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00:03Das Land der Nordlichter, der archaischen Typen, der Elche und Seen mit dem saubersten Wasser der Welt.
00:17Lapland, die mit Abstand am dünnsten besiedelte Region Finnlands, mit weniger als zwei Einwohnern pro Quadratkilometer.
00:28Aber vielen abgedrehten Ideen.
00:32Rund 180.000 Rentiere und fast ebenso viele Menschen leben hier.
00:38Bei eisigen Temperaturen.
00:56Der Lappajervi, Europas größter Kratersee.
00:59Aus Helsinki ist der wohl verrückteste Tüftler Finnlands hochgekommen, Janne Kepilechtow.
01:05Er verbringt seine Freizeit mit dem Bau seltsamer Fahrzeuge, schwimmende Badewannen, Saunaflöße und jetzt?
01:14Ein Eiskarussell ist ein aus Natureis gesägtes, rundes Stück Eis.
01:19Man muss sehr genau sägen und dann lässt man es drehen.
01:23Es ist etwas ganz Ungewöhnliches, ein neuer Winterspaß.
01:31Janne ist ehemaliger NASA-Ingenieur.
01:34Mehr als 60 Eiskarusselle hat er schon gebaut.
01:37Das hat ihn in ganz Finnland bekannt gemacht.
01:44Doch das ist Schnee von gestern.
01:47Janne will ins Guinness-Buch der Rekorde.
01:50Mit dem größten Eiskarussell der Welt und mehr als 300 Metern Durchmesser.
01:55Der bisherige Rekord liegt bei 258 Metern.
01:59Aufgestellt von einem Seelenverbanden aus Minnesota, USA.
02:07Hier ist das Eis 40 Zentimeter dick.
02:10Rund 30 Zentimeter davon sind klares, hartes Eis.
02:14Das trägt theoretisch viele Tonnen.
02:16Wir bringen allerdings keine extrem schweren Konstruktionen aufs Eis.
02:20Abgesehen von einer aus Eisblöcken gebauten Sauna mit Tauchpassung.
02:24Hier müssen wir durch.
02:26Hier kommt die Sägespur hin.
02:28Wir sägen einen etwa 12 Zentimeter breiten Spalt,
02:31holen die Eisbrocken dazwischen raus und bringen das Karussell zum Drehen.
02:36Das ist ganz schön viel Arbeit.
02:41Zuerst muss der Schnee von der Sägespur geräumt werden.
02:44Ein Knochenjob.
02:45Zum Glück haben viele Helfer zugesagt.
02:50Sami Alassara, der Bürgermeister von Lapa Yervi, ist mit seinem Snowmobil gekommen.
02:59Das ist ein völlig verrückter Kraftakt, den wir hier mit den drei Gemeinden um den See Lapa Yervi durchziehen.
03:08Sami hat freiwillige Helfer aus den anliegenden Gemeinden zusammengetrommelt.
03:13Dann einfach mit zwei oder drei Mann runter.
03:20Das ist unser Säge-Equipment.
03:24Diese Maschine heißt Hurricane.
03:26Habe ich selbst umgebaut.
03:27Früher war das eine Baumstumpffräse.
03:30Und das ist ein Sägeblatt, das verwendet wird, um mit dem Helikopter Äste an Stromleitungen abzusägen.
03:35Das sollte das Eis durchsägen wie Butter.
03:37Mal sehen, was es wirklich kann.
03:40Dann haben wir einen Haufen Motorsägen und einen Haufen Kerle, die gleich loslegen.
03:46Janne kennt sich aus im Eiskarussellgeschäft.
03:49Aber für die freiwilligen Helfer ist es völliges Neuland.
03:53Sägen sie schief, wird die Eisscheibe nicht ganz rund und könnte später stecken bleiben.
03:58Deshalb hat Janne eine Schablone aus Holzlatten gebaut.
04:02Wenn die Männer hier entlang sägen, dürfte eigentlich nichts schief gehen.
04:09Doch durch die Sägespur wird Wasser von unten auf die Eisplatte gedrückt.
04:20Das ist schon eine ziemlich verrückte Sache.
04:22Wer hat sich das nur ausgedacht?
04:36Finnland grenzt im Westen an Schweden, im Nordwesten an Norwegen und im Osten an Russland.
