00:00Stell dir vor, Hitler wollte 1939 eigentlich nur Frieden.
00:04Er wollte lediglich ein paar unfaire Grenzen korrigieren,
00:08deutsche Minderheiten schützen, den Krieg, den haben die Polen provoziert,
00:12die Briten, die Franzosen, sie haben ihm einfach keinen Ausweg gelassen, absurd,
00:16ein schlechter Scherz, Propaganda, rechte Propaganda.
00:40Kapitel 1
00:41Der friedliebende Diktator
00:43Genau diesen Stoff findest du nachts um drei in unzähligen Telegram-Gruppen.
00:47Aber das Schlimmste daran?
00:48Diese Lügen stammen nicht von einem namenlosen Internet-Troll.
00:52Sie stammen von einem ehemaligen Generalmajor der Bundeswehr.
00:55Sein Name? Gerd Schulze-Rohnhof.
00:57Sein Buch 1939, Der Krieg, der viele Väter hatte, ist ein Bestseller.
01:02Ein Standardwerk der rechten Szene.
01:05Ein Mann in Uniform schreibt die Geschichte um.
01:07Und Hunderttausende glauben ihm.
01:09Warum?
01:10Weil ein General das Narrativ ungemein aufwertet.
01:13Plötzlich erscheint die dreiste Lüge als fundierte Analyse.
01:17Der Vernichtungskrieg im Osten, der radikale Antisemitismus,
01:21wird komplett ausgeblendet.
01:23Es ist für ihn nur rhetorisches Rauschen.
01:26Kapitel 2, gekränkter Stolz und der Verrat der Republik.
01:30Wir müssen uns fragen, wie kommt ein hochdekorierter Offizier einer demokratischen Armee auf so eine Idee?
01:36Er wacht ja nicht morgens auf und beschließt, die historische Realität zu zerlegen.
01:41Das passiert schleichend.
01:42Es beginnt mit verletztem Stolz.
01:44Schulze-Rohnhof machte eine Bilderbuchkarriere.
01:47Doch Mitte der 90er Jahre kippte seine Welt.
01:49Das Bundesverfassungsgericht entschied, der Satz Soldaten sind Mörder ist unter bestimmten Umständen von der Meinungsfreiheit gedeckt.
01:56Für den General der ultimative Verrat.
01:59Ein Verrat der Republik an ihren Soldaten.
02:02Er legte sich mit dem Verteidigungsminister an, ging in den Ruhestand.
02:05Und dann rechnete er ab.
02:07Mit den 68ern.
02:09Mit dem angeblichen Werteverfall.
02:11Er wollte die Ehre der deutschen Soldaten retten.
02:14Wie?
02:14In dem er den NS-Staat von seiner kriminellen Anlage freispricht.
02:19Ein wahnwitziger Plan.
02:21Kapitel 3.
02:22Die Schere im Kopf.
02:23Cherrypicking für Fortgeschrittene.
02:25Wie verkauft man solchen Unsinn als echte Wissenschaft?
02:28Die Archive sind doch voll mit Hitlers Vernichtungsbefehlen.
02:31Ganz einfach.
02:32Man lässt Dokumente nicht verschwinden.
02:34Man zerschneidet sie.
02:36Nehmen wir den Fall Grün.
02:37Den Angriffsplan auf die Tschechoslowakei 1938.
02:41Schulze-Rohnhof zitiert Hitler so.
02:43Strategischer Überfall aus heiterem Himmel wird abgelehnt.
02:47Klingt nach Pazifismus pur.
02:49Doch was der Ex-General einfach wegschneidet, den direkten Folgesatz.
02:53Hitler lehnte den Überfall nur ab, weil die Propagandamaschine noch keinen fingierten Grund geliefert hatte.
02:59Wenig später diktierte Hitler.
03:01Es ist mein unabänderlicher Entschluss, die Tschechoslowakei zu zerschlagen.
03:06Zack, ausgeschnitten, weggelassen.
