00:03Heroes of Might and Magic ist zurück. Und wie. Am 30. April startet Olden
00:10Era in den Early Access, was euch in diesem Fall allerdings nicht groß abschrecken sollte. Denn
00:15das Gesamtpaket, das Ubisoft zusammen mit Hoded Horse und dem Entwickler Unfrozen hier schnürt,
00:20ist schon jetzt beeindruckend. Mehrere Spielmodi für Single und Multiplayer,
00:25viele handgefertigte Karten, etliche Szenarien, ein Hotseat-Modus, eine Rangliste,
00:30ein Karten-Editor und ein Zuschauermodus sind direkt Teil der Early Access-Version,
00:35die ihr über Steam oder auch von Tag 1 an im PC Game Pass bekommt.
00:40Noch nicht ganz fertig ist eigentlich nur die Kampagne, da bekommt ihr aktuell nur den ersten
00:46Akt, allerdings verschlingt allein der locker 15 Stunden. Ansonsten geht es den Entwicklern in
00:51erster Linie um das Balancing, wo tatsächlich noch die ein oder andere Schraube gedreht werden
00:56darf. Und auch das Interface könnte noch optimiert werden. Aber dazu gleich. Erstmal müssen wir
01:02darüber reden, was denn Olden Era überhaupt für ein Spiel ist. Bei Olden Era handelt es sich um ein
01:08Prequel zum ersten Heroes of Might and Magic aus dem Jahr 1995, wobei es sich spielmechanisch und
01:14optisch stark an den beliebten dritten Teil der Serie anlehnt. Habt ihr also schon mal ein Heroes of
01:20Might and Magic gespielt, werdet ihr euch hier sofort zurechtfinden.
01:26Zur Auswahl stehen euch zum Early Access-Start sechs Fraktionen. Die haben jeweils einzigartige
01:32Mechaniken sowie sieben Einheitentypen mit je zwei Spezialisierungsklassen. Der Tempel ist die
01:38klassische menschliche Fraktion und eine Art fanatische Kirchenorganisation, die die Sonne
01:44anbietet. Hier hebt ihr wie gewohnt sowas wie Ritter, Priesterinnen, Armbrustschützen und
01:49natürlich Engel aus. In der Nekropolis kommen die Untotenbeschwörer zusammen, die ihre gefallenen
01:55Feinde in ihre eigenen Reihen aufnehmen. Hier befähigt ihr Horden von Skeletten und Vampire. Der
02:02Hain bietet den naturnahen Kreaturenschutz, darunter elfenartige Faun, Droiden und Phönixe. Diese Fraktion
02:09eignet sich unter anderem dazu, besonders starke Magie einzusetzen. Bei der Dungeon-Fraktion kommen
02:16vielfältige, mythische und besonders starke Wesen zusammen, etwa Minotauren, Dunkelelfen,
02:21Medusen und Drachen. Ihre Helden können in jeder Runde zwischen Boni auf Angriff, Abwehr oder Magie
02:27wechseln. Das Schisma ist eine Abspaltung der Dungeon-Fraktion, die ihr euch wie eine Art Unterwasser-Cthulhu-Fraktion
02:34vorstellen könnt. Hier liegt der Fokus auf den besonderen Fähigkeiten der einzelnen Truppentypen,
02:39die das Geschehen auf dem Schlachtfeld stärker als bei anderen Fraktionen situativ beeinflussen
02:44können. Und zu guter Letzt der Schwarm ersetzt die typische Dämonen-Fraktion. Hier befähigt ihr
02:51über höllische Insektenhorden, die vor allem aus Nahkämpfern bestehen. Insgesamt bieten die
02:56Fraktionen viel Abwechslung, sie gehören teilweise aber nicht zum spannendsten, was die Marke bislang
03:01herausgebracht hat. Feurige Insekten sind halt einfach nicht so cool wie Dämonen. Und auch
03:07beim Hain und dem Schisma fehlen uns ein paar richtig beeindruckende Einheiten. Aber das ist
03:13Meckern auf hohem Niveau. In der Regel startet ihr nun eine Partie mit einer Stadt und einem Helden,
03:18der bereits ein paar Soldaten und Kreaturen befähigt. Diese Armee bewegt ihr über die Weltkarte und sammelt
03:24dabei Gold und Ressourcen für den Bau neuer Gebäude in der Stadt und für die Rekrutierung weiterer
03:29Einheiten. Außerdem findet ihr in der Welt noch vieles mehr, darunter Ausrüstungsgegenstände und
03:35Buffs für den Helden oder Lager, in denen ihr zusätzliche Truppen anheuern könnt. Das meiste
03:41davon wird allerdings von neutralen Monsterhaufen bewacht, denen ihr genau wie euren normalen
03:46Gegenspielern in Hexfeld Taktikkämpfen begegnet. Darin nutzt ihr dann eure Armeen sowie eine ganze
03:52Latte an Zaubern. Sowohl die Kampfstärke der Kreaturen als auch die Wirkungskraft der Zauber wird
03:58dabei von den Werten und Spezialisierungen des Heldenanführers beeinflusst, die ihr bei
04:03Stufenaufstiegen auswählt. So lassen sich Helden heranzüchten, unter deren Führung eure Armeen
04:08extrem viel aushalten oder zum Beispiel besonders viel Moral und Glück haben. Das erhöht die Chance,
04:14dass eine Einheit zweimal in der Runde zuschlagen darf oder sie einen kritischen Treffer landet.
