- vor 3 Jahren
Der erste Teil dieses Fünfteilers entstand frei nach Motiven des Romans “Krupp und Krause” von K.H. Helms. Fred Krause, proletarischer Held dieses Mehrteilers, wächst in einer Krupp gehörenden und Krupp hörigen Umwelt in Essen auf. In seiner Familie hat der kaisertreue Vater (Gerd Ehlers) das Sagen, in der Schule sind es deutschnationale Prügelpädagogen, die die Kinder und Jugendlichen im Sinne des Kaisers und der Monopolisten erziehen. Die Jugendjahre von Fred Krause stehen zudem im Schatten des I. Weltkriegs; historische Ausgangssituation ist so das Jahr 1914.
Fred Krause ist zum ersten Mal verliebt. Aber seine Beziehung zur angebeteten Guste Keuben (Angelica Domröse) hat Folgen, sie wird schwanger, ein Versuch, das Kind abzutreiben, misslingt, und Fred kommt für diese Tat ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung erfährt er von seiner Mutter (Helga Göring), dass Guste mit unbekanntem Ziel verzogen ist und dass ihn sein Vater als “Freiwilligen” zur Front gemeldet hat. So lernt Fred die Grauen des Krieges genauestens kennen.
Nach Ende des Kriegs kehrt Fred Krause ins Ruhrgebiet zurück und wird durch seinen Onkel Jill (Harry Hindemith) mit der kommunistischen Weltanschauung vertraut gemacht. So erkennt Fred, dass die Firma Krupp allein durch Ausbeutung und Krieg Milliarden verdient.
Fred Krause ist zum ersten Mal verliebt. Aber seine Beziehung zur angebeteten Guste Keuben (Angelica Domröse) hat Folgen, sie wird schwanger, ein Versuch, das Kind abzutreiben, misslingt, und Fred kommt für diese Tat ins Gefängnis. Nach seiner Entlassung erfährt er von seiner Mutter (Helga Göring), dass Guste mit unbekanntem Ziel verzogen ist und dass ihn sein Vater als “Freiwilligen” zur Front gemeldet hat. So lernt Fred die Grauen des Krieges genauestens kennen.
Nach Ende des Kriegs kehrt Fred Krause ins Ruhrgebiet zurück und wird durch seinen Onkel Jill (Harry Hindemith) mit der kommunistischen Weltanschauung vertraut gemacht. So erkennt Fred, dass die Firma Krupp allein durch Ausbeutung und Krieg Milliarden verdient.
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KurzfilmeTranskript
00:00:00Musik
00:00:30Musik
00:01:00Guten Morgen
00:01:30Morgen
00:01:40Morgen
00:01:54Morgen, meine Herren
00:01:55Guten Morgen, Exzellenz
00:02:00Musik
00:02:02Guten Morgen, meine Herren
00:02:20Morgen, Exzellenz
00:02:22Na, lieber Löchinger, wie war es in Berlin?
00:02:23Das Reich steht zu Krupp
00:02:25Mein Krupp zum Reich steht
00:02:28Es ist zu warm hier
00:02:29Diese Wärme ermüdet
00:02:31In einem kühlen Raum sind auch die Gedankenkühler
00:02:33Das ist kein Spleen, meine Herren
00:02:35Das lässt sich medizinisch beweisen
00:02:38Der Heizer soll in Zukunft die Außentemperatur besser beachten
00:02:41Meine Herren, meine Verspätung hat ihren Grund
00:02:58Ich bin heute zu Fuß durch einige Straßen meines Betriebes gegangen
00:03:01Denn unsere Arbeiter sollen wissen, dass ich auch in dieser Stunde an meinem Platz bin
00:03:05Frankreich hat also erklärt, es wolle als Sicherheitspfand für den deutschen Reparationsrückstand
00:03:11Nun auch unsere Firma besetzen
00:03:13Nun denn?
00:03:15Wenn der erste französische Stahl im Auftrag wird, man ganz im Sinne des von der Regierung empfohlenen passiven Widerstandes
00:03:20Die Werktore schließen
00:03:21Und alle hundert Werksirenen werden Protest verkünden
00:03:24Diese Aktion geht von der Belegschaft aus wohlgemerkt nicht von uns
00:03:28Verzeihung, aber wenn es zu Zwischenfällen kommt
00:03:31Werden denn auch wir die Verantwortlichen sein
00:03:33Juristisch könnte man sie belangen, Exzellenz
00:03:35Dr. Stössl, Sie dürfen die Dinge nicht nur als Jurist sehen
00:03:38Frankreich macht mit seiner Ruhrbesetzung eine beträchtliche Dummheit
00:03:41Es verhilft dem nationalen Gedanken in Deutschland zur Wiedergeburt
00:03:44Allein für diesen Umstand bin ich bereit, einige Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen
00:03:48Sogar persönliche
00:03:50Und nun zu Ihrem Bericht, Lösinger
00:03:52Meine Herren, ich habe in Berlin mit Reichskanzler Kuno verhandelt
00:03:57Endlich steht fest, die Reichskasse wird der Firma alle Schäden ersetzen
00:04:01Die ihr durch Besetzung, Demontage, Beschlagnahme, Produktionsunterbrechung und dergleichen entstehen
00:04:07Und zwar zu gegebener Zeit nach Wiederherstellung der Reichshoheit im Rheinland
00:04:13Das bedeutet, wann wir unsere Ansprüche gelten machen, liegt bei uns
00:04:17Die Möglichkeit, uns etwa mit Inflationsmarken abzuspeisen, ist verbaut
00:04:21Soll also der Dollar ruhig steigen, diese Fiebertherapie kann meines Erachtens ohnehin nur zur Gesundung führen
00:04:28Es ist schon so
00:04:30Wie Herr Thyssen neulich gesagt hat, diese Krise versetzt die deutsche Wirtschaft in die Lage, alle Lohn- und Reparationsfragen auf einmal zu beseitigen
00:04:39Gewiss
00:04:40Der Prozess ist schmerzlich, aber er wird kurzer
00:04:44Und nun zu einigen Maßnahmen, die wir im Hinblick auf die aktuelle Situation getroffen haben
00:04:50Im Gefolge der französischen Truppen befinden sich rund 60 Ingenieure, die sich, das liegt auf der Hand
00:04:58Zuerst auf die Archive ihrer Forschungsabteilung, Herr Professor Blumenthal, stürzen werden
00:05:03Aber die Herren werden nichts wesentliches finden
00:05:07Alle Konstruktionsentwürfe von Bedeutung sind in den letzten Tagen verlagert worden
00:05:11Nach Berlin und in die Neumark
00:05:12Wo wir eigens zu diesem Zweck zwei Firmen gegründet haben
00:05:17Deren Verbindung zu uns seitens der Siegermächte weder nominell noch finanziell nachgewiesen werden kann
00:05:23Die Verlagerung ist mithilfe der Reichswehr geschehen, die ihren Abwehrdienst eingeschaltet hat
00:05:28Und nun zum Punkt Öffentlichkeitsarbeit
00:05:31Auf dem Annoncenmarkt betonen wir in der kommenden Zeit verstärkt den zivilen Sektor unseres Programms
00:05:39Von der Lokomotive bis zur Milchzentrifuge
00:05:41Und wer behauptet, auf unserem Gelände würde auch nur eine einzige Kanone gebaut
00:05:46Dem bieten wir eine Werkbesichtigung an
00:05:49Da gibt's keine Kanonen
00:05:51Nicht mal in Form von Kinderspielzeug
00:05:53Wir halten uns strikt an Versailles
00:05:56Das einzige Tabu bleibt, wie gesagt, Ihre Entwicklungstätigkeit, Herr Professor Blumenberg
00:06:03Meine Herren, gibt es hierzu noch Fragen?
00:06:06Ja
00:06:07Einige Ingenieure und Meister, hauptsächlich verdiente Kriegsteilnehmer
00:06:12Sind an mich mit dem Gedanken herangetreten, besonders wertvolle Maschinen vor der Demontage unbrauchbar zu machen
00:06:18Nach französischem Militärrecht steht darauf die Todesstrafe
00:06:22Es handelt sich um Männer, die kein Risiko scheuen
00:06:25Ich warne, sowas fällt auf die Firma zurück
00:06:28Die Leute würden auf eigene Faust handeln
00:06:30Dann vielleicht
00:06:32Nein, es wird keine Maschine unbrauchbar gemacht
00:06:36Nicht eine einzige
00:06:37Es reicht bezahlt doch
00:06:39Ich werde mich hüten, den Siegermächten den Appetit zu verderben
00:06:42Unser Maschinenpark ist hoffnungslos überaltert
00:06:45Was nach vier Kriegsjahren kein Wunder ist
00:06:47Wenn sich Frankreich unbedingt daran überfressen will, bitte sehr
00:06:51Ich gönne Schneide-Crisot die Beute
00:06:53Immer raus damit
00:06:54Auch wenn unsere Hallen eine Zeit lang leer stehen, unsere Reißbretter sind nicht leer
00:06:58Der Krieg hatte jeder der beteiligten Nationen eine Reihe von neuen Erkenntnissen auf wachentechnischem Gebiet gebracht
00:07:10Auch uns
00:07:12Sie auszuwerten braucht Zeit
00:07:14Sie zu realisieren erfordert einen Höchststand an technischer Modernität und Produktivität
00:07:19Ihn im Vakuum der Demontage umsichtig vorzubereiten
00:07:24Ist die Aufgabe der nächsten Jahre
00:07:26Ich weiß nicht, was mit diesem Hause los ist
00:07:29Ich hole mir hier einen Schnupfen nach dem anderen
00:07:31Ach, diese ewigen Temperaturschwankungen
00:07:34Es muss an der Zirkulation liegen
00:07:36Die Herren Franzosen
00:07:40Lassen wir uns nicht stören
00:07:42Nun waren Sie da, die Franzosen
00:07:47Und das Werk hielt in Atemann
00:07:50Ich hatte an jenem Morgen im März 1923 keine Schicht
00:07:53Aber ich war trotzdem dabei
00:07:55Wenn das Geld nichts mehr taugt
00:07:57Und der Magen knurrt
00:07:58Und der nächste Lohn ein schwarzes Fragezeichen ist
00:08:01Dann ist man eben dabei
00:08:03Was eigentlich passieren sollte, war mir nicht ganz klar
00:08:05Bei der ganzen Menge von uns war es nicht klar
00:08:08Natürlich wollte jeder was
00:08:10Hoffte was, glaubte was
00:08:12Aber jeder was anderes
00:08:13Merde
00:08:14Wieder mit der französisch-jüdischen Plutokratie
00:08:17Deutschland erwache
00:08:19Deutschland erwache
00:08:21Los, Kameraden
00:08:23Wir geben Ihnen Zunder
00:08:24Kollegen, lasst das
00:08:32Diese französischen Soldaten sind genauso arme Hunde wie wir
00:08:36Die haben nichts davon, wenn die Gruppe setzen
00:08:38Franzosenknecht
00:08:39Nein, bin ich nicht
00:08:41Aber ich riech doch, in welchem Topf die Suppe kocht
00:08:44Das ist der Topf von Grupp-Kollegen
00:08:47Warum hat er denn die Reparationen sabotiert?
00:08:51Damit die Franzosen bei uns einmarschieren, jawohl
00:08:54Und damit sie ihn vor uns retten
00:08:56Damit sich die Siegern die Haare kriegen
00:08:58Oder denkt ihr
00:09:00Den Amis und den Tommis passt es
00:09:03Dass Boncarré die Ruhe alleine schluckt?
00:09:05Kameraden
00:09:06Das ist die Stimme Moskaus
00:09:08Da hören wir nicht drauf
00:09:09Das ist kommunistische Demagogie
00:09:11Stopft ihm das Maul
00:09:12Gebt ihm noch eine
00:09:16Hättet ihr erstmal alles den Betriebsrat überlassen?
