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Transkript
00:02Erlass des Königs Nebukadnezar über einen anderen Traum und seine Deutung,
00:07des Königs Wahnsinn und Demütigung.
00:12König Nebukadnezar, allen Völkern, Leuten und Zungen auf der ganzen Erde, viel Friede zuvor.
00:19Ich sehe es für gut an, dass ich verkündige die Zeichen und Wunder, so Gott der Höchste an mir getan
00:26hat,
00:26denn seine Zeichen sind groß und seine Wunder sind mächtig und sein Reich ist ein ewiges Reich
00:33und seine Herrschaft wehret für und für.
00:38Ich, Nebukadnezar, da ich gute Ruhe hatte in meinem Hause und es wohlstund auf meiner Burg,
00:44sah ich einen Traum und erschrak und die Gedanken, die ich auf meinem Bett hatte
00:49und das Gesicht, so ich gesehen hatte, betrübten mich.
00:53Und ich befahl, dass alle Weisen zu Babel vor mich hereingebracht würden,
00:58dass sie mir sagten, was der Traum bedeutete.
01:01Da brachte man herein die Sternseher, Weisen, Kaldäer und Wahrsager
01:06und ich erzählte den Traum vor ihnen, aber sie konnten mir nicht sagen, was er bedeutete.
01:11Bis zuletzt Daniel vor mich kam, welcher Belsatzer heisse nach dem Namen meines Gottes,
01:17der den Geist der heiligen Götter hat, und ich erzählte vor ihm den Traum.
01:23Belsatzer, du Oberste unter den Sternsehern, welchen ich weiß,
01:27dass du den Geist der heiligen Götter hast und dir nichts verborgen ist,
01:31sage das Gesicht meines Traumes, den ich gesehen habe, was er bedeutet.
01:36Dies ist aber das Gesicht, das ich gesehen habe auf meinem Bette.
01:40Siehe, es stund ein Baum mitten im Land, der war sehr hoch, und er wurde groß und mächtig,
01:47und seine Höhe reichete bis an den Himmel und breitete sich aus bis ans Ende der ganzen Erde.
01:53Seine Äste waren schön und trugen viel Früchte, davon alles zu essen hatte.
01:58Alle Tiere auf dem Felde fanden Schatten unter ihm, und die Vögel unter dem Himmel saßen auf seinen Ästen,
02:06und alles Fleisch näherte sich von ihm.
02:09Und ich sah ein Gesicht auf meinem Bette, und siehe, ein heiliger Wächter fuhr vom Himmel herab.
02:15Der rief überlaut und sprach also, haut den Baum um und behauert ihm die Äste,
02:20und streift ihm das Laub ab und zerstreuet seine Früchte, dass die Tiere so unter ihm liegen,
02:27weglaufen und die Vögel von seinen Zweigen fliegen.
02:30Doch lasset den Stock mit seinen Wurzeln in der Erde bleiben.
02:34Er aber soll in eisernen und eernen Ketten auf dem Felde im Grase gehen.
02:39Er soll unter dem Tau des Himmels liegen und nass werden,
02:42und soll sich weiden mit den Tieren von den Kräutern der Erde.
02:46Und das menschliche Herz soll von ihm genommen, und ein Viehscherz ihm gegeben werden,
02:52bis das sieben Zeiten über ihm umsinnt.
02:55Solches ist im Rat der Wächter beschlossen, und im Gespräch der Heiligen beratschlaget,
03:00auf das die Lebendigen erkennen, dass der höchste Gewalt hat über der Menschenkönigreiche,
03:06und gibt sie, wem er will, und erhört die Niedrigen zu denselbigen.
03:11Solchen Traum habe ich, König Nebukadnezar, gesehen.
03:15Du aber, Belsarza, sage, was er bedeutet,
03:19denn alle Weisen in meinem Königreiche können mir nicht anzeigen, was er bedeutet.
03:24Du aber kannst's wohl, denn der Geist der Heiligen Götter ist bei dir.
03:28Da entsetzte sich Daniel, der sonst Belsarza heißt, war er einer Stunde lang,
03:34und seine Gedanken betrübten ihn.
03:36Aber der König sprach, Belsarza, lass dich den Traum und seine Deutung nicht betrüben.
03:42Belsarza fing an und sprach,
03:44Ach, mein Herr, dass der Traum deinen Feinden und seine Deutung deinen Widerwärtigen gölte.
