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02:29Die Anklage wurde verlesen.
02:31Damit begann ein Verfahren, das sich über viele Monate ziehen dürfte.
02:35Nach Angaben des Gerichts sind zunächst 28 Verhandlungstage bis zum 7. Juli 2027 angesetzt.
02:43Mindestens 150 Zeuginnen und Zeugen werden laut MDR erwartet.
02:48Dazu kommen Sachverständige, unter anderem für die Rekonstruktion des Verkehrsablaufs und für die Frage nach der Schuldfähigkeit.
02:54Und genau diese Frage wird zentral sein.
02:57War der Angeklagte zur Tatzeit schuldfähig?
03:00Die Staatsanwaltschaft verweist auf ein vorläufiges forensisch-psychiatrisches Gutachten.
03:05Danach gebe es keine Hinweise auf Schuldunfähigkeit oder verminderte Schuldfähigkeit.
03:09Doch auch das ist noch kein Urteil.
03:11Das Gutachten wird im Prozess geprüft, eingeordnet und mit weiteren Erkenntnissen abgeglichen.
03:17Erst dann kann das Gericht eine eigene Bewertung vornehmen.
03:20Auch über das Motiv wird gestritten.
03:22Die Staatsanwaltschaft sieht Rache als entscheidenden Hintergrund.
03:25Sie wirft dem Angeklagten vor, sich an seiner getrennt lebenden Ehefrau Rechen gewollt zu haben.
03:30Die Verteidigung hält diese Erklärung für zu einfach.
03:33Nach ihrer Darstellung hätten Überforderung, Hilflosigkeit und Verzweiflung eine Rolle gespielt.
03:38Das sind unterschiedliche Positionen der Prozessbeteiligten.
03:41Welche davon trägt und was sich überhaupt sicher feststellen lässt, muss die Beweisaufnahme zeigen.
03:46Das ist der Unterschied zwischen einer Ermittlung und einem Gerichtsverfahren.
03:50Ermittler sammeln Hinweise und formulieren einen Verdacht.
03:53Im Prozess werden diese Hinweise öffentlich geprüft.
03:56Zeugenberichten, Gutachter erklären ihre Befunde und die Verteidigung kann Fragen stellen und Einwände erheben.
04:02Ein einzelnes Detail kann sich bestätigen, anders darstellen oder als nicht beweisbar herausstellen.
04:07Dabei wird das Gericht nicht nur einzelne Aussagen nebeneinander stellen.
04:16Es muss prüfen, ob sie zusammenpassen, wo Erinnerungen voneinander abweichen
04:21und welche Schlüsse sich aus den gesicherten Erkenntnissen ziehen lassen.
04:26Gerade bei einem Geschehen, das in Sekunden ablief, können Wahrnehmungen unterschiedlich sein.
04:31Das macht eine Aussage nicht automatisch falsch, es macht es aber nötig, sie mit anderen Belegen abzugleichen.
04:37Auch Sachverständige können technische Abläufe erklären, doch sie ersetzen nicht die Entscheidung der Richterinnen und Richter.
04:44Diese müssen am Ende jeden Vorwurf einzeln bewerten und begründen, was bewiesen ist und was nicht.
04:50Für die Betroffenen bedeutet das oft, warten, zuhören und dieselben belastenden Fragen immer wieder durchgehen.
04:58Für Leipzig ist der Fall zugleich eine Auseinandersetzung mit einer Frage, die weit über die Stadt hinausgeht.
05:03Wie schützt man Menschen in öffentlichen Räumen, ohne aus einer schrecklichen Tat vorschnelle Antworten abzuleiten?
05:10Die Stadt musste einen Ort des Alltags plötzlich als Ort des Gedenkens und der Verarbeitung erleben.
05:15Doch Sicherheitspolitik, persönliche Tragödien und strafrechtliche Schuld sind verschiedene Fragen.
05:21Der Prozess kann klären, was in diesem konkreten Fall bewiesen ist.
05:25Er kann nicht jede gesellschaftliche Frage mit einem Urteil erledigen.
05:29Was wissen wir also heute?
05:31Zwei Menschen verloren ihr Leben.
05:33Weitere Menschen wurden verletzt.
05:35Die genaue Zahl wird in den Berichten unterschiedlich angegeben.
05:38Ein Mann steht unter schweren Vorwürfen vor Gericht.
05:41Die Anklage beschreibt eine gezielte Fahrt durch eine belebte Fußgängerzone.
05:45Die Verteidigung widerspricht der Deutung des Motivs.
05:48Und die Frage nach der Schuldfähigkeit wird noch ausführlich geprüft.
05:52Der Prozess hat gerade erst begonnen.
05:54Bis zum Urteil werden Zeugen gehört, Gutachten diskutiert und Details des Tattages rekonstruiert.
06:00Für die Angehörigen und Betroffenen wird jeder Verhandlungstag auch eine Konfrontation mit dem Erlebten sein.
06:06Für das Gericht gilt zugleich, Sorgfalt ist wichtiger als Tempo.
06:10Am Ende wird nicht die lauteste Theorie entscheidend sein, sondern das, was sich im Verfahren belegen lässt.
06:15Bis dahin gilt, Anklage ist nicht gleich Schuld und über das Urteil entscheidet ausschließlich das Gericht.