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  • vor 2 Tagen
Die sogenannte Todeszone an der Front in der Ukraine wird von Drohnen beherrscht. Truppenbewegungen werden sehr schnell erkannt und sind fast immer lebensgefährlich. Ist das der Krieg der Zukunft?

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Transkript
00:00Das ist die Todeszone in der Ukraine. Drohnen jagen und töten Soldaten wie wilde Tiere.
00:06Dieses Gebiet in Langdafront ist so gefährlich, dass die russische Frühjahrsoffensive praktisch gestoppt ist,
00:12weil hier so viele russische Soldaten getötet wurden.
00:17Sie wissen inzwischen, dass sie hier schnell getötet oder verwundet werden, in großer Zahl.
00:23Könnte eine solche Todeszone auch für andere Länder ein brauchbares Verteidigungskonzept
00:28gegenüber einem aggressiven Russland sein?
00:31Vor allem Länder an der Ostflanke sollten darüber nachdenken, wie sie ihre Kampfkraft erhöhen können.
00:38Sehen wir uns noch einmal genauer an, was eine solche Todeszone ausmacht.
00:43Der Ukraine-Korrespondent der DW, Nick Konanly, war vor Ort.
00:47Die Todeszone verläuft beidseits der Frontlinie.
00:51Vor allem sehr billige Drohnen richten hier enormen Schaden an.
00:54Vor einigen Jahren, zu Beginn dieses Krieges, hatte sie vielleicht ein paar Kilometer Tiefe.
01:00Jetzt sind es 20 bis 30 Kilometer, je nachdem, wo man gerade ist.
01:06Das heißt also, 20 bis 30 Kilometer Drohnen verseuchtes Gelände auf beiden Seiten.
01:12Diese Karte gibt in etwa die umkämpfte Zone an der Front wieder.
01:16Genauer lässt es sich nicht sagen, denn die Drohnen und die Piloten sind ständig in Bewegung.
01:20Auf Satellitenbildern von der belagerten Stadt Pokrovsk sind überraschenderweise nicht allzu viele Soldaten zu sehen.
01:27Denn sie können sich in dieser Zone nur im Verborgenen bewegen.
01:31Auch Panzer und andere Fahrzeuge sind kaum zu sehen.
01:36Drohnen könnten sie viel zu leicht aufspüren und zerstören.
01:40Nick Konanly wagte sich kürzlich mit ukrainischen Soldaten in die Todeszone von Pokrovsk.
01:44Sie konnten nur bis hierhin fahren und mussten dann 15 Kilometer zu Fuß bis zu ihren Stellungen ganz in der
01:50Nähe der Russen gehen.
01:51Einer der Soldaten berichtete, was bei einem dieser Märsche passiert ist.
01:57Wir hatten das Auto beladen und waren auf dem Rückweg, als zwei Drohnen nur einen Meter entfernt einschlugen.
02:05Die Lage war völlig unübersichtlich.
02:07Russische Aufklärer waren bereits vor Ort.
02:11Wir versuchten uns die ganze Zeit im Schutz der Bäume aufzuhalten.
02:16Wir waren im Morgengrauen losgefahren und kamen erst in der Abenddämmerung zurück.
02:25Wenn man beide Seiten der Todeszone addiert, ergibt sich ein 50 bis 60 Kilometer tiefer Streifen entlang der 1200 Kilometer
02:33langen Front.
02:34Hier sind große konventionelle Operationen extrem schwierig, wenn nicht unmöglich.
02:40Es ist deshalb fraglich, ob eine Offensive und sogar ein Durchbruch durchführbar wären.
02:48Massive Angriffe mit Panzern und Panzerfahrzeugen wie zu Kriegsbeginn gibt es nicht mehr.
02:53Sie waren schon damals nicht sehr effektiv, jetzt sind sie es erst recht nicht.
02:58Heute sehen wir russische Soldaten in kleinen Gruppen zu Fuß, auf Quads oder Motorrädern, manchmal sogar zu Pferd, die versuchen,
03:04die Todeszone zu überwinden.