00:09:19Sind wir denn schon wieder dämlich genug für Exzellenz die Kastanien aus dem Feuer zu holen?
00:09:27Was heute an der Ruhe ausgetragen wird
00:09:29Das ist doch der Konkurrenzkampf des internationalen Kapitals
00:09:33Auf unserem Puzzle
00:09:35Den Knüppel weg
00:09:36Freiges Schwein
00:09:37Jöl, verschwinde lieber
00:09:42Deine Vorträge begreift sowieso keiner
00:09:44Riesig
00:09:45Die legende Sprengladung
00:09:47Komm rauf
00:09:48Kameraden, Kollegen
00:10:05Wer ein echter Kruppianer ist
00:10:08Der steht wie ein Fels
00:10:09Das gibt ein Gemätschel
00:10:10Und für wen?
00:10:12Für Krupp!
00:10:13Halten Sie endlich den Mundmord
00:10:14Ich bringe Sie morgen zur Meldung
00:10:15Das würde ich nicht machen, Dicker
00:10:16Sonst fällt dir mal ein Dachstein auf den Kopf
00:10:18Wenn du abends nach Hause gehst
00:10:20Deutschland, Deutschland
00:10:22Über alles
00:10:24Über alles
00:10:27Dein Vater
00:10:27Der Alter muss verrückt sein
00:10:30Der Mueller steht zum Schotts und Dros ja
00:10:34Oh, Messer
00:10:36Oh, Messer
00:10:37Arrêtez
00:10:37Sans ça, je serais obligé de tirer
00:10:39Nous allons tirer
00:10:40Compris?
00:10:41Arrêtez, je vous prie
00:10:42Ils schließen
00:10:43Ich schieße ihn!
00:10:45Allee!
00:10:46Il faut evacuer la cour!
00:10:48Reumen hoch!
00:10:49Weg!
00:10:50Weg!
00:10:51Allee!
00:10:52Auf Reumen!
00:10:53Ça suffit, notre dieu!
00:10:58Allee!
00:11:02Oh!
00:11:13Das ist nur ein Streifschuss, Fred.
00:11:26Hilf, Tote!
00:11:28Und Exzellenz sitzt auf dem Hügel und macht Direktionskonferenz.
00:11:31Und lacht sich eins über uns Idioten.
00:11:33Konferenz?
00:11:34Von wem weiß denn das?
00:11:35Von meiner Schwester Erna und die weiß es von Kirchhoff.
00:11:38Proleten-Vordirektion bleibt draußen, das war Krupps Linie.
00:11:41Bisschen Krawall habe ich gedacht.
00:11:43Aber das Kirchhoff gleich schießt.
00:11:45Sowas will meine Schwester heiraten.
00:11:51Anton.
00:11:52Hm?
00:11:53Langsam glaube ich, ihr habt Recht.
00:11:55Wer?
00:11:56Ihr, ihr Kommunisten.
00:11:57Womit Recht?
00:11:58Dass das ganze Kruppzeug weg muss.
00:12:00Vorher gibt's keine Ordnung in Deutschland.
00:12:02Ordnung schon.
00:12:06Geht's dir besser?
00:12:08Brennt nur ein bisschen.
00:12:11Dieses Gemetzel.
00:12:12Ich versteh das nicht.
00:12:14Warum hat keiner auf Jül gehört?
00:12:15Hast doch selber geschrien.
00:12:16Jül hau ab, deine Vorträge begreift keiner.
00:12:18Weil ich Angst um ihn hatte.
00:12:20Jül ist mein Onkel.
00:12:21Aber seine Parolen immer, die begreift auch keiner.
00:12:23Auf dem Dach vorhin kam's mir anders vor.
00:12:25Dieses Gemetzel hat noch Krupp was genutzt.
00:12:28Warum?
00:12:29Weil Krupp erstmal vergessen ist.
00:12:30Die Entlassung, die Lohntrückerei.
00:12:32Jetzt sieht jeder nur noch die Toten.
00:12:34Aber dass der Arbeiter der Steuer selber in die Hand nehmen muss.
00:12:38In Essen oder Berlin.
00:12:39Genauso wie in Paris oder Marseille.
00:12:41Das sind Träume, Mensch.
00:12:42Das ist schwer.
00:12:43Erstmal ist es vergessen und genau das haben sie gewollt da oben auf den Hügel.
00:12:46Meinst du, dass die so weit denken?
00:12:47So raffiniert?
00:12:48Noch viel weiter und noch raffinierter.
00:12:50Die wissen, wie man regiert.
00:12:52Ich möchte mal dabei sein da oben.
00:12:54Einmal.
00:12:55Aber so, dass sie denken, ich gehör dazu.
00:12:58Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich solche Schufte sind.
00:13:01Die Schuftigkeit ist ihnen nicht angeboren.
00:13:03Die liegt in ihrem System.
00:13:04Du wärst da oben mit ihnen am Tisch.
00:13:06Du würdest sie für nette, freundliche Leute halten.
00:13:08Kommt immer drauf an, wo man steht.
00:13:10Sie sind unsere Feinde.
00:13:12Sie kloppen dir auf den Magen.
00:13:14Sie schießen dir auch noch ins Fell.
00:13:15Ins Fell geschossen hat mir so ein verdammter Franzose.
00:13:17Hättest du zufällig eine Knarre bei dir gehabt, dann hättest du zurückgeschossen.
00:13:20Klar, schon aus Notwehr.
00:13:21Siehste, da liegt der Hund begraben.
00:13:22Einer bringt den anderen um, ohne dran zu denken, wer den Gewinn hat.
00:13:24Ihre Welt ist reif, Freddy.
00:13:26Die ganze Unordnung, die sie Ordnung nennen.
00:13:27Wie du selber gesagt hast, weg mit dem Kruppzeug.
00:13:30Muss mal zu unseren Versammlungen kommen.
00:13:32Ach, da geht's lang.
00:13:33Anton, bei mir hast du Pech.
00:13:35Kein Bedürfnis.
00:13:36Na nur, ich dachte.
00:13:37Falsch gedacht.
00:13:38Warum?
00:13:39Wegen deinem Alten?
00:13:40Deutschland, Deutschland, hoch die Tassen und hoch liebe Kruppe, oder was?
00:13:43Quatsch.
00:13:44Frag mal euren Obermima Kolben.
00:13:46Fips Kolben?
00:13:47Ja, Fips.
00:13:48Ich stünde noch nicht in der Tür.
00:13:49Da würde der schon schreien, was will denn der Krause hier?
00:13:51Das muss doch wohl ein Irrtum sein.
00:13:52Irrtum?
00:13:53Warum denn?
00:13:54Die Sache ist für mich begraben.
00:13:55Darüber rede ich nicht mehr.
00:13:56Mach's gut, Anton.
00:13:57Und vielen Dank fürs Verbinden.
00:13:58Warte mal.
00:13:59Brauchen wir erst noch eine.
00:14:00Anton, ich lass mich nicht ausfragen.
00:14:01Verkneift er deine Neugier?
00:14:02Du, das ist ein bisschen mehr als Neugier.
00:14:03Was hat sich abgespielt zwischen Fips und dir?
00:14:04Was wirft er dir vor?
00:14:05Nur ne Kleinigkeit.
00:14:06Mein ganzes bisheriges Leben.
00:14:07Mehr nicht?
00:14:08Dann erzähl mal was davon.
00:14:09Nun haben wir über Gott in die Welt geredet.
00:14:10Aber vielleicht immer haarscharf aneinander vorbei.
00:14:11Pack mal aus.
00:14:12Interessiert mich.
00:14:13Schon wegen Fips.
00:14:14Denkste.
00:14:15Ich bin nicht der Typ, der einen Beichtwater braucht.
00:14:16Aber vielleicht ein Rat?
00:14:17Auch kein Rat.
00:14:18Ordnung.
00:14:19Lassen wir es dabei.
00:14:20Trotzdem können wir noch eine rauchen.
00:14:51Von da an überließ es Anton mir, zu reden oder nicht, wieder wegzugehen oder nicht.
00:15:08Er saß da, stumm wie ein Fisch, und zählte die Sterne.
00:15:11Und ich, ich kam ins Grübeln in der Stille.
00:15:14Ich war ganz froh, dass Anton nichts mehr sagte.
00:15:17Und je länger er schwieg, umso mehr fühlte ich, dass er wartete.
00:15:20Und auf einmal dachte ich, warum eigentlich nicht?
00:15:24Erzähl doch. Erzähl doch von Anfang an.
00:15:27Aber der Anfang, wo war er denn?
00:15:29Der Pullover für Guste? Oder das verfluchte Telegram an FIPS?
00:15:33Oder Garbowski und die Emser De Pesche, damals 1914 in der Schule,
00:15:36als wir wieder mal Krupps gesamte Ahnenkette runterbeten mussten?
00:15:40War das der Anfang?
00:15:41Krupp, 622 bis 734.
00:15:44Peter Friirich Wilhelm, 1753 bis 1795.
00:15:51Friirich, der Gründer der Gustalfabrik 1787 bis 1826.
00:15:55Als er zu Beginn seines Wirkens in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet,
00:15:58verkaufte er seinen letzten Silberlöffel, um seinen Arbeitern den Lohn zahlen zu können.
00:16:02Alfred, genannt der Kanonenkönig, 1812 bis 1887.
00:16:08Wir sind besonders stolz auf ihn.
00:16:10Friirich Alfred, 1854 bis 1902.
00:16:15Interregnum durch Margarete, anschließend Frau Bertha Krupp, geboren 1886,
00:16:20jetzt hier gerade der Exzellenz Dr. Gustav Krupp von Bohlen und Heilbach, geboren 1870.
00:16:26Feine Jungs, sehr fein.
00:16:27Warum glotzt du aus dem Fenster?
00:16:38Da ist eine Hummel, Herr Gabrowski, die wir raus.
00:16:40Ruhe!
00:16:42So, so, eine Hummel, die raus will. So, so, Krause.
00:16:45Welche Jahreszahl wurde zuletzt genannt?
00:16:491870. Was war 1870?
00:16:52Geburtstag von Exzellenz.
00:16:54Was noch?
00:16:57Krieg.
00:16:59Genauer.
00:17:00Der deutsch-französische, 7071.
00:17:02Und wer siegte?
00:17:04Preußen.
00:17:05Etwas genauer, Krause.
00:17:07Die verbündeten deutschen Länder, Herr Lehrer.
00:17:09Noch genauer, Krause. Schon wieder alles verschwitzt.
00:17:13Was habe ich euch 40 Mal abschreiben lassen? Wer siegte?
00:17:16Gott ließ die gerechten Siegen, die tapferen deutschen Soldaten und die ruhmreichen deutschen Felder.
00:17:21Hände vor.
00:17:25Weißt du wofür?
00:17:26Nein, Herr Lehrer.
00:17:28Feldherrn vor, Soldaten, du Esel. Merk dir das?
00:17:31Jawohl, Herr Lehrer.
00:17:33Wir sind noch nicht fertig, mein Freundchen.
00:17:37Sage mir, wie entstand der deutsch-französische Krieg.
00:17:40Durch, durch.
00:17:42Na?
00:17:43Ich glaube, durch eine Depression.
00:17:46Was sagst du da?
00:17:47Depression, oder wie das heißt.
00:17:49Weil die gefälscht war.
00:17:51Vielleicht Emser-Depesche?
00:17:52Ja, dadurch.
00:17:55Wo hast du denn das her?
00:17:57Das?
00:17:58Ich weiß nicht mehr, Herr Lehrer.
00:18:01So, so.
