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00:00Boah, Lakritze.
00:02Cool.
00:03Banane gilt als Obst.
00:08Solche Schmandbonbons habe ich als Kind selbst hergestellt.
00:12In so einem Geschäft werden viele Erinnerungen wach
00:15an die gemischte Tüte nach dem Schwimmen
00:17mit weißen Mäusen und Lakritzschnecken
00:19und natürlich Brausetabletten.
00:22Zucker kann das Leben versüßen.
00:24Zucker kann Leben zerstören.
00:26Zucker ist meine absolute Lieblingsdroge.
00:29Ich habe mich vor einer Live-Sendung
00:31immer mit Schokolade und Zucker gepusht.
00:35Zucker verlockt uns überall.
00:38Aber was genau macht er im Körper?
00:41Wie schnell altern Zellen durch Zucker?
00:43Schneller.
00:45Wie bitte? Zucker lässt uns schneller alt aussehen?
00:48Die Gefäße verzuckern, die Nerven verzuckern,
00:51Herz, alle Strukturen im Körper verzuckern.
00:53Ich hatte am Schluss tatsächlich, muss ich ganz ehrlich sagen,
00:56richtig Angst.
00:56Weil ich auch gedacht habe, irgendwann kippst du um
00:58und liegst im Zuckerkoma.
01:00Ich will noch ein bisschen Leben und ...
01:03Und dem Patienten wird suggeriert,
01:05ist doch nicht schlimm.
01:06Hauptsache, Sie brauchen Ihr Leben nicht ändern.
01:07Hauptsache, Sie spritzen die richtige Menge an Insulin.
01:11Wie wird man den Zucker wieder los?
01:14So viel darf ich schon verraten.
01:16Süßstoffe sind nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.
01:28Ich starte meine Reise dort, wo man ungern hinsieht.
01:31Hier am evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge in Berlin
01:36wird das Diabetische Fuß-Syndrom behandelt.
01:40Und das heißt leider konkret oft Amputation.
01:44Zuckerkrankheit ist gar kein Zuckerschlecken.
01:46Die brutale Wahrheit, man verliert erst Zehen, dann den Fuß
01:50und irgendwann das Leben.
01:52Zu viel Zucker verschließt Gefäße, zerstört Nerven.
01:56Die Betroffenen spüren oft nicht, wie ernst es um sie steht.
02:00Los ging das Ganze ja mit einem kleinen Unfall.
02:03Was ist da passiert?
02:05Es fing mit dem linken Fuß an.
02:07Dann vor sieben Jahren mal eine Axt draufgefallen.
02:11Eine Axt? Eine Axt.
02:12Ja, es tat weh, aber nicht so, wo man sagt,
02:15okay, bin dann trotzdem mal zum Arzt gegangen.
02:18Aber eigentlich war die Tatsache, dass es Ihnen nicht so weh tat,
02:21wie man es hätte erwarten müssen, ein Zeichen,
02:24dass Sie schon auf dem Weg waren zu einem diabetischen Fuß.
02:28Ich wusste damals noch nicht, dass ich Diabetes habe.
02:30Das heißt, vor lauter Arbeiten und Engagement
02:33haben Sie sich ein bisschen zu wenig um Ihren Körper gekümmert?
02:36Wie man so schön sagt, eigentlich bin ich ein Workaholic.
02:39Hab Firmen gegründet, Leute arrangiert, Studenten ausgebildet.
02:45Da achtet man nicht auf seinen Körper.
02:46Ich versuch gerade mitzuzählen, wie viele Berufsleben
02:50Sie sozusagen in ein Leben gepackt haben.
02:52Drei Ehen auch dazu.
02:53Drei Ehen auch noch.
02:55Haben die Frauen an Ihrer Seite Sie auch gewarnt?
03:00Ich hätte auf die Warnung hören sollen.
03:02Vor zwei Jahren war das dann so schlimm,
03:04dass ich selber entschieden habe, jetzt muss ab.
03:07Und dachte, jetzt habe ich endlich Ruhe.
03:10Was passiert im März? Fängt der rechte Fuß an.
03:16Der ungesunde Lebensstil über Jahrzehnte rächt sich.
03:19Wie steht es um den zweiten Fuß?
03:23Moin, Herr Riesberg.
03:24Was ich gedacht habe, ist, dass man von hier da irgendwo hinkommt.
03:29Und da wollte ich nur noch mal heute gucken, ob da irgendwas ist.
03:31Das spüren Sie?
03:32Natürlich schwierig.
03:33Aber keine Schmerzen.
03:35Ja, genau.
03:37Amputation, das klingt so nach, das ist was für die Leute fürs Grobe.
03:41Einfach ab.
03:42Wie komplex ist Ihre Aufgabe?
03:45Eine große Amputation, Unterschenkel, Oberschenkel,
03:48möchte ich fast sagen, können viele.
03:51Da kann man auch nicht viel falsch machen.
03:54Außer man macht den Stubb zu kurz.
03:55Oder das falsche Bein.
03:58Schlecht.
03:59Aber die kleinen Sachen, wo man sagt, wenn ich das jetzt genau so schneide und so,
04:03dann passt sich das nachher so zusammen und so kann ich es vernähen.
04:07Und wenn das dann funktioniert, wenn ich das dann vernähe, ist das nicht schön?
04:12Ist das nicht schön?
04:13Sie haben mich schon mit begeistert und Sie ja auch.
04:16Ja.
04:17Das heißt aber, Sie sind bemüht, wirklich so wenig zu operieren, wie es geht?
04:22Ja, so wenig, aber eben auch so viel wie nötig.
04:28Manchmal sind das ja dramatische Befunde, denen man hinterherrennt,
04:32wo man dann so sagt, der muss heute in den Saal.
04:35Und alles, was entzündet ist, muss erstmal weg.
04:37Wie fühlt sich das an, weil man ja in Ihrem Fall immer sozusagen einer Krankheit hinterherläuft,
04:43die eigentlich vor 20, 30 Jahren verhindert werden könnte?
04:46Ist das manchmal auch frustrierend?
04:47Natürlich, das ist maßlos frustrierend.
04:49Das können wir ja nicht beeinflussen.
04:50Also, wir können nur bestmöglich letztlich die Menschen tatsächlich begleiten.
04:56Das ist das, was wir machen. Wir begleiten sie lange.
04:59Na gut, aber du würdest jetzt erstmal konservativ bleiben?
05:03Also, wie sich das entwickelt, würde ich sagen.
05:05Sollten wir erstmal konservativ bleiben, lokal behandeln.
05:09Machen wir antiseptisch.
05:10Und immer wieder raufgucken. Und wenn sich doch irgendwas verändert, dann...
05:13Wenn Sie hin bei uns im Saal.
05:16Alles klar.
05:19Es bleibt spannend, ob Frank durch eine Lebensstiländerung weitere Operationen verhindern kann.
