- vor 8 Minuten
True-Crime-Reportage Deutschland +++ Eine der größten
Suchaktionen Deutschlands beginnt. Sogar Bundeswehr-Tornados
sind dabei im Einsatz. Zwei Wochen später wird die Leiche des
Mädchens gefunden: Sie wurde brutal ermordet. Doch es gibt
kaum Spuren; die Suche nach dem Täter erweist sich als
schwierig....
Suchaktionen Deutschlands beginnt. Sogar Bundeswehr-Tornados
sind dabei im Einsatz. Zwei Wochen später wird die Leiche des
Mädchens gefunden: Sie wurde brutal ermordet. Doch es gibt
kaum Spuren; die Suche nach dem Täter erweist sich als
schwierig....
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TVTranskript
00:16Willkommen zu einem Täter-Opfer-Polizei-Extra.
00:18Heute eine ganze Sendung lang zu einem Verbrechen.
00:21Ein Mordfall, an den sich vermutlich viele erinnern,
00:24wenn Sie dieses Bild hier sehen.
00:26Ein Kinderfahrrad im Schnee.
00:28Es wurde ein Symbolbild für diese Tat.
00:30Das Opfer, zwölf Jahre alt, ein Mädchen aus Eberswalde,
00:33ein wehrloses Kind, umgebracht von einem erbarmungslosen Täter.
00:37Ein ganzes Land nahm damals Anteil an der Suche nach dem Mörder.
00:41Wir werden heute erzählen, wie es gelang, diesen Mann zu fassen.
00:53Mit diesem Fahrrad war Ulrike gestern Nachmittag unterwegs.
00:56Es ist die letzte Spur, die es von der Zwölfjährigen gibt.
01:00Die Eltern hoffen, dass ihre Tochter noch lebt.
01:03Allem Anschein nach handelt es sich um die seit zwei Wochen vermisste Ulrike.
01:16Man macht sich Gedanken, was ist das für ein Täter, was ist das für ein Mensch.
01:21Und auch den Schmerz der Eltern, das kann man rational nicht nachvollziehen.
01:26Kann kein anderer Mensch nachvollziehen, den Schmerz.
01:29Jetzt sollten wir alles daran setzen, dass wir Spuren finden, um dieses Verbrechen aufzuklären.
01:41Ein Verbrechen, das hier in Eberswalde seinen Anfang nimmt, an einem nassgrauen Donnerstag.
01:47Seitdem ist diese Stadt für immer mit dem Schicksal eines Mädchens verbunden, das 2001 hier zu Hause war.
02:00Ulrike ist zwölf Jahre alt, geht in die sechste Klasse und mag Tiere.
02:05Richtig toll findet sie ihre Lieblingsband, die No Angels.
02:12Wie jeden Donnerstag will sie auch am 22. Februar 2001 zum Handballtraining.
02:18Bis dahin hat sie noch Zeit, auch fürs Essen.
02:21Es gibt Fischstäbchen, die sie besonders gern mag.
02:28Dann ist es soweit.
02:30Gegen 15.30 Uhr macht sie sich auf den Weg.
02:46Mit ihrem Fahrrad sind es zehn Minuten bis zur Sporthalle im brandenburgischen Viertel.
02:51Ein Teil der Strecke führt durch den Wald.
02:55Ulrike kennt den Weg.
02:59Zu der Zeit ist Reinhard Höhne Chef der Mordkommission in Eberswalde.
03:04Das war ein ruhiges und bescheidenes Mädchen, auf die sich die Eltern, auch die Lehrer und die Mitschüler verlassen konnten.
03:12Sie war pünktlich und verlässlich.
03:15Deshalb wird ihre Familie unruhig, als sie nicht zur gewohnten Zeit zurück ist.
03:21Längst ist es dunkel.
03:22Und es hat angefangen zu schneien.
03:26Am Telefon erfahren die Eltern, dass Ulrike nicht beim Training war.
03:30Jetzt ist für sie klar, es muss etwas passiert sein.
03:34Und die Suche beginnt.
03:44Ihr Fahrrad wird am selben Abend entdeckt.
03:47Eingeschneit in der Nähe vom Wohnhaus.
03:50Die alarmierte Polizei sucht kurz danach mit allem, was zur Verfügung steht.
03:58Als Reinhard Höhne davon erfährt, ist er alarmiert.
04:01Vor allem wegen des Fahrrads.
04:03Das Fahrrad lag am Wegesrand und war beschädigt.
