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Während die Welt 1936 auf die scheinbar friedlichen Olympischen Spiele in Berlin blickte, legte das NS-Regime im Hintergrund den Grundstein für beispiellosen Terror. Dieses Video beleuchtet die dunkle Realität abseits der Propaganda-Fassade. Es wird aufgezeigt, wie Sinti und Roma im Lager Marzahn im Berliner Abwasser interniert wurden, während zeitgleich das Modell-KZ Sachsenhausen entstand. Dabei werden historische Begriffe und Grausamkeiten erklärt: Die „Dachauer Schule“, das „Schuhläuferkommando“ sowie der „Porajmos“ (der europaweite Völkermord an bis zu 500.000 Sinti und Roma). #deutschegeschichte #germanhistory #olympia1936 #oranienburg #sachsenhausen #dachauerschule

Meine Themen:
00:00 Intro
00:46 Kapitel 1: Hinter der Kulisse des Friedens
02:30 Kapitel 2: Vom wilden Lager zur SS-Zentrale
04:05 Kapitel 3: Die Dachauer Schule & das "Schuhläuferkommando"
06:46 Kapitel 4: Pseudowissenschaft & Leni RIefenstahls Verrat
08:27 Kapitel 5: Der Widerstand im Angesicht des Todes
10:06 Kapitel 6: Zweites Unrecht - Täter machen Karriere
13:14 Kapitel 7: Unser Fazit

Meine Quellen:
Zum KZ Sachsenhausen:
https://www.sachsenhausen-sbg.de/geschichte/1936-1945-konzentrationslager-sachsenhausen/
https://www.holocaust.cz/de/geschichte/nazistische-konzentrationslager-und-ghettos/konzentrationslager/sachsenhausen-2/
https://www.spiegel.de/geschichte/kz-dachau-modell-fuer-deutsche-konzentrationslager-a-951071.html
https://www.deutsche-biographie.de/gnd119253801.html#dbocontent
https://personen.niedersaechsische-bibliographie.de/person/1043134204/
https://www.sachsenhausen-sbg.de/fileadmin/user_upload/Gedenkstaetten/Sachsenhausen/Geschichte/KZ_Oranienburg/Reader_KZ_Oranienburg.pdf
https://www.bundestag.de/resource/blob/410880/917c712d81cb4578775060ed6f592b2b/wd-1-020-09-pdf-data.pdf

Zu den Vehaftungen im Vorfeld von Olympia:
https://www.deutschlandfunk.de/fest-des-friedens-fest-der-voelker-fest-der-taeuschung-100.html

Zur Verfolgung der Sinti & Roma:
https://www.bpb.de/system/files/pdf/WWG9D8.pdf
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Verfolgung_der_Sinti_und_Roma_im_Nationalsozialismus
https://www.sintiundroma.org/de/weg-in-den-voelkermord/totale-erfassung/
https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/33275/ns-verfolgung-von-zigeunern-und-wiedergutmachung-nach-1945/

Was du in diesem Video lernst:
Wie das NS-Regime die Verfolgung und Inhaftierung von Minderheiten während der Olympischen Spiele 1936 verschleierte.
Warum das KZ Sachsenhausen nicht nur Gefängnis, sondern die bürokratische Verwaltungszentrale des europaweiten SS-Terrors war.
Welche entscheidende Rolle Pseudowissenschaftler bei der Vorbereitung des Massenmords spielten.
Wie sich inhaftierte Sinti und Roma im August 1944 im Vernichtungslager Auschwitz mutig gegen die SS auflehnten.
Warum zahlreiche Täter nach 1945 unbehelligt im westdeutschen Staatsdienst Karriere machten und die Opfer jahrzehntelang auf Anerkennung warten mussten.

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Transkript
00:00Viele Podcasts arbeiten sich dieses Jahr an den Olympischen Spielen ab.
00:04Nicht nur, weil die Spiele in Berlin dieses Jahr ihr Jubiläum feiern,
00:07sondern weil Deutschland 100 Jahre nach den Nazispielen wieder eine Olympiade im eigenen Land ausrichten will.
00:13Ich möchte einen anderen Blick auf die Spiele werfen.
00:16Denn tragischerweise verpassten die Spiele den Juden in Berlin und den Regimegegnern nur eine kurze Atempause.