05:24Es gibt ja zwei Formen von Diabetes.
05:26Typ 1, die jugendliche Form, entsteht aufgrund einer Autoimmunerkrankung völlig unabhängig von der Ernährung.
05:32Typ 2, früher Altersdiabetes genannt, kann bei manchen gestoppt werden durch anders essen.
05:37Apropos.
05:38Oh, da kommt schon das Mittagessen.
05:39Ja.
05:40Was gibt's denn heute? Darf ich einmal kurz schmulen?
05:43Frikarellen.
05:44Hi.
05:46Kartoffelbrei.
05:47Und, ähm, Glucosefruktosesirup.
05:52Das ist gesund. Immerhin.
05:54Viele Menschen wissen natürlich erstmal, dass Zucker an sich schädlich ist, aber man spürt's ja nicht.
06:00Die Gefäße verzuckern, die Nerven verzuckern und auch die Leber, Herz, alle Strukturen im Körper verzuckern.
06:07Und machen im Prinzip Probleme, die wir nur sehr schwer behandeln können.
06:12Wir wissen sozusagen, dass Menschen, die amputiert werden, eine extrem hohe Mortalität haben.
06:16Diabetes ist eine tödliche Krankheit?
06:18Absolut, genau.
06:21Wenn man einmal so einen diabetischen Fuß gesehen hat, dann sieht man die Welt anders.
06:27Dann weißt du auch die Nerven, die nichts mehr spüren, die Demenz, die befördert wird, die Herz-Kreislauf-Krankheiten, die
06:35Nieren, die zerstört sind und transplantiert werden müssen.
06:38All das hängt damit zusammen. Und das Tragische ist doch, ganz, ganz viel von diesem Leid wäre verhinderbar.
06:45Ein paar Jahrzehnte früher mit ein paar Umstellungen in dem, was wir essen.
06:51Ach, wenn Süßes nur nicht so verlockend wäre.
06:58Meine Lieblingssüßigkeit ist eigentlich Kuchen.
07:00Schokolade.
07:01Gummi.
07:02Ich komme aus Mexiko und da gibt es immer so Piñatas. Man schlägt die Piñatas und dann kommen alle Süßigkeiten
07:11runter.
07:12Ich war früher der allergrößte Zucker-Chunkie, den man sich vorstellen kann.
07:17Weißbrot, kühle Butter und dann diese Nougat-Creme. Eigentlich habe ich mich nur davon ernährt.
07:23Ich wünschte, Zucker wäre nicht so ungesund.
07:27Wie viel Schaden Süßes anrichten kann, schon nach wenigen Tagen, erfuhr ich 2024 am eigenen Leib.
07:34Für Hirschhausen und die Abnehm-Spritze fraß ich eine Woche lang Junkfood unter Beobachtung der Uniklinik in Tübingen.
07:42Und zack, hatte ich eine Fettleber.
07:45Da sieht man schon deutlich, dass das Leberfett zugenommen war.
07:49Wie bitte? Hör ich da recht?
07:51Da bin ich selber auch immer erstaunt fast beunruhigt, muss ich sagen.
07:57Zurück in der inneren Medizin in Tübingen. Hier geht es um die inneren Werte.
08:03Und äußerlich ist es jetzt eine Nummer kleiner. Und wie es in mir innen aussieht, das ziehen wir gleich zusammen.
08:13Tja, jetzt bin ich eineinhalb Jahre älter und sieben Kilo leichter auf der Waage.
08:18Aber was zählt, sind ja die inneren Werte. Genauer gesagt das fiese Fett zwischen den Organen.
08:23So, Herr von Hirschhausen, wir würden anfangen. Die erste Messung. Es geht los.
08:27Jetzt bitte einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen und nicht atmen.
08:41Der Diabetes-Experte Andreas Birkenfeld untersuchte mich damals und heute wieder.
08:50Jetzt bin ich mal gespannt, wie er aussieht, wenn er kommt.
08:54Ah, guten Morgen. Hallo.
08:57Also hier, das ganze Weiße, das ist das Fett von ...
08:59Genau, das war jetzt im Februar 2024.
09:02Genau, da hatte ich mich ja erst mal richtig gemästet mit so Zuckerschrott.
09:07Das ist das, heroischerweise. Da haben wir uns ja etwas Sorgen gemacht.
09:10Und man sieht dieses viele weiße Gewebe im Bauchraum, was da um die Darmschlingen liegt und auch um die Nieren,
09:16um die beiden schwarzen Pole.
09:18Das ist das, was krank macht. Das ist schlecht für die Gefäße, das macht Diabetes, das kann Demenz machen.
09:23Und seitdem kann ich das auch nicht mehr gut essen. Also ihr habt mir echt den Appetit verdorben.
09:27Da dachte ich, nee, das ist es mir nicht wert. Und jetzt springen wir mal anderthalb Jahre ins Heute.
09:35Also das sieht man ja schon selber, wie viel weniger weißes Gewebe hier im Bauchraum sich befindet.
09:42Es ist auch weniger unter der Haut. Insgesamt hast du einfach ganz klar deine Fettmenge reduziert.
09:48Wie sieht es dann in meiner Leber aus?
09:52Ja, hier sehen wir ja das Bild auch nach deiner Mestkur sozusagen.
09:57Der große Zacken steht für das gesamte Lebergewebe.
10:00Und dann rechts davon der kleine Zacken, der gibt den Prozentsatz sozusagen des Leberfettes an.
10:05Also das Fett, das sich in der Leber befindet.
10:07Und das war viel damals. Also zumindest war es ein starker Anstieg, den du hattest von vorher nachher.
10:12Und jetzt sind wir mal gespannt, was heute war.
10:16Wahnsinn. Sieh mal.
10:18Nulllinie.
10:19In dem Fall ist die gut, die Nulllinie.
10:22Das ist der Unterschied zum EKG.
10:26In Berlin treffe ich den Ernährungsexperten Andreas Michelsen.
10:31Wir kennen uns schon aus Studientagen.
10:33Andreas leitet am Immanuel Krankenhaus die Abteilung der Charité für Naturheilkunde.
10:38Und die liegt sehr schön in der Natur.
10:42Alle wollen alt werden, keiner will alt sein.
10:45Wie schnell altern Zellen durch Zucker?
10:48Schneller.
10:49Das Spannende ist, man betrachtet heute ja Alterung als etwas Ähnliches wie Entzündung.
10:55Und diese Entzündung ist das, was das Altern triggert.
10:58Aber diese Entzündungsvorgänge, das bringt man heute mit praktisch all den Zivilisationskrankheiten in Verbindung.
11:05Genau.
11:06Mit Diabetes, aber auch mit Demenz.
11:08Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz.
11:11Arteriosklerose.
11:11Genau, Arteriosklerose.
11:12Das begreift man heute nicht mehr als Verkalkung in dem Sinne, sondern das sind Entzündungsprozesse.
