00:011966 war ein Jahr im Spannungsfeld großer Umbrüche.
00:06Kalter Krieg, Vietnam, gesellschaftliche Aufbrüche und neue Protestbewegungen bestimmten die Schlagzeilen.
00:13Während politisch vieles in Bewegung gerät, entwickelte sich auch die Popmusik rasant weiter.
00:19Beat, Soul und frühe Popproduktionen prägten den Sound einer Generation.
00:25Internationale Stars lieferten Ohrwürmer, die bis heute nachhallen.
00:30Gleichzeitig erlebte auch der deutsche Schlager eine Hochphase.
00:35Zwischen Aufbruchsstimmung und Alltagsflucht boten diese elf Hits von 1966 genau das, was viele suchten.
00:44Eingängige Melodien, große Gefühle und ein Stück Leichtigkeit in bewegten Zeiten.
01:06Nummer 1
01:07Yellow Submarine von The Beatles
01:15Ein Lied wie ein Kinderzimmer voller Farben. Und doch viel mehr als das.
01:19The Beatles kombinierten hier zwei Ideen von Paul McCartney und John Lennon zu einem der eingängigsten Refrains der Popgeschichte.
01:28Offiziell ein Kinderlied, zumindest laut McCartney.
01:31Tatsächlich aber auch ein Blick auf die Band in ihrer eigenen kleinen Welt.
01:421966 hatten die The Beatles gleich mehrere große Hits. Doch Yellow Submarine war neben Michelle oder Paperback Writer der größte.
01:51Fünf Wochen auf Platz 1 in Deutschland. In Großbritannien wurde die Single zudem zum meistverkauften Hit des Jahres.
01:58We all live in a yellow submarine. Yellow
02:03Nummer 2
02:05These Boots are made for walking von Nancy Sinatra
02:09You keep saying you got something for me
02:15Ein Song, der vor unterschwelliger sexueller Spannung knistert und genau daraus seine Kraft zieht.
02:22Die bis dahin erfolglose Nancy Sinatra, Tochter von Frank, bekam diesen Titel nicht einfach serviert.
02:29Sie hatte ihn sich erkämpft. Geschrieben von Lee Hazelwood, der ihn ursprünglich selbst singen wollte.
02:36Bis Sinatra darauf bestand, genau diesen Männersong zu übernehmen.
02:46Musikalisch trägt dieser legendäre Basslauf den ganzen Song. Eingespielt von der Wrecking Crew in einem Take.
02:54Kein Schnickschnack, kein Zurückrudern und weltweit auf Platz 1.
02:59Aus der erfolglosen Sinatra-Tochter wurde für einige Jahre ein Superstar und Teenie-Idol.
03:05Seite an Seite mit ihrem Vater, denn Frank hatte fast zeitgleich ebenfalls einen Welthit.
03:17Nummer 3
03:18Strangers in the Night von Frank Sinatra
03:27Und es war ein Welthit aus Deutschland.
03:30Und ausgerechnet einer, den Frank Sinatra selbst nie besonders mochte.
03:35Die Melodie stammt von Bert Kempfert, einem der ganz wenigen deutschen Songwriter mit globalem Durchbruch in dieser Zeit.
03:43Sinatra dagegen machte sich später gern über das Stück lustig, zog Grimassen über das Doobie-Doobie-Doo und hielt es
03:50für unter seinem Niveau.
03:52Something in your eyes was so exciting
03:57Kempfert erwähnte er dabei so gut wie nie. Anders als die großen Namen des Great American Songbook.
04:03Genützt hat es nichts. Strangers in the Night wurde sein größter Hit.
04:08Stand praktisch weltweit auf Platz 1 und entwickelte sich zu einem der meistgecoverten Songs überhaupt.
04:15Strangers in the Night
04:20Nummer 4
04:21Sloop John B. von The Beach Boys
04:30Urlaubssound? Von wegen.
04:32The Beach Boys nehmen ein altes bahamaisches Volkslied und drehen es ins Gegenteil.
