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Transkript
00:02Die Suche nach Sinn und Werten von John Lennox
00:08Während der letzten Jahre ist unsere Welt in einen großen Strudel von Veränderungen geworfen worden,
00:15der von größerer Schnelligkeit und Bedeutung ist als jemals zuvor.
00:21Traditionelle Ideologien und Wertesysteme sind bis in ihre Grundfesten erschüttert worden.
00:26Millionen von Menschen sind nun orientierungslos und unsicher,
00:32besonders in Bezug auf die folgenden Fragen.
00:35Was ist der Sinn des Lebens und was für einen Wert hat der Einzelne?
00:41Es ist ja nicht so, dass Familie und Freunde, Arbeit und Freizeit, Literatur, Kunst und Musik
00:50heutzutage keine Bedeutung mehr hätten.
00:52Aber darüber hinaus sucht der Mensch ununterbrochen nach einem noch tieferen und befriedigeren Sinn des Lebens.
01:00Wie Herr Jerschow, Mitglied der Akademie sowie Rektor der Universität von Novosibirsk, uns in Erinnerung gerufen hat,
01:09ist die Frage so wichtig, dass man sie sich trotz oder vielleicht gerade wegen der heutigen Riesenzeit stellen muss.
01:16Wie können wir über die Zukunft der Menschheit nachdenken, ohne uns mit dem Wert zu beschäftigen, den der Einzelne hat?
01:25Professor Alexander King, der Gründer und langjährige Präsident des Club of Rome,
01:31stellt fest, dass wir dieser Frage bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben.
01:36Wie wir an diese Frage herangehen, hängt in großem Maße von unserer Weltanschauung ab,
01:42von unseren Überzeugungen und Annahmen über das Wesen von Realität und Wissen,
01:47über das Universum, den Menschen, das Leben, den Tod und die Geschichte.
01:54In gewissem Sinn gibt es so viele Weltanschauungen wie Menschen.
01:59Auf die grundlegenden Fragen gibt es aber trotzdem nur eine begrenzte Anzahl von Antworten.
02:05Um ein Beispiel zu nennen, welches sich direkt auf die gegenwärtige Diskussion auswirkt.
02:10Wir könnten entweder eine materialistische oder eine nicht materialistische Erklärung für das Universum vertreten.
02:18Entweder gibt es einen Gott, der schon immer existierte und der das Universum um sich herum geschaffen hat.
02:25Oder es gibt nur dieses Universum.
02:28Es gab nie mehr und wird auch nie mehr geben, wie Carl Sagan es ausdrückte.
02:33Das heißt, dass das Universum ein geschlossenes System ist, eine Einheit von Ursache und Wirkung.
02:42Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass die materialistische Erklärung einer der Hauptgründe ist,
02:48warum heute so viele Menschen den Verlust von Werten und Sinn in ihrem Leben verspüren.
02:55Dostoyevsky schrieb, wenn es keine Unsterblichkeit gibt, dann ist alles erlaubt.
03:00Dieser sehr aussagekräftige Gedanke wurde von Nietzsche neu formuliert.
03:06Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.
03:10Nietzsche sagte voraus, dass die Menschen eines Tages die Auswirkungen ihres Atheismus erkennen würden.
03:17Als Folge würden sie das Zeitalter des Nihilismus einleiten.
03:21Die Zerstörung von Werten und vom Sinn im Leben.
03:24Die Literatur und Wissenschaft bestätigen, dass die Vorhersagen von Nietzsche eingetroffen sind.
03:32Der existenzialistische Autor Jean-Paul Sartre, der sehr stark von Dostoyevskys Aussage beeinflusst wurde, schrieb,
03:40Jedes existierende Wesen wurde ohne Bedeutung geboren, verlängert sein Leben aus Schwachheit und stirbt durch Zufall.
03:49Die Absurdität von all diesen machte ihn wütend.
03:53Auf Seiten der Wissenschaftler machte Jacques Monod, Molekularbiologe und Nobelpreisträger, folgende Aussage.
04:01Der Mensch weiß schließlich, dass er allein ist in dieser gefühllosen Unermessigkeit des Universums, in der er durch Zufall entstand.
04:10Weder sein Schicksal noch seine Pflichten sind irgendwo näher definiert.