11:18Und die werden halt durch Zucker, natürlich auch durch zu viel gesättigte Fette in Wurst und so weiter, die werden
11:24da richtig angeheizt.
11:26Man kann mit Ernährung nicht alle Probleme dieser Welt lösen, aber es ist ein Hebel, wo wir wirklich sehr viel
11:31selber in der Hand haben.
11:34Bei zu viel Zucker denkt man an die Bauchspeicheldrüse, aber nicht an Haut, Darm und Gelenke.
11:41Also ich habe, wo ich so 20 bis 30 war, immer wieder mal so Handexzeme.
11:46Und ganz, ganz schlimm wurde das dann, als meine dritte Tochter geboren ist.
11:52Dann habe ich halt immer quasi Kortison drauf, Baumwollhandschuhe angezogen, Gummihandschuhe drüber.
11:57Und dann habe ich so meine kleine Tochter gewickelt, stand dann teilweise heulend unter der Dusche,
12:02weil ich einfach so Schmerzen hatte.
12:05Das fing an, 2004 in etwa.
12:07Und da hatte ich so Flecken an den Beinen.
12:10Das sah aus wie Sommersprossen, bloß im Extrem tatsächlich.
12:14Also die Beine, die Füße, die Arme.
12:17Beim Arzt war es halt so, nehmen die und die Seite, wunderbar.
12:20Und großartig geholfen hat das natürlich dann nicht.
12:24Und das kam immer wieder.
12:25Also es dreht sich dann schon viel um die Darmbeschwerden, egal was ich eigentlich auch gegessen habe.
12:33Ich habe keine Lebensmittel mehr gut vertragen und ich hatte eigentlich tagtäglich über Jahre hinweg, hatte ich eigentlich diese Beschwerden.
12:41Ich habe so oft geheult deswegen. Ich habe auch bei den Ärzten gesessen und geheult, aber es hat mich halt
12:46irgendwie, ich habe das Gefühl, es hat mich keiner wirklich ernst genommen.
12:49Das ging tatsächlich sogar über bis in Gliederschmerzen, also wirklich Schmerzen in den Knien.
12:55Und wenn du dann am Lesen bist und du stellst fest, ja, das kann dann auf die Organe gehen und
12:59das kann die Organe schädigen und so,
13:01dann sitzt du da und du fühlst dich dann einfach auch komplett verloren.
13:06Und dann habe ich gedacht, ich muss jetzt einfach was probieren. Irgendwas muss es ja geben und habe mich dann
13:13halt selber so in die Sachen eingelesen und habe dann angefangen mit der Ernährung rumzuprobieren.
13:18Und natürlich war dann der Zucker präsent und dann habe ich echt angefangen, den wegzulassen.
13:24Irgendwann habe ich herausgefunden, dass bestimmte Lebensmittel das ja ausgelöst haben, dieses ganze zu viel Zuckerzeug und so weiter, diese
13:34Weißmehle, was ich da nicht alles hatte.
13:36Und als ich dann diese Ernährung umstellte, innerhalb von drei Wochen ist es so weit abgefallen, dass es quasi komplett
13:46weg war.
13:47Und siehe da, wirklich innerhalb ein, zwei Tagen war ich tatsächlich symptomfrei.
13:51Also ich bin jetzt glaube ich echt schon vier, fünf Jahre komplett beschwerdeschrei.
13:58Zuckerfrei zu leben, erleben viele Menschen als eine Befreiung tatsächlich.
14:04Es ist nicht einfach und auch nicht ein Allheilmittel.
14:09Wenn Menschen durch Ernährungsumstellungen gesunden, gibt es oft mehrere Dinge, die da eine Rolle spielen.
14:18Was aber klar ist, unser Körper braucht keinen zugesetzten Zucker.
14:24Punkt.
14:27Denn wenn wir Brot, Reis oder Kartoffeln essen, ist da ja bereits genug Zucker drin als Stärke, als Kohlenhydrate.
14:34Das sind lange Ketten unterschiedlicher Zuckerbausteine.
14:37Und wenn die verdaut werden, steigt der Blutzuckerspiegel.
14:42Damit diese Energie genutzt werden kann, muss dann der Zucker noch aus dem Blut in die Zelle.
14:48Das geht aber nur mit Hilfe von Insulin.
14:51Sobald der Blutzucker steigt, schüttet die Bauchspeicheldrüse dieses Hormon aus.
14:55Insulin ist quasi der Türöffner für den Zucker.
14:58Und wie man sich das vorstellen kann, dazu ein kleiner historischer Sketch aus Hirschhausens Quiz des Menschen.
15:05Du bringst Zucker.
15:07Ja.
15:07Also Zucker ist im Blut.
15:08Hier ist das Blut.
15:09Hier ist die Zelle.
15:10Die Zelle braucht Energie.
15:11Da muss der hin.
15:12Okay.
15:13Und da kann immer nur rein der Zucker, wenn Insulin dabei ist.
15:17Okay, also verstehe.
15:17Die Zelle hat eine Klingel.
15:19Das ist der Insulinrezeptor.
15:21Und dann mache ich auf.
15:23Ja, funktioniert.
15:24Oh, es hat geklingelt.
15:26Wer ist denn da an meinem Insulinrezeptor?
15:28Guten Tag, Herr Zelle.
15:31Glucose.de, hier ist Ihre Lieferung.
15:33Herzlichen Dank.
15:34Ja.
15:35Sie sind ja ein Süßer.
15:36Ja, danke.
15:37Das war das Gesunde.
15:39Das war das Normale.
15:41So, ja.
15:41Das hier ist symbolisch, wenn ich die ganze Schwarzwälder Kirchstau immer esse, ohne mich zu bewegen.
15:46Wenn ich das über Wochen, über Monate, über Jahre so laufen lasse.
15:50So.
15:51Hallo?
15:52Ja, guten Tag, Herr Zelle.
15:53Ihre Lieferung.
15:53Danke.
15:54Moment, kommt noch mehr.
15:55Herr Zelle.
15:56Oh, schon wieder.
15:57Hier, Ihre Lieferung.
15:58Oh.
16:03So, Herr Zelle.
16:04Ah, schon wieder.
16:05Ah.
16:07Es ist wie bei einem Klingelstreich.
16:10Wer dauernd klingelt, dem wird nicht mehr aufgemacht.
16:13Die Zelle schützt sich und reagiert immer weniger auf das Insulin.
16:16Sie wird Insulin resistent.
16:19Die Bauchspeicheldrüse versucht dagegen anzukämpfen, produziert immer mehr, bis sie schlapp macht.
16:24Und dann ist man zuckerkrank, hat also Diabetes Typ 2.
16:29Und weil die Betroffenen kaum noch körpereigenes Insulin herstellen können, bekommt sie künstliches Insulin gespritzt.
16:36Natürlich ist Insulin ein Segen für die Menschen, die darauf angewiesen sind.