04:19Spezialisiert ihr den Helden dagegen auf Zauberkraft und Mana, könnt ihr nicht nur mehr Sprüche pro Runde
04:25wirken, sondern auch wesentlich mächtigere Versionen davon, die teilweise ganze Armeen
04:30im Alleingang vernichten können. Neu steht dazu ein großes Repertoire an unterschiedlichen Zaubern
04:35zur Verfügung. Neben direktem Schaden könnt ihr auch die Gegner schwächen oder eure eigenen Truppen
04:41schützen oder stärken oder ihnen zum Beispiel zusätzliche Initiative geben, damit sie früher im
04:46Kampf drankommen. Das Magie-System ist also vielseitig und gelungen. Nur das zugehörige Menü ist
04:53ziemlich unübersichtlich. Wo ihr welche Zauber findet und wann die wirklich zur Verfügung
04:58stehen, müsst ihr auf die harte Tour lernen. Auch dass sich die Sprüche individuell aufwerten
05:03lassen, geht leicht unter. Generell macht es einem das Interface oft nicht leicht, bestimmte
05:09Informationen zu finden, auch weil die Tooltips keiner einheitlichen Regel folgen. Manchmal reicht
05:15das Drüberhavern über bestimmte Elemente, manchmal müsst ihr zusätzlich die Umschalttaste drücken und
05:20oft genug bekommt ihr zwar Informationen zu einem Begriff, aber nur in bestimmten Menüs und nicht
05:25überall, wo der Begriff auftaucht. Das ist jetzt kein Dealbreaker, weil das Gameplay im Großen und
05:31Ganzen recht intuitiv ist, es wäre aber gut, wenn die Entwickler sich da im Early Access nochmal
05:36ransetzen würden. Die meiste Zeit werdet ihr aber sowieso mit den Taktikkämpfen verbringen,
05:41die wieder super geschmeidig von der Hand gehen. Genau wie früher sind die wieder auf Effizienz und weniger
05:47auf taktische Meisterleistungen ausgelegt. Statt also komplexe Synergieeffekte, Kontrollzonen oder
05:53Geländevorteile auszunutzen, kommt es in Olden Era mehr darauf an, Schaden bei den eigenen Truppen
05:58zu vermeiden und einzelne Feindestruppen möglichst schnell aus der Gleichung zu nehmen. Denn im Gegensatz
06:04zu anderen Spielen mit Taktikkämpfen wie Age of Wonders 4 oder Spellforce Conquest of Io verlieren eure Kämpfer
06:10bei einem Treffer nicht nur Lebenspunkte, sondern einen Teil der Truppen ihres Einheitenstapels. Daher ist immer
06:16extrem wichtig, wer zuerst zuschlägt. Denn ein bereits geschwächter Gegner teilt dann selbst
06:22weniger Schaden aus. Und umso weniger Truppen ihr in einer Schlacht verliert, desto schneller wächst
06:28eure Armee zu einem Punkt, wo sie kaum noch aufzuhalten ist und neutrale Gegner einfach
06:32davonlaufen. Wie früher in Heroes of Might and Magic führt das auch in Olden Era wieder zu einem
06:39starken Snowballing. Besiegt ihr im klassischen Modus einmal die Hauptarmee des Gegners, habt ihr eigentlich
06:45schon gewonnen und arbeitet dann nur noch die Karte ab. Dieses Prinzip gehört allerdings auch
06:51irgendwie zur Reihe dazu und ist zum Teil der Grund, warum sich so ein angenehmer Flow beim Spielen
06:57einstellt. Zum einen bleibt das Kampfsystem dadurch nämlich relativ simpel. Ihr müsst nicht erst ewig
07:03grübeln, wie ihr einen Kampf gewinnen könnt. Die mentale Anstrengung hält sich also in Grenzen,
07:08sobald ihr einmal eure Fraktion verstanden habt und euch eine Hauptstrategie zurechtgelegt habt.