00:18:02Mhm.
00:18:06Mal herhören.
00:18:07Euer Mitschüler, Fred Krause, quatschstummes Zeug.
00:18:11Wer von euch weiß die richtige Antwort?
00:18:13Na?
00:18:14Ja, dich mal wohl leid.
00:18:16Den deutsch-französischen Krieg brachen die Franzosen unter Kaiser Napoleon den dritten
00:18:19mutwillig vom Zaune, weil sie unsere Erbfeinde sind.
00:18:21Aber durch den eisernen Kanzler Bismarck, unsere ruhmreichen Feldherrn und unsere tapferen Soldaten konnten sie geschlagen werden.
00:18:28Das lag aber auch besonders daran, dass sie veraltete Bronzekanonen hatten, während wir schon in die unbesiegbaren, gussstillernen Kanonen von Kruppe saßen.
00:18:35Deshalb bedeutet der Name Krupp dem Vaterlande Schutz und Trotz...
00:18:38Ausgezeichnet, Kaureleit.
00:18:39Ich sehe, du hast gut aufgepasst.
00:18:41Alles auf.
00:18:43Raus mit euch auf den Hof.
00:18:45Rause, du bleibst hier.
00:18:46Komm her, mein Sohn.
00:18:54Emsa de Pesche. Woher, mein Freundchen? Woher hast du das? Na?
00:18:57Na und?
00:19:15Ich hab's im Vorwass gelesen.
00:19:27Woher hast du das? Na und?
00:19:48Komm rein, komm, komm, komm, komm.
00:20:10Fritz, schlag ihn nicht.
00:20:13Quatsch mir nicht rein. Erziehung ist meine Sache.
00:20:16Das Aas hat uns ins Gerede gebracht. Und ausgerechnet heute.
00:20:23Lauf zu Jül, dass er kommen soll.
00:20:32Warum redest du Blödsinn in der Schule?
00:20:35Jetzt heißt es im Werk, ich lese vorwärts.
00:20:38Was lachst du, Mutter?
00:20:39Ich werde doch lachen dürfen.
00:20:41Stell die Flasche weg. Die war nicht für dich.
00:20:43Sei nicht so geizig, Fritze. Nur wo du Vorarbeiter bist.
00:20:47Ah ja, hast richtig gehört.
00:20:50Dein Vater ist seit heute Vorarbeiter.
00:20:52Und nur sowas.
00:20:53Na Gott, du Dreikstück.
00:20:56Raus mit der Sprache.
00:20:58Wer hat dir den Vorwärts gegeben?
00:21:00Ich halte ihn bei mir gelesen.
00:21:02Ach nee, da haben wir's.
00:21:04Mein Schwager versaut mir die Kinder.
00:21:05Mach kein Perader. Dein Freddy liest eben alles, was ihm in die Finger kommt.
00:21:08Dann pack deine Sozi-Blätter in Zukunft besser weg.
00:21:10Warum? Die sind nicht verboten.
00:21:12Ach, nichts als, nichts als Schwindel steht drin.
00:21:14Gift.
00:21:15Besonders für Kinder.
00:21:16Na, wenig anderer Ansicht.
00:21:17Jedenfalls kannst du den Jungen dafür nicht verdreschen.
00:21:20Er konnte ja nicht wissen, dass die deutschen Nationalen gleich hochgehen, wenn das Wort Emse-Depeche nur fällt.
00:21:25Oder denkst du, er wollte dir absichtlich Ärger machen?
00:21:27Wenn einer Ärger kriegt, dann du.
00:21:30Das hab ich gewusst.
00:21:32Ist der Melden, was?
00:21:34Feinen Mann hast du dir ausgesucht, Frieda.
00:21:36Fritz meint's nicht so.
00:21:37Und ob ich's so meine.
00:21:40Jül weiß genau, wie schnell sowas bei der Personalaufsicht landet.
00:21:42Schon hat man einen Stempel im Genick.
00:21:44Vorsicht, verdächtig.
00:21:46Kommt nicht mehr vorwärts.
00:21:47Oder fliegt sogar raus.
00:21:48Jetzt mach'n Punkt, Fritz.
00:21:49Du hast mir selber gesagt, Grabowski unternimmt nicht.
00:21:52Weil ich mit Engelszungen auf ihn eingeredet habe.
00:21:55Die halbe Pulle haben sie leer gesoffen, der Schulmeister und Fritze.
00:21:58Bring's raus, Frieda.
00:22:01Komm, Mutter.
00:22:01Ich dachte, wir feiern heute nicht.
00:22:04Nein, wir streiten lieber.
00:22:05Stiere seid ihr.
00:22:06Alle beide dumme Stiere auf der Koppel.
00:22:08Rennt euch die Köppe ein.
00:22:10Aber raus könnt ihr doch, ne?
00:22:11Du sollst wieder wie ein Krutscher.
00:22:14So weiter geht ihr bis hier ins Elberlidenheim.
00:22:16Sei nicht ungerecht, Fritz.
00:22:18Was war denn ihr Leben?
00:22:18Eine ewige Plackerei.
00:22:19Ein Jürr nach dem anderen.
00:22:21Gib bloß Acht, dass es mit Frieda nicht mal genauso kommt.
00:22:24Nicht nur Männersaufen vor Verzweiflung.
00:22:27Wie meinst du denn das?
00:22:28Geh spielen, Friedi.
00:22:31Ich wollte nicht die Beise an den Jungen davon anfangen.
00:22:39Frieda hat mir gesagt, bei ihr ist wieder was unterwegs.
00:22:41Was geht das dich an?
00:22:42Frieda ist meine Schwester.
00:22:43Mach aus ihr keine Gebärmaschine.
00:22:44Wie die Kaninkelwurf für Wurf, das kommt nicht in Frage.
00:22:46Dann lass ich mir gerade reinregen.
00:22:48Was Gott gibt, das kommt.
00:22:49Aber Frieda werde ich's beibringen.
00:22:51Über sowas also quatsch hier mit dir.
00:22:52Na, warte.
00:22:53Aula, lauscht das Wischstück.
00:22:56Hau ab, Mensch.
00:22:56Frieda.
00:22:57Frieda.
00:23:12Gustav, wo gehen wir hin?
00:23:14Wirst schon sehen.
00:23:15Du Gustav, wie waren das überhaupt mit der Depesche da?
00:23:18Dass sie Felsschwärzte nicht sagen dürfen.
00:23:20Wieso eigentlich nicht?
00:23:22Na ja, der Kaiser.
00:23:23Nicht unser, der Vorvor hier.
00:23:25Der hat mal ein Telegram aufgeben sollen.
00:23:27An irgendeinen Gesandten.
00:23:28Einen Französischen.
00:23:29Aber Bismarck wollte die deutsche Einheit machen.
00:23:32Und da hat er sich gedacht, am einigsten sind sich die Deutschen, wenn's griechiert.
00:23:35Na und da hat das Telegram ein bisschen umgeschwindelt.
00:23:37Und zwar in die Richtung, dass sich die Franzosen auf den Schlips getreten fühlen mussten.
00:23:41Dass sie vor uns Angst kriegen mussten.
00:23:42Verstehst du?
00:23:43Aber so steht's nicht im Schichtsbuch.
00:23:46Und deshalb darf man sowas nicht sagen.
00:23:50Aber wenn's war's, Gustav?
00:23:53Man darf ihm nicht alle sagen, was war's.
00:23:55Das machen die Erwachsenen auch nicht.
00:23:57Außer Onkel Jül.
00:23:59Nach dem richtig, Mann.
00:24:00Dann bringst du es weit.
00:24:01Warum?
00:24:02Weil er ein Sozi ist.
00:24:05Los, fass mit an.
00:24:08Können wir uns eine Höhle bauen?
00:24:10Quatsch, Höhle.
00:24:11Mitnehmen.
00:24:12Klauen?
00:24:15Mitnehmen, ist nicht geklaut.
00:24:18Los.
00:24:24Mein guter Bruder Gustav war damals der Schrecken sämtlicher Lagerplätze zwischen Essen und Rheinhausen.
00:24:30Er plündete alles, was aus Eisen war und versilberte es beim Lumpenhändler.
00:24:35Vater durfte natürlich nichts davon wissen.
00:24:37Nur Mutter war eingeweiht.
00:24:38Aber sie hielt dich, denn Gustav war ihre einzige Kreditanstalt, wenn das Geld alle war.
00:24:43Und das kam oft vor.
00:24:45Und dann nahm Gustav keine Prozente.
00:24:47Sonst von jedem.
00:24:49Ich bewunderte Gustavs Geschäftssinn.
00:24:51Mensch, Gustav!
00:24:52Das gibt fast einen Taler.
00:24:55Wie viel Geld hast du denn schon?
00:24:5730 Mark.
00:24:59Was willst du damit machen?
00:25:00Sparen.
00:25:02Und dann?
00:25:03Auswandern.
00:25:05Nach Amerika.
00:25:06Wirklich?
00:25:07Klar.
00:25:08Nimmst du mich mit?
00:25:11Ich muss das Ding zerschneiden.
00:25:13Warum?
00:25:14Lumpenlemer nimmt nur, was nach Schrott aussieht.
00:25:28So geht's nicht.
00:25:29Was hast du denn, Freddy?
00:25:49Jungchen, Jungchen, was machst du für Sachen?
00:25:52Mein Gott, nee, die Narbe behältst dein Leben lang.
00:25:55Vater, würde aus nun Eier machen, Grabowski?
00:25:57Ach, darüber macht der Mann jetzt keine Sorgen, Kleiner.
00:26:02Mein Gott, nee, das Auge hätte raus sein können.
00:26:07Vater, Vater!
00:26:09Du sollst sofort ins Werk kommen.
00:26:11Warum?
00:26:12In Sarajevo haben sie den Erzherzog Ferdinand ermordet.
00:26:27Alle mal herhören.
00:26:42Ein Millimeter ist keine Maßeinheit, wie irrtümlich angenommen wird, sondern ein Resultat.
00:26:47Und zwar des Fleißes, des Willens und des Könnens.
00:26:55Nehmt euch ein Beispiel an unserem tapferen Heer, das mit Zähigkeit und Fleiß, mit eisernem Willen und größtem militärischem Können Paris entgegen eilt.
00:27:03Bald schon werden euch eure Väter und Brüder die ersten Ansichtskarten vom Eiffelturm schicken.
00:27:08Die Stunde der Siegesglocken ist nicht mehr fern.
00:27:11Seid aber eingedenk, dass die Waffen künftiger Schlachten aus eurer Hand kommen müssen.
00:27:16Als Krupplehrlinge seid ihr junge Soldaten, und zwar der Werkbank.
00:27:21Und deshalb werde ich euch auch in Zukunft wie Soldaten behandeln.
00:27:26Wer mir Schluderarbeit vorzeigt, den lasse ich pumpen wie einen Rekruten, der sein Gewehr nicht geputzt hat.
00:27:34So, nun zeigt mal eure Übungsstücke.
00:27:41Gut so, Krause.
00:27:43Lasst mal ein guter Kanonikus.
00:27:46Karoleit, du bist beim Fallen eine Niete.
00:27:55Ich bin der Meinung, das liegt an deiner Sehschwäche.
00:27:58Und diese wiederum kommt von der mangelnden Durchblutung deines Eierkopfes.
00:28:01Um dem abzuhelfen, verordne ich dir hier mit 50 Kniebeugen. Los, fang an!
00:28:06Das restliche Fußvergang die Schraubstücke. Marsch, Marsch!
00:28:09Ja.
00:28:26Krause, mal herkommen!
00:28:27Achtzehn, neunzehn, zwanzig, anhalten.
00:28:37Trause, deine bisherigen Leistungen sind muskelgültig.