03:08Es ist, als würde man auf ein Filmplakat drucken, ein Film, den man gesehen haben muss.
03:13Obwohl der Kritiker eigentlich schrieb, ein Film, den man nicht gesehen haben muss.
03:18Eine systematische Manipulation.
03:20Kapitel 4.
03:22Alternative Fakten und Victim Blaming.
03:24Aber was passiert, wenn sich ein Beweis nicht einfach zurechtschneiden lässt?
03:28Dann greift Schulze-Rohnhof zur ultimativen Ausrede.
03:31Er schreit, Fälschung!
03:33Die berühmte Husbach-Niederschrift von 1937, ein Dokument, in dem Hitler der Wehrmachtsführung
03:39klipp und klar seinen Entschluss zur brutalen Lebensraumeroberung mitteilt.
03:43Angeblich alles gefälscht von den Alliierten.
03:46Wenn Fakten stören, bastelt man sich alternative Fakten und der Überfall auf Polen?
03:51Hier zelebriert er das absolute Meisterstück der Täter-Opfer-Umkehr.
03:55Er behauptet ernsthaft, Polen habe den Krieg forciert.
03:58Die britische Schutzgarantie für Polen, ein aggressiver Blankoscheck, der die Polen
04:03provoziert habe.
04:04Überleg dir das mal.
04:05Die Briten sagen, wir beschützen euch.
04:08Und das wird als Kriegstreiberei umgedeutet?
04:10Das ist historisches Victim Blaming in Rheinkultur.
04:14Guck mal, was du für einen kurzen Rock anhattest, du hast den Überfall ja quasi provoziert.
04:19Ekelhaft, aber effektiv.
04:21Kapitel 5.
04:22Die Blaupause für den Neofaschismus in der echten Wissenschaft nimmt diesen Mann niemand
04:27ernst.
04:28Warum reden wir dann über ihn?
04:30Weil es hier nicht um Wissenschaft geht.
04:32Es geht um Metapolitik.
04:34Es geht um den Kampf um die Köpfe.
04:36Er bricht historische Tabus, um ein rechtes Geschichtsbild zu etablieren.
04:40Er ist der Star der neuen Rechten.
04:43Er publiziert bei Götz Kubitschek im Verlag Antajos, einem gesichert rechtsextremen Netzwerk.
04:49Und die AfD bedient sich fleißig am Buffet dieser alternativen Wahrheiten.
04:54Seine Videos werden geteilt.
04:56Seine Bücher beworben.
04:58Unter dem Deckmantel der historischen Aufklärung greifen sie unsere Erinnerungskultur an.
05:03Sie hassen den von ihnen sogenannten Schuldkult.
05:06Sie wollen den Stolz auf unser Land zurück.
05:08Und dafür liefert dieser General die perfekte pseudowissenschaftliche Munition.
05:13Kapitel 6.
05:14Mein Fazit.
05:15Der Angriff auf das Gedächtnis fassen wir zusammen.
05:18Ein gekränkter Ex-Offizier zerschneidet Zitate, ignoriert Beweise, fälscht Zusammenhänge.
05:25Seine Bücher, reine Propagandatraktate, sie verkehren Täter und Opfer.
05:30Sie deuten einen rassenideologischen Vernichtungskrieg zu einem simplen Grenzstreit um.
05:35Wir müssen erkennen, was hier wirklich passiert.
05:38Es geht nicht um Geschichte.
05:40Es geht um unsere Gegenwart.
05:41Diese revisionistischen Märchen tragen dazu bei, den Hass auf die sogenannten System- und Altparteien auf die demokratische Kultur zu
05:50befeuern.
05:51Sie liefern das intellektuelle Rüstzeug für all jene, die die demokratische Resilienz unserer Gesellschaft zerstören wollen.
05:57Wer den Nazis die Schuld abspricht, ebnet den Weg für die Faschisten von morgen.
06:01Dagegen helfen nur Fakten, dagegen hilft nur lauter Widerspruch, bleibt neugierig, bleibt kritisch, aber vor allem bleibt menschlich.