00:11So, schön, dass ihr da seid.
00:18Okay, hat jeder was?
00:20Sehr gut.
00:24Vielen Dank, vielen Dank.
00:28Kurz zu mir.
00:30Im Jahr 68, 30. Dezember, erblickte ich das Licht der Welt.
00:34Meine Eltern wünschen sich nach zwei Söhnen, rund acht Jahre später, als letztes Netzhäkchen, am besten ein Mädchen.
00:40Doch dann kam ich und war ich auch nicht ganz nach Wunsch.
00:42Sie sahen mich und strahlten und nahmen's mir nicht krumm, denn sie sagten sich, was auch passiert hat, ein Grund.
00:47Und das Wichtigste ist doch, das Kind ist gesund.
00:50Auch wenn die ersten Jahre prägend waren, kann ich dazu nur herzlich wenig sagen.
00:54Ist die Erfahrung zwar noch immer tief im Hintern vergraben, meine Erinnerung beginnt im Kindergarten.
00:59Ich dank der Tante von damals, die Jahre danach noch zu anderen gesagt hat.
01:04Der D war ein Liebeskind, weil ich mich auch deshalb fast täglich noch frag, ob ich das tief im Hintern
01:08noch immer geblieben bin.
01:10Ich weiß bis heute nicht, wurde ich nur so erzogen oder nur freundlich auf den Wegen nach oben.
01:15Ihr Mama freut sich, denn ihr Sohn ist so nett, sagte sie deutlich, aber ohne ihn's lobe.
01:20Damn, denn wenn ich jetzt daran denk, war die Liebe der Familie echt ein Riesengeschenk.
01:24Inzwischen ist Paar tot und Mama schon so dement, dass sie wohl bald den eigenen Sohn nicht mehr kennt.
01:29Damn, doch ehe ich hier die Krise kriege, ehe die Stimmung kippt, weil ich nen Depressiven schiebe.
01:34Ehe ich mich darin verliere, mit immer ernsterer Miene, erzähl ich lieber die Geschichte meiner ersten Liebe.
01:39Am Anfang fand die Mädchen doof, doch das änderte.
01:41Meine erste große Liebe Silke Hämmerle, bis dann, als ich bei ihr im Hof ans Fenster hämmerte.
01:46Und sie mich hängen ließ, mein erstes Mal nicht happy endete.
01:49Wir waren noch Kindergartenkinder, darum war's nicht lange schlimm, doch warum ich mich noch erinnere, kann ich sagen.
01:53Denn wie immer ist der erste Schnitt der tiefste, denn egal was wir erleben, die Erfahrung garantiert beim ersten Mal
01:58die intensivste.
01:59Ab da gab es, darum sprach ich mir die Namen zu sagen.
02:01Viele Damen, die mir in den nächsten Jahren näher kamen, doch erst wollte es mir nicht glücken, die Gefühle auszudrücken.
02:06Und dann bekam ich auch noch Akne im Gesicht und auf dem Rücken.
02:09Damn, obwohl, wenn ich jetzt daran denk, dann war die Akne vielleicht mehr als nur ein mieses Geschenk.
02:14Denn so entwickelte ich früher auch ein gewisses Talent, in anderen mehr zu sehen, als man am ersten Blick erkennt.
02:19Was mich zum nächsten Kapitel bringt, von dem ich ein Viertel bin, doch das würd ich gern überspringen, wenn ihr's
02:23mir nicht übel nehmt.
02:24Nicht, weil's nicht wichtig ist, nein, weil ich denk, ich könnt euch nichts erzählen, was ihr nicht eh schon kennt.
02:29Und doch nur für den Fall, dass ihr, wer keine Ahnung hat, sag ich zu Fanta 4 noch ein Satz.
02:34Wir sind am Boden geblieben, haben nie übertrieben deutschen Hip-Hop erfunden und Geschichte geschrieben.
02:39Damn, auch sag ich meinen Lieben, meiner Frau, meinen Kindern, meiner ganzen Familie, was sie für mich ist und was
02:45sie mir gibt zu einer anderen Zeit in einem anderen Lied.
02:48Denn erstmal rappte ich solo, um mich selbst zu beweisen, lebte ein Jahr im Homo, um die Welt zu bereisen.
02:53Bis zur Gründung der modernen Anstall, rigoroser Spacker, ne Kommune in der Eifel, quasi mitten auf dem Acker.