04:42In der nördlichen Hälfte liegt Lappland und ganz oben der Inarisee, der im Winter zugefroren ist und sich weit in
04:50die Wälder verzweigt.
05:01Hier, in einer kleinen Hütte im Wald, lebt Hannah Mikkola.
05:05Sie ist Rentierzüchterin, wie so viele hier oben, die mit und von dem finnischen Nationaltier leben.
05:12Rentiere lieben Birkenblätter. Deshalb hat Hannah sie im Sommer für die kalte Jahreszeit getrocknet.
05:18Wie viele Rentiere sie hat, darüber sprechen die Finnen nicht.
05:22Es ist ein bisschen, als ob man fragen würde, wie viel Geld du auf dem Konto hast, wenn man fragt,
05:27wie viele Rentiere du hast.
05:29Aber frag ruhig.
05:31An beiden Seiten des Baumes, das ist meine Antwort. Ich habe Rentiere an beiden Seiten des Baumes.
05:42Ich habe Rentiere seit meiner Kindheit. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich mein erstes registriertes Rentier bekommen habe, aber
05:49ich war damals noch ein Kind.
05:51Sie sind mir sehr wichtig, denn ich bin mit der Rentierzucht groß geworden, auch wenn wir zu Hause nie viele
05:56Rentiere hatten.
06:07Für Hannah zählt aber vor allem eins. Klasse!
06:15Man muss ein einjähriges Tier auswählen, das ein gutes Rennrentier werden kann.
06:20Es muss lebhaft und energisch sein. Es darf kein behäbiges Rentier sein, das im Stehen schläft.
06:27Es muss gute Bewegungen und eine gute Körperstruktur haben. Es darf nicht zu klein sein. Die Körpergröße und Proportionen müssen
06:36stimmen.
06:42Seit 15 Jahren lebt Hannah hier oben in der Abgeschiedenheit.
06:48Es ist ein ruhiges, eigenartiges Leben hier mit den Rentieren. Man hat keine Freizeitprobleme und so.
06:55Ich mag es gerne, an einem so abgelegenen Ort weit ab von allem zu leben. Ich habe keine Sehnsucht nach
07:03der Stadt.
07:12Hannahs Haus liegt abseits der Ortschaft Zatanen. Ehemann Toni unterstützt sie bei ihrem Hobby.
07:26Ich bereite die Skier für das Rennen in Sala vor. In Sala gibt es am Wochenende einen Wettbewerb. Und sie
07:33müssen schön glatt sein, damit wir Erfolg haben.
07:40Toni schmiert. Hanna fährt. Skirennen.
07:49Die Unterschiede zwischen den Rentieren können Millisekunden sein. Wenn der Ski nicht glatt ist, kannst du das Rennen wegen der
07:57schlechten Skier verlieren.
07:59Damit das nicht passiert, müssen sie perfekt gewachst sein.
08:14Ein paar Kilometer entfernt. Schuhmacherin Virpi Jeske ist unterwegs, um Material zu besorgen.
08:24Im März kehren die Schwäne nach Lapland zurück und läuten den Frühling ein. Deshalb heißt März auf Samisch auch Njukjaman,
08:33Monat, in dem die Schwäne zurückkehren.
08:4060 Kilometer ist Virpi auf Eis und Schnee gefahren, um bei Hilma Lehnsmann einzukaufen.
08:48Ich habe noch Beine von einem Rentier.
08:50Oh, schön, da bin ich aber froh.
08:55Ich habe sie noch nicht gehäutet. Schau erst mal, ob sie gut genug sind für dich.
08:59Okay.
09:05Schau sie dir an, hier.
09:07Lass mal sehen. Ja, sie sind sehr schön.
09:10Sie sind wunderschön.
09:15Vier Beine. Immerhin.
09:25Zurück in der Werkstatt macht Virpi sich an ihre Beute.
09:42Ich enthäute das Rentierbein so genau wie möglich.
09:47Ich gehe um die Klauen herum, ganz dicht bei den Klauen und dann auf der Unterseite des Beins.
09:54Dann gehe ich um die Wurzel der Klaue herum, damit ich ein einheitliches Stück Fell bekomme.
10:01Das ist ein sehr wichtiges Teil, wenn man einen traditionellen Feldschuh machen will.
10:06Alles, was Pelz ist, brauchen wir.
10:12Drei Tage braucht Virpi für ein Paar.