07:14Zum anderen fördert das Prinzip die Power-Fantasy des Überrollens, das ihr bestimmt auch aus anderen
07:20Spielen und Genres kennt. In Rollenspielen zum Beispiel haben viele Spieler großen Spaß daran,
07:26wenn sie nach langem Grind so übermächtig werden, dass die Gegner nur noch so wegplatzen.
07:32Übertragen auf Strategiespiele gilt dasselbe. Und auch Olden Era ist wieder besonders gut darin,
07:38dieses Gefühl zu bedienen. Obwohl der Genre-Mix aus Rollenspielaufbau und Taktekämpfen also im
07:45ersten Moment recht komplex wirkt und auch durchaus viele Subsysteme aufweist, geht das Gameplay doch
07:51locker von der Hand. Da es gleichzeitig ständig zu interessanten, kleinen Entscheidungen bei der
07:56Bewegung auf der Weltkarte, bei Upgrades und der Ausrüstung kommt, spielt sich Olden Era aber auch
08:01nicht wie auf Schienen. Das Spielprinzip findet also wie früher eine angenehme Mischung, die uns
08:07beim Testen sofort wieder viele, viele Stunden eingesogen hat. Allerdings entstehen durch diesen
08:14Ansatz wieder altbekannte Schwächen, unter denen die Spannung leidet und an denen auch Olden Era nichts
08:20ändern kann. Zumindest in normalen Partien wiederholen sich da die immer gleichen Muster. Habt ihr einmal
08:26eine starke Hauptarmee, die es mit der größten KI-Truppe aufnehmen kann, besteht der Rest nur
08:31noch aus Abarbeiten. Es gibt hier keine Comeback-Mechaniken oder ein Counterplay gegen eine
08:36Übermacht. Auch der Heimvorteil in befestigten Städten spielt fast keine Rolle. Besonders bemerkbar
08:43macht sich das bei den noch nicht ideal austarierten Schwierigkeitsgraden. Noch auf Normal sind wir nie
08:48groß in Gefahr. Wir haben Zeit, uns aufzubauen und dann nach und nach alle Feinde auszuschalten. Das ist an
08:55sich durchaus befriedigend, ein bisschen mehr hin oder her wäre aber wünschenswert vor allem,
09:00damit ein gewisser Wiederspielwert erhalten bleibt. Aktuell entsteht der mehr durch die
09:05unterschiedlichen Karten als durch das, was dann eigentlich durch die KI passiert. Als wir dann
09:10aber den Schwierigkeitsgrad um eins hochdrehen, steht nach der Anfangsphase direkt eine nicht zu
09:15besiegende Armee vor der Tür. Denn nicht nur befädigt der Gegner auf einmal deutlich mehr und
09:20höherstufige Einheiten, der Held hat auch noch so hohe Angriffs- und Abwehrwerte, dass unsere
09:26Kreaturen kaum noch Schaden austeilen, aber wie die Fliegen umfallen. Selbst eine taktische
09:32Meisterleistung macht da einfach keinen Unterschied mehr. Erfahrene Spieler werden mit etwas Übung und
09:38einem guten Verständnis der eigenen Fraktionen von vornherein eine stärkere Armee aufstellen können als
09:44wir in diesem Beispiel und den Angriff dann vielleicht abhalten können. Doch dass es überhaupt so plötzlich
09:49Momente gibt, in denen eine Partie ohne jede Reaktionschance einfach vorbei ist, das macht
09:55keinen großen Spaß. Genau dieses Problem verfolgt aber die Spielformel von Heroes of Might and Magic
10:00schon seit jeher und ist jetzt auch in Olden Era wieder genauso. Die meisten normalen Partien enden
10:07dementsprechend in einem Schaulaufen oder hoffnungslosem Untergang. Allerdings gilt diese Kritik nur für den
10:14normalen Modus. In der hervorragenden Kampagne und den kreativen Szenarien, die noch außenrum
10:20dazugestrickt sind, sieht das ganz anders aus. Allein in den ersten Akt der Kampagne haben wir
10:26an die 20 Stunden gesteckt und waren durchwegs top unterhalten.
10:30Warum würden die Woods-Dwellers trouble uns?
10:33Weil wir die Dominion von Alvar serveen. Und die Dominion hat viele Jahre
10:39von Disagremen mit den Murmur-Woods. So, wenn wir mit ihnen clashen,
10:43ich würde es mit den Tempel-Support tun.
10:46Clash? Nein, wir wollen nicht harm auf die Gröhung-Creaturen. Wir breathieren in
10:51unison. If we must pick a side, let's pick a side mit den Woods.