00:28:39Ich erinnere dich hiermit zum Gefreiten unserer Kompanie.
00:28:42Jawohl, Herr Schlechtendal.
00:28:45Habt ihr zugehört?
00:28:46Ja, Herr Schlechtendal.
00:28:49Was? Wie? Ich verstehe nicht.
00:28:53Jawohl, Herr Schlechtendal.
00:28:54Na also.
00:28:57Weiterzählen. Du musst zur Meisterbesprechung.
00:29:07Du sorgst dir für Ordnung.
00:29:09Jawohl, Herr Schlechtendal.
00:29:14Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechundzwanzig, siebenundzwanzig.
00:29:26Hallo, Herr Schlechtendal.
00:29:27Achtundzwanzig, neunundzwanzig, dreißig, neunundzwanzig, dreißig, neunundzwanzig, vorab, Kauleit.
00:29:34Wir machen die Sache heute Abend ab.
00:29:38Kannst du haben. Und wo?
00:29:42An der Duisburger Brücke, um sechse.
00:29:45Von mir aus?
00:29:46Meine Chancen standen schlecht.
00:29:50Egon Krasinski war nicht nur ein Kopf größer als ich.
00:29:53Er war auch der anerkannte Champion der Jugendsparte vom stolzen Turn- und Boxverein Rot-Weiß.
00:29:58Da aber meine gefreitene Ehre um jeden Preis gerettet werden musste, entschloss ich mich zu einem Beweis gewaltiger Kühnheit.
00:30:04Hey, hier bin ich.
00:30:06Wer was will so raufkommen?
00:30:08Der ist ja verrückt.
00:30:12Traust dich nicht?
00:30:38Und jetzt?
00:30:59Fechten!
00:31:08Das ist Blödsinn, Krause. Komm runter.
00:31:14Na gut, aber gleich von hier.
00:31:18Na los!
00:31:29Mut hast du.
00:31:30Aber nachher schlicht erwerbst du trotzdem.
00:31:32Die Schlacht war nicht gewonnen.
00:31:34Die Ehre nicht gerettet und der Beweis, dass ich kein Lampfrommermuster, Knabe und Vorzugslehrling war nicht angetreten.
00:31:40Das aber musste geschehen.
00:31:42Es geschah.
00:31:43Na los, Klamotten rein!
00:31:49Was soll denn das werden?
00:31:51Großkaliber, dicke Berter.
00:31:52Was willst du denn zusammenschießen?
00:31:53Eine Compagnie Carnickel.
00:31:57Das sind schlechten da als eine.
00:32:01Das rauskommt, fliegen aus der Leere.
00:32:03Ja, schieß halt, kann ja abhauen.
00:32:05Der Schiss halt kann ja abhauen.
00:32:33Klamotten.
00:32:33Der Schiss halt.
00:32:34Standing sniper.
00:32:35Das war's.
00:33:05Mein Nachbar hat dich gesehen.
00:33:26Wer da noch dabei?
00:33:27Keiner, ich war's alleine.
00:33:30Du, ich mach dich klein, du.
00:33:33Bei mir bist du erledigt, Krause.
00:33:35So klein mach ich dich mit Hut.
00:33:37Und zwar auf Lebzeiten.
00:33:39Auf deine Prüfung.
00:33:41Kannst du dich jetzt schon freuen.
00:33:55Das vier Prüfung haben es der längst eingezogen.
00:33:57Hoffentlich.
00:34:00Bei uns ist am Sonntag Boxen.
00:34:02Um vier im Volkshaus.
00:34:03Du kannst mitkommen.
00:34:05Die Becken hoch.
00:34:19Mensch, ist der ja gut.
00:34:34Das ist unser zweiter Vorsitzender.
00:34:36Von was, n?
00:34:36Vom Arbeiter-Tonbund.
00:34:38Dann Fips.
00:34:40Doch, Fips, du warst klasse.
00:34:42Wenn das in der Mitte war.
00:34:44Das ist der mit den Kanickeln.
00:34:46So, so, du bist das.
00:34:48Ist er in Ordnung?
00:34:50Ich glaube schon.
00:34:54Siege nach Punkten.
00:34:56Fips käufen.
00:34:59So habe ich Fips kennengelernt.
00:35:00Er hat mir damals ungeheuer imponiert.
00:35:02So einer wollte ich auch werden.
00:35:03Angst vor keinem.
00:35:04Nicht gleich Platz machen, wenn Feiner Pinkel über dem Bürgersteig spaziert.
00:35:07Drauf zu, Ende in den Taschen, aber sie notfalls blitzschnell draußen haben.
00:35:09War das alles, was du von ihm gelernt hast?
00:35:11Bisschen mehr schon.
00:35:12Man ist auch mal auf Klebetur gegangen.
00:35:14Schluss mit dem Krieg.
00:35:15Nachts quer durch Essen.
00:35:16Oder hat Schmier gestanden, wenn ein Volkshochsversammlung war.
00:35:19Mit 17 habe ich dann ausgelernt.
00:35:21Naja, und dann kam die Geschichte mit seiner Schwester, mit Guste.
00:35:26Ganz unschuldig zuerst, aber Fips hatte sofort was dagegen.
00:35:28War es ihm vielleicht noch zu grün?
00:35:30Schon möglich.
00:35:32Jedenfalls, wie das so ist, man gibt ja nicht gleich auf.
00:35:35Eines Abends habe ich sie in der Siedlung abgepasst, als sie von der Arbeit kam.
00:35:38Frühjahr 18 ist das gewesen.
00:35:40Im März war noch Frost.
00:35:41Kalt?
00:35:44Es geht.
00:35:47Hast ganz blaue Lippen.
00:35:50Sieht bloß so aus.
00:35:56Ersatzvolle, nicht?
00:35:57Das reinste Holz.
00:35:57Hast du kein Pullover?
00:36:00Bin ich rausgewachsen.
00:36:01Willst du meinen haben?
00:36:03Nö, nö.
00:36:06Naja, kein Prachtstück.
00:36:08Überall gestopft, aber...
00:36:09Ach wo?
00:36:10Da gehe ich ja dreimal rein.
00:36:11Probier doch erst mal.
00:36:12Wie, auf der Straße?
00:36:14Wir können auch in den Hausflur gehen.
00:36:15So siehst du aus.
00:36:18Guste.
00:36:20Hm?
00:36:20Ich will ja gar nichts von dir.
00:36:35Sei leise.
00:36:36Vater schläft schon.
00:36:40Warum kommst du denn so spät?
00:36:42Wir hatten Überstunden.
00:36:44Ist noch was zu essen da?
00:36:50Schon wieder rüben?
00:37:10Kriegst noch zwei Eier.
00:37:11Ist heute Weihnachten?
00:37:13Fred, wenn ich dir was erzähle,
00:37:15was keiner wissen darf,
00:37:16kannst du einen Mund halten?
00:37:18Für Gustav ist der Krieg zu Ende.
00:37:20Erst zum Tommi rüber.
00:37:21Hier, lies mal.
00:37:28Hast recht.
00:37:31Was anderes kann das nicht bedeuten.
00:37:33Der Schlaukopp, der...
00:37:35Und gestern sagt Mumm noch,
00:37:36sie hat von Wasser geträumt.
00:37:37Und Wasser bedeutet nichts Gutes.
00:37:39Dabei ist England rundherum von Wasser umgeben.
00:37:43Bloß zu Vatern kein Wort,
00:37:44das musst du mir versprechen.
00:37:45Ich werde mich hüten.
00:37:50Ist der Erna nicht schon lange zu klein?
00:38:01Wieso?
00:38:02Na, der geht ja doch höchstens noch bis hierher.
00:38:05Du Mutter,
00:38:06soll ich ihn dir abkaufen?
00:38:07Was willst denn du mit dem Mädchenpullover?
00:38:12Weiter verkaufen?
00:38:14Das lass, mein Lieber.
00:38:16Ich trenne auf für Ida.
00:38:36Guten Morgen.
00:38:37Morgen.
00:38:37Tag, Herr Pierschowski.
00:38:40Ich weiß nicht, ob Sie mich kennen.
00:38:41Meine Mutter kauft bei Ihnen.
00:38:42Natürlich, weil ich dich kenne.
00:38:43Krause ist Fred, bist du.
00:38:45Herr Pierschowski, ich habe eine große Bitte.
00:38:46Wenn es geht, will ich dir sie gerne erfüllen, junger Mann.
00:38:49Ich brauche ein Geburtstagsgeschenk für meine Schwester.
00:38:51Da kommst du ausgerechnet hierher?
00:38:52Was meinst du, wozu habe ich meinen Laden?
00:38:53Ich wollte die Sache privat bereden.
00:38:54Und wo heute Samstag ist, sind Sie doch nicht im Geschäft.
00:38:56Ist es denn so eilig?
00:38:57Ja.
00:38:57Ich habe an einen Pullover gedacht.
00:38:59Morgen.
00:39:00Er müsste aber aus Wolle sein.
00:39:01Ja, aber nur mit Bezugsschein möchte ich gleich darauf hinweisen.
00:39:03Das ist doch der Haken.
00:39:05Ich würde gern was zuzahlen.
00:39:07Morgen, Herr Pierschowski.
00:39:08Tag, Frau Bloch.
00:39:10Ich höre wohl nicht recht.
00:39:12Ohne Bezugsschein?
00:39:13Nein, nein, junger Herr Krause.
00:39:14Auf offener Straße will er eine Petite mit mir machen.
00:39:17Ich habe jetzt mein Geschäft fast 20 Jahre.
00:39:19Ich möchte es noch 20 Jahre behalten.
00:39:21Bei solchen Sachen machen die Behörden gar nicht viel Geschichten.
00:39:23Am wenigsten mit uns einem.
00:39:25Ich fahre schon in drei anderen Läden, Herr Pierschowski.
00:39:27Na siehst du, da haben Sie dich auch herausgeschmissen.
00:39:30Nein, mich lass in Frieden.
00:39:31Ich will überhaupt nichts gehört haben.
00:39:34Ich will überhaupt nichts gehört haben.
00:40:04Tag, Freddy.
00:40:09Ist Pierschowski da?
00:40:10Nein.
00:40:11Wann kommt er denn?
00:40:12Heute gar nicht, heute ist doch Sabbat.
00:40:14Ach ja.
00:40:15Was suchst du denn?
00:40:17Eigentlich einen Pullover.
00:40:18Für dich?
00:40:19Nee, für meine Schwester.
00:40:20Aber ohne Bezugsschein.
00:40:22Ohne geht nicht.
00:40:23Deswegen wollte ich doch mit Pierschowski reden.
00:40:26Oh, der wird wie er was.
00:40:28Wenn's rauskommt, machen sie ihm den Laden zu.
00:40:30Kommt doch nicht raus.
00:40:32Du, ich zahle ein paar Mark mehr.
00:40:34Ese.
00:40:35Sei doch mal nett.
00:40:39Na gut, weil du's bist.
00:40:44Such dir einen aus.
00:40:50Den.
00:40:52Oh, der ist zu klein für Erna.
00:40:53So wie die ausgelegt hat, da braucht die mindestens zwei Nummern größer.
00:40:55Ach wo?
00:40:56Aber wenn ich's dir sage.
00:40:58Jedenfalls nehm ich den.
00:40:59Ist vielleicht doch besser, du sprichst mit Pierschowski selber.
00:41:07Auf einmal?
00:41:09Denkst du, ich weiß nicht, wer die Größe hat?
00:41:11Nein, Fred, tut mir leid.
00:41:14Da verlangst du zu viel von mir.
00:41:18Ich leg meine Uhr dazu.
00:41:23Die kannst du dir an den Hut stecken.
00:41:25Weißt du, was du bist?