10:14Die verkauft sie direkt und nur auf Vorbestellung.
10:20Bei den traditionellen Feldschuhen folgt jedes Stück exakt dem Schnittmuster, nachdem ich den Schuh nähe.
10:27Das ist exakt das Teil, woraus der Schnabel gemacht wird.
10:31Hier, daraus mache ich den Schnabel.
10:46Der Schnabel ist das Besondere an diesen Stiefeln.
10:51Er sorgte früher dafür, dass die Befestigungsbänder für die Skier nicht wegrutschten.
10:56Zunächst wird das rohe Leder gegerbt.
10:59Die Mischung?
11:00Halb Alaunsalz und halb Speisesalz.
11:03Das schützt das Fell und lässt es reifen.
11:06Durch das Salzen bleibt das Leder weich und wird wasserabweisend.
11:13Virpi überträgt die Schnittmuster für ihre Schuhe auf das Leder der Rentierfelle.
11:23Ich war schon um die 20, als ich gelernt habe, Fellschuhe zu nähen.
11:27Die Schwiegermutter meiner Schwester brachte mir das bei.
11:30Und danach habe ich viele Abendkurse besucht, wo die Frauen zusammen nähten.
11:41Virpis Schuhe sind komplett in Handarbeit entstanden.
11:44Das hat seinen Preis.
11:45300 bis 400 Euro, je nach Modell.
11:50Und trotzdem sind sie der Renner in den verschneiten Wäldern Laplands.
12:02Der Fellschuh ist ein Schuh des Nordens, also dort, wo es Rentiere gibt.
12:07Natürlich, weil das Material für die Schuhe vom Rentier stammt.
12:12Es ist ein Schuh der Sami, aber alle finnischen Beamten, Pasturen, alle, die es hierhin verschlagen hat, tragen die Fellschuhe,
12:20weil sie am wärmsten sind.
12:27Das Schönste beim Herstellen von Fellschuhen ist, dass man ein Produkt anbietet, das die Menschen wirklich brauchen und das auch
12:35noch schön ist.
12:37Das Wichtigste für mich als Produzentin, aber auch für den Menschen, der den Schuh dann trägt, ist, dass es nicht
12:43irgendein Schuh ist, sondern dass dieser Schuh zeigt, ich gehöre hierher.
12:59Archaische Landschaft. Archaische Traditionen.
13:03Die Jagd zum Beispiel wird hier überall betrieben.
13:06Auch von Maria Montonen und ihrem Mann Ilka Hakkareinen.
13:26Maria schaut ein letztes Mal nach ihren Elchhundewelpen, bevor sie und Ilka sich auf den Weg machen, zum Eisfischen.
13:41Die beiden sind Berufsfischer und gehen zwei bis drei Tage die Woche raus in die Wildnis.
13:47Sie leben zwar in der Nähe des Inari-Sees, doch den besseren Fisch gibt's weiter nördlich, in Petsiko.
13:54Dort haben sie ihre Netze ausgelegt. Rund zwei Stunden werden sie für die Strecke brauchen.
14:25Das war eine gute Fahrt. Die Hunde hatten es recht leicht, auch wenn das Wetter stellenweise rau war.
14:31Zum Glück gab es nicht zu viel Wasser auf dem Eis.
14:38Hier werden sie die nächsten drei Tage übernachten.
14:45Im späten Winter kommen wir oft hierher zu den kleinen Seen im Fjellgebiet, um zu fischen.
14:52Hier ist es leichter, Beute zu machen.
14:55Aber im Unterschied zu anderen Berufsfischern benutzen wir kein Schneemobil, sondern diese Zughunde.
15:01Und dafür gibt es einige Gründe.
15:04Motorschlitten sind kostspielig. Sie brauchen Benzin, das ist teuer.
15:09Diese Hunde aber ernähren sich nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft, hauptsächlich von Fischabfällen.
15:15Wir können diese Hunde selbst und kostenlos betanken.
15:19Im Gegensatz zu einem Schlitten bleiben Hunde auch nicht im weichen Schnee stecken.
15:23Sie gehen nie mitten in der Wildnis kaputt und sie bringen einen immer wieder nach Hause.
15:29Das machen wir nun schon seit einigen Jahren so.
15:32Offensichtlich funktioniert es, auch wenn viele Menschen nicht daran glauben.
