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Transkript
00:03Israels Kriege seit dem 14. Mai 1948
00:08Militärische Überlebenskämpfe, mehr Frontenkriege und der letzte Krieg gegen den Antisemitismus
00:14Von Ariel Winkler, erster Teil
00:18Wer Israel nur auf der Landkarte betrachtet, sieht ein kleines Land.
00:23Wer dagegen seine Geschichte seit dem 14. Mai 1948 in den Blick nimmt, erkennt etwas Außergewöhnliches.
00:31Ein Staat, der wiederholt Kriege, Invasionen, Terrorwellen, Raketenfronten und strategische Umklammerungen überstanden hat.
00:41Israel umfasst rund 22.000 Quadratkilometer, ist etwa 420 Kilometer lang und an seiner breitesten Stelle ungefähr 115 Kilometer breit.
00:51Vor 1967 war die schmalste Stelle des Landes im Zentrum an manchen Punkten gerade einmal 15 Kilometer breit.
01:01Militärisch bedeutet das, schon ein gegnerischer Durchbruch kann existenziell werden.
01:07Aus israelischer Sicht waren die Kriege deshalb selten gewöhnliche Grenzkonflikte.
01:12Für große Staaten ist Raumverlust schwerwiegend, aber oft verkraftbar.
01:17Für Israel konnte derselbe Verlust sehr rasch die Frage aufwerfen, ob das Land überhaupt noch zusammenhängend zu verteidigen war.
01:25Genau daraus entstand jenes Denken, das die israelische Sicherheitspolitik bis heute prägt.
01:32Schnelle Mobilisierung, Luftüberlegenheit, Prävention, Abschreckung und die feste Entschlossenheit,
01:39keinen langen Krieg auf dem eigenen Kernterritorium zuzulassen.
01:43Darum lautet die entscheidende Frage auch nicht einfach.
01:47Welche Kriege führte Israel?
01:49Wichtiger ist, wie konnte dieser Staat unter so engen geografischen Bedingungen
01:54und angesichts wiederkehrender Übermachtssituationen bestehen?
01:58Die Antwort lässt sich nüchtern benennen.
02:01Sie liegt in Ausbildung, Reservemobilisierung, Luftwaffe, Geheimdienst, Technologie, operativer Flexibilität und westlicher Unterstützung.
02:13Und doch bleibt selbst dann ein Rest von Staunen.
02:16Gerade dieses Staunen macht Israels Kriegsgeschichte so besonders.
02:21Der Unabhängigkeitskrieg
02:23Dieses Besondere zeigte sich bereits im Unabhängigkeitskrieg von 1948 und 1949.
02:32Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel ausgerufen.
02:37Schon am nächsten Tag griffen die Armeen Ägyptens, Transjordaniens, Syriens, des Iraks und des Libanon an.
02:45Israel sah sich damit vom ersten Moment an mehreren Fronten gegenüber.
02:50Im Süden gegen Ägypten, im Osten und um Jerusalem herum gegen Transjordanien,
02:56im Norden gegen Syrien und Libanon,
02:58weiter östlich auch gegen irakische Kräfte.
03:02Das Dramatische lag nicht allein im Angriff selbst, sondern in seinem Zeitpunkt.
03:07Der Staat war kaum geboren.
03:09Die Regierung war eben erst gebildet worden.
03:11Eine reguläre Armee existierte noch nicht im klassischen Sinn,
03:15sondern musste unter Feuer aus jüdischen Verbänden der Mandatszeit erst geschaffen werden.
03:21Haganach, Palmach und andere Formationen wurden mitten im Krieg in eine nationale Armee überführt.
03:28Israel kämpfte also nicht als ausgereifter Staat, sondern als Staat im Entstehen.
03:33Hinzu kamen die psychologische und demografische Lage.
03:38Viele Menschen im Land waren erst kurz zuvor eingewandert.
03:41Viele hatten den Zusammenbruch Europas überlebt.
03:45Von Anfang an stand die Frage im Raum, ob dieser neue jüdische Staat seinen ersten Krieg überhaupt überstehen würde.
03:52Eine Niederlage hätte aus Sicht vieler Zeitgenossen nicht einfach schlechte Friedensbedingungen bedeutet.
03:58Sie hätte die Zerschlagung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina bedeuten können.
04:03Wie tief der Krieg an Israels Substanz ging, zeigen die Verluste.
04:086.373 Menschen starben, etwa 1% der damaligen jüdischen Bevölkerung.
04:15Solche Größenordnungen sind für moderne westliche Gesellschaften kaum noch vorstellbar.
04:20Politisch war die frühere Anerkennung durch die USA wichtig.
04:25Militärisch erwiesen sich Waffenlieferungen aus der Tschechoslowakei als entscheidend.
04:30Trotzdem bleibt das Erstaunliche bestehen.
04:32Ein neu gegründeter, schmaler und organisatorisch fragiler Staat wurde an mehreren Fronten angegriffen und überlebte.
04:451956 im Suezkrieg war die Lage anders.
04:50Israels Hauptgegner war Ägypten.
04:52Anders als 1948 handelte es sich nicht um einen chaotischen Mehrfrontenkrieg mit mehreren Armeen zugleich,
04:59sondern um einen konzentrierten Feldzug auf der Sinai-Front.
05:03Politisch war dieser Krieg allerdings Teil der größeren Suezkrise,
05:07in die auch Großbritannien und Frankreich aktiv eingebunden waren.
05:12Israel stand also nicht isoliert, sondern handelte im Rahmen einer koordinierten Aktion gegen Ägypten.
05:19Die Herausforderung lag diesmal vor allem in der Geschwindigkeit.
05:23Israel wollte ägyptische Bedrohungen im Sinai und im Raum Gaza ausschalten
05:28und zugleich seine maritime Verbundbarkeit über die Straße von Tiran mindern.
05:33Der Krieg zeigte, wie rasch und entschlossen Israel operieren konnte,
05:38mit beweglichen Kräften, tiefem Vordringen in den Sinai und konsequenter Nutzung des Überraschungsmoments.
05:46Der Feldzug machte deutlich, dass Israel weit mehr war als ein belagertes Land.
05:51Es erwies sich als Staat, der militärisch kühn, schnell und professionell handeln konnte.
05:58Zugleich offenbarte Suez die Grenzen militärischer Erfolge.
06:01Israel gewann auf dem Schlachtfeld, doch der internationale Druck der Großmächte begrenzte den politischen Ertrag.
06:09Damit wurde eine Lektion sichtbar, die den Staat bis heute begleitet.
06:14Im Nahen Osten entscheiden nicht allein Armeen, sondern immer auch die großen Mächte mit.
06:21Hören Sie am kommenden Montag den zweiten Teil,
06:24der Sechstagekrieg, Israels Zermürbungskrieg und der Jom Kippurkrieg.
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