Rätsel gelöst,
06:58Türen mit Schlüsseln geöffnet und Bosse bezogen werden müssen, natürlich mit Hilfe
07:02von Echos, Einklang und Schattenkämpfer.
07:05Und auch hier zahlt sich der Mix aus altbekannten und frischen Elementen aus und macht die Gewölbe
07:12zu echten Highlights des Spiels.
07:14Denn auch wenn viele Rätselmechanismen wie Schalterdrücken oder Hebelziehen schon aus
07:18anderen Zelda-Spielen bekannt sind, spielt sich das hier durch Zeldas Fähigkeiten erfrischend
07:22unverbraucht.
07:23Vor unlösbare Kopfnüsse oder Aufgaben stellt euch Echoes of Wisdom dabei übrigens nie,
07:31auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle etwas grübeln musste.
07:34Als gut machbar würde ich auch den Standardschwierigkeitsgrad beschreiben.
07:39Zelda verträgt zwar nur wenige Treffer, kann aber in Betten ihre Gesundheit wiederherstellen.
07:45Da das fast jederzeit funktioniert, wirkt diese Form der Regeneration allerdings auch
07:49ein wenig übermächtig und entwertet dadurch auch ein bisschen die Heilsmoothies, die ihr
07:53euch an in der Spielwelt verteilten Ständen mixen lassen könnt.
07:56Der etwas knackigere Helden-Modus dürfte dagegen vor allem für Zelda-Veteraninnen und
08:01Veteranen interessant sein.
08:02Hier erleidet Zelda bei Treffern doppelten Schaden, außerdem können in der Spielwelt
08:06keine Herzen zum Auffüllen der Gesundheit gefunden werden.
08:09Gut gefallen haben mir auch die lilafarbenen Risse, in die sich Zelda mit Hilfe von Triebe
08:14geben kann und in denen Landschaftsteile auch ganz gern mal vertikal herumschweben.
08:19Manche davon muss die blonde Heldin passieren, zum Beispiel um zu den Dungeons zu kommen,
08:24manche von den Rissen sind aber auch optional und können geschlossen werden, was dann wiederum
08:27Tries Level steigert und der Fee dadurch zum Beispiel ein weiteres Echo-Dreieck beschert.
08:32Für Zelda-Verhältnisse bemerkenswert finde ich die Qualität der einzelnen, in sich abgeschlossenen
08:40Geschichten, die Zelda im Laufe des Spiels in den unterschiedlichen Biomen der Spielwelt
08:44erlebt.
08:45Um zum Beispiel den Dungeon in den Jabul-Gewässern im Osten der Karte zu erreichen, müssen zunächst
08:50zwei verfeindete Sora-Stämme wieder zueinander finden.
08:53Und im Ranel-Gebirge hilft Zelda dem Yeti-Wesen Condé, der auf der Suche nach seinem verschwundenen
08:59Bruder ist und dessen Geschichte so melancholisch erzählt wird, dass mir das unerwartet stark
09:03ans Herz gegangen ist.
09:05Die übergreifende Geschichte ist dagegen deutlich weniger anrührend, auch wenn es etwa in der
09:09Mitte der Story eine kleine Überraschung und generell für Zelda-Fans ein Wiedersehen mit
09:14einigen bekannten Charakteren gibt, etwa Boris dem Totengräber oder dem altehrwütigen
09:19Deku-Baum.
09:20Neben den an die Hauptgeschichte geknüpften Missionen warten in Hyrule zudem noch etliche
09:25Nebenmissionen, die ihr an den roten Punkten in Sprechblasen über NPCs erkennen könnt,
09:30ähnlich wie auch etwa in Tears of the Kingdom.
09:33Ich habe während meines Testdurchlaufs ungefähr 20 dieser Missionchen absolviert und muss
09:38sagen, dass die Qualität doch arg geschwankt hat.
09:42Es gibt durchaus Highlights, wie etwa den Opa in Kakariko, der seine Katze sucht und
09:46uns bittet, dafür die anderen Miezen des Ortes zu befragen, was wiederum nur mit einem
09:50entsprechenden Kostüm funktioniert, das Zelda aber erstmal finden muss.
09:54Viele andere Aufgaben beschränken sich allerdings darauf, etwas von A nach B zu bringen oder
09:58ein bestimmtes Echo zu präsentieren.
10:00Das ist nett, wird aber für mein Empfinden ein paar Mal zu häufig wiederholt.
10:06Abseits davon gibt's in Hyrule noch zahlreiche weitere Nebenbeschäftigungen.
10:12Ich habe beispielsweise unter Zeitdruck Eicheln aufgeklaubt, die überall verteilten Stationen
10:17des Stempelmanns gesucht oder Echos gesammelt, um daraus aufziehbare Automatenwesen bauen
10:22zu lassen.
10:23Die Spielwelt ist voll mit diesen kleinen Aufgaben, die dann auch die Spielzeit ordentlich
10:27nach oben schrauben können, ich habe bis zum Abspann knapp 22 Stunden gebraucht und
10:31mich dabei immer wieder gerne von den Nebenaufgaben ablenken lassen.
10:35Wer dagegen nur der Haupthandlung folgt, dürfte vermutlich auch in etwa 15 Stunden durchkommen.
10:40Technisch setzt Echoes of Wisdom auf dieselbe markante Spielzeug-Diorama-Optik wie schon
10:45das Remake von Link's Awakening.
10:47Und auch hier wirkt von den Charakteren über die Animationen bis hin zu schicken Details
10:51wie dem Wasser alles zuckersüß und aus einem Guss.
10:55Entwickler Gretzo hat hier und da sogar noch eine kleine Schippe draufgelegt, beispielsweise
10:59bei den Lichteffekten, die besonders stimmungsvoll sind.
11:02Jede Region hat zudem eigene Musikstücke, die Zelda typisch ziemlich schnell ins Ohr
11:06gehen.
11:08Es gäbe auf technischer Seite also eigentlich nicht viel zu meckern, wenn da nicht die Mikroruckler
11:12wären, mit denen schon Link's Awakening zu kämpfen hatte.
11:15In Echoes of Wisdom kommen diese aber noch einmal deutlich häufiger vor und gerade im
11:20Gebiet mit vielen Details und Personen fällt das unangenehm auf.
11:23Echoes of Wisdom bleibt dabei zwar stets gut spielbar und im Handheld-Modus treten
11:29die Mikroruckler seltener auf, aber trotzdem ist die Performance des Spiels ein deutlicher
11:34Indikator dafür, dass die Nintendo Switch mittlerweile ihren technischen Zenit deutlich
11:38überschritten hat.
11:39Zusammen mit den anderen Kritikpunkten verhindert das dann unter dem Strich auch, dass Echoes
11:44of Wisdom in die ganz obere Kategorie der Zelda-Spiele aufsteigt.
11:48Weit davon entfernt ist es allerdings auch nicht und deswegen kann ich euch diese wunderbare
11:53Symbiose aus Zelda-Tradition und Moderne nur absolut ans Herz legen.
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