15:39Was sie hier in der Wildnis nicht finden, haben Maria und Ilka von zu Hause mitgebracht.
16:00Ob es heute Fleisch gibt, hängt davon ab, ob ein Moorschneehuhn in die Falle gegangen ist.
16:08Hier bei uns in Inari wurden Moorschneehühner immer gefangen.
16:12Das ist eine traditionelle Form der Jagd, die für die Menschen sehr wichtig war.
16:18Sie hat die Menschen hier lange Zeit ernährt.
16:20Das war sehr, sehr wichtig.
16:24Heutzutage nicht mehr so sehr, aber manchmal kann man damit immer noch etwas dazu verdienen.
16:30In guten Jahren und vor allem in dieser Gegend, wo es ein unerschöpfliches Biotop an Moorschneehühnern gibt.
16:36Das sind gute Moorschneehuhngebiete.
16:57Die letzten Meter.
17:11Na also, das ist ein Moorschneehuhn.
17:16Die Falle hat so funktioniert, wie sie sollte.
17:20Ich habe das Moorschneehuhn mit einem Köder angelockt, denn hier ist ja sein Gebiet.
17:24Ich kann das Moorschneehungebiet.
17:25Oh!
17:27Ohhhh!
17:43Normally it's here in the winter quite nice.
17:46We have an oven, both in the center and in the center.
17:49It's not so cold.
17:50And it feels good to be there,
17:52where you can't listen to the phone,
17:54where you can't listen to the phone,
17:55where you can't listen to the phone,
17:57where you can't listen to the phone,
18:00where you can't listen to the phone.
18:02Schon als Kind war ich gerne in der Wildnis.
18:06Und an einem Ort wie diesem
18:08hat mein Großvater seinen Lebensunterhalt verdient,
18:11als er jung war.
18:12Wenn ich hier bin,
18:14fühle ich mich,
18:14als wäre ich in derselben Welt wie er.
18:25Ich fühle mich freier,
18:28nicht nur wenn ich jage.
18:31Ich bin frei,
18:32wenn ich in den Wald komme
18:33und es losgeht.
18:36Zuhause,
18:37in meinen vier Wänden,
18:39kann ich nie so sein.
19:07Ich bin frei.
19:08Ich bin frei.
19:09Ich bin frei.
19:10und verwerte ihn dort komplett.
19:12Es ist schwierig,
19:14hier über dem Feuer etwas anderes draus zu machen.
19:24Perfekt.
19:45Am nächsten Morgen auf dem La Pajervi See,
19:48800 Kilometer südlich.
19:50Die Temperaturen sind über den Gefrierpunkt gestiegen.
19:54Das macht die Arbeiten zwar angenehmer,
19:56aber der Schnee beginnt zu schmelzen.
19:59Ein Problem,
20:00denn Janne und seinen Helfern
20:02gehen ständig die Motorsägen aus.
20:08Um ein Eiskarussell zu bauen,
20:10insbesondere unter diesen Umständen,
20:12wo es unglaublich viel Wasser gibt,
20:13verlangt es Sisu und Dickköpfigkeit.
20:20Sisu bedeutet Ausdauer, Begeisterung
20:23und dazu eben etwas Dickköpfigkeit.
20:26Auch wenn es Schwierigkeiten gibt,
20:28zieht man es bis zum Ende durch.
20:30Aufgegeben wird nicht.
20:45Nebenan wird Baumaterial gefertigt.
21:06Aufeinander gestapelt,
21:08wird das zum Lieblingsort vieler Finnen.
21:17Die Sauna ist den Finnen sehr wichtig.
21:19Wir gehen fast jeden Tag in die Sauna.
21:21Entweder zu Hause oder bei Freunden.
21:23Aber manchmal auch,
21:25um Geschäfte zu besprechen.
21:29Verfugt wird mit Schnee.
21:30Denn schließlich soll hier demnächst
21:32der Innenraum aufgeheizt werden
21:34und die Wärme nicht gleich wieder hinausziehen.
21:53Jukka, lass uns das etwas über den Rand schieben.
21:57In die Richtung?
21:58Also von der Sauna hier rüber.
22:00Wir müssen wahrscheinlich auch die Bretter verschieben.
22:04Ja.
22:06Wie weit rüber?
22:08Eher bei dir.
22:09Hier ist es schon ganz gut.
22:11Noch mehr.
22:13Jetzt ist es gut.