00:23Davor und danach ging die Verfolgung umso schlimmer weiter.
00:46Kapitel 1 Hinter der Kulisse des Friedens 16 Juli 1936
00:51Die Welt schaut gebannt nach Berlin.
00:53Das Naziregime zelebriert ein gigantisches Fest des Friedens.
00:57Die Olympischen Spiele stehen kurz bevor, die Stadt gibt sich weltoffen und tolerant.
01:02Doch während Propagandaminister Goebbels die Friedensillusion meistert,
01:06spielen sich nur wenige Kilometer vom Olympiastadion entfernt dramatische Szenen ab.
01:12Im Morgengrauen reißen Berliner Polizisten über 600 Sinti und Roma aus dem Schlaf.
01:17Sie verladen die Menschen wie Vieh auf Lastwagen und deportieren sie an den Stadtrand.
01:22Die NS-Presse tauft diese gewaltsame Verschleppung zynisch den lustigen Zug.
01:26Moment, die reißen hunderte Menschen aus dem Bett, während gleichzeitig Touristen aus aller Welt nach Berlin reisen?
01:32Wie lässt sich das verheimlichen?
01:34Genau das war der Plan des Berliner Polizeipräsidenten Wolf Heinrich von Helldorf.
01:39Er wollte die Hauptstadt vor der Ankunft der ausländischen Gäste schlichtweg säubern.
01:44Der Zielort dieser Menschenjagd ist ein Feld in Marzahn, eingeklemmt zwischen einem Friedhof und den städtischen Rieselfeldern,
01:51also exakt dort, wo Berlins Abwässer versickern.
01:54Menschen mitten im Abwasser der eigenen Hauptstadt einzusperren, das ist eine Form von Entmenschlichung, die mir echt die Sprache verschlägt.
02:00Es stinkt bestialisch, Brunnen lassen sich auf dem verseuchten Boden nicht graben.
02:05Für bis zu 1000 Menschen existieren nur drei Wasserhähne und zwei Toiletten.
02:09Der damals neunjährige Sinto Otto Rosenberg erinnert sich später, wie ständig neue Jauche in die Gräben des Lagers gepumpt wurde.
02:17Olympia verpasst den Regimegegnern und verfolgten Minderheiten keine Atempause.
02:22Im Gegenteil, während die Welt jubelt, zieht Heinrich Himmler als neuer Chef der deutschen Polizei im Hintergrund die Schrauben gnadenlos
02:30an.
02:30Kapitel 2
02:31Vom wilden Lager zur SS-Zentrale, um zu verstehen, wie eiskalt und bürokratisch dieses System arbeitet, müssen wir auf eine
02:39zweite Baustelle im Sommer 1936 schauen.
02:42Direkt vor den Toren Berlins in Oranienburg stampft die SS ein neues Konzentrationslager aus dem Boden, Sachsenhausen.
02:50Bisher existierten sogenannte frühe Konzentrationslager, oft improvisiert in alten Fabriken oder Kellern mitten in der Stadt.
02:58Terror im Verborgenen. Doch das ändert sich jetzt fundamental.
03:02Also weg von der chaotischen Straßenschlägerei hin zur staatlich finanzierten Terrorbehörde?
03:06Exakt. Die SS übernimmt die absolute Kontrolle.
03:10Im Juli 1936, kurz vor Olympia, treffen die ersten 50 Häftlinge aus dem Lager Esterwegen in Oranienburg ein.
03:18Mitten im Kiefernwald müssen sie ihr eigenes Gefängnis bauen.
03:21Diese Grausamkeit trägt ein Gesicht. Bernhard Kuiper.
03:24Er ist Architekt, SS-Mann und lässt zynischerweise mitten im Elend des Lagers Esterwegen einen Park mit Teich und ein
03:32Schwimmbad für die Wachmannschaft anlegen.
03:34Ein Schwimmbad für die SS-Leute, während die Häftlinge sich im Moor zu Tode schuften? Das ist doch völlig absurd.
03:40Dieser Kontrast zieht sich durch das ganze Lagersystem. Kuiper plant die Lager so, dass sie maximale Kontrolle ermöglichen.
03:47Sachsenhausen wird zum Modelllager. Ab 1938 steuert die SS von hier aus den Terror für ganz Europa.