00:41:26Eine dumme Ziege.
00:41:28Eine spießbürgerliche dumme Ziege.
00:41:30Oder glaubst du, weil wir dreimal tanzen waren, heirate ich dich gleich?
00:41:33Du Anfänger.
00:41:34Du Anfänger.
00:42:03Untertitelung des ZDF, 2020
00:42:33Untertitelung des ZDF, 2020
00:43:03Untertitelung des ZDF, 2020
00:43:33Untertitelung des ZDF, 2020
00:43:35Untertitelung des ZDF, 2020
00:44:03Sind Sie verletzt?
00:44:12Warum treiben Sie sich auch hier herum?
00:44:15Wozu stehen vorne die Schilder?
00:44:16Am Tor?
00:44:18Nehmen Sie Ihre Räder und verschwinden Sie.
00:44:23Mist, Kerle!
00:44:25Was ist denn, Freddy?
00:44:26Ich glaube, ich habe mir das Bein gebrochen.
00:44:27Sorg bloß.
00:44:33Tut's da weh?
00:44:55Und hier?
00:44:55Du konntest dich aber feststellen.
00:45:05Mach mal die Augen zu.
00:45:08Denkste?
00:45:09Ne, mach schon.
00:45:17Nicht schummeln.
00:45:18Komm, mach die Arme hoch.
00:45:34Sag mal, wo hast du denn den her?
00:46:00Vom lieben Gott.
00:46:01Hallo, junger Herr Krause.
00:46:17Ich hätte mich gern mal mit dir unterhalten.
00:46:21Ich komme raus, Herr Pierschowski.
00:46:23Was will denn der von dir?
00:46:24Ich, der will mir neue Pedalen, will er mir besorgen fürs Fahrrad.
00:46:28Bist du verrückt?
00:46:29Komme Geschäfte?
00:46:30Willst du dich reinlegen lassen?
00:46:32Mein Sohn braucht keine Pedalen, Herr Pierschowski.
00:46:34Wieso Pedalen?
00:46:35Deswegen bin ich nicht hier.
00:46:43Weswegen denn sonst?
00:46:45Naja, der junge Mann hat eine Dummheit gemacht, aber Sie müssen mir versprechen, dass wir Skittig
00:46:48regeln.
00:46:48So schlimm ist es nicht.
00:46:49Wie?
00:46:50Was regeln?
00:46:51Er hat einen Pullover mitgehen lassen, letzten Samstag, in meinem Laden.
00:46:53Stimmt das?
00:46:55Kein Wort ist wahr.
00:46:56Komm, Fred, schwindel nicht.
00:46:58Herr Krause, ich möchte keinen Skandal draus machen.
00:47:00Aber das Geld möchte ich haben und den Bezugsschein.
00:47:02Ich hab's uns ärger.
00:47:03Fred, gib's doch zu, oder soll ich sagen, wer mit dem Pullover rumläuft in der Siedlung?
00:47:07Wer läuft damit rum?
00:47:07Ich hab'n verschenkt, an Mädchen.
00:47:12Aber gestohlen hab' ich ihn nicht, Vater.
00:47:13Bestimmt nicht.
00:47:15Ey, sie hatten mir unter der Hand verkauft.
00:47:17Jetzt will sie's bloß nicht zugeben.
00:47:18Friede, ich will, Fred.
00:47:22Wer lügt denn nun?
00:47:23Sie hatten mir verkauft, Vater.
00:47:25Wirklich.
00:47:26Hören Sie zu, Herr Pierschowski.
00:47:43Hier steht Aussage gegen Aussage.
00:47:46Als Vater sag' ich Ihnen, mein Sohn ist kein Dieb.
00:47:49Ich warne Sie, uns in Verruf zu bringen.
00:47:51Sie würden selber der Dumme sein.
00:47:52So einer wie Sie, der muschelt und mauschelt doch immer unterm Ladentisch, das weiß man doch.
00:47:57Nun, nun, Herr Krause.
00:47:58Sie werden den Spieß jetzt nicht umdrehen wollen.
00:48:00Fred, bitte gib's endlich zu.
00:48:02Fred.
00:48:03Du sei still, Kehmanns Else.
00:48:05Dir glaub ich kein Wort.
00:48:06Wenn eine beim Trödeljuden das Lehrmädchen macht,
00:48:09dann ist Schwindeln das Erste, was sie lernt.
00:48:11So.
00:48:12Damit ist der Fall für mich erledigt.
00:48:17Aber, Herr Krause, Sie können doch nicht...
00:48:22Kommt doch.
00:48:26Kommt doch.
00:48:34Scheißstück.
00:48:38Natürlich hast ihn geklaut.
00:48:40Einen Schädel könnte ich dir einschlagen.
00:48:42Wer ist denn das Mädchen?
00:48:43Hey, du, wer?
00:48:44Wo ist der Kolben?
00:48:48So, hast du.
00:48:50Dieser will ich dir versalzen.
00:48:57Fritz.
00:48:58Das Essen steht auf dem Tisch.
00:49:10Steh auch.
00:49:10Sieh mich an.
00:49:17So.
00:49:18Ich gehe jetzt zu Pierschowski und entschuldige mich für dich.
00:49:30Na ja, Mutter brachte Pierschowski einen Bezugsschein und das Geld.
00:49:33Und die Tragödie war zu Ende.
00:49:35Die mit dem Pullover, nicht die mit Guste.
00:49:36Die fing erst an.
00:49:39Ein paar Monate später.
00:49:40Ich komme von der zweiten Schicht.
00:49:42Da holt mich Gustas Mutter vom Werktor ab.
00:49:57Rechts raus.
00:49:59Rechts raus.
00:50:00Sieh auf.
00:50:02Rechts raus.
00:50:03Sieh auf.
00:50:03Nach rechts.
00:50:06Rechts raus.
00:50:09Rechts raus.
00:50:11Frauen in die Wache.
00:50:14Ihr denkt euch auch immer neue Sachen aus.
00:50:20Nach rechts.
00:50:21Nach rechts.
00:50:23Herr Krause.
00:50:24Rechts raus.
00:50:24Tschüss.
00:50:27Tschüss.
00:50:28Namen Frau Kolben.
00:50:29Fipps schickt mich, ob Sie auf den Sprung zu uns raufkommen könnten.
00:50:32Warum ist er krank?
00:50:34Er ist krank nicht.
00:50:43Namen Fipps.
00:50:44Pionierregiment Köln.
00:50:58Nun musst du doch.
00:50:59Ja, aus mit OK.
00:51:01Und wenn du irgendwo auf dem Lande untertauchst?
00:51:02Einberufen ist einberufen.
00:51:03Da hilft nichts.
00:51:04Na nun Frau Kolben.
00:51:05Seit wann denken Sie denn so?
00:51:07Platzmutter, ob ich in Köln ankomme, ist noch die Frage.
00:51:09Vielleicht tauche ich in Hamburg unter bei Krischinskis Eltern.
00:51:11Find's nur jedem auf die Nase.
00:51:12Fred ist nicht jeder.
00:51:14Hoffentlich nicht.
00:51:16Aber wenn du geschnappt wirst, dann knallt's.
00:51:23Wo hast denn die her?
00:51:24Wozu arbeitet man bei Krupp?
00:51:26Setzen Sie sich, Herr Krause.
00:51:28Du auch, Fipps.
00:51:29Ist zwar nur Eichelkaffee, aber ihr habt zu Hause auch nichts Besseres, nehme ich an.
00:51:33Nein, Frau Kolben.
00:51:38Du kommst gerade recht, Guste.
00:51:41Na und?
00:51:42Was guckst du so?
00:51:44Wir dachten, wir tun dir einen Gefallen, wenn wir Herrn Krause einladen.
00:51:49Mutter, ihr wollt doch nichts etwa.
00:51:52Doch, wir wollen.
00:51:53Ich habe euch gesagt, das ist meine Sache.
00:51:55Von wegen.
00:51:57Komm schon, setz dich.
00:51:58Ich muss wieder weg.
00:51:59Schwindel nicht, du bleibst hier.
00:52:00Nein.
00:52:01Hol sie zurück.
00:52:01Die kommen von selber.
00:52:02Sagen Sie mal, Herr Krause, wie alt sind Sie eigentlich?
00:52:14Siebzehn, Frau Kolben.
00:52:15Siebzehn?
00:52:16Na wunderbar, da kann man ja noch du zu dir sagen.
00:52:19Klar, Frau Kolben.
00:52:20Können Sie?
00:52:21Also, Fred, du wirst Vater.
00:52:26Frohe Botschaft, was?
00:52:35Freddy, ich will das Kind nicht.
00:52:37Nicht jetzt mitten im Krieg.
00:52:38Ist doch bald Frieden.
00:52:42Wir sind noch zu jung, Freddy.
00:52:45Und wenn ich's will?
00:52:54Hallo, junger Mann.
00:52:56Ach du, Freddy.
00:52:58Musst du posten, Schimungeljub?
00:52:59Ja.
00:53:00Komm weiter, er ist ein Neffe von mir.
00:53:01Auch wenn's dein Neffe ist, hier darf keiner rumstehen.
00:53:05Die Rheinbrücken sind ab sofort gesperrt.
00:53:08Na nu, ich denke, die Front ist weit weg.
00:53:11Ach, keine Schwierigkeiten, Fred.
00:53:13Sucht euch einen anderen Platz.
00:53:17Freddy!
00:53:18Hä?
00:53:19Komm doch mal her.
00:53:27Die Flugblätter, die neuerdings im Werk auftauchen,
00:53:29mir ist erzählt worden, die sollt ihr in die Spinde gelegt haben?
00:53:33Wer, wir?
00:53:34Eure Truppe vom Turnverein.
00:53:37Na und?
00:53:37Ist vielleicht falsch, was draufsteht?
00:53:39Falsch nicht.
00:53:40Aber Schluss ist sowieso bald.
00:53:42Mensch, Junge, sei nicht dämlich.
00:53:43Wozu noch einen Hals riskieren?
00:53:44Fünf Minuten vor Tore Schluss.
00:53:46Der Frieden kommt von selber, glaub mir's.
00:53:50Mein Onkel Jupp, SPD seit Leipzig ein und Leipzig.
00:53:53Aber wenn's ernst wird, lässt er Vorsicht walten.
00:53:56Vorsicht ist manchmal ganz angewacht.
00:53:58Soll das ein Vorwurf sein?
00:53:59Fred, du musst mir helfen.
00:54:01Du musst mit deiner Großmutter reden.
00:54:03Warum?
00:54:03Ach, stell dich doch nicht so an.
00:54:07Ihr wärt schon zehn oder zwölf zu Hause ohne eure Mum.
00:54:09Alle Frauen in der Siedlung sagen das.
00:54:11Eure Mum kennt sich aus.
00:54:14Schick sie zu mir.
00:54:17Das mach ich nicht.
00:54:19Doch, Fred, bitte.
00:54:20Bitte.
00:54:20Bitte.
00:54:20Bitte.
00:54:29Für mich?
00:54:49Von Guste Kolben.
00:54:51Schönen Gruß.
00:54:51Du möchtest sie mal besuchen.
00:54:55Ach nee.
00:54:57Schau eine an.
00:55:04Sie hat noch zwei Flaschen zu Hause.
00:55:06Soll ich dir bestellen?
00:55:07So?
00:55:10Wie soll sie man behalten?
00:55:12Ich geh nicht mehr in fremde Häuser.
00:55:14Auf meine alten Tage noch ins Zuchthaus.
00:55:17Nee.
00:55:17Mum, es erfährt doch keiner.
00:55:19Nee, sag ich.
00:55:19Nee.
00:55:20Daneben nicht.
00:55:24Bleib hier.
00:55:26Zeig schon.