16:40Gleichzeitig ist Insulin nicht nur gut.
16:43Es ist entzündungsfördernd, es hemmt die Fettverbrennung und fördert auch Zellwachstum.
16:49Auch nicht immer nur positiv.
16:51Kurzum, diese ganz mechanische Idee, hier ist das Problem, hier ist der Zuckerwert und hier ist die Lösung und wir
16:58müssen es nur richtig dosieren, dann ist die Welt wieder in Ordnung.
17:02Stimmt so nicht.
17:05Geht es auch anders?
17:07Am Westdeutschen Diabetes und Gesundheitszentrum in Düsseldorf treffe ich den Diabetologen Stefan Martin.
17:13Er sagt, Diabetes Typ 2 ist keine Einbahnstraße, mit der richtigen Ernährung sei Zuckerkrankheit heilbar.
17:22Wenn ich Ihnen richtig zuhöre, dann sagen Sie, ganz viele Menschen mit Diabetes 2 könnten langfristig wieder gesund werden.
17:31Aber das Dumme am deutschen Gesundheitswesen ist ja, an Gesunden verdient keiner was.
17:36Wer verdient denn an den ganzen Insulin? Das ist ja ein Riesenmarkt.
17:39Da verdienen alle die Pharmaindustrie, die Ärzte haben Vorteil, weil Insulintherapie besser vergütet wird.
17:44Und dem Patienten wird suggeriert, ist doch nicht schlimm.
17:47Hauptsache sie brauchen ihr Leben nicht ändern. Hauptsache sie spritzen die richtige Menge an Insulin.
17:51Und das ist ein Riesenproblem.
17:55Ingrid Kinnen hat seit Jahren Diabetes Typ 2. Seit vier Wochen ist sie hier Patientin und Ingrid hat mir was
18:01zum Frühstücken mitgebracht.
18:04Ingrid, bevor wir hier zuschlagen dürfen, Sie hatten eine Menge Insulin in Ihren Therapieplänen. Und jetzt nicht mehr?
18:13Nee. Ich bin jetzt zum Professor Martin gekommen und der hat mir eigentlich die Hoffnung gemacht, dass wir es absetzen.
18:20Und es hat wunderbar funktioniert.
18:22Ich verzichte auf Getreide und versuche mich auch möglichst zuckerfrei zu ernähren.
18:28Was haben Sie uns mitgebracht?
18:29Ja, also ich habe einfach mal so ein Frühstück eingepackt. Damit starte ich tatsächlich. Das ist Brokkoli, das habe ich
18:34einfach geröstet. Das ist mit Parmesan und Mandeln.
18:37Darf ich ihn auflegen?
18:38Ja, sehr gerne.
18:40So, das ist selbst gebacken?
18:43Ja, genau.
18:44Toll. Warum ist das so gut?
18:46Ja, das ist das Leinsamenmehl, nehme ich an. Also ich übe noch. Ich bitte um Nachsicht.
18:50Ist Ihnen das schwergefallen, auf Zucker zu verzichten?
18:52Nee, eben gar nicht. Und das hat mich gewundert. Ich hatte wirklich Angst davor. Ich habe wirklich Angst gehabt.
18:57Man nimmt mir jetzt mein Essen weg. Ich habe hier meine ganzen Daten ausgedruckt. Also da könnte man sehen, wie
19:03es war und wie es jetzt ist.
19:05Wie war es früher? Sie brauchten Insulin.
19:07Ja. Also ich denke, das hier ist bezeichnend. Und so war es die ganze Zeit.
19:12Also eine echte Achterbahnfahrt, Ihr Zucker. Wie hat sich das angefühlt für Sie?
19:17Also ich hatte am Schluss tatsächlich, muss ich ganz ehrlich sagen, richtig Angst. Weil ich auch gedacht habe, irgendwann kippst
19:22du um und liegst im Zuckerkoma.
19:27Und jetzt ein paar ...
19:29Cool, oder? Wie eine Flatline.
19:32... Monate weiter sind Sie hier mega stabil.
19:36Ja.
19:37Und Sie kommen jetzt über den Tag ohne Insulin?
19:40Ja.
19:40Und haben auch nicht mehr diese Zuckerspitzen?
19:42Nein.
19:43Macht Sie das auch ein bisschen stolz?
19:44Ja. Und nur da hole ich auch meine Kraft raus, muss ich ganz ehrlich sagen.
19:48Darauf noch eine Kohlrabi-Pommes, oder?
19:50So ist das.
19:52Cheerio.
19:55Aber mit Brokkoli in den Tag zu starten, da wäre ich nie drauf gekommen.
20:01Das ist die französische Influencerin Jessie Inchuspe alias Glucose-Goddess.
20:07Wow, fast 6 Millionen Follower.
20:09Ja, sie hat einen Trend mit ausgelöst.
20:12Der sogenannte Glucose-Trick soll Blutzuckerkurven möglichst flach halten, Spitzen vermeiden, auch bei Gesunden.
20:18Dafür soll man regelmäßig seinen Blutzucker mit einem Sensor im Arm und einer App messen und nach folgenden Regeln leben.
20:24Zucker und andere Kohlenhydrate meiden oder bekleiden.
20:29Bekleiden meint, mit Eiweiß oder Fett kombinieren.
20:32Käsebrot mit Gurke, Spaghetti mit Gemüsesoße und Banane mit Quark.
20:38Das soll den Blutzuckeranstieg verlangsamen.
20:41Zweitens, herzhaft statt süß frühstücken.
20:45Mit Schoko-Croissants steigt der Blutzuckerspiegel steil an und fällt danach in den Keller, man wird wieder müde.
20:51Besser herzhaft.
20:52Und drittens, die richtige Reihenfolge, Salat oder Gemüse vorneweg und erst dann die Kohlenhydrate.
21:00Viele messen jede Zuckung ihres Blutzuckers. Kann man machen, muss aber kein gesunder Mensch.
21:07Was klar ist, wenn man sich normal ernährt, geht der Zucker mal ein bisschen hoch, ein bisschen runter.
21:12Gleichzeitig sind natürlich diese extremen Spitzen ungesund.
21:16Warum? Wenn der Zucker durch Schoko-Croissant, Schokoriegel, was auch immer, direkt nach oben schnellt, dann ist das Stress für
21:24den Körper.
21:25Insulin wird alarmmäßig ausgeschüttet, drückt den Zucker runter, drückt ihn noch weiter in den Keller.
21:30Und dann sind wir nicht satt und energiegeladen, sondern wieder hungrig und schlecht drauf.
21:38Wer das auch nur zu gut kennt, ist die ehemalige MTV-Moderatorin Anastasia Zamponidis.
21:45Ich habe so viel gearbeitet, also wir reden hier von sieben Tagen die Woche, ja.
21:49Also habe ich mich vor einer Live-Sendung immer mit Schokolade und Zucker gepusht.