11:12Zwar sind die Erzählsequenzen zwischen den Einsätzen recht spartanisch inszeniert und leider auch nur auf
11:19Englisch vertont. Die Missionen selbst sind aber sehr abwechslungsreich und interessant gestaltet.
11:25Dazu gehört auch, dass ihr immer wieder echte Entscheidungen treffen müsst. Grundsätzlich dreht
11:30sich die Handlung nämlich darum, dass das mächtige Imperium von Alvar, das der Dungeon-Fraktion entspricht,
11:37euch ausschickt, um Gerüchten einer Katastrophe im Gebiet des Tempelordens nachzugehen. Da die Völker des
11:43Kontinents Shaddam, aber alle mehr oder weniger miteinander verfeindet sind, müsst ihr mehrmals
11:49wählen, wem ihr helfen wollt und wen ihr euch dafür zum Feind macht. Die Handlung scheint sich
11:54basierend darauf nicht grundlegend zu ändern, ihr startet aber je nachdem unterschiedliche
11:59Missionen und beeinflusst, wie sich manche Einsätze im Detail abspielen.
12:04Und zum Kontext, Olden Era ist wie schon erwähnt ein Prequel. Das heißt, es geht zurück nach Enroth,
12:11also auf einen Planeten, auf dem schon die ersten drei Heroes-Teile sowie mehrere Vertreter der
12:16ursprünglichen Might & Magic-Rollenspielreihe angesiedelt sind. Besonders bemerkenswert ist
12:21daran, dass Ubisoft damit eine Rolle rückwärts macht. Denn als die Marke mit Heroes of Might & Magic
12:275 an die Franzosen überging, wurde das Universum eigentlich rebooted. Olden Era kehrt jetzt
12:33jedoch zum alten Kanon zurück. Dem durchschnittlichen Spieler wird das vermutlich gar nicht auffallen,
12:39denn auch der hier dargestellte Continent Sharnam ist wieder wie gewohnt von Menschen, Elfen,
12:44mythischen Fabelwesen, Nekromanten und anderen Finsterlingen bewohnt, die sich gegenseitig
12:50die Köpfe einschlagen. Und mal ehrlich, wer kennt sich schon wirklich mit der Might & Magic-Lore aus?
12:56Spielmechanisch führt Olden Era zwei echte Neuerungen ein. Einheiten generieren im Kampf durch Angriffe
13:02oder wenn sie Schaden einstecken, Fokuspunkte. Das ist diese orange Leiste hier unten. Mit dem
13:09Fokus könnt ihr die speziellen Einheitenfähigkeiten einsetzen oder einmal pro Runde einen Heldenschlag
13:15ausführen. Einige Stufenaufstiegsspezialisierungen erhöhen diese Generierung, was euch zusätzliche
13:21Möglichkeiten auf dem Schlachtfeld bietet. Und ebenfalls neu sind Gesetze. Ihr könnt in euren
13:27Siedlungen neben Gold auch Rechtspunkte generieren. Die gebt ihr dann für Gesetze aus, die eurer
13:33Fraktion spezielle Boni gewähren. Das ist also kein komplexes neues Spielsystem, sondern schlicht
13:39ein weiterer Weg, um stärker zu werden. An sich ist das ein nettes Extra, weil ihr vor allem zu
13:43Beginn entscheiden müsst, ob ihr lieber mehr Gold für mehr Truppen einnehmt oder früh in die eher
13:48langfristig sinnvollen Gesetze investiert. Insgesamt verstärken diese durchaus starken Vorteile
13:54allerdings das Snowballing. Denn besitzt ihr mehr Städte, produziert ihr auch mehr Rechtspunkte
13:59und bekommt so noch mehr Vorteile, wenn ihr ohnehin schon vorne seid. Nichts auszusetzen
14:05haben wir dagegen bei der Grafik, die es schafft, gleichzeitig Nostalgie zu wecken und trotzdem
14:11modern zu sein. Zum Beispiel könnt ihr jetzt stark hereinzoomen und die glitzernde und bunte
14:16Welt bewundern. Schaut ihr mal in Ruhe und genauer hin, zeigen sich da auch viele kleine Gimmicks.
14:22So zum Beispiel diese Kuh mit Pilzen drauf. Alles in allem ist Olden Era also eine rundherum
14:30gelungene Wiederbelebung dieser großartigen Strategiespiel-Serie. Zwar fällt das Spiel nicht
14:36durch großen Mut auf, hat aber definitiv verstanden, was Heroes of Might and Magic ausmacht. Und genau
14:43deshalb bekommt es von uns auch trotz kleinerer Mängel eine klare Empfehlung, auch schon jetzt im Early Access.
14:49Und damit vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
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