04:07Auf Deutsch gesagt, das Vorderrad verbeult, der Lenker verbeult.
04:12Man musste davon ausgehen, dass dieses Fahrrad mit Gewalt gerammt wurde oder anderweitig ursächlich beschädigt.
04:21Reinhard Höhne wendet sich an die damals zuständige Staatsanwältin für Kapitalverbrechen in Frankfurt-Oder.
04:27Er hat schon oft mit ihr zusammengearbeitet.
04:32Als er sich dann gemeldet hat, haben wir die Sache durchgesprochen.
04:39Er hat gesagt, es gibt eigentlich keinen Grund, dass das Kind aus eigenem Antrieb verschwunden ist.
04:49Dass das Kind vielleicht Probleme hat.
04:51Es ist alles in bester Ordnung, auch familiär und er hat ein ungutes Gefühl.
04:58Ich dachte, wir müssen hier alle Register ziehen, wir müssen das Kind finden.
05:03Wir können nur hoffen, dass wir das Kind bald finden, dass es wieder auftaucht.
05:09Hier beginnen die Ermittlungen in Eberswalde, im Ortsteil Fino.
05:15Zwei Jahrzehnte danach sind die Staatsanwältin und der Mordermittler noch einmal dort, wo Ulrike wohnte.
05:23Das Kind kam aus ihrem Elternhaus, ca. 500 Meter entfernt von hier, ist jetzt nicht mehr einzusehen.
05:30Und ist diesen Weg Richtung brandenburgisches Viertel gefahren, wo ihr Training in der Sporthalle war.
05:37Und wir haben überlegt, gab es hier ein Unfallgeschehen, provoziert durch jemand oder ein fahrlässiges Unfallgeschehen und was ist mit
05:51dem Kind passiert.
05:52So ohne weiteres konnte man das in keinster Weise an der Spurensituation deuten.
06:01Deshalb werden damals Zeugen gesucht, die hier auf dem Weg zur Sporthalle etwas beobachtet haben, das mit dem Fahrradfund zu
06:08tun haben könnte.
06:09Die Polizei findet 2001 tatsächlich einen Mann, der zum wichtigsten Zeugen im Fall wird.
06:16Meine Runde dauert so ungefähr eine Dreiviertelstunde.
06:20Und wo ich aus dem Wald rauskomme, höre ich auf einmal einen richtigen lauten Kinderschrei.
06:25Und da habe ich mir nur nichts beigedacht und bin meinen Weg dann weiter vorgegangen bis zur Straße vor und
06:31sehe dann hinten im Wald eben ein kleines weißes Auto stehen.
06:34Und das ist ja ungewöhnlich da an der Stelle gerade, dass da ein Auto parkt.
06:39Der Zeuge sieht auch, wie ein junger Mann um das Auto rennt, einsteigt und dann rückwärts fährt mit diesem kleinen
06:47weißen Fowipolo.
06:51Diese Aussage passt zu dem, was an dem Fahrrad von Ulrike gefunden wurde bei der kriminaltechnischen Untersuchung.
06:58Entdeckt werden Partikel eines weißen Autolacks, so wie ihn VW damals verwendete.
07:06Zwei Tage nach Ulrikes Verschwinden können die Ermittler nun rekonstruieren.
07:10Ein paar hundert Meter von ihrem Zuhause entfernt rammt ein weißer VW ihr Fahrrad.
07:21Ob absichtlich oder aus Versehen ist zu diesem Zeitpunkt unklar.
07:25Sicher ist nur, ein offenbar junger Mann zerrt das Mädchen mit Gewalt und gegen ihren Willen in das weiße Auto.
07:33Es hätte ja auch sein können, dass ein normaler Verkehrsteilnehmer das Kind mit dem Auto touchiert hat und das Kind
07:43aus Angst, aus welchen Gründen auch immer, mitgenommen hat,
07:47wartet, bis es gesundet ist und dann wieder loslässt.
07:51Also das war unsere innerste Hoffnung.
07:54Die öffentliche Suche nach Ulrike wird noch einmal verstärkt.
07:58Es ist bitterkalt im Februar 2001.
08:02Hunderte Polizisten und Helfer sind im Einsatz.
08:06Jeden Tag berichtet Brandenburg aktuell.
08:09Es gibt mittlerweile rund 100 Hinweise aus der Bevölkerung, aber noch immer keine Spur.
08:14Deshalb werden Hubschrauber angefordert, ausgerüstet mit Wärmebildkameras.