04:37Sloop John B. erzählt von einer komplett aus dem Ruder gelaufenen Reise.
04:41Betrunkene Crew, Chaos an Bord und mittendrin der verzweifelte Wunsch
04:47I wanna go home.
04:54Brian Wilson formt daraus 1966 einen der raffiniertesten Pop-Songs seiner Zeit.
05:01Mit Flöten, Glockenspiel und diesen makellosen Harmonien.
05:06Klingt sonnig, ist aber eigentlich eine kleine Katastrophengeschichte.
05:10Genau dieser Bruch macht den Reiz aus.
05:18Nummer 5
05:19Monday Monday von The Mamas and the Papas
05:23Der Wochenstart hatte selten einen besseren Soundtrack.
05:32The Mamas and the Papas verbinden bei Monday Monday strahlende Harmonien mit einer ziemlich ernüchternden Botschaft.
05:39Denn hinter dem sonnigen Klang steckt Misstrauen.
05:42Can't trust that day.
05:44Nichts ist sicher.
05:45Schon gar nicht Beziehungen.
05:46Monday Monday
05:50Can't trust that day.
05:51Der Montag wird zum Symbol für alles, was kippen kann.
05:55Ohne Vorwarnung.
05:56Genau dieser Kontrast macht den Song so stark.
05:59Außen leicht, innen ziemlich bitter.
06:01Interessant dabei, der Song erschien 1966, also kurz vor dem Summer of Love.
06:13Nummer 6
06:15Get Off of My Cloud
06:16Von The Rolling Stones
06:24Genervt, angefressen, auf Krawall gebürstet.
06:28Die Rolling Stones lieferten hier die Antwort auf den eigenen Megaerfolg.
06:32I can't get no satisfaction.
06:34Kaum war der Hit draußen, klopfte die Welt schon nach dem nächsten.
06:38Und genau daraus entstand dieser Song.
06:46Mick Jagger formuliert das als Trotzreaktion auf eine Gesellschaft, die ihm zu eng erschien.
06:52Musikalisch treibt der Song nach vorne, mit diesem ungewöhnlich durchgehenden Drum-Pattern von Charlie Watts, das kaum Luft lässt.
07:04Nummer 7
07:05Ganz in Weiß von Roy Black
07:13Während draußen Gitarren kreischten und der Beat die Charts überrollte,
07:17kam Roy Black mit einer Hochzeit in Weiß um die Ecke
07:21und traf damit mitten ins Herz eines Millionenpublikums.
07:25Ganz in Weiß wirkt fast wie ein trotziges Gegenprogramm
07:28zur wilden Zeit.
07:29Maximal romantisch, maximal geschnägelt, maximal Schlager.
07:34Rund 2,5 Millionen Singles wurden verkauft.
07:38Es gibt nichts mehr, was uns beiden trennen könnte.
07:43Sehr zum Leidwesen seines Protagonisten.
07:46Roy Black, bürgerlich Gerhard Höllerich, war ursprünglich mit Beatmusik gestartet
07:51und hoffte auf anderes Repertoire als solche tränenreichen Schnulzen.
07:55Doch genau darauf blieb er festgelegt, bis zu seinem frühen Tod 1991.
08:01Und das Ironische daran, er sang diese Lieder schlicht zu gut.
08:06Ja, dann reisch du mir die Hand und tu's...
08:11Nummer 8
08:13Marmor, Stein und Eisen bricht von Drafi Deutscher
08:22Hier knallt es sofort.
08:25Drafi Deutscher gringt ordentlich Beat in den Schlager
08:27und das war damals alles andere als selbstverständlich.
08:31Marmor, Stein und Eisen bricht ist simpel, direkt und zündet auf Anhieb.
08:36Der Refrain sitzt nach Sekunden und lässt sich kaum abschütteln.
08:45Heute ein Evergreen auf Schlagerpartys und hemmungslosen Mitgrölabenden.
08:50Damals jedoch erstaunlich innovativ im deutschen Pop.