22:15Ja.
22:19Wenn die Sauna die ganze Zeit an ist,
22:21hält sie vielleicht zwei Tage,
22:22aber viel länger nicht.
22:24Doch wenn es harten Frost gäbe,
22:27könnten wir sie gut drei Wochen nutzen.
22:33Aber jetzt, wo es so warm ist, hält sie nicht lange.
22:36Jedenfalls nicht, wenn man jeden Tag sauniert.
22:42Janne und seine Helfer
22:43haben das Karussell mittlerweile freigesägt.
22:46Mit Spannseilen und einer Winde
22:48versuchen sie, die tonnenschwere Scheibe zu bewegen.
22:54Jetzt müsst ihr genau hinschauen.
22:56Wenn es sich auch nur einen oder zwei Millimeter bewegt,
22:59müssen wir das wissen.
23:04Die Messbalken zeigen an, ob sich die Scheibe bewegt.
23:11Fehlanzeige.
23:14Es ärgert mich.
23:15Ich bin nicht sicher,
23:16ob wir es noch bei Tageslicht ans Laufen bekommen,
23:18aber die Deadline ist ja erst morgen um 12.
23:21Bis dahin schaffen wir es.
23:23Und wenn wir verdammt noch mal die Nacht durcharbeiten.
23:32Wer in Finnland Meisterin im Rentierrennen werden will,
23:36muss sich hier beweisen.
23:37In Salla, 25 Kilometer von Hannas Wohnort entfernt.
23:42Hier finden Wettkampfqualifikationen statt.
23:46Und Hanna hofft, ganz vorne mit dabei zu sein.
23:52Also das Rennen beginnt um 11.
23:54Erst ist die heiße Klasse dran.
23:56Wir haben nämlich zwei Klassen.
23:58Die heiße Klasse und die allgemeine Klasse.
24:01Die allgemeine Klasse ist für Anfänger Rentiere.
24:04Wenn sie eine Strecke von einem Kilometer
24:06in höchstens einer Minute und 19 Sekunden schaffen,
24:10dann sind sie unter der Zeitgrenze
24:12und werden in die heiße Klasse aufgenommen.
24:14Es ist also die Hot-Hot-Klasse,
24:17in die alle aufgenommen werden wollen.
24:24Hot-Hot passt heute auch zur Außentemperatur.
24:27Knapp über Null.
24:29Und damit viel zu warm.
24:33Ein letzter Test.
24:44Dann wird es ernst in Salla.
24:50Hanna in Rot mit Startnummer 5.
24:58Sie hat ihr Rentier Spooky Hyper von zu Hause mitgebracht.
25:02Das machen längst nicht alle Jockeys.
25:12Die Finnen lieben sportliche Wettbewerbe.
25:15Seit 1932 werden in LaBland Rentierrennen ausgetragen.
25:21Ein Spektakel, bei dem die vor Energie strotzenden jungen Bullen
25:25die Jockeys auf ihren Skiern hinter sich herziehen.
25:28Mit bis zu 60 Stundenkilometern.
25:32Diese Kraftpakete zu beherrschen ist eine Kunst.
25:36Hanna gehört zu den besten Jockeys in Finnland.
25:45Und dann das.
25:47Das Rennen hat Hanna zwar gewonnen,
25:49aber jetzt wird der ganze Wettkampftag abgesagt.
25:52Weil es zu warm ist und der Schnee für die Rentiere zu matschig.
25:56Sie könnten sich verletzen.
26:02Kleiner Trost?
26:03Nächstes Wochenende findet schon das nächste Rennen statt.
26:07Das wichtigste der Saison.
26:09Und Hanna ist qualifiziert.
26:17LaBland ist eines der am dünnsten besiedelten Gebiete Europas.
26:21Die Ortschaften liegen weit auseinander.
26:23Mal schnell einkaufen, zum Friseur gehen oder ein neues Buch besorgen,
26:29bedeutet zumal im Winter eine kleine Weltreise.
26:32Doch die Finnen haben sich eingerichtet in der Abgeschiedenheit.
26:36Und gute Ideen.
26:42Hier gibt es allerlei Herausforderungen.
26:44Das Wetter macht, was es will.
26:46Es kann starken Schneefall geben, Frost, starken Frost.
26:51Oder es wird sehr rutschig bei Temperaturen um den Gefrierpunkt,
26:55wenn sich Wasser auf dem Eis befindet.