21:54Ich war nach der Sendung wieder schlapp, müde und auch wirklich so leer im Kopf, ja.
22:00Und unterzuckert im Grunde, meine Hände haben gezittert.
22:04Also ich habe richtig gemerkt, dass mein Körper jetzt eigentlich Nachschub will.
22:07Ich kann mich mal erinnern, ich sollte eine Torte mitbringen für den nächsten Tag zur Geburtstagsparty.
22:14Ich habe die Torte am Abend gekauft, die existierte am nächsten Tag nicht mehr.
22:18Und das kann der Körper mit 20 noch wegstecken, mit Mitte, Ende 30 konnte das mein Körper nicht mehr wegstecken.
22:26Zucker hinterlässt langfristige Spuren an vielen Stellen im Körper.
22:30Bei mir sieht man meine Naschkatzen-Vergangenheit im Mund.
22:34Kommen Sie rein.
22:35Nehmen Sie auch Kassenpatienten.
22:36Ja, sehr gerne.
22:39Hallo Herr Hirschhausen.
22:41Freut mich, ja.
22:43Schön, dass Sie da sind.
22:45Das erinnert mich schon an meine Zeit als Kind, wo ich nicht so gerne zum Zahnarzt gegangen bin.
22:50Oh nein.
22:51Ich habe auch viel Süßes gegessen damals.
22:53Ich fürchte, Sie sehen auch noch die Spätfolgen.
22:55Oh je.
22:56Dann lass uns mit der Untersuchung anfangen.
23:00Schauen Sie mal.
23:01Wir haben bei den 1.8.
23:04Eine Amalgam-Füllung.
23:061.7.
23:07Kunststofffüllung.
23:08Und bei der 4.8 der Weisheitszahlen eine Amalgam-Füllung.
23:12Kommt ja was zusammen.
23:13Ja.
23:14Ich habe das vergessen.
23:15Einiges gemacht bekommen.
23:17Wahrscheinlich wegen dem hohen Zuckerkonsum.
23:19Was haben Sie als Kind so gegessen?
23:21Ich konnte so eine ganze Tüte Gummibärchen zack weg essen.
23:26Sie sehen hier auch Kinder mit einem Gebiss, was schon wirklich verrottet ist.
23:32Ja, tatsächlich.
23:33Das ist eine Sache, die mir sehr, sehr wehtut.
23:36Eigentlich ist die Ursache bekannt und ist leicht zu verändern.
23:39Aber tatsächlich ist die Erkrankung mit der höchsten Prävalenz weltweit noch.
23:43Nicht nur in Deutschland.
23:45Wahnsinn.
23:45Caris ist die häufigste Infektionskrankheit der Welt.
23:49Und was hilft dagegen?
23:50Zähneputzen.
23:51Hier ist ein Zwölfjähriger.
23:53Drei Zähne mussten dem schon raus.
23:54Und das sind ja Zähne, die auch nicht mehr nachwachsen.
23:56Ja, wenn man es so bedenkt.
23:57Diese Zähne sind mit sechs Jahren durchgebrochen.
24:00Mit zwölf sind sie schon nicht mehr im Mund.
24:01Man sieht, alle Zähne haben schon Anzeichen von initialen Caris.
24:05Die sogenannten White Spots.
24:07Wenn er seine Ernährung und sein Mundgesundheitsverhalten nicht ändert,
24:11dann wird dieses Kind sehr bald wenig Zähne im Mund haben.
24:15Was nimmt der Junge zu sich?
24:17Was für ihn nicht gut ist, sind die Zähne?
24:18Er zockt sehr oft am Computer.
24:21Und dabei hat er immer Späße.
24:23Und er trinkt immer wieder.
24:24Das ist nicht so, dein Kind trinkt nicht das ganze Fleisch auf einmal.
24:28Es wird immer über mehrere Stunden gezockt, getrunken.
24:31Diese Häufigkeit ist für uns ein sehr großes Problem, was Caris angeht.
24:35Was unsere Zähne zerstört, ist dieses ständige Baden in Zucker.
24:41Und das geht ja früh los.
24:43In der Muttermilch ist ein bisschen Belohnung.
24:45Da ist ein bisschen Zucker drin.
24:47Ich erinnere mich noch in der Neonatologie bei den Frühchen.
24:51Wenn ich Blut abnehmen musste, reichte ein Tropfen Glucose auf der Zunge.
24:55Und sie hielten Schmerzen viel besser aus.
24:58Es war wie eine kleine Droge.
25:00Wenn man Kinder sieht, die auch im Kinderwagen schon die ganze Zeit an gezuckertem Tee nuckeln.
25:07Und dann an diesen Quetschis.
25:09Wenn ich denke, oh Quetschi, das sind 100 Prozent Frucht, das Beste aus ganz, ganz viel Obst.
25:14Das Kleingedruckter verrät es.
25:1613 Gramm Zucker zum Beispiel in diesem Ding.
25:18Wie könnte ich verdeutlichen, dass sie damit keinem Kind einen Gefallen tun?
25:26Gesunde Essensgewohnheiten prägen sich früh und dann fürs ganze Leben.
25:31Christoph Schmitz hat eine große Vision.
25:33Jedes Kind soll erleben, wie viel Arbeit und wie viel Freude in frischem Gemüse stecken.
25:39Mit dem gemeinnützigen Team von Acker e.V. bekommen Grundschüler ein ganz neues Geschmackserlebnis mitten in Berlin.
25:45So, wer möchte ...
25:46Die ist lecker.
25:48Ein bisschen süß.
25:49Darf ich auch noch eins?
25:53Schreck gut?
25:54Ja.
25:55Wie findest du die?
25:57Süß.
25:58So frisch wie hier?
25:59Habe ich die echt noch nie gegessen.
26:01Wenn man die selber angebaut hat, braucht man sie ja nicht waschen.
26:03Und dann direkt in den Mund und schon schmecken die ganz anders.
26:07Ja.
26:14Wenn du gewöhnt bist an industriell gefertigtes Essen, wenn du gewöhnt bist an so viel Zucker in jeder Ketchupflasche, in
26:23jedem Frühstücksmüsli, dann schmeckst du überhaupt nicht mehr diese Unterschiede.
26:27Du bist sozusagen so abgestumpft, du bist so randvoll mit Zucker, dass du diese natürliche Süße gar nicht zu schätzen
26:36lernst.
26:37Genau.
26:38Und das hat ja sehr viel mit Geschmackerlebnis zu tun und auch mit Vielfalt.
26:43Also, dass die Kartoffel einfach eben nicht Geld ist.
26:46Dass die Kinder einfach verstehen, okay, das, was wir im Supermarkt haben, das ist Standard.
26:49Es gibt viele hunderte unterschiedliche Kartoffelsorten in unterschiedlichen Formen, Farben und eben auch Geschmäckern.
26:55Und darum geht es, dass wir das wieder mehr ins Bewusstsein bringen.