08:53Genau diese Mischung aus Druck, Tempo und Eingängigkeit
08:56machte den Song damals so groß.
08:59Ein Titel, der den Schlager ein Stück weit nach vorne geschoben hat.
09:03Marmor, Stein und Eisen bricht ab.
09:08Nummer 9
09:10100 Mann und ein Befehl
09:12Von Freddie Quinn
09:13Hier wird der Ton plötzlich ernster.
09:22Freddie Quinn landete mit 100 Mann und ein Befehl
09:26einen der ungewöhnlichsten Hits des Jahres.
09:29Die Vorlage kam aus den USA
09:31The Ballad of the Green Berets von Barry Sadler.
09:34Dort eine patriotische Hymne und Millionenzeller.
09:38Das weit von hier
09:41Der Vollmond scheint
09:43Zeilen wie
09:44Und ein Weg, den keiner will
09:47oder
09:47Verbranntes Land
09:48Und was ist der Sinn
09:50geben dem Ganzen eine andere Färbung.
09:53Genau diese Mischung aus
09:54Pflichtgefühl und leiser Skepsis
09:57traf einen Nerv.
09:58Der Song wurde ein Nummer 1 Hit.
10:01Parallel schaffte es auch Heidi Brühl
10:03mit ihrer Version in die Charts.
10:04Und die Welt
10:06Ist doch so schön
10:10Nummer 10
10:11Yesterday Man
10:13von Chris Andrews
10:15I'm her Yesterday Man
10:19Come on, friend
10:20Der klingt sofort nach Hit.
10:22Ohne Wenn und Aber.
10:24Chris Andrews trat hier aus der Songwriter-Ecke ins Rampenlicht,
10:28nachdem er zuvor etliche Erfolge für Sandy Shaw oder Adam Faith geschrieben hatte.
10:33Yesterday Man mischt britischen Pop mit einem damals noch ungewohnten Ska-Groove,
10:38der sofort ins Ohr geht und dort bleibt.
10:41I am a Yesterday Man
10:44I am a Yesterday Man
10:44I am a Yesterday Man
10:46I am a Yesterday Man
10:46I am a Yesterday Man
10:47Der Song schoss in mehreren Ländern an die Spitze, auch in Deutschland
10:50und entwickelte sich zum Dauerbrenner.
10:53Kein Wunder, dass Andrews das Stück später auf jeder Oldie-Bühne wieder und wieder bringen musste.
10:58I'm her Yesterday Man
11:04Nummer 11
11:05Spanish Eyes von Al Martino
11:13Zum Schluss noch ein Hauch von Fernweh und großer Geste.
11:18Al Martino macht Spanish Eyes zu einer Hymne der Sehnsucht.
11:22Die Melodie stammt erneut von großen Bert Kempfert, damals einer der wenigen Weltstars made in Germany.
11:35Und dann ist da diese operettenhafte Stimme Martinos, die jedes Quäntchen Pathos auskostet
11:42und den Song zur ultimativen Schnulze seiner Zeit macht.
11:46Der Song wurde unzählige Male gecovert
11:49und gehört bis heute zu den bekanntesten Standards seiner Zeit.
11:53Ein Klassiker, der nie ganz verschwindet und immer wieder neu entdeckt wird.
12:03Das Jahr 1966 war nicht nur ein Kapitel voller historischer Umbrüche,
12:10sondern auch ein goldenes Meilenstein der Musikgeschichte.
12:13In diesem Jahr entstanden unvergängliche Melodien, die zu einer Brücke zwischen den Generationen wurden.
12:20Diese elf Songs sind perfekte Puzzleteile, die eine glanzvolle, aber auch tiefgründige Zeit der deutschen Musikcharts widerspiegeln.
12:29Ich hoffe, diese Zeitreise hat euch wunderbare Gefühle und Emotionen beschert.
12:35Unterstützt uns gerne weiter mit einem Like und einem Abonnement des Kanals.
12:39Es kostet nichts, bedeutet uns aber sehr viel.
12:42Bis bald und auf Wiedersehen!
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