00:55:30Du bist selbstgebrannter.
00:55:33Ihr Böcke, ihr Verfluchten, ihr Krauses.
00:55:36Du fängst ja noch früher an als dein Vater.
00:55:38Das ist ein bieses Zeichen.
00:55:52Ich kehre wieder um.
00:55:54Unsinn, Mum.
00:55:55Das ist kein Zeichen.
00:55:57Das machen die Kohlrüben.
00:56:01Geh schon.
00:56:04Naja.
00:56:04In zwei Stunden kannst du mich abholen.
00:56:08Mutter Krause, einen Augenblick.
00:56:26Ich möchte mal Ihre Tasche sehen.
00:56:31Herr Jiminy, ich hab's geahnt.
00:56:34Nehmen Sie Ihre Mutter mit nach Hause.
00:56:40Sie kommen rein.
00:56:41Mit Ihrem Sohn.
00:56:46Setzen Sie sich.
00:56:47Das Verhör führt Herr Obersekretär.
00:56:49Guten Abend, Herr Obersekretär.
00:56:51Also, Herr Krause, um was es hier geht,
00:56:52muss ich Ihnen nicht auseinandersetzen.
00:56:54Ihre Mutter hat uns alles erzählt.
00:56:55Herr Obersekretär, wenn ich nur das Geringste geahnt hätte...
00:56:58Schon gut.
00:56:58Ist du der Kindesvater?
00:57:01Ja.
00:57:02Stammt der Gedanke, so was zu tun von dir?
00:57:05Lutz, Kerl.
00:57:07Antworte.
00:57:10Darauf steht Zuchthaus.
00:57:12Weißt du das?
00:57:14Trotzdem könntest du dich vor dem Ärgsten bewahren.
00:57:17Wenn du nämlich in einer anderen Sache Ehrlichkeit an den Tag legen würdest.
00:57:22Hast du doch mehr ausgefressen.
00:57:24Nee.
00:57:25Ach, du weißt wohl nicht,
00:57:27dass Philipp Kolben bei seinem Regiment nie angekommen ist.
00:57:31Nee.
00:57:31Aber er ist doch dein Freund.
00:57:34Warum sagen Sie eigentlich dauernd du zu mir?
00:57:36Ich bin kein Kind mehr.
00:57:37So, ich helfe dir gleich.
00:57:39Wie hast du höflich zu antworten?
00:57:40Sonst gehst du ein paar als Genick.
00:57:41Nicht doch, wollen wir sachlich bleiben.
00:57:44Lassen Sie mich mal mit ihm allein.
00:57:47Hör mal, du willst doch selber aus der Chance heraus.
00:57:57Stimmt's?
00:57:59Wir könnten da auch ein Auge zudrücken,
00:58:01in Anbetracht deiner Jugend.
00:58:03Aber unter einer Bedingung,
00:58:05Ehrlichkeit.
00:58:07Wo ist Fips Kolben?
00:58:09Ich weiß nicht.
00:58:14Vielleicht hat er dir nichts Genaues gesagt
00:58:16vielleicht nur die Gegend.
00:58:19Ein paar Hinweise würden uns da schon genügen.
00:58:22Verstehst du mich?
00:58:26Na, ist er weiter weg oder in der Nähe?
00:58:29Auf dem Lande oder in der Stadt?
00:58:31Ich weiß es nicht.
00:58:37Bitte.
00:58:38Ihrem Sohn ist leider nicht zu helfen.
00:58:42Er muss hierbleiben.
00:58:42Meiner Meinung nach könnten wir von einer Verhaftung absehen.
00:58:45Vorläufig.
00:58:46Bis zum Prozess.
00:58:47Herr Krause hat mir nämlich eben einen anderen Vorschlag gemacht.
00:58:50So?
00:58:51Er verbirgt sich als Vater dafür,
00:58:53dass der junge Mann inzwischen unter ständiger Kontrolle bleibt.
00:58:56Sozusagen Hausarrest.
00:58:58Bitte, Herr Obersekretär.
00:59:01Na schön.
00:59:02Sie sind mir als aufrechter Mann bekannt.
00:59:04Ausnahmsweise.
00:59:08Danke sehr.
00:59:10Komm.
00:59:14Gusto, was auch passiert.
00:59:16Ich halte zu dir.
00:59:17Wir heiraten, Gusto.
00:59:18Bist du wohl stille, Kerl?
00:59:19Lass uns allein.
00:59:47Zuerst mit mir zu reden.
00:59:48Auf die Idee bist du nicht gekommen, was?
00:59:51Setz dich.
00:59:58So, so.
00:59:59Also, du hast mich zum Großvater gemacht.
01:00:03Du starb mich nicht an wie ein Kategor auf den Schlagbock.
01:00:05Werde dich in den Kopf abreißen.
01:00:08Du steht ja fest, dass du schon ein Mann bist.
01:00:10Wollen wir auch miteinander reden.
01:00:12Wie von Mann zu Mann.
01:00:13Einverstanden?
01:00:14Ja, Vater.
01:00:15Ja, Vater.
01:00:18Ist dir klar, was uns bevorsteht?
01:00:24Uns, sag ich.
01:00:26Uns, der ganzen Familie.
01:00:27Nicht nur dir.
01:00:28Ich sollte zum nächsten Ersten Vizemeister werden.
01:00:33Aus.
01:00:34Vorbei.
01:00:3520 Jahre habe ich darum gekämpft.
01:00:37Morgens der Erste in der Werkstatt,
01:00:39abends der Letzte.
01:00:40Und jetzt?
01:00:42Alles umsonst.
01:00:43Die schmeißen mich raus.
01:00:46Die Wohnung werden sonst kündigen.
01:00:49Wegziehen müssen wir hier.
01:00:50Mein Gott, mein Gott, was machen wir bloß?
01:01:06Weißt du, dass jetzt alles von dir abhängt?
01:01:08Ich bring's doch wieder in Ordnung.
01:01:10Wie denn?
01:01:11Ich werd's ja heiraten.
01:01:12Das mit Guste ist nicht der Schlimmste.
01:01:18Sowas lässt die Polizei schon mal durchgehen in Kriegszeiten.
01:01:22Aber Fahnenflucht.
01:01:26Wenn einer damit zu tun hat,
01:01:28da gibt's kein Pardon.
01:01:31Fred, ich will ganz ehrlich zu dir sein.
01:01:34Die Polizei will bis morgen Mittag wissen,
01:01:37wo sich Fips Kolben aufhält.
01:01:38Sonst wirst du verhaftet.
01:01:41Als Mitwisser.
01:01:42Du sollst mich ausfragen.
01:01:46Ich verrate Fips nicht.
01:01:49Na gut, das verstehe ich.
01:01:52Fips ist dein Kamerad,
01:01:53und Kameraden verrät man nicht.
01:01:54Das macht keinen richtigen Mann.
01:01:56Trotzdem, Fred,
01:01:57denk auch ein bisschen an uns.
01:01:59An Mutter, an deine Schwestern.
01:02:01Erna hat jetzt gar einen jungen Beamten vom Werk kennengelernt.
01:02:03Das ist ein feiner Mensch.
01:02:05Was soll denn der denken?
01:02:08Ich hab mir was überlegt.
01:02:14Es gibt eine Lösung,
01:02:15wo man allen gerecht wird,
01:02:17wenn man's schlau anstellt.
01:02:19Weißt du, was ich machen würde?
01:02:21Ich würde die Polizei reinlegen.
01:02:23Sieh mal, was wollen die denn wissen?
01:02:25Nichts weiter als die Adresse von Fips.
01:02:27Irgendeine Adresse.
01:02:28Du meinst, ich soll eine Fallscheine geben?
01:02:30Das hat nun wieder keinen Zweck.
01:02:31Nein, die richtige.
01:02:33Morgen Mittag, auf dem Revier.
01:02:34Aber vorher würde ich ein Telegramm an Fips abschicken.
01:02:37Vorsicht, Gefahr einverzuge.
01:02:39Natürlich mit einem anderen Text.
01:02:41Arzt empfiehlt Klimawechsel oder sowas.
01:02:43Das versteht er dann schon.
01:02:45Und bevor die Polizei kommt,
01:02:46ist er längst über alle Berge.
01:02:48Du hast deine Pflicht und Schuldigkeit getan
01:02:49und bist raus aus allen.
01:02:53Hör auf mich, Fred.
01:02:55Es ist der beste Weg.
01:02:56Na ja, vielleicht.
01:03:00Wo ist der Fips?
01:03:02Wieso?
01:03:03Na, schon gut.
01:03:04Ich will's gar nicht wissen.
01:03:06Wir haben uns geeinigt, als Männer.
01:03:08Jetzt überlasse ich alles andere dir.
01:03:12Gute Nacht.
01:03:13Ich ging noch in derselben Nacht zum Bahnhofspostamt.
01:03:25Als ich das Telegramm aufgab, wurde ich festgenommen.
01:03:28Nun hatten sie die Adresse von Fips.
01:03:31Ich war in eine Falle gelaufen.
01:03:34Sieben Wochen blieb ich in Haft.
01:03:37Dann wurde ich mit der Begründung,
01:03:39mein Verfahren finde erst nach dem Krieg statt,
01:03:41plötzlich und ohne weitere Erklärung entlassen.
01:03:49Wo ist Guste?
01:03:51Neulich hat ein Möbelwagen vor der Tür gestanden.
01:03:53Kolben sind weggezogen, glaube ich.
01:03:56Und der Prozess?
01:03:57Mum hat noch keine Nachricht.
01:03:59Du denkst natürlich, ich hab dich reingelegt.
01:04:01Ja.
01:04:02Du tust mir Unrecht.
01:04:04Sie haben dich beobachtet immerzu.
01:04:06Wer konnte das ahnen?
01:04:11Fred, wir brauchen uns keine Vorwürfe zu machen.
01:04:19Wir können beide nichts dafür.
01:04:21Haben sie Fips geschnappt?
01:04:22Keine Ahnung.
01:04:23Sie sagen einem doch keinen Ton.
01:04:25Hoffentlich nicht.
01:04:26Ich möchte bloß wissen, warum sie mich entlassen haben.
01:04:28Das hast du Vatern zu verdanken.
01:04:30Bis zur Direktion ist er gegangen.
01:04:31Außerdem wirst du gebraucht, Junge.
01:04:33Wo?
01:04:34An der Front.
01:04:35Und?
01:04:37Das wird deine Bewährung sein, Fred.
01:04:39Vom Knast zum Kommiss, vom Regen in die Traufe.
01:04:48Daran hatte ich nicht gedacht.
01:04:50Wir lagen im Wald von Crepie und schossen nach Paris hinüber.
01:04:52Mit einem neuen Ferngeschütz, dem dicken Gustav.
01:04:56180 Schüsse trafen Paris, 140 die Vororte.
01:04:59Ungefähr 1000 Menschen wurden getötet.
01:05:0091 davon beim Frühgottesdienst in der Alten Kirche von Gervais.
01:05:04Ein stolzer Erfolg für Gustav Krupp.
01:05:06Weitere Wunder hat die Wunderwaffe nicht vollbracht.
01:05:12Fliegerangriff!
01:05:14Leitung!
01:05:18Die Dusche muss weg.
01:05:19Richtig, Krause. Du hast zerfasst. Los!
01:05:22Los, fast dann!
01:05:31Verflucht!
01:05:32Der kommt wieder!
01:05:33Der kommt wieder!
01:05:36Danke, Herr Leutnant.
01:05:53Wenn so ein Vogel niedriger als 50 Meter angreift, nie wegrennen.
01:05:56Immer entgegenlaufen.
01:05:57Schusswinkel verkürzen.
01:05:59Naja, alles zerladenbar.
01:06:01Mehlwürmer.