03:50Der Baum, den du gesehen hast, dass er groß und mächtig ward,
03:54und seine Höhe an den Himmel reichte, und breitete sich über die ganze Erde,
03:59und seine Äste schön waren, und seiner Früchte viel, davon alles zu essen hatte,
04:04und die Tiere auf dem Felde unter ihm wohneten, und die Vögel des Himmels auf seinen Ästen saßen.
04:10Das bist du, o König, der du so groß und mächtig worden,
04:15denn deine Macht ist groß und reicht an den Himmel, und deine Gewalt langet bis an der Weltende.
04:21Dass aber der König einen heiligen Wächter gesehen hat, vom Himmel herabfahren und sagen,
04:27haut den Baum um und verderbet ihn, doch den Stock mit seinen Wurzeln lasset in der Erde bleiben.
04:33Er aber soll in eisernen und ehrenen Ketten auf dem Felde im Grase gehen und unter dem Tau des Himmels
04:40liegen
04:40und nass werden und sich mit den Tieren auf dem Felde weiden, bis über ihm sieben Zeiten um sind.
04:47Das ist die Deutung, Herr König, und solcher Rat des Höchsten geht über meinen Herrn König.
04:53Man wird dich von den Leuten stoßen und muss bei den Tieren auf dem Felde bleiben,
04:58und man wird dich Gras essen lassen wie die Ochsen und wirst unter dem Tau des Himmels liegen und nass
05:05werden,
05:06bis über dir sieben Zeiten um sind, auf das du erkennest, dass der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche
05:13und gibt sie, wem er will.
05:15Das aber gesagt ist, man solle dennoch den Stock des Baumes mit seinen Wurzeln bleiben lassen.
05:21Dein Königreich soll dir bleiben, wenn du erkannt hast die Gewalt im Himmel.
05:26Darum, Herr König, lass dir meinen Rat gefallen und mache dich los von deinen Sünden durch Gerechtigkeit
05:33und läd dich von deiner Missetat durch Wohltat an den Armen, so wird dein Glück lange wehren.
05:39Dies alles wieder vor dem Könige Nebukadnezar, denn nach zwölf Monaten, da der König auf der königlichen Burg zu Babel
05:47ging,
05:48hub er an und sprach, das ist die große Babel, die ich erbaut habe zum königlichen Hause durch meine große
05:55Macht,
05:55zu Ehren meiner Herrlichkeit.
05:58Ehe der König diese Worte ausgeredet hatte, fiel eine Stimme vom Himmel.
06:02Dir, König Nebukadnezar, wird gesagt, dein Königreich soll von dir genommen werden
06:09und man wird dich von den Leuten verstoßen und sollst bei den Tieren so auf dem Felde gehen bleiben.
06:16Gras wird man dich essen lassen wie Ochsen, bis das über dir die sieben Zeiten um sind,
06:22auf das du erkennest, dass der höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und gibt sie, wem er will.
06:29Von Stund an ward das Wort vollbracht über Nebukadnezar und er ward verstoßen von den Leuten hinweg
06:36und er aß Gras wie die Ochsen und sein Leib lag unter dem Tau des Himmels und ward nass,
06:42bis sein Haar wuchs so groß als Adlers Federn und seine Nägel wie Vogelskrauen wurden.
06:48Nach dieser Zeit hub ich, Nebukadnezar, meine Augen auf gen Himmel und kam wieder zur Vernunft und lobete den Höchsten.
06:56Ich pries und ehrte den, so ewiglich lebet, dass Gewalt ewig ist und sein Reich für und für wehret,
07:05gegen welchem alle so auf Erden wohnen, als nichts zu rechnen sind.
07:09Er macht's wie er will, beide, mit den Kräften im Himmel und mit denen so auf Erden wohnen.
07:16Und niemand kann seine Hand wehren, noch zu ihm sagen, was machst du?
07:21Zur selbigen Zeit kam ich wieder zur Vernunft, auch zu meinen königlichen Ehren, zu meiner Herrlichkeit und zu meiner Gestalt.
07:29Und meine Räte und Gewaltigen suchten mich und ward wieder in mein Königreich gesetzet und ich überkam noch größere Herrlichkeit.
07:39Darum lobe ich Nebukadnezar und ehre und preise den König des Himmels, denn all sein Tun ist Wahrheit und seine
07:47Wege sind recht.
07:48Und wer stolz ist, den kann er demütigen.
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