04:15Diese trostlose nihilistische Philosophie wird vielleicht am besten in dem Stück »Atem« von Samuel Beckett vermittelt.
04:23Dieses Stück dauert nur 35 Sekunden und es wirken keine Schauspieler mit.
04:29Am Anfang hört man, wie ein Mensch einatmet und man sieht, wie ein schwaches Licht angeht, wodurch ein Müllberg auf
04:37der Bühne zum Vorschein kommt.
04:39Der Lichtstrahl wird etwas stärker und erlischt dann.
04:42Man hört, wie ein Mensch ausatmet. Das Stück ist zu Ende.
04:47Die Vorhersage Nietzsches, dass die Abschaffung Gottes als höchsten Wert unaufhaltsam zur Abschaffung des Menschen führt, bestätigt sich.
04:56Nicht nur, dass Gott tot ist, schreibt der Molekunarbiologe und Nobelpreisträger Francis Crick.
05:03Der Mensch ist ebenfalls tot.
05:05Sein Ursprung ist unpersönlich.
05:08Dann wurden noch Zeit und Zufall hinzugefügt, die ebenfalls unpersönlich sind.
05:14Der Mensch ist tatsächlich tot.
05:16Ich denke jedoch, dass es unüberwindbare Schwierigkeiten in dieser atheistischen Interpretation gibt.
05:23Wie ich schon in einem anderen Buch argumentiert habe, halte ich es für unlogisch zu glauben, dass die ehrfurchtgebietende Komplexität
05:31des Universums sowohl auf der Makroebene als auch auf der Mikroebene nur ein Ergebnis des Zufalls ist.
05:39Falls das so wäre, würden wir das nicht wissen, da in diesem Fall der menschliche Verstand keine Grundlagen hätte.
05:46Wenn die Gedanken in meinem Gehirn einfach nur das Ergebnis zielloser Bewegungen von Elementarteilchen sind, welchen Grund hätte ich, sie
05:55für wahrzuhalten?
05:56Doch die materialistische Erklärung für das Universum zeigt ihren Bankrott nicht nur dadurch, dass sie keine Grundlagen für Rationalität anzubieten
06:05hat.
06:06Sie kann ferner kein ausreichendes Wertesystem aufweisen.
06:10Wenn das Universum ein geschlossenes System ist, das ohne führende Intelligenz von außen nur aus dem Zusammenspiel von blinden Kräften
06:19entstand, dann gibt es sicherlich keine absoluten Werte.
06:23Erinnern wir uns an Nietzsche.
06:25Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt.
06:29Wenn die Logik des Atheismus unausweichlich ist, so müssen wir lernen, damit zu leben, ohne uns darüber zu beschweren, auch
06:38wenn die Situation furchtbar ist, in die der Atheismus uns bringt.
06:42Das Problem ist, dass wir nicht so leben können.
06:46Sogar der eingefleischteste Atheist kann nicht so leben und widerspricht seiner Auffassung ständig durch sein Verhalten.
06:53Es sei denn, er wäre ein Monster ohne jegliches menschliches Gefühl.
06:59Bertrand Russell erkannte das ganz deutlich.
07:01Er sagt, sie können nicht so leben, als ob Werte eine Frage des persönlichen Geschmacks seien.
07:08Und obwohl er nicht an absolute Werte glaubte, musste er zugeben, dass er seine eigenen Ansichten unglaublich fand.
07:16Die existenzialistischen Autoren erkannten das ebenfalls.
07:20Camus sagte, dass man irgendwie einen Weg finden muss, der über den Nihilismus hinausgeht.
07:27Aber wie, wenn es keine absoluten Werte gibt?
07:31Sartre sagte, triff deine Wahl und was immer du wählst, ist richtig.
07:36Und Camus empfahl, akzeptiert das Absurde und lebt in Liebe zueinander.
07:42Ich bin weit davon entfernt, diese Aussage zu kritisieren.
07:46Ich möchte nur aufzeigen, dass er keine Grundlage für sie hatte.
07:51Was sollen wir nun über Hitler und Stalin sagen?
07:55Sie wählten und Millionen Menschen starben.
07:59Zu behaupten, dass alles richtig ist, was man wählt, bedeutet, dass wir über das Andenken von Millionen von Menschen spotten
08:06und ihr Schicksal als Belanglosigkeit hinstellen.