26:59Es ist von allem etwas dabei.
27:01Alle Arten von Wetter.
27:02Je nach Jahreszeit.
27:05Seit 1983 bringt Terhö Mürileinen mit dem Bücherbus der städtischen Bibliothek Inari
27:11Kultur in die entlegensten Winkel LaBlands.
27:14Seine Route führt ihn heute von Ivalo hinauf nach Nähtermö an die norwegische Grenze.
27:20Das sind 185 Kilometer hin und 185 Kilometer zurück.
27:33Wir haben hier Bücher in mehreren Sprachen.
27:37Wir haben natürlich zunächst Bücher in den drei Samischen Sprachen.
27:40Also Nordsamisch, Inarisamisch und Ostsamisch.
27:44Die haben wir alle.
27:48Natürlich sind die meisten Bücher auf Finnisch.
27:52Aber der Kunde kann bei uns fast jede Sprache bestellen, die er sich wünscht.
28:01Die Kunden, allesamt Junge und Alte Bekannte.
28:09Ich kenne sie hier alle.
28:11Manche kommen fast jedes Mal, andere etwas seltener.
28:16Und wenn die Leute nicht kommen können, rufen sie mich an, um mir mitzuteilen, dass sie nicht zu Hause sind.
28:21Dann muss ich da nicht anhalten.
28:24Die Dorfschule in Sebeti-Jervi.
28:27Finnlands einzige Gesamtschule, an der Skolt Samisch ein Unterrichtsfach ist.
28:40Hallo.
28:41Hallo.
28:42Ich möchte meine zwei Bücher zurückgeben.
28:45Leg einfach hin.
28:46Danke.
28:48Das sind ja noch mehr.
28:49Was hast du da alles?
28:51Das und das und das und das.
28:55Wo warst du denn mit denen schwimmen?
28:57Ich weiß nicht.
29:00Das sind ja viele.
29:02Das sind ja viele.
29:02Das sind ja viele.
29:02Sind das jetzt alle?
29:04Ja, das sind 18 oder 21.
29:10Kann sein.
29:13Das werden wir später sehen.
29:16Danke.
29:21Der Bibliotheksbus kommt alle zwei Wochen und ist ein willkommenes Ereignis.
29:28Unsere Kinder sind begeisterte Leser und leihen sich viele Bücher aus.
29:33Es ist wirklich ein wichtiger Service.
29:37In Finnland sind Schulen sehr gut ausgestattet, egal wie abgelegen sie auch sein mögen.
29:43Schulleiterin Johanna Niminen bringt die Grundschulkinder bis zur sechsten Klasse und wie in Dorfschulen üblich werden mehrere Jahrgänge in einer
29:51Gruppe unterrichtet.
29:54Es gibt iPads und Computer.
29:57Und dann verwenden wir diese Smartboards, die gehören zum Alltag in finnischen Schulen.
30:02Es zeigt, dass Finnland in dieser Hinsicht sehr gleichberechtigt ist.
30:06In der Schule in Helsinki und in Sevetieri gibt es die gleichen Chancen.
30:14Und wenn in Finnland gewählt wird, ist der Bücherbus auch noch wahllokal.
30:19Terho sammelt gebrauchte Batterien und bei Bedarf bringt er auch Arzneimittel.
30:25Brauchst du noch etwas?
30:26Ja, die Medikamente.
30:34Bitte.
30:40Und so vergeht der Tag. Das ist für mich der angenehmste und beste Arbeitstag, wenn mich der Weg hierhin führt.
30:55Terho hält auch für einen einzelnen Kunden und freut sich über jedes noch so kurze Gespräch.
31:13Hallo.
31:14Hallo, grüß dich.
31:15Da bist du ja.
31:17Ich habe was bestellt.
31:19Wie geht's?
31:20Geht so.
31:21Das Wetter ist etwas besser als vor einiger Zeit.
31:24Bei uns hat es am Morgen etwas geschneit, aber nicht viel.
31:29Also.
31:30Das Wetter ist etwas besser als vor einiger Zeit.
31:32Also.
31:33Du hast die hier.
31:35Märchenbücher.
31:37Märchen. Warte mal.
31:43Tschüss.
31:45Tschüss.
31:48Wir haben der Bücherei gesagt, dass wir den Busservice brauchen. Deshalb kommt er jeden zweiten Freitag.