08:19Die sind auch in den Tornados der Bundeswehr, die nach einem Lebenszeichen von Ulrike suchen, in der Umgebung von Eberswalde.
08:26Die Polizei-Sonderkommission Fino arbeitet Tag und Nacht.
08:31Dann wird an einer Bahnstrecke etwas entdeckt, 30 Kilometer von Eberswalde entfernt.
08:38Die Polizei kann in Bernau etwas sichern.
08:42Es ist dieser VW Polo, der erst später in der Kriminaltechnik steht.
08:46Anfangs gibt es für die Ermittler keinen Zusammenhang.
08:50Weil es war ja nicht das erste Auto, was in der Gegend da verbrannt worden ist oder angebrannt worden ist.
08:57Und der Kollege ist hingefahren und hat festgestellt, es waren in der Nacht Löscharbeiten und es war Frost.
09:04Und das Auto war, das Löschwasser war im Auto gefroren.
09:07Als das Auto abgetaut worden war, haben Kriminaltechniker dieses Auto gründlich untersucht und haben dann auch eine Haarspange im Auto
09:16sichern können.
09:18Und Reste einer Sporttasche. Wie sich herausstellt, sind das alles Sachen von Ulrike.
09:26Das war ein schrecklicher Moment. Wir mussten ja dann auch davon ausgehen, dass dieses Kind im schweren Verbrechen zum Opfer
09:32gefallen war.
09:35Aber wir hatten immer noch die Hoffnung, dieses Kind irgendwo lebend auffinden zu können.
09:43Zu diesem Zeitpunkt stößt Jens Bülow zur Sonderkommission.
09:48Ein Spezialist für kriminaltechnische Untersuchungen.
09:51Er hofft darauf, in dem Auto noch etwas zu finden, das zum Täter führt.
09:58Natürlich wussten wir jetzt, dass das Fahrzeug mit der Tat zu tun hat.
10:03Aber leider war es nicht möglich, andere Spuren zu sichern.
10:06Der war so verbrannt, so ausgebrannt, dass eben nichts dabei war, was uns weiterbringt in dem Fall.
10:13Doch dann liefert das Auto doch noch einen Hinweis.
10:18In den Ermittlungsakten von damals finden sich auch Bilder aus Strausberg, aufgenommen von Jens Bülow.
10:25Denn in der Stadt war ein weißer VW-Polo gestohlen worden.
10:29Hier am Bahnhof von Strausberg.
10:31Genau an dem Tag, als Ulrike verschwand.
10:35Ich war dann auch mit Kollegen zusammen in Strausberg.
10:39Und da haben wir nochmal die Spuren-Sicherung durchgeführt und haben sogar noch einen Teil von der Türklinke von dem
10:45Polo gefunden.
10:48Die Ermittler finden auch heraus, wer den Wagen gestohlen hat.
10:53Ein junger Mann wird von einer Zeugin beobachtet, wie er am 22. Februar am frühen Morgen diesen weißen VW aufbricht
11:02und wegfährt.
11:09Mit dem Auto taucht er am selben Tag in Eberswalde rauf und liefert einen ersten Hinweis darauf, dass er sich
11:15gut auskennen muss in Brandenburg.
11:18Denn er rammt Ulrike nachmittags auf einem Waldweg, den nur Anwohner nutzen.
11:25Auch hier wird er beobachtet von dem Mann im Wald.
11:29Dort zieht der Polofahrer des Mädchen ins Auto.
11:32Doch wohin fährt er mit ihr? Und warum?
11:42Die Möglichkeit bestand ja, dass das Kind entführt wurde und in einem Haus oder in einer Unterkunft sich befindet.
11:50Wir haben ja immer dieses Fünkchen Hoffnung gehabt, dass das Kind aus irgendeiner Wohnung oder durch irgendein Wunder,
11:58es ist manchmal so, dass das Kind wieder auftaucht.
12:02Auch auf Journalisten setzen die Ermittler bei der Fahndung.
12:06Anfang März wollen sie sich öffentlich und ganz direkt an den Polofahrer wenden.
12:11Was immer auch geschehen ist, es lohnt sich für jeden Täter bei jeder Straftat aufzuhören.
12:20Fast täglich finden in Eberswalde Pressekonferenzen statt.
12:23Das ungewisse Schicksal der Zwölfjährigen, von der nur das Fahrrad gefunden wurde, beschäftigt inzwischen ganz Deutschland.
12:32Der Druck auf die Polizei ist immens.