08:10Wenn die Vergangenheit so war, was ist dann mit der Zukunft?
08:14Die Wissenschaft stellt uns vor bedeutende Entscheidungen.
08:18Wir können nun zum Beispiel beginnen, darüber nachzudenken, die Gentechnologie zu nutzen,
08:24um Menschen, die noch nicht geboren sind, durch Gentechnologie zu programmieren und zu steuern.
08:30Werden wir also nur die Normalen auswählen und sie leben lassen?
08:35Wer wird Normalität definieren?
08:38Werden alle Generationen in der Zukunft dem Willen weniger führender Wissenschaftler unterworfen sein?
08:45In seinem bedeutenden Buch »Die Abschaffung des Menschen« schreibt Prof. C.S. Lewis,
08:52»Die Macht des Menschen, aus sich zu machen, was ihm beliebt, bedeutet die Macht einiger weniger, aus anderen zu machen,
08:59was ihnen beliebt.«
09:01Lewis zieht daraus folgenden Schluss
09:03Und wenn diese Wissenschaftler erfolgreich wären, würde es sich bei dem Ergebnis überhaupt nicht um Menschen handeln, sondern um Kunsterzeugnisse.
09:13Der letzte Sieg des Menschen wird sich als die Abschaffung des Menschen herausstellen.
09:19Die Theorie »Was immer du wählst, ist richtig« ist viel zu oberflächlich.
09:25Diese Theorie ist nur eine von vielen vergeblichen Versuchen, Moral und Werte von einem geschlossenen System abzuleiten.
09:33Beim Aufstellen dieser Theorie haben die Philosophen einen willkürlichen Sprung gemacht.
09:39Sie haben einfach ausgewählt, was richtig ist.
09:43Jacques Monod räumt folgendes Problem ein.
09:46Eine der größten Schwierigkeiten in der Philosophie ist die Beziehung zwischen dem Bereich des Wissens und dem Bereich der Werte.
09:53Das Wissen bezieht sich auf den Ist-Zustand und die Werte beziehen sich auf den Soll-Zustand.
10:00Ich würde sagen, dass alle gängigen Philosophen einschließlich des Kommunismus versucht haben, den Soll-Zustand von dem Ist-Zustand abzuleiten.
10:10Dies ist unmöglich.
10:13Wenn es wahr ist, dass das Universum kein Ziel hat, und wenn es ebenfalls wahr ist, dass der Mensch nur
10:19das Produkt des Zufalls ist,
10:21so kann der Soll-Zustand nicht von dem Ist-Zustand abgeleitet werden.
10:25Zitat Monod Ende
10:28Angesichts der grauenhaften Möglichkeiten und deren katastrophalen Konsequenzen für die Menschheit,
10:34haben einige Menschen dennoch behauptet, dass wir dieses Problem lösen könnten,
10:39indem wir uns das Ziel setzen, die menschliche Rasse zu erhalten.
10:43Und zwar nicht als moralischen Imperativ, sondern als ein Ziel, das der Instinkt uns vorgibt.
10:50Dies bringt uns jedoch auch nicht viel weiter.
10:52Luis brachte nämlich überzeugende Beweise dafür, dass unsere Instinkte auf Kriegsfuß miteinander stehen.
11:00Wenn wir in einem Wald einen Hilfeschrei hören, dann haben wir zuallererst den Wunsch, wegzurennen.
11:06Das wäre der Instinkt des Selbstschutzes.
11:10Wir verspüren aber auch den Wunsch, zu helfen.
11:13Das wäre der Herdeninstinkt.
11:15Plötzlich stellt sich eine neue Frage.
11:18Welchen der beiden Instinkte sollen wir nun gehorchen?
11:21Das Gefühl, helfen zu wollen, unterscheidet sich von dem Gefühl, dass wir, egal ob dies uns passt oder nicht, helfen
11:29sollten.
11:30Die Stimme, die uns sagt, dass wir dem einen Instinkt gehorchen sollten und nicht dem anderen, kann also selbst kein
11:38Instinkt sein.
11:39Das Notenblatt, das uns vorgibt, welche Noten zu welcher Zeit gespielt werden sollen, kann nicht eine der Noten sein.