01:06:19Mehr Mehlwürmer aus Jauben.
01:06:22Ich fress die Scheiße nicht mehr.
01:06:24Ich auch nicht.
01:06:32Ihr habt's doch vier Jahre lang gefressen.
01:06:35Alles wie es kam. Immer rinnenschlund und geschluckt.
01:06:37Aber mal ist Schluss.
01:06:38Ach Mensch, ihr schluckt's nur 40 Jahre.
01:06:40Noch 400.
01:06:43Klugscheißer.
01:06:44Willst du sie an die Wand stellen lassen?
01:06:45Hast du den armen Hund nicht gesehen, der drüben an der Brücke hängt,
01:06:48weil er die Knarre weggeschmissen hat?
01:06:49Ja, wegschmeißen ist eben verkehrt.
01:06:51Umdrehen.
01:06:52Wie die Russen.
01:06:53Die sind schlauer gewesen.
01:06:55Verbrannen sich bloß nicht die Schnauze, Müller.
01:06:57Herr Oberwacht, ich darf sie mir verbrennen.
01:06:58Dreimal verschüttet, Herr Oberwacht.
01:07:00Ich bin nicht ganz bei Troste.
01:07:02Melle gehorsamst, das habe ich schriftlich.
01:07:04Ich habe auch was schriftlich.
01:07:06Aufwinkler sind zu melden.
01:07:08Oberwacht, an morgen denken.
01:07:13Weitermachen.
01:07:13Warum so still?
01:07:30War doch eben noch ganz lustig hier.
01:07:31Oder hat sich das von oben nur so angehört?
01:07:35Also, Herrschaften.
01:07:37Gibt es Beschwerden?
01:07:43Herr Leutnant, der Phras ist ungenießbar.
01:07:54Mit anderen Worten, Sie sind satt.
01:07:58Vom Krieg.
01:07:59Obwohl das Feldgericht nebenan ist.
01:08:05Herr Leutnant,
01:08:07die Mannschaft verlangt eine Menage-Kommission.
01:08:10Verlangt?
01:08:11So, so.
01:08:12Der Batterie-Chef ist in seinem Bunker.
01:08:17Oder gehen Sie doch gleich zum Regimentstab.
01:08:24Kanonier Krause?
01:08:26Herr Leutnant?
01:08:28Kommen Sie mal her.
01:08:31Bei mir liegt Post, die Sie betrifft.
01:08:33Was euer Gemäcke angeht.
01:08:44Die Front ist nicht schuld.
01:08:46Die Versager sitzen woanders.
01:08:48Das sind die Schieber in der Etappe
01:08:49und die Bonzen in Berlin.
01:08:51Und der Radfahrer, die Juden.
01:08:53Sie sind ja eine ganz besondere Nummer.
01:09:00Die Oberstaatsanwaltschaft Essen hat sie in Rieden erkundigt.
01:09:04Falls Sie vorzeitig entlassen werden sollten.
01:09:07Vorzeitig ist überhaupt gut.
01:09:08Also, falls es demnächst in Richtung Heimat gehen sollte,
01:09:11haben wir dafür zu sorgen, dass Sie geradewegs zum Kadi wandern,
01:09:14damit Ihr Prozess stattfinden kann.
01:09:15Ein Ding, was?
01:09:19Alles geht in die Brüche,
01:09:20aber diese Amtsschimmel muffeln munter weiter.
01:09:23Wie suchen Sie schon Ihre Opfer für den Nachkrieg aus?
01:09:28Strafsache Kolben Krause,
01:09:30Registriernummer Römisch 7-13b,
01:09:32Anklage nach Paragraf 218,
01:09:34versuchte Unterbrechung.
01:09:37Nicht rechtzeitig ein Rückzug angetreten, was?
01:09:41Also, ich wollte es Ihnen gesagt haben.
01:09:42Ein kleiner Tipp kann ja manchmal nicht schaden.
01:09:44Danke, Herr Leutnant.
01:09:45Den Leutnant, lass mal fünf Minuten weg.
01:09:47Ich sage dir das als Landsmann Jochen Kirchhoff,
01:09:49Essen-Süd-Düsseldorfer Alli 29.
01:09:52Das ist privat, klar.
01:09:54Ich kenne mich deinen Alten ein bisschen,
01:09:56aus meiner Volontärzeit im Werk.
01:09:59Außerdem kenne ich noch jemanden,
01:10:01vom letzten Urlaub her.
01:10:03Ein hübsches, kleines Mädchen.
01:10:05Sieh mal.
01:10:09Meine Schwester.
01:10:11Eure Erna.
01:10:12Ja.
01:10:14Sag mal,
01:10:14ist die eigentlich schon
01:10:16in festen Händen?
01:10:17Wieso?
01:10:18Ich meine,
01:10:19war die Festung nicht gleich zu stürmen.
01:10:23Zu viel Widerstand, was?
01:10:26Krause, du bist richtig.
01:10:27Setz dich.
01:10:29Auch draußen ein Munitionsbunker.
01:10:31Kartusche weg.
01:10:32Genau das Richtige
01:10:33im richtigen Moment.
01:10:35Wenn man dich dabei hat,
01:10:36dann weiß man wenigstens,
01:10:37dass es ein Kerl,
01:10:37auf den man zählen kann.
01:10:38oder macht dir der Kommiss
01:10:40keinen Spaß.
01:10:45Viel nicht, ehrlich gesagt.
01:10:48Mir auch nicht.
01:10:50Jedenfalls nicht nur
01:10:51unter diesen Umständen.
01:10:52Aber eine Armee
01:10:53kann auch anders aussehen.
01:10:55Müde Wasserbäuche
01:10:55und verkalkte Itzenblitze.
01:10:57Das muss nicht immer so sein.
01:10:59Bring mir mal den Spiegel rüber.
01:11:00Die Batterie wird bald aufgelöst.
01:11:15Naja, was auch sonst.
01:11:18Jetzt muss man nur noch aufpassen,
01:11:19dass man nicht in die falsche Richtung
01:11:21verfrachtet wird.
01:11:23Falls du nicht unbedingt
01:11:23nach Essen willst,
01:11:24was in deiner Lage begreiflich wäre,
01:11:27ich könnte dich mitnehmen
01:11:28offiziell als Putzer.
01:11:28privat als Schwager ins B.
01:11:32Deiner Schwester
01:11:33würde ich gern gefallen tun.
01:11:36Wohin denn mitnehmen?
01:11:37Irgendwohin aufs Land.
01:11:39Über den Daumen gepeilt, schätze ich.
01:11:41Himmelsrichtung Berlin.
01:11:43Überlegt ihr es?
01:11:47Röhmisch 7-13b.
01:11:52Was machen wir nun damit?
01:11:58Beim Rückzug geht so viel verloren.
01:12:06Der Schreck war mir
01:12:07in die Glieder gefahren.
01:12:09Vom Kommiss zurück in den Knast.
01:12:10Das wollte ich vermeiden.
01:12:12Das musste ja nicht sein.
01:12:14Da fuhr ich doch lieber
01:12:14mit meinem neuen Freund
01:12:15Jochen Kirchhoff
01:12:16Anfang November Richtung Berlin
01:12:18als Putzer von drei Leutnants,
01:12:20sechs Feldwebeln
01:12:21und 18 Pferden,
01:12:22die, wie es im Marschbefehl hieß,
01:12:23der deutschen Landwirtschaft
01:12:25wieder zugeführt werden sollten.
01:12:27Herr Reutnant!
01:12:28Herr Reutnant!
01:12:29Da stehen welche auf den Schienen.
01:12:30Was sind das für Leute?
01:12:31Räuber zivil.
01:12:31Wie viel?
01:12:32Ungefähr zehn Mann, bewaffnet.
01:12:35In Deckung vor zur Lok.
01:12:36Noch steht auf Mäuterei die Kugel.
01:12:38Den werden wir es beibringen.
01:12:40Was ist denn los?
01:12:42Unsere Gäule werden die uns
01:12:42doch nicht wegnehmen wollen.
01:12:43Nimm deine Knarre
01:12:44und pass auf unsere Sachen auf.
01:12:45Henschel, Sie bleiben auch hier.
01:12:46Jawohl.
01:12:48Wo sind wir denn überhaupt?
01:12:49Ein Stück vor Brandenburg.
01:12:50Also jetzt doch nach Berlin
01:12:51und nicht aufs Land.
01:12:52Quatsch, natürlich aufs Land.
01:12:53Nach der Überwärtsdivision Reinhardt.
01:12:57Was denn wie eine Division?
01:12:59Mensch, kommst du aus dem Moos-Torp?
01:13:00Hat dir dein Leutnant nichts gesagt?
01:13:03Von wegen zehn.
01:13:05Mindestens 50.
01:13:07Wir sind umstellt.
01:13:08Raus hier!
01:13:08Ab durch die Mitte!
01:13:20Raus hier!
01:13:31Raus hier!
01:13:32Raus hier!
01:13:33Raus hier!
01:13:42Lass ihn.
01:13:44Glück gehabt.
01:13:46Nur ein Streifschuss,
01:13:47obwohl es um solche Wettig
01:13:48nicht schade wäre.
01:13:49Noch ist nicht Frieden,
01:13:50da denkt ihr schon ans Putschen.
01:13:52Ihr Drecksäcke!
01:14:01Hm, Pferdetransport.
01:14:03Die Ladung kommt in Döberitz nicht an.
01:14:10Warst du der einzige Mannschaftsdienstrat
01:14:11in diesem Haufen?
01:14:13Ja, als Freiwilliger.
01:14:15Als Putzer.
01:14:26Stiebelknecht.
01:14:27Das sind die Schlimmsten.
01:14:29Hast du gewusst,
01:14:30was in den Waggons ist?
01:14:31Pferde.
01:14:32Und außerdem?
01:14:32Nicht außerdem.
01:14:34Wieso?
01:14:35Verlogener Hund.
01:14:36Vielleicht hat er wirklich
01:14:37keine Ahnung.
01:14:38Ach, jagd ihn zum Teufel.
01:14:39Was bist du denn vom Beruf?
01:14:46Dreher.
01:14:47Wo?
01:14:48Bei Kruppenessen.
01:14:49Wie stellst du dir das nun vor?
01:14:51Wie willst du denn in Frieden gehen?
01:14:53Als Putzer oder als ein ehrlicher Arbeiter?
01:14:56Halt dich mal an mich, Jürgen.
01:14:57Kameraden, Freunde, Genossen,
01:15:12die Herrschaft der Unzollern ist vorüber.
01:15:16Wir haben den Frieden erzwungen.
01:15:18Die rote Fahne weht über Berlin.
01:15:23Aber kann sich das Volk mit der Beseigigung der Monarchie begrühen?
01:15:32Wir müssen alle Kräfte anspannen, um die Regierung der Arbeiter und Soldaten aufzubauen
01:15:39und eine neue staatliche Ordnung zu schaffen.
01:15:43Arbeiter, Soldaten, Matrosen,
01:15:49sorgt dafür, dass die Macht, die ihr jetzt errungen habt,
01:15:54euch nicht wieder entrissen wird.
01:15:57Gebt die Waffen nicht aus der Hand!
01:16:02Was ist denn, Junge?
01:16:03Ich kam in die Charité.
01:16:14Sie behandelten mich auf Wundbrand und Grippe
01:16:16und stellten dabei eine andere Krankheit fest.
01:16:19Tuberkulose, mir ging's dreckig wie noch nie.
01:16:23Alles, was um mich geschah,
01:16:24nahm ich nur durch einen Schleier von Fieber und unendlicher Schwäche wach.
01:16:28Die Schüsse am Marschstall,
01:16:31die Kämpfe im Zeitungsviertel
01:16:32und die Besucher an meinem Bett.