31:58Die Kunden sind mittlerweile gute Freunde.
32:05Das sind die Vorzüge des Berufs, hier zum Kaffee zu kommen. Es ist wirklich sehr schön, dass man willkommen ist.
32:12Man erwartet wird.
32:14Erwartet wird.
32:17Das ist Gastfreundschaft.
32:19Ich bin eine Sami.
32:21Und in unserer Kultur war es schon immer wichtig, dass niemand mit leerem Magen weggeht.
32:29Es ist Teil meiner Kultur. Und ich habe es mit der Muttermilch bekommen.
32:37In Lapland ist Terho eine Institution. Doch bald heißt es Abschied nehmen.
32:43Im nächsten Sommer geht er in Rente. Und seine junge Kollegin Kati wird das Steuer übernehmen.
32:50Den Führerschein hat sie schon.
33:04Zurück bei den Fischern.
33:07Maria und Ilka haben ihr Camp früh verlassen.
33:10Das Ziel ist der Yulla-Moyervi-See, wo sie ihre Netze ausgelegt haben.
33:16Hier ist nicht viel Eis.
33:19Vor drei Tagen hat Ilka ein Loch in den See gesägt, darin ein Netz ausgelegt und provisorisch abgedeckt, damit es
33:26nicht wieder zufriert.
33:34So, fangen wir an.
33:36Ein Barsch. Und gleich am Anfang.
33:40Eine traditionelle samische Fangmethode, die überall in der Gegend angewandt wird.
33:53Wir sind gerade in Inari, in der Wildnis Kaldoaivi, die bis Uziöle und Norwegen reicht.
34:00Ein riesiges Gebiet.
34:03Hier gibt es Hunderte von Seen und dieser hier ist typisch für Kaldoaivi.
34:08Sie sind recht flach, so wie auch die Landschaft flach ist und es keine Flüsse gibt.
34:15Hier gibt es also kaum Lachsforellen.
34:18Die meisten Fische sind große Maränen und Hechte.
34:29Ilka braucht keine elektrischen Maschinen, keinen Motorschlitten und keine großen Boote.
34:35Ich habe Freunde, die beim Inari-See angefangen haben und große Geräte brauchten.
34:40Man muss einen riesigen Kredit aufnehmen und hat viele Schulden.
34:44Und wenn du dann keinen Fisch fängst, hast du ein echtes Problem.
34:51So wie viele andere hier hat auch Marja samische und finnische Wurzeln.
34:56Die Urbevölkerung Lapplands, das Volk der Samen, stellt nur noch eine Minderheit in Finnland.
35:03Hier leben knapp 10.000 Samen.
35:06Viel weniger als in Schweden und Norwegen, wo etwa 80.000 zu Hause sind.
35:16Die Samen haben ein ethnisches Bewusstsein entwickelt.
35:20Und die samischen Sprachen werden immer häufiger verwendet.
35:24Zum Beispiel hat sich die Inari-samische Sprache wieder zu einer Sprache entwickelt,
35:28die ich täglich Kinder und Mütter sprechen höre, wenn ich einkaufen gehe.
35:32Ich sehe das samische Volk als ein Volk, das sich immer wieder anpassen kann,
35:38als ein einfallsreiches und erfinderisches Volk.
35:42Ich glaube, dass die samische Kultur sehr widerstandsfähig ist
35:45und sich gut an Veränderungen anpassen kann.
35:58Heute ist der große Tag für Janne. Sein Weltrekordversuch steht an.
36:05Grüß dich, wie geht's?
36:07Ganz gut. Ich hab noch mehr Benzin geholt.
36:13Mit dem 20 PS Außenbordmotor eines Bootes will Janne der Eisscheibe den nötigen Schub verleihen.
36:20Er lässt sich von den Schaulustigen nicht beirren und gibt Gas.
36:31Doch das Karussell bewegt sich keinen Zentimeter.
36:39Wir müssen noch einmal mit einem Stock rumgehen.
36:42Irgendwo klemmt es.
36:45Es reicht, wenn da nur eine ganz dünne Eisschicht ist. Das reicht schon.
36:53Es ist kurz nach 11. Bis 12 Uhr muss sich das Karussell drehen.
36:57Sonst ist der Weltrekordversuch gescheitert.
37:01Doch, doch, wir schaffen es. Wir knacken den Weltrekord.