02:5815 Freaks, viel Musik und den ganzen Tag Spaß, den Weltfrieden als Ziel, ja man, das war der Mars.
03:03Ab da gab es Party, Lektionen in Demut, Session mit Fantas und Rock mit Son Goku.
03:08Gut, dann hat Peter eingeladen, in die Staaten zu kommen, zu einer Gala, auf Wunsch, auch mit ein paar meiner
03:13Jungs.
03:13Wir machten uns auf den Weg, ich, Bertil und Komi, in die Stadt, die nie schläft.
03:17Da, wo immer was los ist, in New York angekommen, sag ich dann zu den Homies.
03:21Bis hier ist irgendwas komisch und das meine ich ironisch, denn wenn man einmal versteht, dass hier alles nur Show
03:25ist,
03:26wirkt America's Great irgendwie auch bedrohlich.
03:28Und obwohl ich noch sag, als die Wege sich trennen, wenn Babylon fällt, fängt die Welt an zu brennen.
03:33War uns allen nicht klar, war für keinen zu erkennen, am nächsten Tag war 9-11.
03:37Damn, ich weiß noch immer, wo ich war, als ich die Bilder dieser Riesenkatastrophe sah.
03:43Und heute seh ich zurück und dann denk ich mir krass, wie tatsächlich mit der Zeit jedes Ereignis verblasst.
03:57Aber mein härtestes Erlebnis begegnete mir in Thailand über Weihnachten 2004,
04:03hatte das erste Mal auf Reisen die Familie dabei.
04:05Wir waren noch nicht lange drei, doch doch noch nicht einmal zwei.
04:08In Kaulack, genau gesagt, in einem Haus hinterm Strand, am Tag, als draußen auf dem Meer die See zu beben
04:12begann.
04:12Da war als erstes ganz leise, dann lauter zu hören.
04:15Ein Sound, der sich aufbaut, vom Rauschen zum Dröhnen.
04:18Und ich frag, diese Töne in den Peitschen, in Wellen, sind das Kreischen, im Irren oder Schreien?
04:22Da Menschen, die durchs Fenster, die ersten wegrennen.
04:24Doch weswegen erkenne ich erst bei den Nächsten, denn die Rennung im Leben.
04:27Tina, öffne die Tür, Mia in meiner Hand.
04:30Und wir sehen Richtung Meer, doch da, wo eben auf Strand steht, eine einzige Welle.
04:33Wie eine riesige Wand, da sind auch wir um unser Leben gerannt.
04:36Doch nicht klar, da hat das Wasser uns erfasst, mit Gerissen getrennt.
04:40Und ich sehe meine Liebe zwischen Stämmen eingeklemmt.
04:42Unsere Tochter ist bei mir mit ihrem Arm in meiner Hand.
04:45Und ich halte sie nach oben, hoffend, dass sie atmen kann.
04:47Dann bin ich so lang unter Wasser, bis ich denke, das war's.
04:50Seh, mein Ende ist nah, schwebt in Lebensgefahr.
04:52Und ohne Panik oder Angst, zieht noch ganz nebenbei meine ganze Vergangenheit an mir vorbei.
04:57Damn, aber wir haben überlebt.
04:59Doch da ein Manches noch jagt, nachdem man es übersteht.
05:02Und war die Zeit danach auch alles andere als wunderbar.
05:05War uns dennoch klar, dass es ein Wunder war.
05:07Dann kam ne Dreckspandemie, ein Krieg in Europa.
05:10Die Fantas wären 40 und ich ein Rap-Opa.
05:12Ich hab Freunde verloren und zu Grabe getragen.
05:14Bin halb taub auf den Ohren.
05:16Aber lasst mich noch sagen, selbst wenn jetzt einer denkt.
05:18Nach dem halben Jahrhundert.
05:19Alter, mach doch mal langsam.
05:21Junge, komm doch mal runter.
05:22Ich bin immer noch Spack.
05:23Ja, ich bin immer noch Freak.
05:24Weil ich noch immer das mach, was ich schon immer so liebe.
05:27Ich danke jedem im Saal für die vergangenen Jahre.
05:29Und ich hebe mein Glas auf jene, die wir noch haben.
05:32Aber ich trinke vor allem am Ende der Rede.
05:34Auf euch, meine Freunde.
05:36Vielen Dank, was im Leben.
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