03:07Es besteht also inzwischen aus einer Vielzahl von Mini-Gefechten wie diesem, bei dem zwei russische Soldaten vor einer Bodendrohne
03:14kapitulierten.
03:16Manchmal summieren sich solche Mini-Gefechte und aus vorgeschobenen Positionen wird besetztes Gebiet.
03:22So behauptet Russland, dass es nach jahrelangen Kämpfen Pokrovsk erobert hat, das aber in einer Todeszone liegt.
03:30Zu Kriegsbeginn sah man Bilder der russischen Flagge über ukrainischen Städten, die im Fernsehen gezeigt und mit großem Tamtam inszeniert
03:38wurden.
03:39In der Version von 2025-26 sieht man nun diverse Clips von russischen Einheiten mit hochrangigen Besuchern aus Moskau,
03:48die durch die Ruinen von Pokrovsk rennen, eine Flagge hochhalten, sie aber nicht hissen können, ohne sich ständig umsehen zu
03:55müssen.
04:00Es ist deutlich schwieriger geworden, Gebiete zu halten und man hat die Stadt erst dann wirklich unter Kontrolle, wenn der
04:06Gegner 30, 40 Kilometer entfernt ist.
04:12Mindestens einen Vorteil hat die Ukraine durch die Todeszonen. Es fällt ihr leichter, Soldaten zu rekrutieren.
04:19Es ist viel einfacher, Menschen davon zu überzeugen, Drohnenpilot zu werden, als als Infanterist an vorderster Front zu kämpfen.
04:27Hier in der Ukraine kursieren herzzerreißende Geschichten von Soldaten, die in Unterständen festsitzen,
04:33manchmal nur einen Kilometer von den russischen Stellungen entfernt.
04:37Dort sind sie manchmal ein oder zwei Monate, manchmal noch länger, hunderte von Tagen.
04:43Man sieht dann die Gesichter dieser Menschen, die in kurzer Zeit um Jahre altern, aber es ist einfach zu gefährlich,
04:49sie herauszuholen.
04:50Es muss dann auf besonders schlechtes Wetter gehofft werden, dass russische Drohnen davon abhält, sie anzugreifen, um sie endlich zurückzuholen.
04:58Das alles ist nichts, das man jemandem schmackhaft machen kann.
05:05Wir haben Nico Lange vom Institut für Risikoanalysen und internationale Sicherheit gefragt,
05:10ob der Ukraine-Krieg für Russland wegen der Todeszone zu unkalkulierbar wird und zu Friedensverhandlungen führen könnte.
05:20Wladimir Putin hat die Absicht, den Krieg fortzusetzen, aber das verändert die Kriegsführung.
05:25Russland rückt nicht vor. Russland muss nun auch mit mehr Angriffen im eigenen Land rechnen.
05:32Russland hat finanzielle Probleme. Russland muss möglicherweise zu rabiateren Methoden der Rekrutierung greifen.
05:38Es braucht mehr Rekruten, kann sie sich aber eigentlich nicht leisten.
05:43So verschiebt sich das Kräfteverhältnis meiner Meinung nach langsam zugunsten der Ukraine
05:48und führt auf russischer Seite zu einem Dilemma, wie der Krieg weitergeführt werden soll.
05:52Ich würde aber nicht so weit gehen, zu sagen, dass all dies Putins Kalkulation ändern wird.
05:58Putin hat meiner Ansicht nach die feste Absicht, diesen Krieg fortzusetzen.
06:02Auch wenn er tödlicher wird und er mehr Soldaten verliert.
06:05Wir sollten uns darüber keine Illusionen machen.
06:10Viel hängt vom Verhalten von US-Präsident Donald Trump ab,
06:13der schon einmal die Weitergabe von Geheimdienstinformationen an die Ukraine gekappt hat.
06:17Problematisch könnte auch das Abschalten des Satellitennetzwerks Starlink sein.
06:21Deswegen arbeitet die Ukraine an einem eigenen Netzwerk für die Todeszone.
06:27Die meisten Informationen stammen von ukrainischen Aufklärungsdrohnen,
06:32die entlang der Front patrouillieren.