12:36Zeugen liefern zwar Hinweise, aber auch sehr unterschiedliche Phantombilder von dem Mann im Polo.
12:43Und nur eine vage Beschreibung.
12:46Der Mann ist ca. 20 bis 30 Jahre alt, 1,75 Meter groß.
12:52Für die Bearbeitung der eingehenden Hinweise gibt es damals eine eigene Abteilung.
12:59Geleitet wird sie von Wolfer Trenn.
13:02Das Besondere an diesem Fall war die Vielzahl an Hinweisen aus der Bevölkerung.
13:06Es ist praktisch in ganz kurzer Zeit eine Flut bei uns in der Auswertung eingegangen,
13:10die gesichtet, bewertet und priorisiert werden mussten.
13:14Und diese hohe Anzahl an Hinweisen hat uns fast an die Grenze der Leistungsfähigkeit gebracht.
13:19Wolfer Trenn mit den Bildern von damals.
13:22Zig Aktenordner wurden angelegt, mit insgesamt 6.000 Hinweisen.
13:28Und es gab damals keine Auswertesoftware.
13:30Wir haben uns mit einer Excel-Tabelle beholfen und haben praktisch alle Hinweise in einer Excel-Tabelle erfasst.
13:35Erfasst werden auch die weniger Erfolgsversprechenden.
13:39Wir hatten Hinweise von Sehern, von Wahrsagern, von Pendlern, von selbsternannten Profilern,
13:45die uns erklären wollten, wo wir nach dem Kind suchen sollten, wer der Täter ist.
13:50Es war ja nicht auf Brandenburg beschränkt. Die Hinweise kamen ja aus der ganzen Bundesrepublik.
13:53Da müssen sie erst mal eine Struktur hinbringen, in diese ganze Hinweisflut.
13:57Trotz aller Hinweise, Ulrike bleibt verschwunden. 14 Tage sind bereits vergangen.
14:06Dann kommt der 8. März.
14:09Bei der Polizei meldet sich eine Frau, die erklärt dem Beamten, ihr Mann hätte eine furchtbare Entdeckung gemacht.
14:16Deshalb könnte er selbst nicht sprechen. Die Frau gibt aber den Fundort durch.
14:27Hier an diesem Feld in Werneuchen endet die Suche nach Ulrike.
14:33Hier wird das tote Mädchen entdeckt.
14:36Wir konnten auch Spuren erkennen von Sexualverbrechen und einer vorsätzlichen Tötung des Opfers.
14:46Nach der Obduktion habe ich und die Rechtsmediziner noch die Identifizierung des Leichnams mit den Eltern durchgeführt.
14:58Der Tag war einer der emotionalsten und für mich belastendsten Tage oder Situationen in meinem ganzen Berufsleben.
15:18Kriminaltechniker Jens Bülow erinnert sich auch an jenen Tag im März 2001.
15:24Er kehrt zwei Jahrzehnte später noch einmal an den Ort zurück.
15:33Ungefähr hier in der Mulde, da wurde sie abgedeckt mit Holz gefunden.
15:49Das war natürlich nicht leicht, wenn man dann so ein junges Kind da liegen sieht und weiß, die ist da
15:57hier zu Tode gekommen.
15:59Dann hat man schon mal erst mal geschluckt.
16:02Und andererseits ging es jetzt darum, das Ding aufzuklären, sofort, so schnell wie möglich und mit aller Kraft.
16:12Sofort beginnt die Arbeit in Werneuchen.
16:15Über Stunden bis zum nächsten Morgen werden Spuren gesichert.
16:19So wird klar, der Fundort ist auch der Tatort.
16:23Und der Täter hat einiges zurückgelassen.
16:26Zum Beispiel Zigarettenkippen.
16:30Und auch eine Flasche.
16:34Ja, das war eine 1 Liter Glasflasche.
16:37Und die war mit Creme eingeschmiert.
16:40Und als ich die aufgehoben habe, habe ich gesehen, dass ein Fingerabdruck da drauf ist.
16:45Eine Fingereindruckspur in die Creme gegriffen.
16:49Ich war mir von Anfang an sicher, mit dieser Spur werden wir den Spurenverursacher finden.
16:57Doch es gibt ein Problem mit dem Abdruck an der Flasche.
17:02Bei der glänzenden Berührung durch eine Tüte hätte sie zerstört werden können.
17:07Und deswegen war es auch nicht möglich, die am Tatort selber so zu verpacken, dass die Spur sicher bis ins
17:14Labor kommt.
17:15Deshalb wird eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen.