37:06Wir brauchen mehr Power.
37:17Hey, Thomas, wir ziehen wie der Teufel.
37:20Und tatsächlich. Es dreht sich.
37:24Das Karussell fängt an sich zu bewegen. Hoffentlich stoppt es nicht.
37:33Der Bürgermeister fasst zusammen.
37:36Das ist finnische Verrücktheit.
37:38Verrücktheit, Sisu und Technologie.
37:42Rekord geknackt. Das größte Eiskarussell der Welt.
37:46310 Meter Durchmesser und 30.000 Tonnen schwer.
37:51Kommt ins Guinness Buch der Rekorde.
38:05Auch die Eissauna läuft rund.
38:12Es ist nicht allzu bequem, denn man kann sich nicht an die Wand lehnen.
38:16Die ist sehr kalt.
38:18Und oben kondensiert das kalte Wasser und tropft auf dich herunter.
38:24Aber das Lölü ist angenehm. Und außerdem ist es etwas Besonderes. Eine ganz besondere Erfahrung.
38:33Lölü ist der finnische Ausdruck für guten Saunadampf.
38:41Ich gehe zuerst rein. Matti bleibt nicht so lange drin.
38:45Ja, Lauri ist ein erfahrener Eisschwimmer.
38:50Die Sauna ist so schwer, dass wir uns nicht getraut haben, hier ein Eisloch zu machen.
38:55Deshalb haben wir nur ein kleines Planschbecken.
38:57Aber auch hier kann man sich ganz gut abkühlen, oder Matti?
39:01Ja, aber ich könnte jetzt wieder zurück in die Sauna.
39:04Ja, ab in die Sauna.
39:16Der Tag der Entscheidung steht auch für Hanna an.
39:20Mit Ku Sipu und Spooky Hyper macht sie sich auf nach Inari, zum Königsrennen.
39:38Es ist der Höhepunkt der Rentierrennsaison. Und ein kleines Jubiläum.
39:44Denn gefeiert wird das 70. Königsrennen auf dem Inari-See. Ein richtiges Volksfest.
40:00Die Samen feiern hier den Abschluss des Winters. Doch für Hanna und ihre Rentiere sind es zwei Tage harte Arbeit.
40:07Nur wenn sie sich bei verschiedenen Rennen in unterschiedlichen Kategorien qualifiziert, darf sie beim großen Abschlussrennen dabei sein.
40:26Das genaue Reglement bei diesem Wettbewerb bleibt ein finnisches Geheimnis.
40:40Das letzte Rennen des Tages gewinnt Hanna. Sie fährt mit Spooky Hyper allen anderen davon.
40:46Doch ob es für den Königstitel reicht, erfährt sie erst morgen.
40:53Im Königsrennen haben zwei Rentiere gute Positionen. Das dritte Tier ist etwas, naja, eigentlich ziemlich weit von der Spitze zurückgeblieben.
41:02Und im Silver Race habe ich drei Rentiere gefahren. Alle drei machen weiter. Es ist also eigentlich sehr gut gelaufen.
41:11Der nächste Morgen. Die Einzelrennen stehen an. Hier wird ermittelt, wer die beste Zeit in einer Runde fährt.
41:22Kusipu, ihr zweites Rentier, ist in Bestform.
41:34Rentiere rennen nicht, weil sie darauf trainiert wurden, sondern weil sie davonlaufen. Es ist ihr natürlicher Fluchtinstinkt.
41:561,17,0. Doch reicht das für den ersten Platz?
42:02Naja, es hätte schon etwas besser laufen können, aber ich bin ganz zufrieden.
42:09Doch es reicht nicht für Hanna und Kusipu. Im letzten Lauf ist ihre Konkurrentin und Freundin schneller.
42:18Ach, ein super Gefühl. Ich habe den zweiten Platz gemacht. Vielmehr, das Rentier war der zweite und ich nur Passagier.
42:25Das Rentier hat eine super Leistung gebracht und ich freue mich sehr. Auch für die Gewinnerin.
42:32Das letzte Rennen dieses Winters ist vorbei. Die Saison beendet. Jockeys und Rentiere können sich ausruhen.
42:41Und der Frühling in Lapland kann kommen.
42:45Die Saison beendet.
42:56Mielpä vuotin minjoani, mielpä vuotin minjoani.
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