03:55Schreibtischtäter berechnen im sogenannten T-Gebäude die Überlebensdauer von Häftlingen anhand minimaler Essensrationen.
04:01Menschen werden zu bloßen Zahlen in einer Verwaltungsakte degradiert.
04:05Kapitel 3, die Dachauer Schule und das Schulläuferkommando Sachsenhausen, fungiert aber nicht nur als Verwaltungssitz, sondern als brutales Ausbildungszentrum.
04:15Hier formieren sich die SS-Totenkopfverbände. Der Verantwortliche, Theodor Ecke, etabliert die sogenannte Dachauer Schule.
04:23Sein Ziel, jungen Rekruten jedes Mitleid abzutrainieren.
04:26Die SS-Leute lernen, Häftlinge nicht als Menschen zu betrachten, sondern als Untermenschen.
04:32Sie etablieren die sogenannte Postenkette.
04:35Auschwitz-Birkenau war mit einem tödlichen Elektrozaun gegen Ausbruchsversuche gesichert.
04:40Da Häftlinge aus Arbeitskommandos ihren Peinigern dennoch immer wieder entkamen, gab es noch eine äußere SS-Postenkette ohne Zaun.
04:48Sie war in der Regel nur tagsüber bewacht.
04:50Entkamen Häftlinge dennoch, blieb sie drei Tage lang auch nachts besetzt, während SS-Kommandos mit Spürhunden die Gegend durchsuchten.
04:57Wer als Häftling dieser unsichtbaren Linie zu nahe kommt, wird ohne Vorwarnung erschossen.
05:03Oft wirft die SS-Häftlinge absichtlich die Mütze über die Absperrung.
05:07Holen sie die Mütze, droht der Todesschuss.
05:10Weigern sie sich, droht tödliche Prügelstrafe.
05:13Es geht also nicht nur um Strafe, sondern um reine Willkür und psychologische Zerstörung.
05:18Wer war denn zu diesem Zeitpunkt dort eingesperrt?
05:21Anfangs deutsche Regimegegner, wie der SPD-Politiker Julius Leber, später der Hitler-Attentäter Georg Elser.
05:28Mit Kriegsbeginn sperrt die SS zunehmend Sinti und Roma, homosexuelle Juden und Zwangsarbeiter ein.
05:35Und sie zwingen die Inhaftierten zu völlig abstrusen Arbeiten.
05:38Das Kuriosum schlechthin ist das sogenannte Schuhläuferkommando.
05:42Häftlinge marschieren tagelang mit extrem schwerem Gepäck auf einer Teststrecke, um Schuhsohlen für die Wehrmacht zu testen.
05:49Große Konzerne profitieren also direkt von dieser Folter?
05:52Ja, massiv. Sie nutzen die Häftlinge als rechtlose Sklaven.
05:56Aber nicht nur private Firmen profitieren.
05:59Die SS betrieb ein gigantisches eigenes Klinkerwerk.
06:02Unter mörderischen Bedingungen beim Tonabbau im Bergbau mussten die Gefangenen im damals der größten Ziegelwerk Europas schuften.
06:10Wofür brauchten die Nazis diese riesigen Mengen an Baumaterial?
06:13Für Hitlers und Albert Speers größenwahnsinnige Architekturpläne.
06:17Sie wollten Berlin zur monumentalen Welthauptstadt Germania umbauen.
06:21Für diese völlig utopischen Pläne schuften sich tausende Häftlinge buchstäblich zu Tode.
06:27Über 200.000 Menschen durchliefen Sachsenhausen, mehr als 50.000 überlebten das Lager nicht.
06:34Sie starben an Hunger, Erschöpfung oder in der ab 1942 errichteten Tötungsanlage Station Z,
06:41zynisch benannt nach dem letzten Buchstaben des Alphabets die finale Endstation.
06:45Kapitel 4 Pseudowissenschaft und Leni Riefenstahls Verrat
06:49Während in Sachsenhausen die Tötungsmaschinerie läuft, vollzieht sich im Lager Marzahn bei den Sinti und Roma der nächste Schritt Richtung
06:57Vernichtung.
06:58Und hier betritt eine Figur die Bühne, die zeigt, wie gefährlich Wissenschaft wird, wenn sie ohne Moral agiert.
07:04Der Psychiater Dr. Robert Ritter.