26:58Was ich so toll finde, ist, die Kinder sind ja so stolz, dass sie auch Sachen wissen, die die Erwachsenen
27:03nicht wissen.
27:03Also, die hatten Sachen drauf, da habe ich erst mal gestaunt.
27:06Genau, und die sind die besten Botschafter für die Eltern.
27:09Also, wir hoffen, dass wir möglichst viel auch an die Eltern übertragen können und dass anders über das Thema Ernährung
27:14nachgedacht wird.
27:15Christoph?
27:16Darauf eine Möhre.
27:17Darauf eine Möhre.
27:19Darauf eine Möhre.
27:20Ich habe sie gar nicht gewaschen, ist doch schlimm.
27:22Jetzt schmeckt sie auch.
27:25Spielt es für euch eine Rolle, ob eine Möhre jetzt gerade ist oder krumm?
27:28Nein.
27:28Schmeckt auch immer gut, oder?
27:30Ja.
27:30Wenn man selber so viel Zeit und Liebe investiert hat, dann schmeckt alles.
27:34Ich finde, die Krumen schmecken auch immer besser als die gerade.
27:37Die Krumen schmecken am besten?
27:38Ja.
27:39So ist es nämlich.
27:41Siehste, wenn du das jetzt nochmal der EU sagst.
27:45Und damit sind wir bei der großen Politik, die so viel tun könnte, aber nicht tut.
27:54Es wäre sehr wichtig, dass die Regierung endlich anfangen würde, den Zucker zu reduzieren und
27:58zwar gesetzlich.
28:00Warum macht man da nicht so eine schöne Zuckersteuer?
28:02Ich finde das gar nicht schlimm, weil das ist ja ein Luxus, was Süßes zu essen.
28:06Das war es ja früher auch.
28:06Die Kinder, wenn die im Laden stehen und sehen, hey, da ist das Riesen-Schoko-Ei, was ich
28:14schon in der Werbung gesehen habe und da ist was Tolles drin und es schmeckt auch ganz
28:18lecker.
28:18Ja, natürlich wollten die das.
28:20Das ist ein großes Problem, dass da immer Süßigkeiten neben der Kasse sind.
28:24Und er sich dann auf den Boden wirft und nach Schokolade schreit.
28:31Unsere Welt ist voll von überzuckerten, ungesunden Produkten.
28:36Und die werden dann auch noch extra so beworben, dass sie Kinder attraktiv finden.
28:40Mit poppigen Farben, lustigen Gimmicks und Rätselspielen.
28:45Was sagen eigentlich die Krankenkassen dazu?
28:48Ich frag nach bei dem AOK-Bundesverband in Berlin.
28:53Hallo.
28:54Hallo, willkommen, willkommen.
28:56Oliver Huizinga kennt sich aus mit wirksamen Präventionsmaßnahmen.
29:01Was würde sich ändern, wenn wir gerade an Kinder gerichtete Werbung verbieten?
29:06Kinder, die sind ja besonders beeinflussbar, wenn sie irgendwie im Alltag überall Werbung
29:10für ungesundes Zeug sehen.
29:12Und wenn man das zum Beispiel schon mal rausnimmt, dann können Kinder gesünder aufwachsen.
29:16Genau, so könnte man ja auch die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse einfach mal senken.
29:22Ich meine, Steuern heißen Steuern, weil man damit was steuern kann.
29:26Also tatsächlich, da gibt es ja auch ein paar Länder, die das schon längst machen.
29:30In Deutschland wurde es auch diskutiert in der letzten Legislatur, aber ist dann wieder versackt.
29:34Also es fehlt, was eigentlich die Bevölkerung längst sich wünscht.
29:39Es fehlt daran, diese gesellschaftlichen Mehrheiten in die parteipolitischen Mehrheiten zu überführen.
29:44Wer bremst? Wer verhindert das?
29:46Deutschland ist ein Zuckererzeugerland und einige der größten Hersteller für Zucker kommen halt auch aus Deutschland.
29:51Und da ist die Landwirtschaftspolitik dann vielleicht ein bisschen zögerlicher.
29:56Seit über 30 Jahren mache ich Gesundheitskommunikation.
29:59In dieser Zeit kamen eine Menge Gesundheitsminister und Ministerinnen.
30:03Alle sagten einheitlich Prävention, Prävention, Prävention.
30:07Aber was machen wir konkret?
30:09Die wichtigsten Bedingungen ignorieren wir, nämlich politische Rahmensetzungen.
30:14Andere Länder sind inzwischen an uns vorbeigezogen.
30:19Portugal, Schweden, Norwegen, Chile oder Mexiko.
30:22Mehr und mehr Regierungen schränken die an Kinder gerichtete Werbung für Gesundheitsschädliches ein.
30:27Und in Großbritannien ist neuerdings in der Zeit, in der Kinder viel Fernsehen gucken,
30:32die Werbung vollständig verboten für Schokoriegel, Chips, Softdrinks, Fastfood und Co.
30:37Eine Zuckersteuer gibt es bereits in mehr als 50 Ländern, weltweit.
30:42Dabei zeigt sich, besonders wirksam ist eine Abgabe auf Softdrinks.
30:46Ja, süße Limonaden gelten als Erfrischungsgetränke, sind aber in Wirklichkeit die schlimmsten Zuckerbomben,
30:52weil sie in kurzer Zeit viele Kalorien in den Körper spülen, ohne satt zu machen.
30:57Kein Mensch würde so viel Zucker einfach direkt zu sich nehmen.
31:01Wenn wir es in Wasser auflösen, merken wir das gar nicht.
31:06Softdrinks, der flüssige Zucker, sind einer der Haupttreiber für Übergewicht.
31:11Und je mehr flüssigen Zucker, je mehr übersüßte Softdrinks ich zu mir nehme,
31:18desto höher ist mein Risiko zu sterben.
31:21Die Statistik ist eindeutig, das ist Gift.
31:24Ja, man denkt, es gibt ja so ein paar Getränke, die es überall auf der Welt gibt.
31:29Ja.
31:30Und man denkt, da ist immer dasselbe drin.
31:33Pustekuchen.
31:33Nicht ganz, nee.
31:34Je nachdem, Großbritannien, Italien, Deutschland, die Rezepturen unterscheiden sich.
31:39Also, dasselbe Produkt, sehr unterschiedlicher Zuckergehalt.
31:43Mhm.
31:44Das kenne ich.
31:45Das ist unsere deutsche, süße Zuckerlimonade.
31:51Mhm.
31:51Das ist Italien, da ist noch mehr Zucker drin.
31:54Ja.
31:54Und das hier ist interessant, weil da ist weniger Zucker jetzt drin.
31:59Hier ist es einfacher.
32:00In England ist, hier, das ist krass.
32:03Wie kommt das, dass das gleiche Produkt so unterschiedlich bezuckert wird?