17:18Eine Funkwagenbesatzung soll das wichtige Beweismittel transportieren.
17:24Dafür muss einer der Polizisten die Flasche die ganze Zeit festhalten.
17:28Und darauf achten, dass die Spur keinesfalls verwischt.
17:32Auf dem Weg von Werneuchen bis nach Eberswalde.
17:35Bis ins Polizeilabor.
17:37Die Spur kann so tatsächlich gesichert werden.
17:41Und dort wurde sie in das System eingelesen.
17:44Und noch in der Nacht wurden die Suchläufe in den Datensätzen verglichen.
17:49Und leider gab es dort keinen Treffer.
17:53Das heißt, zum Fingerabdruck auf der Flasche wurde im Polizeiregister nichts angezeigt für Jens Bülow.
18:00Denn der Abdruck konnte nicht eindeutig vom Computer gelesen werden.
18:04So kommen die Ermittler erst einmal nicht weiter.
18:08Deshalb verziehen sie jetzt nach, wo der Täter überall aufgetaucht ist.
18:12Also in Straußberg wurde der Pkw stohlen.
18:15Dann ist er mit dem Pkw nach Eberswalde.
18:17Hat hier ein Kind angefahren und in den Pkw verbracht.
18:20Ist dann über Wiesenthal in Richtung Werneuchen.
18:2757 Kilometer fährt der Täter mit Ulrike im weißen Polo durch Brandenburg.
18:33Zu einem abgelegenen Ort, den er wieder gut kennt, von dem er weiß, dass ihn hier niemand stören kann.
18:43Dort wird er über Stunden das Mädchen brutal quälen und schließlich erdrosseln.
18:55Tausende kommen dann nach Eberswalde an dem Tag, als es für Ulrike einen Gedenkgottesdienst gibt.
19:06Sie wollen Anteil nehmen an dem Schicksal, das deutschlandweit viele bewegt hat.
19:14Zwei Wochen waren zerrissen zwischen Hoffnungen und Enttäuschungen.
19:2014 Tage waren erfüllt von intensivster Suche bei Tag und bei Nacht.
19:27Und nun sind die schlimmsten Befürchtungen zur Gewissheit geworden.
19:33Ulrike ist tot.
19:37Eberswalde ist danach in einem Schockzustand.
19:42Kinder werden nicht mehr allein auf die Straße gelassen und überall hin begleitet.
19:47Man hatte Angst, weil ein Kind ermordet worden ist.
19:52Und man war gedanklich der Auffassung, es könnte ja ein Serientäter sein und morgen ist es das nächste Kind.
20:01Mit den Phantombildern sucht die Polizei mit Hochdruck weiter nach dem Täter.
20:07Erneut wird so öffentlich um Mithilfe gebeten.
20:11Letztendlich sind über 1000 Hinweise nur allein zu dem Phantombildeingang.
20:16Und durch eine Bewährungshelferin aus dem Raum Fürstenwalde bekamen wir den Hinweis,
20:21dass das erstellte Subjektivporträt Ähnlichkeit mit dem Gesicht ihres Klienten hätte.
20:29Dieser Klient kommt aus Fürstenwalde und ist zu dem Zeitpunkt nur einer von vielen Verdächtigen.
20:37Aber er ist ein vorbestrafter Autodieb, von dem es eine Polizeiakte gibt mit Fingerabdrücken.
20:44Die nimmt sich Jens Bülow nun vor, will sie vergleichen mit der Cremespur auf der Flasche,
20:51also mit dem Fingerabdruck, der vom Computer nicht eingelesen werden konnte.
20:58Deshalb schaut er sich jetzt selbst das Material an, vergleicht Linie für Linie und glaubt, etwas gefunden zu haben.
21:07Ich bin dann erstmal nach Hause gefahren, konnte aber nicht richtig schlafen, bin frühmorgens wieder hin.
21:14Mit frischen Augen kann man besser sehen und habe dann frühmorgens, bevor die Kollegen alle gekommen sind,
21:20mich weiter mit der Spur beschäftigt und war mir dann sicher.
21:23Der Autodieb aus Fürstenwalde muss der Täter sein.
21:31Der Mann wird fünf Wochen nach Ulrikes Verschwinden festgenommen.
21:39Auch sein Anwalt Rolf Hilke wird informiert und ist erstmal irritiert über den Mordvorwurf.
21:45Der Mandant war bislang immer nur mit Vermögensdelikten, insbesondere Autodiebstahl aufgefallen.