07:06Mit seiner Mitarbeiterin, Eva Justin, taucht er regelmäßig in Marzahn auf, um die Menschen zu vermessen.
07:13Vermessen? Schädelformen und Augenfarben, wie man das aus den rassistischen Lehrbüchern der Nazis kennt?
07:18Exakt. Sie nehmen Blutproben, fertigen Gesichtsmasken an und erpressen Informationen für Stammbäume.
07:25Wer sich weigert, wird misshandelt.
07:27Der junge Otto Rosenberg beobachtet, wie eine ältere Frau nach einem Fluchtversuch geschoren und unter eiskaltes Wasser gestellt wird.
07:34Sie stirbt wenige Tage später. Ritters Ziel ist ein Zigeunersippenarchiv.
07:39Diese pseudowissenschaftlichen Gutachten dienen später direkt als Deportationslisten für Auschwitz.
07:45Wissenschaft als direkte Vorbereitung für den Massenmord.
07:48Und nicht nur die Wissenschaft, auch die Kultur macht sich mitschuldig.
07:51Die Starregisseurin Leni Riefenstahl braucht für ihren Film Tieflandkomparsen mit sogenanntem südländischem Aussehen.
07:57Sie rekrutiert über 100 Inhaftierte aus den Lagern Maxclan und Marzahn für einen Spottlohn von 7 Reichsmark.
08:05Als die Dreharbeiten enden, überlässt sie die Menschen einfach ihrem Schicksal.
08:09Die meisten sitzen wenig später im Zug nach Auschwitz.
08:12Lass mich raten, unsere liebe Leni hat dafür nie die Verantwortung übernommen.
08:16Nein. Sie log jahrzehntelang und behauptete, sie habe nach dem Krieg alle wohlbehalten wiedergesehen.
08:21Erst 2002 entlarvt ein Rechtsstreit diese Schutzbehauptung endgültig als Lüge.
08:26Kapitel 5
08:27Der Widerstand im Angesicht des Todes im Dezember 1942 unterschreibt Himmler schließlich den Auschwitz-Erlass für Sinti und Roma.
08:36Ab März 1943 zwingen Polizisten auch die Menschen aus Marzahn in Fiebergongs.
08:43Otto Rosenberg ist zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt.
08:46Er landet im sogenannten Zigeunerfamilienlager in Auschwitz-Birkenau.
08:50Dort wütet Fleckfieber und Josef Mengele führt seine grausamen medizinischen Experimente durch.
08:56Otto überlebt die Hölle der deutschen KZ-Lager als einziger von elf Geschwistern.
09:01Er wird später nach Buchenwald und Bergen-Belsen evakuiert.
09:05Doch besonders prägent war die Auflösung des sogenannten Zigeunerlagers in Auschwitz.
09:09In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944.
09:14Ihr müsst wissen, anders als die Juden, die bei der Ankunft sofort in Arbeitsfähige und jene getrennt wurden,
09:21die zur Vernichtung durch Gas bestimmt waren, wurden die Sinti und Roma als Familienverband über Monate in einem Extra-Bereich
09:28gefangen gehalten.
09:28Sie waren vermutlich die einzigen, die als Gruppe geschlossen wussten, welches Schicksal vor ihnen lag.
09:34Als die SS das Lager auflösen will, wehren sich die knapp 3000 verbliebenen Sinti und Roma mit dem Mut der
09:41Verzweiflung.
09:41Sie bewaffnen sich mit Knüppeln, Steinen und Werkzeugen und leisten Widerstand.
09:46Ein echter Aufstand im Vernichtungslager? Davon hört man selten im Geschichtsunterricht.
09:51Weil diese Geschichten oft unter den Teppich gekehrt werden?
09:54Der Widerstand wird natürlich brutal niedergeschlagen, die Menschen in die Gaskammern getrieben.
10:00Europaweit fallen bis zu 500.000 Sinti und Roma diesem Völkermord, dem Porraschmos, zum Opfer.
10:06Kapitel 6, zweites Unrecht, Täter machen Karriere.
10:10Doch nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma leider nicht vorbei.
10:15Wir hatten eine klare Forderung an die deutsche Öffentlichkeit, nämlich die Beendigung von rassistischer Sondererfassung und Kennzeichnung in Polizeiakten und
10:27Polizeicomputern bis in die Anfangs der 80er Jahre.