06:34Alle Daten werden in eine Gefechtsfeld-Management-Plattform namens Delta eingespeist,
06:40auf die viele europäische Länder neidisch sind.
06:43Diese Plattform verarbeitet alle Informationen von Drohnen, Satelliten und anderen Quellen,
06:48um den Kommandeuren am Boden zu zeigen, was passiert, wo sie welche Ressourcen haben
06:53und was die russische Seite macht.
06:56Mithilfe von KI wird zudem das russische Verhalten auf Basis bisheriger Erfahrungen prognostiziert.
07:02Die Ukraine hat noch einen Vorteil.
07:05Sie kann die meisten Technologien auf dem Weltmarkt kaufen und hier zusammenbauen.
07:09Sie ist nicht davon abhängig, dass Trump eine Exportgenehmigung erteilt
07:13oder das Rüstungsunternehmen langsam ihre Produktion hochfahren
07:17und dann noch Abnahmegarantien über Jahre hinaus fordern.
07:21Die Ukraine kann alles so passend und so schnell wie nötig selbst zusammenbauen
07:25und versuchen, innovativer zu sein als die russische Seite.
07:29Die Ukraine kann auf das IT- und KI-Know-how der ganzen Welt zurückgreifen.
07:34Der ukrainische Verteidigungsminister kommt aus der Tech-Branche.
07:37Er war Minister für digitale Transformation.
07:40Die Ukrainer versuchen dies alles als Chance für KI-Unternehmen weltweit zu verkaufen.
07:45Man sagt, wir bitten nicht um Daten, wir haben sie.
07:48Wir verfügen über riesige Datenmengen zur modernen Kriegsführung
07:51und genau diese Daten benötigen sie, um ihre Modelle zu trainieren.
07:57Könnte die Ukraine ihr Modell einer Todeszone in andere Länder exportieren,
08:01die sich von Russland bedroht fühlen?
08:02Es ist eine legitime Methode der Abschreckung.
08:08Dafür braucht man meines Erachtens bestimmte militärische Fähigkeiten.
08:13Günstige Munition, Lenkwaffen und Drohnen gehören definitiv dazu.
08:18Ebenso wichtig für eine funktionierende Todeszone
08:22ist eine hochentwickelte elektronische Kriegsführung.
08:25So etwas brauchen wir vor allem im Baltikum und überall an der Ostflanke.
08:35Aus dem System Todeszone lassen sich viele Lehren ziehen.
08:39Die vielleicht wichtigste ist jedoch die Einsicht,
08:41sich nicht länger auf das Gelände und die Zahl der Panzer zu fokussieren,
08:45sondern die Fähigkeit zu erhöhen,
08:47sofort eine sehr hohe Kampfkraft zu entfalten.
08:50Die außerdem der russischen Seite bewusst gemacht werden muss.
08:59Die baltischen Staaten arbeiten diesbezüglich bereits eng mit der Ukraine zusammen.
09:04Es ist aber vor allem für die mitteleuropäischen Länder wie Deutschland wichtig,
09:08diese Lehre ernst zu nehmen und sich keine Illusion darüber zu machen,
09:12wie man einen Krieg gegen Russland führen muss.
09:17Verändert die ukrainische Todeszone die Art und Weise,
09:20wie Regierungen und Armeen definieren, was ein Sieg ist,
09:23was es bedeutet, einen Krieg zu führen und zu gewinnen?
09:28Es geht nicht mehr um ausgefeilte Operationen und Taktiken.
09:32Es geht nur noch darum, so viele wie möglich, so schnell wie möglich zu töten.
09:40Länder mit bedrohlichen Nachbarn müssen sich möglicherweise genau auf diese extreme Brutalität vorbereiten
09:46und, falls nötig, entlang ihrer Grenze Todeszonen einrichten.
09:51Für die Ukraine könnte dies bedeuten,
09:54dass die Todeszone auf lange Frist zur faktischen Grenze wird
09:57und für Russland, dass es einen endlosen Krieg führen muss.
10:06Untertitelung des ZDF, 2020
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