11:47Sowohl zwischen einzelnen Menschen als auch zwischen ganzen Völkern gibt es Beschwerden wie
11:53Dies ist nicht gerecht oder
11:55Dies zeigt uns, dass sie eine Vorstellung von Gut und Böse haben, die über beiden Parteien steht.
12:04Die atheistische Weltanschauung versagt deshalb völlig, weil sie uns keine Grundlage für den Glauben an eine Moral bietet.
12:12Im Gegensatz dazu ist die biblische Sicht einleuchtend, denn sie zeigt, dass der Wert des Menschen in der einzigartigen Würde
12:20des Menschen begründet ist, der im Bild Gottes geschaffen wurde.
12:25Wenn ich einen Computer besitze, der nicht so funktioniert, wie ich es mir wünsche, so habe ich das Recht, ihn
12:31mit einem Hammer zu zertrümmern.
12:34Warum sollte ich nicht das Gleiche mit meinem Ehepartner tun, wenn ich mich über ihn ärgere?
12:39Ich sollte es deshalb nicht tun, weil die Bibel sagt, dass Männer und Frauen im Bilde Gottes geschaffen sind.
12:46In gewissem Sinn sind sie Gottes Repräsentanten auf der Erde.
12:50Gegen sie zu sündigen bedeutet, gegen Gott zu sündigen.
12:55Welche ein Blutvergießen und Leid wäre der Welt erspart geblieben, wenn man wenigstens diese eine biblische Wahrheit geglaubt hätte?
13:03Viele Menschen, die diesen hohen Wert des Menschen gerne akzeptieren würden, stellen fest, dass sie ebenso wenig mit diesem hohen
13:11Wert leben können,
13:12wie mit ihren atheistischen Anschauungen, und dies aus dem einfachen Grund, weil alle Menschen gegen ihre Mitmenschen und somit gegen
13:20Gott gesündigt haben.
13:23Offensichtlich kann man nicht ungestraft gegen Gott sündigen.
13:26Dies bedeutet also, dass man am Ende vor Gottes Gericht stehen wird.
13:31Allein der Gedanke daran quält den Menschen so sehr, dass er entgegen aller Hoffnung annimmt,
13:37der Mensch sei doch nicht so wertvoll und wichtig, wie es die Bibel sagt.
13:42Solche Menschen sind vielleicht nicht so ehrlich wie Lucrez, ein Dichter des Altertums,
13:48aber tief im Inneren haben sie die gleichen Gefühle.
13:52Lucrez bekannte offen, dass einer der Gründe, warum er an der Theorie der atheistischen Evolution festhielt,
14:00die tröstende Tatsache war, dass mit dem Tod alles aus sei und es daher kein göttliches Gericht geben würde.
14:06Wenn es kein Endgericht gäbe, bei dem die wirklichen Werte durchgesetzt werden, gäbe es somit auch keine Hoffnung auf eine
14:14endgültige Gerechtigkeit mehr.
14:17Hier liegt nun das Dilemma von uns Menschen.
14:19Auf der einen Seite sind wir über die Grausamkeiten entsetzt, die daraus resultieren, dass der Wert des Menschen herabgesetzt wurde
14:28und treten für einen höheren Wert des Menschen ein.
14:31Auf der anderen Seite haben wir Angst vor den Auswirkungen, die es mit sich bringen würde,
14:37wenn wir dem Menschen einen zuhohlen Wert geben würden.
14:39Die wahre Lösung für dieses Dilemma ist das Evangelium.
14:44Jesus, der Sohn Gottes, hat durch seinen Tod die Strafe für die Sünde des Menschen,
14:50die dieser gegen Gott und gegen seine Mitmenschen begangen hat, bezahlt.
14:54Dadurch bestätigte und rechtfertigte Jesus Gottes Werte und Gottes Gerechtigkeit
15:00und ermöglicht dadurch gleichzeitig jenen Menschen eine vollständige und ehrenhafte Vergebung,
15:06die umkehren und an ihn glauben.
15:09Diese zentrale Botschaft des Evangeliums lässt wichtige Fragen über die Art der Gerechtigkeit und der Bestrafung aufkommen.
15:17Darauf werden wir später eingehen.
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