10:32Das Offenlegen dieser rassistischen Aktenansammlung, die nur auf der Grundlage der ethnischen Zugehörigkeit angelegt worden ist.
10:47Und man muss natürlich dazu wissen, dass das Akten waren, die in ihrem Ursprung der Vernichtung dienten.
10:59Denn das waren Akten aus dem Reichssicherheitshauptamt, die nach dem Krieg lediglich in den Aktendeckeln umfirmiert worden sind.
11:10Also anstatt dem Hackenkreuz waren es jetzt plötzlich Akten der Bundesrepublik Deutschland, die wiederum das Grundgesetz ignoriert hatten.
11:24Der Grund lag darin, dass die ehemaligen Täter die Deutungsmacht über die Opfer hatten und nur über die fortgesetzte Kriminalisierung
11:39der Opfer war ihre eigene Rehabilitierung möglich.
11:44Wer nichts Unrechtes getan hat, kann kein Täter sein.
11:49Die Polizei und auch andere Behörden stützen sich wegen Männermangel auf das gleiche Personal wie zuvor.
11:55Dr. Robert Ritter, der Mann, der die Todeslisten zusammengestellt hat, arbeitet nach dem Krieg als Arzt im Gesundheitsamt Frankfurt am
12:03Main.
12:04Seine Assistentin Eva Justin betreut dort unbehelligt Kinder als Psychologin.
12:09Bitte was?
12:10Die Frau, die Kinder in den sicheren Tod nach Auschwitz geschickt hat, arbeitet nach 1945 als Kinderpsychologin im Staatsdienst.
12:17Ja, westdeutsche Staatsanwaltschaften stellen die Verfahren einfach ein.
12:22Sie behaupten, Ritters Arbeit sei wertfreie Wissenschaft gewesen.
12:25Gleichzeitig kämpfen die Überlebenden um Anerkennung.
12:291956 fällt der Bundesgerichtshof ein unfassbares Grundsatzurteil.
12:34Sinti und Roma seien vor 1943 nicht aus rassistischen Gründen verfolgt worden,
12:40sondern wegen vorbeugender Verbrechensbekämpfung.
12:43Das Gericht übernimmt also eins zu eins die Propagandasprache der Nazis.
12:47Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Überlebenden.
12:50Erst die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma, maßgeblich getragen von Leuten wie Romani Rose und Otto Rosenberg,
12:58erzwingt in den 1980er Jahren ein Umdenken.
13:021982 erkennt der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt endlich offiziell an,
13:07dass es sich um einen Völkermord handelte.
13:09In Marzahn dauert es 50 Jahre, bis überhaupt ein Gedenkstein aufgestellt wird.
13:14Kapitel 7 Unser Fazit
13:16Wenn wir diesen Sommer 1936 analysieren,
13:20sehen wir hinter der glänzenden Olympia-Fassade das Fundament des Grauens.
13:24In Sachsenhausen errichtet die SS die architektonische Zentrale des Terrors.
13:30In Marzahn erprobt die Polizei mit der Deportation der Sinti und Roma die Logistik der Vernichtung.
13:35Getragen wird das alles nicht nur von fanatischen Ideologen, sondern von Ärzten, Filmemachern, Bauunternehmern und ganz normalen Polizisten.
13:44Der Holocaust war eben kein Betriebsunfall der Geschichte, sondern ein riesiges, bürokratisches Projekt,
13:50an dem unglaublich viele normale Menschen mitgewirkt haben.
13:53Genau das ist die harte Lehre.
13:55Ausgrenzung beginnt nie direkt mit Vernichtung.
13:58Sie startet mit Verwaltungsakten, mit dem Entzug von Bürgerrechten, mit angeblich neutraler Wissenschaft,
14:04die Menschen in Kategorien presst.
14:06Deshalb helfen historische Vergleiche dabei, wachsam zu bleiben.
14:09Wenn Akteure heute wieder versuchen, Minderheiten pauschal abzuwerten oder Menschenrechte als verhandelbar darzustellen,
14:16müssen bei uns alle Alarmglocken schrillen.
14:19Eine heftige Geschichte, aber umso wichtiger, sie genau so ungeschön zu erzählen.
14:23Bleibt neugierig, bleibt kritisch, aber vor allem bleibt menschlich.
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