00:00Deutschland sei total gespalten. Das höre ich in diesen Tagen immer wieder.
00:04Wenn es um die Ukraine geht, um die Rente und den Klimaschutz oder um den richtigen Umgang mit Migration.
00:10Klar, das alles sind große und wichtige Themen. Themen, über die man diskutieren muss.
00:16Aber bei all den Gesprächen, die ich überall im Land führe, auf Marktplätzen und bei Firmenbesuchen,
00:22bei Bürgerdialogen und in meinem Wahlkreis, im Kleingarten und auf Volksfesten,
00:27überall ist mein Eindruck, so weit liegen wir in zentralen Fragen doch gar nicht auseinander.
00:33Die ganz große Mehrheit von uns weiß zum Beispiel, dass es ziemlich mau aussehen würde
00:38in unseren Krankenhäusern, auf unseren Baustellen, in Kitas und Pflegeheimen,
00:42ohne all die Arbeitskräfte aus dem Ausland, die vieles am Laufen halten.
00:46Und zugleich erwarten die allermeisten zu Recht, dass wir uns aussuchen können, wer zu uns kommt.
00:52Die ganz große Mehrheit im Land findet es richtig, der angegriffenen Ukraine
00:56bei ihrer Verteidigung gegen Bomben, Raketen und Artillerieeingriffe zu helfen
01:01und will gleichzeitig nicht, dass Deutschland Teil des Krieges wird.
01:04Und natürlich erwarten viele, dass alle diplomatischen Mittel genutzt werden,
01:08um zu einem gerechten Frieden zu kommen.
01:11Das unterstützen wir. Dafür ist jetzt die Zeit.
01:14Die ganz große Mehrheit von uns will kommenden Generationen eine gesunde Umwelt
01:18und ein lebenswertes Land hinterlassen.
01:21Sie will, dass wir unsere Natur und das Klima schützen,
01:24aber eben ohne die Bürgerinnen und Bürger dadurch zu überfordern.
01:28Und die ganz große Mehrheit im Land packt jeden Tag an, damit es im Land vorangeht.
01:33Dafür soll es im Alter aber auch eine Rente geben, auf die man sich verlassen kann.
01:38Diese Erwartungen der großen Mehrheit in unserem Land leiten meine Politik.
01:42Mir geht es um die vielen ganz normalen Leute, mit normalen Wünschen,
01:48die nicht nur laut meckern, sondern einfach machen.
01:51Und die vielleicht genau deshalb manchmal das Gefühl haben,
01:54geht es in den aufgekratzten Debatten eigentlich auch um mich und meine Anliegen.
01:58Ich kann das nachvollziehen.
02:00Denn wenn man ins Internet schaut, in die sozialen Medien und manchmal auch ins Fernsehen,
02:04dann kann man schon den Eindruck kriegen, je extremer die Meinung, desto größer die Aufmerksamkeit.
02:10Hier die Rufe nach totaler Abschottung und sogenannter Remigration.
02:16Dort diejenigen, die glauben, es brauche gar keine Grenzen mehr.
02:20Hier die Sprachrohre des Kremls, dort diejenigen, die gar nicht nachvollziehen können,
02:24dass viele in unserem Land große Angst haben vor einer Eskalation des russischen Krieges in der Ukraine.
02:29Hier die Klimaleugner, dort die Klimakleber.
02:32Oft hört man vor allem die Extreme.
02:35Aber es kommt nicht darauf an, wer am lautesten schreit.
02:39Die Mehrheit in der Mitte ist viel, viel größer.
02:42Die Vernünftigen, die Anständigen sind viel, viel mehr.
02:45Die allermeisten von uns stehen in all den großen Fragen näher beieinander, als es manchmal scheint.
02:51Uns eint viel mehr, als uns trennt.
02:54Ich will, dass das so bleibt.
02:57Ich wünsche mir, dass wir weiter miteinander reden, statt nur noch übereinander oder aneinander vorbei.
03:04Und ich hoffe, dass wir uns immer mal wieder klar machen,
03:07es sind nicht die Lauten, die zählen, sondern wir, die vielen.
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