21:52Auch Gewaltdelikte waren, wenn höchstens, einfachste Körperverletzungen dabei, also nichts Grobes.
22:01Insofern dachte ich, das könnte nicht passen. Also passt doch überhaupt nicht ins Täterprofil.
22:08Reinhard Höhne ist hier zu sehen, der Mordermittler. Er wird den Autodieb befragen.
22:15Der 25-Jährige schweigt anfangs zu den Vorwürfen. Doch nach vier Stunden bringt ihn der erfahrene Ermittler zum Reden.
22:25Der hat gesagt, ich war's, ich war das. Ich denke, das war so ein ich-bezogener Typ.
22:32Ich brauche das jetzt. Ich muss das haben. Ich muss jetzt die Macht über so ein Kind haben.
22:38Ich, ich, ich.
22:42Er hat eigentlich von Anfang an in dieser ersten Vernehmung auch ein umfassendes Geständnis abgelegt.
22:51Da ist natürlich, ich sag jetzt mal, nicht nur uns einen Stein vom Herzen gefallen.
22:56Bilder von damals. Staatsanwältin Annette Bagender beantragt sofort den Haftbefehl.
23:03Der Mann muss sich acht Monate nach dem Mord, also ab Oktober 2001, vor dem Landgericht Frankfurt-Oder verantworten.
23:13Für seinen Verteidiger Roy Filke ist es der erste große Strafprozess.
23:18Und die nächsten Wochen habe ich mir schon die Gedanken gemacht, ob ich denn so ein Fall, in solchem Fall
23:24gewachsen wäre,
23:25weil er mich auch persönlich berührt hat.
23:28Und stark ähnerlich sind mir die Eltern geblieben, die natürlich am Boden zerstört waren.
23:33Und das lässt auch dann den Verteidiger, mag er noch so hartgesotten sein, mitnichten kalt.
23:41Wochenlang wird mithilfe von Zeugen und Gutachtern vor Gericht rekonstruiert,
23:45wie der Angeklagte an jenem Tag vorging und wie sein Leben vorher war.
23:51Der Mann aus Fürstenwalde war arbeitslos, ohne Schulabschluss und lebte bedürfnisorientiert.
23:58Heißt, er nahm sich einfach das, was er gerade wollte.
24:04An jenem 22. Februar zuerst das Auto.
24:09Dann das Mädchen, das er mit Absicht in Eberswalde anfährt und entführt.
24:15Laut Gericht schon mit dem Plan, es sexuell zu missbrauchen.
24:21Er verriegelt die Tür, damit Ulrike nicht fliehen kann.
24:25Reißt sogar den Verriegelungsknopf ab.
24:29In Werneuchen vergewaltigt er sie auf brutale Art und Weise.
24:35Und tötet das Mädchen.
24:38Danach nimmt er sich von Ulrike noch das, was ihm gefällt.
24:41Auch ihre Uhr.
24:45Es ist dunkel, als er nach Bernau fährt, um das Auto anzuzünden.
24:52Das gehört für die Gutachter zu den vielen Beweisen, die deutlich machen,
24:56der Mann war bei klarem Verstand, also voll schuldfähig.
25:00Das Urteil gegen ihn lebenslänglich.
25:02Außerdem folgt das Gericht im Antrag der Staatsanwältin eine der Bagender
25:07und stellt die besondere Schwere der Schuld fest.
25:10Und so ein Täter, der wirklich so absolut bedingungslos koste, was es wolle,
25:19um jeden Preis gehandelt hat, hat man eigentlich selten.
25:26Ein Mädchen wollte einfach nur zum Sport.
25:29Doch ein Zufall wird für sie zur tödlichen Falle.
25:33Sie hatte keine Chance, erwachsen zu werden.
25:39Ja, ein Verbrechen, von dem sich alle wünschen, das wäre niemals passiert.
25:43Auch der Täter hat das später so formuliert.
25:45Doch wem nützt das?
25:46Nur er hat die Chance, weiterzuleben.
25:48Inzwischen ist er seit 23 Jahren im Gefängnis.
25:522027 könnte er das nächste Mal eine Haftentlassung beantragen.
25:56Dann wird geprüft, ob er noch gefährlich ist.
25:58Wenn ja, bleibt er weiter hinter Gittern.
26:02Danke fürs Zuschauen heute.
26:03Am nächsten Sonntag sind wir einem anderen Täter auf der Spur.
26:06Bis dahin, alles Gute.
26:08Bis dahin, alles Gute.