01:16:35Ich war auf dem Gründungsparteitag der KBD.
01:16:37Da dachte ich mir, wenn du schon in Berlin bist,
01:16:39musst du auch nach Freddy sehen.
01:16:41Ja, Junge, jetzt fängt der Kampf erst an.
01:16:43Jetzt stellen wir unsere Sache auf die Tagesordnung.
01:16:45Schluss mit Krupp, verstehst du?
01:16:48Beeil dich,
01:16:49dass du schnell gesund wirst.
01:16:54Geh bloß Onkel Jönig auf den Leim.
01:16:57Was der will, ist nackte Gewalt.
01:16:58Anarchie ist das.
01:16:59Glaub mir, Ebert und Scheidermann wissen genau, was sie tun.
01:17:04Der Sozialismus muss in aller Ruhe vorbereitet werden.
01:17:07Mit Fingerspitzengefühl.
01:17:09Da darf man nichts überstürzen.
01:17:11Na ja, Jül war immer schon Hitzkopf.
01:17:14Der versteht das nicht.
01:17:16Ein einziger Saustall, unser armes Deutschland.
01:17:19Wird Zeit, dass wir ausmisten.
01:17:21Der Geist der Front gehört in den Reichstag.
01:17:23Ich weiß, Freddy, du hast einen Linkstrall.
01:17:26Aber wir stehen auch links.
01:17:27Bloß anders.
01:17:29Wir bleiben dabei deutsch.
01:17:31Halt dich an uns, Freddy.
01:17:34Worte, Worte, Worte.
01:17:37Was war richtig, was falsch?
01:17:39Ich wusste es nicht.
01:17:40Ich wusste nur,
01:17:41dass es in meinem rechten Lungenflügel ein paar Löcher gab.
01:17:45Nach den Gesichtern der Ärzte zu urteilen,
01:17:47war der Friedhof in verdächtiger Nähe.
01:17:48Aber Unkraut vergeht nicht.
01:18:16Väterchen, Besuch für dich.
01:18:18Woher weißt du, dass ich in Berlin bin?
01:18:41Von deiner Mutter.
01:18:43Ich war lange krank.
01:18:46Wie heißt er?
01:18:47Hans.
01:18:50Hans.
01:18:53Nein, nein, nein, nein, komm.
01:18:57Ich freue mich, dass du gekommen bist.
01:18:59Ich bin nicht hier, um irgendetwas aufzufrischen.
01:19:01Keinesfalls, Fred.
01:19:03Du musst das ausfüllen.
01:19:04Die Vaterschaftserklärung, das Sozialamt verlangt's.
01:19:10Stadtverwaltung Flensburg?
01:19:11Was machst du in Flensburg?
01:19:13Ich bin dort in Stellung.
01:19:14Hast du mal einen Kopierstift?
01:19:19Ja.
01:19:25Was wirfst du mir eigentlich vor?
01:19:27Dass ich plötzlich an die Front musste?
01:19:29Du warst doch ganz froh darüber.
01:19:30Bloß weg.
01:19:31Bloß schnell raus aus dem ganzen Schlamassel.
01:19:35Weißt du eigentlich, wo ich entbunden habe?
01:19:37Im Gefängnis.
01:19:38Ja, ja, Herr Krause.
01:19:42Komm, Hänzchen, lauf schön.
01:19:48Mein Einkommen.
01:19:49Ich helfe doch hier bloß aus.
01:19:50Ich bin arbeitslos.
01:19:51Machst du einen Strich?
01:19:56Guste, sobald ich...
01:19:59Also, ich sorg für Hans, das ist klar.
01:20:02Brauchst du nicht.
01:20:03Doch.
01:20:05Nein, Fred.
01:20:05Interessiert dich nicht, was aus Fipps geworden ist?
01:20:12Kriegsgericht.
01:20:15Guste, ich...
01:20:17Hab keine Angst.
01:20:18Das Urteil konnte nicht mehr vollstreckt werden.
01:20:19Fipps ist wieder draußen.
01:20:21Und trotzdem.
01:20:22Du hast ihn verraten.
01:20:24Glaub mir, Guste, das war anders.
01:20:25Ja, ja, du hast das so gar nicht gewollt.
01:20:26Du wolltest den ganz goldenen Mittelweg gehen.
01:20:29Ihr Krauses.
01:20:29Aber es hilft nichts, Fred.
01:20:33Um ein Haar hätten Sie meinen Bruder an die Wand gestellt.
01:20:35Das werde ich dir nie verzeihen.
01:20:41Also, außen vorbei.
01:20:42Ja.
01:20:42Na ja, ich bin da noch zwei Jahre in Berlin geblieben
01:20:58und vorher im Herbst bin ich zurück nach Essen.
01:21:00Für das Kind zahle ich natürlich.
01:21:02Aber sonst?
01:21:03Kein Kontakt, sie will nicht.
01:21:05Ja, Anton, nur weißt du Bescheid.
01:21:07Das ist der Stempel in meinem Genick.
01:21:09Vorsicht, Spitzel.
01:21:10Gruppagent.
01:21:10Genauso gerissen wie der Alter.
01:21:11Was sagt Njö?
01:21:13Nichts wie weg von zu Hause.
01:21:15Hat er recht?
01:21:16Wieso?
01:21:17Es ist meine Familie.
01:21:18Bei allen Schönheitsfehlern.
01:21:19Zuerst gehört man zur Familie.
01:21:20Zuerst zur Klasse.
01:21:21Ach, Mensch.
01:21:22Klassenstandpunkt.
01:21:23Krupp hat seinen, ich meinen.
01:21:24Hast da keinen bis dem Nachteil.
01:21:26Man geht nicht unbewaffnet in die Schlacht.
01:21:28Ist eine Schlacht das Leben?
01:21:30Den Arm verbunden und fragt da noch.
01:21:33Und ihr glaubt tatsächlich, dass er gewinnt?
01:21:35Ihr überschätzt euch, Anton.
01:21:37Guckt euch doch um.
01:21:38Das ganze Viertel hier, die Häuser, Krupp.
01:21:40Alle Siedlung, von Essen bis Rheinhausen.
01:21:41Alle Wege und Straßen, Krupp.
01:21:43Das Krankenhaus, Krupp.
01:21:43Das Hotel, Krupp.
01:21:44Jeder zweite Laden, Krupp.
01:21:45Die halbe Ruhr.
01:21:46Alles, was Schornsteine hat.
01:21:47So weit das sehen kannst.
01:21:48Und noch viel weiter.
01:21:49Alles Krupp.
01:21:49Das umkippen?
01:21:50Das und noch mehr.
01:21:51Glaub ich nicht dran.
01:21:53Und Russland?
01:21:54Gut, Russland.
01:21:55Die Russen imponieren mir.
01:21:56Aber was einmal klappt, muss nicht immer klappen.
01:21:57Richtig angefasst, immer.
01:21:59Überall.
01:21:59Die berühmte Köchin, die in Staat regiert.
01:22:02Abwarten.
01:22:02Noch ist nicht raus, ob ihr nicht mittendrin der Ofen ausgeht.
01:22:04Für einen Abwarten hab ich dich nicht gehalten.
01:22:06Anton, um ehrlich zu sein.
01:22:07Ich glaub nicht an die Köchin.
01:22:09Ich glaub nicht, dass ich's kann.
01:22:10Dann glaubst du nicht an dich selber.
01:22:12Mittwoch spricht bei uns ein Genosse aus Berlin.
01:22:13Wie geht's weiter an Darüber?
01:22:14Willst du mitkommen?
01:22:15Mann, du bist hartnäckig.
01:22:16Das ist angeboren.
01:22:18Also?
01:22:19Nee.
01:22:20Solange Fips behauptet, dass ich's war, der ihn verpfiffen hat.
01:22:22Nee.
01:22:23Du warst es auch, Freddy.
01:22:25Ich hör der Märchenstunde schon eine ganze Weile zu.
01:22:27Bin zufällig hinter euch geraten.
01:22:29Was soll das, Fips?
01:22:30Was ist das für eine Art, uns nachzuschleichen wie Luchs?
01:22:32Ach, habt ihr mich wirklich nicht gehört?
01:22:35Dann liegt's an meinen Gummisohlen.
01:22:37Die sind so leise.
01:22:38Für leise Sohlen bin ich nicht.
01:22:40Du siehst, sie haben Vorteile.
01:22:41Ich schlage euch vor, ihr sprecht euch aus beim Glas Bier.
01:22:43Ich bezahl's, einverstanden.
01:22:44Glas Bier immer, aber nicht mit dem.
01:22:46Bleib auf dem Teppich, Fips.
01:22:46Bleib du auf der Linie, Anton.
01:22:48Was soll das, so einen rüberziehen?
01:22:49Wozu?
01:22:50Und er sollte ganz ein Dutzend haben.
01:22:52Immer ein Wenn und ein Aber und nie Verlass drauf.
01:22:55Die Masse macht's nicht.
01:22:56Lieber klein, aber ein Haufen, der zuverlässig ist.
01:22:58Der zuschlagen kann, was nämlich nötig wäre.
01:23:00Ach nee, ohne die Massen, was ist denn das für eine Linie, Fips?
01:23:04Also was ist mit dem Bier?
01:23:04Lass sein, Anton, hat keinen Zweck.
01:23:06Ich komm nicht mit.
01:23:07Na endlich siehst du's ein.
01:23:09Anton, kannst du deine Geschichten erzählen?
01:23:11Deine romantischen Märchen vom Arm in unverstandenen Holzpantinen, Prinzen.
01:23:16Anton ist noch neu hier.
01:23:18Aber ich, ich kenn dich leider.
01:23:22Besten Freund verpfeifen.
01:23:24Das Mädchen sitzen lassen, nur top an die Front.
01:23:26Mit einer freiwilligen Blume im Knopfloch.
01:23:27Und putz aber im Freikor.
01:23:28So was doch, Freddy, wenn man das ganze drumrum mal weglässt.
01:23:33Und ich weiß es eben.
01:23:35Und das ist der Jammer, nicht wahr?
01:23:37Du scheinst mit aller Gewalt Streit zu suchen.
01:23:39Wir werden nach.
01:23:40Gib dir keine Mühe.
01:23:41So wichtig bist du mir nicht mehr.
01:23:43Danke, Vito, kann ich da nur sagen.
01:23:46Ich geh zu Willi.
01:23:47Bleib hier, Fips.
01:23:48Komm doch nach, wenn du willst.
01:23:49Lass dich von mir nicht aufhalten.
01:23:50Da drüben wohne ich.
01:23:52Wollen wir nicht raufgehen?
01:23:53Meine Annie hat gerne Besuch.
01:23:54Ich muss nach Hause.
01:23:55Auf einmal.
01:23:56Die warten sowieso schon.
01:23:56Schade.
01:23:58Mir ist der Appetit vergangen.
01:23:59Den Fips?
01:24:01Er kotzt mich an.
01:24:02Solange er Fips bei euch ist, seht er mich nicht.
01:24:04Ist das nicht ziemlich klein kariert gedacht?
01:24:05Denkt er anders?
01:24:06Das ist ja der Vorwurf, den ich ihm mache.
01:24:08Ich finde meinen Weg auch alleine.
01:24:09Das habe ich auch mal gedacht.
01:24:10Na, versuch's.
01:24:12Aber deine Hausnummer kennst du ja nun.
01:24:13In meiner Stube ist immer ein Stuhl für dich.
01:24:15Das ist Weißfried.
01:24:16Das ist ein Stuhl für dich.
01:24:46Das ist ein Stuhl für dich.
01:24:47Das ist ein Stuhl für dich.
01:24:48Das ist ein Stuhl für dich.
01:24:49Musik
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