32:06In Großbritannien gilt ja seit 2018 eine Zuckersteuer.
32:11Ja, und die Hersteller haben darauf sehr stark reagiert.
32:13Die haben nämlich den Zuckergehalt in den Getränken in kürzester Zeit drastisch gesenkt.
32:19Ungefähr 30 Prozent innerhalb von sechs Jahren.
32:22Die Absatzvolumen von den Getränken sind im Grunde gleich geblieben,
32:25aber die Leute trinken trotzdem deutlich weniger Zucker.
32:28Dass eine einzelne Maßnahme so einen großen Effekt hat,
32:31das hat Selbstbefürworter ehrlich gesagt überrascht.
32:34Viele meinen ja, ich tue mir was Gutes und kaufe einfach was, wo Zero oder Light draufsteht.
32:40Da ist ja kein Zucker drin, aber Süßstoff.
32:43Zu Risiken und Nebenwirkungen mache ich ein Experiment an der Uni Tübingen.
32:48Das ist jetzt meine Diät-Cola?
32:50Ja, das ist jetzt ein Getränk mit Sucralose, mit einem Kirschgeschmack.
32:54Jetzt müssten Sie eigentlich noch fragen, ob ich noch Pommes dazu will.
32:57Nein, wir untersuchen ausschließlich jetzt den Einfluss um Süßstoffe und wie Ihr Gehirn darauf reagiert.
33:10Das ist eigentlich irre, wie viele Menschen, während ich das in mich reinwirke, das freiwillig trinken.
33:17Weil sie glauben, die tun sich damit was Gutes. Mal gucken.
33:23Fertig.
33:24Sehr gut. Wie hat es geschmeckt?
33:27Sehr süß, genau. Wunderbar.
33:29Dann machen wir in fünf Minuten weiter mit der nächsten Messung.
33:33Und wo ist das jetzt? Das Zeug muss ja erstmal irgendwie ins Hirn. Wie kommt denn das da hin?
33:40Im Prinzip hat man ja jetzt schon den Geschmack im Mund, das reicht schon allein aus.
33:42Dieser süße Geschmack aktiviert jetzt schon das Belohnungszentrum.
33:46Und auch die Zentren im Gehirn, die für unseren Energiehaushalt zuständig sind, reagieren da jetzt schon drauf.
34:00Es ist immer seltsam, Menschen gegenüber zu sitzen, die so viel mehr über einen wissen als man selbst.
34:07Das weiß ich nicht, aber wir werden es noch sehen, genau.
34:10Bis meine Messergebnisse da sind, habe ich noch ein paar Fragen.
34:15Was macht eigentlich dieser Süßstoff mit dem Hirn? Hilft das oder ist das eine Luftnummer?
34:23Ja, man würde ja denken, keine Kalorien drin müsste ja sein wie Wasser.
34:28Aber unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass es sehr viel mit dem Gehirn macht.
34:32Es reagiert ein System in unserem Gehirn, das dafür zuständig ist, dass wir essen oder nicht mehr essen.
34:37Also so ein Start-Stop-Signal.
34:39Wo steckt das?
34:40Da habe ich jetzt ungefähr schon auch diesen Bereich hier hingelegt.
34:43Das ist eine sehr kleine Region.
34:44Und die Sucralose ist jetzt genau oder andere Süßstoffe genau das Problem.
34:48Es schmeckt süß.
34:49Man denkt, man hat was gegessen.
34:51Aber weil keine Kalorien sind, reagiert eben das Startsignal wieder.
34:55Das heißt, wenn ich Ihnen richtig zuhabe, die Süßstoffe machen hungrig.
35:01Richtig, dass man noch Lust hat auf Produkte, die dann tatsächlich viel Kalorien haben.
35:06Boah, diesen Süßstoff zu trinken, ich habe es gehasst.
35:10Aber die bittere Erkenntnis in der Auswertung, mein Hypothalamus hat es geliebt.
35:1525 Prozent mehr Blutfluss und damit auch mehr Hungergefühl.
35:21Ja, Hungergefühl.
35:23Leid steht da drauf.
35:24Sind die Menschen leichter geworden durch all den Süßstoff die letzten Jahre und Jahrzehnte?
35:29Kein bisschen.
35:30Wir werden immer dicker.
35:31Und das hängt eben miteinander zusammen.
35:33Die Forschung zu Risiken und Nebenwirkungen von den ganzen Zero-Produkten, die geht jetzt erst so richtig los.
35:40Ich würde am liebsten zu jedem dieser Produkte einen Beipackzettel schreiben.
35:44Und da müsste rein, Süßstoff verändert Ihr Gehirn und trickst Ihre Wahrnehmung aus.
35:50Süßstoff verändert Ihre Darmflora.
35:53Die Darmbakterien kommen durcheinander und kommen aus der Balance.
35:57Und ganz neue Studie, Süßstoff lässt unser Gehirn schneller altern.
36:04Darauf kann man doch nur eins ableiten.
36:07Wovon brauchen wir Zero von den Süßstoffen?
36:13Wenn Zucker uns krank macht und Süßstoffe auch nicht die Lösung sind, müssen wir weg vom Dauersüß.
36:23Anastasia Zamponidis hat das geschafft und schreibt über ihr zuckerfreies Leben.
36:27Wie fühlt sich das an?
36:31Ohne Industriezucker wurde ich emotional stabiler.
36:34Ich habe mir überall die besten Tipps rausgepickt und das Ergebnis ist 20 Jahre zuckerfrei.
36:40Das ist ein befreiendes Gefühl. Es ist kein einengendes Gefühl.
36:43Ich bin frei. Ich bin frei von einer Industrie, die etwas von mir wollte, was ich ihr nicht mehr gebe.
36:52Ich bin nicht mehr abhängig von ihren Produkten. Ich kaufe und esse natürliche Nahrungsmittel.
36:58So wie die Natur und der liebe Herrgott das für uns vorgesehen hat.
37:04Wie geht es eigentlich meiner ganz persönlichen Glucosegottes daheim in Brühl?
37:15Ich habe mir jetzt auf die Fahne geschrieben, für mich ist jetzt der Blutzuckerspiegel das Entscheidende.
37:20Es ist jetzt für mich tatsächlich ein Teil meines Lebens geworden.
37:23Ich habe schon den Eindruck, dass meine Bauchspeicheldrüse sich auch ein bisschen erholt hat.
37:28Das motiviert total und wenn du wirklich sagst, ich möchte das, ich will nicht spritzen, weil ich will dieses Insulin
37:36nicht, dann ist das einfach das einfachste und beste der Welt.
37:43Und Frank Riesbeck? Wie geht es ihm, seit er aus dem Krankenhaus entlassen wurde?
37:50Am zweiten Fuß kam er mit einer kleinen Operation davon.
37:55Ich denke mal, die Wohnschwester, wenn sie den Film sieht, wird gleich wieder meckern.
38:00Ich habe natürlich vergessen, die Jot drauf zu machen, weil ich will hier im Wohnzimmer nicht rumkleckern.
38:07Tja, Theorie und Praxis.
38:09Aber damit die Durchblutungsstörungen nicht weitergehen, hat Frank echt schon viel umgestellt.
38:13Ernährung ist so eine Sache für sich.
38:15Da ich an einer landwirtschaftlichen Gärtnischen Fakultät auch lehre, eigentlich weiß ich es, habe es auch gelehrt.
38:22Nur selber sich daran halten, das ist das, was ich jetzt tatsächlich machen werde.
38:27Schon allein um meine eigene Gesundheit. Ich will noch ein bisschen leben und das ist das Ziel.
38:34Parallel dazu das Bewusstsein, eben auf möglichst süße Nahrung zu verzichten, nicht so viel zu essen, tatsächlich auf zehn Kilo
38:41abgenommen.
38:42Und leider rutschen meine Hosen jetzt immer. Das ist mir in der Vorlesung jetzt passiert.
38:46Für mich ist es okay und freue mich eigentlich schon, dass die Wunde endlich zu ist.
38:50Seine Frau unterstützt Frank auf seinem Weg zum gesünderen Essen. Schritt für Schritt kommt mehr frisches Gemüse auf den Teller.
38:58Dankeschön.
38:59Dankeschön.
38:59Okay.
39:01Fangen wir mal mit der Tomate an.
39:04Was wir essen weniger, das ist Schweinefleisch.
39:07Jetzt.
39:07Viel weniger als früher.
39:09Wir essen mehr Nüsse als...
39:12Schokolade oder Kekse oder sowas.
39:14Ja, das ist in der Richtung sehr gut.
39:19Mein Glückwunsch, Frank.
39:21Respekt.
39:22Sie sehen so viel gesünder aus als bei unserer ersten Begegnung im Krankenhaus.
39:26Und ich weiß, dass es nicht einfach ist, sich zu verändern.
39:30Ich habe jetzt rund 20 Kilo weniger als zu meiner Maximalzeit.
39:37Und ich habe das geschafft mit Essenspausen, mit Intervallfasten, mit den Dokus, die ich gemacht habe.
39:46Mein erstes großes Schreckensmoment war, mit wie wenig Schrott-Ernährung man sich seine Leber kaputt machen kann.
39:55Man kann jetzt Unterschiede sehen.
39:57In so kurzer Zeit.
39:58In so kurzer Zeit.
39:59Ja, also da bin ich selber auch immer erstaunt, fast beunruhigt, muss ich sagen.
40:03Dann haben wir die Doku über Alkohol gemacht und mir wurde klar, Alkohol hat ziemlich konzentrierte Kalorien.
40:10Und seitdem trinke ich auch deutlich weniger.
40:12Und das dritte große Aha war die Demenz-Doku.
40:16Das Bauchfett zwischen 40 und 60 ist eine der großen Risikofaktoren für Demenz im Hirn im späteren Lebensalter.
40:22Und auch das wollte ich nicht.
40:24Natürlich auch diese Doku über die Macht des Zuckers hat mich verändert.
40:29Vielleicht motiviert es den einen oder die andere auch zu gucken, wie man mit kleinen Umstellungen längerfristig sich wirklich wohler
40:38fühlt mit sich und der Welt.
40:40Also mir fällt es total leicht, auf Zucker zu verzichten.
40:43Ich dachte immer, es wäre sehr schwer.
40:44Ich bin im Moment so auf dem Trip, so ein dicker fetter schwarzer Tee, ein kleines bisschen Milch rein, toll.
40:50Früher hätte ich drei Löffel Zucker reingebraucht, jetzt brauche ich im Moment keinen.
41:00Darf ich Zucker in Kaffee?
41:02Immer.
41:04Ist ja kein Strafvollzug hier.
41:07Aber es ist besser ohne Zucker, weil der ist ja bitter.
41:12Der Kaffee?
41:12Ja.
41:13Und das ist genau ein Teil seiner gesunden Wirkung.
41:16Was ist das Gesunde an den Bitterstoffen?
41:18Sobald Bitterstoffe gefühlt, gespürt werden im Magen-Darm-Trakt, wird ein Sättigungssignal ausgelöst und auch ein Signal, was die Verdauung
41:29ein bisschen verbessert.
41:30Und das ganz Spannende ist, dieses Sättigungssignal, was Kaffee auslöst, das funktioniert über ein Hormon, das heißt GLP-1.
41:41Und dieses Hormon, das wird auch von den Abnehmenspritzen gesteuert.
41:45Das ist lustig.
41:45Also insofern ist das sozusagen eine Miniaturdosis einer Abnehmenspritze.
41:50Das ist sozusagen rosempig, freiverkäuflich.
42:01Das Verrückte ist, wenn ich dir so zuhöre, dann braucht es eigentlich ein neues Bewusstsein dafür, dass wir uns mit
42:09ganz vielen Dingen, die wir so als Belohnungen verstehen, überhaupt nicht belohnen, sondern bestrafen.
42:14Kann man das auch später noch umlernen?
42:15Kann man umlernen.
42:17Also man weiß zum Beispiel auch vom Fasten, wenn man das praktiziert, da wurde gerade letztes Jahr eine Studie veröffentlicht,
42:24haben sich danach die Geschmacksempfindlichkeit,
42:27die Rezeptoren um fast 40 Prozent verbessert.
42:31Ich habe ja auch mal gefastet und nach den zehn Tagen wollte ich so ein Müsli essen, weil ich dachte,
42:37das ist halbwegs gesund.
42:38Ich habe es ausgespuckt, ich habe nach dem ersten Löffel es nicht weiter essen können, weil mir plötzlich schlagartig klar
42:44wurde, wie unfassbar viel Zucker da drin ist.
42:46Und wäre ich nicht einmal sozusagen diesen Zucker raus losgeworden, hätte ich das gar nicht gemerkt.
42:51Genau, man muss sozusagen wie so ein Reset am Computer, man muss gelegentlich einfach das wieder in die Werkseinstellungen bringen.
42:56Wenn wir jetzt immer so ganz süß essen, natürlich ist das nicht schön, wenn man dann auf einmal sagt, jetzt
43:02darf ich nicht.
43:03Aber das ist ein bisschen auch wie beim Sport.
43:05Wenn wir ehrlich sind, macht ja im ersten Moment keiner gerne Sport.
43:11Erstmal ist auf der Couch bequemer.
43:12Absolut.
43:13Aber das gute Gefühl kommt nachher.
43:15Aber wenn man ihn gemacht hat, fühlt man sich danach einfach besser.
43:21Mein Fazit zum Thema Zucker.
43:24Rückfälle wird es immer geben.
43:26Aber der Weg raus aus dieser künstlichen, überzuckerten Welt, der lohnt sich.
43:32Und dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg.
43:35Bis zum nächsten Mal.
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